Eine Kunstlandschaft ist der Niederrhein zweifellos. Der Begriff könnte aber dazu verleiten, den Einfluss der Landschaft auf die Bauten, die in ihr entstanden, stärker zu bewerten, als es tatsächlich notwendig ist. Außer, dass es zwangsläufig wenig Höhenburgen gibt, hat die Landschaft auch hier weniger zur Entwicklung von Bauformen beigetragen, als Auftraggeber und reisende Baumeister.
Burgen, Schlösser und Herrenhäuser liegen am Niederrhein häufig versteckt in Wald- und Sumpflandschaften. Andere wieder, die ehemals abgelegen oder wenigstens am Rand größerer Städte erbaut wurden, sind heute so eng von der neueren Bebauung umstanden, dass auch sie leicht übersehen werden. Zwischen den meisten Burgen und Schlössern am Niederrhein ist ein imaginäres Netz gesponnen. Es besteht aus ursprünglichen Lehen, Besitzern, Adelsfamilien und Baumeistern. Dieses Netz verbindet fast alle Orte und Bauten miteinander.
Bei den meisten Burgen am Niederrhein handelt es sich naturgemäß um Wasserburgen, aber auch Höhenburgen sind am Niederrhein, so seltsam es auch klingt, anzutreffen. Unter 500 Wasserburgen fallen die ehemals 6 Höhenburgen allerdings kaum ins Gewicht. Die frühesten Wasserburgen wurden um 900 errichtet. Sie gingen aus wenig zuvor errichteten Motten hervor, leichte Aufschüttungen, die mit Palisaden befestigt und von einem Wassergraben umgeben waren.
Ab dem 10. Jahrhundert bauten Adelige, denen das königliche Privileg des Burgenbaus zugestanden wurde, auch hier an hervorragenden Orten feste Häuser, um ihren Führungsanspruch gegenüber der übrigen Bevölkerung auch baulich zu dokumentieren. Vom 11. Jahrhundert an nannten sie sich dann meist nach diesen Burgen. Neben den späteren Grafschaften und Herzogtümern Berg, Jülich, Kleve, Moers und Geldern gab es im Hochmittelalter am Niederrhein auch kleinere unabhängige Herrschaften, wie Wickrath, Myllendonk und Dyck, vor allem aber das bis zur Schlacht von Worringen 1288 mächtige Erzbistum Köln, das seinerseits mehrere Landesburgen errichtete. Die meisten der Burgen wurden weit seltener umkämpft, als es eine romantische Vorstellung nahe legte. Ihre Funktion als Herrschaftssymbole übten sie durch schlichtes Dasein aus. Wehrelemente, wie Zinnen und Erker, sind in diesem Sinne vorwiegend als Machtsymbole zu verstehen. Bauliche Veränderungen wurden gelegentlich nach Teilzerstörungen, weit häufiger aber aus praktischen Erwägungen vorgenommen oder um den Anlagen eine zeitgemäße und damit prestigeerhaltende Form zu geben. Im 16. und 17. Jahrhundert war damit häufig ein Umbau zum Schloss verbunden, im 19.  Jahrhundert dagegen der Rückbau zu einer Burg, die besonders mittelalterlich wirken und damit eine lange Adelstradition suggerieren sollte. Den Verlust seiner gesellschaftlich privilegierten Stellung konnte der Adel damit aber nicht aufhalten.
Als herausragende Bauten der Geschichte, der Kultur und der Siedlungsformen sind alle Burgen und Schlösser Baudenkmale. Die meisten dieser Denkmale am Niederrhein sind öffentlich zugänglich, werden heute als Museen, von anderen öffentlichen Einrichtungen oder als Restaurant bzw.  Hotel genutzt. Es gibt aber auch Burgen und Herrenhäuser, die weiterhin rein privat bewohnt werden und deren Besichtigung nur von außen oder überhaupt nicht möglich ist. Gerade in diesen Fällen schließen die Darstellungen in diesem Band Lücken im feinen Netz ehemaliger Adelssitze am Niederrhein.

Folgende Shlösser und Burgen werden in diesem Band behandelt:
Anholt, Bedburg, Benrath, Borbeck, Bloemersheim, Broich, Caen, Brüggen, Dorenburg, Dyck, Esselt, Greiffenhorst, Haag, Heltorf, Hugenpoet, Hülchrath, Jägerhof, Kaiserswerth, Kalkum, Kempen, Krickenbeck, Stadtschloß von der Leyen, Landsberg, Linn, Liedberg, Mickeln, Moers, Moyland, Myllendonk, Oberhausen, Paffendorf, Rheydt, Ringenberg, Schwanenburg, Wickrath, Wissen, Voerde, Zons