Auge (urian)  Stader Abseiten

Beobachtungen · Bemerkungen · Berichte vom Pferdemarkt

Vergessene
zur Startseite

verlorene verlegte verstreute Geschichten

 

„Die meisten Leute wissen nicht, was ein weißer Stock bedeutet“, beklagt sich Frau Chyrsantos. Ich weiß es auch nur, weil sie mich darüber belehrt. Der weiße Stock signalisiert Sehbehinderung. Die Leute, klagt Frau Chrysantos, würden sich nicht scheren. Und eine Armbinde oder einen Button mit drei schwarzen Punkten auf gelbem Grund will sie nicht tragen. Das ist nicht ihr Stil.

Foto: Ruprecht

Diogenes mittags auf dem Marktplatz von Athen, mit einer Laterne.

„Was suchst du?“, fragen ihn verwundert die Leute.

„Menschen.“

 

15 Minuten auf dem Pferdemarkt, und drei Leute kommen vorbei, die einmal Neonazis waren oder sind oder mit solchen in Verbindung standen oder stehen. Am selben Tag ist einer im Übrigen mysteriösen Zeitungsmeldung zu entnehmen, dass der NPD-Kreistagsgeordnete „vor einigen Wochen“ an einem Treffen mit seinesgleichen im Buxtehuder Rathaus teilgenommen haben soll.

Foto: Ruprecht

 


Bienenalarm
bei der Bank

Bienenalarm am Pferdemarkt (Foto: Ruprecht)

Bienentraube vor der Treppe (Foto: Ruprecht)

Der Imker greift ein (Foto: Ruprecht)

Summend und brummend schwebte am Mittag des 8. Mai 2009 ein Bienenvolk an der Westecke des Pferdemarkts und zog die Blicke der Passanten auf sich. Der Schwarm bildete schließlich eine Traube im Wipfel eines Baumes und legte sich am Fuß der Treppe zum Zeughaus in einer wimmelnden Lache zu Boden. Ein herbeigerufener Imker nahm sich der verirrten Bienen an. Auch die Polizei erschien und unterzog die Königin einer erkennungsdienstlichen Behandlung.

Eine Passantin drückt auf die Ampel am Eingang der Holzstraße. „Signal kommt“ wird angezeigt. Kommt sowieso. Nicht der Fußgänger wegen, sondern um den Autos, die vom Bahnhof kommen, das Einfädeln zu ermöglichen. Es wird nicht schneller grün, weil ein Fußgänger „bitte hier“ berührt. Eine Täuschung, ein Bluff, ein Blödsinn, diese Signalaufforderungsapparatur, oder wie immer es sich nennt. Oder keine. Abends ist die Ampel ganz abgeschaltet, da kommt nicht einmal das „Signal kommt“. Wozu also dient es? Mich erinnert es stets an die Gedankenlosigkeit der Autofahrer in der zuständigen Abteilung des Rathauses, die das Ding seit 20 Jahren auf irgendeinem Plan stehen haben und es sogar dem neuesten technischen Standard oder dem angesagten Design anpassen, und sich um seine Zwecklosigkeit nicht bekümmern. Dafür ist eine andere Abteilung zuständig.Foto: Ruprecht

Foto: Ruprecht

Herr S. verfügt weder über Televisor noch Internet, aber er kennt seine Bildrechte

 

 


Die Mormonen schwärmen wieder durch die Stadt. Im Duo, in weißem Hemd und dunkler Hose, mit Rucksack und eingeflogen aus den USA, womöglich direkt aus Salt Lake City. An manchen Tagen sprechen die Heiligen der Letzten Tage mich mehrfach an, als sei es überflüssig, sich Gesichter zu merken. „Fuck off with Joseph Smith“ vertreibt sie unbedingt. Wer ihren Heiligen beleidigt, kann nicht mehr missioniert werden. Vor einer Weile hieß es, sie wollten in Stade ihre Deutschland-Zentrale einrichten. Was ist daraus eigentlich geworden?

„Kein Alkohol, keine Zigaretten, weder Kaffee noch schwarzer Tee, keine Disco kein Kino, kein Sex“, schreibt das Lokalblatt über die Sektenanhänger. Kein Sex? Ach ja, die glauben an den Weltuntergang, da muss man sich nicht mehr vermehren; oder waren das die Zeugen Jehovas? Die sieht man nicht mehr mit dem Wachtturm in der Fußgängerzone stehen. Ausgestorben?

Moment mal, Mormonen, haben die nicht mal die Vielweiberei propagiert? Oder waren das auch ganz andere? Online erfahre ich, dass die Mormonen im Mai 2008 ein Grundstück an der Altländer Straße/ Ecke Neuenfelder Straße erworben haben, um ein Gemeindezentrum zu errichten. Baubeginn hätte inzwischen sein sollen.

Foto: Ruprecht

Der grüne Pfeil, der Autofahrern das Abbiegen auch bei roter Ampel erlauben soll, ist vor allem eine Aufforderung an die nachfolgenden Fahrzeuge, die Hupe zu betätigen, um das Vorderfahrzeug zum Abbiegen anzutreiben. Ich vermute, deshalb ist das Signal aus der Deutschen Demokratischen Republik (die sonst nicht viel zu bieten hatte) übernommen worden. Um jemanden aus dem Weg und anhupen zu können.

Pferdemarkt (Foto: Ruprecht)

„Schwarzköpfe“ nennt ein dunkelhäutiger junger Mann sich selbst, als er eine Auseinandersetzung schildert, bei der es gerade darum ging, dass er ein solcher ist.

 

 

Foto: Ruprecht