Auge (urian)  Stader Abseiten

Beobachtungen · Bemerkungen · Berichte vom Pferdemarkt

 

zur Startseite

 

 

Betrachtung zu einer Beobachtung von

Neonazis im Internet

 

„studiVZ“ ist, wie der Name besagen soll, ein Webportal für Studenten. Bei der Registrierung muss man eine Hochschule anklicken. Überprüft wird das natürlich nicht. Daher nutzen hiesige Neonazis „studiVZ“, um sich zu vernetzen und Freunde zu werben.
Früher waren sie scheuer. Wer sie fotografierte musste mit Ärger rechnen. Selbst wenn sie bei Wahlkämpfen in der Öffentlichkeit auftraten, hätten sie es am liebsten mit Maske und unter Pseudonym getan. Das änderte sich bei der letzten Kommunalwahl. Als „normale demokratische“ Partei plakatierte die NPD auch mit den Konterfeis ihrer Kandidaten. Man könnte es als Erfolg dieser neuen Strategie ansehen, dass sie aus dem politischen Abseits trat und etliche Sitze in den Kommunalparlamenten errang.
Aufklärungsarbeit bestand darin, Gesichter und Namen zu sammeln und deren Verbindungen festzustellen, um neonazistische Strukturen zu erkennen und Vernetzungen offenzulegen. Das hat sich erledigt. Neonazis regen kaum noch jemand auf, und ein Verbot der NPD wird von gewissen anderen Parteien rituell gefordert, um sich selbst als „antifaschistisch“ zu behaupten.
Rechtsextremisten schämen sich nicht mehr, sondern veröffentlichen sich und ihre Vorlieben lang und breit in „studiVZ“. Sie können das schon deshalb sorglos tun, weil sie sicher sein können, dass kaum jemand hinschaut. Jedenfalls nicht die, die aus der Gegnerschaft zu ihnen politisches Kapital zu schlagen versuchen, um in die Lage zu kommen, einen antifaschistischen Schutzwall errichten zu können.
Neonazis als solche zu outen war eine Zeitlang Mode, eine zeitgemäße Form des Prangers, der von jedem aufgerichtet werden konnte, der sich dazu berufen fühlte, selbst wenn seine Informationen aus dritter Hand stammten und er denen, die er mit Inbrunst ächtete, nie begegnet war.
Auf diese Art kam ein junger Mann ins Gerede, weil er seinen Zivildienst bei einer Sozialhilfeorganisation in Stade ableistete. Seine Vorgesetzen bescheinigten ihm prompt, dass er sich gewandelt habe und kein Neonazi mehr sei. Kompletter Blödsinn, wenn nicht eine faustdicke Lüge.
Seltsamerweise konspirieren jene, die sich über den jungen Mann empörten, bis heute mit denen, die ihren Kollegen als Neonazi nicht wahrhaben wollten, und zwar in Sachen Antifaschismus. Und die, die den jungen Mann an den Pranger stellten, hatten keine Skrupel beim Schulterschluss mit Holocaust-Verharmlosern, die es für angezeigt hielten, ein bisschen „Kampf gegen Rechts“ zu fingieren, weil ihnen das politisch nützlich vorkam.
Als der junge Mann hernach eine Arbeitsstelle in Stade hatte, sorgte er sich sehr, dass dies bekannt würde und er Opfer einer Outing-Aktion werden könnte. Soll heißen, er fürchtete, dass sein Arbeitgeber dem moralischen Druck von Leuten nachgäbe, die von ihm eine Haltung einforderten, die sie selbst nicht einnahmen sondern nur simulierten.
Inzwischen scheinen beide aus Stade verschwunden, Neonazis wie Antifaschisten. Von Antifaschismus ist allerdings nichts mehr zu vernehmen, und insofern es sich dabei oftmals um Heuchelei handelte, ist es nicht schade darum. Das Netzwerk der Neonazis funktioniert jedenfalls weiterhin, wie „studiVZ“ belegt. Dort gibt der oben erwähnte junge Mann vieles über sich preis, das er ehedem geheim zu halten bemüht war.
Warum hier keine Namen genannt werden? Nenne ich die Namen der Neonazis müsste ich auch die der so genannten „Antifaschisten“ nennen. Von den Neonazis, die den Pranger gewohnt sind, hätte ich kaum etwas zu befürchten. Aber bestimmte Antifaschisten und ihre bürgerlichen Bündnispartner, deren demokratisches Verständnis so wenig entwickelt ist wie das der Neonazis und die sich für sakrosankt halten, würden mich womöglich auf den Rechtsweg zwingen. Und da ich nicht wie sie der Ober- sondern der Unterschicht angehöre, kann ich mir mein Recht nicht leisten.
Jedenfalls: Sollten die Leser dieser Website demnächst an anderer Stelle in aufklärerisch-empörten Tonfall davon hören, dass heimische Neonazis sich der Infrastruktur von „studiVZ“ bedienen, sei ihr Misstrauen geweckt, wer diese Nachricht verbreitet und aus welchen Motiven da wer den Polit-Richter spielt.

 

 

von Uwe Ruprecht

 

 

screenshot StudiVZ

Aus dem Profil eines
NPD-Funktionärs bei studiVZ

Was bin ich?: Ein Mensch?
Sprachen: je nach Zustand aber 2 fliesend (Hochdeutsch auch ohne Anglezismen, also wirklich deutsch und Englisch)
Politische Richtung: rechts
Clubs, Vereine: na was wohl
Lieblingsbücher: 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte von Gerd Schultze-Rhonhof

Kommentar eines seiner Freunde:
WIR DEUTSCHE BRINGEN DIE STRAßEN ZUM BEBEN
INDEM WIR UNSERE FAHNE HEBEN!!!
UNSER STOLZ... UNZERBRECHLICH!
UNSERE SCHÖNHEiT... UNWIDERSTEHLICH!
WIR SIND DEUTSCHE
DESWEGEN... AUCH UNSTERBLICH!
VON NORDEN NACH SÜDEN, VON OSTEN NACH WESTEN,
WiR DEUTSCHE SIND WELTWEIT DIE BESTEN!