1. Staffel
Einführung: Kat, eine mutige junge Frau (von Helli Gräfin E.)
Kat,
die blonde bildhübsche Werbetexterin mit
den Sternchenaugen, wie ihr alter Schulfreund Heinz zu sagen pflegt, bricht im
wahrsten Sinne auf zu neuen Ufern: Von einem renommierten Headhunter
angeworben, wird sie demnächst in Texas ihr Geld verdienen. Wer oder was ihr
neuer Arbeitgeber ist, weiß sie allerdings gar nicht. Doch lässt sie die Höhe
des in Aussicht gestellten Gehaltes als auch die Zusage, absolut frei schalten und walten zu
können, trotz der Bedenken der besorgten Eltern und Freunde, diesen Schritt
wagen. Es fiel ihr auch nicht schwer, Hamburg, ihre
Heimatstadt nun schon seit langen Jahren, zu verlassen. Ihr
Auftraggeber, die Schönfeldt-Harperath-Grief-Foren Corporation, für die Kat
lange als freie Mitarbeiterin arbeitete, stand kurz vor dem finanziellen Aus,
so munkelte man wenigstens in der City. Aber es war offenkundig: Immer mehr
kürzten oder löschten die Vorstände Beiträge renommierte
Mitarbeiter, so genannte Urgesteine, wurden fristlos gekündigt und obwohl Kat
bisher nicht in der Schusslinie stand, fühlte auch sie sich nicht mehr wohl.
Aber es war nicht nur das, schon lange fühlte sie
eine innere Unruhe, war auf der Suche und wusste doch gar nicht, nach was. So
kam ihr das geheimnisvolle Angebot gerade recht.
Gewissenhaft packte sie also die nötigsten Sachen, löste ihr Wohnung auf, nahm
noch einmal liebevoll einen einzelnen Herrensocken, der nun all die Jahre ihr
treuer Wohnungsgenosse gewesen war, in die Hand liebkoste ihn und stieg in das
wartende Taxi. Dieses bracht sie an die Landungsbrücken, dorthin, wo der große
Frachter Werderania, das größte Schiff der Wilhelmshavener Brandungsfelsen
Reederei, der auch regelmäßig 20 so genannte Privatpassagiere mitnahm, im Nebel
schon auf sie zu warten schien.
1. Folge: Beim Kapitänsdinner (von Helli
Gräfin E.)
Der
erste Tag an Bord verlief zunächst ruhig. Da Kat darauf verzichtet hatte wie
die anderen noch lange zu winken (nach vorne will ich schauen, nicht zurück), hatte
sie schnell ihre Sachen ausgepackt und begann eine
erste Runde an Deck zu drehen. Wehmütig sah sie nun doch die Elbdeiche an sich
vorbei ziehen, mit den lieben Schafen, die oft einzige Gesprächspartner gewesen
waren, an langen einsamen Sonntagsspaziergängen, die sich in letzter Zeit
gehäuft hatten. Kat hatte sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen. Allzu lästig
waren auch manche Verehrer, allen voran ein luxemburgischer Prinz, Herausgeber
eines Fußballmagazins, der sie permanent mit Einladungen überhäufte.
Auf dem zweiten Oberdeck kam ihr der erste Offizier der Werderania entgegen,
der sich höflich vorstellte. Dennoch entgingen Kat nicht seine gierigen Blicke,
die aus seinen kalten Fischaugen ihre schlanke Gestalt
musterten. Er wäre hübsch zu nennen gewesen,
hätte nicht ein kalter verächtlicher Zug um seinen zu kleinen Mund dem Gesicht
etwas Abschreckendes gegeben. Auch trug er Schuhe mit
hellen, ca. 5 cm hohen Kreppsohlen, was Kat, deren Stilsicherheit und Geschmack untrügbar waren,
abschreckte. Sie nahm allerdings seine Einladung,
abends zusammen mit den anderen Privatpassagieren beim Kapitän zu essen, an.
Pünktlich um sieben Uhr erreichte sie die Kapitänsmesse. Kapitän Falk Rickmers,
den Kat bisher nur von ferne gesehen hatte, öffnete die Tür. Kat blieb fast das
Herz stehen, als sie ihn sah. Fast war es, als ob sie nun wusste, was sie
gesucht hatte. Ihn. Falk.
Seine fulminante Wirkung übte er allerdings nicht nur auf sie aus. Anna
Nümosia, eine fidele, reiche Münchner Altenheimbetreiberin und Mitreisende,
drückte Kat jedenfalls einen doppelten Martini in die Hand und raunte, mit
Blick auf den Kapitän:
"George Clooney ist ein Schiss dagegen."
2. Folge:
Captain, oh mein Captain! (von Scarlet)
Dankbar
ergriff Kat das Martini-Glas (gerührt und nicht geschüttelt!), das ihr die
Dame reichte und leerte es mit einem einzigen, kräftigen Schluck. Es war ihr,
als ob ihr plötzlich die Sinne schwinden würden, sie
hörte gar nicht, was die Münchnerin sagte, sie sah nur IHN. „Captain, oh mein
Captain!“, dachte sie…
Das nächste, woran sie sich erinnern konnte war, dass sie ein fremder junger
Mann mit sanften Augen stützte, und ihr die Münchnerin mit der extravaganten,
Goldverzierten Speisekarte, die sie rasch von einem der fünf Tische nahm, Luft
zufächelte. Sie redete unentwegt auf den jungen Unbekannten ein und beschwor ihn, Kat auf die
Krankenstation zu bringen. Doch da diese nun langsam zu sich kam und Aufsehen
um jeden Preis vermeiden wollte – ER, Falk, der in unmittelbarer Nähe stand,
sollte sie doch nicht so sehen – bat sie einfach darum, zu ihrem Platz gebracht
zu werden. Dort nahm sie auf ihrem, mit rotem Samt gepolsterten, Stuhl platz
und strich sich noch rasch eine Locke aus dem
Gesicht, die sich wohl gelöst haben muss. Als sie sich umdrehte, um dem jungen
Mann zu danken, war dieser nicht mehr da, sie sah sich im Speisesaal um, doch
er schien wie vom Erdboden verschluckt.
Während sie sich noch umsah, redete die Münchnerin schon wieder auf sie ein,
diese machte sich ernsthaft Sorgen um das junge Mädchen. Kat beruhigte die Frau
und beteuerte, dass wieder alles in Ordnung sei.
Jetzt erst bemerkte Kat, dass auch schon alle anderen
Privatpassagiere anwesend waren. Außer ihr und der Münchnerin Anna Nümosia, saß
auch noch ein merkwürdiges Ehepaar an ihrem Tisch und zwei Plätze waren
frei. Das Ehepaar stellte sich als Anna und Paul Paulsen vor, sie waren schon öfter an Bord und
kennen Kapitän Rickmers sehr gut. Kats Herz machte einen Freudensprung, als sie
seinen Namen hörte.
Kat sprach nicht viel mit den anderen Gästen, sie hatte nur Augen für IHN. Sie
hörte gar nicht, wie sich das Ehepaar Paulsen über "ihren" Kapitän
unterhielt und meinte: “Findest Du nicht auch, dass er alt aussieht? Er muss
doch jetzt auch schon mindestens 35 sein?“
3. Folge: Der Pianomann (von Scarlet)
Kat
hörte auch nicht das sanfte Klavierspiel, das von der Bar herüberklang und sie
sah auch nicht den jungen Mann, der am Piano saß und seine sanften Augen nicht
von ihr lassen konnte, seit er ihr zuvor bei ihrem Schwächeanfall beistand.
Irgendwie war es ihm, als ob er sie kannte. De Guy, wie er sich nannte, hatte
bei einem mysteriösen Unfall sein Gedächtnis verloren, das einzige, woran er
sich erinnerte, als er sich vor etwa einem halben Jahr um die Stelle des
Klavierspielers bewarb, war, dass er früher gerne Klavier gespielt hatte. An
Bord der „Werderania“ wurden nicht viele Fragen gestellt, man war froh, diesen
virtuosen Musiker gefunden zu haben. Insgeheim wurde natürlich über seine
Vergangenheit gemunkelt. Das kümmerte De Guy, den Pianomann, wie er von den
Passagieren und auch von der Mannschaft liebevoll genannt
wurde, wenig. Er war glücklich über diese Anstellung auf dem Schiff, obwohl er
dort nicht viel verdiente.
Jetzt, wo er Kat begegnet war, die plötzlich wie eine sanfte Meeresbrise in
sein Leben geweht wurde, war es ihm, als ob eine Türe zu seiner Vergangenheit
aufgestoßen wurde. Wo hatte er dieses engelsgleiche, blonde Wesen schon einmal gesehen?
Sein Herz schlug zum zerspringen, jedes Mal wenn er in
Kats Richtung sah und sich ihre Blicke für einen Sekundenbruchteil trafen…
Von all diesen schweren Gedanken des Pianomanns konnte Kat zu
diesem Zeitpunkt noch nichts wissen. Sie ärgerte sich in diesem Moment über den
fischäugigen ersten Offizier, der es wagte, sie
eine halbe Stunde warten zu lassen. Auf der anderen Seite war sie jedoch froh,
Zeit für sich zu haben und den Kapitän beobachten zu können, während sich ihre
Tischnachbarn angeregt unterhielten,
Shrimp-Cocktails zu sich nahmen und Austern schlürften. „Ach wie gut
würde sich sein Gesicht auf einer Fischstäbchen Packung
machen!“, dachte sie und den passenden Werbetext wüsste sie auch schon!
4. Folge: Die erste Nacht (von Helli Gräfin E.)
Der
Abend verging wie in einem Rausch. Kat fühlte sich wie
in einer Zwischenwelt. War sie hier, war sie dort? Sie
wusste es nicht mehr, ließ sich von Frau Anna Nümosia mit Drinks versorgen
(mehr als sie sonst trank), genoss die Aufmerksamkeit des melancholischen Pianisten, aber
auch die von "Fischkrepp", wie sie
den Offizier gemeinsam mit der fidelen Münchnerin nunmehr getauft hatte. Es schien, als ob das Leben
still stand, der Augenblick zählte, um alle herum nur das Meer, der Horizont,
die begehrlichen Männerblicke....
Kat wäre nicht Kat gewesen, hätte nicht die bittere Realität Einzug gehalten.
Ihr wurde schlecht. Und das ausgerechnet in dem Moment, in
dem der Pianomann "My Way" spielte und Kat dachte, so kann es weiter
gehen, zumal Falk Rickmers den Platz zwischen ihr und Ehepaar
Paulsen wählte.
"Nein!" dachte sie nur, "nicht wie damals, als ich meinem ersten
Chef bei der Weihnachtsfeier auf die Hose brechen musste!" und gleichsam
einem Stoßgebet erhörend nahm die ältere elegante Frau Paulsen sie an den Arm
und meinte "Meine Liebe, begleiten sie mich zu meiner Koje? Mein Mann
möchte Kapitän Rickmers noch mit langweiligen Geschichten aus seiner Botschafterzeit in Dubai
beglücken...“ Kat, die sich eben zwar noch trotz aller Übelkeit den ersten
Haarzerzausangriff auf Captain Rickmers nicht üblen Schopf ausgemalt hatte,
stimmte erleichtert ein, zumal sie am Arm der stabilen Frau Paulsen einen
aufrechten Gang hinbekam.
Und der Blick, den der Kapitän ihr beim Herausgehen zuwarf, der war doch nicht
ohne?
Kat verabschiedete sich herzlich, so war es ihre Art, von
den Mitreisenden. An die Seite der Münchnerin hatte sich nunmehr Gräfin
Ermakova begeben, eine allzu neugierig dreinblickende Person, die wohl in ihrem
eigenen Leben einiges vermisste, so gierig blickten ihre Augen jeder Bewegung
in der Kapitänsmesse hinterher. Beide Damen widmeten sich ausgiebig einer
Martiniflasche und besprachen einen bayrischen Heimatroman, der -
zu Kats Erstaunen- bis an die Bestsellerlisten hervorgestoßen war.
Getröstet von dem Gedanken, dass Kapitän Rickmers so oder so für die nächsten
Wochen ein Begleiter sein würde, schlüpfte Kat kurze Zeit
später unter die kühlen Laken ihrer neuen Heimstatt. Doch da stieß sie auf
einen Briefumschlag, leicht duftend nach Vernell...
Irritiert öffnete Kat das Kuvert, entfaltete den Bogen und las:
1. Mach keinen Umweg über Zürich nach Hamburg
2. Es gibt keinen Hieronimus Kayser Weg
3. Regisseure sollten in ihren eigenen Filmen nicht mit spielen.
Kopfschüttelnd schlief unsere Kat ein,
nicht ahnend, welche Abenteuer sie noch erwarten sollten.
5. Folge: Lebensgeschichten (von Paula_Tracy)
Am
nächsten Morgen sah die Welt schon ganz anders aus, es
war, als hätte es diesen geheimnisvollen Brief mit den Hinweisen nie gegeben...
Kat schüttelte über sich selbst den Kopf und
plauderte am Frühstückstisch mit Maria Nümosia und
Gräfin Ermakova. Falk Rickmers hingegen ließ sich nicht sehen. Kats
empfindsames Herz wurde durch die vielen Schicksalsschläge der letzten Zeit
sehr in Mitleidenschaft gezogen, und ihre
Zuversicht, dass vielleicht Captain Rickmers ihr Schicksal sein könnte, sank
zusammen wie ein Kartenhaus...
Auch das Telegramm der Schönfeldt-Harperath-Grief-Foren Corporation, in der sie
angefleht wurde, zurückzukehren, weil die neue Mitarbeiterin Smartie den ganzen
Tag nur Werbesongs vor sich hinsummte und alle am Rande eines Nervenzusammenbruchs
waren, konnte Kat nicht aufmuntern. Doch eine gewisse Genugtuung für ihr
unermüdliches Engagement war es schon.
Gräfin Ermakova erzählte in epischer Breite die Geschichte ihrer
Thoraxprellung im letzten Jahr, und auch Maria Nümosia wusste natürlich dazu
einiges zu berichten. Sie hatte erst vor einigen Wochen auf der letzten
Kreuzfahrt (mit dem legendären Captain Nuss) einen Hexenschuss erlitten und dabei
die Bekanntschaft des Engländers Hubert Farnsworth gemacht,
der erste Hilfe leistete und der offenbar tiefen Eindruck auf sie gemacht
hatte.
Kat hörte nur noch mit halbem Ohr zu, denn plötzlich ging die Tür auf und...
Nein, es war nicht Falk Rickmers, der da zur Tür hereinkam, es war...
6. Folge: Der
Cessnaritter (von cessnaritter)
...ein
interessanter, schon reiferer Mann mit ersten grauen Haaren,
Mitte vierzig, mit Wettergebräuntem Gesicht. Er trug eine robuste Pilotenjacke
aus Leder und um den Hals einen weißen Seidenschal. In ihrem Kummer
hatte Kat nicht bemerkt, wie seine Ankunft, längsseits des Schiffes mit seinem
Wasserflugzeug, für Aufregung unter den Passagieren gesorgt hatte.
In seinen Kreisen war er unter dem Namen "Der Cessnaritter" bekannt
geworden, weil er die tollkühnsten Flugkunststücke rund um die Welt vollführte,
die Frauen lagen ihm zu Füßen. Aber er wollte nur Kat, seit er sie vor Jahren
in der Bitburger-Werbung im Fernsehen gesehen hatte.
Er kam auf sie zu, mit einer roten Rose in der Hand.
"Die habe ich aus dem Garten von Schloss Windsor geholt, in Gegenwart von
Rosamunde Pilcher eigenhändig von der Queen abgeschnitten!"
Er reichte ihr das edle Gewächs und strich ihr sanft über das Haar. Dann drehte
er sich um, seine Mission war erfüllt.
Kat schaute sich verwundert um, denn es kam ihr
alles wie ein Traum vor. Vielleicht sollte sie zum Bordarzt gehen, doch Doktor
Sommerfeld verlangte wie jeder Arzt 10 € Praxisgebühr. Sie hatte aber kein
Bargeld mehr, nur noch ihre Kreditkarte, die aber hoffnungslos überzogen war.
Wie sollte es nur weiter gehen? Kat war in ihren Gefühlen hin und her gerissen.
Kein Mann wollte bei ihr bleiben! Es war zum Verzweifeln.
Sie sprang vom Tisch auf und lief aufs
Promenadendeck, wo sie noch gerade sah, wie der Cessnaritter wieder in sein
Flugzeug stieg. Er sah sie und rief ihr laut zu: "Wir sehen uns wieder, mein
Liebstes!" Dann startete er sein Flugzeug und steuerte gen Westen in den
Sonnenuntergang.
7. Folge: Trügerische Bilder (von Scarlet)
Zumindest
schien es Kat so, als wäre es der
Sonnenuntergang, was ja gar nicht möglich war, da sie sich ja soeben erst vom
Frühstückstisch erhoben hatte, doch die Tränen die ihr in
die Augen stiegen verdunkelten ihren Blick, sodass es ihr tatsächlich wie der
Sonnenuntergang vorkam.
Was war nur los? War sie nicht hierher auf das Schiff gekommen, um die
Vergangenheit hinter sich zu lassen? Und doch schien sie genau diese
Vergangenheit auf Schritt und Tritt zu verfolgen, Kat hatte ein ungutes
Gefühl...
Als sie da so an der Reling stand und traurig auf das in der Morgensonne
glitzernde Meer hinausblickte und sich ihren Gedanken hingab, spürte sie
plötzlich die sanfte Berührung einer starken Hand auf ihrer Schulter. Eine Mischung aus Old Spice und
Tabakrauch stieg Kat in die Nase und sie wusste sofort zu wem diese Hand
gehörte. Kats düstere Gedanken, denen sie gerade noch nachhing, waren wie
weggeblasen. Rasch wischte sie sich eine Träne
von der Wange und drehte sich langsam um…
8. Folge: Ein Prinz… (von Paula_Tracy)
...
Als sie in das Gesicht des Schiffsjungen sah, wusste sie, dass er sich wahrscheinlich im Bad des
Captains bedient hatte. Kat wischte sich eine Träne aus
dem Augenwinkel und fragte: "Was ist denn los?" "Sie sahen so
traurig aus", meinte der Junge, der für sein Alter sehr reif schien. "Kann ich
etwas für Sie tun?" "Nein", schniefte Kat, "es
ist schon gut..." Sie wandte sich wieder zur
See und träumte weiter. Fünf Tage sollte die Überfahrt noch dauern - ihr Herz
wurde schwer. Sie war total verwirrt - erst Falk
Rickmers, dann dieser Cessnaritter... Doch er war wieder verschwunden... Kats
Gedanken gingen zu ihrem Freund Andreas aus der Hansestadt Lübeck, der sie
stets vor Fliegern und unnützen Ausgaben gewarnt hatte. "Fliegen und somit
auch Flieger schaden der Umwelt", hatte er gemeint,
"nimm eine Schiffspassage, das ist umweltfreundlich und obendrein noch
billiger, weil Du an Bord mit arbeiten kannst..." Doch auf der Werderania
arbeitete niemand mit, deshalb war das Ticket auch so teuer gewesen. Kat hatte
keinen Cent mehr in der Tasche, nur ihre überzogene
Kreditkarte - auch vor diesen hatte Andreas sie gewarnt - hätte sie nur auf ihn
gehört!
Ein Geräusch schreckte Kat auf - sie
sah, wie der luxemburgische Prinz gerade über
eine Liege stolperte und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er hatte
gestern Abend wohl etwas zu lange den Sieg der französischen Elf über Botswana
gefeiert - die Entscheidung fiel in der
Verlängerung im Elfmeterschießen. Rasch ging Kat in die
andere Richtung - und stieß mit Falk Rickmers zusammen.
"Sie sehen bezaubernd aus..." flüsterte Falk hingerissen. Doch dann
spürte sie, wie ein Ruck durch seine Hochgewachsene Gestalt ging, und sein
Gesichtsausdruck wurde wieder kühl und sachlich. "Ich hoffe, Ihnen gefällt
die Überfahrt?" "Ja, danke", murmelte Kat verlegen und flüchtete
sich an die Seite des herannahenden Prinzen, der hocherfreut schien.
Falk sah ihnen enttäuscht nach. Sie zog diesen
Prinzen ihm vor! Und er dachte - ach, er hatte ja nur geträumt... Er konnte
sich nicht mit Passagieren einlassen, er war ja ständig auf See, das war kein
Leben für eine Frau. Daran war auch seine erste Ehe mit einer Österreicherin
aus Graz, die er immer liebevoll "mein Baby Jane" genannt hatte,
kaputt gegangen. Sie war mit einem Bergsteiger durchgebrannt, und Falk konnte
ihr noch nicht einmal böse sein. Aber - irgendwie hatte er geglaubt, diese Kat
könnte anders sein...
Der Prinz war vielleicht doch nicht so übel, fand Kat, denn diesmal sprach er
nicht nur von Fußball, sondern von den Vorzügen eines Apple Computers - und Kat
war da genau einer Meinung mit ihm - aber ihre Gedanken schweiften wieder ab...
9. Folge: Ein Ausruf und ein
Fernsehsender (von Baby Jane)
Und
am nächsten Morgen, als sich die Werderania, das stolzeste Schiff der Reederei
BrandungsFelsen, unbeirrbar ihren Weg durch die Wogen des wilden Meeres ins
Land der unbeschränkten Möglichkeiten bahnte, da wurde Kat
plötzlich, durch lautes Geschrei an Deck, geweckt.
Rasch warf sie sich ihren lachsfarbenen
Seidenkimono über und eilte nach oben. Die Passagiere der Werderania hatten
sich versammelt und wohnten mit offenen Mündern und erschrockenen Augen dem
gigantischen Schauspiel bei, das sich ihnen da bot:
Denn der luxemburgische Prinz war dabei, auf
den Hauptmast des Dampfers zu klettern! Doch was war der schalenförmige, sperrige
Gegenstand, den der Blaublütige aus dem Geschlecht der Malkos auf seinen
Rücken geschnallt hatte und der im Morgenlicht funkelte
wie eintausend Edelsteine? "C'est une
Satellitenschüssel!" hauchte Gräfin Ermakova (noch im
Negligé). Miss Scarlet, Mrs Paula Tracy, die kleine Baby
Jane und der ritterliche Cessna stützten die Adelige, die einer Ohnmacht nahe
zu sein schien.
Begleitet von den „Ahs“ und „Ohs“ der illustren Schiffsgemeinschaft fixierte der Prinz
mit hundertfach geübtem Griff die Satellitenschüssel am höchstens Punkt
des Mastes. Dann breitete er seine Arme aus, reckte sein Antlitz gen Sonneball
am Himmel und schrie aus voller Brust: "Ich bin der König
der Welt! Nun könnt ihr auch auf der Werderania Sat.1 schauen!"
10. Folge: Seemannsgarn (von Scarlet)
Nachdem
der luxemburgische Prinz das Ungetüm von Empfangsanlage auf
dem Hauptmast des Schiffes angebracht hatte, beruhigten sich die Passagiere rasch wieder. Die Aussicht,
auch an Bord der Werderania Sat 1 sehen zu können löste nicht gerade einen
Freudentaumel unter den Anwesenden aus. Nach und nach begaben sich jene, die
sich soeben noch am Oberdeck befanden in ihre Kabinen und die Crew an die
Arbeit.
Kat nahm auf einem der Liegestühle Platz, dabei achtete sie darauf, dass ihr
zarter Teint nicht zuviel Sonne abbekam und ihr Gesicht immer im Schatten
blieb. Dass sie noch ihren lachsfarbenen Kimono anhatte, hatte sie völlig
vergessen…
Im Liegestuhl vor sich hinträumend ließ sie noch einmal den gestrigen Tag Revue
passieren:
Es war einiges geschehen. Nachdem sie den
gestrigen Vormittag mit dem Prinzen von und zu Malko über Apple gefachsimpelt
hatte, begab sie sich zum Lunch in den Speisesaal, der ihr dieses mal voller erschien, als noch am Abend
zuvor. Und wirklich, die zwei Plätze, die an ihrem Tisch bisher noch frei
waren, waren jetzt von zwei Frauen besetzt, wovon sich die eine als Mrs. Paula
Tracy, eine junge Tierärztin und freiberufliche Redakteurin einer Fernsehzeitschrift vorstellte, und
die andere Miss Scarlet hieß, von der man noch nicht viel mehr wusste, als dass
sie aus Wien kommt.
Das Essen war ausgezeichnet und man blieb auch danach noch im Speisesaal
beisammen und lauschte den Geschichten des Kapitäns,
der über seine Erlebnisse auf See berichtete.
Er erzählte von ehemaligen Crewmitgliedern, wie zum Beispiel von der
gefeierten, international anerkannten und weltbekannten Animateurin
Susanne-Angelika Tirami. Sie war eigentlich so etwas wie ein „Universalgenie“.
Da sie sämtliche Sprachen in Wort und Schrift beherrschte, war sie eine große
Hilfe an Bord, aber sie war eine Person, die polarisierte. Gelegentlich konnte
man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie der heimliche Kapitän der
„Werderania“ war. Als Falk Rickmers das erzählte, spielte ein spöttisches Lächeln um seine
Mundwinkel. Schließlich aber kam es zum Eklat zwischen Tirami und einem
der Passagiere, der ihre Autorität offen anzweifelte. Sie verließ von einem Tag
auf den anderen mit Pauken und Trompeten das Schiff, um sich irgendwo in der
Toskana der Alpaka-Zucht zu widmen. Aber noch heute, so sagte Rickmers, ranken
sich noch unzählige Gerüchte um die Person dieser Tirami. Auch wenn sie schon lange nicht mehr
hier ist, so ist es ihm doch so, als ob Ihr Geist noch überall gegenwärtig
wäre…
Dann war da auch noch eine junge Adelige, eine gewisse Lady Patricia K., die
gute Verbindungen zum englischen Königshaus hatte.
Der Tod von Prinzessin Diana hatte sie sehr mitgenommen, woraufhin sie beschloss, auf der
Werderania anzuheuern. Sie hatte ihren Abschluss in Hundetherapie,
Delfintherapie und Kinderbetreuung an der RTLU in Köln gemacht und schloss ihre Studien mit
dem anerkannten Grad einer „Nanny“ ab. Bei ihren späteren Forschungen entdeckte und
interpretierte sie den Ödipus-Komplex neu. An Bord lernte die Lady den
Leichtmatrosen Nobbi kennen, die beiden waren ein ungleiches aber entzückendes
Paar. Sobald sich die edle Lady in Schwierigkeiten befand, war der Matrose an
ihrer Seite! Lange Zeit war die Lady die ehrenamtliche Therapeutin an Bord. Das
ging solange gut, bis sie anfing, sich zu sehr mit den Problemen ihrer Klienten
zu identifizieren und auch jenen Passagieren Therapien verordnete, die das gar
nicht wollten. Damit machte sie sich nicht nur Freunde. Das hielt die nicht
ganz gefestigte Lady nicht aus und eines Nachts kaperten sie und ihr Matrose Nobbi
eines der Rettungsboote mit dem sie, wie sie in einem ausführlichen Abschiedsbrief erklärte,
nach Moskau rudern wollten. Keiner weiß, wie diese Geschichte ausgegangen ist…
11. Folge: Unliebsame Überraschung (von Scarlet)
Lange
lauschten die Passagiere im Speisesaal den Geschichten des Kapitäns,
der bestimmt auch ganz schön viel Seemannsgarn
spann, als diese gelöste Atmosphäre ganz plötzlich durch die sich öffnenden
Türen empfindlich gestört wurde. Der Kapitän verstummte augenblicklich und
wurde kreidebleich, als er die eintretenden Personen erblickte. Kurz noch
blickte er in Kats Richtung, die nicht wusste, was hier vorging, als er
unvermittelt aufsprang und die drei Fremden wieder aus dem Saal drängte, so
dass sie Kat gar nicht sehen konnte, und mit ihnen verschwand. Kat und die
anderen im Speisesaal blieben ratlos und ahnungslos zurück….
Den Nachmittag verbrachte Kat in ihrer Kabine mit dem Lesen des
Bestseller-Heimatromans, den ihr die Münchnerin und die Gräfin so ans Herz
gelegt hatten. Außerdem machte sie sich Gedanken darüber, was da vorhin wohl im
Speisesaal vorgefallen war, sie konnte Falks Blick, den er ihr zugeworfen
hatte, nicht vergessen.
Als es Zeit war, sich für das Dinner fertig zu machen, schlüpfte Kat in ein
hellblaues Seidenkleid, mit dem ihre blonden Locken und die Sternenaugen noch
besser zur Geltung kamen und sie begab sich wieder in den Speisesaal, gespannt,
was sie dort erwarten würde.
Wie anzunehmen war, wurde dort bereits über die drei Fremden heftig getuschelt. Aus sicherer Quelle
soll man erfahren haben, dass es sich um Baby Jane, die Exfrau des Kapitäns
handeln sollte – kein Wunder also, dass er bei Ihrem Anblick erschrak, mit ihr hatte er
nicht gerechnet. Mit ihr war der neue Mann an ihrer Seite gekommen, ein
bekannter Bergsteiger, der vorgab, den Yeti gesehen zu haben. Die beiden wurden
vom Cessnaritter, der sie mit dem Flugzeug zum Schiff gebracht hatte,
begleitet.
Falk Rickmers ließ sich während des gesamten Dinners nicht blicken, weshalb Kat
keinen Grund sah, länger als nötig im Speisesaal zu bleiben. Als der Pianomann
„Killing me softly“ anstimmte, verließ sie den Saal, sie sah den
liebevollen Blick, mit dem der Pianomann sie betrachtete nicht.
All das ging Kat durch den Kopf, während sie in ihrem lachsfarbenen Morgenkimono
auf dem Liegstuhl lag, als sie plötzlich eine Laute Sirene vernahm…
12. Folge: Falk bittet um Hilfe (von Helli
Gräfin E.)
Kat
war irgendwann über dem Heimatroman eingenickt, das in der prallen Sonne, und schrak hoch, als jemand
sie sacht an der Schulter rüttelte.
Geblendet durch das Sonnenlicht sah sie zunächst nicht, wer das war, stellte
aber zu ihrem Entsetzen fest, dass sie während des Schlafens gesabbert hatte
und ihr lange Speichelfäden das Seidenkleid verunziert hatte. Verlegen wischte sie sich unbeholfen
ab, um gleichzeitig festzustellen, dass zusätzlich große Schweißflecken unter
ihren Armen vorhanden waren.
Aufgrund langer Erfahrungen wusste sie nun auch, wer sie da geweckt hatte, nur
bei einem konnte man sich so blamieren, bei Falk. Er war es auch, lächelte aber
und fragte " Darf ich mich neben sie setzen, Kat? Ich darf sie doch Kat
nennen, oder?" Kat nickte nur und sortierte sich weiter.
Unvermittelt hub er an" Ich muss einfach mit jemanden reden. Jemand muss
mir helfen. Würden Sie...?" Er starrte sie an. Kat wurde gegen ihren
Willen rot und stammelte " Ja, wobei denn?"
13. Folge: Falscher Alarm / Die Bitte (von Kat und Scarlet)
Kats
Blick wanderte über das wuschelige Haar des
Kapitäns hinab zu seinen Augen und noch tiefer.
„Oh Falk“, dachte sie, „Ich bin für dich da, egal, wohin das Schicksal uns
führt.“ Welche Sorgen mochten auf den Schultern dieses ach so starken Mannes
liegen, dass er nur noch der Schatten seiner selbst war und seine markanten
Züge vor Gram erschlafften?
Und während Kat noch krampfhaft überlegte, was die Sirene zu bedeuten hatte,
die sie wohl im Traum gehört haben musste, begann Falk zu sprechen. Er erzählte
ihr, dass gestern unerwartet seine Ex-Frau Baby Jane an Bord gekommen war - da
erzählte er ihr nichts Neues, das hatte sich bereits wie ein Lauffeuer unter
den Passagieren verbreitet.
Wie er, Falk, erfahren hatte, war seine Ex unterwegs in die Staaten, um dort
ihren Freund Arnie "Action" Schworzenegger, den sie seit ihrer Jugend
aus Graz kannte, zu treffen. Er war sich sicher, dass Jane Baby irgendetwas im
Schilde führte und um das herauszufinden bräuchte er Kats Hilfe.
„Und außerdem…“, er stockte, dann brach es aus ihm heraus: „Kat, ich habe
vorhin aus Versehen die Sirene ausgelöst. So etwas ist mir in meiner ganzen Laufbahn
noch nicht passiert!“ Falk war verzweifelt.
„Das ist ja entsetzlich!“ rief Kat voller Inbrunst, froh darüber zu wissen, was
es mit dieser Sirene aus ihrem vermeintlichen Traum auf sich hatte. Obwohl ihr
nicht ganz klar war, was an dem versehentlichen Auslösen einer Sirene
entsetzlich war, wollte sie ihm zeigen, wie sehr sie ihn verstand.
„Was kann ich für Sie tun? Sprechen Sie nur.“
„Meine verehrte Kat, Sie müssen erklären, dass Sie es waren. Dass sie
versehentlich an den Auslöser kamen, weil Sie noch einen Martini bestellen
wollten. Einer so liebreizenden Passagierin wie Ihnen kann man nicht böse
sein.“
„Das klingt plausibel“, dachte Kat und willigte ein.
Falk Rickmers sah ihr dankbar in die Augen.
„Ach Kat, Sie sind ein Engel. Sie erinnern mich an meine erste Liebe, Laura
hieß sie, wir wohnten in derselben Straße und gingen gemeinsam jeden Morgen zur
Schule. Ich werde nie vergessen, wie wir damals für ein Schulprojekt Dampfer
bauen sollten. Meiner war wunderschön, aber dummerweise
hatte ich einen Mast gleich hinter den Schornstein gesetzt, was natürlich
absurd ist. Laura erklärte der Lehrerin, sie habe den Mast draufgeklebt, nur so
zum Spaß. Ohne Lauras falsches Geständnis hätte
ich eine schlechte Note bekommen und stünde jetzt
vielleicht nicht hier in meiner schicken Uniform. Ich
habe Laura nie wieder gesehen. Irgendwann zog ihre Familie aus dem
Hieronimus-Kayser-Weg in eine andere Stadt.“
Kat sagte zu, Falk bei der Sache mit seiner Ex-Frau zu helfen, wenn sie auch
noch nicht wusste wie und sie willigte auch ein, die Schuld wegen des
Sirenen-Problems auf sich zu nehmen. Wie hätte sie auch nur seinem flehenden
Blick widerstehen können. Und wie wäre sie ihn sonst losgeworden? Er durfte sie
nicht länger so sehen! In einem Angesabberten, verschwitzten lachsfarbenem
Morgenmantel!! Und all das, wo es doch schon später Nachmittag
war! Den Lunch hatte sie wohl verschlafen!
Falk nahm ihre Hand, sah ihr tief in die Augen während er sich über ihre Hand
beugte und diese sanft küsste. Dann stand er auf und ging, nicht ohne sich noch
einmal dankbar zu Kat umzudrehen.
Erst als er ihrem Blick längst entschwunden war, fiel es
Kat wieder ein. Der geheimnisvolle Brief! Sie hatte ihn erst vor zwei Tagen in
ihrer Kajüte gefunden. Wie lautete noch die zweite Warnung?
"Es gibt keinen Hieronimus-Kayser-Weg."
14. Folge: Frau
Paulsens Verschwinden + Nachtrag
(von
Paula_Tracy)
Nachdem
Falk gegangen war und Kat immer noch ihren Träumen nachhing, setzte sich ein
kleiner sehr resolut aussehender Mann neben sie, der sich als Sir Hilary
vorstellte. Er war Kat schon beim Frühstück
aufgefallen, weil er über die mangelnde Auswahl an Brotsorten geschimpft hatte.
"Wissen Sie, Fräulein Kat", meinte er vertraulich, "in Amerika
wird das ja noch schlimmer, da gibt es ja
nur Weißbrot! Wir sollten uns beschweren, was meinen
Sie?" Kat lächelte nur milde. Sie nickte Sir Hilary freundlich zu und
wollte in ihre Kabine gehen, um nach zwei langen Abenden der Entbehrung des
SAT1-Programms zu frönen. Doch dazu kam es nicht, denn sie stieß mit dem atemlosen
Herrn Paulsen zusammen, der ständig ausrief: "Sie ist weg! Sie ist weg! Oh
mein Gott, sie ist weg!" Hinter ihm rannten Anna Nümosia, Gräfin Ermakova,
Baby Jane, der Cessnaritter, die Wienerin Scarlet und Dr. Paula Tracy, die noch
im Lauf eine riesige Spritze aufzog. "Was ist denn los?" fragte Kat
verwirrt den Schiffsjungen Anarky, der dem Treiben mehr amüsiert zusah.
"Frau Paulsen ist wohl verschwunden", meinte
er. "Der soll doch froh sein, dass sie weg ist!" Inzwischen war die Menge
stehen geblieben, der Cessnaritter und Gräfin Ermakova hielten den wild
zappelnden Paulsen fest, während Paula ihm die Spritze verabreichte. "Ist
die Dosis nicht zu groß?" fragte Kat erschrocken. "Das
könnte ja für einen Elefanten reichen." "Er ist nur betäubt",
meinte Paula. "Er wird in zehn Minuten wieder aufwachen und sich beruhigt
haben." Es stellte sich heraus, dass Frau Paulsen bereits seit dem
Frühstück spurlos verschwunden schien. Alle Kabinen
waren durchsucht worden - ohne Ergebnis. Sogar der Schriftsteller in Kabine 13,
den man nur den "einsamen Wolf" nannte, weil er nur ständig auf
seiner Schreibmaschine klapperte und niemals an Bord kam, war
aufgeschreckt und witterte eine Story. "Da hier
keine Polizei an Bord ist, werde ich das übernehmen", meinte er - Pete Morgan
war sein Name -, doch Sir Hilary widersprach energisch: "Das lasse ich
nicht zu! Sie haben sich soeben selbst disqualifiziert! Wer sind Sie denn, dass
ich Ihnen Rede und Antwort stehen muss?"
Der gutmütige Morgan und Sir Hilary entschieden sich dann, die
Befragungen gemeinsam durchzuführen und jeder nahm sich ein paar Personen vor -
nur einer fehlte: wo war der Prinz?
Hatte der Prinz etwas mit dem geheimnisvollen Verschwinden von Frau
Paulsen zu tun? Waren sie vielleicht gemeinsam verschwunden? War Frau
Paulsen ermordet worden? Fragen über Fragen...
Zum
Glück war in der allgemeinen Aufregung noch niemandem aufgefallen, dass Kat
noch immer den unseligen Morgenmantel anhatte. Rasch, bevor es jemand
bemerkte, rannte sie in ihre Kabine um sich umzuziehen, um bei der Befragung
durch Sir Hilary oder Mr. Morgen anständig gekleidet zu sein. Sie wählte dieses
Mal ein Jadegrünes Chiffon Kleid.
[...
im Abspann dieser Folge kann man Einblick in die Gedankengänge des Sir Hilary:
Wer hätte Interesse, Frau Paulsen verschwinden zu lassen? Ihr
Ehemann, dem sie nicht mehr jung genug aussieht und der jetzt ein Auge auf Kat
geworfen hat? Pete Morgan, der verzweifelt Stoff für ein neues Buch sucht? Baby
Jane, die die allgemeine Verwirrung ausnutzen will, um sich wieder an Falk
heranzumachen? Anna Nümosia, die ein Auge auf Herrn Paulsen geworfen hat?
Ausscheiden dürften wohl Falk, Kat, der
Cessnaritter, Sir Hilary, Paula Tracy und Scarlet - sie haben kein Motiv. Oder
doch? Ist Paula Tracy überhaupt Tierärztin? Ist Falk Kapitän und kann Cessna
wirklich fliegen? Ist Scarlet überhaupt aus Wien? Oder macht sie mit Baby Jane
gemeinsame Sache und kommt auch aus Graz?]
15. Folge: Der geheimnisvolle Unbekannte [1. Teil] (von cessnaritter)
Ja,
Fragen über Fragen auf der Werderania. Sir Hilary überlegte, wie die Befragung
der vielen Verdächtigen, Unverdächtigen und der vielen völlig Unbeteiligten von
statten gehen sollte.
Da kam ihm der Ballsaal des Schiffes in Bewusstsein, der noch von der letzten
Sommer-Sonderausgabe von "Wer wird Millionär?" wie ein Quizstudio
ausgestattet war.
Pünktlich um 20:15 wurden die Passagiere daher in den Ballsaal bestellt. Auf
den zehn Stühlen im Halbrund wurden folgende Personen platziert:
Pete Morgan, Baby Jane, Anna Nümosia, aber auch der Kapitän, dann der
Cessnaritter, dessen Anwesenheit vielen ein Rätsel aufgab, hatte er doch das
Schiff nach seinem ersten Auftritt gleich wieder verlassen. Kat bekam den Platz
neben dem Kapitän, was ihr das Herz wieder höher klopfen ließ. Dann Scarlet und
auch Herr Paulsen, der zwar protestierte, da er schließlich betäubt
worden war.
Ein Stuhl wurde durch ein kunstvoll arrangiertes Nest geziert, ein raunen ging
durchs Publikum, als es erfuhr, dass hier die Möwe Laura Platz nehmen sollte.
Der Bordarzt besetzte den neunten Stuhl und auf dem letzten ganz außen saß ein
geheimnisvoller Unbekannter, dessen Gesicht durch die große Krempe seines schwarzen Hutes verdeckt
wurde.
15. Folge: Der geheimnisvolle
Unbekannte [Einschub] (von Paula_Tracy)
Nicht
verdächtig erschienen Sir Hilary hingegen Gräfin Ermakova und
Paula Tracy, auch die Schiffsjungen Anarky, Willi und Mickey, der junge
Barpianist und Baby Janes Bergsteiger, der auch gerade eine Spritze von Paula
verpasst bekam, da er über einen üblen Fersensporn jammerte, waren nicht in den
illustren Kreis aufgenommen worden. Gräfin Ermakova fand das mehr als ungerecht
- wieso wurde sie nicht als erste vernommen? Und überhaupt - wo war der Prinz?
Auch er war immer noch nicht aufgetaucht...
Wen würde Sir Hilary als ersten vernehmen? Wer würde die vier Begriffe als
erster in die richtige Reihenfolge bringen?
15. Folge: Der
geheimnisvolle Unbekannte [2.Teil] (von cessnaritter)
Die
Show sollte beginnen. Aber als das Publikum merkte, dass Günther Jauch gar
nicht an Bord war, fühlte es sich betrogen und verließ lautstark den Saal.
Genau das hatte Sir Hilary beabsichtigt. Er wuselte durch die Menge und machte
seine Beobachtungen. Dabei entging ihm nicht, wie Paula Tracy auf Herrn Paulsen
zueilte, um mit ihm eine heftige Diskussion anzufangen. Leider war nicht zu
hören, worüber die beiden sprachen.
Zu allem Übel wurde ihm auch noch der Blick verstellt, als Baby Jane
unvermittelt auf Falk Rickmers förmlich zusprang, ihn um den Hals fiel und ihn
glühend heiß küsste.
Obwohl Enttäuschungen dieser Art für Kat ja an der
Tagesordnung waren, wollte sie beinahe zusammenbrechen. Bevor sie aber zu Boden
sank, wurde sie von starken Armen aufgefangen.
Es war der geheimnisvolle Unbekannte, der sie nun in seinen starken Armen
hielt. Sie blickte ihm ins Gesicht und erstarrte...
16. Folge: Mr.
Butermaker (von Tapetchen)
Noch
nie zuvor hatte Kat einen solch heißblütigen Mann gesehen. Dieses
braungebrannte Gesicht, der verwegene Dreitage-Bart, diese wundervollen braunen
Augen, die sich hin und wieder schlossen und
nachdenklich zu Boden schauten, ließen sie
nicht mehr los. Das Blut schoss durch ihre Adern,
während sie ihn heimlich musterte. Keinen Blick konnte sie von ihm wenden und
gedanklich sah sie sich schon nicht mehr NUR in
seinen Armen. Ihr wurde heißer und heißer, das Herz klopfte wie wild in ihrer
Brust und ihr Atem wurde immer schneller. Da plötzlich
riss eine Stimme sie aus ihren Träumen. Es war der Kapitän, an den sie seitdem
keinen einzigen Gedanken verschwendet hatte:
"Kat, um Himmels Willen! Was ist mit Ihnen? Geht es Ihnen gut?"
17. Folge: Kats Zweifel
[1. Teil] (von Paula_Tracy)
Kat
stöhnte auf. Dieser süße Augenblick war so schnell vorbei, wie er
gekommen war... Falk erschien ihr plötzlich nur noch
halb so attraktiv. Doch - wo war der geheimnisvolle Fremde? Nein, es waren nur
der Captain und Anna Nümosia, die sie besorgt musterten, während Baby Jane
äußerst feindselig schaute, zumal sich auch
Paula Tracy sehr gut mit dem Bergsteiger zu verstehen schien... Vielleicht
hatte sie ihn mit der Spritze hypnotisiert? Offenbar schwammen ihr nun
sämtliche Felle davon - erst Falk, dann auch noch der Bergsteiger...
"Wer war das?" flüsterte Kat ihrer Freundin Anna Nümosia zu.
"Dieser Mann?" "Man nennt ihn nur Mr. Butermaker", raunte
die immer gegenwärtige Gräfin, bevor Anna das Wort ergreifen konnte. "Ein
sagenhafter Mann! Ein Vagabund der Meere!" "Aber wo ist er nur so schnell hin? Ich wollte
ihm danken", meinte Kat. "Auf Premiere fängt gleich der Spielfilm an",
erwiderte Mickey, der Schiffsjunge. "Er lässt nie einen aus... Manchmal
darf ich sogar mitschauen. SAT1 bringt es
doch nicht."
Sir Hilary klatschte hektisch in die Hände.
"Meine Herrschaften, darf ich Sie wieder in den Saal
bitten, ich bin mit meinen Vernehmungen noch nicht am Ende. Da das mit dem Quiz
nicht klappt, schlage ich vor, ich vernehme erst die
Passagiere, danach erst die Mannschaft..."
Mit gesenktem Kopf ließ Kat sich wieder neben Falk Rickmers nieder. Ihr Herz
wurde noch schwerer. Hatte sie heute Morgen noch geglaubt,
Falk Rickmers sei ihr ganzes Glück, so war sie sich jetzt gar nicht mehr
sicher...
17. Folge: Kats Zweifel
[2. Teil] (von Kat)
Kat
verzweifelte. Nicht, dass sie sich auf dieser Überfahrt als besonders clever
hervorgetan hätte, nein, sie hatte kaum etwas verstanden. Kaum ein Gesicht
wieder erkannt. Kaum einem Wortwechsel folgen können. Deshalb war sie froh,
sich im Schutz ihrer bescheidenen Kabine ein
paar Gedanken machen zu können.
Wer war dieser Cessnaritter, der erst verschwand und dann
plötzlich wieder auftauchte?
Welche Rolle spielte Anna Nümosia, deren Martinis besser schmeckten als fast
alles, was sie vorher zu sich nahm?
Und warum tauchte die schöne Baby Jane
plötzlich auf? Wollte sie noch immer etwas von Kapitän Rickmers?
All das waren Gedanken, die Kats kleines blondes Köpfchen durchfuhren. Viel zu
viel für sie, und sie hoffte innerlich, ihren engen Berater Andreas aus der
Hansestadt Lübeck zur Seite zu haben. Das Leben wäre so viel einfacher.
18. Folge: Komm zurück, Kat! +Nachtrag (von Paula_Tracy und cessnaritter)
Ja,
das Leben wäre sicherlich einfacher für Kat, wenn Andreas aus Lübeck dabei wäre
– für ihn gab es eben nur schwarz oder weiß, er
kannte keine Unsicherheiten... Kat war froh, dass Sir Hilary ein Einsehen
gehabt hatte und sie erst morgen vernehmen wollte. Die Beinahe-Ohnmacht von Kat
hatte ihn doch weich werden lassen.
Je mehr Kat über diesen merkwürdigen Mr. Butermaker nachdachte, umso mehr kam
sie zu der Erkenntnis, dass er ein Phantom sein musste. Was war das nur für ein
Mann, der sie erst erschauern ließ, weil er so
faszinierend war, um dann in seine Kabine zu gehen und das Premiere-Programm zu
genießen? In jedem Fall ein sehr merkwürdiger Mann....
Es klopfte und ohne auf das „Herein“ zu warten, stand der Schiffsjunge Willi in
der Tür. „Schon wieder ein Telegramm für Sie, Fräulein Kat“ – er wedelte mit
dem Papier. „Diese Foren-Corporation will immer noch, dass Sie sofort nach
Hause kommen!“ „Lesen Sie immer fremde Post?“ fragte Kat gereizt und riss Willi
das Papier aus der Hand. Es war tatsächlich von der
Schönfeld-Griefs-Harperath-Foren-Corporation, und erneut enthielt es diese
Worte: „Komm zurück, Kat! Wir brauchen Dich – Smartie macht uns wahnsinnig!“
Mit einem zufriedenen Lächeln legte Kat das Telegramm auf den Schreibtisch, wo ihr
Apple-Computer stand. Ja, jetzt endlich hatte man ihren Wert erkannt! Willi
räusperte sich. „Äh, da will ich mal wieder. Wird nicht wieder vorkommen mit
dem Lesen.“ Kat nickte ihm zu, denn er glaubte doch nicht allen Ernstes, ein
Trinkgeld zu bekommen? Doch Willi blieb noch stehen. „Kennen Sie schon das Abendprogramm
von morgen? Heino wird ein Repertoire aller seiner Lieder bringen.“ „Heino?“
fragte Kat entsetzt. „Der Sänger?“ Willi nickte begeistert. „Ja, wer sonst? Er
ist auch an Bord, kommt aber momentan nicht an Deck, weil er so
lichtempfindlich ist. Seine Brillen sind ihm doch gestohlen worden. Sie werden
morgen direkt aus Kitzbühel geliefert.“ Kat fragte sich zwar, wie das möglich
war auf diesem Schiff, aber um Willi nicht noch mehr zum Plaudern zu bringen, schwieg sie, obwohl ihr schon jetzt graute vor
dem morgigen Tag... Konnte es noch schlimmer kommen? Erst
die Vernehmung durch Sir Hilary, dann ein Auftritt von Heino? Und weit und
breit keine Möglichkeit zum Flüchten...
Nachdem Willi gegangen war, überlegte Kat, wie es möglich sein konnte, dass die
Anwesenheit des Sängers Heino an Bord unbemerkt geblieben war. Vielleicht
befand sich Frau Paulsen ja in seiner... Obhut? Vielleicht war sie Heino-Fan?
Aber wie passte der Prinz da hinein, der ebenfalls verschwunden war? Kat
seufzte. Sie würde erst einmal schlafen. Schließlich war
morgen auch noch ein Tag...
Währenddessen hatten im großen Ballsaal des Schiffes die Vernehmungen begonnen.
Auf dem Stuhl vor Sir Hilary saß Smartie, die schneller als das
Telegramm gewesen war, um auf die Werderania zu gelangen. Unter einem falschen Namen hatte sie den
Cessnaritter dazu gebracht, sie auf das Schiff zu bringen. Er hatte sie
persönlich nie getroffen, denn sonst hätte er Kats Widersacherin nie an Bord
gebracht.
Aber anstatt auf Sir Hilarys Fragen zu antworten, machte sie ihn mit ständigen
Gegenfragen nervös. Andauernd wollte sie die Titel irgendwelcher nervigen
Werbesongs wissen, ansonsten verbat sie sich mit frechen Worten jedwede
Diskussion über Werbung.
Sir Hilary sah ein, dass diese Zeugin unergiebig war, ließ sie gehen. Das gab
ihr die Gelegenheit, unter den Passagieren Mitstreiter gegen Kat zu finden,
denn sie wusste von den Telegrammen der Geschäftsleitung an Kat.
Währenddessen wollte sich Sir Hilary an die Befragung der nächsten Person auf
seiner Liste machen.
19. Folge: Aufklärung (von Scarlet)
Doch
als Sir Hilary konzentriert in sein Notizbuch sah, flog die Türe des provisorischen
Vernehmungs-Ball-Saales auf und herein polterte Heino, dessen Sonnenbrillen
früher als erwartet angekommen waren. „Die Show kann und muss heute
stattfinden! Ich möchte mit meinem Auftritt nicht bis morgen warten! Ein Heino
muss tun, was ein Heino tun muss, verstanden!? Sie da…“, er deutete auf Hilary,
„…verständigen sie umgehend meine Fans! Sie sollen augenblicklich hier erscheinen!“ Hilary zuckte
zusammen, aber er hüpfte sofort auf um Heinos unmissverständliche Anweisung zu
befolgen.
„Auch das noch!“, dachte sich Kat, als sie vom sofortigen Heino-Konzert hörte,
bei dem ihre Anwesenheit ausdrücklich erwünscht war, „womit habe ich
das verdient!“. Sie schlüpfte rasch in ein Kleid (ein
geblümtes Jersey-Kleid – nicht ihr hübschestes, aber dem Anlass
angemessen) und begab sich widerwillig in den Ballsaal.
Dort hatten auch schon die anderen
Privatpassagiere platz genommen und ein Großteil der Crew war anwesend.
Ein Scheinwerfer beleuchtete die Bühne, der übrige Raum war mehr oder weniger
abgedunkelt, sodass Kat nicht genau sehen konnte, wer von den Passagieren hier
war, neben ihr saß auf alle Fälle Frau Nümosia, die gespannt auf die Bühne
starrte und Kat abwesend ein Glas Martini reichte.
Wider erwarten betrat unter Trommelwirbel „Fischkrepp“, der erste
Offizier die Bühne. Mit folgenden Worten wendet er sich an das wartende
Publikum: „Sehr verehrte Gäste, Kollegen, meine lieben Freunde! Es lag uns
wirklich fern, eine solche Unruhe an Bord zu stiften, das lag wirklich nicht in
unserer Absicht! Um Sie nicht länger in dieser Ungewissheit zu lassen, haben
wir uns entschlossen, sie schon heute aufzuklären!
Wie sie sicher schon gehört haben, befindet sich der großartige
Heino an Bord. Als Höhepunkt unserer Überfahrt hätte er morgen Abend exklusiv
für sie ein Konzert gegeben! Im Rahmen dieser Show war auch eine Überraschung geplant. Nun, wir
werden das Geheimnis schon heute lüften und
hoffen, dass sie Freude daran haben werden. Begrüßen Sie nun mit mir Prinz
Malko von Luxemburg, der ein Showkonzept an Bord verwirklicht hat, wie es sonst
nur die Profis von Sat 1 können. Bitte Applaus!“
„Der Prinz?“ „Prinz Malko?“ Ein raunen ging durchs Publikum, als der verschollen geglaubte Prinz
die Bühne betrat.
Wie sich herausstellte veranstaltete der Prinz an Bord heimlich ein Casting
unter den Passagieren und Crew-Mitgliedern um in einer fulminanten Show den
„Super-Seestern“ zu küren.
20. Folge: Der Super-Seestern (von Scarlet)
Als
ersten „Stern“ bat Malko – man höre und staune – Frau Paulsen auf die Bühne!!
Sie war also gar nicht verschwunden! Man konnte hören,
wie den meisten der anwesenden ein schwerer Stein vom Herzen
viel, als sie sie sahen. Vor allem Herr Paulsen konnte sich gar nicht
beruhigen! Er applaudierte in anbetracht seiner wieder gefundenen Frau
unaufhörlich und die Tränen liefen ihm über die Wangen, während er leise „Anna,
oh Anna!“ vor sich hin stammelte. Frau Paulsen trällerte mehr schlecht als recht „My Heart will go on“ und himmelte
dabei ihren überglücklichen Mann an. Als das Lied zu Ende war, war er der
einzige, der laut Zugabe rief. Seine Rufe verhallten zum Glück ungehört.
Als nächste kündigte der Prinz eine bis dahin unbekannte Dame an, die zur
Schiffsbesatzung gehörte: Ona. Eine kleine glutäugige Spanierin in einem
feuerroten Kleid betrat die Bühne. Diese Frau hatte Charisma, das sah man auf
den ersten Blick, ihre Ausstrahlung zog alle Anwesenden in ihren Bann. Man
konnte ihr eine gewisse Ähnlichkeit mit Penelope Cruz nicht absprechen. Als Ona
zu singen und zu tanzen begann, kannte das Publikum kein Halten mehr, keiner
hielt es auf seinem Stuhl aus. Ona riss mit ihrem Temperament den ganzen
Ballsaal mit. Auch der anschließende Beifall
wollte nicht enden.
Als Heino, der vom Bühnenrand zugesehen hatte, das bemerkte, lief er schnell auf die Bühne,
drängte Ona ungalant von der Bühne und meinte: „Meine lieben Fans! Jetzt kommt
endlich das, weshalb sie eigentlich hier sind: ICH! Ich werde jetzt für euch
skjg hd kjfaldf gkaj hg singen!“ Seine letzten Worte gingen ungehört in den
Protesten des Publikums unter, das lautstark eine Zugabe von Ona forderte.
Der Prinz sprang ungelenk auf die Bühne und versuchte zu retten, was zu retten
war indem er seinen nächsten „Seestern“ ankündigte: der Pianomann!
Und wirklich, De Guy, der Pianomann setze sich ans Klavier und spielte virtuos
„Pianoman“ von Billy Joel. Bei diesen sanften Klängen beruhigten sich die
Anwesenden rasch, der Zwischenfall mit Heino war schnell vergessen. Die
weiblichen Zuschauer schmolzen regelrecht
dahin beim Anblick des melancholischen Musikers.
Auch Kat hatte jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, den Mann genauer zu
betrachten und sie war sich ziemlich sicher, ihn zu kennen. Ja, sie meinte
sogar, einen ehemaligen Arbeitskollegen in ihm zu erkennen. War er nicht der
brillante Musikredakteur aus der Schönfeld-Griefs-Harperath-Foren-Corporation,
der vor einiger Zeit sang- und klanglos verschwunden war. Man hatte
sich damals große Sorgen um ihn gemacht, aber man hatte nichts mehr von ihm
gehört. Seine sanften Augen hatten sie schon damals schwach gemacht, nur
hatten sie früher noch nicht diesen melancholischen Zug, der den Mann
noch interessanter, um nicht zu sagen unwiderstehlicher, machte. Schon damals
flogen die Funken zwischen Kat und De Guy.
Vielleicht hatte er sie ja erkannt? Er hatte ihr ja schließlich gleich am
ersten Tag ihrer Anwesenheit an Bord heldenhaft beigestanden. Aber er war
vielleicht zu schüchtern, sie anzusprechen? Ja, das würde zu
ihm passen, dachte Kat. Die Gedanken überschlugen sich in ihrem
Kopf. Sie müsste ihn ansprechen und das würde sie auch tun! Und zwar jetzt! Sofort!
Und als De Guy gerade an der Stelle „And say: Man, what are you
doin' here?"“ ankam, stürmte Kat, gestärkt durch
Frau Nümosias Martini, die Bühne und umarmte freudestrahlend den Pianoman mit
den Worten „Ja, Mann, was tust du hier!!!???“ Er sah sie an und plötzlich war
es da! Er wusste ihren Namen: „KAT!?“ Unter stürmischem Beifall der Zuschauer umarmten sich die
beiden innig…
21. Folge: Mord an Bord? (von Der schlaue Det)
Das
üppige Büffet, das es nach der Krönung des Super-Seesterns gab, interessierte
Kat und De Guy herzlich wenig. So bald es ihnen möglich war verließen sie
unauffällig den Ballsaal und suchten sich ein lauschiges und ungestörtes
Eckchen für ihr romantisches Stelldichein.
Währenddessen unterhielt sich die ewig junge Gräfin Ermakova bei einem Gläschen Champagner angeregt
mit Frau Paulsen und berichtete ihr, welche Aufregung es ob ihres
vermeintlichen Verschwindens gegeben hatte.
Auch die wilden Gerüchte um die Machenschaften des Prinzen
Malko waren nun wie vom Winde verweht und alle amüsierten sich bei Speis und
Trank. Frau Paulsen wurde nicht müde sich von allen Umstehenden versichern zu
lassen, dass sie nur knapp den Sieg verpasst haben musste, da ihr Auftritt
wirklich beeindruckend war.
Die festliche und gelöste Stimmung wurde jäh von einem schrillen Schrei
durchbrochen. Eines der Zimmermädchen, das bei dem Büffet die Gäste unermüdlich
mit Getränken versorgt hatte, stand wie versteinert und mit blankem Entsetzen
im Gesicht neben einem auf dem Boden liegenden Mann. Die übrigen Gäste eilten
sogleich zur Hilfe. Der Mann, der dort reglos lag war Herr Paul Paulsen. Anna
Paulsen stürzte zu ihrem Mann. "Paul!, Paul! Was ist geschehen? Atmest Du noch?
Bist Du verletzt?" Miss Tracy, die erfahrene Tierärztin, hatte derweil
professionell Atmung und Puls von Herrn Paulsen kontrolliert und versuchte nun
die hysterische Frau Paulsen abzulenken: "Frau
Paulsen, Ihr Mann ist ohnmächtig. Braucht er irgendwelche Medikamente? Wissen
Sie ob er heute schon gegessen hat?", denn Miss Tracy war
aufgefallen, dass Herr Paulsen den alkoholischen Getränken sehr
zugetan war an diesem Abend. Anna Paulsen wusste, dass ihr Mann das Fischbüffet geplündert
hatte, verneinte aber die Frage nach den Medikamenten, waren Medikamente doch
nur etwas für alte Leute. Inzwischen waren die
Schiffsjungen Anarky und Mickey hinzugekommen und trugen auf Anweisung von
Kapitän Rickmers den bewusstlosen Herrn Paulsen auf die Krankenstation...
22. Folge: Abflug (von Scarlet)
…dort
kümmerte sich der Schiffsarzt Dr. Few Master um den ohnmächtigen Herrn Paulsen,
während sich die bezaubernde und überaus schlaue Assistentin Det
rührend (zumindest tat sie so) um Frau Paulsen bemühte. Sie versuchte diese zu
beruhigen, aber die ältere Dame hörte nicht auf zu schluchzen „Schauen sie
Fräulein, wie schlecht er aussieht! Sieht er nicht
fürchterlich alt aus in dem Zustand? Mein Gott, so alt sieht ja nicht einmal
Madonna mit ihrem schlimmsten Make-up aus!“
Det konnte es nicht mehr hören! Am liebsten hätte sie der Frau eine Dosis
Schlaftabletten verabreicht, aber das wäre gegen den Ehrenkodex gewesen.
In der Zwischenzeit kümmerte sich Dr. Tracy um die
kärglichen Reste des Fischbuffets, das Herr
Paulsen fast zur Gänze alleine vertilgt hatte. Da sie ja nun einmal Tierärztin
war, untersuchte sie eingehend den letzten Fisch, der noch auf dem mit
Silbertablett lag und musste feststellen, dass dieser Hering keines natürlichen
Todes gestorben war! Paula fand Spuren einer Chemikalie in dem Fisch. Ganz zu schweigen von den
abertausenden von Salmonellen! Neben seiner Ohnmacht, wird Herr Paulsen wahrscheinlich noch andere
Symptome bekommen, dachte Paula. Aber wegen der Chemikalie musste sie dem
Schiffsarzt bescheid sagen…
Dr. Few Master war der Ansicht, dass es wohl das Beste wäre, Herrn Paulsen ans
Festland zu bringen. Die Chemikalie, die sich in dem Fisch befand sei zwar für
Menschen nicht tödlich, könnte aber, wenn man sie
in größeren Mengen zu sich nimmt, böse Folgen haben. Da keiner sagen konnte,
wie groß die Menge war, die Herr Paulsen verzehrt hatte und um keine Zeit zu
verlieren, stimmte auch Frau Paulsen zu, sich gemeinsam mit ihrem Mann vom
Cessnaritter ans Festland fliegen zu lassen, wo man ihn in einem Krankenhaus
untersuchen und behandeln konnte.
Die Schiffsjungen Anarky und Mickey trugen Herrn Paulsen, der schon wieder leicht die
Augen öffnete, zum Flugzeug und verluden ihn. Dr. Few Master half Frau Paulsen
beim Einsteigen und auch die schlaue Det war
mitgekommen, um zum Abschied zu winken. So war
sie wenigstens sicher, dass die beiden wirklich weg waren! Diese Frau! Diese
Stimme! Und wie sie auch noch unbedingt „My heart
will go on“ singen musste!
Dr. Few Master bedankte sich bei Dr. Tracy für ihre Hilfe, erst jetzt viel ihr
auf, wie gut er aussah. Er drückte ihr zum Dank die Hand, länger als es eigentlich
nötig war und blickte ihr dabei vielsagend in die Augen.
Der Cessnaritter startete seine Maschine und sie flogen
davon. Für immer?
Folge 23: Castingvorbereitungen (von Paula_Tracy)
Nachdem
die Aufregung an Bord verebbt war, konnte sich endlich der Prinz wieder zu Wort
melden – immerhin wollte man den goldenen Seestern küren und es gab noch keine
Jury! Da Dieter Bohlen anderweitig beschäftigt war, sollte
Heino dessen Rolle übernehmen. Der war hocherfreut, konnte er doch endlich den
Sangesnachwuchs an seinem großen Erfahrungsschatz teilnehmen lassen.
Doch wer sollten die anderen drei Jurymitglieder sein? Eigentlich war ja der
Cessnaritter vorgesehen gewesen – von ihm war bekannt, dass er öfter als Juror
tätig war, wenn auch eher bei der Wahl von Schönheitsköniginnen. Malko entschied, dass, falls der
Flieger (der im Übrigen neue Gäste mitbringen würde) in zwei Stunden zurück
sein würde, man eben auf ihn warten würde. Als weitere Jurymitglieder entschied sich der Prinz
einstimmig für Paula Tracy und Pete Morgan. Beide hatten zumindest eine gewisse
Medienerfahrung – Paula arbeitete nebenberuflich bei einer Fernsehzeitschrift und Pete Morgan schrieb Westernromane
(obwohl er in der letzten Zeit unter einer Schreibblockade litt, was die
Western anging – er hatte sich jetzt auf Heimatromane spezialisiert und
recherchierte hier an Bord für einen Heimatroman auf hoher See, der „Deine
Heimat ist das Meer“ heißen sollte).
Aber wer machte überhaupt mit beim Casting? Natürlich Ona, die feurige
Spanierin, dazu die drei Schiffsjungen Anarky, Mickey und Willi, die eine
Version des Liedes „Ein Freund, ein guter Freund“ vorbereitet hatten. Die
Gräfin und Anna Nümosia meldeten sich ebenso freudig an, wobei jedoch nicht
klar war, was sie singen wollten. Baby Jane und ihr Bergsteiger erklärten sich
bereit, ein Duett zu singen, nur Kat und Miss Scarlet zierten sich noch ein
wenig und behaupteten, nicht musikalisch zu sein. Doch Sir
Hilary machte diesem Geplänkel ein Ende, in dem er energisch auf den Tisch haute: „Schluss jetzt
– das Thema ist beendet. Natürlich werden Sie singen! Genau wie ich“, er schlug sich stolz auf die
Brust – „ich werde ein altes Seemannslied zu Gehör bringen, und ich bin sicher,
ich werde gewinnen.“ Die junge Smartie hingegen war nur zu bewegen, den neuesten
Werbesong aus der VW-Werbung zu performen.
Nun begann die Aufregung um die Lieder, die man vortragen wollte und die
Startreihenfolge. Kat und ihr Bordpianist strahlten sich in seliger
Verliebtheit an, das Geschnatter der anderen
Passagiere hörten sie gar nicht, sie waren in ihrer eigenen kleinen Welt. Falk
Rickmers sah es und wandte sich kummervoll ab. Die Tränen standen ihm in den
Augen – hatte er diese wundervolle Frau für immer verloren? An diesen
bleichgesichtigen temperamentlosen Menschen? Das konnte er
nicht zulassen... Er würde um Kat kämpfen – waren nicht im Krieg und in der
Liebe alle Mittel erlaubt?
24. Folge: Kiel holen (von Helli Gräfin
E.)
Falk
Rickmers ging unruhig in seiner Kabine auf und ab. Die Dinge liefen nicht so,
wie er es sich vorstellte. Die bezaubernde Kat, in die er sich, so musste er
sich nun eingestehen, auf den ersten Blick verliebt hatte, war ihm von dem schnöseligen De Guy weggeschnappt worden. Warum
war er nur so ein Dummbatz, was Frauen anging. Auch die bezaubernde Baby Jane
hatte er gehen lassen, nie gekämpft um sie, sie, die doch seine Liebe gebraucht
, ihm so viel gegeben hatte, nein, immer war er verfangen in seinem Stolz und
der Überzeugung, dass George Clooney gegen ihn wie ein Schiss aussieht.
Als er Baby angefleht hatte, zu ihm zurück zu kehren, war es zu spät. Sie hatte
mehrere Volkhochschulkurse belegt und zu ihrer Überraschung (was sie ihm schonungslos mitteilte)
festgestellt, dass seine Lücke dadurch recht schnell geschlossen war. Nun waren
beide, wenigstens etwas, in einer alten zärtlichen Verbundenheit für einander
da, aber es gab niemanden mehr, der ihn richtig liebte und den er richtig
zurücklieben konnte. Rickmers stöhnte laut auf und vergrub seinen Schopf in
seinen braungebrannten Händen. Was tun?
Außerdem war er gekränkt, gekränkt, da ihn niemand gefragt hatte, auch etwas
beim Casting vorzutragen. Ja glaubten denn alle, Kapitäne könnten nicht singen?
Rickmers schloss die Augen und dachte schmerzlich lächelnd an
die Zeit zurück, als er mit seinem ersten Offizier in den Häfen dieser Welt die
Karaokeshows aufgemischt hatte. Wie gerne
hätte er einmal wieder mit ihm "Himbeereis zum Frühstück"
gesungen...Kat würde ihm zu Füssen liegen.
Sein Offizier, sowieso, nur der konnte ihm helfen.
Rickmers kannte Fischkrepp, wie Kat und
Frau Anna Nümosia ihn nannten(Der Name hatte sich schnell auf dem Schiff
eingebürgert), schon lange, er mochte ihn nicht, vertraute ihm
auch nicht sehr und fand auch seine Schuhe ekelig, aber es war in den letzten
20 Jahren, seit er bei der Brandungsfelsen Reederei war, nie jemand anderes da
gewesen, mit dem er hätte reden oder etwas unternehmen und singen können.
Und außerdem war Rickmers der einzige der, außer Angelika Tirami, Fischkrepps wahre Identität
kannte. Nicht nur einmal hatte Rickmers bei sich gedacht, dass Angelika in
Wirklichkeit vom ersten Offizier um die Ecke gebracht worden war. Da Rickmers
aber weder Angelika besonders gemocht hatte, noch Kapital daraus schlagen wollte bzw. ein
Interesse daran hatte, Fischkrepps wahre Identität
zu lüften, war er sich dessen Ergebenheit sicher. Fischkrepp sollte ihm
helfen.
Rickmers bestellte den Offizier zu sich und schilderte in kurzen
Worten, dass er De Guy dabei erwischt habe, wie er
lauthals über die Schuhe des ersten Offiziers gelästert habe. Der Offizier lief
gelblichgrünweiß an und schluckte. Rickmers
grinste in sich hinein. Nun sei er, der Kapitän, der Meinung, dass der
Pianomann eine Strafe verdient habe. Er könne das aber nicht offiziell machen.
Ob er, Fischkrepp, nicht eine Idee habe.
Und Fischkrepp hatte.
De Guy müsse "Kiel holen", am besten vor der Casting Show. Man würde
das ganze so verkaufen, dass dies eine alte Sitte auf dem Atlantik vor Casting
Shows sei für die Bordpianisten. Und mit etwas Glück, hier lächelte Fischkrepp schäbig, würde er nicht
wieder auftauschen, da schon das eine oder
andere verschnürte Hindernis am Rumpf der Werderania es
nicht gerade vereinfachen würde, unter dem Schiff durchzutauchen.
Er würde alles veranlassen, waren Fischkrepps letzte Worte
und der erste Offizier drehte sich quietschend auf seinen Sohlen
um und verschwand. Zurück blieb ein nun schweißgebadeter
Rickmers.
In Lebensgefahr bringen? Den Nebenbuhler? Dass hatte er nun auch nicht gewollt.
Menno! Ging denn nie etwas glatt? Stöhnend schaltete Rickmers den
Fernseher an und versuchte sich mit "Leute heute" abzulenken, was zum
Glück schnell gelang, da über George Clooney berichtet
wurde, der, wie Rickmers zufrieden feststellte gegen ihn wie ein, na ja, dass
hatten wir nun schon.
25. Folge: Die Neuankömmlinge (von
Scarlet)
Als
die Castingliste von Prinz Malko verlesen wurde – es klang fast so, als ob er
die Tabellenergebnisse der ersten Liga vortragen würde – ging ein Raunen durch
die Menge. Wer ist Tapetchen, Xhosa und Reggae Gandalf?
Das Rätsel war schnell gelöst: „Tapetchen“ und „Reggae Gandalf“
waren Mitglieder der Besatzung. Und Xhosa? Sie wurde vom Cessnaritter, nachdem
dieser die Paulsens am Festland abgesetzt hatte an Bord der Werderania
gebracht.
Xhosa ist eine renommierte Architektin und Ethnologin mit dem Spezialgebiet
Afrika. Von dort kommt sie gerade und ist jetzt, nach einer fünfmonatigen
Expedition, auf dem Weg nach Texas, um dort einen Vortag über „Die
Zukunftsperspektiven und Visionen für Afrika und dessen Bevölkerung“ zu
referieren. Xhosa wird begleitet von der Journalistin „Leo“ und dem
Städteplaner Tom, der zurzeit gerade an einer Fotoreportage für „National Geographic’s“ arbeitet. Es war aber mehr als deutlich, dass
Xhosa und den Städteplaner mehr als nur die Arbeit verband…
Aber die drei waren nicht die einzigen Passagiere, die Cessnaritter an Bord
brachte. Wie erwartet, kam auch der Reiseveranstalter Andreas Hansen aus Lübeck
und er wurde begleitet von jenem Mann, der diesem Schiff den Namen gab,
sozusagen „der Pate“: H.G. Werderania.
Es war auch noch ein 6. Passagier an Bord von Cessnas Flugzeug, doch dieser verschwand so rasch in seiner Kabine,
dass ihn keiner zu Gesicht bekam.
Nachdem also mehr oder weniger geklärt war, wer die Neuankömmlinge waren,
machte sich der erste Unmut über die Auswahl der Lieder für das Casting breit.
Einer wollte das nicht singen, die andere wollte mit jemand anderem gemeinsam
auftreten…
26. Folge: Die Gräfin und der Falk (von Scarlet)
In
diesem ganzen Durcheinander schlich sich die
bezaubernde Gräfin Ermakova an den Kapitän heran, der immer noch etwas betrübt
ob der neuesten Entwicklungen bezüglich Kat und dem Pianomann schien, aber sich dennoch
unters Casting-Volk gemischt hatte. Vielleicht
würde man ihn ja doch noch bitten, etwas zu singen, wer weiß… Und hoffentlich
geht Fischkrepp nicht zu hart mit dem Pianomann um… All
diese Gedanken schossen Falk durch den Kopf.
Aber genau jetzt sah die Gräfin ihre Chance, Falk Rickmers für sich zu
gewinnen! Sanft hakte sie sich bei ihm ein. Er zuckte zusammen und wandet sich
ihr zu. Er schien nicht enttäuscht, sie hier zu sehen,
im Gegenteil. „Teuerste Gräfin, was kann ich für sie tun?“, fragte er. Die
Gräfin blickte ihn mit einem gekonnt unwiderstehlichen Augenaufschlag an und erwiderte:
„Fragen sie nicht, was sie für mich tun können Falk, fragen sie lieber, was ich
für sie tun kann.“ Falk verstand nicht ganz, aber die Gräfin erklärte, worauf
sie hinaus wollte: „Durch Zufall habe ich gehört, wie sie mit Fräulein Kat über
ihre Ex-Frau gesprochen haben. Ich habe gehört, worum sie sie gebeten haben.
Sie hätten gerne Informationen über Baby Jane und den Zweck ihrer Reise zu
Arnie, nicht wahr?“ Rickmers nickte. „Nun, wenn sie möchten“, fuhr die Gräfin
fort, „dann übernehmen ich das. Ich werde ihnen helfen. Natürlich nur, wenn sie
das wirklich möchten. Ich dränge mich nämlich nicht gerne auf, wissen sie.“
Falk überlegte kurz und stimmte schließlich zu. Was hatte
er schon zu verlieren? Kat hatte ihn seit geraumer
Zeit kaum eines Blickes gewürdigt und wenn er es sich recht überlegte, so war
doch diese Gräfin wirklich reizend. Er musste sich über sich selbst wundern
„Warum ist sie mir nicht schon früher
aufgefallen?“
27. Folge: Nachricht vom Festland (von Der schlaue Det)
Während
Falk Rickmers sich von Gräfin Ermakova umgarnen ließ, begab sich der
Cessnaritter ohne große Umschweife zur
Krankenstation. Als er eintrat befand sich Sir Hilary gerade im Gespräch mit
Dr. Master und so konnte Cessnaritter noch die Worte "...ich hoffe wir werden
ihn damit Ruhigstellen können." aus Sir Hilarys Mund vernehmen, bevor das
Gespräch abrupt endete und beide sich ihm zuwandten. Hatte Sir Hilary nicht
einen leicht ertappten Gesichtszug? Cessnaritter war noch nie gut darin in den
Mienen anderer Menschen zu lesen, also
verwarf er diesen Gedanken sogleich wieder. Da der Arzt ihn sehr auffordernd
anblickte, rückte Cessnaritter gleich mit seinem Anliegen heraus: "Herr
Doktor, ich habe ihnen ein Schreiben vom behandelnden Arzt der Klinik unter
Palmen mitgebracht, in die ich Herrn Paulsen eingeliefert habe." Er
überreichte Dr. Few Master den Umschlag. Der Arzt riss den
Umschlag auf, und las den enthaltenen Brief. Je
mehr er las, desto steiler wurde die Sorgenfalte zwischen seinen
ausdrucksvollen Augenbrauen. "Oh mein Gott, das habe ich befürchtet!"
entfuhr es ihm, als er zu Ende gelesen hatte. Daraufhin bedankte er sich und
bat Cessnaritter zu gehen. Sir Hilary jedoch, der ebenfalls aufstand um den
Raum zu verlassen, rief der Doktor zurück. "Sir, warten Sie, ich muss
etwas mit Ihnen besprechen!" Cessnaritter schloss die Tür hinter
sich.
28. Folge: Dr. Few
Masters Geheimnis (von Paula_Tracy)
Sir
Hilary schüttelte energisch den Kopf, als Dr. Few
Master ihm den Fall schilderte. „Der Kapitän
müsste sehr viel älter sein, um der Vater von Fräulein Kat zu sein“, meinte er.
„Und außerdem – können Sie sich vorstellen, dass diese Frau Paulsen die Mutter
von dieser bezaubernden Kat ist?“ „Ich habe auf See schon die merkwürdigsten
Dinge erlebt“, meinte Dr. Few Master nachdenklich und schaute durch das
Bullauge auf die stürmische See. „Wissen Sie,
Sir Hilary, es ist nicht immer einfach, nur zur See zu fahren, immer einsam zu
sein, Freundschaften entwickeln sich nicht. Die einzige, mit
der ich hin und wieder rede, ist meine Assistentin. Sie ist nett, redet aber
ein bisschen viel. Das Niveau auf diesem Schiff ist
längst nicht mehr das, was es mal war. Immer mehr Schiffstrolle verirren sich
hierhin... Hin und wieder brauche ich mal wieder ein Männergespräch. Sir
Hilary, ich habe das Gefühl, wir beide verstehen uns. Ich brauche einen Freund,
einen echten Freund. Ich muss es endlich loswerden, das schreckliche Geheimnis in
meinem Leben – denn ich habe das Gefühl, ich bin endlich an einem Wendepunkt
angelangt und muss die Vergangenheit hinter mir lassen. Sir Hilary – darf ich
Sie Hilary nennen? – was ich Ihnen jetzt verrate, dürfen Sie niemals jemandem
verraten, versprechen Sie mir das?“
Sir Hilary, der wirklich auffallend dem großen Sir Peter Ustinov ähnelte,
starrte den Doktor aufgeregt an. Was würde ihm der Arzt gleich anvertrauen? War
er vielleicht gar kein Arzt? Hatte der Captain nicht zu Beginn der Fahrt
gesagt, dass der Arzt Dr. Sommerfeld hieß? War er drogensüchtig – so was hörte
man ja oft von Ärzten... Konnte er nicht schwimmen, obwohl er seit
Jahren zur See fuhr? Was konnte dieser Mann nur für ein schreckliches Geheimnis
haben? Und was meinte der Doktor mit Schiffstrollen?
29. Folge: Segel setzen! (von Paula_Tracy)
Bevor
jedoch Dr. Few Master sein seit Jahren streng gehütetes Geheimnis verraten
konnte, stolperte die total aufgeregte Det herein. „Doktor Master, Sie müssen
sofort kommen! Der Prinz ist ohnmächtig geworden – die Aufregung! Das Casting
hat ihn einfach zu sehr mitgenommen – wer soll denn jetzt die Moderation übernehmen?“
Dr. Master griff hastig nach seiner Arzttasche, schob Sir Hilary zur
Seite und rannte hinter Det her in den Ballsaal, wo Prinz Malko tatsächlich
ohnmächtig auf dem Boden lag. Paula hatte zwischenzeitlich erste Hilfe
geleistet und wollte gerade mal wieder die unvermeidliche Betäubungsspritze
aufziehen, als Dr. Few Master sie darauf aufmerksam machte, dass Malko ja schon ohnmächtig war.
„Wer soll denn jetzt die Moderation übernehmen?“ quengelte Det. Anna Nümosia
fauchte sie an: „Haben Sie nichts wichtigeres im Kopf? Der arme Prinz! Und Sie
denken nur ans Vergnügen! Wenn er nun stirbt? In diesem Jahr sind schon so viele Prominente
aus Königshäusern von uns gegangen...“ In diesem Augenblick betrat „Fischkrepp“ die Bühne.
„Meine Damen und Herren, aufgrund einer Unpässlichkeit des Moderators schlage ich vor, die Show
auf morgen zu verschieben. Stattdessen
bitte ich Sie, alle nach draußen an Deck zu kommen, um die Segel zu setzen!
Unsere Ankunft in den USA verschiebt sich dadurch
leider um etwa zwei Monate.“ „Was???“ kreischte Baby Jane. “Aber
der Arnie wartet doch auf mich! Ich will sofort den Captain sprechen!“ „Das
könnte ihr so passen!“ zischte Gräfin Ermakova der
erstaunten Xhosa zu, die noch nicht so recht einschätzen konnte, was
bisher passiert war. „Die ist immer noch hinter ihrem Ex her – dieser
Bergsteiger ist doch nur eine Attrappe! Ständig sucht sie einen Grund, um mit
Falk zu sprechen...“
Fischkrepp lächelte selbstgefällig. Das mit dem
Kiel holen war dem Captain zu brutal gewesen, aber wer weiß – beim Segelsetzen
gab es sicher genug Gelegenheiten, um diesen De Guy loszuwerden, damit Falk
endlich seine Kat bekam. Und dann – wenn der Captain dann blind vor Liebe war,
würde er – Fischkrepp – endlich Gelegenheit haben, ihm alles
heimzuzahlen und die Werderania komplett zu übernehmen. Und nicht nur die – er
würde sich auch diese bildhübsche Baby Jane schnappen, die der
Captain damals einfach hatte gehen lassen! Oh ja, Falk Rickmers würde sich noch
sehr wundern...
30. Folge: Mia Florentine tritt auf! (von cessnaritter)
Um
die erneute Verwirrung der Passagiere und der Mannschaft auf der Werderania
komplett zu machen, hüpfte plötzlich eine blonde junge Frau im geblümten
Sommerkleid durch die Menge. Auf dem Arm hatte sie ein silbernes Tablett mit kleinen
weißen Kugeln. Sie flötete: "Hallo, ich bin Mia Florentine und habe jetzt
für alle "eine German Kleinigkeit". Einige Passagiere waren erstaunt,
griffen aber erfreut zu.
"Meine Damen und Herren, das ist eine kleine Entschädigung dafür, dass
wir von nun ab wie 1850 über den Pazifik segeln müssen!" sagte Fischkrepp mit süffisantem
Lächeln....Nicht nur, dass er Captain Falk Rickmers den Kapitänsposten streitig
machen wollte, er hoffte, dies würde der Anfang vom Ende der
Brandungsfelsen-Reederei sein, die vor über zwanzig Jahren seinen Vater als
Konkurrenz im Fährverkehr zwischen Bremerhaven und
Wilhelmshaven total ruiniert hatte und der sich daraufhin verzweifelt in die
Alpen zurückgezogen hatte, um einsam und verlassen in einem Ruderboot an der
Quelle der Isar auf Fahrgäste hoffte. Die meisten Passagiere aber waren über
die Aussicht, noch zwei Monate auf diesem Schiff ausharren zu müssen mit all
den seltsamen Gestalten, entsetzt.
Als der Cessnaritter den Raum betrat, stürmten gleich ein halbes Dutzend Leute
auf ihn zu, winkte mit dicken Geldbündeln und alle riefen durcheinander:
"Sie müssen mich sofort ausfliegen!" "Bringen Sie mich sofort an
Land!" und ähnliche Wortfetzen klangen an sein Ohr. Der Cessnaritter stand
breitbeinig da, dann verschaffte er sich mit
einem energischen Winken Gehör. "Ich werde niemanden
ausfliegen!" sagte er. "Ich biete ihnen eine Million!" rief der
Prinz, der gerade wieder zu Bewusstsein gekommen war und nun auf den Piloten
zustürmte. "Ich muss unbedingt beim Fußballspiel Frankreich gegen die
Tonga-Inseln dabei sein. Es wird endlich mal wieder ein Sieg für Frankreich
sein und ich muss einfach dabei sein. Jahrelang habe ich auf einen
internationalen Sieg gewartet!"
Doch der Cessnaritter winkte weiter ab..."Auch wenn sie mir 5 Millionen
zahlen, es wird nicht gehen!"
Alle sprachen nun durcheinander, bis jemand klar und deutlich fragte:
"Warum nicht?"
"Jemand hat die Drosselklappe an meinem Flugzeug zerstört, außerdem ist
das Höhenruder und der Kreiselkompass zerstört...."
"Das ist ja Sabotage!" rief der Prinz empört, fasste sich ans Herz
und sank erneut zu Boden.
31. Folge: Das dunkle Geheimnis der Gräfin (von Deckard)
Ganz
hinten in der Ecke, unbeobachtet von allen anderen, stand Gräfin Ermakova und
gönnte sich ein diabolisches Lächeln. Hätte man
die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihre gräflich manikürten Finger gelenkt, so
wäre man wohl ziemlich verblüfft gewesen über die Tatsache, dass ein paar
hässliche dunkle Motorölflecken die ansonsten makellos blasse Haut der adeligen
Hand verunstaltete – vor allem am Daumen, wobei das nun wirklich nichts zur
Sache tut.
„Ich hab sie alle hinters Licht geführt“, dachte die Gräfin und konnte nicht
umhin, ein wenig stolz auf sich zu sein. „Sogar diesen eitlen Falk Rickmers,
der sich tatsächlich einbildete, ich hätte Interesse an ihm!!! Von seiner
anderen Wahnvorstellung, George Clooney würde gegen ihn wie ein Schiss
aussehen, mal ganz abgesehen. Dabei habe ich all das nur getan, um mich zu
rächen! Endlich Rache zu nehmen an diesem Dr. FewMaster... für das, was er mir
damals angetan hat!“
Die Miene der Gräfin hatte sich urplötzlich verdüstert. Hass loderte in ihren
Augen und verzerrte dieses so attraktive, sorgfältig grundierte, mit
gleichmäßigem Make-up versehene und mit einem Tupfen Rouge zur Vollendung
gebrachte Gesicht zu einer Fratze. Doch sofort hatte sie sich wieder in ihrer
Gewalt.
Mangels einer Person, der sie sich anvertrauen konnte, war Gräfin Ermakova
gezwungen, ihr Geständnis weiter in einem Selbstgespräch, mittels
Gedankenstimme fortzuführen.
„Der Sabotageakt war einfach nötig gewesen, um dieses Rache-Drama zu Ende zu
bringen – denn was wäre ein Drama ohne Darsteller? Und hätte Cessnaritter die
Passagiere einen nach dem anderen ausgeflogen, dann wäre meine Rache äußerst
langweilig ausgefallen... Man stelle sich vor: Nur ein paar Schiffstrolle, die
sich auch noch trollen...“