1. Staffel

 

 

 

Einführung: Kat, eine mutige junge Frau (von Helli Gräfin E.)

Kat, die blonde bildhübsche Werbetexterin mit den Sternchenaugen, wie ihr alter Schulfreund Heinz zu sagen pflegt, bricht im wahrsten Sinne auf zu neuen Ufern: Von einem renommierten Headhunter angeworben, wird sie demnächst in Texas ihr Geld verdienen. Wer oder was ihr neuer Arbeitgeber ist, weiß sie allerdings gar nicht. Doch lässt sie die Höhe des in Aussicht gestellten Gehaltes als auch die Zusage, absolut frei schalten und walten zu können, trotz der Bedenken der besorgten Eltern und Freunde, diesen Schritt wagen. Es fiel ihr auch nicht schwer, Hamburg, ihre Heimatstadt nun schon seit langen Jahren, zu verlassen. Ihr Auftraggeber, die Schönfeldt-Harperath-Grief-Foren Corporation, für die Kat lange als freie Mitarbeiterin arbeitete, stand kurz vor dem finanziellen Aus, so munkelte man wenigstens in der City. Aber es war offenkundig: Immer mehr kürzten oder löschten die Vorstände Beiträge renommierte Mitarbeiter, so genannte Urgesteine, wurden fristlos gekündigt und obwohl Kat bisher nicht in der Schusslinie stand, fühlte auch sie sich nicht mehr wohl. Aber es war nicht nur das, schon lange fühlte sie eine innere Unruhe, war auf der Suche und wusste doch gar nicht, nach was. So kam ihr das geheimnisvolle Angebot gerade recht.
Gewissenhaft packte sie also die nötigsten Sachen, löste ihr Wohnung auf, nahm noch einmal liebevoll einen einzelnen Herrensocken, der nun all die Jahre ihr treuer Wohnungsgenosse gewesen war, in die Hand liebkoste ihn und stieg in das wartende Taxi. Dieses bracht sie an die Landungsbrücken, dorthin, wo der große Frachter Werderania, das größte Schiff der Wilhelmshavener Brandungsfelsen Reederei, der auch regelmäßig 20 so genannte Privatpassagiere mitnahm, im Nebel
schon auf sie zu warten schien.

 

 

1. Folge: Beim Kapitänsdinner (von Helli Gräfin E.)

Der erste Tag an Bord verlief zunächst ruhig. Da Kat darauf verzichtet hatte wie die anderen noch lange zu winken (nach vorne will ich schauen, nicht zurück), hatte sie schnell ihre Sachen ausgepackt und begann eine erste Runde an Deck zu drehen. Wehmütig sah sie nun doch die Elbdeiche an sich vorbei ziehen, mit den lieben Schafen, die oft einzige Gesprächspartner gewesen waren, an langen einsamen Sonntagsspaziergängen, die sich in letzter Zeit gehäuft hatten. Kat hatte sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen. Allzu lästig waren auch manche Verehrer, allen voran ein luxemburgischer Prinz, Herausgeber eines Fußballmagazins, der sie permanent mit Einladungen überhäufte.
Auf dem zweiten Oberdeck kam ihr der erste Offizier der Werderania entgegen, der sich höflich vorstellte. Dennoch entgingen Kat nicht seine gierigen Blicke, die aus seinen kalten Fi
schaugen ihre schlanke Gestalt musterten. Er wäre hübsch zu nennen gewesen, hätte nicht ein kalter verächtlicher Zug um seinen zu kleinen Mund dem Gesicht etwas Abschreckendes gegeben. Auch trug er Schuhe mit hellen, ca. 5 cm hohen Kreppsohlen, was Kat, deren Stilsicherheit und Geschmack untrügbar waren, abschreckte. Sie nahm allerdings seine Einladung, abends zusammen mit den anderen Privatpassagieren beim Kapitän zu essen, an.
Pünktlich um sieben Uhr erreichte sie die Kapitänsmesse. Kapitän Falk Rickmers, den Kat bisher nur von ferne gesehen hatte, öffnete die Tür. Kat blieb fast das Herz stehen, als sie ihn sah. Fast war es, als ob sie nun wusste, was sie gesucht hatte. Ihn. Falk.
Seine fulminante Wirkung übte er allerdings nicht nur auf sie aus. Anna Nümosia, eine fidele, reiche Münchner Altenheimbetreiberin und Mitreisende, drückte Kat jedenfalls einen doppelten Martini in die Hand und raunte, mit Blick auf den Kapitän:
"George Clooney ist ein Schiss dagegen."

 

 

2. Folge: Captain, oh mein Captain! (von Scarlet)

Dankbar ergriff Kat das Martini-Glas (gerührt und nicht geschüttelt!), das ihr die Dame reichte und leerte es mit einem einzigen, kräftigen Schluck. Es war ihr, als ob ihr plötzlich die Sinne schwinden würden, sie hörte gar nicht, was die Münchnerin sagte, sie sah nur IHN. „Captain, oh mein Captain!“, dachte sie…

Das nächste, woran sie sich erinnern konnte war, dass sie ein fremder junger Mann mit sanften Augen stützte, und ihr die Münchnerin mit der extravaganten, Goldverzierten Speisekarte, die sie ra
sch von einem der fünf Tische nahm, Luft zufächelte. Sie redete unentwegt auf den jungen Unbekannten ein und beschwor ihn, Kat auf die Krankenstation zu bringen. Doch da diese nun langsam zu sich kam und Aufsehen um jeden Preis vermeiden wollte – ER, Falk, der in unmittelbarer Nähe stand, sollte sie doch nicht so sehen – bat sie einfach darum, zu ihrem Platz gebracht zu werden. Dort nahm sie auf ihrem, mit rotem Samt gepolsterten, Stuhl platz und strich sich noch rasch eine Locke aus dem Gesicht, die sich wohl gelöst haben muss. Als sie sich umdrehte, um dem jungen Mann zu danken, war dieser nicht mehr da, sie sah sich im Speisesaal um, doch er schien wie vom Erdboden verschluckt.
Während sie sich noch umsah, redete die Münchnerin
schon wieder auf sie ein, diese machte sich ernsthaft Sorgen um das junge Mädchen. Kat beruhigte die Frau und beteuerte, dass wieder alles in Ordnung sei.
Jetzt erst bemerkte Kat, dass auch
schon alle anderen Privatpassagiere anwesend waren. Außer ihr und der Münchnerin Anna Nümosia, saß auch noch ein merkwürdiges Ehepaar an ihrem Tisch und zwei Plätze waren frei. Das Ehepaar stellte sich als Anna und Paul Paulsen vor, sie waren schon öfter an Bord und kennen Kapitän Rickmers sehr gut. Kats Herz machte einen Freudensprung, als sie seinen Namen hörte.
Kat sprach nicht viel mit den anderen Gästen, sie hatte nur Augen für IHN. Sie hörte gar nicht, wie sich das Ehepaar Paulsen über "ihren" Kapitän unterhielt und meinte: “Findest Du nicht auch, dass er alt aussieht? Er muss doch jetzt auch
schon mindestens 35 sein?“

 

 

3. Folge: Der Pianomann (von Scarlet)

Kat hörte auch nicht das sanfte Klavierspiel, das von der Bar herüberklang und sie sah auch nicht den jungen Mann, der am Piano saß und seine sanften Augen nicht von ihr lassen konnte, seit er ihr zuvor bei ihrem Schwächeanfall beistand. Irgendwie war es ihm, als ob er sie kannte. De Guy, wie er sich nannte, hatte bei einem mysteriösen Unfall sein Gedächtnis verloren, das einzige, woran er sich erinnerte, als er sich vor etwa einem halben Jahr um die Stelle des Klavierspielers bewarb, war, dass er früher gerne Klavier gespielt hatte. An Bord der „Werderania“ wurden nicht viele Fragen gestellt, man war froh, diesen virtuosen Musiker gefunden zu haben. Insgeheim wurde natürlich über seine Vergangenheit gemunkelt. Das kümmerte De Guy, den Pianomann, wie er von den Passagieren und auch von der Mannschaft liebevoll genannt wurde, wenig. Er war glücklich über diese Anstellung auf dem Schiff, obwohl er dort nicht viel verdiente.
Jetzt, wo er Kat begegnet war, die plötzlich wie eine sanfte Meeresbrise in sein Leben geweht wurde, war es ihm, als ob eine Türe zu seiner Vergangenheit aufgestoßen wurde. Wo hatte er dieses engelsgleiche, blonde Wesen
schon einmal gesehen? Sein Herz schlug zum zerspringen, jedes Mal wenn er in Kats Richtung sah und sich ihre Blicke für einen Sekundenbruchteil trafen…

Von all diesen
schweren Gedanken des Pianomanns konnte Kat zu diesem Zeitpunkt noch nichts wissen. Sie ärgerte sich in diesem Moment über den fischäugigen ersten Offizier, der es wagte, sie eine halbe Stunde warten zu lassen. Auf der anderen Seite war sie jedoch froh, Zeit für sich zu haben und den Kapitän beobachten zu können, während sich ihre Tischnachbarn angeregt unterhielten, Shrimp-Cocktails zu sich nahmen und Austern schlürften. „Ach wie gut würde sich sein Gesicht auf einer Fischstäbchen Packung machen!“, dachte sie und den passenden Werbetext wüsste sie auch schon!

 

 

4. Folge: Die erste Nacht (von Helli Gräfin E.)

Der Abend verging wie in einem Rausch. Kat fühlte sich wie in einer Zwischenwelt. War sie hier, war sie dort? Sie wusste es nicht mehr, ließ sich von Frau Anna Nümosia mit Drinks versorgen (mehr als sie sonst trank), genoss die Aufmerksamkeit des melancholischen Pianisten, aber auch die von "Fischkrepp", wie sie den Offizier gemeinsam mit der fidelen Münchnerin nunmehr getauft hatte. Es schien, als ob das Leben still stand, der Augenblick zählte, um alle herum nur das Meer, der Horizont, die begehrlichen Männerblicke....
Kat wäre nicht Kat gewesen, hätte nicht die bittere Realität Einzug gehalten. Ihr wurde
schlecht. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem der Pianomann "My Way" spielte und Kat dachte, so kann es weiter gehen, zumal Falk Rickmers den Platz zwischen ihr und Ehepaar Paulsen wählte.
"Nein!" dachte sie nur, "nicht wie damals, als ich meinem ersten Chef bei der Weihnachtsfeier auf die Hose brechen musste!" und gleichsam einem Stoßgebet erhörend nahm die ältere elegante Frau Paulsen sie an den Arm und meinte "Meine Liebe, begleiten sie mich zu meiner Koje? Mein Mann möchte Kapitän Rickmers noch mit langweiligen Ge
schichten aus seiner Botschafterzeit in Dubai beglücken...“ Kat, die sich eben zwar noch trotz aller Übelkeit den ersten Haarzerzausangriff auf Captain Rickmers nicht üblen Schopf ausgemalt hatte, stimmte erleichtert ein, zumal sie am Arm der stabilen Frau Paulsen einen aufrechten Gang hinbekam.
Und der Blick, den der Kapitän ihr beim Herausgehen zuwarf, der war doch nicht ohne?

Kat verab
schiedete sich herzlich, so war es ihre Art, von den Mitreisenden. An die Seite der Münchnerin hatte sich nunmehr Gräfin Ermakova begeben, eine allzu neugierig dreinblickende Person, die wohl in ihrem eigenen Leben einiges vermisste, so gierig blickten ihre Augen jeder Bewegung in der Kapitänsmesse hinterher. Beide Damen widmeten sich ausgiebig einer Martiniflasche und besprachen einen bayrischen Heimatroman, der - zu Kats Erstaunen- bis an die Bestsellerlisten hervorgestoßen war.

Getröstet von dem Gedanken, dass Kapitän Rickmers so oder so für die nächsten Wochen ein Begleiter sein würde,
schlüpfte Kat kurze Zeit später unter die kühlen Laken ihrer neuen Heimstatt. Doch da stieß sie auf einen Briefumschlag, leicht duftend nach Vernell...
Irritiert öffnete Kat das Kuvert, entfaltete den Bogen und las:

1. Mach keinen Umweg über Zürich nach Hamburg
2. Es gibt keinen Hieronimus Kayser Weg
3. Regisseure sollten in ihren eigenen Filmen nicht mit spielen.

Kopf
schüttelnd schlief unsere Kat ein, nicht ahnend, welche Abenteuer sie noch erwarten sollten.

 

 

5. Folge: Lebensgeschichten (von Paula_Tracy)

Am nächsten Morgen sah die Welt schon ganz anders aus, es war, als hätte es diesen geheimnisvollen Brief mit den Hinweisen nie gegeben... Kat schüttelte über sich selbst den Kopf und plauderte am Frühstückstisch mit Maria Nümosia und Gräfin Ermakova. Falk Rickmers hingegen ließ sich nicht sehen. Kats empfindsames Herz wurde durch die vielen Schicksalsschläge der letzten Zeit sehr in Mitleidenschaft gezogen, und ihre Zuversicht, dass vielleicht Captain Rickmers ihr Schicksal sein könnte, sank zusammen wie ein Kartenhaus...

Auch das Telegramm der Schönfeldt-Harperath-Grief-Foren Corporation, in der sie angefleht wurde, zurückzukehren, weil die neue Mitarbeiterin Smartie den ganzen Tag nur Werbesongs vor sich hinsummte und alle am Rande eines Nervenzusammenbruchs waren, konnte Kat nicht aufmuntern. Doch eine gewisse Genugtuung für ihr unermüdliches Engagement war es
schon.

Gräfin Ermakova erzählte in epi
scher Breite die Geschichte ihrer Thoraxprellung im letzten Jahr, und auch Maria Nümosia wusste natürlich dazu einiges zu berichten. Sie hatte erst vor einigen Wochen auf der letzten Kreuzfahrt (mit dem legendären Captain Nuss) einen Hexenschuss erlitten und dabei die Bekanntschaft des Engländers Hubert Farnsworth gemacht, der erste Hilfe leistete und der offenbar tiefen Eindruck auf sie gemacht hatte.

Kat hörte nur noch mit halbem Ohr zu, denn plötzlich ging die Tür auf und... Nein, es war nicht Falk Rickmers, der da zur Tür hereinkam, es war...

 

 

6. Folge: Der Cessnaritter (von cessnaritter)

...ein interessanter, schon reiferer Mann mit ersten grauen Haaren, Mitte vierzig, mit Wettergebräuntem Gesicht. Er trug eine robuste Pilotenjacke aus Leder und um den Hals einen weißen Seidenschal. In ihrem Kummer hatte Kat nicht bemerkt, wie seine Ankunft, längsseits des Schiffes mit seinem Wasserflugzeug, für Aufregung unter den Passagieren gesorgt hatte.
In seinen Kreisen war er unter dem Namen "Der Cessnaritter" bekannt geworden, weil er die tollkühnsten Flugkunststücke rund um die Welt vollführte, die Frauen lagen ihm zu Füßen. Aber er wollte nur Kat, seit er sie vor Jahren in der Bitburger-Werbung im Fernsehen gesehen hatte.
Er kam auf sie zu, mit einer roten Rose in der Hand.
"Die habe ich aus dem Garten von Schloss Windsor geholt, in Gegenwart von Rosamunde Pilcher eigenhändig von der Queen abge
schnitten!"
Er reichte ihr das edle Gewächs und strich ihr sanft über das Haar. Dann drehte er sich um, seine Mission war erfüllt.
Kat
schaute sich verwundert um, denn es kam ihr alles wie ein Traum vor. Vielleicht sollte sie zum Bordarzt gehen, doch Doktor Sommerfeld verlangte wie jeder Arzt 10 € Praxisgebühr. Sie hatte aber kein Bargeld mehr, nur noch ihre Kreditkarte, die aber hoffnungslos überzogen war.
Wie sollte es nur weiter gehen? Kat war in ihren Gefühlen hin und her gerissen. Kein Mann wollte bei ihr bleiben! Es war zum Verzweifeln.
Sie sprang vom Ti
sch auf und lief aufs Promenadendeck, wo sie noch gerade sah, wie der Cessnaritter wieder in sein Flugzeug stieg. Er sah sie und rief ihr laut zu: "Wir sehen uns wieder, mein Liebstes!" Dann startete er sein Flugzeug und steuerte gen Westen in den Sonnenuntergang.

 

 

7. Folge: Trügerische Bilder (von Scarlet)

Zumindest schien es Kat so, als wäre es der Sonnenuntergang, was ja gar nicht möglich war, da sie sich ja soeben erst vom Frühstückstisch erhoben hatte, doch die Tränen die ihr in die Augen stiegen verdunkelten ihren Blick, sodass es ihr tatsächlich wie der Sonnenuntergang vorkam.
Was war nur los? War sie nicht hierher auf das Schiff gekommen, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen? Und doch
schien sie genau diese Vergangenheit auf Schritt und Tritt zu verfolgen, Kat hatte ein ungutes Gefühl...

Als sie da so an der Reling stand und traurig auf das in der Morgensonne glitzernde Meer hinausblickte und sich ihren Gedanken hingab, spürte sie plötzlich die sanfte Berührung einer starken Hand auf ihrer Schulter. Eine Mi
schung aus Old Spice und Tabakrauch stieg Kat in die Nase und sie wusste sofort zu wem diese Hand gehörte. Kats düstere Gedanken, denen sie gerade noch nachhing, waren wie weggeblasen. Rasch wischte sie sich eine Träne von der Wange und drehte sich langsam um…

 

 

8. Folge: Ein Prinz… (von Paula_Tracy)

... Als sie in das Gesicht des Schiffsjungen sah, wusste sie, dass er sich wahrscheinlich im Bad des Captains bedient hatte. Kat wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel und fragte: "Was ist denn los?" "Sie sahen so traurig aus", meinte der Junge, der für sein Alter sehr reif schien. "Kann ich etwas für Sie tun?" "Nein", schniefte Kat, "es ist schon gut..." Sie wandte sich wieder zur See und träumte weiter. Fünf Tage sollte die Überfahrt noch dauern - ihr Herz wurde schwer. Sie war total verwirrt - erst Falk Rickmers, dann dieser Cessnaritter... Doch er war wieder verschwunden... Kats Gedanken gingen zu ihrem Freund Andreas aus der Hansestadt Lübeck, der sie stets vor Fliegern und unnützen Ausgaben gewarnt hatte. "Fliegen und somit auch Flieger schaden der Umwelt", hatte er gemeint, "nimm eine Schiffspassage, das ist umweltfreundlich und obendrein noch billiger, weil Du an Bord mit arbeiten kannst..." Doch auf der Werderania arbeitete niemand mit, deshalb war das Ticket auch so teuer gewesen. Kat hatte keinen Cent mehr in der Tasche, nur ihre überzogene Kreditkarte - auch vor diesen hatte Andreas sie gewarnt - hätte sie nur auf ihn gehört!

Ein Geräu
sch schreckte Kat auf - sie sah, wie der luxemburgische Prinz gerade über eine Liege stolperte und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er hatte gestern Abend wohl etwas zu lange den Sieg der französischen Elf über Botswana gefeiert - die Entscheidung fiel in der Verlängerung im Elfmeterschießen. Rasch ging Kat in die andere Richtung - und stieß mit Falk Rickmers zusammen.

"Sie sehen bezaubernd aus..." flüsterte Falk hingerissen. Doch dann spürte sie, wie ein Ruck durch seine Hochgewachsene Gestalt ging, und sein Gesichtsausdruck wurde wieder kühl und sachlich. "Ich hoffe, Ihnen gefällt die Überfahrt?" "Ja, danke", murmelte Kat verlegen und flüchtete sich an die Seite des herannahenden Prinzen, der hocherfreut
schien.

Falk sah ihnen enttäu
scht nach. Sie zog diesen Prinzen ihm vor! Und er dachte - ach, er hatte ja nur geträumt... Er konnte sich nicht mit Passagieren einlassen, er war ja ständig auf See, das war kein Leben für eine Frau. Daran war auch seine erste Ehe mit einer Österreicherin aus Graz, die er immer liebevoll "mein Baby Jane" genannt hatte, kaputt gegangen. Sie war mit einem Bergsteiger durchgebrannt, und Falk konnte ihr noch nicht einmal böse sein. Aber - irgendwie hatte er geglaubt, diese Kat könnte anders sein...

Der Prinz war vielleicht doch nicht so übel, fand Kat, denn diesmal sprach er nicht nur von Fußball, sondern von den Vorzügen eines Apple Computers - und Kat war da genau einer Meinung mit ihm - aber ihre Gedanken
schweiften wieder ab...

 

 

9. Folge: Ein Ausruf und ein Fernsehsender (von Baby Jane)

Und am nächsten Morgen, als sich die Werderania, das stolzeste Schiff der Reederei BrandungsFelsen, unbeirrbar ihren Weg durch die Wogen des wilden Meeres ins Land der unbeschränkten Möglichkeiten bahnte, da wurde Kat plötzlich, durch lautes Geschrei an Deck, geweckt. Rasch warf sie sich ihren lachsfarbenen Seidenkimono über und eilte nach oben. Die Passagiere der Werderania hatten sich versammelt und wohnten mit offenen Mündern und erschrockenen Augen dem gigantischen Schauspiel bei, das sich ihnen da bot:

Denn der luxemburgi
sche Prinz war dabei, auf den Hauptmast des Dampfers zu klettern! Doch was war der schalenförmige, sperrige Gegenstand, den der Blaublütige aus dem Geschlecht der Malkos auf seinen Rücken geschnallt hatte und der im Morgenlicht funkelte wie eintausend Edelsteine? "C'est une Satellitenschüssel!" hauchte Gräfin Ermakova (noch im Negligé). Miss Scarlet, Mrs Paula Tracy, die kleine Baby Jane und der ritterliche Cessna stützten die Adelige, die einer Ohnmacht nahe zu sein schien.

Begleitet von den „Ahs“ und „Ohs“ der illustren Schiffsgemein
schaft fixierte der Prinz mit hundertfach geübtem Griff die Satellitenschüssel am höchstens Punkt des Mastes. Dann breitete er seine Arme aus, reckte sein Antlitz gen Sonneball am Himmel und schrie aus voller Brust: "Ich bin der König der Welt! Nun könnt ihr auch auf der Werderania Sat.1 schauen!"

 

 

10. Folge: Seemannsgarn (von Scarlet)

Nachdem der luxemburgische Prinz das Ungetüm von Empfangsanlage auf dem Hauptmast des Schiffes angebracht hatte, beruhigten sich die Passagiere rasch wieder. Die Aussicht, auch an Bord der Werderania Sat 1 sehen zu können löste nicht gerade einen Freudentaumel unter den Anwesenden aus. Nach und nach begaben sich jene, die sich soeben noch am Oberdeck befanden in ihre Kabinen und die Crew an die Arbeit.

Kat nahm auf einem der Liegestühle Platz, dabei achtete sie darauf, dass ihr zarter Teint nicht zuviel Sonne abbekam und ihr Gesicht immer im Schatten blieb. Dass sie noch ihren lachsfarbenen Kimono anhatte, hatte sie völlig vergessen…
Im Liegestuhl vor sich hinträumend ließ sie noch einmal den gestrigen Tag Revue passieren:

Es war einiges ge
schehen. Nachdem sie den gestrigen Vormittag mit dem Prinzen von und zu Malko über Apple gefachsimpelt hatte, begab sie sich zum Lunch in den Speisesaal, der ihr dieses mal voller erschien, als noch am Abend zuvor. Und wirklich, die zwei Plätze, die an ihrem Tisch bisher noch frei waren, waren jetzt von zwei Frauen besetzt, wovon sich die eine als Mrs. Paula Tracy, eine junge Tierärztin und freiberufliche Redakteurin einer Fernsehzeitschrift vorstellte, und die andere Miss Scarlet hieß, von der man noch nicht viel mehr wusste, als dass sie aus Wien kommt.

Das Essen war ausgezeichnet und man blieb auch danach noch im Speisesaal beisammen und lau
schte den Geschichten des Kapitäns, der über seine Erlebnisse auf See berichtete.
Er erzählte von ehemaligen Crewmitgliedern, wie zum Beispiel von der gefeierten, international anerkannten und weltbekannten Animateurin Susanne-Angelika Tirami. Sie war eigentlich so etwas wie ein „Universalgenie“. Da sie sämtliche Sprachen in Wort und Schrift beherr
schte, war sie eine große Hilfe an Bord, aber sie war eine Person, die polarisierte. Gelegentlich konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie der heimliche Kapitän der „Werderania“ war. Als Falk Rickmers das erzählte, spielte ein spöttisches Lächeln um seine Mundwinkel. Schließlich aber kam es zum Eklat zwischen Tirami und einem der Passagiere, der ihre Autorität offen anzweifelte. Sie verließ von einem Tag auf den anderen mit Pauken und Trompeten das Schiff, um sich irgendwo in der Toskana der Alpaka-Zucht zu widmen. Aber noch heute, so sagte Rickmers, ranken sich noch unzählige Gerüchte um die Person dieser Tirami. Auch wenn sie schon lange nicht mehr hier ist, so ist es ihm doch so, als ob Ihr Geist noch überall gegenwärtig wäre…
Dann war da auch noch eine junge Adelige, eine gewisse Lady Patricia K., die gute Verbindungen zum engli
schen Königshaus hatte. Der Tod von Prinzessin Diana hatte sie sehr mitgenommen, woraufhin sie beschloss, auf der Werderania anzuheuern. Sie hatte ihren Abschluss in Hundetherapie, Delfintherapie und Kinderbetreuung an der RTLU in Köln gemacht und schloss ihre Studien mit dem anerkannten Grad einer „Nanny“ ab. Bei ihren späteren Forschungen entdeckte und interpretierte sie den Ödipus-Komplex neu. An Bord lernte die Lady den Leichtmatrosen Nobbi kennen, die beiden waren ein ungleiches aber entzückendes Paar. Sobald sich die edle Lady in Schwierigkeiten befand, war der Matrose an ihrer Seite! Lange Zeit war die Lady die ehrenamtliche Therapeutin an Bord. Das ging solange gut, bis sie anfing, sich zu sehr mit den Problemen ihrer Klienten zu identifizieren und auch jenen Passagieren Therapien verordnete, die das gar nicht wollten. Damit machte sie sich nicht nur Freunde. Das hielt die nicht ganz gefestigte Lady nicht aus und eines Nachts kaperten sie und ihr Matrose Nobbi eines der Rettungsboote mit dem sie, wie sie in einem ausführlichen Abschiedsbrief erklärte, nach Moskau rudern wollten. Keiner weiß, wie diese Geschichte ausgegangen ist…

 

 

11. Folge: Unliebsame Überraschung (von Scarlet)

Lange lauschten die Passagiere im Speisesaal den Geschichten des Kapitäns, der bestimmt auch ganz schön viel Seemannsgarn spann, als diese gelöste Atmosphäre ganz plötzlich durch die sich öffnenden Türen empfindlich gestört wurde. Der Kapitän verstummte augenblicklich und wurde kreidebleich, als er die eintretenden Personen erblickte. Kurz noch blickte er in Kats Richtung, die nicht wusste, was hier vorging, als er unvermittelt aufsprang und die drei Fremden wieder aus dem Saal drängte, so dass sie Kat gar nicht sehen konnte, und mit ihnen verschwand. Kat und die anderen im Speisesaal blieben ratlos und ahnungslos zurück….

Den Nachmittag verbrachte Kat in ihrer Kabine mit dem Lesen des Bestseller-Heimatromans, den ihr die Münchnerin und die Gräfin so ans Herz gelegt hatten. Außerdem machte sie sich Gedanken darüber, was da vorhin wohl im Speisesaal vorgefallen war, sie konnte Falks Blick, den er ihr zugeworfen hatte, nicht vergessen.
Als es Zeit war, sich für das Dinner fertig zu machen,
schlüpfte Kat in ein hellblaues Seidenkleid, mit dem ihre blonden Locken und die Sternenaugen noch besser zur Geltung kamen und sie begab sich wieder in den Speisesaal, gespannt, was sie dort erwarten würde.
Wie anzunehmen war, wurde dort bereits über die drei Fremden heftig getu
schelt. Aus sicherer Quelle soll man erfahren haben, dass es sich um Baby Jane, die Exfrau des Kapitäns handeln sollte – kein Wunder also, dass er bei Ihrem Anblick erschrak, mit ihr hatte er nicht gerechnet. Mit ihr war der neue Mann an ihrer Seite gekommen, ein bekannter Bergsteiger, der vorgab, den Yeti gesehen zu haben. Die beiden wurden vom Cessnaritter, der sie mit dem Flugzeug zum Schiff gebracht hatte, begleitet.
Falk Rickmers ließ sich während des gesamten Dinners nicht blicken, weshalb Kat keinen Grund sah, länger als nötig im Speisesaal zu bleiben. Als der Pianomann „Killing me softly“ anstimmte, verließ sie den Saal, sie sah den liebevollen Blick, mit dem der Pianomann sie betrachtete nicht.

All das ging Kat durch den Kopf, während sie in ihrem lachsfarbenen Morgenkimono auf dem Liegstuhl lag, als sie plötzlich eine Laute Sirene vernahm…

 

 

12. Folge: Falk bittet um Hilfe (von Helli Gräfin E.)

Kat war irgendwann über dem Heimatroman eingenickt, das in der prallen Sonne, und schrak hoch, als jemand sie sacht an der Schulter rüttelte.
Geblendet durch das Sonnenlicht sah sie zunächst nicht, wer das war, stellte aber zu ihrem Entsetzen fest, dass sie während des Schlafens gesabbert hatte und ihr lange Speichelfäden das Seidenkleid verunziert hatte. Verlegen wi
schte sie sich unbeholfen ab, um gleichzeitig festzustellen, dass zusätzlich große Schweißflecken unter ihren Armen vorhanden waren.
Aufgrund langer Erfahrungen wusste sie nun auch, wer sie da geweckt hatte, nur bei einem konnte man sich so blamieren, bei Falk. Er war es auch, lächelte aber und fragte " Darf ich mich neben sie setzen, Kat? Ich darf sie doch Kat nennen, oder?" Kat nickte nur und sortierte sich weiter.
Unvermittelt hub er an" Ich muss einfach mit jemanden reden. Jemand muss mir helfen. Würden Sie...?" Er starrte sie an. Kat wurde gegen ihren Willen rot und stammelte " Ja, wobei denn?"

 

 

13. Folge: Falscher Alarm / Die Bitte (von Kat und Scarlet)

Kats Blick wanderte über das wuschelige Haar des Kapitäns hinab zu seinen Augen und noch tiefer.
„Oh Falk“, dachte sie, „Ich bin für dich da, egal, wohin das Schicksal uns führt.“ Welche Sorgen mochten auf den Schultern dieses ach so starken Mannes liegen, dass er nur noch der Schatten seiner selbst war und seine markanten Züge vor Gram er
schlafften?
Und während Kat noch krampfhaft überlegte, was die Sirene zu bedeuten hatte, die sie wohl im Traum gehört haben musste, begann Falk zu sprechen. Er erzählte ihr, dass gestern unerwartet seine Ex-Frau Baby Jane an Bord gekommen war - da erzählte er ihr nichts Neues, das hatte sich bereits wie ein Lauffeuer unter den Passagieren verbreitet.
Wie er, Falk, erfahren hatte, war seine Ex unterwegs in die Staaten, um dort ihren Freund Arnie "Action" Schworzenegger, den sie seit ihrer Jugend aus Graz kannte, zu treffen. Er war sich sicher, dass Jane Baby irgendetwas im Schilde führte und um das herauszufinden bräuchte er Kats Hilfe.
„Und außerdem…“, er stockte, dann brach es aus ihm heraus: „Kat, ich habe vorhin aus Versehen die Sirene ausgelöst. So etwas ist mir in meiner ganzen Laufbahn noch nicht passiert!“ Falk war verzweifelt.
„Das ist ja entsetzlich!“ rief Kat voller Inbrunst, froh darüber zu wissen, was es mit dieser Sirene aus ihrem vermeintlichen Traum auf sich hatte. Obwohl ihr nicht ganz klar war, was an dem versehentlichen Auslösen einer Sirene entsetzlich war, wollte sie ihm zeigen, wie sehr sie ihn verstand.
„Was kann ich für Sie tun? Sprechen Sie nur.“
„Meine verehrte Kat, Sie müssen erklären, dass Sie es waren. Dass sie versehentlich an den Auslöser kamen, weil Sie noch einen Martini bestellen wollten. Einer so liebreizenden Passagierin wie Ihnen kann man nicht böse sein.“
„Das klingt plausibel“, dachte Kat und willigte ein.
Falk Rickmers sah ihr dankbar in die Augen.
„Ach Kat, Sie sind ein Engel. Sie erinnern mich an meine erste Liebe, Laura hieß sie, wir wohnten in derselben Straße und gingen gemeinsam jeden Morgen zur Schule. Ich werde nie vergessen, wie wir damals für ein Schulprojekt Dampfer bauen sollten. Meiner war wunder
schön, aber dummerweise hatte ich einen Mast gleich hinter den Schornstein gesetzt, was natürlich absurd ist. Laura erklärte der Lehrerin, sie habe den Mast draufgeklebt, nur so zum Spaß. Ohne Lauras falsches Geständnis hätte ich eine schlechte Note bekommen und stünde jetzt vielleicht nicht hier in meiner schicken Uniform. Ich habe Laura nie wieder gesehen. Irgendwann zog ihre Familie aus dem Hieronimus-Kayser-Weg in eine andere Stadt.“
Kat sagte zu, Falk bei der Sache mit seiner Ex-Frau zu helfen, wenn sie auch noch nicht wusste wie und sie willigte auch ein, die Schuld wegen des Sirenen-Problems auf sich zu nehmen. Wie hätte sie auch nur seinem flehenden Blick widerstehen können. Und wie wäre sie ihn sonst losgeworden? Er durfte sie nicht länger so sehen! In einem Angesabberten, ver
schwitzten lachsfarbenem Morgenmantel!! Und all das, wo es doch schon später Nachmittag war! Den Lunch hatte sie wohl verschlafen!
Falk nahm ihre Hand, sah ihr tief in die Augen während er sich über ihre Hand beugte und diese sanft küsste. Dann stand er auf und ging, nicht ohne sich noch einmal dankbar zu Kat umzudrehen.
Erst als er ihrem Blick längst ent
schwunden war, fiel es Kat wieder ein. Der geheimnisvolle Brief! Sie hatte ihn erst vor zwei Tagen in ihrer Kajüte gefunden. Wie lautete noch die zweite Warnung?
"Es gibt keinen Hieronimus-Kayser-Weg."

 

 

14. Folge: Frau Paulsens Verschwinden + Nachtrag (von Paula_Tracy)

Nachdem Falk gegangen war und Kat immer noch ihren Träumen nachhing, setzte sich ein kleiner sehr resolut aussehender Mann neben sie, der sich als Sir Hilary vorstellte. Er war Kat schon beim Frühstück aufgefallen, weil er über die mangelnde Auswahl an Brotsorten geschimpft hatte. "Wissen Sie, Fräulein Kat", meinte er vertraulich, "in Amerika wird das ja noch schlimmer, da gibt es ja nur Weißbrot! Wir sollten uns beschweren, was meinen Sie?" Kat lächelte nur milde. Sie nickte Sir Hilary freundlich zu und wollte in ihre Kabine gehen, um nach zwei langen Abenden der Entbehrung des SAT1-Programms zu frönen. Doch dazu kam es nicht, denn sie stieß mit dem atemlosen Herrn Paulsen zusammen, der ständig ausrief: "Sie ist weg! Sie ist weg! Oh mein Gott, sie ist weg!" Hinter ihm rannten Anna Nümosia, Gräfin Ermakova, Baby Jane, der Cessnaritter, die Wienerin Scarlet und Dr. Paula Tracy, die noch im Lauf eine riesige Spritze aufzog. "Was ist denn los?" fragte Kat verwirrt den Schiffsjungen Anarky, der dem Treiben mehr amüsiert zusah. "Frau Paulsen ist wohl verschwunden", meinte er. "Der soll doch froh sein, dass sie weg ist!" Inzwischen war die Menge stehen geblieben, der Cessnaritter und Gräfin Ermakova hielten den wild zappelnden Paulsen fest, während Paula ihm die Spritze verabreichte. "Ist die Dosis nicht zu groß?" fragte Kat erschrocken. "Das könnte ja für einen Elefanten reichen." "Er ist nur betäubt", meinte Paula. "Er wird in zehn Minuten wieder aufwachen und sich beruhigt haben." Es stellte sich heraus, dass Frau Paulsen bereits seit dem Frühstück spurlos verschwunden schien. Alle Kabinen waren durchsucht worden - ohne Ergebnis. Sogar der Schriftsteller in Kabine 13, den man nur den "einsamen Wolf" nannte, weil er nur ständig auf seiner Schreibmaschine klapperte und niemals an Bord kam, war aufgeschreckt und witterte eine Story. "Da hier keine Polizei an Bord ist, werde ich das übernehmen", meinte er - Pete Morgan war sein Name -, doch Sir Hilary widersprach energisch: "Das lasse ich nicht zu! Sie haben sich soeben selbst disqualifiziert! Wer sind Sie denn, dass ich Ihnen Rede und Antwort stehen muss?"
Der gutmütige Morgan und Sir Hilary ent
schieden sich dann, die Befragungen gemeinsam durchzuführen und jeder nahm sich ein paar Personen vor - nur einer fehlte: wo war der Prinz?

Hatte der Prinz etwas mit dem geheimnisvollen Ver
schwinden von Frau Paulsen zu tun? Waren sie vielleicht gemeinsam verschwunden? War Frau Paulsen ermordet worden? Fragen über Fragen...

 

Zum Glück war in der allgemeinen Aufregung noch niemandem aufgefallen, dass Kat noch immer den unseligen Morgenmantel anhatte. Rasch, bevor es jemand bemerkte, rannte sie in ihre Kabine um sich umzuziehen, um bei der Befragung durch Sir Hilary oder Mr. Morgen anständig gekleidet zu sein. Sie wählte dieses Mal ein Jadegrünes Chiffon Kleid.

 

 

[... im Abspann dieser Folge kann man Einblick in die Gedankengänge des Sir Hilary: Wer hätte Interesse, Frau Paulsen verschwinden zu lassen? Ihr Ehemann, dem sie nicht mehr jung genug aussieht und der jetzt ein Auge auf Kat geworfen hat? Pete Morgan, der verzweifelt Stoff für ein neues Buch sucht? Baby Jane, die die allgemeine Verwirrung ausnutzen will, um sich wieder an Falk heranzumachen? Anna Nümosia, die ein Auge auf Herrn Paulsen geworfen hat?

Aus
scheiden dürften wohl Falk, Kat, der Cessnaritter, Sir Hilary, Paula Tracy und Scarlet - sie haben kein Motiv. Oder doch? Ist Paula Tracy überhaupt Tierärztin? Ist Falk Kapitän und kann Cessna wirklich fliegen? Ist Scarlet überhaupt aus Wien? Oder macht sie mit Baby Jane gemeinsame Sache und kommt auch aus Graz?]

 

 

15. Folge: Der geheimnisvolle Unbekannte [1. Teil] (von cessnaritter)

Ja, Fragen über Fragen auf der Werderania. Sir Hilary überlegte, wie die Befragung der vielen Verdächtigen, Unverdächtigen und der vielen völlig Unbeteiligten von statten gehen sollte.
Da kam ihm der Ballsaal des Schiffes in Bewusstsein, der noch von der letzten Sommer-Sonderausgabe von "Wer wird Millionär?" wie ein Quizstudio ausgestattet war.
Pünktlich um 20:15 wurden die Passagiere daher in den Ballsaal bestellt. Auf den zehn Stühlen im Halbrund wurden folgende Personen platziert:

Pete Morgan, Baby Jane, Anna Nümosia, aber auch der Kapitän, dann der Cessnaritter, dessen Anwesenheit vielen ein Rätsel aufgab, hatte er doch das Schiff nach seinem ersten Auftritt gleich wieder verlassen. Kat bekam den Platz neben dem Kapitän, was ihr das Herz wieder höher klopfen ließ. Dann Scarlet und auch Herr Paulsen, der zwar protestierte, da er
schließlich betäubt worden war.
Ein Stuhl wurde durch ein kunstvoll arrangiertes Nest geziert, ein raunen ging durchs Publikum, als es erfuhr, dass hier die Möwe Laura Platz nehmen sollte. Der Bordarzt besetzte den neunten Stuhl und auf dem letzten ganz außen saß ein geheimnisvoller Unbekannter, dessen Gesicht durch die große Krempe seines
schwarzen Hutes verdeckt wurde.

 

 

15. Folge: Der geheimnisvolle Unbekannte [Einschub] (von Paula_Tracy)

Nicht verdächtig erschienen Sir Hilary hingegen Gräfin Ermakova und Paula Tracy, auch die Schiffsjungen Anarky, Willi und Mickey, der junge Barpianist und Baby Janes Bergsteiger, der auch gerade eine Spritze von Paula verpasst bekam, da er über einen üblen Fersensporn jammerte, waren nicht in den illustren Kreis aufgenommen worden. Gräfin Ermakova fand das mehr als ungerecht - wieso wurde sie nicht als erste vernommen? Und überhaupt - wo war der Prinz? Auch er war immer noch nicht aufgetaucht...

Wen würde Sir Hilary als ersten vernehmen? Wer würde die vier Begriffe als erster in die richtige Reihenfolge bringen?

 

 

15. Folge: Der geheimnisvolle Unbekannte [2.Teil] (von cessnaritter)

Die Show sollte beginnen. Aber als das Publikum merkte, dass Günther Jauch gar nicht an Bord war, fühlte es sich betrogen und verließ lautstark den Saal.

Genau das hatte Sir Hilary beabsichtigt. Er wuselte durch die Menge und machte seine Beobachtungen. Dabei entging ihm nicht, wie Paula Tracy auf Herrn Paulsen zueilte, um mit ihm eine heftige Diskussion anzufangen. Leider war nicht zu hören, worüber die beiden sprachen.
Zu allem Übel wurde ihm auch noch der Blick verstellt, als Baby Jane unvermittelt auf Falk Rickmers förmlich zusprang, ihn um den Hals fiel und ihn glühend heiß küsste.
Obwohl Enttäu
schungen dieser Art für Kat ja an der Tagesordnung waren, wollte sie beinahe zusammenbrechen. Bevor sie aber zu Boden sank, wurde sie von starken Armen aufgefangen.
Es war der geheimnisvolle Unbekannte, der sie nun in seinen starken Armen hielt. Sie blickte ihm ins Gesicht und erstarrte...

 

 

16. Folge: Mr. Butermaker (von Tapetchen)

Noch nie zuvor hatte Kat einen solch heißblütigen Mann gesehen. Dieses braungebrannte Gesicht, der verwegene Dreitage-Bart, diese wundervollen braunen Augen, die sich hin und wieder schlossen und nachdenklich zu Boden schauten, ließen sie nicht mehr los. Das Blut schoss durch ihre Adern, während sie ihn heimlich musterte. Keinen Blick konnte sie von ihm wenden und gedanklich sah sie sich schon nicht mehr NUR in seinen Armen. Ihr wurde heißer und heißer, das Herz klopfte wie wild in ihrer Brust und ihr Atem wurde immer schneller. Da plötzlich riss eine Stimme sie aus ihren Träumen. Es war der Kapitän, an den sie seitdem keinen einzigen Gedanken verschwendet hatte: "Kat, um Himmels Willen! Was ist mit Ihnen? Geht es Ihnen gut?"

 

 

17. Folge: Kats Zweifel [1. Teil] (von Paula_Tracy)

Kat stöhnte auf. Dieser süße Augenblick war so schnell vorbei, wie er gekommen war... Falk erschien ihr plötzlich nur noch halb so attraktiv. Doch - wo war der geheimnisvolle Fremde? Nein, es waren nur der Captain und Anna Nümosia, die sie besorgt musterten, während Baby Jane äußerst feindselig schaute, zumal sich auch Paula Tracy sehr gut mit dem Bergsteiger zu verstehen schien... Vielleicht hatte sie ihn mit der Spritze hypnotisiert? Offenbar schwammen ihr nun sämtliche Felle davon - erst Falk, dann auch noch der Bergsteiger...

"Wer war das?" flüsterte Kat ihrer Freundin Anna Nümosia zu. "Dieser Mann?" "Man nennt ihn nur Mr. Butermaker", raunte die immer gegenwärtige Gräfin, bevor Anna das Wort ergreifen konnte. "Ein sagenhafter Mann! Ein Vagabund der Meere!" "Aber wo ist er nur so
schnell hin? Ich wollte ihm danken", meinte Kat. "Auf Premiere fängt gleich der Spielfilm an", erwiderte Mickey, der Schiffsjunge. "Er lässt nie einen aus... Manchmal darf ich sogar mitschauen. SAT1 bringt es doch nicht."

Sir Hilary klat
schte hektisch in die Hände. "Meine Herrschaften, darf ich Sie wieder in den Saal bitten, ich bin mit meinen Vernehmungen noch nicht am Ende. Da das mit dem Quiz nicht klappt, schlage ich vor, ich vernehme erst die Passagiere, danach erst die Mannschaft..."

Mit gesenktem Kopf ließ Kat sich wieder neben Falk Rickmers nieder. Ihr Herz wurde noch
schwerer. Hatte sie heute Morgen noch geglaubt, Falk Rickmers sei ihr ganzes Glück, so war sie sich jetzt gar nicht mehr sicher...

 

 

17. Folge: Kats Zweifel [2. Teil] (von Kat)

Kat verzweifelte. Nicht, dass sie sich auf dieser Überfahrt als besonders clever hervorgetan hätte, nein, sie hatte kaum etwas verstanden. Kaum ein Gesicht wieder erkannt. Kaum einem Wortwechsel folgen können. Deshalb war sie froh, sich im Schutz ihrer bescheidenen Kabine ein paar Gedanken machen zu können.

Wer war dieser Cessnaritter, der erst ver
schwand und dann plötzlich wieder auftauchte?

Welche Rolle spielte Anna Nümosia, deren Martinis besser
schmeckten als fast alles, was sie vorher zu sich nahm?

Und warum tauchte die
schöne Baby Jane plötzlich auf? Wollte sie noch immer etwas von Kapitän Rickmers?

All das waren Gedanken, die Kats kleines blondes Köpfchen durchfuhren. Viel zu viel für sie, und sie hoffte innerlich, ihren engen Berater Andreas aus der Hansestadt Lübeck zur Seite zu haben. Das Leben wäre so viel einfacher.

 

 

18. Folge: Komm zurück, Kat! +Nachtrag (von Paula_Tracy und cessnaritter)

Ja, das Leben wäre sicherlich einfacher für Kat, wenn Andreas aus Lübeck dabei wäre – für ihn gab es eben nur schwarz oder weiß, er kannte keine Unsicherheiten... Kat war froh, dass Sir Hilary ein Einsehen gehabt hatte und sie erst morgen vernehmen wollte. Die Beinahe-Ohnmacht von Kat hatte ihn doch weich werden lassen.

Je mehr Kat über diesen merkwürdigen Mr. Butermaker nachdachte, umso mehr kam sie zu der Erkenntnis, dass er ein Phantom sein musste. Was war das nur für ein Mann, der sie erst er
schauern ließ, weil er so faszinierend war, um dann in seine Kabine zu gehen und das Premiere-Programm zu genießen? In jedem Fall ein sehr merkwürdiger Mann....

Es klopfte und ohne auf das „Herein“ zu warten, stand der Schiffsjunge Willi in der Tür. „Schon wieder ein Telegramm für Sie, Fräulein Kat“ – er wedelte mit dem Papier. „Diese Foren-Corporation will immer noch, dass Sie sofort nach Hause kommen!“ „Lesen Sie immer fremde Post?“ fragte Kat gereizt und riss Willi das Papier aus der Hand. Es war tatsächlich von der Schönfeld-Griefs-Harperath-Foren-Corporation, und erneut enthielt es diese Worte: „Komm zurück, Kat! Wir brauchen Dich – Smartie macht uns wahnsinnig!“ Mit einem zufriedenen Lächeln legte Kat das Telegramm auf den Schreibti
sch, wo ihr Apple-Computer stand. Ja, jetzt endlich hatte man ihren Wert erkannt! Willi räusperte sich. „Äh, da will ich mal wieder. Wird nicht wieder vorkommen mit dem Lesen.“ Kat nickte ihm zu, denn er glaubte doch nicht allen Ernstes, ein Trinkgeld zu bekommen? Doch Willi blieb noch stehen. „Kennen Sie schon das Abendprogramm von morgen? Heino wird ein Repertoire aller seiner Lieder bringen.“ „Heino?“ fragte Kat entsetzt. „Der Sänger?“ Willi nickte begeistert. „Ja, wer sonst? Er ist auch an Bord, kommt aber momentan nicht an Deck, weil er so lichtempfindlich ist. Seine Brillen sind ihm doch gestohlen worden. Sie werden morgen direkt aus Kitzbühel geliefert.“ Kat fragte sich zwar, wie das möglich war auf diesem Schiff, aber um Willi nicht noch mehr zum Plaudern zu bringen, schwieg sie, obwohl ihr schon jetzt graute vor dem morgigen Tag... Konnte es noch schlimmer kommen? Erst die Vernehmung durch Sir Hilary, dann ein Auftritt von Heino? Und weit und breit keine Möglichkeit zum Flüchten...

Nachdem Willi gegangen war, überlegte Kat, wie es möglich sein konnte, dass die Anwesenheit des Sängers Heino an Bord unbemerkt geblieben war. Vielleicht befand sich Frau Paulsen ja in seiner... Obhut? Vielleicht war sie Heino-Fan? Aber wie passte der Prinz da hinein, der ebenfalls ver
schwunden war? Kat seufzte. Sie würde erst einmal schlafen. Schließlich war morgen auch noch ein Tag...

Währenddessen hatten im großen Ballsaal des Schiffes die Vernehmungen begonnen. Auf dem Stuhl vor Sir Hilary saß Smartie, die
schneller als das Telegramm gewesen war, um auf die Werderania zu gelangen. Unter einem falschen Namen hatte sie den Cessnaritter dazu gebracht, sie auf das Schiff zu bringen. Er hatte sie persönlich nie getroffen, denn sonst hätte er Kats Widersacherin nie an Bord gebracht.
Aber anstatt auf Sir Hilarys Fragen zu antworten, machte sie ihn mit ständigen Gegenfragen nervös. Andauernd wollte sie die Titel irgendwelcher nervigen Werbesongs wissen, ansonsten verbat sie sich mit frechen Worten jedwede Diskussion über Werbung.
Sir Hilary sah ein, dass diese Zeugin unergiebig war, ließ sie gehen. Das gab ihr die Gelegenheit, unter den Passagieren Mitstreiter gegen Kat zu finden, denn sie wusste von den Telegrammen der Ge
schäftsleitung an Kat.
Währenddessen wollte sich Sir Hilary an die Befragung der nächsten Person auf seiner Liste machen.

 

 

19. Folge: Aufklärung (von Scarlet)

Doch als Sir Hilary konzentriert in sein Notizbuch sah, flog die Türe des provisorischen Vernehmungs-Ball-Saales auf und herein polterte Heino, dessen Sonnenbrillen früher als erwartet angekommen waren. „Die Show kann und muss heute stattfinden! Ich möchte mit meinem Auftritt nicht bis morgen warten! Ein Heino muss tun, was ein Heino tun muss, verstanden!? Sie da…“, er deutete auf Hilary, „…verständigen sie umgehend meine Fans! Sie sollen augenblicklich hier erscheinen!“ Hilary zuckte zusammen, aber er hüpfte sofort auf um Heinos unmissverständliche Anweisung zu befolgen.
„Auch das noch!“, dachte sich Kat, als sie vom sofortigen Heino-Konzert hörte, bei dem ihre Anwesenheit ausdrücklich erwün
scht war, „womit habe ich das verdient!“. Sie schlüpfte rasch in ein Kleid (ein geblümtes Jersey-Kleid – nicht ihr hübschestes, aber dem Anlass angemessen) und begab sich widerwillig in den Ballsaal.
Dort hatten auch
schon die anderen Privatpassagiere platz genommen und ein Großteil der Crew war anwesend.
Ein Scheinwerfer beleuchtete die Bühne, der übrige Raum war mehr oder weniger abgedunkelt, sodass Kat nicht genau sehen konnte, wer von den Passagieren hier war, neben ihr saß auf alle Fälle Frau Nümosia, die gespannt auf die Bühne starrte und Kat abwesend ein Glas Martini reichte.
Wider erwarten betrat unter Trommelwirbel „Fi
schkrepp“, der erste Offizier die Bühne. Mit folgenden Worten wendet er sich an das wartende Publikum: „Sehr verehrte Gäste, Kollegen, meine lieben Freunde! Es lag uns wirklich fern, eine solche Unruhe an Bord zu stiften, das lag wirklich nicht in unserer Absicht! Um Sie nicht länger in dieser Ungewissheit zu lassen, haben wir uns entschlossen, sie schon heute aufzuklären! Wie sie sicher schon gehört haben, befindet sich der großartige Heino an Bord. Als Höhepunkt unserer Überfahrt hätte er morgen Abend exklusiv für sie ein Konzert gegeben! Im Rahmen dieser Show war auch eine Überraschung geplant. Nun, wir werden das Geheimnis schon heute lüften und hoffen, dass sie Freude daran haben werden. Begrüßen Sie nun mit mir Prinz Malko von Luxemburg, der ein Showkonzept an Bord verwirklicht hat, wie es sonst nur die Profis von Sat 1 können. Bitte Applaus!“
„Der Prinz?“ „Prinz Malko?“ Ein raunen ging durchs Publikum, als der ver
schollen geglaubte Prinz die Bühne betrat.
Wie sich herausstellte veranstaltete der Prinz an Bord heimlich ein Casting unter den Passagieren und Crew-Mitgliedern um in einer fulminanten Show den „Super-Seestern“ zu küren.

 

 

20. Folge: Der Super-Seestern (von Scarlet)

Als ersten „Stern“ bat Malko – man höre und staune – Frau Paulsen auf die Bühne!! Sie war also gar nicht verschwunden! Man konnte hören, wie den meisten der anwesenden ein schwerer Stein vom Herzen viel, als sie sie sahen. Vor allem Herr Paulsen konnte sich gar nicht beruhigen! Er applaudierte in anbetracht seiner wieder gefundenen Frau unaufhörlich und die Tränen liefen ihm über die Wangen, während er leise „Anna, oh Anna!“ vor sich hin stammelte. Frau Paulsen trällerte mehr schlecht als recht „My Heart will go on“ und himmelte dabei ihren überglücklichen Mann an. Als das Lied zu Ende war, war er der einzige, der laut Zugabe rief. Seine Rufe verhallten zum Glück ungehört.

Als nächste kündigte der Prinz eine bis dahin unbekannte Dame an, die zur Schiffsbesatzung gehörte: Ona. Eine kleine glutäugige Spanierin in einem feuerroten Kleid betrat die Bühne. Diese Frau hatte Charisma, das sah man auf den ersten Blick, ihre Ausstrahlung zog alle Anwesenden in ihren Bann. Man konnte ihr eine gewisse Ähnlichkeit mit Penelope Cruz nicht absprechen. Als Ona zu singen und zu tanzen begann, kannte das Publikum kein Halten mehr, keiner hielt es auf seinem Stuhl aus. Ona riss mit ihrem Temperament den ganzen Ballsaal mit. Auch der an
schließende Beifall wollte nicht enden.
Als Heino, der vom Bühnenrand zugesehen hatte, das bemerkte, lief er
schnell auf die Bühne, drängte Ona ungalant von der Bühne und meinte: „Meine lieben Fans! Jetzt kommt endlich das, weshalb sie eigentlich hier sind: ICH! Ich werde jetzt für euch skjg hd kjfaldf gkaj hg singen!“ Seine letzten Worte gingen ungehört in den Protesten des Publikums unter, das lautstark eine Zugabe von Ona forderte.

Der Prinz sprang ungelenk auf die Bühne und versuchte zu retten, was zu retten war indem er seinen nächsten „Seestern“ ankündigte: der Pianomann!
Und wirklich, De Guy, der Pianomann setze sich ans Klavier und spielte virtuos „Pianoman“ von Billy Joel. Bei diesen sanften Klängen beruhigten sich die Anwesenden ra
sch, der Zwischenfall mit Heino war schnell vergessen. Die weiblichen Zuschauer schmolzen regelrecht dahin beim Anblick des melancholischen Musikers.
Auch Kat hatte jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit, den Mann genauer zu betrachten und sie war sich ziemlich sicher, ihn zu kennen. Ja, sie meinte sogar, einen ehemaligen Arbeitskollegen in ihm zu erkennen. War er nicht der brillante Musikredakteur aus der Schönfeld-Griefs-Harperath-Foren-Corporation, der vor einiger Zeit sang- und klanglos ver
schwunden war. Man hatte sich damals große Sorgen um ihn gemacht, aber man hatte nichts mehr von ihm gehört. Seine sanften Augen hatten sie schon damals schwach gemacht, nur hatten sie früher noch nicht diesen melancholischen Zug, der den Mann noch interessanter, um nicht zu sagen unwiderstehlicher, machte. Schon damals flogen die Funken zwischen Kat und De Guy. Vielleicht hatte er sie ja erkannt? Er hatte ihr ja schließlich gleich am ersten Tag ihrer Anwesenheit an Bord heldenhaft beigestanden. Aber er war vielleicht zu schüchtern, sie anzusprechen? Ja, das würde zu ihm passen, dachte Kat. Die Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf. Sie müsste ihn ansprechen und das würde sie auch tun! Und zwar jetzt! Sofort! Und als De Guy gerade an der Stelle „And say: Man, what are you doin' here?"“ ankam, stürmte Kat, gestärkt durch Frau Nümosias Martini, die Bühne und umarmte freudestrahlend den Pianoman mit den Worten „Ja, Mann, was tust du hier!!!???“ Er sah sie an und plötzlich war es da! Er wusste ihren Namen: „KAT!?“ Unter stürmischem Beifall der Zuschauer umarmten sich die beiden innig…

 

 

21. Folge: Mord an Bord? (von Der schlaue Det)

Das üppige Büffet, das es nach der Krönung des Super-Seesterns gab, interessierte Kat und De Guy herzlich wenig. So bald es ihnen möglich war verließen sie unauffällig den Ballsaal und suchten sich ein lauschiges und ungestörtes Eckchen für ihr romantisches Stelldichein.

Währenddessen unterhielt sich die ewig junge Gräfin Ermakova bei einem Glä
schen Champagner angeregt mit Frau Paulsen und berichtete ihr, welche Aufregung es ob ihres vermeintlichen Verschwindens gegeben hatte. Auch die wilden Gerüchte um die Machenschaften des Prinzen Malko waren nun wie vom Winde verweht und alle amüsierten sich bei Speis und Trank. Frau Paulsen wurde nicht müde sich von allen Umstehenden versichern zu lassen, dass sie nur knapp den Sieg verpasst haben musste, da ihr Auftritt wirklich beeindruckend war.
Die festliche und gelöste Stimmung wurde jäh von einem
schrillen Schrei durchbrochen. Eines der Zimmermädchen, das bei dem Büffet die Gäste unermüdlich mit Getränken versorgt hatte, stand wie versteinert und mit blankem Entsetzen im Gesicht neben einem auf dem Boden liegenden Mann. Die übrigen Gäste eilten sogleich zur Hilfe. Der Mann, der dort reglos lag war Herr Paul Paulsen. Anna Paulsen stürzte zu ihrem Mann. "Paul!, Paul! Was ist geschehen? Atmest Du noch? Bist Du verletzt?" Miss Tracy, die erfahrene Tierärztin, hatte derweil professionell Atmung und Puls von Herrn Paulsen kontrolliert und versuchte nun die hysterische Frau Paulsen abzulenken: "Frau Paulsen, Ihr Mann ist ohnmächtig. Braucht er irgendwelche Medikamente? Wissen Sie ob er heute schon gegessen hat?", denn Miss Tracy war aufgefallen, dass Herr Paulsen den alkoholischen Getränken sehr zugetan war an diesem Abend. Anna Paulsen wusste, dass ihr Mann das Fischbüffet geplündert hatte, verneinte aber die Frage nach den Medikamenten, waren Medikamente doch nur etwas für alte Leute. Inzwischen waren die Schiffsjungen Anarky und Mickey hinzugekommen und trugen auf Anweisung von Kapitän Rickmers den bewusstlosen Herrn Paulsen auf die Krankenstation...

 

 

 22. Folge: Abflug (von Scarlet)

…dort kümmerte sich der Schiffsarzt Dr. Few Master um den ohnmächtigen Herrn Paulsen, während sich die bezaubernde und überaus schlaue Assistentin Det rührend (zumindest tat sie so) um Frau Paulsen bemühte. Sie versuchte diese zu beruhigen, aber die ältere Dame hörte nicht auf zu schluchzen „Schauen sie Fräulein, wie schlecht er aussieht! Sieht er nicht fürchterlich alt aus in dem Zustand? Mein Gott, so alt sieht ja nicht einmal Madonna mit ihrem schlimmsten Make-up aus!“ Det konnte es nicht mehr hören! Am liebsten hätte sie der Frau eine Dosis Schlaftabletten verabreicht, aber das wäre gegen den Ehrenkodex gewesen.

In der Zwi
schenzeit kümmerte sich Dr. Tracy um die kärglichen Reste des Fischbuffets, das Herr Paulsen fast zur Gänze alleine vertilgt hatte. Da sie ja nun einmal Tierärztin war, untersuchte sie eingehend den letzten Fisch, der noch auf dem mit Silbertablett lag und musste feststellen, dass dieser Hering keines natürlichen Todes gestorben war! Paula fand Spuren einer Chemikalie in dem Fisch. Ganz zu schweigen von den abertausenden von Salmonellen! Neben seiner Ohnmacht, wird Herr Paulsen wahrscheinlich noch andere Symptome bekommen, dachte Paula. Aber wegen der Chemikalie musste sie dem Schiffsarzt bescheid sagen…

Dr. Few Master war der Ansicht, dass es wohl das Beste wäre, Herrn Paulsen ans Festland zu bringen. Die Chemikalie, die sich in dem Fi
sch befand sei zwar für Menschen nicht tödlich, könnte aber, wenn man sie in größeren Mengen zu sich nimmt, böse Folgen haben. Da keiner sagen konnte, wie groß die Menge war, die Herr Paulsen verzehrt hatte und um keine Zeit zu verlieren, stimmte auch Frau Paulsen zu, sich gemeinsam mit ihrem Mann vom Cessnaritter ans Festland fliegen zu lassen, wo man ihn in einem Krankenhaus untersuchen und behandeln konnte.

Die Schiffsjungen Anarky und Mickey trugen Herrn Paulsen, der
schon wieder leicht die Augen öffnete, zum Flugzeug und verluden ihn. Dr. Few Master half Frau Paulsen beim Einsteigen und auch die schlaue Det war mitgekommen, um zum Abschied zu winken. So war sie wenigstens sicher, dass die beiden wirklich weg waren! Diese Frau! Diese Stimme! Und wie sie auch noch unbedingt „My heart will go on“ singen musste!

Dr. Few Master bedankte sich bei Dr. Tracy für ihre Hilfe, erst jetzt viel ihr auf, wie gut er aussah. Er drückte ihr zum Dank die Hand, länger als es eigentlich nötig war und blickte ihr dabei vielsagend in die Augen.

Der Cessnaritter startete seine Ma
schine und sie flogen davon. Für immer?

 

 

Folge 23: Castingvorbereitungen (von Paula_Tracy)

Nachdem die Aufregung an Bord verebbt war, konnte sich endlich der Prinz wieder zu Wort melden – immerhin wollte man den goldenen Seestern küren und es gab noch keine Jury! Da Dieter Bohlen anderweitig beschäftigt war, sollte Heino dessen Rolle übernehmen. Der war hocherfreut, konnte er doch endlich den Sangesnachwuchs an seinem großen Erfahrungsschatz teilnehmen lassen. Doch wer sollten die anderen drei Jurymitglieder sein? Eigentlich war ja der Cessnaritter vorgesehen gewesen – von ihm war bekannt, dass er öfter als Juror tätig war, wenn auch eher bei der Wahl von Schönheitsköniginnen. Malko entschied, dass, falls der Flieger (der im Übrigen neue Gäste mitbringen würde) in zwei Stunden zurück sein würde, man eben auf ihn warten würde. Als weitere Jurymitglieder entschied sich der Prinz einstimmig für Paula Tracy und Pete Morgan. Beide hatten zumindest eine gewisse Medienerfahrung – Paula arbeitete nebenberuflich bei einer Fernsehzeitschrift und Pete Morgan schrieb Westernromane (obwohl er in der letzten Zeit unter einer Schreibblockade litt, was die Western anging – er hatte sich jetzt auf Heimatromane spezialisiert und recherchierte hier an Bord für einen Heimatroman auf hoher See, der „Deine Heimat ist das Meer“ heißen sollte).

Aber wer machte überhaupt mit beim Casting? Natürlich Ona, die feurige Spanierin, dazu die drei Schiffsjungen Anarky, Mickey und Willi, die eine Version des Liedes „Ein Freund, ein guter Freund“ vorbereitet hatten. Die Gräfin und Anna Nümosia meldeten sich ebenso freudig an, wobei jedoch nicht klar war, was sie singen wollten. Baby Jane und ihr Bergsteiger erklärten sich bereit, ein Duett zu singen, nur Kat und Miss Scarlet zierten sich noch ein wenig und behaupteten, nicht musikali
sch zu sein. Doch Sir Hilary machte diesem Geplänkel ein Ende, in dem er energisch auf den Tisch haute: „Schluss jetzt – das Thema ist beendet. Natürlich werden Sie singen! Genau wie ich“, er schlug sich stolz auf die Brust – „ich werde ein altes Seemannslied zu Gehör bringen, und ich bin sicher, ich werde gewinnen.“ Die junge Smartie hingegen war nur zu bewegen, den neuesten Werbesong aus der VW-Werbung zu performen.

Nun begann die Aufregung um die Lieder, die man vortragen wollte und die Startreihenfolge. Kat und ihr Bordpianist strahlten sich in seliger Verliebtheit an, das Ge
schnatter der anderen Passagiere hörten sie gar nicht, sie waren in ihrer eigenen kleinen Welt. Falk Rickmers sah es und wandte sich kummervoll ab. Die Tränen standen ihm in den Augen – hatte er diese wundervolle Frau für immer verloren? An diesen bleichgesichtigen temperamentlosen Menschen? Das konnte er nicht zulassen... Er würde um Kat kämpfen – waren nicht im Krieg und in der Liebe alle Mittel erlaubt?

 

 

24. Folge: Kiel holen (von Helli Gräfin E.)

Falk Rickmers ging unruhig in seiner Kabine auf und ab. Die Dinge liefen nicht so, wie er es sich vorstellte. Die bezaubernde Kat, in die er sich, so musste er sich nun eingestehen, auf den ersten Blick verliebt hatte, war ihm von dem schnöseligen De Guy weggeschnappt worden. Warum war er nur so ein Dummbatz, was Frauen anging. Auch die bezaubernde Baby Jane hatte er gehen lassen, nie gekämpft um sie, sie, die doch seine Liebe gebraucht , ihm so viel gegeben hatte, nein, immer war er verfangen in seinem Stolz und der Überzeugung, dass George Clooney gegen ihn wie ein Schiss aussieht.
Als er Baby angefleht hatte, zu ihm zurück zu kehren, war es zu spät. Sie hatte mehrere Volkhoch
schulkurse belegt und zu ihrer Überraschung (was sie ihm schonungslos mitteilte) festgestellt, dass seine Lücke dadurch recht schnell geschlossen war. Nun waren beide, wenigstens etwas, in einer alten zärtlichen Verbundenheit für einander da, aber es gab niemanden mehr, der ihn richtig liebte und den er richtig zurücklieben konnte. Rickmers stöhnte laut auf und vergrub seinen Schopf in seinen braungebrannten Händen. Was tun?
Außerdem war er gekränkt, gekränkt, da ihn niemand gefragt hatte, auch etwas beim Casting vorzutragen. Ja glaubten denn alle, Kapitäne könnten nicht singen?
Rickmers
schloss die Augen und dachte schmerzlich lächelnd an die Zeit zurück, als er mit seinem ersten Offizier in den Häfen dieser Welt die Karaokeshows aufgemischt hatte. Wie gerne hätte er einmal wieder mit ihm "Himbeereis zum Frühstück" gesungen...Kat würde ihm zu Füssen liegen.
Sein Offizier, sowieso, nur der konnte ihm helfen.
Rickmers kannte Fi
schkrepp, wie Kat und Frau Anna Nümosia ihn nannten(Der Name hatte sich schnell auf dem Schiff eingebürgert), schon lange, er mochte ihn nicht, vertraute ihm auch nicht sehr und fand auch seine Schuhe ekelig, aber es war in den letzten 20 Jahren, seit er bei der Brandungsfelsen Reederei war, nie jemand anderes da gewesen, mit dem er hätte reden oder etwas unternehmen und singen können.
Und außerdem war Rickmers der einzige der, außer Angelika Tirami, Fi
schkrepps wahre Identität kannte. Nicht nur einmal hatte Rickmers bei sich gedacht, dass Angelika in Wirklichkeit vom ersten Offizier um die Ecke gebracht worden war. Da Rickmers aber weder Angelika besonders gemocht hatte, noch Kapital daraus schlagen wollte bzw. ein Interesse daran hatte, Fischkrepps wahre Identität zu lüften, war er sich dessen Ergebenheit sicher. Fischkrepp sollte ihm helfen.
Rickmers bestellte den Offizier zu sich und
schilderte in kurzen Worten, dass er De Guy dabei erwischt habe, wie er lauthals über die Schuhe des ersten Offiziers gelästert habe. Der Offizier lief gelblichgrünweiß an und schluckte. Rickmers grinste in sich hinein. Nun sei er, der Kapitän, der Meinung, dass der Pianomann eine Strafe verdient habe. Er könne das aber nicht offiziell machen. Ob er, Fischkrepp, nicht eine Idee habe.
Und Fi
schkrepp hatte.
De Guy müsse "Kiel holen", am besten vor der Casting Show. Man würde das ganze so verkaufen, dass dies eine alte Sitte auf dem Atlantik vor Casting Shows sei für die Bordpianisten. Und mit etwas Glück, hier lächelte Fi
schkrepp schäbig, würde er nicht wieder auftauschen, da schon das eine oder andere verschnürte Hindernis am Rumpf der Werderania es nicht gerade vereinfachen würde, unter dem Schiff durchzutauchen.
Er würde alles veranlassen, waren Fi
schkrepps letzte Worte und der erste Offizier drehte sich quietschend auf seinen Sohlen um und verschwand. Zurück blieb ein nun schweißgebadeter Rickmers.
In Lebensgefahr bringen? Den Nebenbuhler? Dass hatte er nun auch nicht gewollt. Menno! Ging denn nie etwas glatt? Stöhnend
schaltete Rickmers den Fernseher an und versuchte sich mit "Leute heute" abzulenken, was zum Glück schnell gelang, da über George Clooney berichtet wurde, der, wie Rickmers zufrieden feststellte gegen ihn wie ein, na ja, dass hatten wir nun schon.

 

 

25. Folge: Die Neuankömmlinge (von Scarlet)

Als die Castingliste von Prinz Malko verlesen wurde – es klang fast so, als ob er die Tabellenergebnisse der ersten Liga vortragen würde – ging ein Raunen durch die Menge. Wer ist Tapetchen, Xhosa und Reggae Gandalf?
Das Rätsel war
schnell gelöst: „Tapetchen“ und „Reggae Gandalf“ waren Mitglieder der Besatzung. Und Xhosa? Sie wurde vom Cessnaritter, nachdem dieser die Paulsens am Festland abgesetzt hatte an Bord der Werderania gebracht.
Xhosa ist eine renommierte Architektin und Ethnologin mit dem Spezialgebiet Afrika. Von dort kommt sie gerade und ist jetzt, nach einer fünfmonatigen Expedition, auf dem Weg nach Texas, um dort einen Vortag über „Die Zukunftsperspektiven und Visionen für Afrika und dessen Bevölkerung“ zu referieren. Xhosa wird begleitet von der Journalistin „Leo“ und dem Städteplaner Tom, der zurzeit gerade an einer Fotoreportage für „National Geographic’s“ arbeitet. Es war aber mehr als deutlich, dass Xhosa und den Städteplaner mehr als nur die Arbeit verband…
Aber die drei waren nicht die einzigen Passagiere, die Cessnaritter an Bord brachte. Wie erwartet, kam auch der Reiseveranstalter Andreas Hansen aus Lübeck und er wurde begleitet von jenem Mann, der diesem Schiff den Namen gab, sozusagen „der Pate“: H.G. Werderania.
Es war auch noch ein 6. Passagier an Bord von Cessnas Flugzeug, doch dieser ver
schwand so rasch in seiner Kabine, dass ihn keiner zu Gesicht bekam.

Nachdem also mehr oder weniger geklärt war, wer die Neuankömmlinge waren, machte sich der erste Unmut über die Auswahl der Lieder für das Casting breit. Einer wollte das nicht singen, die andere wollte mit jemand anderem gemeinsam auftreten…

 

 

26. Folge: Die Gräfin und der Falk (von Scarlet)

In diesem ganzen Durcheinander schlich sich die bezaubernde Gräfin Ermakova an den Kapitän heran, der immer noch etwas betrübt ob der neuesten Entwicklungen bezüglich Kat und dem Pianomann schien, aber sich dennoch unters Casting-Volk gemischt hatte. Vielleicht würde man ihn ja doch noch bitten, etwas zu singen, wer weiß… Und hoffentlich geht Fischkrepp nicht zu hart mit dem Pianomann um… All diese Gedanken schossen Falk durch den Kopf.
Aber genau jetzt sah die Gräfin ihre Chance, Falk Rickmers für sich zu gewinnen! Sanft hakte sie sich bei ihm ein. Er zuckte zusammen und wandet sich ihr zu. Er
schien nicht enttäuscht, sie hier zu sehen, im Gegenteil. „Teuerste Gräfin, was kann ich für sie tun?“, fragte er. Die Gräfin blickte ihn mit einem gekonnt unwiderstehlichen Augenaufschlag an und erwiderte: „Fragen sie nicht, was sie für mich tun können Falk, fragen sie lieber, was ich für sie tun kann.“ Falk verstand nicht ganz, aber die Gräfin erklärte, worauf sie hinaus wollte: „Durch Zufall habe ich gehört, wie sie mit Fräulein Kat über ihre Ex-Frau gesprochen haben. Ich habe gehört, worum sie sie gebeten haben. Sie hätten gerne Informationen über Baby Jane und den Zweck ihrer Reise zu Arnie, nicht wahr?“ Rickmers nickte. „Nun, wenn sie möchten“, fuhr die Gräfin fort, „dann übernehmen ich das. Ich werde ihnen helfen. Natürlich nur, wenn sie das wirklich möchten. Ich dränge mich nämlich nicht gerne auf, wissen sie.“ Falk überlegte kurz und stimmte schließlich zu. Was hatte er schon zu verlieren? Kat hatte ihn seit geraumer Zeit kaum eines Blickes gewürdigt und wenn er es sich recht überlegte, so war doch diese Gräfin wirklich reizend. Er musste sich über sich selbst wundern „Warum ist sie mir nicht schon früher aufgefallen?“

 

 

27. Folge: Nachricht vom Festland (von Der schlaue Det)

Während Falk Rickmers sich von Gräfin Ermakova umgarnen ließ, begab sich der Cessnaritter ohne große Umschweife zur Krankenstation. Als er eintrat befand sich Sir Hilary gerade im Gespräch mit Dr. Master und so konnte Cessnaritter noch die Worte "...ich hoffe wir werden ihn damit Ruhigstellen können." aus Sir Hilarys Mund vernehmen, bevor das Gespräch abrupt endete und beide sich ihm zuwandten. Hatte Sir Hilary nicht einen leicht ertappten Gesichtszug? Cessnaritter war noch nie gut darin in den Mienen anderer Menschen zu lesen, also verwarf er diesen Gedanken sogleich wieder. Da der Arzt ihn sehr auffordernd anblickte, rückte Cessnaritter gleich mit seinem Anliegen heraus: "Herr Doktor, ich habe ihnen ein Schreiben vom behandelnden Arzt der Klinik unter Palmen mitgebracht, in die ich Herrn Paulsen eingeliefert habe." Er überreichte Dr. Few Master den Umschlag. Der Arzt riss den Umschlag auf, und las den enthaltenen Brief. Je mehr er las, desto steiler wurde die Sorgenfalte zwischen seinen ausdrucksvollen Augenbrauen. "Oh mein Gott, das habe ich befürchtet!" entfuhr es ihm, als er zu Ende gelesen hatte. Daraufhin bedankte er sich und bat Cessnaritter zu gehen. Sir Hilary jedoch, der ebenfalls aufstand um den Raum zu verlassen, rief der Doktor zurück. "Sir, warten Sie, ich muss etwas mit Ihnen besprechen!" Cessnaritter schloss die Tür hinter sich.

 

 

28. Folge: Dr. Few Masters Geheimnis (von Paula_Tracy)

Sir Hilary schüttelte energisch den Kopf, als Dr. Few Master ihm den Fall schilderte. „Der Kapitän müsste sehr viel älter sein, um der Vater von Fräulein Kat zu sein“, meinte er. „Und außerdem – können Sie sich vorstellen, dass diese Frau Paulsen die Mutter von dieser bezaubernden Kat ist?“ „Ich habe auf See schon die merkwürdigsten Dinge erlebt“, meinte Dr. Few Master nachdenklich und schaute durch das Bullauge auf die stürmische See. „Wissen Sie, Sir Hilary, es ist nicht immer einfach, nur zur See zu fahren, immer einsam zu sein, Freundschaften entwickeln sich nicht. Die einzige, mit der ich hin und wieder rede, ist meine Assistentin. Sie ist nett, redet aber ein bisschen viel. Das Niveau auf diesem Schiff ist längst nicht mehr das, was es mal war. Immer mehr Schiffstrolle verirren sich hierhin... Hin und wieder brauche ich mal wieder ein Männergespräch. Sir Hilary, ich habe das Gefühl, wir beide verstehen uns. Ich brauche einen Freund, einen echten Freund. Ich muss es endlich loswerden, das schreckliche Geheimnis in meinem Leben – denn ich habe das Gefühl, ich bin endlich an einem Wendepunkt angelangt und muss die Vergangenheit hinter mir lassen. Sir Hilary – darf ich Sie Hilary nennen? – was ich Ihnen jetzt verrate, dürfen Sie niemals jemandem verraten, versprechen Sie mir das?“

Sir Hilary, der wirklich auffallend dem großen Sir Peter Ustinov ähnelte, starrte den Doktor aufgeregt an. Was würde ihm der Arzt gleich anvertrauen? War er vielleicht gar kein Arzt? Hatte der Captain nicht zu Beginn der Fahrt gesagt, dass der Arzt Dr. Sommerfeld hieß? War er drogensüchtig – so was hörte man ja oft von Ärzten... Konnte er nicht
schwimmen, obwohl er seit Jahren zur See fuhr? Was konnte dieser Mann nur für ein schreckliches Geheimnis haben? Und was meinte der Doktor mit Schiffstrollen?

 

 

29. Folge: Segel setzen! (von Paula_Tracy)

Bevor jedoch Dr. Few Master sein seit Jahren streng gehütetes Geheimnis verraten konnte, stolperte die total aufgeregte Det herein. „Doktor Master, Sie müssen sofort kommen! Der Prinz ist ohnmächtig geworden – die Aufregung! Das Casting hat ihn einfach zu sehr mitgenommen – wer soll denn jetzt die Moderation übernehmen?“ Dr. Master griff hastig nach seiner Arzttasche, schob Sir Hilary zur Seite und rannte hinter Det her in den Ballsaal, wo Prinz Malko tatsächlich ohnmächtig auf dem Boden lag. Paula hatte zwischenzeitlich erste Hilfe geleistet und wollte gerade mal wieder die unvermeidliche Betäubungsspritze aufziehen, als Dr. Few Master sie darauf aufmerksam machte, dass Malko ja schon ohnmächtig war.

„Wer soll denn jetzt die Moderation übernehmen?“ quengelte Det. Anna Nümosia fauchte sie an: „Haben Sie nichts wichtigeres im Kopf? Der arme Prinz! Und Sie denken nur ans Vergnügen! Wenn er nun stirbt? In diesem Jahr sind
schon so viele Prominente aus Königshäusern von uns gegangen...“ In diesem Augenblick betrat „Fischkrepp“ die Bühne. „Meine Damen und Herren, aufgrund einer Unpässlichkeit des Moderators schlage ich vor, die Show auf morgen zu verschieben. Stattdessen bitte ich Sie, alle nach draußen an Deck zu kommen, um die Segel zu setzen! Unsere Ankunft in den USA verschiebt sich dadurch leider um etwa zwei Monate.“ „Was???“ kreischte Baby Jane. “Aber der Arnie wartet doch auf mich! Ich will sofort den Captain sprechen!“ „Das könnte ihr so passen!“ zischte Gräfin Ermakova der erstaunten Xhosa zu, die noch nicht so recht einschätzen konnte, was bisher passiert war. „Die ist immer noch hinter ihrem Ex her – dieser Bergsteiger ist doch nur eine Attrappe! Ständig sucht sie einen Grund, um mit Falk zu sprechen...“

Fi
schkrepp lächelte selbstgefällig. Das mit dem Kiel holen war dem Captain zu brutal gewesen, aber wer weiß – beim Segelsetzen gab es sicher genug Gelegenheiten, um diesen De Guy loszuwerden, damit Falk endlich seine Kat bekam. Und dann – wenn der Captain dann blind vor Liebe war, würde er – Fischkrepp – endlich Gelegenheit haben, ihm alles heimzuzahlen und die Werderania komplett zu übernehmen. Und nicht nur die – er würde sich auch diese bildhübsche Baby Jane schnappen, die der Captain damals einfach hatte gehen lassen! Oh ja, Falk Rickmers würde sich noch sehr wundern...

 

 

30. Folge: Mia Florentine tritt auf! (von cessnaritter)

Um die erneute Verwirrung der Passagiere und der Mannschaft auf der Werderania komplett zu machen, hüpfte plötzlich eine blonde junge Frau im geblümten Sommerkleid durch die Menge. Auf dem Arm hatte sie ein silbernes Tablett mit kleinen weißen Kugeln. Sie flötete: "Hallo, ich bin Mia Florentine und habe jetzt für alle "eine German Kleinigkeit". Einige Passagiere waren erstaunt, griffen aber erfreut zu.


"Meine Damen und Herren, das ist eine kleine Ent
schädigung dafür, dass wir von nun ab wie 1850 über den Pazifik segeln müssen!" sagte Fischkrepp mit süffisantem Lächeln....Nicht nur, dass er Captain Falk Rickmers den Kapitänsposten streitig machen wollte, er hoffte, dies würde der Anfang vom Ende der Brandungsfelsen-Reederei sein, die vor über zwanzig Jahren seinen Vater als Konkurrenz im Fährverkehr zwischen Bremerhaven und Wilhelmshaven total ruiniert hatte und der sich daraufhin verzweifelt in die Alpen zurückgezogen hatte, um einsam und verlassen in einem Ruderboot an der Quelle der Isar auf Fahrgäste hoffte. Die meisten Passagiere aber waren über die Aussicht, noch zwei Monate auf diesem Schiff ausharren zu müssen mit all den seltsamen Gestalten, entsetzt.


Als der Cessnaritter den Raum betrat, stürmten gleich ein halbes Dutzend Leute auf ihn zu, winkte mit dicken Geldbündeln und alle riefen durcheinander: "Sie müssen mich sofort ausfliegen!" "Bringen Sie mich sofort an Land!" und ähnliche Wortfetzen klangen an sein Ohr. Der Cessnaritter stand breitbeinig da, dann ver
schaffte er sich mit einem energischen Winken Gehör. "Ich werde niemanden ausfliegen!" sagte er. "Ich biete ihnen eine Million!" rief der Prinz, der gerade wieder zu Bewusstsein gekommen war und nun auf den Piloten zustürmte. "Ich muss unbedingt beim Fußballspiel Frankreich gegen die Tonga-Inseln dabei sein. Es wird endlich mal wieder ein Sieg für Frankreich sein und ich muss einfach dabei sein. Jahrelang habe ich auf einen internationalen Sieg gewartet!"
Doch der Cessnaritter winkte weiter ab..."Auch wenn sie mir 5 Millionen zahlen, es wird nicht gehen!"
Alle sprachen nun durcheinander, bis jemand klar und deutlich fragte: "Warum nicht?"
"Jemand hat die Drosselklappe an meinem Flugzeug zerstört, außerdem ist das Höhenruder und der Kreiselkompass zerstört...."


"Das ist ja Sabotage!" rief der Prinz empört, fasste sich ans Herz und sank erneut zu Boden.

 

 

31. Folge: Das dunkle Geheimnis der Gräfin (von Deckard)

Ganz hinten in der Ecke, unbeobachtet von allen anderen, stand Gräfin Ermakova und gönnte sich ein diabolisches Lächeln. Hätte man die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihre gräflich manikürten Finger gelenkt, so wäre man wohl ziemlich verblüfft gewesen über die Tatsache, dass ein paar hässliche dunkle Motorölflecken die ansonsten makellos blasse Haut der adeligen Hand verunstaltete – vor allem am Daumen, wobei das nun wirklich nichts zur Sache tut.

„Ich hab sie alle hinters Licht geführt“, dachte die Gräfin und konnte nicht umhin, ein wenig stolz auf sich zu sein. „Sogar diesen eitlen Falk Rickmers, der sich tatsächlich einbildete, ich hätte Interesse an ihm!!! Von seiner anderen Wahnvorstellung, George Clooney würde gegen ihn wie ein Schiss aussehen, mal ganz abgesehen. Dabei habe ich all das nur getan, um mich zu rächen! Endlich Rache zu nehmen an diesem Dr. FewMaster... für das, was er mir damals angetan hat!“

Die Miene der Gräfin hatte sich urplötzlich verdüstert. Hass loderte in ihren Augen und verzerrte dieses so attraktive, sorgfältig grundierte, mit gleichmäßigem Make-up versehene und mit einem Tupfen Rouge zur Vollendung gebrachte Gesicht zu einer Fratze. Doch sofort hatte sie sich wieder in ihrer Gewalt.

Mangels einer Person, der sie sich anvertrauen konnte, war Gräfin Ermakova gezwungen, ihr Geständnis weiter in einem Selbstgespräch, mittels Gedankenstimme fortzuführen.

„Der Sabotageakt war einfach nötig gewesen, um dieses Rache-Drama zu Ende zu bringen – denn was wäre ein Drama ohne Darsteller? Und hätte Cessnaritter die Passagiere einen nach dem anderen ausgeflogen, dann wäre meine Rache äußerst langweilig ausgefallen... Man stelle sich vor: Nur ein paar Schiffstrolle, die sich auch noch trollen...“