10. Staffel

 

 

 

153. Folge: Gedanken eines Außenseiters (von Paula_Tracy)

Fischkrepp hatte Dienst auf der Brücke und ärgerte sich mal wieder, dass er überhaupt nicht in die Geschehnisse an Bord mit einbezogen wurde. Alle saßen im Speisesaal oder amüsierten sich irgendwo – sogar die Schiffsjungen machten, was sie wollten – aber er, er musste immer Dienst schieben. Der Kapitän hatte sich in diese farblose kleine Maus verliebt und war kurz vor dem Ausflippen, Kaschi, der gerade an ihm vorbeiging, summte irgendein idiotisches Lied (ob der auch verknallt war?), Nobbi, der frühere Leichtmatrose, war total verrückt geworden – und dieser Doktor... Na, der spann sowieso. Aber trinkfest war er! Heute morgen hatte er angeblich eine ganze Flasche Johnny Walker getrunken und war jetzt schon wieder auf den Beinen. Angeblich hatte er dieser dämlichen Tierärztin eine Art Liebeserklärung gemacht, wenn man diesem Idiot von Willi glauben konnte. Da sollte ja ohnehin was laufen. Diese Russen! Er selber war ja Ungar – glaubte er zumindest. Tatsächlich wusste er es nicht genau. Als er vor einigen Jahren am Ufer der Donau von Kapitän Falk Rickmers, der mit seiner damaligen Kurzzeitfreundin auf der Donauprinzessin schipperte, aufgelesen wurde, musste er halbtot gewesen sein. Rickmers hatte ihn angeblich vollkommen betrunken aus einem Auto herausgezogen und sofort in die Budapester Klinik gebracht, wo die besten Chirurgen sein kaputtes Gesicht wieder in Ordnung brachten. Falk Rickmers war für alle Kosten aufgekommen – und hatte ihm anschließend sogar eine Ausbildung verschafft, die es ihm möglich machte, auf der Werderania, dem stolzesten Schiff der BrandungsFelsen-Reederei, tätig zu werden. Und nun war er 1. Offizier – das hatte er nur seiner schnellen Auffassungsgabe und seinem Fleiß zu verdanken. Aber er hatte sich niemals mehr erinnern können, was vor dem Unfall passiert war... Er hatte Dr. Few Master mehrere Male angesprochen, ob er sich vorstellen könne, mit ihm eine Art Gesprächstherapie zu machen (wie bei Mickey), aber der Doktor hatte abgelehnt. Jeder lehnte ihn ab. Nur Willi erzählte ihm manchmal was, und Tapetchen himmelte ihn an. Aber er – nein, er wartete auf etwas anderes. Nur auf was – das wusste er nicht. Er konnte nur lachen, als sie diesen De Guy an Bord nahmen. Lächerlich – so was war ihm schon vor Jahren passiert. Dieser De Guy war doch nur ein billiger Klavierspieler. Er war etwas besseres – da war sich Fischkrepp sicher! Vor ein paar Monaten war er noch einmal in Budapest gewesen und hatte ein paar kleine Schlösser in der Umgebung besucht – ja, das hatte etwas in ihm zum Klingen gebracht... Aber was nur?

Draußen auf Deck spazierte dieser blöde Hercule-Poirot-Verschnitt vorbei – am Arm mit Helli. Helli – Moment? Wieso Helli? Wieso wusste er, dass die Gräfin Helli hieß? Bestimmt hatte sie jemand mal so genannt – ja, sicher... Er setzte sich. Diese Gräfin machte ihn total nervös. Zuerst hatte er ja ein Auge auf die Ex des Kapitäns geworfen – aber die Gräfin war viel interessanter, obwohl sie gefärbte Haare hatte. Woher er das wusste, dass die gefärbt waren? Keine Ahnung... Früher waren die Haare wohl mal so hell gewesen, aber als Ninschen kam, da... Fischkrepp ließ den Kopf langsam auf das Steuerrad sinken und starrte fasziniert auf einen Fleck am Boden. Wer war Ninschen? Wie kam er auf diesen dummen Namen? Wer hieß schon Ninschen? Mein Gott, wo hatte er nur seine Gedanken heute?

 

 

154. Folge: Ein Interview mit Arnie (von Paula_Tracy)

Die Frauen hatten sich alle in Dets Kabine verdrückt, nur Leo fand das nicht so spannend. Sie hatte nichts übrig für Hochzeitsüberraschungen – außerdem kannte sie Patricia nicht so gut, sollten die doch sehen, wie sie ohne sie klar kämen. Sie musste die Chance jetzt einfach nutzen – denn wann bekam man schon einmal einen amerikanischen Gouverneur, dazu noch einen so bekannten und beliebten wie Arnold Schwarzenegger, vor das Mikrophon? Der Traum jeder Journalistin! Sie musste nur sehen, dass sie ihn einmal allein erwischte und ihm die wichtigen politischen Fragen, die ihr auf der Seele brannten, stellen konnte! Und Heino – ja, den musste sie auch loswerden, denn dem brannten auch noch ganz andere Sachen auf der Seele. Sein Comeback z. B. – wen interessierte bitte schön, schon Heinos Comeback? Damit holte man doch in Berlin, der pulsierenden Hauptstadt des Landes, keine Oma vor dem Ofen vor. Na ja – die Omas vielleicht schon, aber sonst?

Noch saß Heino ganz gemütlich mit Arnold und diesem Italiener am Tisch und plauderte – hoffentlich hatte er sich bloß verdrückt, wenn sie wieder kam. Sie musste nur schnell in ihre Kabine, Schreibzeug und Aufnahmegerät holen, und dann... dann kam die große Stunde der Leopoldine Sabinsen, der größten deutschen Journalistin auf der Werderania! Sie seufzte beglückt und beeilte sich – denn weglaufen durfte er ihr in keinem Fall!

Außer Atem öffnete sie ihre Kabine und – befand sich in einem Meer von Rosen. Völlig fassungslos starrte Leo auf den errötenden Kaschi, der offenbar gerade dabei war, einige Rosen auf ihrem Bett zu verteilen. Das... das war ja noch viel aufregender als ein Interview mit Arnold Schwarzenegger!

 

 

155. Folge: Mord auf hoher See (von Paula_Tracy)

Pete Morgan war am verzweifeln. Nicht nur, dass auf seiner Schreibmaschine ständig das „e“ klemmte (sein Laptop war kaputt, und der einzige, der fähig war, sich so was anzusehen und evtl. in Ordnung zu bringen, war Gandalf – und der hatte offenbar ständig was anderes zu tun) , seine Schreibblockade war noch größer geworden, wenn es so was überhaupt gab. Wenn man ständig von Cowboys und Indianern schrieb, war es schon schwierig, diese in einem Roman, der „Deine Heimat ist das Meer“ heißen sollte, unterzubringen. Und Kriminalgeschichten hier an Bord – Fehlanzeige. Die Werderania schipperte gemütlich vor sich hin – jeder auf diesem Schiff schien ein amouröses Abenteuer zu genießen, nur er kam mal wieder zu kurz. Aber das war er ja gewöhnt – er, der einsame Wolf. Vielleicht sollte er einfach eine seiner 2467 DVDs einwerfen? Halt – der Player war ja auch kaputt. Na, das war eben so, wenn man die billigste Kabine nahm. Aber mehr war einfach nicht drin gewesen. Er war Kaschi ja dankbar, dass er ihm das hier vermittelt hatte. Immerhin hatte er Arnold Schwarzenegger kennen lernen dürfen – und er hatte ihm sogar ein Autogramm gegeben. Wenn das nichts war!

In der Kabine nebenan schnatterten ein paar Frauen – richtig, da wohnte ja die Arzthelferin. Die feierte wohl eine Party? Typisch, an ihn dachte mal wieder keiner. Nicht einmal Miss Tracy, wo er ihr schon so viele Artikel für den Nostalgie-Newsletter zur Verfügung gestellt hatte. Undank ist der Welten Lohn. Das Leben konnte so bitter sein! Das Geschnatter wurde immer lauter – mein Gott, Frauen kannten auch keine Rücksicht! Er würde jetzt nach drüben gehen und den Damen was erzählen, bei Gott, das würde er! Wütend stampfte er aus der Kabine raus und wollte ohne anzuklopfen, in die Kabine der Arzthelferin, aber da stockte er... Die schnatterten offenbar nicht nur – das war Miss Tracys Stimme, die ganz tränenerstickt war. Mein Gott, er konnte es einfach nicht hören, wenn Frauen weinten. Er beugte sich vor und lauschte. „Aber – was haben wir ihr denn getan?“ weinte Miss Tracy. „Ich verstehe das nicht. Few würde keiner Fliege etwas zuleide tun können, und ich auch nicht.“ „Na, ich etwa?“ unterbrach die forsche Stimme der Arzthelferin, die aber auch leicht zittrig wirkte – ganz anders als sonst. „Fest steht, wir müssen sie und den Italiener ausschalten!“ das war Baby Jane. „Notfalls mit Gewalt.“ „Wie meinst Du das?“ Das war die andere Österreicherin – Mensch, die waren ja zu dritt – welche war das denn jetzt? Schon wieder eine Stimme mit österreichischem Einschlag. „Ich habe eine Pistole!“ „Waaaaaaaaaaaaaas?“ Alle Frauen riefen jetzt wieder wild durcheinander, und Pete bekam nur noch Wortfetzen mit. „Mordplan“ – „Sprengstoff“, „wahrscheinlich ein Mafiosi“... Erschlagen ging Pete in seine Kabine zurück. Diese harmlosen Frauen planten einen Mord... Aber... wen wollten sie ermorden? Wer war der Italiener? (Pete bekam nicht alles an Bord mit – er saß ja ständig in der Kabine und schrieb vor sich hin). Was sollte er jetzt nur tun? Seine Gedanken purzelten wild durcheinander, seine Phantasie machte Überstunden... Er zog seine Schreibmaschine ein Stück zu sich und begann zu schreiben... „Mord auf hoher See“ – das war doch ein guter Titel für einen Krimi, oder? – Und darum, wer jetzt wen ermorden wollte, konnte er sich später auch noch kümmern. Hauptsache, die Blockade war überwunden. Hurra!

 

 

156. Folge: Der Rosenkavalier (von Scarlet)

Pete Morgan war so glücklich darüber, dass er seine Schreibblockade endlich überwunden hatte, dass ihn das Geschnatter der Frauen in der Kabine nebenan gar nicht mehr störte, ja es interessierte ihn nicht einmal worüber sie sprachen. Wie von Sinnen hämmerte er in die Tasten seiner Underwood-Schreibmaschine. Sogar das „e“ ging jetzt wieder, es war wahrscheinlich nur eingerostet, Pete hatte es in letzter Zeit ja wirklich sehr vernachlässigt. Wenn diese kreative Phase länger anhalten würde, dann würde Pete seinen Roman noch während seines Aufenthalts hier an Bord beenden und es würde sicher ein Bestseller werden!

In Leos Kabine wusste der ertappte Kaschi nicht recht, wie er auf das plötzliche Erscheinen von Leo reagieren sollte. Seit die Journalistin mit der Ethnologin Xhosa und dem Städteplaner Tom an Bord gekommen war, hatte sie ihn fasziniert. Sie war irgendwie ganz anders als die anderen und sie war die erste Frau, die ihn seit langem wirklich interessierte. Leo wirkte auf ihn wie eine Frau, die wusste, was sie wollte. Schon alleine, wie entschlossen sie jetzt in die Kabine hereinkam…ja, DAS ist eine Frau!
Er hatte eingesehen, dass er Baby Jane ohnehin nie für sich hätte gewinnen können, sie hatte ihn ja nicht einmal beachtet. Wusste sie überhaupt, dass er existierte? Sie war die Frau des Kapitäns (früher) und seit 17 Jahren war sie mit dem Bergsteiger glücklich. Wenn Kaschi ehrlich zu sich selbst war, so hatte er doch immer schon gewusst, dass er sie nie bekommen würde, sie war für ihn immer unerreichbar. Aber vielleicht war genau das der Grund weshalb er sie all die Jahre anhimmelte. Vielleicht wollte er keine andere Frau, war gar nicht bereit für eine Beziehung und sie war nur der Vorwand! In Wirklichkeit hatte er nur immer auf die Richtige gewartet! Und jetzt hatte er das Gefühl, dass genau die vor ihm stand! Als ihm einer seiner Kumpels vor ein paar Tagen vorschlug, sich doch mit Arzthelferin abzulenken, als er dem im Suff sein Leid klagte, widerstrebte ihm dieser Gedanke. Aber jetzt bei dieser Leo…

Leo stand immer noch wie angewurzelt in der Tür und sah den verwirrten Kaschi an, der, als er sie bemerkte, zu pfeifen aufgehört hat. Auf ihre Frage, was er hier täte, gab er ihr keine Antwort, ja es schien ihr fast so, als hätte er sie gar nicht gehört.
An stelle einer Antwort begann er auf einmal zu singen. ‚Typische Übersprungshandlung.’, dachte Leo. Kaschi begann, das Lied, das er zuvor gepfiffen hatte (in leichter Abwandlung vom Original) zu singen und kam dabei mit einem schmachtenden Blick und einer roten Rose in der Hand auf Leo zu:

Schenkt man sich Rosen in Tirol,
Weisst du, was das bedeutet wohl?
Man schenkt die Rosen nicht allein
Man gibt sich selber mit auch drein!


- Kaschi reicht Leo die rote Rose, die sie verwirrt aber doch gerührt annimmt

Mir winket neues Liebesglück
Aus dieses Mädchens Blick.
Ja, ja, die Rosen sind Dein,
Die Rosen nicht allein.

Doch vielleicht bring' ich dir Glück,
Drum nehm die Rosen ich nicht zurück.
Ja, ja, die Rosen sind dein,
Doch die Rosen nicht allein.

Man schenkt die Rosen nicht allein
Man gibt sich selber mit auch drein!
Meinst du es so? Verstehst du mich?
Meinst du es so, dann Liebste, sprich!
Meinst du es so, dann tröste mich,
Nimm mit der Rose bitte auch mich!


Zuletzt kniete sich Kaschi vor Leo theatralisch nieder und streckte ihr seine Hand erwartungsvoll entgegen. ‚Was habe ich getan?’, schoss es ihm durch den Kopf, ‚wie wird sie reagieren?’ Leo stand sprachlos da, in der einen Hand hielt sie die rote Rose, die andere Hand reichte sie Kaschi.

„Jetzt stehen sie erst einmal wieder auf.“, brach Leo die peinliche Stille, die eingetreten war, nachdem Kaschis Arie zu Ende war. Kaschi stand auf und sah Leo in die Augen: „Es tut mir leid, wenn ich sie erschreckt habe, Fräulein Leo. Ich weiß, ich habe mich gerade zum Vollidioten gemacht! Verzeihen sie mir. Sie müssen ja sonst etwas von mir denken! Aber das was ich da gesagt oder gesungen habe, das stimmt wirklich! Ich finde sie unwahrscheinlich sympathisch und nett und…naja, sie gefallen mir halt! Sowas ist mir schon lange nicht passiert.“

Leo legte Kaschi sanft ihre Hand auf die Lippen: „Seien sie ruhig! Ich finde sie ja auch sympathisch! Und ich finde gar nicht, dass sie sich zum Vollidioten gemacht haben, ich finde, das war eher sehr mutig von ihnen.", sie machte eine kurze Pause, "Vor allem, wenn man so schlecht singt, wie sie!“, sie lachte und auch Kaschi begann vor Erleichterung zu lachen. „Und was sagen sie?“, fragte er sie. „Jetzt mal langsam, mein Guter. Wir kennen uns ja kaum, lassen wir’s ruhig angehen, was meinen sie?“ „Aber geben sie uns eine Chance?“, fragte er ängstlich. „Wer weiß…?“, antwortete Leo vielsagend und zwinkerte ihm verschmitzt zu, während sie ihn sanft aus der Kabine schob. Überglücklich verließ Kaschi die Kabine seiner Angebeteten und drehte sich noch einmal zu ihr um, als sie ihm noch eine neckische Kusshand zuwarf und dann die Tür schloss. In der Kabine ließ sich Leo ebenso glücklich auf ihr Bett fallen, in ein Meer aus Rosenblüten…

 

 

157. Folge: Noch mal Männergespräche (von Paula_Tracy)

Der Doktor war froh, über seinen eigenen Schatten gesprungen zu sein, obwohl er sich hinsichtlich der Umarmung von Paula und des Cessnaritters immer noch unsicher war. Aber Frauen waren ja manchmal sehr emotional – und er hatte einen ungünstigen Blickwinkel gehabt, als er nach unten schaute, wo die Cessna stand. Wahrscheinlich hatte es keine Bedeutung – oder doch? Wenn nicht immer diese Zweifel wären... Zu oft war er schon enttäuscht worden. Misstrauisch betrachtete er den Cessnaritter, der gelangweilt einer Unterhaltung zwischen Yeti-Klaus, Werderaner und Andreas Hansen zuhörte. Der Reiseveranstalter referierte über die Vorteile der Seefahrt und die Nachteile des Fliegens und erntete zumindest von Werderaner heftige Zustimmung. Yeti-Klaus hingegen war mehr für’s Bergsteigen. Der Doktor zuckte die Schultern – ihn interessierte das alles nicht. Er fuhr noch nicht mal Auto – wozu auch? Hier auf See brauchte man ja keines, und auch sonst konnte man seiner Meinung alles bequem zu Fuß erreichen. Er konnte die Leute nicht verstehen, die sogar zum Zigarettenautomat mit dem Auto fahren mussten. Okay, man brauchte etwas länger und kam manchmal zu spät... Aber egal.

Die drei Forenmanager redeten sich mal wieder die Köpfe heiß – es ging immer noch um Kat, und wie man sie überzeugen konnte, baldmöglichst mit Ihnen das Schiff zu verlassen. Ralf war der Meinung, dass man besser heute als morgen abreisen sollte. „Bloß weil Du am liebsten zu Hause bist, alter Stubenhocker!“ brummte Henning. „Wann hatten wir eigentlich das letzte Mal Urlaub? Mir gefällt es hier. Lass Dir doch auch mal ein wenig den Wind um die Nase wehen.“ Er winkte Mickey herbei, der den Herren noch eine Extraportion Milch brachte. „Sagen Sie mal, die Frauen, die gerade gegangen sind – das waren doch nicht alle, die an Bord sind, oder?“ Mickey schaute ihn etwas verwirrt an. Ob das einer von diesen Kerlen war, die dachten, man könne sich auf einer Kreuzfahrt eine Frau angeln? Vielleicht sogar eine reiche? „Na ja“, druckste Henning ein wenig herum. „Ich habe bei der Ankunft noch jemand anders gesehen – mit einem weißen Kittel. Vielleicht die Schiffsärztin?“ Mickey schüttelte den Kopf. „Wir haben einen Arzt“, er deutete in Few Masters Richtung. „Das kann nur Det gewesen sein, seine Sprechstundenhilfe.“ „Aha“, Henning beugte sich interessiert vor, während Ralf und Armin ihn befremdet betrachteten. Was war nur mit ihrem Kollegen los? „Die ist wohl recht nett, wie?“ „Oh ja“, schwärmte Mickey – immerhin war Det nach Ona seine ungeschlagene Nummer zwei – „Det ist schwer in Ordnung. Wollen Sie auch eine Extraportion Milch?“ (Ferrero machte das mit der Schleichwerbung wesentlich geschickter als Johnny Walker!). „Jetzt wissen wir wenigstens, warum er es hier so nett findet“, murmelte Ralf zu Armin gewandt. „Mensch, hol’ doch endlich mal dieses Vieh von Deiner Schulter – ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich mit Dir oder dieser Möwe spreche.“ „Krrrrraaaaaaaaaaaaah“, machte Laura und piekste Armin auf die Nase. „Lass sie doch“, verteidigte Armin seine neue Freundin. „Tiere spüren einfach, wer reinen Herzens ist.“ Ralf stand auf. Das war ja nicht zum Aushalten. Vielleicht war dieser Doktor ein vernünftiger Gesprächspartner, er würde sich einfach mal zu ihm an den Tisch setzen und ihn fragen, ob er wüsste, wo Kat sich aufhielt. Irgendwo musste er ja mal anfangen, und auf Henning und Armin war offenbar kein Verlass mehr.

Was brüteten die Frauen in Dets Kabine aus? Bekam Leo noch ihr Interview? Würde Gandalf den Laptop von Mr. Morgan reparieren können? Und würde Ralf Kat ausfindig machen können? Wann würde Henning Kontakt zu Det aufnehmen – wenn überhaupt? Wieso hatte Laura den Forenmanager Armin so ins Herz geschlossen? War er wirklich so reinen Herzens? Und wer war Fischkrepp? Was plante Matalo wirklich? Aus was bestand das weiße Pulver? Und wann bekam De Guy seine nächste Mahlzeit? Was machte Hannelore auf der Ovela? Und was stand in dem Schreiben von Bayern München, das gerade bei Tapetchen eingegangen war? Die Fragen nehmen einfach kein Ende...

 

 

158. Folge: Eine „explosive“ Mischung (von Scarlet)

Einige der Herren an Deck plauderten, die Forenmanager diskutierten, Arnie schwelgte in Erinnerungen und Heino lausche ergriffen. Der Reeder hatte eine Glückssträhne beim Ping-Pong Spielen, und Pete Morgan in seiner Kabine schrieb und schrieb was das Zeug hielt. Die Gräfin flanierte mit Sir Hilary übers Sonnendeck, der ihr vom Weltjugendtag, der zurzeit in Köln stattfand, erzählte. Eigentlich wollte er auch dabei sein, aber die unvorhersehbaren Komplikationen an Bord hatten seine Teilnahme verhindert, was er sehr bedauerte. Die Besatzungsmitglieder gingen alle mehr oder weniger ihrer Arbeit nach. Es schien, als wäre es ein ganz normaler Vormittag an Bord eines Passagierschiffes. Das einzige, was diesen Eindruck empfindlich störte, war die Tatsache, dass keine einzige Frau (bis auf die Gräfin, die mit Hilary am Sonnendeck stand und Leo, die immer noch in ihrer Kabine war und sich auf ihr geplantes Interview mit Arnie vorbereitete [so etwas kann sich eine Journalistin von Welt nicht entgehen lassen]) an Deck zu sehen war.
Aber halt! Was war das? War das nicht, Ona, die Köchin, sie sich da beeilte um schnell in Dets Kabine zu kommen, wo die anderen Damen schon aufgeregt auf sie warteten. Die anderen hatten sich schon längst in der Kabine der Arzthelferin versammelt, wo Det den Brief, den sie und Sir Hilary in Matalos Kabine gefunden hatten vorlas. Am Tisch lag der Briefumschlag, auf dem das weiße Pulver lag, das Det für Sprengstoff hielt.
Schon während Det mit zittriger Stimme den Brief vorlas, standen Miss Tracy die Tränen in den Augen, als sie hörte, dass auch sie auf der Abschussliste der Gräfin stand. Als die Arzthelferin den Brief bei Seite legte und ich die fassungslose Damenrunde blickte, begannen auf einmal alle auf einmal durcheinander zu reden, Paula schluchzte und man verstand kaum ein Wort. Worte wie „Mordplan“, „Sprengstoff“, „Pistole“, „Mafiosi“ tönten durcheinander, als Ona atemlos in die Kabine stürzte. „¡Perdón! Es hat etwas länger gedauert, ich musste noch dafür sorgen, dass das Frühstücksgeschirr abgeräumt wird, ihr wisst ja wie das so ist! Ach ja, ich habe gerade den Schriftsteller von nebenan vor der Türe getroffen, aber ich glaube, er hat mich gar nicht wahrgenommen. Verstehe ich nicht, ich bin doch wirklich nicht zu übersehen, oder?“, sie lachte. Doch keine der anderen Damen lachte mit, im Gegenteil. Erschrocken sah Ona in die Runde: „Was ist den hier los? Was habt ihr denn gemacht?“, ihr Blick fiel auf das Kuvert mit dem weißen Pulver, das auf dem kleinen Glastisch lag. „Ihr werdet doch nicht etwa…. Nein, das gibt es doch nicht, das kann nicht sein, das glaube ich nicht!“ Ona stürzte zu dem kleinen Tischen und tippte mit dem Finger in das weiße Pulver. „Ona! Nicht! Lass das!“, rief Det aufgeregt, „Das ist doch…“ „Zucker! Besser gesagt Puderzucker! (Staubzucker!!! Für die Österreicher!) Und ich dachte schon dass ihr…“ „Was?“, Det sah die Köchin erstaunt an, „Das ist also kein…“ „Nein“, erwiderte Ona, „das ist kein Rauschgift!“ „Was? Wer redet denn von Rauschgift?“, mischte sich jetzt Xhosa ein, „Det hat uns gesagt das wäre Sprengstoff!“ Ona lachte: „Nein, das ist ganz bestimmt kein Sprengstoff! Das ist 100%ig Zucker! Glaubt mir, ich habe Jahrelang bei Ferrero gearbeitet, ich kenne Zucker mit verbundenen Augen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass der aus der Bordküche stammt, denn diesen feinen Puderzucker bekommt man gar nicht überall. Aber sagt einmal, wieso kommt ihr eigentlich auf die Idee, dass es sich hier um Sprengstoff handelt?“, fragend sah Ona die anderen Damen an, die wiederum blickten alle erwartungsvoll zu Det. „Ähm…Sir Hilary…“, stammelte Det, „er hat mir mit dem Briefumschlag vor der Nase herumgewedelt und hat gemeint…öhm…dieser Brief enthalte puren Sprengstoff. Ja, so hat er’s gesagt, das waren seine Worte. Tja…“ „Kann es sein, dass Du ihn falsch verstanden hast?“, fragte Xhosa, „Dass er vielleicht, den Inhalt …“, sie ergriff den Brief und schwenkte ihn herum, „ich meine den IHNHALT des Briefes gemeint hat und nicht…naja, du weißt schon.“, sie legte das Blatt Papier wieder auf den Tisch und setzte sich wieder hin. „So wird’s wohl sein.“, gab Det kleinlaut zu. „Aber das, was in diesem Brief steht ist doch wirklich schlimm genug, oder vielleicht nicht?“, meldete sich jetzt Paula Tracy zu Wort. Ona, die ja nicht gehört hatte, was in dem Brief stand, nahm den Bogen Papier und las.

 

 

159.[a] Folge: Liebesspiel am Vormittag (von Baby Jane)

"Wissen Sie, Gräfin", begann Sir Hilary, "als ich gestern im Fernsehen sah, dass sogar der gar nicht mehr jugendliche österreichische Kardinal Schönborn medienwirksam einen Rucksack geschultert und sich unter die Jugend dieser Welt gemischt hat, da wusste ich: Auch ich muss dorthin!" Gräfin Ermakowa nickte und unterdrückte gleichzeitig ein Gähnen. Sir Hilary fuhr fort: "Aber leider bin ich hier an Bord ja unabkömmlich. Aber, um Gottes Willen, glauben Sie nicht, Gräfin, dass ich mich beklage! Als Katholik bin ich seit Kindesbeinen an Verzicht und Versagen von Vergnügen und Wünschen gewöhnt. Ich stecke das mit links weg". Ermakova lächelte gütig.

Die beiden setzten ihren vormittäglichen Spaziergang fort. Sie erreichten das Achterdeck, wo vierzehn erstklassige Rettungsboote der Werderania übereinander gestapelt lagerten. Plötzlich hörten sie ein Rumpeln. Die Gräfin und der Sir blieben stehen.

"Kam das von dem Stapel der Rettungsboote hier?" fragte Hilary. Die beiden näherten sich vorsichtig den Booten. Ein neues Geräusch war zu hören.

"War das ein Stöhnen?", rief Ermakowa alarmiert?

"Ich hoffe, keiner ist verletzt!" Auch Hilary schien besorgt.
Erneutes Rumpeln. Erneutes Stöhnen, diesmal lauter. Ein schnelles Keuchen, Zischen und hohes Japsen folgte. Das Rumpeln wurde lauter und schneller. Danach ein ohrenbetäubender Schrei! "Jaaaaaahhhhh!"

"Oh mein Gott, kann ich helfen?" schrie Hilary und riss die Plane vom untersten Rettungsbbot weg. Zwei Augenpaare guckten ihm entsetzt entgegen. Sir Hilary schlug geschockt die Hände vors Gesicht. Prinz Malko lag mit krebsrotem Kopf und unbekleidet auf dem üppig-schönen Körper einer Dame, deren Haar zerzaust und verschwitzt war. Die Dame hatte noch ihre Beine um die Hüften des luxemburgischen Adeligen geschlungen.

"Anna Mimosia! Du hier?" Gräfin Ermakowa wandte sich indigniert ab. Sie hatte genug gesehen...

 

 

159.[b] Folge: Sorgen um die Gräfin (von Ona und Scarlet)

Ona las den Brief mit großem Interesse, gar nicht mal wegen des Inhalts oder der daraus folgenden Konsequenzen - Nein! Egozentrisch/Praktisch, wie sie nun mal war, sah sie sofort, wie sie selbst Nutzen aus dieser neuen Problematik ziehen konnte:

Mit diesem Skandal würde De Guy jetzt ins Abseits des allgemeinen Interesses rutschen, niemand mehr würde sich jetzt noch ernsthaft Gedanken über seine Tat, die ja offensichtlich nur ein Blackout war, machen. Letztendlich war auch niemandem etwas Ernsthaftes zugestoßen. So würde De Guy auf dem Schiff verbleiben können und sie, Ona, hätte alle Zeit der Welt, sich diesen "Bonbon" für sich selbst zu angeln (sowohl leiblich als auch künstlerisch), denn sie wollte ja schließlich die Welt mit dem eigenen "Macarena/Ketchup-Song-Remix" erstürmen und sich dumm und dämlich verdienen – und dazu brauchte sie De Guy.
‚Brauchte’, wie das klingt, dachte Ona bei sich, naja, irgendwie war es schon ein ‚Brauchen’. Aber andererseits ‚brauchte’ sie De Guy ja auch, soviel stand fest. Ohne sie würde er es mit seinem melancholischen Klavierspiel nie zu etwas bringen und mit ihr würden sie auf den Bühnen der Welt einfach unschlagbar sein! Aber sie schweifte mit ihren Gedanken ab, um ihre Karriere und ihr Liebesleben würde sie sich später immer noch kümmern können, jetzt galt es einmal die aufgebrachten Ladies zu beruhigen.
„Hört mal“, wandte sie sich an die Frauen, „wie wär’s, wenn wir einfach die Gräfin zur Rede stellten? Dieses unzusammenhängende Zeug in diesem Brief versteht man doch fast gar nicht. Na gut, es werden ein paar Namen genannt, aber vielleicht ziehen wir ja alle ganz falsche Schlüsse. Ich sage nur ‚Sprengstoff’….“ „Sie hat Recht.“, gab die vernünftige Xhosa zu bedenken. „Ist Euch eigentlich nie aufgefallen, dass Gräfin Helli ziemlich viel Martini trinkt? Ich meine, nichts im Vergleich zu dieser Münchnerin Mümosi oder wie sie heißt, aber die Gräfin ist schon auch nicht ohne! Und bei ihrer zierlichen Figur verträgt sie sicher auch nicht soviel wie die Mümosi. Wer weiß, in welcher Verfassung die diesen Brief da geschrieben hat.“ Ona machte eine Handbewegung, als ob sie zum Trinken ansetzte „Ihr wisst schon…“ Und der Puderzucker im Kuvert lässt darauf schließen, dass sie nebenbei auch noch etwas gegessen hat, also hat sie den Brief hier an Bord geschrieben. Vor ein paar Tagen gab es Nachtisch, der mit Puderzucker bestreut war und wo die Gräfin auch ziemlich angeheitert war. Erinnert ihr euch, sie hat die ganze Zeit gesungen!“ Die anderen nickten zu Onas messerscharf kombinierten Ausführungen. „Sie hat recht,“ meinte Paula, „Helli war zuletzt schon manchmal etwas mehr als nur beschwipst. Und irgendwie war sie immer besonders merkwürdig, wenn Few in der Nähe war, das ist mir aufgefallen. Zuerst dachte ich ja, sie hätte es auf ihn abgesehen…“ „Naja, das hat sie ja wahrscheinlich auch, was man aus diesem verwirrten Brief herauslesen kann.“, warf Det ein und meinte weiter: „Wahrscheinlich wird es wirklich am besten sein, wir reden mit Helli selbst, diese Spekulationen bringen uns nicht weiter.“ „Vielleicht sollten wir nicht alle über sie herfallen“, gab Baby Jane zu bedenken, „ ich glaube, die Frau hat wirklich ein Problem und zwar meine ich jetzt nicht ein Alkoholproblem. Es muss irgendetwas Anderes dahinter stecken.“ Paula stimmte Jane zu, sie hatte schließlich schon im Falle ihres Docs Menschenkenntnis bewiesen. „Wir sollten Helli jetzt nicht ausgrenzen“, fuhr Baby Jane fort, „ja, wir sollten uns um sie kümmern, damit sie Vertrauen zu uns fasst und vielleicht gelingt es ja einem von uns sie so weit zu bringen uns ihr Herz auszuschütten.“ „Aber sie hat eine Pistole!“, war Marjorie Deckard ein. Scarlet musste lachen: „Aber Marjorie, das ist doch nur ein Feuerzeug! Und das funktioniert die meiste Zeit nicht.“ Aber woher sollte Miss Deckard das auch wissen, sie verbrachte die ersten Tage zumeist in Heinos Kabine.
„So! “, rief Ona und schlug mit der Hand auf den Tisch, „Nachdem das jetzt geklärt ist, muss ich jetzt aber wieder…das Mittagessen, ihr versteht.“ Sie stand auf, sah sich noch einmal um – auch die anderen Damen machten Anstalten sich zu erheben. „Also dann Mädels!“, rief Ona, winkte und machte sich auf den Weg zu de Guy…

 

 

160. Folge: Kabinentausch [1. Teil] (von Paula_Tracy)

Die Frauen beratschlagten noch ein wenig, wer denn jetzt mit Helli sprechen sollte. Det und Paula meinten, sie wären wohl am ungeeignetsten, es sei schließlich nicht ausgeschlossen, dass die Gräfin dann über sie herfalle und sie doch umbringen wolle. Dass sie ausgerechnet mit ihnen beiden über ihr „Problem“, wenn es denn überhaupt eines gebe, sprechen wollte...? Das sahen die anderen Frauen ein, und man einigte sich darauf, dass die „Ösi-Fraktion“ dies in die Hand nehmen würde. Miss Deckard war zwar ebenfalls skeptisch, denn sie kannte die Gräfin nicht so gut wie die anderen, aber Baby Jane meinte, dies sei sogar ein Vorteil – sie wäre dann unvoreingenommen. „Paula, Du kümmerst Dich um den Doktor“, meinte Det, „bleib am besten die ganze Zeit bei ihm und lass Dich nicht in Hellis Nähe sehen. Am besten wäre es – ja, Ihr geht in Scarlets Kabine, da wird sie Euch mit Sicherheit nicht vermuten. Scarlet nickte, sie konnte ja in der Zwischenzeit bei dem Reeder unterkommen. „Und ich...“ Det überlegte. „Ich wiege Helli in Sicherheit und tue so, als wäre gar nichts los. Ich lass mich einfach mal an Deck sehen...“ „Paß bloß auf!“ sagte Paula ängstlich. „Man weiß ja nie...“ „Da wir gerade beim Kabinentauschen sind“, Miss Deckard fand, dies war eine gute Gelegenheit, „hat denn keiner Lust, mit mir die Kabine zu tauschen? Paula, wenn Du bei Scarlet bist, könnte ich nicht in Deine?“ „Zu gefährlich!“ winkte Scarlet ab. „In Paulas Kabine sollte keiner rein. Warum willst Du denn bei Heino raus? Versteht Ihr Euch nicht mehr?“ „Doch“, beruhigte Miss Deckard. „Er ist ein wahnsinnig netter Mensch – aber er singt eben fast immer! Und er ist auch so unselbständig... Seine Krawatten muss ich ihm binden, die Socken raussuchen...“ „Frag mal Willi, der macht das bestimmt“, riet Xhosa. „Der wartet doch nur auf eine Gelegenheit, sich bei ihm anzubiedern...“ Marjorie fand, das wäre eine gute Idee. Ja, das würde sie machen...

Sir Hilary lachte ein wenig gezwungen, als der Prinz und die Witwe verschwunden waren. „Es gibt einfach keinen Anstand mehr auf dieser Welt“, meinte er. „Da lobe ich mir doch die Jugend am Weltjugendtag – Jugendliche aus allen Nationen kommen zusammen und huldigen Benedetto... Ach, ich wünschte so sehr, ich könnte auch dabei sein...“ Die Gräfin seufzte: „Ja, ich auch...“ „Sie auch?“ fragte Sir Hilary begeistert. Das wurde ja immer besser! Die Gräfin wollte auch zum Weltjugendtag! Was für eine Frau! Helli verdrehte die Augen. Sie wünschte sich natürlich, er würde auch dabei sein, nicht sie... Vielleicht gab es ja eine Möglichkeit, ihn so loszuwerden? Sie würde mal mit Matalo sprechen, der hatte doch überall seine Verbindungen. Es musste doch einen Weg geben, diesen Hercule Poirot von Bord zu schaffen... Notfalls zum Papst – der würde sich freuen... „Ich...ich gehe mir dann noch mal ein Brötchen holen“, meinte sie, „das Frühstück war etwas knapp bemessen...“ Sir Hilary wollte sie zurückhalten, doch er sah im Augenwinkel, wie die herannahende Det ihm zunickte. Offenbar war die Konferenz der Frauen beendet. So hübsch die Gräfin auch war – es war anstrengend, sie die ganze Zeit zu unterhalten.

Ralf sprach mit dem Doktor, Armin mit der Möwe – und Henning beschloss, ein wenig frische Luft auf Deck zu schnappen. Ein wunderschöner Tag war das! Wahrscheinlich war in der ForenCorporation momentan wieder der Teufel los, und er konnte wieder die Hälfte löschen, wenn er wieder in Köln war – aber dies kümmerte ihn überhaupt nicht. Das weite Meer, der blaue Himmel, die Seeluft – wen kümmerte da die Arbeit? Hey – da hinten stand doch ein weißer Kittel... Ja, das war sie! Die junge Frau, die ihm bei seiner Ankunft sofort aufgefallen war! Hm – wie konnte er sich denn jetzt nur bemerkbar machen, ohne dass er gleich aufdringlich wirkte?

 

 

160. Folge: Kabinentausch [2. Teil] (von Baby Jane)

War es der herrliche Sommertag, die Kraft der Sonne oder die gesunde, frische Meeresluft, die Herrn Henning so jäh in Glücksstimmung versetzte, dass er plötzlich unwillkürlich seinen Nostalgie-Sommerhut zum Gruße in Richtung Det lüpfte? Man weiß es nicht. Die junge Assistentin des Russenarztes winkte fröhlich mit dem Beipackzettel eines der Medikamente zurück, die sie gerade wieder gewissenhaft sortierte.

Plötzlich erfasste ein Windstoß das Blatt Papier, riss es Fräulein Det aus der Hand und wirbelte es über Deck. Mit einem Satz war Herr Henning zur Stelle und fasste das Papier, bevor es über die Reling ins Wasser fliegen konnte: "Hoppsa!", rief er, "Hiergeblieben!"

"Oh, vielen herzlichen Dank!" strahlte Det, als ihr der junge Corporation-Mann das Blatt Papier reichte. Auch Herrn Henning strahlte bis über beide Ohren: "Oh, keine Ursache, hab' ich gern gemacht!"

"Hm, der Wind, der Wind, das himmlische Kind", versuchte Herr Henning die Konversation weiterzuführen. Aber so gebannt war er vom Charme und Liebreiz dieser Det, dass sein Hirn wie leergefegt schien. "Verdammt, wieso beginne ich jetzt zu reimen?", fragte er sich insgeheim, "Was rede ich da denn? Wind, Wind, himmlisches Kind ... oh mein Gott!"

"Jaja, der Wind!" erwiderte die sonst so schlagfertige Jungmedizinerin, die in Gedanken ebenfalls verzweifelt nach weiteren Sätzen suchte, um das Gespräch in Gang zu halten. Was sagen? Wie konnte dieses nette Treffen ein wenig hinausgezögert werden?

Stille. Beide blickten ein wenig verlegen zu Boden. Fräulein Det faltete nervös ihren Beipackzettel, als Herr Henning sich schließlich räusperte: "Ähem, wertes Fräulein, ich will Sie ja bei Ihrer Arbeit nicht stören, ich sehe, Sie haben alle Hände voll zu tun, aber ... aber wäre es Ihnen vielleicht möglich, mir irgendwann einmal das Schiff zu zeigen? Mich interessieren die organisatorischen und technischen Abläufe eines so prächtigen Schiffes wie der Werderania! Maschinenraum, Kombüse, Steuerrad, Ärztezimmer, Krankenstation, Sie verstehen?"

"Sehr gerne,", sagte Det und spürte, wie ihr Herz einen kleinen Sprung machte. Was war der auch nett, dieser neue Passagier! "Würde es Ihnen heute Nachmittag, so gegen 16 Uhr passen? Da gibt mir Dr. Few Master sicher dienstfrei."

"16 Uhr ist ideal. Vielleicht darf ich Sie vorher auf ein kühles Getränk an der Poolbar einladen, als kleines Dankeschön im Voraus?", fragte Herr Henning. Det nickte, ihre Wangen leuchteten in zartem Rosa: "Sicher, gern!".

Der Corporation-Mann lüpfte zum Aschied wieder seinen Hut, deutete eine Verneigung an, wandte sich um und ging Richtung Steuerbord. Nur Möwe Laure, die wieder auf ihrem Nebenmasten saß, konnte von ihrem Aussichtplatz aus sehen, dass die Augen des Kölners glänzten vor Glück.

 

 

160. Folge: Kabinentausch [3. Teil] (von Paula_Tracy)

„Jetzt soll ich auch noch diesen netten Sir Hilary ausschalten?“ Matalo war ein wenig ratlos. Die Gräfin hatte Ansprüche, das musste man ihr lassen. Und er hatte ja bei weitem nicht diese Verbindungen, wie sie dachte – als mittelloser Schauspieler. Aber halt, da fiel ihm was ein: einer seiner Freunde, Rufus T. Firefly, hatte einen alten Helikopter, mit dem wäre es doch sicher möglich, den Sir nach Köln zu bringen. Und soviel er wusste, wollte der auch nach Köln. Ja, er würde ihm sofort funken. Was tat man nicht alles für einen solchen Job – wenn das Brooklyn wüsste!

Dr. Few Master unterhielt sich zwar ganz gut mit dem Forenmanager Ralf, war aber doch ganz glücklich, als Paula wieder auftauchte und ihm zu verstehen gab, dass sie mit ihm allein sein wollte. Hoppla – erst war sie so zurückhaltend und jetzt wollte sie mit ihm auf die Kabine, merkwürdigerweise zwar nicht in ihre und schon gar nicht in seine – nein es musste die von Miss Scarlet sein. Das verstand er zwar nicht, aber egal – Hauptsache, sie war ihm nicht mehr böse. Trotzdem: das mit dem Cessnaritter musste er unbedingt noch mit ihr klären, so einfach kam sie ihm da nicht davon!

Auch Ralf war erleichtert, als der Doktor mit dieser nervösen Frau, die ständig ängstlich um sich schaute, weg ging. Er wusste nämlich jetzt endlich, wo sich Kat aufhielt! Sie war in der Kabine des Kapitäns. Er schaute kurz, ob Armin und Henning in der Nähe waren, aber das dies nicht der Fall war, machte er sich allein auf den Weg. Hoffentlich machte sie keine Zicken und ließ sich überreden, ihren Job wieder aufzunehmen! Notfalls gab es eben eine Gehaltserhöhung, auch wenn die Forencorporation nichts zu verschenken hatte. Und dann ging es sofort nach Hause – zu Hause war es eben doch am schönsten.

Willi war beglückt – sein Ziel, der persönliche Assistent von Heino zu werden, war in greifbare Nähe gerückt! Miss Deckard war es offenbar leid und suchte einen Nachfolger für diese Position. Dafür wollte sie sogar in seine unkomfortable Schiffsjungenkabine, die er mit Mickey und Anarky teilen musste. Okay, er musste die Jungs fragen – aber wehe, die sagten „nein“! Denen würde er was erzählen!

Lassen Sie sich überraschen, was im vierten und letzten Teil der Folge 160 passieren wird! Wird Marjorie Deckard bei den Schiffsjungen einziehen? Wird Ralf Kat überreden können, mitzukommen? Werden sich die beiden Ärzte aussprechen? Wird Henning was gescheiteres einfallen beim Date mit Det (nettes Wortspiel)? Wird Sir Hilary rechtzeitig in Köln eintreffen? Und – was wird die Ösi-Fraktion bei Helli erreichen?

 

 

161. Folge: Durchsage des Captains (von Baby Jane)

"Test, Test, Sprechprobe", sprach Captain Rickmers ins Megaphon, das Willi ihm vors Gesicht hielt. "One, two, one, two, Sprechprobe."

"Ok, Chef, es funktioniert" sagte Willi, "Los!"

"Werte Passagiere, ich darf Ihnen einen wunderschönen Tag auf der Werderania wünschen und gleichzeitig eine Einladung aussprechen", Falk Rickmers Stimme klang etwas blechern aus dem Megaphon (Kat fand dies ganz besonders erotisch!). "An Bord weilen zwei Geburtstagskinder, die wir heute gegen Mitternacht hochleben lassen wollen. Es sind dies unser Chef-Steward Reggae-Gandalf und Paula Tracy, MD! Unser lieber Reggae hat heute seinen Ehrentag, Miss Tracy's beginnt um Mitternacht. Ich darf sie herzlich um 23.30 Uhr an die Poolbar einladen - es gibt Sekt und Schnittchen auf Kosten des Hauses. Ende der Durchsage."

 

 

162. Folge: The day after (von Baby Jane)

Paula Tracy erwachte mit schwerem Kopf und setzte sich auf. Sie befand sich am Pooldeck. Auf ihrem Bauch lag Heinos weißer Kopf (inklusive Sonnenbrille). Links und rechts von ihr schliefen, wild durcheinanderliegend) Ona, Willi, xhosa + Städteplaner Thomas, Miss Scarlet, Sir Hilary und Cessnaritter. Ihr gegenüber schnarchte, eine leere Sektflasche in der Hand und ein knallrotes Geburtstagshütchen auf dem Kopf, Reggae-Gandalf. In Löffelchenstellung lagen Kat und Falk Rickmers daneben, tief schlafend und selig lächelnd. Dr. Few Master lag wie bewusstlos an den Hauptmasten gelehnt und umklammerte eine Kiste Bier. Auch er schnarchte.

Paula ließ ihr Auge weiter schweifen. An die vierzig Menschlein ruhten an Deck und schliefen ihren Rausch aus. Die Ärztin massierte ihre schmerzenden Schläfen. Sie konnte sich nur dunkel erinnern, was um Mitternacht passiert war: Matalo hatte sie aus Miss Scarlets Kabine befreit und an Deck begleitet, wo ihre und Reggae Gandalfs Geburtstagsparty gerade anfing. Miss Tracy erinnerte sich an viele knallende Sektkorken, zahllose Gratulationen und Trinksprüche. Sie erinnerte sich an Musik (Twist, Rock'n Roll, Sailor, Abba etc.), zu der man wild und enthemmt getanzt hatte. Sie erinnerte sich, dass Kaschi ihr ein gerahmtes Foto des Daktari-Hundes als Geschenk überreicht, und Baby Jane mit einem Buch mit Szenenfotos der Schwabenitzky-Serie "Büro, Büro" gratuliert hatte. Yedi-Klaus hatte ihr Spencer-Tracy-DVDs geschenkt, die er gemeinsam mit seinem Neffen ausgesucht hatte, und Miss Scarlet, gemeinsam mit Herrn Henning und Fräulein Det, einen teuren Bildband über das Leben des Alpinisten Reinhold Messner. Reeder Werderaner hatte es, an seinem Oberlippenbärtchen fummelnd, durchgeblättert (700 Seiten) und in ungehörigem Ton nach weiteren Infos gefragt, woraufhin Miss Deckard ihn mit einem österreichischen Schimpfwort bedachte, das er nicht verstand. Miss Scarlet und Miss Ona hatten diplomatisch die Situation durch scherzende Worte zu entspannen versucht. Der Regelverstoßbutton am Hauptmast musste deshalb ausnahmsweise nicht gedrückt werden.

Für Reggae-Gandalf hatten alle zusammengelegt. Er wollte ja später einmal einen Verlag gründen bzw. eine Produktionsfirma betreiben, in der er Filmtrailer kreierte. Er war jung (22) und brauchte das Geld.

An mehr konnte sich Miss Tracy nicht erinnern - mal Miss Scarlet fragen! Was war noch geschehen, in jener Geburtstagsfeier-Nacht? Und vor allem: Wer hatte zusammen getanzt, als Reggae-Gandalf um drei in der Früh plötzlich Kuschelrock aufgelegt hatte? Paula wollte diesbezüglich Namen! Und: Wo, um Himmels willen, war die Gräfin? Scarlet würde alles wissen!

 

 

163. Folge: Katerstimmung (von Scarlet)

Paula setzte sich vorsichtig auf und hob Heinos Kopf sanft, ohne ihn aufzuwecken, von ihrem Bauch. (Wie kam der bloß dahin? Was war geschehen? Wenn sie sich doch nur erinnern könnte, was gestern passiert ist!) Leise schüttelte sie Scarlet an der Schulter, die auch gleich aufwachte und ebenso erstaunt um sich sah, wie zuvor gerade Paula. Ob die sich an mehr erinnern kann als ich?’, dachte Paula. Sie deutete der Wienerin, sie solle mit ihr mitkommen und zeigte auf die Liegestühle, die am Oberdeck standen. Wortlos erhob sich Miss Scarlet und folgte der Ärztin. Vorsichtig schlichen sie an den Schlafenden vorbei und mussten teilweise sehr acht geben, um auf niemanden draufzusteigen. Im Vorbeigehen nahm Miss Scarlet noch einen grossen Krug mit Wasser und zwei Gläser von der Bar mit.

Am Oberdeck angelangt, ließen sich die beiden Damen er
schöpft in die Liegestühle fallen. Dr. Tracy hielt sich den Kopf und stöhnte. „Oh Gott, tut mir der Kopf weh! Ich kann mich kaum an etwas erinnern, was ist den gestern passiert, ich glaube, ich habe einen Filmriss.“, sie hielt ihr Wasserglas in der Hand und nippte daran. „Ja, das kann ich mir vorstellen, dass Du Kopfweh hast, mir geht’s auch nicht viel besser.“ Ganz entgegen ihrer Gewohnheit, hatte auch Miss Scarlet bei der Doppelgeburtstagsfeier etwas zu tief ins Glas geschaut. „Weißt Du nicht mehr? Der Reeder, ich meine H.G. wollte doch, dass wir alle Bruderschaft trinken.“, jetzt stöhnte auch Miss Scarlet und griff sich an die Stirn. „Jetzt wo Du es sagst…“, murmelte Paula. „Hatte der nicht, nachdem wegen der Geburtstagsfeier das Abendessen ausgefallen ist, auf nüchternen Magen schon ziemlich viel Werderaner-Bier intus?“ „Richtig. Deswegen war er ja auch schon vor der Party ziemlich gut aufgelegt. Als Ona mit der Nutella-Geburtstagstorte kam, war er so begeistert, wie toll sie diese Torte verziert hatte, dass er vor ihr auf die Knie fiel und ihr die Füsse küssen wollte!“, berichtete Scarlet ungerührt. Paula, die gerade einen kräftigen Schluck Wasser genommen hatte, konnte nur mit Mühe verhindern, dass Scarlet einen Schwall Wasser ins Gesicht bekam, als sie an diese Szene von gestern Abend dachte.
„Wo ist denn eigentlich Helli?“, fragte Paula jetzt, „sie habe ich nicht am Pool gesehen.“ „Na, das war noch eine andere Ge
schichte, da warst du ja noch in meiner Kabine, das hast du verpasst.“, berichtete Scarlet, „Hast Du überhaupt das von Anna und dem Prinzen mitbekommen?“, fragte sie. „Jaja, ich habe da etwas gehört von Rettungsboot und so…“ „Ahja,“, meinte Scarlet, da wirst du schon das Richtige gehört haben. Jedenfalls, kurz danach versuchte ein Hubschrauber mit der Aufschrift ‚R.T. Firefly’ hier zu landen, der angeblich den Auftrag hatte, Sir Hilary abzuholen und nach Köln zum Weltjugendtag zu bringen. Du kannst dir ja denken, dass Hilary außer sich war vor Freude, als er das hörte, er stammelte nur mehr glückselig ‚Benedetto, Papa Ratzi!’. Blöderweise konnte der Hubschrauber aber nicht landen und Hilary musste über eine Strickleiter nach oben klettern. Er meinte, das würde er locker schaffen, das hätte er schon bei James Bond gesehen. Dann hat er noch von oben gewunken und hat gerufen, dass er bald wieder zurück wäre.“ „Das heißt Hilary ist weg?“, fragte Paula, !Aber habe ich den nicht gerade da unten liegen gesehen?“, sie deutete Richtung Pool. „Nein,“ Scarlet schüttelte den Kopf, den sie sich gleich darauf mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt, „ nein, da hast du dich bestimmt verschaut, der ist weg. Na wie auch immer, ich hab ja auch nicht alles mitbekommen. Anscheinend ist jetzt Marjorie bei Helli eingezogen und nicht bei den Schiffsjungen, oder wo sie sonst hin sollte. Angeblich war Helli sogar erfreut darüber, dass sie nicht mehr alleine in ihrer Kabine bleiben musste. Ich finde das eigentlich ganz gut so, denn so kann Marjorie die Gräfin besser kennen lernen und sie, also Helli, ist unter Kontrolle, so wie wir das ja eigentlich geplant haben, gell?“ Paula nickte. „Ja, der Nachmittag war eigentlich eh ganz ruhig“, resümierte Miss Scarlet, „und am Abend…na das hast du ja eh selbst miterlebt. Mir brummt jetzt noch der Schädel, ich sag’s Dir! Normal trink ich ja gar nie so viel, aber gestern mit dem Bruderschaft-trinken…bis man da alle abgebusselt hat…ohje!!! Ich glaube, ich hab’ selber nicht mehr alles mitgekriegt! Aber hast du gesehen, zwischen Kaschi und Leo dürfte es gefunkt haben! Kaschi hat sich Kuschelrock gewünscht und er hat mit Leo zu ‚Without You’ von Nilsson getanzt.“ „Öhm….nein, äh, das habe ich nicht gesehen.“, antwortete Paula verlegen, ‚Zum Glück hat Scarlet wirklich nicht alles mitbekommen!’, dachte sie und dachte daran, wie sie und Few genau zu diese Lied auch getanzt und…. Wie gesagt, es war gut, dass Scarlet nicht alles wusste.
Scarlet lachte auf einmal laut und Paula sah sie verwundert an. „In der Früh,“ erzählte Scarlet lachend, „als es
schon wieder hell wurde, da wollte Willi unbedingt mit Heino tanzen! Er hat in richtig bedrängt! Heino wusste sich nicht mehr zu helfen und hat dich angefleht, du mögest ihn doch vor Willi beschützen. Ich glaube, er hat gar nicht bemerkt, dass du schon längst geschlafen hast, er hat gedacht, du willst ihm einfach nicht helfen! Und auf einmal, als er vor dir kniete, kippte er nach vorne und schlief auf der Stelle ein. Auf deinem Bauch!!! Oh Gott Paula..“, lachte Scarlet immer noch. „ „Ich habe geträumt, dass ich wieder im Busch bei meinem Vater war und er wieder eine seiner Zirkusnummern mit mir übte, Ich sollte am Boden liegen und ein Elefant sollte über mich steigen. Doch anstatt dessen, stellte der seinen schweren Fuß auf mich…Und dabei war es Heino! Meine Güte! Der Elefant wäre mir lieber gewesen!“
Miss Scarlets Lachen dürfte Baby Jane geweckt haben, die jetzt auch, sich die Augen reibend, aufs Oberdeck kam und sich ebenfalls in einen der Liegestühle fallen ließ.

Vielleicht wüsste sie ja, wo die Gräfin geblieben war?

 

 

164. Folge: Was geschah in Scarlets Kabine? (von Paula_Tracy)

Baby Jane hatte auch schon besser ausgesehen, fand Paula. Auch sie hielt sich den Kopf . „Gell, ich habe mich gestern doch gut benommen?“ fragte sie ihre Freundinnen. Scarlet lachte. „Na ja, wenn man davon absieht, dass Du mit Ona auf dem Tisch getanzt hast – Dein Flamenco war gar nicht so schlecht. Klaus war ganz hingerissen, und sogar Falk hat ein Auge riskiert, Kat war schon ganz grün vor Eifersucht.“ „Das war wohl eher der Alkohol als die Eifersucht“, meinte Baby Jane. „Meine Güte, wie kann man sich nur so gehen lassen... Aber ein Doppelgeburtstag – wann hat man das schon mal? Aber was ich viel spannender finde...“ Sie grinste Paula an. „Was lief denn gestern in Scarlets Kabine mit dem Doktor, Paula?“ Paula errötete. Nicht, weil etwas unlöbliches passiert war – und wenn, würde sie es den beiden Österreicherinnen sicher nicht auf die Nase binden, es gab Themen, die auch unter Freundinnen tabu sind, fand sie zumindest – aber sie wollte auch nicht Fews Geheimnisse ausplaudern. Er hatte ihr endlich sein Geheimnis anvertraut, und Paula war sehr dankbar dafür.

Es hatte ihr ge
schmeichelt, dass er auf den Cessnaritter eifersüchtig war, aber sie hatte ihm glaubhaft versichert, dass sie ihn nur trösten wollte. Aber Fews Verbindung zur Gräfin – die interessierte sie schon. Gab es ein dunkles Geheimnis zwischen den beiden – oder warum wollte sie ihn umbringen, ja, warum scheute sie nicht einmal davor zurück, den Mordbefehl sogar auf sie und Det auszuweiten?

Etwas unsicher erzählte Dr. Few Master ihr dann die Ge
schichte. Würde sie ihn verstehen? Dass er in eine Ehe eingebrochen war, dass er auf diese Gräfin hereingefallen war, auf eine hübsche Fassade, ohne dahinter zu schauen? Dass er dies jetzt bitter bereute – aber damals, nach der Scheidung von seiner senegalesischen Frau, war er eben einsam gewesen. Er fuhr noch nicht zur See, und die Gräfin war nicht nur hübsch, sondern auch wohlhabend. Sie hatte ihm z. B. eine wundervolle Hifi-Anlage (wir wollen den Namen hier nicht nennen – auch die Dänen verstehen da keinen Spaß) mit dem schönsten Plattenspieler der Welt gekauft, die heute noch in seiner Landwohnung stand. Er hatte sich blenden lassen von ihrem Äußeren, aber das hatte er erst viel später erkannt. Irgendwann war sie weg gewesen – und er hatte nie verstanden, warum. Er vernachlässigte seine Patienten, begann ein wenig zu viel Wodka zu trinken... Und irgendwann brachte ihm der junge Brooklyn ein junges Mädchen, das ihn rein äußerlich ein wenig an die Gräfin erinnerte. Und weil das eben immer noch so weh tat, hatte er sie nicht behandelt, sondern einfach ein paar Pillen verschrieben. Später hatte er dann gehört, dass das Mädchen spurlos verschwunden war. Und noch sehr viel später erfuhr er dann, dass dies die Tochter der Gräfin gewesen war! Er konnte nur vermuten, dass sie deshalb so böse auf ihn war, obwohl er mit dem Verschwinden der Tochter natürlich nichts zu tun hatte.

Paula war er
schüttert und zugleich tief verunsichert. Wie viel Hass und Bitterkeit musste in der Gräfin sein? Sie hatte ja auch erzählt, dass ihr Mann vor einigen Jahren tödlich verunglückt war – wenn sie Fews Erzählungen Glauben schenkte (was sie tat), musste das zeitlich ziemlich genau mit der Trennung der beiden zusammenfallen. Was für ein Schicksal!

„Nun, Paula, hat es Dir die Sprache ver
schlagen?“ Paula lachte etwas unsicher. „Gar nichts ist passiert. Wir haben uns unterhalten. Und Musik gehört.“ Das ungläubige Lächeln der beiden Österreicherinnen übersehend, fragte sie: „Und was war sonst noch so los?“

„Det hatte ein Date!“ platzte Scarlet raus. „Und diese drei Forenmanager – weißt Du, warum die an Bord sind? Die wollen Kat haben! Das sind die alten Chefs von ihr! Aber mittlerweile ist die Sache wohl vom Ti
sch. Denn Det hat mit dem einen angebandelt... Auch das war deutlich gestern nacht zu sehen. Schon nachmittags an der Poolbar – da sind die Funken gesprüht, ich sage es Dir...“

„Aber noch mal zu Dir und Few, Paula...“ Baby Jane ließ nicht locker. „Wieso seid Ihr denn dann doch an Deck gekommen?“ „Na, dieser Matalo tauchte plötzlich auf“, erzählte Paula. „Ich hatte natürlich eine Riesenangst, aber der lachte nur und
schmiss mich über seine Schulter...“ „Über die Schulter?“ staunte Scarlet. „Ja, und er sagte, ich brauche keine Angst vor ihm zu haben, und Few auch nicht. Und das komische war: ich hab’ ihm geglaubt!“ „Ja, er hat sich bestens mit dem Doc verstanden!“ bestätigte Baby Jane. „Die mögen wohl beide diese merkwürdigen Monsterfilme...“ „Ja, aber genug jetzt!“ unterbrach Paula. „Was war denn jetzt mit Det und dem Forenmanager?“

Ja, was war mit Det und dem Forenmanager? Und wieso war das Thema „Kat und die Rückkehr in die Forencorporation“ vom Ti
sch? Hatte Ralf aufgegeben? Wie war das Gespräch zwischen den beiden verlaufen? Und wie verstanden sich Deckard und Helli? Heino und Willi? Gab es noch eine Rettung vor Willi für Heino?

 

 

165. Folge: I could have danced all night (von Scarlet)

Man würde wohl nichts mehr aus Paula herausbekommen, was zwischen ihr und dem Doc in Scarlets Kabine vorgefallen war und so gab Baby Jane ihre Befragung auf – vorläufig. Irgendwann würde Paula schon mit der Wahrheit herausrücken, dachte sie und beantwortete jetzt deren Fragen: „Also, soviel ich mitbekommen habe, hat der eine, Ralf, versucht, Kat zu überreden, sofort mit ihnen zurückzukommen und wieder bei ihnen in der Foren-Corporation zu arbeiten. Kat wollte aber nicht, sie wollte die Fahrt auf jeden Fall noch bis zum Ende mitmachen. Allerdings hat sie sich bereit erklärt, nach einem Umweg über Zürich, wohin sie von Falk eingeladen wurde, und mit einer entsprechenden Gehaltserhöhung wieder für die Corporation zu arbeiten. Ralf und Armin waren zuerst nicht einverstanden, aber Henning hat sich ziemlich ins Zeug gelegt, um seine Partner zu überreden, doch an Bord der Werderania zu bleiben. So könnten sie auch einmal ein paar Tage ausspannen, das hatten sie sich verdient argumentierte er und außerdem: die Leute hier an Bord waren doch alle sooo nett!“ „Ja, besonders einer, oder besser gesagt: eine!“, unterbrach Scarlet. „Genau, was ist den nun mit Det und ihrem Date?“, fragte Paula ungeduldig. „Naja, am Nachmittag, nachdem der Kapitän die Party angekündigt hatte, machten sich alle Gedanken, was wir euch schenken sollten. Det hatte da dieses Reinhold-Messner-Buch, das wir dir gemeinsam schenken wollten. Ehrlich gesagt, ich hätte Dir ja viel lieber ein Autogramm-Album geschenkt, da du ja einmal erzählt hast, dass du Autogramme sammelst, aber wo hätte ich das hier herbekommen sollen? Naja, Henning war ganz begeistert von dem Messner Buch, besonders die Geschichte mit der Yeti-Begegnung fand er faszinierend und Det schlug vor, er sollte sich auch an dem Geschenk beteiligen. Den restlichen Nachmittag verbrachten die beiden damit, das dicke Buch durchzublättern, ich bin dann gegangen, ich wollte nicht stören, denn es war mehr als deutlich, dass die beiden das Buch gar nicht anschauten, sie hielten es nämlich verkehrt herum!“, Scarlet lachte. „Ach ja! Hast du das mitbekommen?“, wandte sich Scarlet an Paula. „Was denn?“ „Arnie! Er wollte unbedingt Schuhplatteln! Dann hat er Yeti-Klaus und Kaschi dazu überredet mit ihm Schuh zu platteln und zu Jodeln! Ohje! Und dann wollte er, dass Baby Jane und Klaus zum Zillertaler Hochzeitsmarsch tanzen! Zum Schluss haben wir dann alle Zillertaler Hochzeitsmarsch getanzt! Es war schlimmer als beim ORF-Wurlitzer! Aber Baby Jane wollte dannrichtige Musikzum Tanzen und schmetterte ihrem Klaus

I could have danced all night
I could have danced all night
And still have begged for more
I could have spread my wings
And done a thousand things
I'd never done before
I'll never know what made it so exciting
When all at once my heart took flight
I only know when he began to dance with me
I could have danced, danced, danced..all night

entgegen, während sie ihn über das Pool-Deck wirbelte.“
Scarlet stieß Baby Jane grinsend mit dem Ellbogen an. „Na trink du mal mit 50 Leuten Bruderschaft, oder wie viele es sind! Bestimmt hab’ ich mit etlichen doppelt Bruderschaft getrunken! Zumindest fühlt sich mein Kopf so an…“, knurrte Baby Jane „Doppelt hält besser.“, merkte Paula an.
„Heino hat Gandalf seine Gitarre ge
schenkt, das fand ich nett von ihm.“, erzählte Baby Jane weiter, um von ihren peinlichen Tanzeinlagen abzulenken. „Ja, nur leider kann Gandalf nicht wirklich Gitarre spielen! Er zupfte die ganze Zeit auf den Saiten herum und meinte, er würde jetzt dieses oder jenes Lied spielen! Oder er hat dauernd jemanden sekkiert: ‚Was soll ich für dich spielen, wünsch’ dir was, ich spiele alles, was du willst!’, aber erkannt hat man kein einziges Lied!!! Himmel, wenn das jetzt die nächsten Tage so weiter geht…!“ jammerte Scarlet.
„Der Heino wird mir immer sympathi
scher, je besser wir ihn kennen lernen.“, ließ sich Baby Jane nicht unterbrechen, „Nervig ist er schon auch, aber da hat er in Willi jetzt seinen Meister gefunden! Ich kann Marjorie ja verstehen, dass sie lieber zu Helli in die Kabine gezogen ist.“
„Wo ist denn Heli überhaupt? Ich habe sie vorhin gar nicht gesehen.“, fragte Paula wieder. „Die ist in der Früh irgendwann in ihre Kabine ver
schwunden, um noch ein Geburtstagsgeschenk für Dich oder Gandalf, ich weiß es nicht mehr genau für wen, zu holen. Vielleicht ist sie ja in der Kabine eingeschlafen, wer weiß.“, sagte Baby Jane.

Schön langsam wurden auch die anderen Party-Gäste wach und die drei Damen am Oberdeck, be
schlossen, ihre Sitzung aufzuheben und wieder hinunter zu den anderen zu gehen.