10. Staffel
153. Folge: Gedanken
eines Außenseiters (von Paula_Tracy)
Fischkrepp
hatte Dienst auf der Brücke und ärgerte sich mal wieder, dass er überhaupt
nicht in die Geschehnisse an Bord mit einbezogen wurde. Alle saßen im
Speisesaal oder amüsierten sich irgendwo – sogar die Schiffsjungen machten, was
sie wollten – aber er, er musste immer Dienst schieben. Der Kapitän hatte sich
in diese farblose kleine Maus verliebt und war kurz vor dem Ausflippen, Kaschi,
der gerade an ihm vorbeiging, summte irgendein idiotisches Lied (ob der auch
verknallt war?), Nobbi, der frühere Leichtmatrose, war total verrückt geworden
– und dieser Doktor... Na, der spann sowieso. Aber trinkfest war er! Heute morgen hatte er angeblich eine ganze Flasche Johnny Walker
getrunken und war jetzt schon wieder auf den Beinen. Angeblich hatte er dieser
dämlichen Tierärztin eine Art Liebeserklärung gemacht, wenn man diesem Idiot
von Willi glauben konnte. Da sollte ja ohnehin was laufen. Diese Russen! Er
selber war ja Ungar – glaubte er zumindest. Tatsächlich wusste er es nicht
genau. Als er vor einigen Jahren am Ufer der Donau von Kapitän Falk Rickmers,
der mit seiner damaligen Kurzzeitfreundin auf der Donauprinzessin schipperte,
aufgelesen wurde, musste er halbtot gewesen sein. Rickmers hatte ihn angeblich
vollkommen betrunken aus einem Auto herausgezogen und sofort in die Budapester
Klinik gebracht, wo die besten Chirurgen sein kaputtes Gesicht wieder in
Ordnung brachten. Falk Rickmers war für alle Kosten aufgekommen – und hatte ihm
anschließend sogar eine Ausbildung verschafft, die es ihm möglich machte, auf
der Werderania, dem stolzesten Schiff der BrandungsFelsen-Reederei,
tätig zu werden. Und nun war er 1. Offizier – das hatte er nur seiner schnellen
Auffassungsgabe und seinem Fleiß zu verdanken. Aber er hatte sich niemals mehr
erinnern können, was vor dem Unfall passiert war... Er hatte Dr. Few Master
mehrere Male angesprochen, ob er sich vorstellen könne, mit ihm eine Art
Gesprächstherapie zu machen (wie bei Mickey), aber der Doktor hatte abgelehnt.
Jeder lehnte ihn ab. Nur Willi erzählte ihm manchmal was, und Tapetchen
himmelte ihn an. Aber er – nein, er wartete auf etwas anderes. Nur auf was –
das wusste er nicht. Er konnte nur lachen, als sie diesen De Guy an Bord
nahmen. Lächerlich – so was war ihm schon vor Jahren passiert. Dieser De Guy
war doch nur ein billiger Klavierspieler. Er war etwas besseres
– da war sich Fischkrepp sicher! Vor ein paar Monaten war er noch einmal in
Budapest gewesen und hatte ein paar kleine Schlösser in der Umgebung besucht –
ja, das hatte etwas in ihm zum Klingen gebracht... Aber was nur?
Draußen auf Deck spazierte dieser blöde Hercule-Poirot-Verschnitt
vorbei – am Arm mit Helli. Helli – Moment? Wieso Helli? Wieso wusste er, dass
die Gräfin Helli hieß? Bestimmt hatte sie jemand mal so genannt – ja, sicher...
Er setzte sich. Diese Gräfin machte ihn total nervös. Zuerst hatte er ja ein
Auge auf die Ex des Kapitäns geworfen – aber die Gräfin war viel interessanter,
obwohl sie gefärbte Haare hatte. Woher er das wusste, dass die gefärbt waren?
Keine Ahnung... Früher waren die Haare wohl mal so hell gewesen, aber als Ninschen kam, da... Fischkrepp ließ den Kopf langsam auf
das Steuerrad sinken und starrte fasziniert auf einen Fleck am Boden. Wer war Ninschen? Wie kam er auf diesen dummen Namen? Wer hieß
schon Ninschen? Mein Gott, wo hatte er nur seine
Gedanken heute?
154. Folge: Ein
Interview mit Arnie (von Paula_Tracy)
Die
Frauen hatten sich alle in Dets Kabine verdrückt, nur Leo fand das nicht so
spannend. Sie hatte nichts übrig für Hochzeitsüberraschungen – außerdem kannte
sie Patricia nicht so gut, sollten die doch sehen, wie sie ohne sie klar kämen.
Sie musste die Chance jetzt einfach nutzen – denn wann bekam man schon einmal
einen amerikanischen Gouverneur, dazu noch einen so bekannten und beliebten wie
Arnold Schwarzenegger, vor das Mikrophon? Der Traum jeder Journalistin! Sie
musste nur sehen, dass sie ihn einmal allein erwischte und ihm die wichtigen
politischen Fragen, die ihr auf der Seele brannten, stellen konnte! Und Heino –
ja, den musste sie auch loswerden, denn dem brannten auch noch ganz andere
Sachen auf der Seele. Sein Comeback z. B. – wen interessierte bitte schön,
schon Heinos Comeback? Damit holte man doch in Berlin, der pulsierenden
Hauptstadt des Landes, keine Oma vor dem Ofen vor. Na ja – die Omas vielleicht
schon, aber sonst?
Noch saß Heino ganz gemütlich mit Arnold und diesem Italiener am Tisch und
plauderte – hoffentlich hatte er sich bloß verdrückt, wenn sie wieder kam. Sie
musste nur schnell in ihre Kabine, Schreibzeug und Aufnahmegerät holen, und
dann... dann kam die große Stunde der Leopoldine Sabinsen,
der größten deutschen Journalistin auf der Werderania! Sie seufzte beglückt und
beeilte sich – denn weglaufen durfte er ihr in keinem Fall!
Außer Atem öffnete sie ihre Kabine und – befand sich in einem Meer von Rosen.
Völlig fassungslos starrte Leo auf den errötenden Kaschi, der offenbar gerade
dabei war, einige Rosen auf ihrem Bett zu verteilen. Das... das war ja noch
viel aufregender als ein Interview mit Arnold Schwarzenegger!
155. Folge: Mord auf
hoher See (von Paula_Tracy)
Pete
Morgan war am verzweifeln. Nicht nur, dass auf seiner Schreibmaschine ständig
das „e“ klemmte (sein Laptop war kaputt, und der einzige, der fähig war, sich
so was anzusehen und evtl. in Ordnung zu bringen, war Gandalf – und der hatte
offenbar ständig was anderes zu tun) , seine Schreibblockade war noch größer
geworden, wenn es so was überhaupt gab. Wenn man ständig von Cowboys und
Indianern schrieb, war es schon schwierig, diese in einem Roman, der „Deine
Heimat ist das Meer“ heißen sollte, unterzubringen. Und Kriminalgeschichten
hier an Bord – Fehlanzeige. Die Werderania schipperte gemütlich vor sich hin –
jeder auf diesem Schiff schien ein amouröses Abenteuer zu genießen, nur er kam
mal wieder zu kurz. Aber das war er ja gewöhnt – er, der einsame Wolf.
Vielleicht sollte er einfach eine seiner 2467 DVDs
einwerfen? Halt – der Player war ja auch kaputt. Na,
das war eben so, wenn man die billigste Kabine nahm. Aber mehr war einfach
nicht drin gewesen. Er war Kaschi ja dankbar, dass er ihm das hier vermittelt
hatte. Immerhin hatte er Arnold Schwarzenegger kennen lernen dürfen – und er
hatte ihm sogar ein Autogramm gegeben. Wenn das nichts war!
In der Kabine nebenan schnatterten ein paar Frauen – richtig, da wohnte ja die
Arzthelferin. Die feierte wohl eine Party? Typisch, an ihn dachte mal wieder
keiner. Nicht einmal Miss Tracy, wo er ihr schon so viele Artikel für den Nostalgie-Newsletter zur Verfügung gestellt hatte. Undank
ist der Welten Lohn. Das Leben konnte so bitter sein! Das Geschnatter wurde
immer lauter – mein Gott, Frauen kannten auch keine Rücksicht! Er würde jetzt
nach drüben gehen und den Damen was erzählen, bei Gott, das würde er! Wütend
stampfte er aus der Kabine raus und wollte ohne anzuklopfen, in die Kabine der
Arzthelferin, aber da stockte er... Die schnatterten offenbar nicht nur – das
war Miss Tracys Stimme, die ganz tränenerstickt war.
Mein Gott, er konnte es einfach nicht hören, wenn Frauen weinten. Er beugte
sich vor und lauschte. „Aber – was haben wir ihr denn getan?“ weinte Miss
Tracy. „Ich verstehe das nicht. Few würde keiner Fliege etwas zuleide tun
können, und ich auch nicht.“ „Na, ich etwa?“ unterbrach die forsche Stimme der
Arzthelferin, die aber auch leicht zittrig wirkte – ganz anders als sonst.
„Fest steht, wir müssen sie und den Italiener ausschalten!“ das war Baby Jane.
„Notfalls mit Gewalt.“ „Wie meinst Du das?“ Das war die andere Österreicherin –
Mensch, die waren ja zu dritt – welche war das denn jetzt? Schon wieder eine
Stimme mit österreichischem Einschlag. „Ich habe eine Pistole!“ „Waaaaaaaaaaaaaas?“ Alle Frauen riefen jetzt wieder wild
durcheinander, und Pete bekam nur noch Wortfetzen mit. „Mordplan“ –
„Sprengstoff“, „wahrscheinlich ein Mafiosi“... Erschlagen ging Pete in seine
Kabine zurück. Diese harmlosen Frauen planten einen Mord... Aber... wen wollten
sie ermorden? Wer war der Italiener? (Pete bekam nicht alles an Bord mit – er
saß ja ständig in der Kabine und schrieb vor sich hin). Was sollte er jetzt nur
tun? Seine Gedanken purzelten wild durcheinander, seine Phantasie machte
Überstunden... Er zog seine Schreibmaschine ein Stück zu sich und begann zu
schreiben... „Mord auf hoher See“ – das war doch ein guter Titel für einen Krimi,
oder? – Und darum, wer jetzt wen ermorden wollte, konnte er sich später auch
noch kümmern. Hauptsache, die Blockade war überwunden. Hurra!
156. Folge: Der
Rosenkavalier (von Scarlet)
Pete
Morgan war so glücklich darüber, dass er seine Schreibblockade endlich
überwunden hatte, dass ihn das Geschnatter der Frauen in der Kabine nebenan gar
nicht mehr störte, ja es interessierte ihn nicht einmal worüber sie sprachen.
Wie von Sinnen hämmerte er in die Tasten seiner Underwood-Schreibmaschine.
Sogar das „e“ ging jetzt wieder, es war wahrscheinlich nur eingerostet, Pete
hatte es in letzter Zeit ja wirklich sehr vernachlässigt. Wenn diese kreative
Phase länger anhalten würde, dann würde Pete seinen Roman noch während seines
Aufenthalts hier an Bord beenden und es würde sicher ein Bestseller werden!
In Leos Kabine wusste der ertappte Kaschi nicht recht, wie er auf das
plötzliche Erscheinen von Leo reagieren sollte. Seit die Journalistin mit der
Ethnologin Xhosa und dem Städteplaner Tom an Bord gekommen war, hatte sie ihn
fasziniert. Sie war irgendwie ganz anders als die anderen und sie war die erste
Frau, die ihn seit langem wirklich interessierte. Leo wirkte auf ihn wie eine
Frau, die wusste, was sie wollte. Schon alleine, wie entschlossen sie jetzt in
die Kabine hereinkam…ja, DAS ist eine Frau!
Er hatte eingesehen, dass er Baby Jane ohnehin nie für sich hätte gewinnen
können, sie hatte ihn ja nicht einmal beachtet. Wusste sie überhaupt, dass er
existierte? Sie war die Frau des Kapitäns (früher) und seit 17 Jahren war sie
mit dem Bergsteiger glücklich. Wenn Kaschi ehrlich zu sich selbst war, so hatte
er doch immer schon gewusst, dass er sie nie bekommen würde, sie war für ihn
immer unerreichbar. Aber vielleicht war genau das der Grund weshalb er sie all
die Jahre anhimmelte. Vielleicht wollte er keine andere Frau, war gar nicht
bereit für eine Beziehung und sie war nur der Vorwand! In Wirklichkeit hatte er
nur immer auf die Richtige gewartet! Und jetzt hatte er das Gefühl, dass genau
die vor ihm stand! Als ihm einer seiner Kumpels vor ein paar Tagen vorschlug,
sich doch mit Arzthelferin abzulenken, als er dem im Suff sein Leid klagte,
widerstrebte ihm dieser Gedanke. Aber jetzt bei dieser Leo…
Leo stand immer noch wie angewurzelt in der Tür und sah den verwirrten Kaschi
an, der, als er sie bemerkte, zu pfeifen aufgehört hat. Auf ihre Frage, was er
hier täte, gab er ihr keine Antwort, ja es schien ihr fast so, als hätte er sie
gar nicht gehört.
An stelle einer Antwort begann er auf einmal zu singen. ‚Typische Übersprungshandlung.’,
dachte Leo. Kaschi begann, das Lied, das er zuvor gepfiffen hatte (in leichter
Abwandlung vom Original) zu singen und kam dabei mit einem schmachtenden Blick
und einer roten Rose in der Hand auf Leo zu:
Schenkt man sich Rosen in Tirol,
Weisst du, was das bedeutet wohl?
Man schenkt die Rosen nicht allein
Man gibt sich selber mit auch drein!
- Kaschi reicht Leo die rote Rose, die sie verwirrt aber doch gerührt annimmt
Mir winket neues Liebesglück
Aus dieses Mädchens Blick.
Ja, ja, die Rosen sind Dein,
Die Rosen nicht allein.
Doch vielleicht bring' ich dir Glück,
Drum nehm die Rosen ich nicht zurück.
Ja, ja, die Rosen sind dein,
Doch die Rosen nicht allein.
Man schenkt die Rosen nicht allein
Man gibt sich selber mit auch drein!
Meinst du es so? Verstehst du mich?
Meinst du es so, dann Liebste, sprich!
Meinst du es so, dann tröste mich,
Nimm mit der Rose bitte auch mich!
Zuletzt kniete sich Kaschi vor Leo theatralisch nieder und streckte ihr seine
Hand erwartungsvoll entgegen. ‚Was habe ich getan?’, schoss es ihm durch den
Kopf, ‚wie wird sie reagieren?’ Leo stand sprachlos da, in der einen Hand hielt
sie die rote Rose, die andere Hand reichte sie Kaschi.
„Jetzt stehen sie erst einmal wieder auf.“, brach Leo die peinliche Stille, die
eingetreten war, nachdem Kaschis Arie zu Ende war. Kaschi stand auf und sah Leo
in die Augen: „Es tut mir leid, wenn ich sie erschreckt habe, Fräulein Leo. Ich
weiß, ich habe mich gerade zum Vollidioten gemacht! Verzeihen sie mir. Sie
müssen ja sonst etwas von mir denken! Aber das was ich da gesagt oder gesungen
habe, das stimmt wirklich! Ich finde sie unwahrscheinlich sympathisch und nett
und…naja, sie gefallen mir halt! Sowas
ist mir schon lange nicht passiert.“
Leo legte Kaschi sanft ihre Hand auf die Lippen: „Seien sie ruhig! Ich finde
sie ja auch sympathisch! Und ich finde gar nicht, dass sie sich zum Vollidioten
gemacht haben, ich finde, das war eher sehr mutig von ihnen.", sie machte
eine kurze Pause, "Vor allem, wenn man so schlecht singt, wie sie!“, sie
lachte und auch Kaschi begann vor Erleichterung zu lachen. „Und was sagen
sie?“, fragte er sie. „Jetzt mal langsam, mein Guter. Wir kennen uns ja kaum,
lassen wir’s ruhig angehen, was meinen sie?“ „Aber geben sie uns eine Chance?“,
fragte er ängstlich. „Wer weiß…?“, antwortete Leo vielsagend
und zwinkerte ihm verschmitzt zu, während sie ihn sanft aus der Kabine schob.
Überglücklich verließ Kaschi die Kabine seiner Angebeteten und drehte sich noch
einmal zu ihr um, als sie ihm noch eine neckische Kusshand zuwarf und dann die
Tür schloss. In der Kabine ließ sich Leo ebenso glücklich auf ihr Bett fallen,
in ein Meer aus Rosenblüten…
157. Folge: Noch mal
Männergespräche (von Paula_Tracy)
Der
Doktor war froh, über seinen eigenen Schatten gesprungen zu sein, obwohl er
sich hinsichtlich der Umarmung von Paula und des Cessnaritters immer noch
unsicher war. Aber Frauen waren ja manchmal sehr emotional – und er hatte einen
ungünstigen Blickwinkel gehabt, als er nach unten schaute, wo die Cessna stand.
Wahrscheinlich hatte es keine Bedeutung – oder doch? Wenn nicht immer diese
Zweifel wären... Zu oft war er schon enttäuscht worden. Misstrauisch
betrachtete er den Cessnaritter, der gelangweilt einer Unterhaltung zwischen
Yeti-Klaus, Werderaner und Andreas Hansen zuhörte. Der Reiseveranstalter
referierte über die Vorteile der Seefahrt und die Nachteile des Fliegens und
erntete zumindest von Werderaner heftige Zustimmung. Yeti-Klaus hingegen war
mehr für’s Bergsteigen. Der Doktor zuckte die
Schultern – ihn interessierte das alles nicht. Er fuhr noch nicht mal Auto –
wozu auch? Hier auf See brauchte man ja keines, und auch sonst konnte man
seiner Meinung alles bequem zu Fuß erreichen. Er konnte die Leute nicht
verstehen, die sogar zum Zigarettenautomat mit dem Auto fahren mussten. Okay,
man brauchte etwas länger und kam manchmal zu spät... Aber egal.
Die drei Forenmanager redeten sich mal wieder die Köpfe heiß – es ging immer
noch um Kat, und wie man sie überzeugen konnte, baldmöglichst mit Ihnen das
Schiff zu verlassen. Ralf war der Meinung, dass man besser heute als morgen
abreisen sollte. „Bloß weil Du am liebsten zu Hause bist, alter Stubenhocker!“
brummte Henning. „Wann hatten wir eigentlich das letzte Mal Urlaub? Mir gefällt
es hier. Lass Dir doch auch mal ein wenig den Wind um die Nase wehen.“ Er
winkte Mickey herbei, der den Herren noch eine Extraportion Milch brachte.
„Sagen Sie mal, die Frauen, die gerade gegangen sind – das waren doch nicht
alle, die an Bord sind, oder?“ Mickey schaute ihn etwas verwirrt an. Ob das einer
von diesen Kerlen war, die dachten, man könne sich auf einer Kreuzfahrt eine
Frau angeln? Vielleicht sogar eine reiche? „Na ja“, druckste Henning ein wenig
herum. „Ich habe bei der Ankunft noch jemand anders gesehen – mit einem weißen
Kittel. Vielleicht die Schiffsärztin?“ Mickey schüttelte den Kopf. „Wir haben
einen Arzt“, er deutete in Few Masters Richtung. „Das kann nur Det gewesen
sein, seine Sprechstundenhilfe.“ „Aha“, Henning beugte sich interessiert vor,
während Ralf und Armin ihn befremdet betrachteten. Was war nur mit ihrem
Kollegen los? „Die ist wohl recht nett, wie?“ „Oh ja“, schwärmte Mickey –
immerhin war Det nach Ona seine ungeschlagene Nummer zwei – „Det ist schwer in
Ordnung. Wollen Sie auch eine Extraportion Milch?“ (Ferrero machte das mit der
Schleichwerbung wesentlich geschickter als Johnny Walker!). „Jetzt wissen wir
wenigstens, warum er es hier so nett findet“, murmelte Ralf zu Armin gewandt.
„Mensch, hol’ doch endlich mal dieses Vieh von Deiner Schulter – ich weiß schon
gar nicht mehr, ob ich mit Dir oder dieser Möwe spreche.“ „Krrrrraaaaaaaaaaaaah“,
machte Laura und piekste Armin auf die Nase. „Lass sie doch“, verteidigte Armin
seine neue Freundin. „Tiere spüren einfach, wer reinen Herzens ist.“ Ralf stand
auf. Das war ja nicht zum Aushalten. Vielleicht war dieser Doktor ein
vernünftiger Gesprächspartner, er würde sich einfach mal zu ihm an den Tisch
setzen und ihn fragen, ob er wüsste, wo Kat sich aufhielt. Irgendwo musste er
ja mal anfangen, und auf Henning und Armin war offenbar kein Verlass mehr.
Was brüteten die Frauen in Dets Kabine aus? Bekam Leo noch ihr Interview? Würde
Gandalf den Laptop von Mr. Morgan reparieren können? Und würde Ralf Kat
ausfindig machen können? Wann würde Henning Kontakt zu Det aufnehmen – wenn
überhaupt? Wieso hatte Laura den Forenmanager Armin so ins Herz geschlossen?
War er wirklich so reinen Herzens? Und wer war Fischkrepp? Was plante Matalo
wirklich? Aus was bestand das weiße Pulver? Und wann bekam De Guy seine nächste
Mahlzeit? Was machte Hannelore auf der Ovela? Und was stand in dem Schreiben
von Bayern München, das gerade bei Tapetchen eingegangen war? Die Fragen nehmen
einfach kein Ende...
158. Folge: Eine
„explosive“ Mischung (von Scarlet)
Einige
der Herren an Deck plauderten, die Forenmanager diskutierten, Arnie schwelgte
in Erinnerungen und Heino lausche ergriffen. Der Reeder hatte eine
Glückssträhne beim Ping-Pong Spielen, und Pete Morgan
in seiner Kabine schrieb und schrieb was das Zeug hielt. Die Gräfin flanierte
mit Sir Hilary übers Sonnendeck, der ihr vom Weltjugendtag, der zurzeit in Köln
stattfand, erzählte. Eigentlich wollte er auch dabei sein, aber die
unvorhersehbaren Komplikationen an Bord hatten seine Teilnahme verhindert, was
er sehr bedauerte. Die Besatzungsmitglieder gingen alle mehr oder weniger ihrer
Arbeit nach. Es schien, als wäre es ein ganz normaler Vormittag an Bord eines
Passagierschiffes. Das einzige, was diesen Eindruck empfindlich störte, war die
Tatsache, dass keine einzige Frau (bis auf die Gräfin, die mit Hilary am Sonnendeck
stand und Leo, die immer noch in ihrer Kabine war und sich auf ihr geplantes
Interview mit Arnie vorbereitete [so etwas kann sich eine Journalistin von Welt
nicht entgehen lassen]) an Deck zu sehen war.
Aber halt! Was war das? War das nicht, Ona, die Köchin, sie sich da beeilte um
schnell in Dets Kabine zu kommen, wo die anderen Damen schon aufgeregt auf sie
warteten. Die anderen hatten sich schon längst in der Kabine der Arzthelferin
versammelt, wo Det den Brief, den sie und Sir Hilary in Matalos Kabine gefunden
hatten vorlas. Am Tisch lag der Briefumschlag, auf dem das weiße Pulver lag,
das Det für Sprengstoff hielt.
Schon während Det mit zittriger Stimme den Brief vorlas, standen Miss Tracy die
Tränen in den Augen, als sie hörte, dass auch sie auf der Abschussliste der
Gräfin stand. Als die Arzthelferin den Brief bei Seite legte und ich die
fassungslose Damenrunde blickte, begannen auf einmal alle auf einmal
durcheinander zu reden, Paula schluchzte und man verstand kaum ein Wort. Worte
wie „Mordplan“, „Sprengstoff“, „Pistole“, „Mafiosi“ tönten durcheinander, als
Ona atemlos in die Kabine stürzte. „¡Perdón! Es hat
etwas länger gedauert, ich musste noch dafür sorgen, dass das
Frühstücksgeschirr abgeräumt wird, ihr wisst ja wie das so ist! Ach ja, ich habe
gerade den Schriftsteller von nebenan vor der Türe getroffen, aber ich glaube,
er hat mich gar nicht wahrgenommen. Verstehe ich nicht, ich bin doch wirklich
nicht zu übersehen, oder?“, sie lachte. Doch keine der anderen Damen lachte
mit, im Gegenteil. Erschrocken sah Ona in die Runde: „Was ist den hier los? Was
habt ihr denn gemacht?“, ihr Blick fiel auf das Kuvert mit dem weißen Pulver,
das auf dem kleinen Glastisch lag. „Ihr werdet doch nicht etwa…. Nein, das gibt
es doch nicht, das kann nicht sein, das glaube ich nicht!“ Ona stürzte zu dem
kleinen Tischen und tippte mit dem Finger in das weiße Pulver. „Ona! Nicht!
Lass das!“, rief Det aufgeregt, „Das ist doch…“ „Zucker! Besser gesagt
Puderzucker! (Staubzucker!!! Für die Österreicher!) Und ich dachte schon dass
ihr…“ „Was?“, Det sah die Köchin erstaunt an, „Das ist also kein…“ „Nein“,
erwiderte Ona, „das ist kein Rauschgift!“ „Was? Wer redet denn von
Rauschgift?“, mischte sich jetzt Xhosa ein, „Det hat uns gesagt das wäre
Sprengstoff!“ Ona lachte: „Nein, das ist ganz bestimmt kein Sprengstoff! Das
ist 100%ig Zucker! Glaubt mir, ich habe Jahrelang bei Ferrero gearbeitet, ich
kenne Zucker mit verbundenen Augen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass der
aus der Bordküche stammt, denn diesen feinen Puderzucker bekommt man gar nicht
überall. Aber sagt einmal, wieso kommt ihr eigentlich auf die Idee, dass es
sich hier um Sprengstoff handelt?“, fragend sah Ona die anderen Damen an, die
wiederum blickten alle erwartungsvoll zu Det. „Ähm…Sir
Hilary…“, stammelte Det, „er hat mir mit dem Briefumschlag vor der Nase
herumgewedelt und hat gemeint…öhm…dieser Brief
enthalte puren Sprengstoff. Ja, so hat er’s gesagt, das waren seine Worte.
Tja…“ „Kann es sein, dass Du ihn falsch verstanden hast?“, fragte Xhosa, „Dass
er vielleicht, den Inhalt …“, sie ergriff den Brief und schwenkte ihn herum,
„ich meine den IHNHALT des Briefes gemeint hat und nicht…naja,
du weißt schon.“, sie legte das Blatt Papier wieder auf den Tisch und setzte
sich wieder hin. „So wird’s wohl sein.“, gab Det kleinlaut zu. „Aber das, was
in diesem Brief steht ist doch wirklich schlimm genug, oder vielleicht nicht?“,
meldete sich jetzt Paula Tracy zu Wort. Ona, die ja nicht gehört hatte, was in
dem Brief stand, nahm den Bogen Papier und las.
159.[a] Folge:
Liebesspiel am Vormittag (von Baby Jane)
"Wissen
Sie, Gräfin", begann Sir Hilary, "als ich gestern im Fernsehen sah,
dass sogar der gar nicht mehr jugendliche österreichische Kardinal Schönborn
medienwirksam einen Rucksack geschultert und sich unter die Jugend dieser Welt
gemischt hat, da wusste ich: Auch ich muss dorthin!" Gräfin Ermakowa nickte und unterdrückte gleichzeitig ein Gähnen.
Sir Hilary fuhr fort: "Aber leider bin ich hier an Bord ja unabkömmlich.
Aber, um Gottes Willen, glauben Sie nicht, Gräfin, dass ich mich beklage! Als
Katholik bin ich seit Kindesbeinen an Verzicht und Versagen von Vergnügen und
Wünschen gewöhnt. Ich stecke das mit links weg". Ermakova lächelte gütig.
Die beiden setzten ihren vormittäglichen Spaziergang fort. Sie erreichten das
Achterdeck, wo vierzehn erstklassige Rettungsboote der Werderania übereinander
gestapelt lagerten. Plötzlich hörten sie ein Rumpeln. Die Gräfin und der Sir
blieben stehen.
"Kam das von dem Stapel der Rettungsboote hier?" fragte Hilary. Die
beiden näherten sich vorsichtig den Booten. Ein neues Geräusch war zu hören.
"War das ein Stöhnen?", rief Ermakowa
alarmiert?
"Ich hoffe, keiner ist verletzt!" Auch Hilary schien besorgt.
Erneutes Rumpeln. Erneutes Stöhnen, diesmal lauter. Ein schnelles Keuchen,
Zischen und hohes Japsen folgte. Das Rumpeln wurde lauter und schneller. Danach
ein ohrenbetäubender Schrei! "Jaaaaaahhhhh!"
"Oh mein Gott, kann ich helfen?" schrie Hilary und riss die Plane vom
untersten Rettungsbbot weg. Zwei Augenpaare guckten ihm
entsetzt entgegen. Sir Hilary schlug geschockt die Hände vors Gesicht. Prinz
Malko lag mit krebsrotem Kopf und unbekleidet auf dem üppig-schönen Körper
einer Dame, deren Haar zerzaust und verschwitzt war. Die Dame hatte noch ihre
Beine um die Hüften des luxemburgischen Adeligen geschlungen.
"Anna Mimosia! Du hier?" Gräfin Ermakowa wandte sich indigniert ab. Sie hatte genug
gesehen...
159.[b] Folge: Sorgen
um die Gräfin (von Ona und Scarlet)
Ona
las den Brief mit großem Interesse, gar nicht mal wegen des Inhalts oder der
daraus folgenden Konsequenzen - Nein! Egozentrisch/Praktisch, wie sie nun mal
war, sah sie sofort, wie sie selbst Nutzen aus dieser neuen Problematik ziehen
konnte:
Mit diesem Skandal würde De Guy jetzt ins Abseits des allgemeinen Interesses
rutschen, niemand mehr würde sich jetzt noch ernsthaft Gedanken über seine Tat,
die ja offensichtlich nur ein Blackout war, machen. Letztendlich war auch
niemandem etwas Ernsthaftes zugestoßen. So würde De Guy auf dem Schiff
verbleiben können und sie, Ona, hätte alle Zeit der Welt, sich diesen
"Bonbon" für sich selbst zu angeln (sowohl leiblich als auch
künstlerisch), denn sie wollte ja schließlich die Welt mit dem eigenen
"Macarena/Ketchup-Song-Remix" erstürmen und
sich dumm und dämlich verdienen – und dazu brauchte sie De Guy.
‚Brauchte’, wie das klingt, dachte Ona bei sich, naja,
irgendwie war es schon ein ‚Brauchen’. Aber andererseits ‚brauchte’ sie De Guy
ja auch, soviel stand fest. Ohne sie würde er es mit seinem melancholischen
Klavierspiel nie zu etwas bringen und mit ihr würden sie auf den Bühnen der
Welt einfach unschlagbar sein! Aber sie schweifte mit ihren Gedanken ab, um
ihre Karriere und ihr Liebesleben würde sie sich später immer noch kümmern
können, jetzt galt es einmal die aufgebrachten Ladies zu beruhigen.
„Hört mal“, wandte sie sich an die Frauen, „wie wär’s, wenn wir einfach die
Gräfin zur Rede stellten? Dieses unzusammenhängende
Zeug in diesem Brief versteht man doch fast gar nicht. Na gut, es werden ein
paar Namen genannt, aber vielleicht ziehen wir ja alle ganz falsche Schlüsse.
Ich sage nur ‚Sprengstoff’….“ „Sie hat Recht.“, gab die vernünftige Xhosa zu
bedenken. „Ist Euch eigentlich nie aufgefallen, dass Gräfin Helli ziemlich viel
Martini trinkt? Ich meine, nichts im Vergleich zu dieser Münchnerin Mümosi oder wie sie heißt, aber die Gräfin ist schon auch
nicht ohne! Und bei ihrer zierlichen Figur verträgt sie sicher auch nicht
soviel wie die Mümosi. Wer weiß, in welcher
Verfassung die diesen Brief da geschrieben hat.“ Ona machte eine Handbewegung,
als ob sie zum Trinken ansetzte „Ihr wisst schon…“ Und der Puderzucker im
Kuvert lässt darauf schließen, dass sie nebenbei auch noch etwas gegessen hat,
also hat sie den Brief hier an Bord geschrieben. Vor ein paar Tagen gab es
Nachtisch, der mit Puderzucker bestreut war und wo die Gräfin auch ziemlich
angeheitert war. Erinnert ihr euch, sie hat die ganze Zeit gesungen!“ Die
anderen nickten zu Onas messerscharf kombinierten
Ausführungen. „Sie hat recht,“ meinte Paula, „Helli
war zuletzt schon manchmal etwas mehr als nur beschwipst. Und irgendwie war sie
immer besonders merkwürdig, wenn Few in der Nähe war, das ist mir aufgefallen.
Zuerst dachte ich ja, sie hätte es auf ihn abgesehen…“ „Naja,
das hat sie ja wahrscheinlich auch, was man aus diesem verwirrten Brief
herauslesen kann.“, warf Det ein und meinte weiter: „Wahrscheinlich wird es
wirklich am besten sein, wir reden mit Helli selbst, diese Spekulationen
bringen uns nicht weiter.“ „Vielleicht sollten wir nicht alle über sie
herfallen“, gab Baby Jane zu bedenken, „ ich glaube, die Frau hat wirklich ein
Problem und zwar meine ich jetzt nicht ein Alkoholproblem. Es muss irgendetwas
Anderes dahinter stecken.“ Paula stimmte Jane zu, sie hatte schließlich schon
im Falle ihres Docs Menschenkenntnis bewiesen. „Wir
sollten Helli jetzt nicht ausgrenzen“, fuhr Baby Jane fort, „ja, wir sollten
uns um sie kümmern, damit sie Vertrauen zu uns fasst und vielleicht gelingt es
ja einem von uns sie so weit zu bringen uns ihr Herz auszuschütten.“ „Aber sie
hat eine Pistole!“, war Marjorie Deckard ein. Scarlet musste lachen: „Aber
Marjorie, das ist doch nur ein Feuerzeug! Und das funktioniert die meiste Zeit
nicht.“ Aber woher sollte Miss Deckard das auch wissen, sie verbrachte die
ersten Tage zumeist in Heinos Kabine.
„So! “, rief Ona und schlug mit der Hand auf den Tisch, „Nachdem das jetzt
geklärt ist, muss ich jetzt aber wieder…das Mittagessen, ihr versteht.“ Sie
stand auf, sah sich noch einmal um – auch die anderen Damen machten Anstalten
sich zu erheben. „Also dann Mädels!“, rief Ona, winkte und machte sich auf den
Weg zu de Guy…
160. Folge: Kabinentausch
[1. Teil] (von Paula_Tracy)
Die
Frauen beratschlagten noch ein wenig, wer denn jetzt mit Helli sprechen sollte.
Det und Paula meinten, sie wären wohl am ungeeignetsten,
es sei schließlich nicht ausgeschlossen, dass die Gräfin dann über sie herfalle
und sie doch umbringen wolle. Dass sie ausgerechnet mit ihnen beiden über ihr
„Problem“, wenn es denn überhaupt eines gebe, sprechen wollte...? Das sahen die
anderen Frauen ein, und man einigte sich darauf, dass die „Ösi-Fraktion“
dies in die Hand nehmen würde. Miss Deckard war zwar ebenfalls skeptisch, denn
sie kannte die Gräfin nicht so gut wie die anderen, aber Baby Jane meinte, dies
sei sogar ein Vorteil – sie wäre dann unvoreingenommen. „Paula, Du kümmerst
Dich um den Doktor“, meinte Det, „bleib am besten die ganze Zeit bei ihm und
lass Dich nicht in Hellis Nähe sehen. Am besten wäre es – ja, Ihr geht in
Scarlets Kabine, da wird sie Euch mit Sicherheit nicht vermuten. Scarlet
nickte, sie konnte ja in der Zwischenzeit bei dem Reeder unterkommen. „Und
ich...“ Det überlegte. „Ich wiege Helli in Sicherheit und tue so, als wäre gar
nichts los. Ich lass mich einfach mal an Deck sehen...“ „Paß
bloß auf!“ sagte Paula ängstlich. „Man weiß ja nie...“ „Da wir gerade beim
Kabinentauschen sind“, Miss Deckard fand, dies war eine gute Gelegenheit, „hat
denn keiner Lust, mit mir die Kabine zu tauschen? Paula, wenn Du bei Scarlet
bist, könnte ich nicht in Deine?“ „Zu gefährlich!“ winkte Scarlet ab. „In
Paulas Kabine sollte keiner rein. Warum willst Du denn bei Heino raus? Versteht
Ihr Euch nicht mehr?“ „Doch“, beruhigte Miss Deckard. „Er ist ein wahnsinnig
netter Mensch – aber er singt eben fast immer! Und er ist auch so unselbständig...
Seine Krawatten muss ich ihm binden, die Socken raussuchen...“ „Frag mal Willi,
der macht das bestimmt“, riet Xhosa. „Der wartet doch nur auf eine Gelegenheit,
sich bei ihm anzubiedern...“ Marjorie fand, das wäre eine gute Idee. Ja, das
würde sie machen...
Sir Hilary lachte ein wenig gezwungen, als der Prinz und die Witwe verschwunden
waren. „Es gibt einfach keinen Anstand mehr auf dieser Welt“, meinte er. „Da
lobe ich mir doch die Jugend am Weltjugendtag – Jugendliche aus allen Nationen
kommen zusammen und huldigen Benedetto... Ach, ich wünschte so sehr, ich könnte
auch dabei sein...“ Die Gräfin seufzte: „Ja, ich auch...“ „Sie auch?“ fragte
Sir Hilary begeistert. Das wurde ja immer besser! Die Gräfin wollte auch zum
Weltjugendtag! Was für eine Frau! Helli verdrehte die Augen. Sie wünschte sich
natürlich, er würde auch dabei sein, nicht sie... Vielleicht gab es ja eine
Möglichkeit, ihn so loszuwerden? Sie würde mal mit Matalo sprechen, der hatte
doch überall seine Verbindungen. Es musste doch einen Weg geben, diesen Hercule Poirot von Bord zu schaffen... Notfalls zum Papst –
der würde sich freuen... „Ich...ich gehe mir dann noch mal ein Brötchen holen“,
meinte sie, „das Frühstück war etwas knapp bemessen...“ Sir Hilary wollte sie
zurückhalten, doch er sah im Augenwinkel, wie die herannahende Det ihm
zunickte. Offenbar war die Konferenz der Frauen beendet. So hübsch die Gräfin
auch war – es war anstrengend, sie die ganze Zeit zu unterhalten.
Ralf sprach mit dem Doktor, Armin mit der Möwe – und Henning beschloss, ein
wenig frische Luft auf Deck zu schnappen. Ein wunderschöner Tag war das!
Wahrscheinlich war in der ForenCorporation momentan
wieder der Teufel los, und er konnte wieder die Hälfte löschen, wenn er wieder
in Köln war – aber dies kümmerte ihn überhaupt nicht. Das weite Meer, der blaue
Himmel, die Seeluft – wen kümmerte da die Arbeit? Hey – da hinten stand doch
ein weißer Kittel... Ja, das war sie! Die junge Frau, die ihm bei seiner
Ankunft sofort aufgefallen war! Hm – wie konnte er sich denn jetzt nur
bemerkbar machen, ohne dass er gleich aufdringlich wirkte?
160. Folge:
Kabinentausch [2. Teil] (von Baby Jane)
War
es der herrliche Sommertag, die Kraft der Sonne oder die gesunde, frische
Meeresluft, die Herrn Henning so jäh in Glücksstimmung versetzte, dass er
plötzlich unwillkürlich seinen Nostalgie-Sommerhut
zum Gruße in Richtung Det lüpfte? Man weiß es nicht. Die junge Assistentin des
Russenarztes winkte fröhlich mit dem Beipackzettel eines der Medikamente
zurück, die sie gerade wieder gewissenhaft sortierte.
Plötzlich erfasste ein Windstoß das Blatt Papier, riss es Fräulein Det aus der
Hand und wirbelte es über Deck. Mit einem Satz war Herr Henning zur Stelle und
fasste das Papier, bevor es über die Reling ins Wasser fliegen konnte: "Hoppsa!", rief er, "Hiergeblieben!"
"Oh, vielen herzlichen Dank!" strahlte Det, als ihr der junge
Corporation-Mann das Blatt Papier reichte. Auch Herrn Henning strahlte bis über
beide Ohren: "Oh, keine Ursache, hab' ich gern gemacht!"
"Hm, der Wind, der Wind, das himmlische Kind", versuchte Herr Henning
die Konversation weiterzuführen. Aber so gebannt war er vom Charme und Liebreiz
dieser Det, dass sein Hirn wie leergefegt schien. "Verdammt, wieso beginne
ich jetzt zu reimen?", fragte er sich insgeheim, "Was rede ich da
denn? Wind, Wind, himmlisches Kind ... oh mein Gott!"
"Jaja, der Wind!" erwiderte die sonst so
schlagfertige Jungmedizinerin, die in Gedanken ebenfalls verzweifelt nach
weiteren Sätzen suchte, um das Gespräch in Gang zu halten. Was sagen? Wie
konnte dieses nette Treffen ein wenig hinausgezögert werden?
Stille. Beide blickten ein wenig verlegen zu Boden. Fräulein Det faltete nervös
ihren Beipackzettel, als Herr Henning sich schließlich räusperte: "Ähem, wertes Fräulein, ich will Sie ja bei Ihrer Arbeit
nicht stören, ich sehe, Sie haben alle Hände voll zu tun, aber ... aber wäre es
Ihnen vielleicht möglich, mir irgendwann einmal das Schiff zu zeigen? Mich
interessieren die organisatorischen und technischen Abläufe eines so prächtigen
Schiffes wie der Werderania! Maschinenraum, Kombüse, Steuerrad, Ärztezimmer,
Krankenstation, Sie verstehen?"
"Sehr gerne,", sagte Det und spürte, wie ihr
Herz einen kleinen Sprung machte. Was war der auch nett, dieser neue Passagier!
"Würde es Ihnen heute Nachmittag, so gegen 16 Uhr passen? Da gibt mir Dr.
Few Master sicher dienstfrei."
"16 Uhr ist ideal. Vielleicht darf ich Sie vorher auf ein kühles Getränk
an der Poolbar einladen, als kleines Dankeschön im
Voraus?", fragte Herr Henning. Det nickte, ihre Wangen leuchteten in
zartem Rosa: "Sicher, gern!".
Der Corporation-Mann lüpfte zum Aschied wieder seinen
Hut, deutete eine Verneigung an, wandte sich um und ging Richtung Steuerbord.
Nur Möwe Laure, die wieder auf ihrem Nebenmasten saß, konnte von ihrem
Aussichtplatz aus sehen, dass die Augen des Kölners glänzten vor Glück.
160. Folge:
Kabinentausch [3. Teil] (von Paula_Tracy)
„Jetzt
soll ich auch noch diesen netten Sir Hilary ausschalten?“ Matalo war ein wenig
ratlos. Die Gräfin hatte Ansprüche, das musste man ihr lassen. Und er hatte ja
bei weitem nicht diese Verbindungen, wie sie dachte – als mittelloser
Schauspieler. Aber halt, da fiel ihm was ein: einer seiner Freunde, Rufus T. Firefly, hatte einen alten Helikopter, mit dem wäre es doch
sicher möglich, den Sir nach Köln zu bringen. Und soviel er wusste, wollte der
auch nach Köln. Ja, er würde ihm sofort funken. Was tat man nicht alles für
einen solchen Job – wenn das Brooklyn wüsste!
Dr. Few Master unterhielt sich zwar ganz gut mit dem Forenmanager Ralf, war aber
doch ganz glücklich, als Paula wieder auftauchte und ihm zu verstehen gab, dass
sie mit ihm allein sein wollte. Hoppla – erst war sie so zurückhaltend und
jetzt wollte sie mit ihm auf die Kabine, merkwürdigerweise zwar nicht in ihre
und schon gar nicht in seine – nein es musste die von Miss Scarlet sein. Das
verstand er zwar nicht, aber egal – Hauptsache, sie war ihm nicht mehr böse.
Trotzdem: das mit dem Cessnaritter musste er unbedingt noch mit ihr klären, so
einfach kam sie ihm da nicht davon!
Auch Ralf war erleichtert, als der Doktor mit dieser nervösen Frau, die ständig
ängstlich um sich schaute, weg ging. Er wusste nämlich jetzt endlich, wo sich
Kat aufhielt! Sie war in der Kabine des Kapitäns. Er schaute kurz, ob Armin und
Henning in der Nähe waren, aber das dies nicht der
Fall war, machte er sich allein auf den Weg. Hoffentlich machte sie keine
Zicken und ließ sich überreden, ihren Job wieder aufzunehmen! Notfalls gab es
eben eine Gehaltserhöhung, auch wenn die Forencorporation nichts zu verschenken
hatte. Und dann ging es sofort nach Hause – zu Hause war es eben doch am
schönsten.
Willi war beglückt – sein Ziel, der persönliche Assistent von Heino zu werden,
war in greifbare Nähe gerückt! Miss Deckard war es offenbar leid und suchte
einen Nachfolger für diese Position. Dafür wollte sie sogar in seine
unkomfortable Schiffsjungenkabine, die er mit Mickey und Anarky teilen musste.
Okay, er musste die Jungs fragen – aber wehe, die sagten „nein“! Denen würde er
was erzählen!
Lassen Sie sich überraschen, was im vierten und letzten Teil der Folge 160
passieren wird! Wird Marjorie Deckard bei den Schiffsjungen einziehen? Wird
Ralf Kat überreden können, mitzukommen? Werden sich die beiden Ärzte
aussprechen? Wird Henning was gescheiteres einfallen
beim Date mit Det (nettes Wortspiel)? Wird Sir Hilary rechtzeitig in Köln
eintreffen? Und – was wird die Ösi-Fraktion bei Helli
erreichen?
161. Folge: Durchsage
des Captains (von Baby Jane)
"Test,
Test, Sprechprobe", sprach Captain Rickmers ins Megaphon, das Willi ihm
vors Gesicht hielt. "One, two, one, two, Sprechprobe."
"Ok, Chef, es funktioniert" sagte Willi,
"Los!"
"Werte Passagiere, ich darf Ihnen einen wunderschönen Tag auf der
Werderania wünschen und gleichzeitig eine Einladung aussprechen", Falk
Rickmers Stimme klang etwas blechern aus dem Megaphon (Kat fand dies ganz
besonders erotisch!). "An Bord weilen zwei Geburtstagskinder, die wir
heute gegen Mitternacht hochleben lassen wollen. Es sind dies unser
Chef-Steward Reggae-Gandalf und Paula Tracy, MD! Unser lieber Reggae hat heute
seinen Ehrentag, Miss Tracy's beginnt um Mitternacht.
Ich darf sie herzlich um 23.30 Uhr an die Poolbar
einladen - es gibt Sekt und Schnittchen auf Kosten des Hauses. Ende der
Durchsage."
162.
Folge: The day after (von Baby Jane)
Paula
Tracy erwachte mit schwerem Kopf und setzte sich auf. Sie befand sich am
Pooldeck. Auf ihrem Bauch lag Heinos weißer Kopf (inklusive Sonnenbrille).
Links und rechts von ihr schliefen, wild durcheinanderliegend)
Ona, Willi, xhosa + Städteplaner Thomas, Miss
Scarlet, Sir Hilary und Cessnaritter. Ihr gegenüber schnarchte, eine leere
Sektflasche in der Hand und ein knallrotes Geburtstagshütchen
auf dem Kopf, Reggae-Gandalf. In Löffelchenstellung lagen Kat und Falk Rickmers
daneben, tief schlafend und selig lächelnd. Dr. Few Master lag wie bewusstlos
an den Hauptmasten gelehnt und umklammerte eine Kiste Bier. Auch er schnarchte.
Paula ließ ihr Auge weiter schweifen. An die vierzig Menschlein ruhten an Deck
und schliefen ihren Rausch aus. Die Ärztin massierte ihre schmerzenden
Schläfen. Sie konnte sich nur dunkel erinnern, was um Mitternacht passiert war:
Matalo hatte sie aus Miss Scarlets Kabine befreit und an Deck begleitet, wo
ihre und Reggae Gandalfs Geburtstagsparty gerade anfing. Miss Tracy erinnerte
sich an viele knallende Sektkorken, zahllose Gratulationen und Trinksprüche.
Sie erinnerte sich an Musik (Twist, Rock'n Roll, Sailor, Abba etc.), zu der man wild und enthemmt getanzt
hatte. Sie erinnerte sich, dass Kaschi ihr ein gerahmtes Foto des Daktari-Hundes als Geschenk überreicht, und Baby Jane mit
einem Buch mit Szenenfotos der Schwabenitzky-Serie
"Büro, Büro" gratuliert hatte. Yedi-Klaus
hatte ihr Spencer-Tracy-DVDs geschenkt, die er
gemeinsam mit seinem Neffen ausgesucht hatte, und Miss Scarlet, gemeinsam mit
Herrn Henning und Fräulein Det, einen teuren Bildband über das Leben des
Alpinisten Reinhold Messner. Reeder Werderaner hatte es, an seinem
Oberlippenbärtchen fummelnd, durchgeblättert (700 Seiten) und in ungehörigem
Ton nach weiteren Infos gefragt, woraufhin Miss Deckard ihn mit einem
österreichischen Schimpfwort bedachte, das er nicht verstand. Miss Scarlet und
Miss Ona hatten diplomatisch die Situation durch scherzende Worte zu entspannen
versucht. Der Regelverstoßbutton am Hauptmast musste deshalb ausnahmsweise
nicht gedrückt werden.
Für Reggae-Gandalf hatten alle zusammengelegt. Er wollte ja später einmal einen
Verlag gründen bzw. eine Produktionsfirma betreiben, in der er Filmtrailer kreierte. Er war jung (22) und brauchte das
Geld.
An mehr konnte sich Miss Tracy nicht erinnern - mal Miss Scarlet fragen! Was
war noch geschehen, in jener Geburtstagsfeier-Nacht? Und vor allem: Wer hatte
zusammen getanzt, als Reggae-Gandalf um drei in der Früh plötzlich Kuschelrock
aufgelegt hatte? Paula wollte diesbezüglich Namen! Und: Wo, um Himmels willen,
war die Gräfin? Scarlet würde alles wissen!
163. Folge:
Katerstimmung (von Scarlet)
Paula
setzte sich vorsichtig auf und hob Heinos Kopf sanft, ohne ihn aufzuwecken, von
ihrem Bauch. (Wie kam der bloß dahin? Was war ge
Am Oberdeck angelangt, ließen sich die beiden Damen er
„Wo ist denn eigentlich Helli?“, fragte Paula jetzt, „sie habe ich nicht am
Pool gesehen.“ „Na, das war noch eine andere Ge
Scarlet lachte auf einmal laut und Paula sah sie verwundert an. „In der Früh,“ erzählte Scarlet lachend, „als es
Miss Scarlets Lachen dürfte Baby Jane geweckt haben, die jetzt auch, sich die
Augen reibend, aufs Oberdeck kam und sich ebenfalls in einen der Liegestühle
fallen ließ.
Vielleicht wüsste sie ja, wo die Gräfin geblieben war?
164. Folge: Was ge
Baby
Jane hatte auch
Es hatte ihr ge
Etwas unsicher erzählte Dr. Few Master ihr dann die Ge
Paula war er
„Nun, Paula, hat es Dir die Sprache ver
„Det hatte ein Date!“ platzte Scarlet raus. „Und diese drei Forenmanager –
weißt Du, warum die an Bord sind? Die wollen Kat haben! Das sind die alten
Chefs von ihr! Aber mittlerweile ist die Sache wohl vom Ti
„Aber noch mal zu Dir und Few, Paula...“ Baby Jane ließ nicht locker. „Wieso
seid Ihr denn dann doch an Deck gekommen?“ „Na, dieser Matalo tauchte plötzlich
auf“, erzählte Paula. „Ich hatte natürlich eine Riesenangst, aber der lachte
nur und
Ja, was war mit Det und dem Forenmanager? Und wieso war das Thema „Kat und die
Rückkehr in die Forencorporation“ vom Ti
165.
Folge: I could have danced all night (von Scarlet)
Man
würde wohl nichts mehr aus Paula herausbekommen, was zwi
I could have danced all night
I could have danced all night
And still have begged for more
I could have spread my wings
And done a thousand things
I'd never done before
I'll never know what made it so exciting
When all at once my heart took flight
I only know when he began to dance with me
I could have danced, danced, danced..all
night
entgegen, während sie ihn über
das Pool-Deck wirbelte.“ Scarlet stieß Baby Jane
grinsend mit dem Ellbogen an. „Na trink du mal mit 50 Leuten Bruder
„Heino hat Gandalf seine Gitarre ge
„Der Heino wird mir immer sympathi
„Wo ist denn Heli überhaupt? Ich habe sie vorhin gar nicht gesehen.“, fragte
Paula wieder. „Die ist in der Früh irgendwann in ihre Kabine ver
Schön langsam wurden auch die anderen Party-Gäste wach und die drei Damen am
Oberdeck, be