12. Staffel

 

 

 

177. Folge: Das Geheimnis des ersten Offiziers [1. Teil] (von Scarlet)

In der Zwischenzeit hatten sich Kat und die Gräfin an Deck ausführlich unterhalten. Aus diesem Grund hatten die beiden die gesamte Abschiedsfeier für Mickey verpasst. Aber der Gräfin lag ohnehin nichts daran, sie hasste Abschiede. Diese Wehmütige Stimmung. Dabei musste sie immer an ihr Ninschen und ihren Danilo denken. Beide hatte sie verloren und sie hatte nie eine Gelegenheit gehabt, sich von den beiden zu verabschieden. Aber vielleicht war das auch gar nicht nötig, vielleicht meinte es das Schicksal gut mit ihr? Seit dieser junge Pater an Bord war, sprühte die Gräfin geradezu vor Optimismus! All das erzählte sie jetzt Kat, die auch froh war, nicht bei der Abschiedsfeier dabei sein zu müssen. Sie war doch so verliebt in ihren Kapitän, da war es ihr ganz recht, dass sie sich nicht die Stimmung durch diese sentimentale Feier zerstören lassen brauchte und das was Helli da erzählte, war wirklich viel interessanter! Sie versprach Helli herauszufinden, wer der Fischkrepp wirklich war, seine wahre Identität zu lüften! Ach, wäre das romantisch, wenn es wahr wäre, was die Gräfin vermutete!
Gerade als eine Schiffshupe von der anderen Seite des Schiffs ertönte, kam der Fi
schkrepp herbeigeeilt, er war kreidebleich. Überrascht sahen ihn die beiden Frauen an. „Was ist denn mit ihnen los? Haben sie ein Gespenst gesehen?“, fragte Kat. Als ob er Kat gar nicht gehört hätte, wandte sich der erste Offizier an Helli: „Gräfin, darf ich ihnen etwas zeigen?“ Sie sah ihn erstaunt an: „Ja natürlich, was ist denn passiert?“ „Würden sie mir bitte in meine Kabine folgen, ich muss ihnen etwas zeigen…“ Helli sah Kat fragend an, die zuckte nur ratlos mit den Schultern. „Ja, ist gut, wir kommen mit ihnen.“, sagte Helli zu Fischkrepp und so folgten ihm die beiden Damen.

Als sie die Offizierskabine betraten sah sich Kat um. Na ja, die Kabine des Kapitäns war wesentlich gemütlicher und außerdem war er ordentlicher, er ließ seine Sachen nicht so herumliegen wie dieser Fi
schkrepp. Auf dessen Bett lag ein Paar Schuhe, teure, italienische Schuhe… Die Schubladen seiner Kommoden waren alle offen, alles war durchwühlt, ja es sah aus, als ob jemand eingebrochen hätte. War es das, was er ihnen zeigen wollte?

Der erste Offizier sah sich in seinem Zimmer um und erkannte, welchen Eindruck dieses Chaos auf die beiden Damen machen musste. „Sie müssen diese Unordnung verzeihen, meine Damen, aber ich habe etwas gesucht…“ „Dass sie in diesem Chaos etwas finden, bezweifle ich aber stark.“, erwiderte Kat. Der Fi
schkrepp ignorierte Kats Bemerkung und wandte sich an die Gräfin: „Als ich vorhin diese Schuhe anprobiert habe“, er deutete auf die am Bett liegenden Schuhe – es waren die Schuhe, die ihm Helli zuvor gebracht hat, „da musste ich an etwas denken. Zuerst habe ich schon befürchtet, ich finde es nicht mehr, denn ich habe schon so lange nicht mehr daran gedacht, aber ich habe es gefunden!“ Er griff in seine Hosentasche und zog eine winzigkleine, schwarze Lederschatulle heraus, er zeigte sie Helli und öffnete sie. Erwartungsvoll sah er Helli an, als sie den Ring betrachtete, der sich in der Schatulle befand. Es war ein goldener Herrenring mit einem eingravierten Wappen. Es war dasselbe Wappen, das auch auf der Innenseite der italienischen Schuhe, die auf seinem Bett lagen eingebrannt war…

 

 

177. Folge: Das Geheimnis des ersten Offiziers [2. Teil] (von Helli Gräfin E.)

Man hätte eine Stecknadel fallen lassen können, so still wurde es in der Koje des ersten Offiziers. Kat, die zwar die Zusammenhänge nicht mehr verstand, spürte aber: Hier ist Schicksal im Raum und zog sich in eine Ecke des Zimmers zurück.

Die Gräfin musterte aufmerksam das Gesicht Fi
schkrepps.
Hüb
sche Züge hatte er, leider hatten seine Sohlen die Blicke oft abgelenkt. Aber das Gesicht wirkte auch etwas künstlich und starr....tatsächlich, die Gräfin erkannte hinter den Ohren des ersten Offiziers kleine Narben.

"Haben Sie sich mal liften lassen?" fragte sie streng.
Fi
schkrepp griff sich verlegen an die Ohren. "Nein, ich weiß auch nicht, woher das kommt. Ich weiß vieles nicht. Es gibt sogar eine Zeit, an die ich mich gar nicht erinnern kann, alles ist so dunkel und meine Kopf fängt an zu schmerzen, wenn ich daran denke. Nur den da habe ich noch...von früher..." Sein Blick fiel auf den Wappenring. Die Gräfin ergriff seine Hand. "Bitte, erinnern sie sich! Es ist wichtig!"
flehte sie. Kat hielt den Atem an. Das war ja spannend.

Fi
schkrepp setzte sich, er zog die Gräfin neben sich und starrte etwas irre vor sich hin. "Ich sehe, ja, ich sehe mich in einem...meinem Jaguar, ich fahre schnell, Kurven Berge. Wütend bin ich, eifersüchtig, verzweifelt. Alkohl. Neben mir liegt eine Flasche Whisky". (Der geneigte Leser möge sich das alles bitte ganz stockend und langsma vorstellen. Für diese ergreifende Szene wird ein späterer Darsteller einen Oskar für eine Novela bekommen und zahlreiche Jungschuasiler werden daran bei ihrer Aufnahmeprüfung scheitern. So was soielt man nicht mal eben so)." Fischkrepp fährt nun tatsächlich imaginär ein Auto. Er hält sie Augen geschlossen.
"Ich denke an mein Weib, diese Göttin, diese Teufelin. So weh hat sie mir getan. So weh. Warum nur?" Er grift sich an den Kopf und die Gräfin (nominiert für den Oskar)
schreit auf "Nein! Geliebter!" und will ihn umarmen, aber er hält sie zurück und kat schnauft zufrieden, dass es doch weiter geht.

Nun steht der erste Offizier auf. " Ich kann mich erinnern, ja..ja. Ich fahre..im Radio sagt der Moderator ein Konzert mit Fats Domino aus New Orleans an. ich ärgere mich über den Ansager, weil das doch New Orleans ausgesprochen wird und die meisten aber immer New Orleans sagen und bin ja, bin fast froh, dass ich nicht mehr an SIE denken muss. Bin abgelenkt, nehme noch einen Schluck. Da, ein kleiner Wagen von hinten, will mich überholen. Ich lache, rufe aus dem Fenster "Das
schaffst Du doch eh nicht, Du blöder kleiner Karmann Dschia!" Da verreisse ich das Lenkrad, sehe zwei entsetzte Gesichter in dem kleinen Auto. Dann? Dunkelheit....Schmerz...alles weg, ein Professor, der Mann aus dem Auto, er macht sich Vorwürfe, gibt sich die Schuld...lass ihn uns wegschaffen höre ich ihn sagen....Seine Frau, eine Witwe Scholz, packt mit an. Dann wochenlang liege ich, in einem Zimmer, der Profssor operiert und sie sagt, was er machen soll. Immer wieder bekomme ich Spritzen, schlafe, Tage, Wochen, Jahre?"

 

 

177. Folge: Das Geheimnis des ersten Offiziers [3. Teil] (von Paula_Tracy)

Die Gräfin war so aufgeregt, dass sie Kats Hand fast zerquetschte. Fischkrepp begann zu weinen. „Dann war doch noch Falk Rickmers“, flüsterte er – „oder doch nicht... Es ist alles noch so... entfernt...“ „Ich hole Falk“, sagte Kat. „Vielleicht kann er etwas dazu sagen. Er hat mal erwähnt, dass er Fischkrepp, äh..., seinem 1. Offizier das Leben gerettet hat.“ „Beeil’ Dich!“ rief die Gräfin und setzte sich neben den Mann. Meine Güte, wenn das wahr wäre! Wenn ihr Danilo noch lebte – sollte sie nach den langen Jahren des Leides doch noch einmal Glück haben? Ausgerechnet der 1. Offizier, den sie immer ein wenig verächtlich betrachtet hatte (das lag aber wirklich größtenteils an den Kreppsohlen)...

Falk Rickmers sah sofort, wie aufgeregt seine geliebte Kat war. „Du musst sofort kommen“, sagte sie. „Dein 1.Offizier – er ist... er ist, glaube ich, nicht der, für den Du ihn hältst. Die Gräfin ist bei ihm.“ Der Kapitän nickte. „Ich komme sofort, ich hole nur den Doktor, falls es Probleme geben sollte.“ Er winkte Few Master zu, der bedauernd Paula Tracys Hand los ließ. Die drei ver
schwanden unter Deck.

„Nein!“ rief die Gräfin, als sie Dr. Few Master sah. „Dieser Mann ist ja an allem
schuld! Er ist schuld daran, dass mein Danilo in den Tod gerast ist... Oder doch nicht...“ Fischkrepp sah auf. „Danilo?“ flüsterte er. „Danilo... ja, Danilo! Das ist mein Name!“ „Sie gehen besser, Master!“ meinte Falk Rickmers. „Schicken Sie Dr. Tracy oder Det, ich glaube, das ist... angebrachter.“

„Bitte Kapitän!“ flehte Helli. „Sagen Sie mir, was mit Danilo – ich meine, mit Fi
schkrepp, mit dem 1. Offizier – wer ist er?“ Drei Augenpaare waren auf den Kapitän gerichtet, der zu erzählen begann. Vor einigen Jahren hatte er Fischkrepp halbtot – das Gesicht total entstellt – aus einem Jaguar gezogen. Das Auto war in die Donau hinein gefahren, und in letzter Sekunde war es Falk gelungen, den Mann herauszuziehen, bevor das Auto versank. Er hatte ihn sofort ins Krankenhaus gebracht, wo sich Professor Brinkmann, nicht gerade ein begnadeter Schönheitschirurg, seiner angenommen hatte. Falk hatte seine Krankenhausrechnungen bezahlt und ihn später auf eines seiner Schiffe geholt. Der Mann erinnerte sich an gar nichts – es war, als habe das Leben vor dem Unfall niemals existiert. Er glaubte, dass er Ungar wäre, aber nur die Tatsache, dass er ungarisch sprach, bewies das wohl noch nicht.

Helli nickte. Sie hatte aus Scham wegen des Ehebruchs damals keine Vermisstenanzeige erstattet, der Jaguar wurde erst viele Monate später auf dem Grund der Donau gefunden – so brachte man den Unbekannten in der Klinik und den Grafen Danilo nicht in Verbindung. Als der Jaguar gefunden wurde, war das für Helli die Gewissheit, dass ihr Danilo tot sein musste – er hatte sich aus Verzweiflung über ihre Affäre umgebracht. Seitdem betrachtete sie sich als Witwe und lebte nur noch für ihr Nin
schen – bis Ninschen auch verschwand.

„Ja, aber...“ sagte plötzlich Paula Tracy von der Tür her – Dr. Few Master hatte sie ge
schickt -, „dann lebt Danilo noch. Fischkrepp ist Danilo! Helli – Dein Mann lebt!“

Falk Rickmers nahm Kats Hand und nickte Paula Tracy zu, ihm ebenfalls zu folgen. Dieser Moment gehörte allein der Gräfin und ihrem Danilo. Kat strahlte. Ihr Falk war ja so einfühlsam!

 

 

178. Folge: Harry hat eine Spur (von Paula_Tracy)

Währenddessen – etwa 2500 Seemeilen entfernt – tapperten Ede Zimmermann, Stephan Derrick, Harry Klein und Gerd Heymann noch ein wenig im Dunklen, was das verschwundene Ninschen anging.

Gerd Heymann war noch nicht in Pension, er musste tagsüber noch ein wenig beim Alten arbeiten, ließ aber seine Verbindungen spielen, was Infomationsquellen anging. Der alte Stephan Derrick hörte zwar
schlecht, sah aber noch recht gut, was an seinen dicken Brillengläsern lag, und Harry war wie immer für den Wagen zuständig. Ede machte Telefondienst und kopierte die Fahndungsplakate.

Harry betrachtete wohlwollend das Foto des jungen Mädchens und meinte, er habe vor kurzem in einer Theater-Aufführung ein Mädchen gesehen, das genauso ausgesehen habe. Stephan hingegen wollte lieber in der Grünwalder Villengegend ein wenig herum
schnüffeln, weil er sich da am besten auskannte. Gerd Heymann hätte am liebsten eine Hausdurchsuchung beim FC Bayern München gemacht, weil ihm Uli Hoeneß schon seit langem suspekt war, aber Ede – als Verantwortlicher und Auftragsnehmer der Gräfin – entschied, dass die Ähnlichkeit der Laienschauspielerin in der Theatergruppe wohl das einzig handfeste war.

„Am besten, Ihr fahrt sofort dahin!“ befahl Ede knapp. „Bringt sie mit, ich fotografiere sie dann und faxe das Foto aufs Schiff!“ „Harry, hol Du
schon mal den Wagen!“ „Den Wagen, Stephan? Welchen denn?“ „Welchen Wagen, Harry? Haben wir jemals etwas anderes als BMW gefahren?“ „Nein, Stephan.“ „Na, also – warum sollten wir es diesmal tun?“

Während der Fahrt meinte Stephan: „Du Harry?“ „Ja, Stephan?“ „Ich weiß nicht, ob es so gut ist, die Kleine dem alten Ede zu überlassen.“ „Warum denn nicht Stephan?“ „Ich denke, er ist zu alt für so was. Und fotografieren konnte er noch nie. Ich denke, wir sollten das Mädchen direkt zur Gräfin bringen.“ „Glaubst Du wirklich, Stephan? Und wenn es sich nicht um das Mädchen handelt?“ „Du denkst...“ „Ja.“ „Ich glaube, es wäre das beste.“

Also fuhren die alten Recken Stephan und Harry mit ihrem dunkelblauen BMW vor dem kleinen Theater vor, das seit kurzem den Jugendklassiker „Die Vorstadtkrokodile“ aufführte. Ob sie dort Nin
schen fanden? Und wer würde sie aufs Schiff bringen – wenn überhaupt?

 

 

179. Folge: Wedel inszeniert Vorstadtkrokodile (von Baby Jane)

Der Kommissar und sein Assistent betraten den dunklen Bühnenraum. Harry bedeutete Derrick leise zu sein, indem er seinen Zeigefinger auf die Lippen legte. "Psst, sie proben gerade".

"Du meinst, sie proben, Harry?".
"Ja, Stefan, sie proben."

Auf der Bühne sah man im Scheinwerferlicht ein bezauberndes junges Mädchen sitzen, das ein Snoopy-T-Shirt trug. Neben ihm stand Regisseur Dieter Wedel und zeigte mit all der ihm zur Verfügung stehenden Regie-Intensität, wie die nächste Szene der Vorstadtkrokdile, ein TV-Dreiteiler mit Mario Adorf als pensioniertes Reptil in der Hauptrolle, zu spielen sei. "Snupi, du muss die Rolle hintergründig anlegen, eher nachdenklich, ok?" Snupi nickte.

Derrick hüstelte. "Ruhe im Publikum!", rief Wedel sofort nervös, und "Ruhe!" zi
schten auch die beiden Lebensgefährtinnen des Regisseurs, die in der ersten Reihe saßen.

"Kriminalpolizei" - Derrick hielt seine Hundemarke ins Scheinwerferlicht. "Und dies ist mein Assistent, Harry Klein. Wir sind auf der Suche nach der ver
schollenen Tochter der Gräfin Ermakowa."

Snupi sah alarmiert auf. "Ermakowa?", flüsterte sie.

 

 

180. Folge: Zukunftspläne (von Paula_Tracy)

„Was war denn los?“ fragte Dr. Few Master, der draußen gewartet hatte. „Was ist mit Fischkrepp und der Gräfin?“ „Fischkrepp ist der Graf Ermakow“, antwortete Paula. „Er ist Hellis Danilo. Hast Du ihn eigentlich mal kennen gelernt – Danilo, meine ich – bevor er zu Fischkrepp wurde?“ „Nein“, antwortete der Doktor. „Wenn das so gewesen wäre, hätte er mich vielleicht sogar erkannt, und alles wäre anders ausgegangen. Ich mache mir Vorwürfe – er wollte bei mir mal eine Gesprächstherapie machen, aber ich hatte keine Lust dazu. Ich mochte ihn nicht.“ „Mach Dir keine Vorwürfe“, Paula nahm seine Hand. „Ich glaube, alles hat doch noch ein gutes Ende gefunden. Wenn die beiden jetzt noch ihr Ninschen finden, wäre es perfekt. Aber so perfekt geht es nur in Telenovelas aus.“

Sie winkte Det und dem jungen Forenmanager zu, die sehr eng beieinander an der Reling standen. „Glaubst Du, dass sie noch lange hier sein wird?“ fragte sie. „Det, meine ich. Ich glaube, Henning hat sie gefragt, ob sie die medizini
sche Versorgung der Forencorporation übernehmen will.“ Dr. Few Master zog eine Augenbraue hoch. „Tatsächlich? Ja, ich glaube, medizinische Hilfe können die gut gebrauchen... Ich glaube, ich werde auch nach dieser Fahrt abmustern. Es wird Zeit, wieder festen Boden unter den Füßen zu kriegen. Vielleicht mache ich meine Praxis in Hamburg wieder auf. Oder bewerbe mich als freier Mitarbeiter bei der Forencorporation.“

„Ist ja eigentlich
schade, dass der Prinz weg ist“, sagte der Reeder zu Kaschi. „Irgendwie kann ich mich gar nicht mehr ärgern über ihn. Jahrelang hat sich meine Wut so aufgestaut, aber jetzt ist sie total verflogen. Ich glaube, ich könnte sogar wieder Fußball spielen. Was meinst Du, Kaschi – wollen wir heute abend ein Spiel wagen? Zu meinem Geburtstag? Du bist Spielführer der einen, ich der anderen Mannschaft? Jeder wählt sich abwechselnd seine Spieler aus? Wie früher?“ Kaschi überlegte. „Gute Idee – aber wo? So viel Platz haben wir nicht an Bord. Das Sonnendeck ist etwas eng...“ „Papperlapapp“, sagte Werderaner. „Ich habe nur einmal im Jahr Geburtstag, da macht so ein bisschen Enge nichts! Ich will heute Abend mal wieder selbst gegen einen Ball treten! Nach über 30 Jahren habe ich mir das wahrhaftig verdient!“ Kaschi sah etwas skeptisch aus, aber schließlich hatte sein alter Freund Geburtstag.
Und heute war er etwas sentimental – erst die Tränen bei Mickeys Ab
schied, jetzt wollte er plötzlich wieder Fußball spielen – was kam wohl als nächstes? „Und nach dieser Reise werde ich nach Wien fahren“, antwortete Werderaner auf Kaschis nicht gestellte Frage. „Ich habe noch nie eine Sachertorte gegessen, wusstest Du das, Kaschi?“ Kaschi schüttelte den Kopf. „Eben! Darum wird es Zeit. Gut, den Dialekt mag ich zwar nicht, und die Ösis eigentlich auch nicht, aber...“ „Miss Scarlet ist wirklich sehr nett!“ grinste Kaschi, und ... der Reeder wurde rot. „Und was ist mit Deiner Leo?“ fragte Werderaner nun zurück. „Ist das was Ernstes?“ Nun wurde Kaschi verlegen. „Na ja – wir müssen uns erst mal richtig kennen lernen. Ich mag sie sehr, und sie mich wohl auch. Ich fahre demnächst mal nach Berlin und besuche sie da. Ich habe schon eine Jugendherberge, wo ich übernachten kann.“ Werderaner prustete heraus. „Mensch, Kaschi, alter Junge, jetzt sei doch nicht so schüchtern! Jugendherberge! Also – ich geb’ Dir jetzt mal ein paar Tipps...“

Willi saß traurig auf einer Treppenstufe zu den Crew-Kabinen, als ihn Ona entdeckte. „Hey Willi, jetzt komm’ in die Küche. Du kannst die Sahne
schlagen. Du darfst sogar die Schüssel ausschlecken, wenn Du willst. Komm’, Du alter Trauerkloß!“ Willi schniefte. „Du Ona – glaubst Du, ich könnte auch auf die Ovela wechseln?“ Ona wurde blass. „Ich glaube, Du spinnst, mein Lieber! Erst lässt mich Mickey im Stich, und jetzt willst Du auch noch von Bord gehen? Wie soll ich denn klar kommen ohne Dich?“ Sie grinste ein wenig in sich hinein – aber es hatte gewirkt. Willi stand auf. „Schon klar, Ona. Du hast natürlich meine volle Unterstützung. Und jetzt helfe ich Dir beim Sahneschlagen.“

 

 

181. Folge: Anpfiff! (von Baby Jane)

Yedi-Klaus, der vom bervorstehenden Fußballspiel an Board gehört hatte, saß auf dem Bett seiner Kabine und schnürte bereits seine Fußballschuhe zu. Er würde in Kaschis Mannschaft spielen, in der Verteidigung, das stand fest. Nebenbei verfolgte er aufmerksam die Sendung "Hallo, wir bekommen ein Baby" auf RTL II. Gerade sah man eine Wöchnerin im Kreißsaal. Wie gut Yedi-Klaus diese Bilder und Geräusche von daheim kannte - wohnte er doch schon viele Jahre direkt gegenüber eines Krankenhauses, kaum zwei Meter davon entfernt.

Auch in den anderen Kabinen machten sich die Herren fertig fürs Spiel. Reeder Werderaner verteilte an seine Mannen Leibchen mit dem TUI-Logo, Ka
schi hatte für die Dressen die Augsburger Puppenkiste als offiziellen Sponsor gewinnen können.

Reggae-Gandalf stand bereits in
schwarzem Hemd und schwarzen Shorts, die ihn bezaubernd kleideten, am Sonnendeck. Er würde der Schiedsrichter sein. Gandalf probierte seine Pfeife aus. Ein Pfiff - aus dem Nichts tauchte Pudel Chrisquito auf und machte eifrig Männchen. "Hier, ein Leckerli für dich, mein Kleiner". Gandalf warf dem Pudel, der eifrig mit seinem kopierten Schwanzstummelchen wedelte, einen Hundekeks zu.

Cessnaritter, Tom (Nr. 82), Anarky, Rickmers (Nr.1) und einige andere Jungs dribbelten
schon ausgelassen und fröhlich mit dem Ball zwischen den Liegestühlen dahin. Det zog fürsorglich das Leibchen ihres Corporation-Mannes zurecht. Sir Hilary erklärte Dr. Few Master die Regeln westeuropäischen Fair Plays. "Wir foulen nicht, denn wir sind christlich, Doktor", belehrte er. Außerdem hoffte Hilary inständig, dass kein Demonstrant und kein Flitzer das Fußballspiel stören würde. Ansonsten würde er, Hilary, leider nicht umhin kommen, den Rücktritt Falk Rickmers in seiner Funktion als Kapitän und Sicherheitsbeauftragter des Schiffes mit großer Vehemenz zu fordern.

Kurz vor 17 Uhr er
schien Willi mit dem Ball unter'm Arm und einem Otto-Witz aus den 70er Jahren auf den Lippen: "Hier kommt der Fußball, heute ganz in Leder!" Man lachte höflich. Sodann pfiff Reggae-Gandalf das Spiel Werder gegen Augsburg melodiös an.

 

 

182. Folge: Harry löst den Fall – oder doch nicht? (von Paula_Tracy)

Snoopy erschrak: Ermakowa? Hatte nicht dieses zerlumpte Mädchen, das vor ein paar Jahren vor ihrer Haustür gestanden hatte, behauptet, Ermakowa zu heißen? Keiner von ihrer Familie hatte das damals geglaubt – wer hieß schon Ermakowa, außer der Besenkammer-Bekanntschaft von Boris?

Nin
schen war von zu Hause abgehauen, behauptete, ihre Mutter sei total verwirrt und schicke sie von einem Arzt zum anderen, obwohl sie vollkommen gesund sei. Aber seitdem ihr Vater tödlich verunglückt war, sei ihre Mutter ein anderer Mensch. Der einzige, der sich um sie kümmere, sei Brooklyn, der Sekretär ihrer Mutter. Als er sie zu Dr. Few Master gebracht hatte, war dies die Gelegenheit gewesen, durch das Toilettenfenster in der Arztpraxis zu entkommen. Der Arzt schien im übrigen genauso verrückt zu sein wie ihre Mutter. Kein Wunder – die hatten mal eine Affäre miteinander gehabt. Ninschen wusste das, aber ihre Mutter wusste nicht, dass sie das wusste. Und der Arzt auch nicht. Der wusste ja noch nicht mal, dass sie Ninschen war, obwohl er sie schon sehr merkwürdig gemustert hatte. Gott sei Dank hatte er es mit einem Rezept bewenden lassen. Brooklyn saß im Wartezimmer, sie fragte die Arzthelferin nach den Toiletten – und verschwand. Endlich – frei! Ein paar Tage war Ninschen per Anhalter durch Deutschland gereist, bis sie dann eines Abends in einer hessischen Kleinstadt bei Snoopy und ihren Eltern klingelte, um zu fragen, ob man ihr etwas zu essen geben könnte... Ja, so war das. Snoopy hatte sich sofort mit Ninschen angefreundet, und ihre Eltern waren einverstanden gewesen, dass Ninschen bei ihnen blieb. Auch wenn Ninschen andere Interessen hatte als Snoopy, sie mochten sich sehr. Snoopy war immer ein wenig skeptisch gewesen, was die Erzählungen von Ninschen anging, dass sie z. B. eine Komteß war. So was kam doch nur in Silvia-Romanen vor, oder? Dann redete sich auch manchmal in einer anderen Sprache, und die verstand Snoopy nicht.

Hm – und jetzt suchte ein Inspektor nach Nin
schen. Dabei war sie längst wieder auf dem Schiff, sie hatte vor einem Jahr dort eine Lehre begonnen. Ninschen wollte was von der Welt sehen – schon als sie aus der Schule kam, hatte sie immer von der See gesprochen und sich sofort bei der Hamburger Außenstelle der Brandungsfelsen-Reederei beworben, als die inserierten. Und nun war sie auf der Ovela tätig. Erst letzte Woche war sie abgereist – vorher war sie hier in München gewesen, um sie bei den Dreharbeiten zur Neuverfilmung der „Vorstadtkrokodile“ zu besuchen. Und der Wedel hatte auch gleich eine Rolle für sie gehabt, dabei mochte Ninschen die „Vorstadtkrokodile“ nicht halb so sehr wie sie, Snoopy. Aber dafür spielte sie ja auch die Hauptrolle bei den Vorstadtkrokodilen!

„Kriminalpolizei!“ sagte da plötzlich der kleine gedrungene Mann neben ihr. „Wir müssen Sie bitten, uns aufs Revier zu begleiten, wir haben ein paar Fragen an Sie.“ „Auf welches Revier denn, Harry?“ fragte der Mann mit den unglaublichsten Tränensäcken, die Snoopy je gesehen hatte. „Auf welches Revier, Stephan?“ fragte der kleine zurück. „Ja, Harry – auf welches Revier? Haben wir ein Revier?“ „Äh – nein, Stephan. Wir haben kein Revier.“ „Genau, Harry. Wir haben kein Revier. Wir müssen Sie zu Ede mitnehmen. Dort werden wir sie vernehmen.“ „Zu Ede?“ „Ja, zu Ede.“ Harry wollte Hand
schellen herausnehmen, doch Stephan winkte ab. Dieses junge Mädchen sah nun wirklich nicht gemeingefährlich aus.

Und so kam es, dass Snoopy zunächst in die kleine Detektei Zimmermann, Nidetzky und Töns geführt und später am Tag in ein Flugzeug nach Hamburg (gemeinsam mit Harry) verfrachtet wurde. Harry war felsenfest davon überzeugt, in Snoopy das ver
schwundene Ninschen gefunden zu haben und ließ sich auch durch den skeptischen Stephan davon nicht abbringen. Snoopy hatte zunächst protestiert, aber irgendwann aufgegeben. Sie verstand aber, dass dieser kleine Mann nicht wirklich etwas böses wollte – im Gegenteil. Er wollte sie auf ein Schiff bringen – und wer weiß, vielleicht traf sie dort ja Ninschen? Wenn das keine Überraschung war!

 

 

183. Folge: Folgen eines Computer-Wurms (von Scarlet)

Für das Fußballspiel hatte man das Sonnendeck leer geräumt, die Liegestühle dienten den Damen, die an den Längsseiten des provisorischen Spielfeldes Platz genommen hatten als Tribüne. Auf einer Seite saßen die Werder-Anhängerinnen in grün-weiß gekleidet, auf der anderen Seite die ‚Augsburg’-Fans in rot-weiß.
Die ‚Spielerfrauen’ hatten sich vorgenommen, die jeweiligen Lager durch lautes Skandieren von Schlachtrufen zu motivieren. Ona und Scarlet versuchten die Werderaner-Mann
schaft mit den Worten „Grün-Weiß vor, noch ein Tor!“ dazu zu animieren, den Ball in Richtung Tor zu befördern, bislang ergebnislos. „Ich wusste gar nicht, dass ihr solche fanatischen Werderaner-Fans seid!“, brüllte Paula Tracy, deren Lieblingsspieler auch auf dieser Seite spielte, den beiden in die Ohren. Der Lärm an Deck war nahezu unerträglich. „Eh nicht!“, schrie Scarlet, „Wir haben uns ja nur für die grün-weiße Seite entschieden, weil Betis Sevilla und Rapid Wien dieselben Vereinsfarben haben wie Werder!“, sie zwinkerte Paula zu, während sie weiter in die Hände klatschte, dann winkte sie auf die andere Spielfeldseite, wo Baby Jane saß.
Die Grazerin unterstützte die Augsburger Mann
schaft, in der ihr Yet/di-Klaus spielte. Auch Arnie hatte sich für dieses Team entschieden, da es in den Farben des GAK (Grazer Athletik Klub) antrat. Er sagte, da würde er sich wie zu Hause fühlen, zumal das Heimstadion des GAK das nach ihm benannte Schwarzenegger-Stadion ist!

In der Zwi
schenzeit saß Tapetchen im Büro des Kapitäns und nahm die Daten der neuen Praktikantin auf, die am Nachmittag mit dem Beiboot der Ovela angekommen war. Eigentlich hatte ihr ihr Chef ja gesagt, sie solle dem Kapitän der Ovela mitteilen, dass die Werderania im Austausch für Mickey nicht an einer neuen Auszubildenden interessiert sei. Außerdem hatte sie Heino beauftragt, bei einer solch günstigen Gelegenheit Hannelore von der Ovela hierher aufs Schiff bringen zu lassen. Wie sollte sie nur erklären, dass sie all das nicht getan hatte? Weder die Absage für die Praktikantin, noch die Einladung für Hannelore, nichts hat funktioniert! Aber eigentlich war es gar nicht ihre Schuld, sondern die ihres Computers. Bei dem war nämlich gerade total der Wurm drin: etliche Dateien waren nicht mehr auffindbar oder ließen sich nicht mehr anzeigen. Sie hatte versucht, die Daten wiederherzustellen, hatte ein Recover-Programm ausprobiert, aber nichts … alles blieb ohne Erfolg. Das einzige, das wieder halbwegs funktionierte war der Brenner, aber den brauchte sie zum Versenden von Nachrichten nicht. Immer wenn sie versuchte, eine Nachricht an die Ovela zu senden erschien nur ’Programm reagiert nicht-bitte schließen’ auf ihrem Bildschirm. Sie war verzweifelt! Wie oft hatte sie dem Kapitän schon gesagt, dass sie einen neuen Computer bräuchte. Sie wusste seit längerem, dass die Festplatte leicht angeknackst war, sie machte sich schon seit längerer Zeit durch leichte Zwitscher-Geräusche bemerkbar, jedoch unmerklich. Es passierte aller paar Stunden nur für Bruchteile von Sekunden, dass jenes Quitsch-Geräusch zu hören war. Aber Rickmers hatte abgewunken „Kein Geld.“, hatte er gesagt. Nun, das hatte er jetzt davon! Tapetchen hatte jedenfalls alles versucht, solange, bis man die Schiffshupe des Beibootes der Ovela hörte, das Mickey abholte und da war es natürlich zu spät.

Da saß sie nun, diese Auszubildende, die eigentlich keiner brauchte. Was sollte sie mit ihr bloß anfangen? Ihren Personalbogen hatte sie bereits ausgefüllt. Tapetchen sah den Bogen nocheinmal durch, ob alle Felder ausgefüllt waren. „Snupi Krokodilchen heißt du also?“, fragte Tapetchen das junge Mädchen, mit dem rundlichen Gesicht. Zögernd Antwortete es: „Äh, ja …. Snupi, genau, so haben sie mich auf der Ovela auch alle genannt.“ „Also, Snupi, ich bin gerade etwas ratlos…ich weiß gar nicht, was ich dir zu tun geben soll. Am besten, ich bringe Dich einmal in Deine Kabine, tu teilst sie dir mit anderen Crew-Mitgliedern. Jetzt wird gerade keiner dort sein, die sind alle an Deck. Ich glaube, am besten wird es sein, wenn du heute in der Kabine bleibst. Du bist sicher müde, ruh dich einfach einmal aus. Morgen wird dich dann der Kapitän der Mann
schaft vorstellen und dann kann er dir bestimmt auch schon sagen, was deine Aufgaben hier an Bord sein werden.“
Tapetchen begleitete das Mädchen durch die men
schenleeren Gänge zu den Personalkabinen und zeigte ihr, welche ihre sein sollte. Außerdem zeigte sie ihr noch die kleine Teeküche, falls sie Hunger hätte. Die Praktikantin deutete auf ihren prall gefüllten Seesack: „Ich habe genug Proviant von der Ovela mitgenommen, kein Problem!“ Nachdem die Auszubildende in der Kabine verschwunden war, machte sich die Kapitäns-Sekretärin wieder auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz, sie musste das Problem mit dem Computer in den Griff bekommen. Später würde sie dann dem Kapitän wohl von der neuen Praktikantin erzählen müssen. „Na, der wird sich freuen!“ Tapetchen verzog das Gesicht beim Gedanken an seine Reaktion.

 

 

184. Folge: Der Traum des Prinzen [1. Teil] (von Paula_Tracy und Kaschi)

Nachdem der Prinz und die Witwe ihre Kabinen auf der Ovela bezogen hatten, wurden sie von Hannelore bestürmt, die alles, aber auch alles wissen wollte, was auf der Werderania vor sich gegangen war. Hier war sie beim Schlagerfreund Malko und der Klatschexpertin Anna natürlich direkt an der richtigen Adresse. „Es ist ja so schade, dass Sie und Heino heute nicht zusammengetroffen sind“, meinte Anna Nümosia mitleidig. „Ich weiß, er hatte so gehofft, dass Sie mit dem Schnellboot kommen.“ Hannelore lächelte. „Ach, das ist nicht so schlimm, wie es scheint. So habe ich doch auch einmal meine Ruhe und kann Urlaub machen! Ich bin sicher, ich sehe ihn bald wieder. Aber sagen Sie mal – wer betreut ihn denn überhaupt? Mein Heino braucht gute Pflege!“ Mickey, der den heutigen Tag noch frei hatte und gerade vorbei kam, setzte sich in den Liegestuhl neben Hannelore. „Mein Freund Willi macht das, er ist ein Riesen-Heinofan“, erzählte er. „Er kann alle Texte auswendig und als wir noch unsere Boygroup hatten...“ Eine Träne schimmerte in Mickeys Augen. Hannelore strich ihm tröstend über die Schulter. „Ja, Abschied ist ein scharfes Schwert! Das stammt zwar nicht von meinem Heino, aber von Roger Whittaker – aber recht hat er, der gute Roger. Weinen Sie ruhig, lieber Mickey, das hilft...“ Alle vier seufzten. Mickey erzählte mit zitternder Stimme, dass er gerade noch an Willi gefunkt habe, und dass jetzt – gerade in diesen Minuten – ein Fußballspiel angepfiffen würde. Wie gerne hätte er da mit gemacht! Der Prinz schnaufte. Ausgerechnet jetzt, wo er von Bord war! Und der Reeder wollte auch mitspielen! Wäre das nicht die Gelegenheit einer Versöhnung gewesen? Seit Jahren schleppte er sein schlechtes Gewissen mit sich herum, dass er die Karriere von zwei jungen, aufstrebenden Fußballtalenten als Nationalspieler verhindert hatte. Aber – war nicht etwa doch etwas aus Ihnen geworden? Wäre Werderaner so reich und mächtig geworden als Spieler? Er lehnte sich zurück und schloss die Augen... Irgendwie war ihm, als wäre er wieder auf dem Schiff – aber nur als Zuschauer...


FC TUI Werderania: Werderaner, Willi, Tom, Sir Hilary, Heino, Hannelore, Cessnaritter, Det, Arnie, Scarlet, Nin
schen.

FC Augsburg: Jedi-Klaus, Ka
schi, Nobbi, Rickmers, Anarky, Dr. Few Masters, Paula Tracy, Baby Jane, Gräfin Ermakova, Leo, Kat.

Schiedsrichter: Reggae-Gandalf Zu
schauer: 19 und ein Pudel

Nach sportlicher Begrüßung ("Fi
schköppe!" - "Halbdrachen!") beginnt das Match mit einem überfallartigen Angriff der Grün-Weißen. Tom "der Töter" drückt das Leder in die gegnerische Hälfte, paßt rüber zu Hannelore, die ihren Gegenspieler "Rio" Rickmers über den Haufen brüllt und mit voller Wucht abzieht. Doch Jedi-Klaus wirft sich mit letztem Einsatz in die linke Torecke und begräbt den Ball unter sich! Der Augsburger Keeper wird von den Seinen stürmisch umjubelt, bis er endlich abwerfen kann. Gräfin Ermakova umspielt Det "die Düse" und brüllt dann: "Raute bilden! Nein, Viererkette!" Kein Wunder, dass die TUIs wieder in Ballbesitz gelangen! Hannelore hat die Gräfin per Blutgrätsche vom Ball getrennt und diesen trotz wütender Proteste der Augsburger ("Schiri! Auch Oddset gespielt, oder was?") zu Det die Düse weitergeleitet. Diese schickt den tödlichen Paß aus der Tiefe des Raumes zum rechten Flügelflitzer Heino, der aber ohne Sonnenbrille keinerlei Reaktion zeigt. Einwurf für die Augsburger "Marionetten": Kaschi das Kampfschwein wirft zu Robben-Nobbi, der direkt weiterlenkt zu Eisenfuß Rickmers. Von dort wandert das Leder in traumwandlerischer Sicherheit wie dereinst beim Schalker Kreisel weiter zu Baby Jane, die Leder-Leo ins Spiel bringt. Leder-Leo trickst Sir Hilary aus und schickt Atze Anarky auf die Reise. Eine scharfe Flanke von links, das Kopfballungeheuer Few Masters steigt hoch und schmettert das Runde ins Eckige! Tormann Werderaner und Vollgas-Willi liegen benommen am Boden. 0:1 ! Die Augsburger laufen jubelnd auf den Doc zu! Auf den Zuschauerrängen spielen sich unbeschreibliche Szenen ab! Wildfremde Menschen und Pudel fallen einander um die Hälse!

Doch der Kampfgeist der TUIs ist ungebrochen. "Wir
schneiden Euch Holzpuppen die Fäden ab!" drohen sie den Augsburgern voller Wut! "Sportsgeist, meine Damen und Herren!" ermahnt Reggae-Gandalf die erhitzten Gemüter. "Bedenken Sie! Es geht hier doch nicht um Leben oder Tod!" - "Stimmt genau! Es ist viel ernster!" höhnt Kaschi das Kampfschwein und schnüffelt kurz an seinem ölverschmierten Arbeitshemd. "Die dopen!" brüllt Ninschen dazwischen. Doch der Schiri hat längst wieder angepfiffen. Arnie, genannt "Der Professor", hat sich den Ball geschnappt, stößt alles beiseite, was sich ihm in den Weg stellt und trifft mit voller Kraft - den Kunstrasen. Laut aufheulend humpelt Der Professor zur Seitenlinie, um sich von Ona verarzten zu lassen. Fortan müssen die Werderanier nur noch mit zehn Spielern agieren. "Wir stellen um! Scarlet geht allein nach vorne! Laß Dir vom lieben Gott helfen! Und Heino macht den letzten Mann!" gibt Mannschaftskapitän Werderaner taktische Anweisungen. Doch es gibt Ärger im Team: "Ich bin nicht der letzte Mann! Nein! Bin ich nicht!" protestiert Heino energisch. "Na gut, biste eben Ausputzer!" - "Ich mach' ja alles, wenn ich nur nicht der letzte Mann bin!" lenkt Heino ein. Doch da greifen die "Marionetten" schon wieder an, mit der gefürchteten Roll-Roll-Taktik. Vollgas-Willi, Tom der Töter und Det die Düse haben hinten alle Hände voll zu tun, um einen höheren Rückstand zu verhindern. Löwen-Paula und St.Pauli-Kat werden zum Chancen-Tod. Die Grün-Weißen, vor allem Hannelore, Det die Düse, Scarlet und Ninschen, kämpfen wie ein Mann! Mitten in die Abwehrschlacht hinein schlägt Cessnaritter einen langen Befreiungsschlag weit in die gegnerische Hälfte. Det die Düse kann den Ball ersprinten, Jedi-Klaus springt ihr entgegen - und an ihr vorbei. Kaschi das Kampfschwein rast von hinten heran, grätscht - jedoch ins Leere ... Es steht 1:1 ! "Schiri, Du toter Vogel! Das war Stürmerfoul! Wie blind bist Du eigentlich?" Löwen-Paula ist kaum noch zu bändigen. Baby Jane und die Gräfin müssen sie vom Schiedsrichter abdrängen. Die Zuschauer, mehrheitlich Marionetten-Fans, drohen den Platz zu stürmen! Als jedoch der zuschauende Vierbeiner die sich anbahnende Katastrophe intellektuell erfaßt, rast er aufs Oberdeck und kläfft, was das Zeug hält. "Harry, dieser Pudel ..." - "Glaubst du, Stephan?" - "Ja, Harry!" - "Dann mal los, Harry!" - "Ja, Stephan. Dann nichts wie los!"


Der Prinz
schreckte auf, Anna Nümosia sah ihn besorgt an. "Du hast laut geschrien, mein Lieber! Immer wieder 'Werderania vor, noch ein Tor'. Malko, ich mache mir Sorgen!" "Das mußt Du nicht", sagte Malko und lehnte sich wieder zurück. Er schloss wieder die Augen. Mal sehen, wie es weiter geht...

 

 

184. Folge: Der Traum des Prinzen [2. Teil] (von Baby Jane)

In seinem Deckchair döste der Prinz allmählich ein. Die prächtigen Bilder der jungen, strammen, braungebrannten Menschen, die an Deck des Schiffes dem Ballsport frönten, tauchten in seinem Traum wieder auf. Malko wunderte sich noch kurz, dass aus den Leuten, die er bislang als gemütliche Internetuser und fitness-phobe Fernsehfreaks gekannt hatte, so sportliche Recken geworden waren. Dann fiel er in Tiefschlaf. Ein Pfoff aus Reggae-Gandalfs Trillerpfeife: Halbzeit.

Er
schöpft und verschwitzt verließen die Spieler das Feld. Scarlet hatte Mühe, Professor Schwarzenegger abzuwehren, der unverzüglich einen Leibchentausch vornehmen wollte. "No no, Halbzeit, too early, Arnold. Leibchenwechsel later, later!" - Scarlet entfernte die Hände des Gouvernators mit Mühe von ihrem Shirt. Ihre MannschaftskollegInnen grinsten.

Dr. Few Master untersuchte Heinos weißes linkes Schienbein, das ein Bluterguss bläulich zu verfärben begann. Willi starrte mit
schreckensweiten Augen auf den unschönen Fleck. Warum musste dieser Sänger so leiden? Aber Leid, so dachte Willi bei sich, war ja sehr oft die Quelle, aus der die große, ja, die größte Kunst entsprang.

Der Rest der beiden Man
schaften saß am Boden am Rand des Spielfeldes. Man sprach wenig, denn man war außer Atem. Onas Catering-Team verteilte kühle Drinks. Baby Jane schwitze, wie seit langem nicht mehr. So viel hatte sie sich im gesamten letzten Jahr nicht bewegt. *g*

Da mahnte Ka
schi bereits wieder, sich zu erheben. Man versammelte sich um ihn, um sich vor der zweiten Spielhälfte noch taktische Tipps geben zu lassen. Ein letztes Mal erklärte Kaschi den Damen die Abseits-Regelung in einfachen Worten. Dann liefen beide Mannschaften ein.

 

 

184. Folge: Der Traum des Prinzen [3. Teil] (von Kaschi und Paula_Tracy)

"Sag mal, Harry..." - "Ja, Stephan?" - "Ob sie uns glauben, daß wir Harry und Stephan sind?" - "Bestimmt, Stephan!" - "Wo wir doch in Wirklichkeit gar nicht Harry und Stephan sind!" - "Aber wir sehen aus wie Harry und Stephan!" - "Ja, Harry! Wir sehen aus wie Harry und Stephan! Aber das wir nicht Harry und Stephan sind, das wissen sie nicht!" - "Stimmt, Stephan! Sie wissen es nicht!" - "Keiner weiß, daß wir in Wirklichkeit blinde Passagiere auf der Werderania sind und Fritz und Horst heißen, Harry!" - "Stimmt, Stephan! Keiner weiß das!" - "Und jetzt laß uns zum Fußball gehen, Harry!" - "Ja, Stephan! Laß uns zum Fußball gehen!"

 

Als Harry, Stephan und der Pudel das Spielfeld erreichen, ist die zweite Halbzeit längst angepfiffen. "Du Harry?" - "Ja, Stephan?" - "Die spielen ja schon wieder, Harry." - "Ja, Stephan, die spielen schon wieder." - "Also brauchen wir nicht mehr einzugreifen, Harry?" - "Nein, das brauchen wir nicht, Stephan."

In diesem Augenblick hat sich Vollgas-Willi durchgetankt: "Ein Vollblutstürmer muß dahin, wo es besonders weh tut!" Und richtig: die Gräfin fällt den Sturmtank direkt an der Strafraumgrenze! "Elfer! Schiri! Elfer!" brüllen die TUIs. Doch Reggae-Gandalf pfeift nur Freistoß. Ka
schi das Kampfschwein und Robben-Nobbi bilden eine Zwei-Mann-Mauer. Cessnaritters Vollspannschuß landet da, wo es besonders weh tut. "Bravo! Weiter so!" tönt Der Professor, der immer noch an der Seite zwischen den Sanis am Boden liegt. Doch St.Pauli-Kat leitet mit einem blitzgescheiten raumgreifenden Paß den Konter über Baby Jane ein, die Tom den Töter aussteigen und Sir Hilary ins Leere laufen läßt. Frei vor Werderaner lupft sie das Leder über den grünweißen Kasten! "Üben! Üben! Üben!" höhnen die wenigen TUI-Fans von den billigeren Sonnenstühlen. Werderaner atmet tief durch, stößt ab zu Scarlet. "Trikottausch!" ruft der gerade wieder ins Spiel gekommene Professor ihr nach. Als Leder-Leo Scarlet dann auch noch den Ball an der Seitenlinie vom Fuß spitzelt, setzt die aufgebrachte Scarlet an zum Sliding Tackling, trifft aber weder Ball noch Leder-Leo, sondern Den Professor an der Seitenlinie, der laut schreiend von den Sanis wieder vom Platz getragen wird. Scarlet erhält die gelbe Karte! Freistoß für die "Marionetten": Löwen-Paula spielt zurück zu Eisenfuß "Rio" Rickmers, der weiter zu Atze Anarky. Dieser dribbelt höchst leichtsinnig am eigenen Strafraum und wird prompt von Nöle-Ninschen vom Ball getrennt. "Paß doch auf, Du Leichtmatrose!" Nöle-Ninschen läuft frei auf Jedi-Klaus zu, doch zögert so lange, bis Robben-Nobbi ihr gekonnt in die Parade fährt. Det die Düse reklamiert: "Rote Karte, Schiri!" Doch das Spiel geht weiter. Kaschi das Kampfschwein treibt seine Mannen mit immer neuen Sturmwellen in die gegnerische Hälfte. Doc Few Masters, der Bomber von Moskau, schießt aus allen Rohren. Doch die Abwehr der Grünweißen kämpft mit letzter Kraft verzweifelt und aufopferungsvoll, als ob's kein Morgen gäbe, stemmt sich den immer drückender werdenden Angriffen der "Marionetten" entgegen. Immer wieder schallt ein markerschütterndes "Roll-Roll!" über den Platz! Aber Werderaner im Tor flucht und schimpft, springt, schimpft und flucht, hechtet, flucht und schimpft, faustet, schimpft und flucht ... doch bezwingen läßt er sich nicht! Plötzlich springt Arnie Der Professor von der Bahre zurück ins Spielfeld, erwischt einen Abpraller, gewinnt einen Preßschlag gegen die Gräfin, stößt die im Weg stehenden Heino und Hannelore beiseite, umspielt drei "Marionetten" und auch noch ihren Torwart Jedi-Klaus, ist allein vorm gegnerischen Kasten und - bricht vor lauter Anstrengung zusammen! Spieler und Zuschauer sind entsetzt! Vor ihren Augen verglüht Arnold Schwarzenegger ...

Schweißgebadet wachte der Prinz auf.

Anna Nümosia war nun wirklich aufs höchste alarmiert! "Malko, ja mei, was ist denn los mit Dir?" "Arnie!" keuchte Malko. "Arnie, er ist... er ist..." "Geh, was Du mit dem Schwarzenegger hast!" "Er ist einer von Ihnen!" Malkos Augen waren weit aufgerissen, er war leichenblaß, der Schweiß stand ihm auf Stirn und Oberlippe. Mickey und Hannelore betrachteten ihn fasziniert. "Sie wollen uns untertan machen! Arnie ist... Er ist ein Weganer!" Mickey beugte sich interessiert vor. Auf dem Schiff hatten ihm Pete Morgan und Kaschi mal von einer Uralt-Serie erzählt, die "Invasion von der Wega" hieß (nicht, dass es ihn interessierte, er mochte ja Comedys lieber). Die Weganer (Fremde Wesen aus dem Weltall) verglühten, wenn sie starben. Und sie traten in Menschengestalt auf und lebten meist als Lehrer auf der Erde. Aber Arnie war doch kein Lehrer, oder? Er war Gouverneur von Kalifornien! Aber das war ja noch schlimmer. Er mußte sofort den Präsidenten der Vereinigten Staaten informieren - er stand auf, doch Malko hielt ihn zurück und lächelte etwas schwach. "Schon gut, kein Arzt nötig", meinte er. "Es war wohl nur ein Traum. Aber was für ein Traum!" Enttäuscht legte sich Mickey wieder in den Liegestuhl. Naja, war ja auch mehr als unwahrscheinlich gewesen. Aber schön wäre es doch gewesen, wenn er als Held die Menschheit hätte retten können! Vielleicht hatten Pete Morgan und Kaschi doch recht, wenn sie sagten: "Sie sind noch immer unter uns!"