13. Staffel

 

 

 

185.[a] Folge: Die "Meister"feier (von Scarlet)

Während das Fußballmatch in der Träumen des luxemburgischen Prinzen an Dramatik kaum zu überbieten war, spielte es sich in der Realität an Bord der Werderania doch nicht ganz so spektakulär ab.
Die Herren boten ohne Zweifel ein solides Spiel und wenn es mit rechten Dingen zugegangen wäre, so hätte die Partie mit einem Unent
schieden geendet. Doch die rot-weißen schafften es, einen harmlosen Zusammenstoß mit einem Spieler der gegnerischen Mannschaft im Strafraum so hinzustellen, als wäre es ein böses Foul, sodass Reggae-Gandalf einen Elfmeter für die Werderaner gab. Allen war klar, was Kaschis Mannschaft damit bezwecken wollte, es war sozusagen das Geburtstagsgeschenk für den Reeder …
So kam es also, dass in letzter Minute dieses legendäre Spiel an Bord der Werderiana durch einen Elfmeter, den der Reeder höchstpersönlich ins linke Kreuzeck versenkte, ent
schieden wurde. Der Endstand lautete 4:3 für die grün-weißen.
Die Anhänger der siegreichen Mann
schaft hielt es nicht länger auf den Plätzen. Sie sprangen auf und fielen sich vor Freude um den Hals. Es wurde „We are the Champions“ gesungen, wie das am Ende eines jeden Matchs üblich ist. Der Gesang wurde nur von einem markerschütternden „Tooooor, Toooor, Toooor!!! I werd’ narrisch!!“ übertönt. Wer seiner Freude solcherart Ausdruck verlieh, war nicht ganz klar, der Schrei kam aber eindeutig aus der Ösi-Ecke.
Auch die rot-weißen feierten Ausgelassen. Zwar haben sie nicht das Spiel gewonnen, aber in gewisser Weise waren sie doch die morali
schen Sieger.

Es wurden einige Fla
schen Sekt zu Ehren der Sieger geköpft und man ließ den Torjäger H.G. hoch leben. Dieser ließ sich sogar zu einem Samba hinreißen, den er wahrlich wie ein Vize-Weltmeister absolvierte. Es hatte sich wirklich ausgezahlt, dass er bei der letzten WM die Tänze der Siegernation eingehend studiert hatte. Man stelle sich vor, Deutschland wäre 2002 Weltmeister geworden, wie deplatziert würde hier an dieser Stelle ein Marsch wirken…

 

 

185.[b] Folge: Sei jedem Abschied voraus (von Baby Jane)

An Deck war es merkwürdig ruhig geworden. Ja, man hatte den Reeder hochleben lassen. Ja, man hatte perlendem Sekt zugesprochen und barfuss den Samba getanzt. Und ja, die Nachmittagssonne warf immer noch ihr warmes, freundliches Licht auf unseren stolzen Segedampfer, der unbeirrbar Kurs auf New York nahm. Und doch schien sich - wie ein erster kühler Wind, ein Vorbote des herannahenden Herbstes - ein Hauch von Melancholie über die Passagiere und die Crew der Werderania gelegt zu haben.

Einige Damen und Herren hatten sich um Fi
schkrepp geschaart, der eine Seekarte auf einem Tisch ausgebreitet hatte und mit Hilfe eines Füllers den Punkt im Atlantik markierte, auf dem sich der Segeldampfer im aktuellen Moment befand. "Gut Dreiviertel unserer Überfahrt haben wir hinter uns", murmelte der Seebär. Gräfin Ermakowa hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt. Fischkrepp ergriff sie und drückte sie tröstend. "Wir hatten guten Wind ...", sagte er und rückte seine Mütze etwas tiefer in die Stirn.

Miss Tracy stand neben Dr. Few Master an der Reeling. Die beiden schwiegen und starrten Richtung Horizont, wo in wenigen Tagen die Freiheitsstatue auftauchen würde, das Symbol für das Ende der gemeinsamen Reise. Ihrer aller gemeinsamen Reise. Few Master räusperte sich, und auch Paula Tracy spürte einen Kloß im Hals. Man hatte einander hier an Bord doch so liebgewonnen ... sich gegenseitig mit all den Macken und Eigenheiten zu schätzen gelernt. Ja, man hatte sich aneinander gewöhnt.

Fräulein Det und der junge Forenmann saßen dicht nebeneinander am Pool und ließen die Beine ins Wasser baumeln. Det summte ein leises, langsames Lied, der Corporationdelegierte stimmte in ihre Weise mit ein.

Reggae-Gandalf war aus seiner Kabine gekommen und setzte sich mit seiner (Heinos) Gitarre in einen Deckchair. Mit "Somewhere Over the Rainbow" begleitete er Det. H.-G. Werderaner verbeugte sich vor Scarlet: "Darf ich bitten?" Scarlet nickte, und beide begannen sich im Takt der Musik zu bewegen. Scarlet legte ihren Kopf auf die Schulter des Reeders. Wenn dieser Tanz doch ewig dauern könnte ...

Falk Rickmers stand am Steuerrad und hielt das Schiff auf Kurs. Kat saß nur wenige Meter entfernt - ihr Blick
schweifte vom Meer auf Rickmers und wieder zurück. "New York kann warten", dachte sie, "New York kann warten ..."

Deckard, Baby Jane und Yeti-Klaus saßen traurig in einer österreichi
schen Ecke. "Wie schade, dass die Reise bald zu Ende geht", flüsterte Deckard, und Baby Jane begann bei diesen Worten sofort zu schluchzen. Yeti-Klaus, der selber mit den Tränen zu kämpfen hatte, schenkte hilflos allen Wein nach. Was sollte aus ihnen allen werden, in New York? So groß war diese Stadt, ganz anders als Graz oder Wien oder Innsbruck. Würde man sich dort je zurechtfinden?

Auch Willi
schien das herannahende Ende der Reise zu schaffen zu machen. Er nahm Heino dessen Brille ab, putze sie sorgfältig und setzte sie dem Barden wieder auf die Nase. Wer weiß, wie oft er ihm noch diesen kleinen Freundschaftsdienst tun konnte. Danach wischte er sich mit seinem Stofftaschentuch eine dicke Träne aus den Augen.

Möwe Laura zog, weit oben am Himmel, eine mächtige Runde über die Masten der Werderania, unseres treuen Schiffes, das die mit geblähten Segeln Kurs auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hielt. Laura stieß mehrmals einen Möwen
schrei auf, der jedem auf der Werderania durch Mark und Bein ging. Denn mit dem untrüglichen Instinkt eines Vogels wusste sie: Land war in Sicht.

 

 

186. Folge: Happy birthday to you (von Scarlet)

Mitten in diese melancholische Atmosphäre hinein erklang plötzlich in voller Lautstärke die ‚Prélude’ aus George Bizets ‚Carmen’ aus dem CD-Spieler. Die Menschen, die gerade noch ihren wehmütigen Gedanken nachhingen, drehten sich schlagartig um, um die ‚Lärm’quelle zu identifizieren. Wie schon so oft, war es Ona, die die Situation rettete. Sie hatte erkannt, dass die Stimmung zu kippen drohte und das passte doch gar nicht zu einer Power-Geburtstags-Party á la H.G. Werderaner! Deshalb hatte sie die Stereoanlage eingeschaltet. „So Leute, alle mal herhören!“ rief die Köchin in die überraschte Menge und schaffte es dabei doch tatsächlich, die Musik zu übertönen! „Es ist so weit! Jetzt kommt die Geburtstagstorte!“ Die Türe zum Unterdeck flog auf und heraus kamen Anarky und Smartie, die gemeinsam eine schwere, vierstöckige Torte auf den Buffettisch stellten. Einige der Damen und Herren hatten am Nachmittag eifrig bei der Herstellung dieses Kunstwerkes mitgeholfen. Jede Etage war eine andere Torte, sodass wirklich für jeden Geschmack etwas dabei sein würde. Zum Beispiel hatte Miss Scarlet die Sachertorte (2. Stock!) beigesteuert, da sie wusste, dass der Cessnaritter die gerne mochte und der Reeder selbst noch die eine solche Torte gegessen hatte. Wer weiß, vielleicht würde er ja noch einsehen, dass nicht alles schlecht war, was aus Österreich kam.

Paula Tracy stand auf dem Podest neben der Bar, neben ihr stand Reggae-Gandalf mit seiner (Heinos) Gitarre. Paula klopfte mit einem Messer, an das Sektglas, das sie in der Hand hatte. Gandalf räusperte sich laut und sehr auffällig, so dass bald alle Gespräche verstummten und sich die Aufmerksamkeit aller auf die beiden konzentrierte. Paula ergriff das Wort: „Zu Ehren unseres Reeders haben Reggae Gandalf und ich etwas vorbereitet: ein Duett!“ Paula sah zu Gandlaf, nickte und er begann auf der Gitarre zu spielen. Es war wirklich ein wunder
schönes Duett. Zu der Melodie von Stevie Wonder’s ‚Happy Birthday’, sangen die beiden einen Text, denn Paula für H.G. Werderaner umgeschrieben hatten. Zwar musste Gandalf hin und wieder auf den Textzettel schauen und auch wenn er einen Ton einmal nicht ganz genau traf, das machte er durch die Lautstärke wieder wett. Die Passagen, die ja alle kannten, sangen auch alle mit. Schließlich ließ das Duo den Song mit ‚Happy birthday to you Happy birthday to you Happy birthday …’ ausklingen. Ein tosender Applaus setze ein und der Reeder stürmte überwältigt auf die Bühne, um den beiden Sängern zu danken.
Und noch während werderaner beteuerte, wie gut ihm die Feier bisher gefallen würde, ergriff Det das Mikrofon.
„ Hallo? Hallo? Sprechprobe! 1,2,3…“ Alle Anwesenden sahen aufmerksam zu Det. „ So Liebe Partygäste, jetzt geht’s los, jetzt seid ihr dran!“ Die Gratulanten einander fragend an. Was meinte Det bloß? Was würde jetzt passieren. „Heino und Willi haben die musikali
sche Gestaltung der Feier übernommen und sie hatten eine gute Idee: ihr sollt alle auch Euren Teil zu der Party beitragen! Und zwar haben sich die beiden folgendes ausgedacht: Ihr schreibt jetzt alle Euren Namen auf einen Zettel und bringt diese Zettelchen hier her zu mir und werft sie in diesen Behälter.“ Det deutete auf eine neben ihr stehende leere Bowle-Schüssel. „Danach machen wir eine Ziehung. Es sollen zehn Namen gezogen werden und in der gezogenen Reihenfolge sollt ihr dann etwas zum Besten geben, was, das bleibt euch selbst überlassen. Ich denke, es ist klar, wie das ablaufen soll. Also, dann los! Und Schummeln gilt nicht!“ Det legte das Mikrofon aus der Hand und mischte sich unter das Schiffsvolk, das aufgeregt miteinander tuschelte und beratschlagte. Die Arzthelferin teilte Zettel aus und schrieb als gutes Vorbild als erste ihren Namen auf einen der Zettel und warf ihn in die Glasschüssel.
Einige überlegten eifrig, was sie im Falle einer Ziehung machen wollten, andere wiederum hofften inständig, dass dieser ‚Kelch’ an ihnen vorüberziehen würde…

 

 

187.[a] Folge: Das Ende der Feier? [1. Teil] (von Paula_Tracy)

Während die meisten Passagiere und auch die Crew ganz aufgeregt wegen der bevorstehenden Auslosung waren, schien Yeti-Klaus etwas wichtiges eingefallen zu sein, er sprang auf und ging eilig zum Kapitän, der gar nicht begeistert dreinschaute, als er ihm sein Anliegen schilderte. Baby Jane schaute gespannt zu. Was wollte Klaus nur von Falk? „Natürlich kann ich das“, Falk kratzte sich am Ohr. „Aber wir haben doch einen Geistlichen an Bord, wäre das nicht passender?“ „Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn Sie es machen würden“, Yeti-Klaus sah den Kapitän flehend an. „Es wäre so eine Art Einverständniserklärung und Abschluss.“ „Na gut“, nickte Falk. „Am letzten Abend an Bord dann, einverstanden?“

Auch die Gräfin hatte im Grunde keinen rechten Sinn zum Spielen, zu überwältigt war sie noch von den Vorkommnissen des Nachmittags. „Ich kann es noch gar nicht glauben!“ Sie sah ihren Danilo an. „Niemals hätte ich damit gerechnet, dass Du noch leben könntest! Ach Danilo!“ Tröstend strich ihr Fi
schkrepp übers Haar. Ja, sie war seine Frau, das spürte er. Aber es würde wohl noch Wochen und Monate dauern, bis er alles verstanden hatte, was in den letzten Jahren mit ihm passiert war. „Ich sollte vielleicht einmal mit dem Doktor sprechen“, meinte er und stand auf. Helli erschrak. „Nein, Danilo, nein!“ Von der Lautstärke und Heftigkeit ihrer Reaktion überrascht, blieb Danilo stehen. „Aber ich denke, er kann uns helfen – er kann uns doch bestimmt eine Art Therapie...“ Doch Helli hörte gar nicht zu, was ihr Mann sagte, sie klammerte sich an ihn und wimmerte. „Ich konnte doch nicht wissen, dass er hier auf dem Schiff sein würde! Das musst Du mir glauben! Ich habe ihn auch seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Ich habe ihn nie geliebt, Danilo, niemals! Aber er ist schuld, dass Ninschen verschwunden ist! Er ist schuld an allem!“ Danilo sah sie verständnislos an, doch Helli sprach weiter. „Der Doktor – ich schwöre Dir, ich habe ihn seit damals niemals mehr wieder gesehen. Es ist Zufall, dass wir uns hier getroffen haben, Danilo...“ Jetzt verstand Danilo. „Der Doktor?“ flüsterte er. „Der Doktor – dein Liebhaber? Few Master war Dein Liebhaber?“ An Deck hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Det hatte den Topf mit den Losen auf den nächsten Tisch gestellt. Was würde jetzt geschehen?

Nur Dr. Few Master, der etwas weiter entfernt an der Reling stand und noch immer ganz begeistert war von dem wunder
schönen Gesangsvortrag, merkte nicht, welches Unheil sich hinter seinem Rücken zusammenbraute...

Tapetchen hatte der neuen Auszubildenden eine Suppe aus der Küche gebracht. Doch statt dankbar zu sein, fragte die nur: „Wieso kann ich nicht an Deck? Hey, ich hab keine Lust, hier allein zu hocken? Warum können Sie mich nicht heute abend vorstellen? Ach, wieso frage ich überhaupt? Ist ja wohl kein Sklaven
schiff, oder?“ Und damit stellte sie den Suppenteller auf den Tisch zurück und stürmte aus der Kabine, ein ratloses Tapetchen zurücklassend.

 

 

187.[a] Folge: Das Ende der Feier? [2. Teil] (von Paula_Tracy)

Alle sahen sich um. Wo war Mr. Butermaker? “Der ist mal wieder in der Kabine”, grinste Pete Morgan. „Der alte Stubenhocker kann sich mal wieder nicht vom Fernseher trennen.“ Kaschi lachte. „Das sagt der richtige! Pete, Du hast bestimmt gehört, dass es heute abend noch eine Misswahl an Bord gibt, nur deshalb hat’s Dich doch an Bord verschlagen, oder?“ „Misswahl?“ Der sonst so zurückhaltende Mr. Morgan wurde ganz aufgeregt. „Woher weißt Du das?“ „Willi“, sagte Kaschi nur. „Du kannst es ja nicht wissen, Pete – aber unser Schiffsjunge ist eine wandelnde Bildzeitung. Ich hoffe nur, er konnte den Damen gegenüber den Mund halten. Nur Det ist eingeweiht. Wir spielen dieses Spielchen eine Weile, und irgendwann hat dann einer die Aufgabe, eine Misswahl zu organisieren. Hoffentlich ist es nicht direkt Butermaker. Der kann so was nicht.“ Falk Rickmers schlängelte sich zu seiner Sekretärin vor, die mit einem pummeligen Mädchen zusammen stand. Irritiert sah er das Mädchen an. Ein Passagier, den er noch nicht kannte? Oder ließ ihn sein Gedächtnis im Stich? Sie erinnerte ihn an jemanden, aber an wen? Na, egal – jetzt musste erst mal Butermaker her. „Tapetchen, tun Sie mir den Gefallen und holen ihn aus der Kabine – bevor die Stimmung wieder umschlägt“, meinte er. „Bin ja schon froh, dass der Doktor und Fischkrepp nicht da sind.“

„Du bleibst da“, sagte Tapetchen zu dem Mädchen. „Am besten, Du sprichst mit niemandem, dann fällt es vielleicht gar nicht auf. Ich stelle Dich dann auch gleich den anderen vor.“ Snupi Krokodilchen, wie sie sich nannte, zuckte mit den Schultern. Interessiert sah sie sich um. Wo war sie hier nur gelandet? Auf der Ovela gab es ja
schon merkwürdige Typen, aber das hier schlug alles.

Während Tapetchen sich auf den Weg zu Mr. Butermakers Kabine machte und BUG beruhigend auf den Grafen Danilo einredete, war in der Krankenstation ein Streit zwi
schen Paula und den Doktor ausgebrochen. Warum? Das verstand der Doktor auch nicht – Frauen dachten viel zu kompliziert, waren zickig und machten aus einer Mücke einen Elefanten. Er hatte eigentlich gedacht, Paula sei anders. Offensichtlich war es nicht so, denn die Diskussion endete damit, dass ein verständnisloser Doktor zurückblieb, und eine heulende Paula die Tür hinter sich zuknallte. Unterwegs zu ihrer Kabine traf sie Baby Jane, die ein Nasenspray für den verschnupften Yeti-Klaus besorgen wollte, und der sie ihr ganzes Elend schilderte. Baby Jane war voll des Mitleids und verstand die Freundin gut. „Es ist vielleicht besser, Ihr macht Schluss, bevor es überhaupt anfängt“, sagte sie. „Aber sagtest Du nicht, Du hättest Dich schon so an ihn gewöhnt?“ „Das ist doch kein Grund, um bei jemandem zu bleiben“, weinte Paula. „An seine Vergangenheit werde ich mich nie gewöhnen.“ Baby Jane wurde nachdenklich. Hatte Paula nicht recht? Stand sie nicht auch vor einer wichtigen Entscheidung und traf diese aus den völlig falschen Gründen? Gab es nicht auch für sie noch Leidenschaft und Abenteuer statt Beständigkeit und ... Langeweile? Nein, nicht Yeti-Klaus war langweilig, aber die Beständigkeit... Und nun hatte sie auch noch eingewilligt, ihn endlich zu heiraten. Wie kam sie da nur wieder raus? Kam sie überhaupt da raus?

Auch Patricia und Nobbi führten eine Grundsatzdiskussion über ihre Beziehung in ihrem kleinen U-Boot. „Ich glaube, mein lieber Nobbi, es ist ein Zeichen“, sagte Patricia immer wieder. „Wir sollen einfach nicht heiraten. Erst meine Betäubung, dann Dein Sonnenbrand. Das ist Schicksal. Wir beide sollten erst einmal zu uns selbst finden. Eine Therapie machen – ich habe bereits einen Kurs in Seaworld gebucht, Leben und Arbeiten mit Delphinen.“ „Für mich auch?“ fragte Nobbi. „Ich würde lieber mit Ka
schi einen Ausflug ins Monument Valley machen. Pete Morgan und Werder wollen auch mitkommen. Wilder Westen inklusive sozusagen.“ Patricia lächelte ihn an. „Siehst Du, mein lieber Nobbi – es beweist, dass wir uns erst mal trennen müssen, um wieder zu einander zu finden.“

Die anderen an Deck ahnten natürlich nicht, welche tiefgreifenden Ent
scheidungen unter Deck und im U-Boot getroffen wurden, denn das hätte sie tief beunruhigt. Letzten Endes war das Ende der Novela in Sicht, und Novelas gehen doch immer gut aus, oder? Gab es noch eine Hochzeit an Bord? Würden Scarlet und Werderaner, Falk und Kat, Det und Henning, Kaschi und Leo, Xhosa und Tom sich auch noch streiten? Würden die Gräfin und ihr Danilo endgültig wieder zusammen finden, oder war es schon zu spät für sie? Es konnte doch unmöglich sein, dass ausgerechnet Prinz Malko und Anna Nümosia das einzige glückliche Paar sein würden, oder?

Bleiben Sie dran! Die Ent
scheidung ist nahe wie nie! So viele offene Fragen! Die nächsten Folgen werden alle im Hauptabendprogramm auf ARD, ZDF, SAT1, RTL, ORF 1 und ORF 2 ausgestrahlt – natürlich zeitgleich und moderiert von Deutschlands Show-Elite (bei SAT 1 und RTL nur unterbrochen von Interviews mit B- und C-Prominenten, die ihre Meinung zum Ausgang der Telenovela erzählen, obwohl das niemanden interessiert, was die denken).

 

 

187.[b] Folge: Der Anfang vom Ende der Party (von Baby Jane)

Mr. Butermaker erschien, in einem eierschalenfarbenen Leinenanzug, verschlafen im hellblauen Salon, in dem das Spiel stattfinden sollte. Unter'm Arm trug er, deutlich für alle sichtbar, einen Stoß Premiere-Fernsehzeitschriften. Det erkärte ihm den Ablauf des Spiels erneut, da er die ersten drei Male nicht aufgepasst oder nichts verstanden und von etwas völlig anderem zu reden begonnen hatte.

Geistesabwesend setzte sich Mr. Butermaker auf den Stuhl, den man auf ein kleines Podest gestellt hatte und gähnte. Er blickte ins Publikum hinunter. Gut, einige Gesichter waren ihm in den vielen Tagen auf dem Schiff
schon einmal untergekommen, das wollte er gar nicht leugnen. Aber er konnte den Gesichtern keinen Namen zuordnen. Die Damen sahen sich alle irgendwie ähnlich, vor allem die über 35 - er konnte sie kaum unterscheiden. Sie waren sich auch von der Art her sehr ähnlich. Ihre Gespräche interessierten ihn kaum. Es ging doch nur um Lippenstifte, Wimperntuschen und Beziehungskisten. Butermaker aber liebte Gespräche mit echten Kerls über echte Themen: Autos, Sport, Technik.

Unter den jüngeren weiblichen Passagieren hatte er freilich die eine oder andere Süße geortet. Aber interessiert hatte ihn auch keine wirklich. Butermaker gähnte erneut.

Miss Deckard trat mit dem Mikro zu ihm, um ihm die Aufgabe, die man gemeinsam für Butermaker erarbeitet hatte, zu präsentieren. Dieses Gesicht hatte er noch nie gesehen, dachte er bei sich. Die konnte doch noch nicht lange an Bord sein. Aber sehr
schlank war sie! Überhaupt kamen Mr. Butermaker in letzter Zeit alle Menschen so wahnsinnig schlank vor, ja richtig dünn und groß gewachsen. Auf seinem Breitbildfernsehschirm waren die Menschen ... nun, fülliger, etwas in die Breite gezogen. Nicht verzerrt, nein, so würde Butermaker es nicht nennen. Eher normal breit, ja, so konnte man sagen. Normal breit und sehr, sehr scharf.

Marjorie Deckard räusperte sich und begann die Aufgabe, die Mr. Butermaker ausführen sollte, mit nur ganz leichtem Wieneri
schen Akzent (Cessnaritter hatte nie etwas Verführerisches gehört, kam ihm vor) vorzutragen.

 

 

188. Folge: Daddy? (von Paula_Tracy)

„Warum kriegt der Butermaker eine Aufgabe?“ fragte Pete Morgan Kaschi. „Ich dachte, jeder kann sich aussuchen, was er macht. Ich habe mir auch schon was ausgedacht...“ „Na, der Butermaker hätte doch bestimmt höchstens was über das Premiere-Programm erzählt oder irgendwas frauenfeindliches. Das wollten wir nicht riskieren“, antwortete Kaschi. „Bei einigen haben Willi, Heino und Det was vorbereitet, damit es nicht zu sehr aus dem Ruder läuft. Bei Dir übrigens auch, Pete...“ Er grinste. „Wir hatten die Befürchtung, Du liest aus Deinem neuen Buch.“ Pete schwieg gekränkt. Genau das hatte er vorgehabt – er hatte drei Tage durchgeschrieben und den spannendsten Roman seines Lebens fertig gestellt. Aber bitte – wenn das keiner hören wollte! Dann konnte er nur hoffen, nicht gezogen zu werden.

Während Miss Deckard dem gelangweilten und gähnenden Mr. Butermaker das fünfte Mal die Aufgabe erklärte, hatte der Graf be
schlossen, seine Frau um eine Aussprache zu bitten. Pater BUG hatte versucht, dem Graf zu erklären, warum es manchmal unmöglich ist, jemandem die Wahrheit zu sagen. Wenn das sogar ein Geistlicher sagte! Vielleicht bereute Helli ja wirklich, was sie getan hatte? Irgendwie war ihre Freude, ihn gefunden zu haben, doch ehrlich gewesen, oder? Er musste es herausfinden. Und auch mit dem Doktor reden. Er hatte zwar den Eindruck gehabt, dass dieser mit Miss Tracy befreundet war, aber er war sich manchmal nicht sicher – zu lange war er von den Ereignissen an Bord ausgeschlossen worden. Warum nur hatte ihn keiner gemocht? Graf Danilo war ein beliebtes Mitglied des ungarischen Adels gewesen und auch in Hellis Heimat hatte man ihn sofort anerkannt und gemocht. Prinz Ernst August und Caroline z. B. hatten ihn regelmäßig eingeladen, wenn sie in Hannover waren. Oh, so langsam kam sein Gedächtnis zurück. Fast musste er ein wenig lachen, als er an seine letzte Prügelei mit Ernst August dachte. Pater BUG beobachtete seinen Kabinengenossen wohlwollend. Ja, er war auf einem guten Weg – und hoffentlich hatte er die Kraft und die Einsicht, seiner Frau zu verzeihen. Oh, und wenn jetzt noch die Tochter auftauchte, dann wäre es perfekt. Aber leider sind wir nicht bei „Wünsch Dir was“, dachte BUG. „Können Sie alleine gehen?“ fragte BUG. „Ich gehe gerne mit Ihnen und leiste Beistand.“ „Nein, es gibt Dinge, die muss man einfach allein machen!“ sagte Danilo und öffnete die Kabinentür. „Es gibt vielleicht Leute an Bord, die Ihren Beistand mehr brauchen als ich, Pater. Der Doktor z. B. – oder auch dieser Schwarzenegger. Ich habe keine Ahnung, Pater. Machen Sie sich keine Sorgen, ich will nur mit meiner Frau reden.“

Danilo atmete tief durch und sah auf die blaue See hinaus. Noch war kein Land am Horizont zu sehen, aber er wusste aus Erfahrung, dass dies sehr
schnell gehen konnte. Würde er die See vermissen? Ja, er würde! Er war kein Seemann aus Leidenschaft, sondern weil es das einzige war, das ihm geboten wurde, als er aus dem Koma erwachte. Trotzdem hatte es ihm Trost gegeben, an langen einsamen Abenden das Steuer auf der Brücke in der Hand halten zu können und die endlose See betrachten zu können. Und es war immer wieder ein überwältigendes Schauspiel. Er seufzte. Er musste zu Helli – sicher war sie in ihrer Kabine, sie konnte sich unmöglich jetzt mit den anderen Passagieren bei diesem albernen Spiel amüsieren.

An der Reling stand ein Mädchen, das ihn ein wenig merkwürdig musterte. „Zieh dir was warmes über, Nin
schen, Du erkältest Dich sonst“, sagte Danilo und ging weiter. Dann stockte er. Ninschen? Ninschen? Gaaaaaaanz langsam drehte er sich um. Das Mädchen starrte ihn fassungslos an. Danilo ging zurück und starrte ihm ins Gesicht. Sie war älter geworden, aber sie war eindeutig sein Ninschen. Seine kleine Tochter! Helli hatte ihn wieder angelogen! Sie hatte gesagt, dass Ninschen spurlos verschwunden war. In Wirklichkeit aber war sie hier an Bord. Was war er doch für ein Idiot! Ninschen starrte immer noch. Ja, irgendwie kam er ihr schon bekannt vor, vor allem die Stimme... Und woher wusste er ihren richtigen Namen? Was war das für ein Mann? Und wie er gesagt hatte „Zieh Dir was warmes über, Du erkältest Dich...“ Außer ihrer Mutter hatte das nur ein einziger Mensch gesagt. Oh Mann, sie hatte plötzlich einen ganz dicken Kloß im Hals – verdammt, sie war doch sonst so cool. Warum musste sie nur jetzt an ihren Dad denken? Der Typ hier sah ihm doch gar nicht ähnlich. Aber diese Stimme – und die Augen! „Daddy?“ fragte sie vorsichtig. „Daddy, bist Du das?“

Hätte die Gräfin geahnt, was sich oben an Deck abspielte, sie hätte nicht so ruhig bei Mr. Butermakers Vorstellung im Publikum gesessen. Und sie wäre auch nicht so elektrisiert gewesen, als der Kapitän die Ankunft eines Hub
schraubers ankündigte, in dem angeblich ein gewisser Harry Klein und ein junges Mädchen saßen, das er für ihr verschollenes Ninschen hielt.

 

 

189. Folge: Ein Anruf von Ede (von Paula_Tracy)

Mr. Butermaker hatte seine Aufgabe immer noch nicht verstanden, aber das war auch mittlerweile egal.

Als BUG den Anruf von Eduard Zimmermann bekommen hatte, dass ein pensionierter Kriminalbeamter namens Harry Klein unterwegs zur Werderania war – gemeinsam mit dem vermeintlichen Nin
schen – war er sofort auf die Brücke geeilt, wo der Kapitän ein paar leichte Kurskorrekturen eingab. Der Kapitän war nämlich ein wenig skeptisch, weil man immer noch paralell zur Ovela segelte, die ja nach Alaska fuhr. Wenn das Wetter klar war, konnte man die die Ovela sogar sehen. Das beunruhigte Falk Rickmers sehr. Er hatte die Navigation komplett Fischkrepp – äh, dem Grafen – überlassen, obwohl der immer offen zugegeben hatte, dass Navigation nicht seine Stärke war. Aber Falk musste ja sein Liebesleben ordnen! Wenn er nicht bald auf den richtigen Kurs kam, würde man genau wie die Ovela in Alaska landen oder aber mit erheblicher Verspätung (aber was machte das aus, man war ohnehin schon mehr als zwei Wochen zu spät) in New York einlaufen.

Der Kapitän seufzte. Eine aufregende Fahrt war das, die aufregendste seines Lebens bisher. Was war alles passiert! Er hatte die Frau fürs Leben gefunden und würde seine erste Frau in wenigen Tagen einem anderen Mann übergeben. Sein 1. Offizier hatte sich als ein Mitglied des europäi
schen Adels entpuppt, der 1. Schiffsjunge schnappte über wegen eines Sängers, der kalifornische Gouverneur war an Bord, sein Schiffsarzt sollte ermordet werden, der Schiffspianist war ein Bayer und sein Chefingenieur prügelte sich ständig oder spielte den Rosenkavalier. Und die Passagiere: nicht viel besser! Einer verrückter als der andere. Bis auf... Kat. Ein zärtliches Lächeln umspielte den markanten Mund des Kapitäns. Was für eine Frau! Am liebsten würde er ihr einen Heiratsantrag machen, doch er fürchtete sie zu verschrecken. Sie stand mitten im Leben, war eine erfolgreiche Werbetexterin und würde sich bestimmt nicht damit zufrieden geben, mit ihm durchs Leben zu segeln oder zu dampfen und seine Kinder zur Welt zu bringen. Ein Baby von Kat! Mit ihren blauen Augen, ihrem blonden Seidenhaar...

Er
schreckte auf. Der Pater stand neben ihm – wie aus dem Boden gewachsen. „Ich habe zweimal angeklopft, Kapitän“, entschuldigte sich BUG. „Ich hatte gerade einen Anruf einer Münchner Detektei. Offenbar hat man die Tochter der Gräfin gefunden. Ein Beamter wird in der nächsten halben Stunde mit ihr hier auftauchen. Wir sollten das Sonnendeck räumen, damit ein Hubschrauber landen kann.“ „Gehen Sie in den Blauen Salon“, Falk war sofort wieder bei der Sache. „Holen Sie Anarky, Mickey und Gandalf, die sollen das erledigen. Und sagen Sie der Gräfin Bescheid. Und dem Grafen natürlich!“

Aufgeregt, fast über den Saum seiner Kutte stolpernd, eilte BUG von dannen. Wie würde die Gräfin sich freuen! Und der Graf erst – bestimmt waren beide in ihrer Kabine und versöhnten sich gerade. Doch zuerst musste er Be
scheid geben, der Hubschrauber konnte jeden Augenblick landen!

 

 

190. Folge: Ninschen oder Snupi - Snupi oder Ninschen? [1. Teil] (von Scarlet)

Schnell war das Sonnendeck geräumt und schon bald traf der angekündigte Helikopter ein.
Alarmiert durch diesen Lärm liefen viele der Passagiere, unter ihnen auch Helli, aus dem blauen Salon, wo sich Butermaker noch immer nicht seiner Aufgabe gestellt hatte („Ist er so blöd, oder tut er nur so?“, hatte Ona Marjorie zugeflüstert, die ihm mit einer Engelsgeduld wieder und wieder seine Aufgabe erklärte.)
Gespannt sahen die Anwesenden auf den rot-gelben Hub
schrauber mit der Aufschrift ‚Medicopter 117’. Was war passiert? Gab es einen medizinischen Notfall hier an Bord? Hatte sich der Doktor womöglich doch mit dem Grafen geprügelt? Das wäre eine Erklärung! Der Graf hat den Doc ausgeknockt und daher musste man externe medizinische Hilfe anfordern.

Noch währen die Damen und Herren spekulierten, was vorgefallen sein könnte, öffnete sich die Türe des Hub
schraubers. Der Mann, der heraus kletterte, war aber kein Arzt. Moment, den kannte man doch! Na klar, das war doch dieser Typ, der Kriminalfälle im TV löste! Und er war nicht alleine, er hatte seinen Assistenten bei sich und gemeinsam mühten sie sich ab, noch eine dritte Person aus dem Flugzeug zu zerren, die sich anscheinend mit Händen und Füßen wehrte. Einer der Ermittler schien schön langsam die Nerven zu verlieren und brüllte die Person an: “Jetzt kommen sie schon Ninschen, machen sie doch nicht so ein Theater! Steigen sie schon aus!“ Die Gräfin, die sich im Hintergrund hielt und ihren eigenen Gedanken nachhing, zuckte merklich zusammen, als sie den Namen ‚Ninschen’ hörte.
Sie dachte, sie hätte sich verhört, als der Kapitän zuvor die Ankunft eines Hub
schraubers angekündigt hatte, in dem sich ein Mädchen namens Ninschen befinden sollte. Pater Bug, der ja ein Ermittlungsbüro beauftragt hatte, hatte ihr nichts davon gesagt, dass es schon Erfolge bei der Suche nach ihrer verschollenen Tochter zu vermelden gab. Aber sollte es doch nun doch wahr sein?
Helli versuchte sich einen Weg nach vorne zu bahnen. Der ältere Beamte versuchte mittlerweile den jüngeren Kollegen zu beruhigen: „Harry, lass gut sein, Nin
schen wird schon rauskommen.“ „Meinst du Stephan?“, fragte der jüngere verunsichert. „Ja, das meine ich, Harry.“
Inzwi
schen hatte sich die aufgeregte Gräfin bis an den Hubschrauber nach vorne durch die schaulustige Menge gekämpft und sie rief mit schriller Stimme immer und immer wieder: „Ninschen! Ninschen! Mein Ninschen! Mein süßes Pummelchen! Bis Du das?“

Das Rufen der Gräfin war auch auf der anderen Seite des Schiffes zu hören wo sich gerade Graf Danilo (alias Fi
schkrepp) und das Mädchen, dass sich bislang als Snupi Krokodilchen ausgab, weinend in den Armen lagen. „Oh, Daddy! Du bist es also wirklich! Ich dachte, Du seiest tot!“ schluchzte das Mädchen. Und auch der erste Offizier weinte und ließ seine für immer verloren geglaubte Tochter nicht mehr los: „Ich habe nicht damit gerechnet, Dich in meinem Leben je wieder zu sehen! Meine kleine Nini-Maus!“
Als die beiden die
schrille Stimme vom Sonnendeck hörten, die ständig nach Ninschen rief, sahen sich die beiden nur stumm an, es bedurfte keiner weiteren Worte. Vater und Tochter liefen Hand in Hand dorthin, woher die Stimme kam.

Als der Graf mit seiner Tochter am Sonnendeck ankam, stieg gerade ein bildhüb
sches, zierliches Mädchen aus dem Hubschrauber. Als die Gräfin, die von Harry gestützt wurde sie sah, brach Helli hysterisch weinend zusammen: „ Das ist nicht mein Ninschen!“, schrie sie. Das Mädchen, das soeben aus dem Flugzeug gestiegen war, brüllte aufgeregt den älteren und den jüngeren Ermittler an: „Das sage ich ihnen doch die ganze Zeit! Ich bin nicht Ninschen! Glauben sie mir jetzt? Wie ich ihnen schon tausendmal sagte: mein Name ist Snupi Krokodilchen!“ An die Gräfin gewandt sagte sie leise: „Es tut mir ja so leid!“

Tapetchen, die das ganze Ge
schehen bislang nur beobachtet hatte, mischte sich jetzt lautstark ein: „ Das kann aber nicht sein! Sie können nicht Snupi Krokodilchen heißen!“, schrie sie die neue Snupi an, „ SIE dort heißt doch so! Sie ist Snupi Krokodilchen!“ Die Kapitänssekretärin zeigte mit der ausgestreckten Hand zum Fischkrepp und dem Mädchen, das neben ihm stand. Die neugierigen Zuschauer drehten sich wie auf Kommando um und sahen dort den ersten Offizier, also Graf Danilo, mit einem unbekannten Mädchen stehen. „Wer ist das?“ „Kennst du die?“ „Die habe ich hier noch nie gesehen.“ tuschelten die Anwesenden. Auch die Gräfin hob den Kopf und richtete ihren tränenverschleierten Blick dorthin, wohin Tapetchen soeben gezeigt hatte. Ihre Augen wurden auf einmal ganz groß, nervös tupfte sie mit ihrem Spitzentaschentuch die Tränen weg. „Ninschen?“, flüsterte sie kaum hörbar. „Ninschen?“, wiederholte sie jetzt lauter. Und auf einmal war alles klar. Helli riss sich von Harry los, der sie noch immer zu stützen versuchte und auch Ninschen kannte kein Halten mehr. „Ninschen!!!!!“ Die Anwesenden machten Platz und traten jeweils einen Schritt zurück, sodass sich die Menge teilte und ein Art Weg frei wurde. Mutter und Tochter stürmten aufeinander zu und fielen sich nach vielen Jahren weinend zum ersten mal wieder in die Arme.
Langsam kam jetzt auch Danilo auf seine beiden Frauen zu. Auch er hatte immer noch Tränen der Rührung in den Augen. Das war wohl der
schönste Augenblick seines Lebens! In dem Moment konnte er seiner Frau nicht mehr böse sein. Vergessen war dieser dumme Fehltritt mit dem Doktor, der ja auch schon Jahre zurück lag. Alles vergeben und vergessen! Jetzt waren er und seine beiden liebsten Menschen wieder vereint! Innig umarmte er beide.

Aus dem Publikum, das Zeuge dieser bewegenden Szene wurde, hörte man leises, unterdrücktes Schluchzen und Schnäuzen und eine der Damen aus den hinteren Reihen rief tränenerstickt „Viva la Mamma!“
Nur Tapetchen stand etwas ratlos herum und fragte sich, wer jetzt wohl wer war. Snupi war Nin
schen und Ninschen war Snupi oder wie oder was?

 

 

190. Folge: Ninschen oder Snupi - Snupi oder Ninschen [2. Teil] (von Baby Jane)

Und just in dem Moment, als an Deck die bewegende Familienzusammenführung, begleitet von Jubel und Applaus aller, stattfand, just in diesem Moment hatte Mr. Butermaker die Aufgabe erfasst, die er im Rahmen des kleinen Partyspiels im Hellblauen Salon ausführen sollte. Butermaker räusperte sich, krempelte die Ärmel hoch und wollte gerade beginnen - da drückte ihm Marjorie Deckard, die lange genug geduldig bei ihm ausgeharrt hatte, den Preis in die Hand. "Bis später!" rief sie ihm zu, überreichte ihm eilig ein großes "T" aus Lebkuchenteig und rannte hoch an Deck, wo Reggae-Gandalf die großen Emotionen der Familie Ermakova mit "All You Need Is Love" von den Beatles per Bordlautsprecher beschallte. Kai Pflaume ist nichts dagegen.

Mr. Butermaker, nunmehr ohne Publikum im Salon, betrachtete den Lebkuchenbuchstaben nachdenklich: "Warum, bekomme ich, Mr. Butermaker, ein "T"? So etwas Sinnloses konnte auch nur den Frauen hier einfallen...

 

 

191. Folge: Eine glückliche Familie (von Scarlet)

Unbemerkt von allen, trotz der enormen Lärmentwicklung, hat der Hubschrauber mit Stefan und Harry an Bord wieder abgehoben und hat die Werderania verlassen. Die beiden hatten ihren Auftrag erfüllt, die Familie Ermakova war wieder glücklich vereint. Nicht nur das, auch Snupi, die beste Freundin von Ninschen Ermakova war jetzt an Bord und die beiden Mädchen hatten sich eine Menge zu erzählen.

Nach und nach wurden auch Tapetchen die Zusammenhänge klar: diese vermeintliche Snupi, die heute Nachmittag von der Ovela als Parktikantin im Austau
sch für Mickey geschickt wurde, war also in Wirklichkeit Ninschen, die verschollen geglaubte Tochter der Gräfin Ermakova und des Grafen Danilo (Fischkrepp). Und dieses Mädchen, das mit dem Hubschrauber gebracht wurde, von dem Harry und Stefan meinten, es sei Ninschen, ja die ist in Wirklichkeit Snupi Krokodilchen, eine junge Schauspielerin. Ninschen Ermakova hatte einige Zeit bei Snupi und ihrer Familie gelebt, bevor sie schließlich auf der Ovela anheuerte. Ganz schön verwirrend! Aber jetzt war das ja zum Glück geklärt.
Tapetchen war so erfreut darüber, dass jetzt diese Ungereimtheiten beseitigt waren, dass sie ein Glas Sekt ergriff, das auf der Bar stand und in die Menge rief: „Auf die Familie Ermakova!!! Sie lebe hoch!“ Jene, die selbst noch von vorhin ein Glas in der Hand hielten, erhoben dieses und stimmten ein: „Sie lebe Hoch!“ Aber auch diejenigen, die nichts zu trinken hatten riefen laut: „Sie lebe hoch, hoch, hoch!!“ Helli konnte ihre Rührung nicht verbergen und auch Danilo war noch immer ganz sprachlos.
Der Reeder, dem es heute offensichtlich nicht gegönnt war, seine Geburtstagsfeier ungestört zu genießen, war der erste, der zum Ehepaar Ermakova nach vorne ging und ihnen im Namen aller gratulierte und alles Gute wün
schte. Galant küsste er der Gräfin die Hand und dem ersten Offizier klopfte er freundschaftlich auf die Schulter.
Jetzt kamen auch die anderen und beglückwün
schten das Paar, bis sich schließlich die Damen um Helli versammelten und die Herren den Graf umringten. Hellis Freundinnen wollten unbedingt von ihr wissen, woran sie denn erkannt hatte, dass der Fischkrepp, pardon, der erste Offizier ihr Danilo war. Die Herren beschlossen, sich in den Salon zurückzuziehen und zur Feier des Tages eine Zigarre zu rauchen. Der Reeder selbst war zwar kein Freund des blauen Dunst, aber heute wollte er darüber hinwegsehen. Im Grunde war er ja kein militanter Nichtraucher, einige seiner besten Freunde rauchten sogar, aber für ihn selbst war das Nikotin keine Option.
Im blauen Salon saß noch immer Mr. Butermaker, in der Hand ein Lebkuchen-T. Verzweifelt versuchte er daraus das Wort ‚TV’ zu formen, doch es wollte ihm nicht so recht gelingen.

Eine Weile noch standen die Damen an Deck. Sie alle freuten sich so sehr mit Helli, die ihren Danilo, ihre große Liebe, wie sie ihn nannte, wieder gefunden hatte. Und während Helli ganz euphori
sch von dem Moment erzählte, in dem ihr klar wurde, wer da vor ihr stand, hatten einige Tränen in den Augen. Ach wie schön musste dieser Augenblick gewesen sein, als sie ihn nach so langer Zeit wieder in die Arme schließen konnte! Unweigerlich mussten manche der Damen an ihre Herzbuben denken. Ona schaute abwesend aufs Meer hinaus, ihre Gedanken waren beim Klavierspieler, der sich ihr gegenüber so seltsam benommen hatte. Xhosa seufzte und schließlich schlug sie vor, doch auch wieder in den Salon zu gehen, wo es bestimmt wärmer war (und wo sich Tom aufhielt). Die anderen stimmten ihr zu, denn nach Sonnenuntergang war es an Deck doch etwas kühl geworden. Und so begaben sich die Damen gemeinsam in den blauen Salon, wo sie schon sehnsüchtig erwartet wurden.

 

 

192. Folge: Ausgerechnet Alaska? (von Paula_Tracy)

Willi war ein wenig böse auf den Kapitän, der offenbar auch nur noch ans Feiern dachte. Jetzt stand er – der 1. Schiffsjunge – ganz allein auf der Brücke und sollte mal eben den Kurs kontrollieren. Nun verstand er ja wirklich nicht allzu viel von Nautik, aber dass dieses Schiff in Richtung New York segelte, das konnte man selbst ihm nicht erzählen! Sogar die kanadische Küste wäre wohl zu südlich bei diesem Kurs. Meine Güte, was dachten sich Fischkrepp – der Graf – und der Kapitän nur? Ob er mal Mickey auf der Ovela anfunken sollte? Au ja – und ihm gleich erzählen, was passiert war heute abend! Das war wirklich, wirklich aufregend! Viel spannender als alle Bianca- und Julia-Novelas – ein richtiger Sturm der Liebe war das!

Im blauen Salon wunderte sich Xhosa ein wenig über die sorgenvolle Miene ihres Tom, der einen Um
schlag in der Hand hielt. „Ist etwas passiert?“ fragte sie. „Was hast Du da?“ „Ein Telegramm aus Anchorage“, erwiderte Tom. „Sie wollen mein Städtebauprojekt zurückziehen. Das Land ist zu unerschlossen, meinen sie. Niemand würde in der Einöde in Alaska leben wollen. Es gibt keine Ärzte, keine Piloten, keine Lehrer. Und Touristen würden sich dorthin auch nicht verirren. Selbst die Ureinwohner wollen dort angeblich nicht leben.“ „Oh Tom“, meinte Xhosa. „Und Du hast so viel Mühe in dieses Projekt investiert! Glaubst Du, die lassen sich umstimmen?“ „Da müsste ich denen schon das Gegenteil beweisen“, sagte Tom bitter. „Und das kann ich nicht. Ich kann Städte planen, aber keine Menschen dazu bewegen, sich ausgerechnet in Alaska – in der Einöde – niederzulassen. Oder kennst Du jemanden, der sich da nieder lassen würde?“ „Ja, ich!“ rief Ona, die mit halbem Ohr zugehört hatte. „Sofort! Was ist mit Dir, Leo?“ Auch Leo war Feuer und Flamme, und so nach und nach bildete sich eine kleine Traube um den Städteplaner, und alle versicherten ihm, dass man sich nichts schöneres vorstellen könnte, als in Alaska zu leben. Doch Tom zweifelte ein wenig. Ja – guter Wille war eben nicht alles. Für ein paar Wochen ließ es sich sicher aushalten, aber länger? „Komm, jetzt feiern wir erst einmal“, schlug Xhosa vor. „Morgen machen wir einen Plan – ich bin sicher, uns fällt schon was ein. Und morgen hast Du ja auch Geburtstag!“ „Aus dem Feiern kommen wir hier gar nicht mehr raus“, staunte Gandalf.

Snupi war ein wenig gekränkt, dass ihre Freundin Nin
schen sich so gar nicht um sie kümmerte. Immerhin war sie nur wegen ihr an Bord geblieben und nicht mit Stephan und Harry zurück geflogen. Doch die konnte offenbar gar nicht genug von ihren Eltern bekommen. Dabei hätte sie Ninschen so gerne von ihrem Albtraum erzählt – aber so wurde das wohl nichts. Sie sah sich ein wenig um. Ob der Steward sich für ihren Traum interessierte?

„Ist das nicht ein wunder
schöner Tag?“ fragte Falk seine Kat, die heute in ihrem lindgrünen Trägerkleid (ein wenig zu luftig für diesen Tag, der Wind war fast eisig) wieder einmal bezaubernd aussah. „Soviel Glück auf einmal! Ist es nicht wunderbar, dass sich Graf und Gräfin hier an Bord gefunden haben? Dass wir uns gefunden haben? Kat – könntest Du Dir vorstellen – ich meine, ich weiß, Du hast Deinen Beruf, der Dich ausfüllt – aber könntest Du vielleicht... Es ist vielleicht ein wenig zu früh, aber wenn man sich sicher ist... Kat, Du... Passen Sie doch auf!“ raunzte er den verwirrten Doktor an, der ihn von hinten angerempelt hatte. Himmel, dieser Kerl störte auch immer im falschen Augenblick!

Dr. Few Master sah den Kapitän irritiert an. Was wollte er? Egal. Er würde ohnehin kündigen. Was sollte er noch auf diesem Schiff? Hoffentlich legte es bald in New York an, dann würde er den nächsten Flieger nach Hamburg nehmen. Und alle konnten sie ihm gestohlen bleiben. Alle! Es war geradezu erbärmlich, wie alle vor sich hin strahlten. Er lau
schte ein wenig dem Gespräch zwischen Miss Scarlet und Tapetchen, die sich über die Reinigung von Sofas unterhielten, auch Paula und Baby Jane standen bei ihnen, aber die beiden gähnten nur und sahen sich vielsagend an. Na ja, war auch ein langweiliges Thema, fand er.

In der anderen Ecke plauderten der Cessnaritter und die dritte Österreicherin – wie hieß sie noch gleich? Es war offensichtlich, dass sich die beiden sehr sympathi
sch fanden. Und seine Assistentin? Die hing an diesem Forenmanager, dass es schon bald nicht mehr feierlich war. Brauchte er wenigstens kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er hier kündigte. Det würde sicher auch nicht mehr lange auf diesem Schiff bleiben.

„Wir müssen das nächste Flugzeug nehmen, wenn wir an Land sind“, drängte Ralf seinen Kollegen Armin. „Ich möchte nicht wissen, was in der Zwi
schenzeit alles im Forum passiert ist – immerhin hatten wir eine Bundestagswahl! Da fällt mir ein – hast Du gewählt?“

Ja – hatte Armin gewählt? Wenn ja, welche Partei? Hatten die anderen Passagiere auch gewählt? Was lief zwi
schen dem Cessnaritter und Miss Deckard? Würde Tom es gelingen, seine Auftraggeber in Anchorage davon zu überzeugen, dass die Einöde in Alaska der richtige Platz für eine neue Ansiedlung war? Würde der Kapitän einen neuen Anlauf bei Kat nehmen? Und würde der Doktor wirklich kündigen? Und – wohin segelte das Schiff wirklich? Konnte Willi es auf Kurs bringen? Mal wieder Fragen über Fragen…

 

 

193. Folge: Stilles Glück in der Kapitänskabine [1. Teil] (von Baby Jane)

Kameraeinstellung auf Kapitänsbett von F. Rickmers. In der Kabine ist es dunkel, nur eine kleine Kerze brennt. Durch ein Bullauge scheint der Mond. Kat und der Captain liegen in Löffelchenstellung aneinander geschmiegt, nur von einem Leintuch bedeckt.

Kat (sehr ernst): "Falk, ich spüre es."

Rickmers: "Was spürst du, Liebes?"

Kat (langsam): "Ich spüre es genau ..."

Rickmers zieht Kat fest an sich.

Kat: "Ich spüre, wir haben gerade ein Kind gezeugt, Falk."

Rickmers dreht Kat sanft zu sich und blickt ihr in die Augen. Er ist tief bewegt.

Rickmers: "Ein Kind ..." Er küsst Kat innig.

Kamera geht ganz nah auf Kats Gesicht.

Kat (träumerisch): "Ich glaube, es wird Foren Rickmers heißen."

 

 

193. Folge: Stilles Glück in der Kapitänskabine [2. Teil] (von Paula_Tracy)

Kat schreckte auf, als der Doktor den Kapitän anrempelte. Irgendwie hatte sie Falks Worte gar nicht so richtig mitbekommen, weil dieser Traum so schön war. Ein Kind von Falk! Wäre es nicht schön, wenn dieses Kind noch auf dieser Reise gezeugt würde? Aber vielleicht mochte Falk ja gar keine Kinder? Sie würde ihn heute Abend in der Kabine fragen, das stand fest!

Sie seufzte und lächelte ein wenig, als sie sah, wie der Reeder Miss Scarlet, die in ein intensives Gespräch mit der Kapitänssekretärin vertieft war, auf sich aufmerksam machen wollte. Er machte kleine Faxen, verdrehte die Augen, schickte Kusshände – aber Miss Scarlet schien das Thema ungeheuer fesselnd zu finden, zumindest tat sie mal so. Kat machte Paula ein Zeichen, und diese begriff. „Scarlet, ich habe da ein Problem“, begann Paula und zog Scarlet einfach mit sich. „Was ist denn, Paula?“ fragte Scarlet besorgt. „Es ist der Doktor, nicht wahr? Nimm es nicht so schwer, denn...“ „Nein, es geht nicht um mich“, lachte Paula. „Da hinten wartet jemand auf Dich!“ Der Reeder nickte ihr dankbar zu. „Aber H.G., was sollen meine Freundinnen nur denken?“ sagte Scarlet. „Ach Scarli, das ist mir so egal! Morgen oder übermorgen legt das Schiff in New York an, dann wirst Du bestimmt schon Pläne haben, ich muss meine Sonnenbänke verkaufen – und was dann? Wir sollten den Abend gemeinsam verbringen, außerdem habe ich Geburtstag! Ich darf mir doch was wünschen, Scarli, gell? Gehst Du mit mir in die Kabine?“ Er gab ihr einen neckischen Kuss auf die Nasenspitze und Scarlet sah sich um. Kat und Paula standen immer noch da und zwinkerten ihr zu. Na, die würden sich bestimmt die Mäuler zerreißen! Aber die hatten es gerade nötig! Hatten ja schließlich selber was mit Besatzungsmitgliedern. Nein, es war absolut in Ordnung, wenn sie mit dem Reeder in die Kabine ging. Und was da passierte, ging niemanden was an. Punkt.

„Kat, ich möchte heute Abend ganz alleine mit Dir in meiner Kabine essen!“ sagte Falk. „Bei Kerzenschein und gutem Wein – wir haben uns noch soviel zu erzählen...“ ‚Erzählen will ich heute abend eigentlich nicht’, dachte Kat. ‚Aber das bringe ich Dir schon noch bei, wenn wir erst dort sind...’ „Natürlich, das wäre wunderbar“, sagte sie laut. „Zieh Dein himmelblaues Kleid an“, flüsterte der Kapitän und sah ihr tief in die Augen. „Es passt perfekt zu Deinen Augen...“

„Können Sie mir vielleicht sagen, was das hier soll?“ Mr. Butermaker war immer noch ratlos, was er mit dem „T“ sollte. Tapetchen musste lachen. „Es ist ihr fehlendes ‚t’“, meinte sie. Haben Sie es denn noch nicht vermisst?“ Mr. Butermaker schnaubte verächtlich. „Das ist doch nur wieder eine Boshaftigkeit des Doktors!“ rief er. Tapetchen verstand zwar nicht, was der Doktor mit dem fehlenden „T“ von Mr. Butermaker zu tun hatte, aber eigentlich war das ja egal. Dieser Butermaker kam ihr gerade recht – der hatte doch Premiere! Und heute Abend lief „Van Helsing“. Wenn sie ihm vielleicht ein wenig gut zuredete, vielleicht...?

„Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen, Cessna?“ fragte Miss Deckard gerade den Piloten. „Ich meine, ich kann Sie doch nicht immer Cessna nennen... Oder ist das ein Geheimnis?“ Cessna war begeistert. Endlich eine Frau, die sich wirklich für ihn interessierte! Und so eine hübsche, elegante Lady auch noch! „Mein Vorname ist nicht halb so schön wie Ihrer, Marjorie“, murmelte er. „Sie haben einen wunderschönen Vornamen, Marjorie... Wollen wir nicht ein wenig an Bord gehen und in die Sterne schauen?“

Leo diskutierte immer noch mit Xhosa und Tom über die Ansiedlung in Alaska und war ein wenig unwillig, als Kaschi sie mitzog. Sie hatten sich heute Nachmittag ein wenig gestritten, weil Leo behauptet hatte, Kaschis Lieblings-Tierserien wären alle grauenhaft umgesetzt gewesen. Leo hatte sogar darüber gelacht. Kaschi war tief gekränkt gewesen, aber nach einem Gespräch mit Patricia und Nobbi war er zu dem Entschluss gekommen, ihr das zu verzeihen. Er hatte seine Kabine mit den restlichen Rosenblättern ausgelegt und die neueste DVD der Augsburger Puppenkiste eingelegt – vielleicht gefiel ihr das ja besser?

„Xhosa, weißt Du, wo Baby Jane ist?“ Yeti-Klaus sah merkwürdig erregt aus, fand Xhosa. Aber auch irgendwie... entschlossen. „Sie wollte in die Kabine, ein wenig lesen“, antwortete Xhosa. „Aber Klaus, sie wollte nicht gestört...“ Sie brach ab, denn Klaus stürmte wie ein Hurrikan davon. Sie seufzte. Baby Jane hatte solches Glück. Alle schienen solches Glück zu haben. Ach ja.

 

 

193. Folge: Stilles Glück in der Kapitänskabine [3. Teil] (von Baby Jane)

Dr. Few Master saß auf dem Untersuchungstisch in seinem Ärztezimmer und sah nachdenklich den Rauchwölkchen seiner russischen Zigarette nach: Immer öfter ertappte er sich in letzter Zeit dabei, dass er, wie auch jetzt, sein bisheriges Leben vor seinem geistige Auge Revue passieren ließ. Eine Midlife-Crisis konnte das nicht sein, dessen war sich der Russe sicher. Zugegeben, er war im Sommer ins 42. Lebensjahr eingetreten, aber das war doch allerbestes Mannesalter! Man hatte gelebt, geliebt, gearbeitet, man hatte die Welt kennengelernt - keine Frage, er, Fewmaster, konnte durchaus auf ein erfülltes Leben zurückblicken! Aber war das wirklich schon alles gewesen?

Few dämpfte seine Zigarette aus. Warum aber, fragte er sich, hatte er seit einigen Wochen gelegentlich dieses merkwürdige Ziehen in der Brust? Als durchzöge eine namenlose Sehnsucht sein Herz. War es eine tief vergrabene, längst vergessene Einsamkeit, die da schmerzhaft berührt wurde? Der Doktor fuhr sich gedankenverloren durch sein kurz geschorenes Haar. Wenn es Sehnsucht war, wonach? Wohin zog es sein Herz? Wollte er zurück zu jener Zeit und jenem Ort, als er mit Dr. Tracy die Nacht verbracht hatte, Rilke lesend? War es das, was sein Sehnen erlösen würde? Oft hatte er daran zurückgedacht, wie kostbar die Stunden ihm gewesen waren, als man, neben- und leicht aneinander gelehnt am Boden der Kabine inmitten den Werken der großen, ja, der allergößten Dichter dieser Welt sitzend, eingeschafen war. Einträchtig, friedlich, in einer Harmonie, einem Einklang, den er vorher noch nie gekannt hatte. Zog es ihn dorthin? War es Paula Tracy, die er vermisste? Jene Frau, die er nicht nur bildhübsch fand, sondern auch als klug, belesen, humorvoll und weise kennenlernen durfte?

Ein Schluchzen löste sich aus des Doktors Brust. Paula! Few Master richtete sich auf. Paula! Er spürte plötzlich eine Entschlossenheit, ja, die Gewissheit, wie er zu handeln hatte! Nicht wie Hamlet würde er weiter zweifelnd durchs Leben gehen. Nein, er, Few Master, Doktor der gesamten russischen Heilkunde, würde sein Glück dieses Mal, dieses eine Mal, am Schopf packen und handeln. Wer wagt, gewinnt - dieses uralte Sprichwort aus dem tiefsten Kaukasus, es würde auch für ihn gelten!

Was, wenn die Ärztin aber "nein" sagen würde? Was, wenn ihr ihre Unabhängigkeit wichtiger war als Zweisamkeit? "Egal!", rief der Schiffsarzt entschlossen, "ich setze alles auf eine Karte. Miss Tracy oder keine!"

Schnellen Schrittes eilte er in seine Kabine und holte mit sicherem Griff Band 3 der Rilke-Edition aus dem Regal. Seite 325, da war es, das Gedicht, mit dem er Paula Tracy sein Herz zu Füßen und seine Seele in die Hände geben würde. Es gabe kein Zurück mehr. Eilig schrieb Few Master das Gedicht auf seinen Thomaphyrin-Rezeptblock, den ihm Miss Schlaue Det geschenkt hatte. Dann rannte er damit an Deck, wo Miss Tracy im Liegestuhl saß, über ein Buch gebeugt. Was las sie? "About a Boy" von Nick Hornby. Few, der sich in diesem Moment ebenfalls wie ein kleiner Junge fühlte, unbeschwert, glücklich und in der Gewissheit, mit dieser Frau das Glück zu erobern, trat zu ihr. Ihre Blicke trafen sich. Etwas Warmes, Lächelndes, Gütiges spiegelte sich in ihrer beider Augen. Diese Liebe ist wie Heimat, dachte sich Few Master. Er überreichte Paula Tracy das Gedicht. Und als sie es las, kam ihm vor, als sei ihr ganzes liebes Gesicht in Sonne und Freude getaucht.

"Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an Deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied."

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Dr. Paula Tracy und Dr. Few Master erlaubten sich am 6.10.05 um 22.15 am Schiff Werderania ihre Verlobung bekanntzugeben. Man munkelt, dass in der Nacht auf den 7. Oktober, in einer Sekunde der überschäumenden Liebe und lauten Leidenschaft der Sohn Clarence gezeugt wurde. Aber zu dieser Begebenheit legen die Chronisten der Forennovela verschmitzt ihren Zeigefinger auf die Lippen und schweigen ... schmunzelnd und taktvoll.

 

 

194. Folge: Der Yeti-Klaus (von Helli Gräfin E.)

Engumschlungen ging die wiedervereinte gräfliche Familie an Deck der Werderania in der späten Nachmittagssonne spazieren, ein Bild der Liebe und Harmonie, wenn auch so gesehen etwas, breit, da Tochter Ninschen immer noch mit argen Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte.

Zwiespältig sah der Yeti-Klaus dieses Bild...Sympathieträger waren Fi
schkrepp und die Gräfin nicht gerade gewesen, und doch, diese glücklichen Zufälle konnten niemanden unbeberührt lassen.

Yeti seufzte...sein Leben entbehrte dieser Aufregungen, ja, wenn er zurück dachte, war er immer jemand gewesen, der wartete,
schon damals, als kleiner Junge, hatte er gewartet auf die Mama, die beim Friseur saß, während er brav in den Zeitugnen blätterte, später dann wartete er geduldig auf Elke, seine Klassenkameradin, wenn diese Ballettuntericht hatte, schlimmer wurde es, als er als einer der ersten den Führerschein hatte und zwar die hübschensten Mädchen inseinem Opel Kadett herumfuhr, diese aber dann meistens den anderen den Vorzug gaben, den grinsenden selbstbewußten Jungs, die die Mädels schlecht behandelten und dafür auch noch belohnt wurden. Und er, Yeti-Klaus wartete.
Verdammt noch mal, und nun
schon Jahre auf Baby Jane. Ihr die kalte Schulter zu zeigen, sie eifersüchtig machen, ach nein, das alles war nicht sein Bier. Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Treue hießen seine Begleiter, und doch, es war zu fürchten, das sah er selbst ein, die Langeweile ließ sich da wohl nicht immer abschütteln.
Verflucht. Man lebte doch nur einmal! Und in ihm da pulsierte es, da war ein Vulkan vor dem Ausbruch, geballte Männlichkeit, die nur darauf wartete, Frauenherzen und alles, was da so drumherum ist zum Erbeben zu bringen.
Nein, nicht Frauenherzen, ein Herz, das Herz seiner Baby Jane.

Er wollte keine andere. Sie war seine Sonne.

Mürri
sch ging er an die Bar und kippte sich einen doppelten Whiskey hinter die nicht vorhandene Binde. Und weil dieser so gut schmeckte, gleich noch zwei hinterher. Und er rauchte, was er sonst nie tat. Innerhalb von fünf Minuten war ihm schwindelig und schlecht. Und er spürte, nun muss etwas passieren.

Todesmutig kippte er sich einen weiteren Drink hinein, drückte die Zigarette neben dem A
schenbecher auf dem schönen Teakholztisch aus und marschierte zu Baby Jane Kabine und riß die Tür auf.

Die geliebte Unerreichbare saß lesend auf einem Sessel und kreuzte in der Hörzu interessante Sendungen der kommenden Woche an. Als sie ihn sah, zog sie wie immer, leicht die eine Augenbraue spötti
sch hoch, als wollte sie sagen, "Na, Du schon wieder?" Und das dacht es sie auch, obwohl ihr auch durch den Kopf schoß "Meine Güte, wenn er so stürmt, da sieht er ja richtig verwegen aus und hat nicht mehr diesen Dackelblick".

Kurz
schwiegen sich die beiden an, Yeti-Klaus zögerte, doch kam ein jahrelang angestauter Wortschwall, der ließ sich nicht mehr stoppen.

"Weib!" (Er sagte tatsächlich Weib, warum weiß ich nicht. Aber warum nicht). "Du bist mein Weib, meine Frau, meine Blume, mein Stern, vorhin
schrieb jemand Sonne, das alles bist Du! Und Du weißt es! Ich liebe Dich, so wie man einen Menschen nur lieben kann, ich möchte für Dich sorgen, für Dich da sein, Dich auf Händen tragen, Dich lieben und küssen auch noch im Alter, wenn Deine entzückenden Lachfältchen tiefer geworden sind, Dein entzückender Busen wahrscheinlich auch, immer werde ich Dich lieben, Dich küssen wollen, auch wenn Du frech zu mir bist oder betrunken vom Filmionär spielen nach Hause kommst und alles unordentlich machst. Und ich will verdammt nochmal Dein Mann sein, zu dem Du aufschaust, und dem Du treu bist bis in den Tod. Du darfst mich nur nie wieder so spöttisch angucken, es sei denn, Du willst den Popo verhauen bekommen." Sprach es, und schritt zu ihr und hob sie tatsächlich hoch und warf sie aufs Bett und sich dann auf sie, und das ganze sah jetzt aber überhaupt nicht dämlich aus, sondern man merkte, wow, dieser Mann weiß was er will und bekommt es auch.
So erging es auch Baby Jane. Gedanken wie "Was ist das denn jetzt für einen peinliche Nummer" oder " Hoffentlich sabbert er nicht wieder" wichen kampflos vom Platz, denn neben der Überra
schung spürte sie eines: "Das ist Liebe, und hier steht ein Liebender vor mir bzw. liegt mittlerweile auf mir, der erweckt auf etwas in mir, dass kenne ich ja noch gar nicht..." Und während sie die Augen schloß, spürte sie die rauhen Küsse des Mannes und erschauderte, und ließ es, in immer größer werdenden Erregung kommend zu, dass seine Händen über ihren Körper strichen..
Er nahm sie, so wie man es in
schlechten und in guten Romanen liest und er ließ auch keinen Widerstand zu. Und er wußte, nach diesem Akt war er ein anderer- nein, er war der geworden, der er eigentlich schon immer war.
"Oh, mein Heathcliff" flüsterte die er
schöpfte Frau neben ihm.
"Bitte, bitte, heiratest Du mich?"

Mit einem leise raunenden "Ja, meine Geliebte", beugte er sich über sie, küßte zart ihren Hals und ihre Augen, um dann den Mund mit einem ewig währenden Liebes
schwur zu versiegeln und eine weitere Reise mit der Schönen in das Reich der tobenden Sinne zu beginnen.

 

 

195.[a] Folge: Störenfriede (von Paula_Tracy)

Voller Vorfreude eilte Kat in ihre Kabine und stellte sich vor, wie der heutige Abend verlaufen würde. Natürlich würde sie das himmelblaue Kleid tragen und ihr seidiges Haar auf extrastarke elektrische Wickler drehen, damit Engelslocken ihr schmales Gesicht umspielen konnten. Na, ihr Kapitän konnte sich auf einen romantischen Abend freuen! Dazu ein paar Tropfen Chanel Nr. 5 – oder doch lieber Tosca, denn mit Tosca kam die Zärtlichkeit ? – eine Blume im Haar und die geliehene Perlenkette von Helli... Himmel, wo war denn nur das Kleid? Hatte sie es am Ende gar nicht mitgenommen? Nein, sonst würde es der Kapitän doch nicht kennen? Es war weg – ihr himmelblaues Kleid war weg! Halt – sie hatte es Ona geliehen! Warum auch immer – hoffentlich hatte sie es noch nicht getragen! Kat zog sich eine Jacke über ihr Kleid (die Luft war wirklich merkwürdig eisig) und eilte über den Flur, um zu Onas Kabine zu gelangen. Als sie an Baby Janes Kabine vorbeikam, hörte sie merkwürdige Laute, blieb stehen und lauschte. Was ging da vor? Aha! Sie grinste und lief weiter. Offenbar ging es Baby Jane momentan sehr gut. Aus Kaschis Kabine kamen ebenfalls merkwürdige Laute – die erinnerten Kat allerdings mehr an ihre Kinderzeit. Was Kaschi und Leo wohl machten? Hörte sich ja fast so an, als ob das Urmel sprach! Manche Männer hatten schon komische Methoden, eine Frau schwach zu machen. – Da war Onas Kabine! Ohne anzuklopfen stürmte Kat in die Kabine und blieb starr vor Schreck stehen. De Guy! Was machte der denn in Onas Kabine? Und wo war Ona?

Ja, wo war Ona? Wusste sie, dass De Guy in ihrer Kabine war? Und wie würde das unerwartete Wiedersehen mit ihrem Exfreund für Kat ausgehen? Hatte De Guy noch Rachegelüste ihr gegenüber?

„Ich dachte schon, Sie wären die Freundin dieses Sängers“, gestand Cessna. Marjorie sah ihn verständnislos an. „Sie meinen Heino? Aber nein, wie kommen Sie nur darauf? Ich war seine persönliche Assistentin. Mittlerweile hat aber Willi diese Stelle.“ Cessna atmete auf. „Und ich dachte, Sie wären unsterblich in Miss Scarlet verliebt“, sagte Marjorie. „Daher habe ich mir gar keine großen Hoffnungen gemacht...“ Cessna sah sie entzückt an. „Sie... Sie mochten mich von Anfang an?“ Marjorie errötete. Sie hatte sich verraten. Tatsächlich hatte sie ihr Herz sofort an ihn verloren, als sie ihn zum ersten Mal sah. Sie senkte den Kopf, doch Cessna legte seine Hand unter ihr Kinn und sah ihr tief in die Augen. Wie hatte er sie nur so lange übersehen können? Sie war ja viel hübscher als Miss Scarlet! Diese großen braunen Augen, die kleine zarte Nase, der wunderschöne Mund... Zum Küssen wie geschaffen. Immer näher kam sein Gesicht, Marjorie erbebte vor Erwartung, doch da... „Miss Deckard, Sie müssen mir helfen!“ Der Zauber war vorbei. Verärgert sahen die beiden den Schiffsjungen an, der sie aus ihrer Verzauberung geholt hatte. „Ich plane eine Überraschung für Heino, und da dachte ich, Sie kennen ihn doch mittlerweile so gut...“ Cessna wandte sich ab und nahm sich vor, diesem Willi bei der nächsten Gelegenheit ein Bein zu stellen, und zwar so, dass er wochenlang außer Gefecht war. Oder sollte es mal wieder so sein? War es Schicksal, dass er ständig Pech bei Frauen hatte?

 

 

195.[b] Folge: Gesucht – gefunden (von Scarlet)

Erschrocken blickte De Guy zu Kat, als sie in Onas Kabine stürzte. „Was machst Du denn hier?“, fragte er entsetzt. „Und was machst DU hier?“, fragte Kat ebenso entgeistert. „Ich möchte eine Überraschung für Ona vorbereiten, sie ist immer noch böse auf mich. Aber ich liebe sie wirklich und das will ich ihr beweisen! Kat, das mit uns beiden tut mir leid, es war ein Irrtum. Ich war wirklich etwas durcheinander. Bitte verzeih mir!“, stammelte der Klavierspieler. „Ja, De Guy, Du hast Recht, das mit uns beiden hätte nie geklappt. Verzeihst Du mir auch?“ Die Erleichterung stand beiden ins Gesicht geschrieben. „Natürlich verzeihe ich Dir!“ Die beiden fielen sich um den Hals und in dem Moment betrat Ona die Kabine. „Was ist denn hier los?“, rief sie wütend. Sofort ließ Kat den Pianomann los und erklärte Ona, was sie in ihrer Kabine wollte, dass sie nämlich nur ihr hellblaues Kleid suchte. Sie bat Ona, De Guy zuzuhören, was er ihr zu sagen hätte und dass sie, Kat, wirklich keine Gefahr für sie darstellte, da sie nur den Kapitän liebte. Ona ließ sich von Kat einigermaßen beruhigen und gab ihr das gesuchte Kleid, das sie, nachdem es gereinigt wurde, für Kat in ihrem Kleiderschrank aufbewahrt hatte. Nachdem Kat ihr Kleid wieder bekommen hatte, überließ sie Ona und De Guy sich selbst und beeilte sich, wieder in ihre eigene Kabine zu kommen

Während sich Kat in ihrer Kabine für das Candlelight-Dinner mit dem Kapitän fertig machte, hatten einige andere Paare an Bord das Abendessen übersprungen und widmeten sich gleich dem Teil, den Kat insgeheim als „Nachtisch“ plante. Vorsorglich trug Kat unter dem - wie von Falk gewünschtem - hellblauen Kleid, welches ihre Augen so gut zur Geltung brachte, das, mit dem sich auch Marilyn Monroe nach eigener Auskunft des Nächtens bekleidete: Chanel Nr. 5 und … sonst gar nichts.

Seit langem war es wieder einmal sehr still an Bord der Werderania, an Deck war kaum jemand zu sehen. Ninschen hatte sich mit ihrer Freundin Snupi in ihre Kabine zurückgezogen, die beiden Mädchen hatten sich viel zu erzählen. Die Kapitänssekretärin und Mr. Butermaker hatten sich in seine Kabine mit Premiere-Anschluss begeben und verfolgten gespannt die Handlung von „Van Helsing“. Während sie gebannt auf den Bildschirm starrten, knabberten sie gemeinsam an dem Lebkuchen-‚T’, das vom trostlosen Geburtstagsspiel übrig geblieben war. Dabei stießen sie mit ihren Nasenspitzen zusammen und blickten sich lange und tief in die Augen, sodass Tapetchen sogar den Auftritt von Hugh Jackman verpasste. Butermaker legte das Angebissene Lebkuchenteil beiseite, ohne dabei die Augen von der Frau neben sich abzuwenden und wortlos umarmten sich die beiden und küssten sichinnig. Der 16:9 Fernseher lief solange weiter, bis der von Butermaker eingestellte Sleep-Timer aktiv wurde. Doch das bemerkten die beiden gar nicht mehr…

Die Gräfin und ihr 1. Offizier Danilo spazierten in der mondhellen Nacht über das Promenadendeck bis zum Heck des Schiffes. Unterwegs sahen sie den Cessnaritter und Miss Deckard, die verträumt an der Reeling lehnten und in den Sternenhimmel blickten.

Marjorie konnte Willi erfolgreich auf später vertrösten und so hatte sie der Cessnaritter wieder ganz für sich.


„Willst Du mir nicht verraten, wie Dein Vorname ist?“, fragte die Wienerin den verwegenen Flieger, der ihr gerade sämtlich Namen der Sterne aufzuzählen schien, an denen er sich bei nächtlichen Flügen orientierte. „Sag mir doch bitte Deinen Namen.“, bat sie ihn noch einmal. Verlegen sah er in den dunkelblauen Nachthimmel. „Du wirst es mir ja doch nicht glauben, oder Du wirst darüber lachen.“, antwortete er leise. „Mein Vorname ist Cessna und mein Nachname ist Ritter.“ „Aber das ist doch wunderschön!“, sagte Marjorie, „Viel schöner als mein Vorname! Ich weiß nicht, was sich meine Eltern dabei dachten, als sie mich so nannten. Meine Mutter sah immer so gerne „Das Haus am Eaton Place“, aber das ist doch kein Grund, mich so zu nennen, wie diese Frau aus der Serie.“, meinte Miss Deckard und ihre Stimme klang ein klein wenig traurig. „Aber Marjorie, Dein Name ist wunderschön, er ist etwas Besonderes, genau wie Du.“, versuchte sie der Cessnaritter zu trösten und legte sanft seinen Arm um ihre Schulter. Ja, diese Frau war wirklich etwas Besonderes, sie war der eine Stern, der für ihn am hellsten leuchtete, an dem er sich in Zukunft orientieren wollte, dessen war er sich mit einem Schlag ganz sicher. „Egal, wie die Sterne da oben alle heißen mögen und wie hell sie auch leuchten, keiner von ihnen strahlt so schön wie Du, Marjorie.“ Gerührt drehte Miss Deckard ihr Gesicht zu Cessna, der sich ein wenig nach vorne beugte und ihre Lippen berührten sich sanft. Marjorie konnte gerade noch ein „Oh Cessna!“ hauchen.