13. Staffel
185.[a] Folge: Die
"Meister"feier (von Scarlet)
Während
das Fußballmatch in der Träumen des luxemburgischen Prinzen an Dramatik
kaum zu überbieten war, spielte es sich in der Realität an Bord der Werderania
doch nicht ganz so spektakulär ab.
Die Herren boten ohne Zweifel ein solides Spiel und wenn es mit rechten Dingen
zugegangen wäre, so hätte die Partie mit einem Unentschieden geendet. Doch
die rot-weißen schafften es, einen harmlosen Zusammenstoß mit
einem Spieler der gegnerischen Mannschaft im Strafraum so
hinzustellen, als wäre es ein böses Foul, sodass Reggae-Gandalf einen Elfmeter
für die Werderaner gab. Allen war klar, was Kaschis Mannschaft damit bezwecken
wollte, es war sozusagen das Geburtstagsgeschenk für den Reeder …
So kam es also, dass in letzter Minute dieses legendäre Spiel an Bord der Werderiana durch einen Elfmeter, den der Reeder
höchstpersönlich ins linke Kreuzeck versenkte, entschieden wurde. Der
Endstand lautete 4:3 für die grün-weißen.
Die Anhänger der siegreichen Mannschaft hielt es nicht
länger auf den Plätzen. Sie sprangen auf und fielen sich vor Freude um den
Hals. Es wurde „We are the Champions“ gesungen, wie das am Ende eines jeden Matchs
üblich ist. Der Gesang wurde nur von einem markerschütternden „Tooooor, Toooor, Toooor!!! I werd’ narrisch!!“ übertönt. Wer
seiner Freude solcherart Ausdruck verlieh, war nicht ganz klar, der Schrei kam
aber eindeutig aus der Ösi-Ecke.
Auch die rot-weißen feierten Ausgelassen. Zwar haben sie nicht das Spiel
gewonnen, aber in gewisser Weise waren sie doch die moralischen Sieger.
Es wurden einige Flaschen Sekt zu Ehren der
Sieger geköpft und man ließ den Torjäger H.G. hoch leben.
Dieser ließ sich sogar zu einem Samba hinreißen, den er wahrlich wie ein
Vize-Weltmeister absolvierte. Es hatte sich wirklich ausgezahlt, dass er bei
der letzten WM die Tänze der Siegernation eingehend studiert hatte. Man stelle
sich vor, Deutschland wäre 2002 Weltmeister geworden, wie
deplatziert würde hier an dieser Stelle ein Marsch wirken…
185.[b] Folge: Sei
jedem Abschied voraus (von Baby Jane)
An
Deck war es merkwürdig ruhig geworden. Ja, man hatte den Reeder hochleben
lassen. Ja, man hatte perlendem Sekt zugesprochen und barfuss den Samba
getanzt. Und ja, die Nachmittagssonne warf immer noch ihr warmes, freundliches
Licht auf unseren stolzen Segedampfer, der unbeirrbar
Kurs auf New York nahm. Und doch schien sich - wie ein
erster kühler Wind, ein Vorbote des herannahenden Herbstes - ein Hauch von
Melancholie über die Passagiere und die Crew der Werderania gelegt zu haben.
Einige Damen und Herren hatten sich um Fischkrepp geschaart, der eine Seekarte auf
einem Tisch ausgebreitet hatte und mit Hilfe eines
Füllers den Punkt im Atlantik markierte, auf dem sich der Segeldampfer im
aktuellen Moment befand. "Gut Dreiviertel unserer Überfahrt haben wir
hinter uns", murmelte der Seebär. Gräfin Ermakowa
hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt. Fischkrepp ergriff sie und
drückte sie tröstend. "Wir hatten guten Wind ...", sagte er und
rückte seine Mütze etwas tiefer in die Stirn.
Miss Tracy stand neben Dr. Few Master an der
Reeling. Die
beiden schwiegen und starrten Richtung Horizont, wo in
wenigen Tagen die Freiheitsstatue auftauchen würde, das Symbol für das Ende der
gemeinsamen Reise. Ihrer aller gemeinsamen Reise. Few Master räusperte sich,
und auch Paula Tracy spürte einen Kloß im Hals. Man hatte einander hier an Bord
doch so liebgewonnen ... sich gegenseitig mit all den
Macken und Eigenheiten zu schätzen gelernt. Ja, man
hatte sich aneinander gewöhnt.
Fräulein Det und der junge Forenmann saßen dicht nebeneinander am Pool und
ließen die Beine ins Wasser baumeln. Det summte ein leises, langsames Lied, der
Corporationdelegierte stimmte in ihre Weise mit ein.
Reggae-Gandalf war aus seiner Kabine gekommen und setzte sich mit seiner
(Heinos) Gitarre in einen Deckchair. Mit "Somewhere Over the Rainbow" begleitete er
Det. H.-G. Werderaner verbeugte sich vor Scarlet: "Darf ich bitten?"
Scarlet nickte, und beide begannen sich im Takt der Musik zu bewegen. Scarlet
legte ihren Kopf auf die Schulter des Reeders. Wenn dieser Tanz doch ewig
dauern könnte ...
Falk Rickmers stand am Steuerrad und hielt das Schiff auf Kurs. Kat saß nur
wenige Meter entfernt - ihr Blick schweifte vom Meer auf
Rickmers und wieder zurück. "New York kann warten", dachte sie,
"New York kann warten ..."
Deckard, Baby Jane und Yeti-Klaus saßen traurig in einer österreichischen Ecke. "Wie schade, dass die Reise
bald zu Ende geht", flüsterte Deckard, und Baby Jane begann bei diesen
Worten sofort zu schluchzen. Yeti-Klaus,
der selber mit den Tränen zu kämpfen hatte, schenkte hilflos allen
Wein nach. Was sollte aus ihnen allen werden, in New York? So groß war diese
Stadt, ganz anders als Graz oder Wien oder Innsbruck. Würde man sich dort je
zurechtfinden?
Auch Willi schien das herannahende Ende der Reise zu schaffen zu machen. Er
nahm Heino dessen Brille ab, putze sie sorgfältig und setzte sie dem Barden
wieder auf die Nase. Wer weiß, wie oft er ihm noch diesen kleinen Freundschaftsdienst tun konnte.
Danach wischte er sich mit seinem Stofftaschentuch eine dicke
Träne aus den Augen.
Möwe Laura zog, weit oben am Himmel, eine mächtige Runde über die Masten der
Werderania, unseres treuen Schiffes, das die mit geblähten Segeln Kurs auf das
Land der unbegrenzten Möglichkeiten hielt. Laura stieß mehrmals einen Möwenschrei auf, der jedem auf
der Werderania durch Mark und Bein ging. Denn mit dem untrüglichen Instinkt
eines Vogels wusste sie: Land war in Sicht.
186. Folge: Happy birthday to you (von Scarlet)
Mitten
in diese melancholische Atmosphäre hinein
erklang plötzlich in voller Lautstärke die ‚Prélude’ aus George Bizets ‚Carmen’
aus dem CD-Spieler. Die Menschen, die gerade noch
ihren wehmütigen Gedanken nachhingen, drehten sich schlagartig um, um die ‚Lärm’quelle zu identifizieren. Wie schon so oft, war es Ona,
die die Situation rettete. Sie hatte erkannt, dass die Stimmung zu kippen
drohte und das passte doch gar nicht zu einer Power-Geburtstags-Party á la H.G.
Werderaner! Deshalb hatte sie die Stereoanlage eingeschaltet. „So Leute, alle
mal herhören!“ rief die Köchin in die überraschte Menge und schaffte es dabei doch
tatsächlich, die Musik zu übertönen! „Es ist so weit! Jetzt kommt die
Geburtstagstorte!“ Die Türe zum Unterdeck flog auf und heraus kamen Anarky und
Smartie, die gemeinsam eine schwere, vierstöckige
Torte auf den Buffettisch stellten. Einige der
Damen und Herren hatten am Nachmittag eifrig bei der Herstellung dieses
Kunstwerkes mitgeholfen. Jede Etage war eine andere Torte, sodass wirklich für
jeden Geschmack etwas dabei sein würde. Zum Beispiel
hatte Miss Scarlet die Sachertorte (2. Stock!) beigesteuert, da sie wusste,
dass der Cessnaritter die gerne mochte und der Reeder selbst noch die eine
solche Torte gegessen hatte. Wer weiß, vielleicht würde er ja noch einsehen,
dass nicht alles schlecht war, was aus
Österreich kam.
Paula Tracy stand auf dem Podest neben der Bar, neben ihr stand Reggae-Gandalf
mit seiner (Heinos) Gitarre. Paula klopfte mit einem Messer, an das Sektglas,
das sie in der Hand hatte. Gandalf räusperte sich laut und sehr auffällig, so
dass bald alle Gespräche verstummten und sich die Aufmerksamkeit aller auf die
beiden konzentrierte. Paula ergriff das Wort: „Zu Ehren unseres Reeders haben
Reggae Gandalf und ich etwas vorbereitet: ein Duett!“ Paula sah zu Gandlaf, nickte und er begann auf der Gitarre zu spielen.
Es war wirklich ein wunderschönes Duett. Zu der
Melodie von Stevie Wonder’s ‚Happy Birthday’, sangen die beiden einen Text, denn Paula für
H.G. Werderaner umgeschrieben hatten. Zwar
musste Gandalf hin und wieder auf den Textzettel schauen und auch wenn er
einen Ton einmal nicht ganz genau traf, das machte er durch die Lautstärke
wieder wett. Die Passagen, die ja alle kannten, sangen auch alle mit. Schließlich ließ das Duo den Song mit ‚Happy
birthday to you Happy birthday to you Happy birthday …’ ausklingen. Ein
tosender Applaus setze ein und der Reeder stürmte überwältigt auf die Bühne, um
den beiden Sängern zu danken.
Und noch während werderaner beteuerte, wie gut ihm
die Feier bisher gefallen würde, ergriff Det das Mikrofon.
„ Hallo? Hallo? Sprechprobe! 1,2,3…“ Alle Anwesenden sahen aufmerksam zu Det. „
So Liebe Partygäste, jetzt geht’s los, jetzt seid ihr dran!“ Die Gratulanten
einander fragend an. Was meinte Det bloß? Was würde jetzt passieren. „Heino und
Willi haben die musikalische Gestaltung der Feier
übernommen und sie hatten eine gute Idee: ihr sollt alle auch Euren Teil zu der
Party beitragen! Und zwar haben sich die beiden folgendes ausgedacht: Ihr schreibt jetzt alle Euren
Namen auf einen Zettel und bringt diese Zettelchen hier her zu mir und werft
sie in diesen Behälter.“ Det deutete auf eine neben ihr stehende leere
Bowle-Schüssel. „Danach machen wir eine Ziehung. Es sollen zehn Namen gezogen
werden und in der gezogenen Reihenfolge sollt ihr dann etwas zum Besten geben,
was, das bleibt euch selbst überlassen. Ich denke, es ist klar, wie das
ablaufen soll. Also, dann los! Und Schummeln gilt nicht!“ Det legte das
Mikrofon aus der Hand und mischte sich unter das
Schiffsvolk, das aufgeregt miteinander tuschelte und beratschlagte. Die
Arzthelferin teilte Zettel aus und schrieb als gutes Vorbild
als erste ihren Namen auf einen der Zettel und warf ihn in die Glasschüssel.
Einige überlegten eifrig, was sie im Falle einer Ziehung machen wollten, andere
wiederum hofften inständig, dass dieser ‚Kelch’ an ihnen vorüberziehen würde…
187.[a] Folge: Das Ende
der Feier? [1. Teil] (von Paula_Tracy)
Während
die meisten Passagiere und auch die Crew ganz aufgeregt wegen der
bevorstehenden Auslosung waren, schien Yeti-Klaus etwas
wichtiges eingefallen zu sein, er sprang auf und ging eilig zum Kapitän, der
gar nicht begeistert dreinschaute, als er ihm sein
Anliegen schilderte. Baby Jane schaute gespannt zu. Was
wollte Klaus nur von Falk? „Natürlich kann ich das“, Falk kratzte sich am Ohr.
„Aber wir haben doch einen Geistlichen an Bord, wäre das nicht passender?“ „Es
würde mir sehr viel bedeuten, wenn Sie es machen würden“, Yeti-Klaus sah den
Kapitän flehend an. „Es wäre so eine Art Einverständniserklärung und Abschluss.“ „Na gut“,
nickte Falk. „Am letzten Abend an Bord dann, einverstanden?“
Auch die Gräfin hatte im Grunde keinen rechten Sinn zum Spielen, zu überwältigt
war sie noch von den Vorkommnissen des Nachmittags. „Ich kann es noch gar nicht
glauben!“ Sie sah ihren Danilo an. „Niemals hätte ich damit gerechnet, dass Du
noch leben könntest! Ach Danilo!“ Tröstend strich ihr Fischkrepp übers Haar. Ja,
sie war seine Frau, das spürte er. Aber es würde wohl noch Wochen und Monate
dauern, bis er alles verstanden hatte, was in den letzten Jahren mit ihm
passiert war. „Ich sollte vielleicht einmal mit dem Doktor sprechen“, meinte er
und stand auf. Helli erschrak. „Nein, Danilo,
nein!“ Von der Lautstärke und Heftigkeit ihrer Reaktion überrascht, blieb Danilo
stehen. „Aber ich denke, er kann uns helfen – er kann uns doch bestimmt eine
Art Therapie...“ Doch Helli hörte gar nicht zu, was ihr Mann sagte, sie
klammerte sich an ihn und wimmerte. „Ich konnte doch nicht wissen, dass er hier
auf dem Schiff sein würde! Das musst Du mir glauben! Ich habe ihn auch seit
fünf Jahren nicht mehr gesehen. Ich habe ihn nie geliebt, Danilo, niemals! Aber
er ist schuld, dass Ninschen verschwunden ist! Er ist schuld an allem!“ Danilo
sah sie verständnislos an, doch Helli sprach weiter. „Der Doktor – ich schwöre Dir, ich habe ihn
seit damals niemals mehr wieder gesehen. Es ist Zufall, dass wir uns hier
getroffen haben, Danilo...“ Jetzt verstand Danilo. „Der Doktor?“ flüsterte er.
„Der Doktor – dein Liebhaber? Few Master war Dein Liebhaber?“ An Deck hätte man
eine Stecknadel fallen hören können. Det hatte den Topf mit den Losen auf den
nächsten Tisch gestellt. Was würde jetzt geschehen?
Nur Dr. Few Master, der etwas weiter entfernt an der Reling stand und noch
immer ganz begeistert war von dem wunderschönen Gesangsvortrag,
merkte nicht, welches Unheil sich hinter seinem Rücken zusammenbraute...
Tapetchen hatte der neuen Auszubildenden eine Suppe aus der Küche gebracht.
Doch statt dankbar zu sein, fragte die nur: „Wieso kann ich nicht an Deck? Hey,
ich hab keine Lust, hier allein zu hocken? Warum können Sie mich nicht heute abend vorstellen? Ach, wieso frage
ich überhaupt? Ist ja wohl kein Sklavenschiff, oder?“ Und damit
stellte sie den Suppenteller auf den Tisch zurück und stürmte
aus der Kabine, ein ratloses Tapetchen zurücklassend.
187.[a] Folge: Das Ende
der Feier? [2. Teil] (von Paula_Tracy)
Alle
sahen sich um. Wo war Mr. Butermaker? “Der ist mal wieder in der Kabine”,
grinste Pete Morgan. „Der alte Stubenhocker kann sich mal wieder nicht vom
Fernseher trennen.“ Kaschi lachte. „Das sagt
der richtige! Pete, Du hast bestimmt gehört, dass es heute abend noch eine Misswahl an Bord gibt, nur deshalb
hat’s Dich doch an Bord verschlagen, oder?“
„Misswahl?“ Der sonst so zurückhaltende Mr. Morgan wurde ganz aufgeregt. „Woher
weißt Du das?“ „Willi“, sagte Kaschi nur. „Du kannst es
ja nicht wissen, Pete – aber unser Schiffsjunge ist eine wandelnde Bildzeitung.
Ich hoffe nur, er konnte den Damen gegenüber den Mund halten. Nur Det ist eingeweiht.
Wir spielen dieses Spielchen eine Weile, und irgendwann hat dann einer die
Aufgabe, eine Misswahl zu organisieren. Hoffentlich ist es nicht direkt
Butermaker. Der kann so was nicht.“ Falk Rickmers schlängelte sich zu
seiner Sekretärin vor, die mit einem pummeligen Mädchen zusammen stand.
Irritiert sah er das Mädchen an. Ein Passagier, den er noch nicht kannte? Oder
ließ ihn sein Gedächtnis im Stich? Sie erinnerte ihn an jemanden, aber an wen?
Na, egal – jetzt musste erst mal Butermaker her. „Tapetchen, tun Sie mir den
Gefallen und holen ihn aus der Kabine – bevor die Stimmung wieder umschlägt“, meinte er. „Bin
ja schon froh, dass der Doktor und Fischkrepp nicht da sind.“
„Du bleibst da“, sagte Tapetchen zu dem Mädchen. „Am besten, Du sprichst mit niemandem,
dann fällt es vielleicht gar nicht auf. Ich stelle Dich dann auch gleich den
anderen vor.“ Snupi Krokodilchen, wie sie sich
nannte, zuckte mit den Schultern. Interessiert sah sie sich um. Wo war sie hier
nur gelandet? Auf der Ovela gab es ja schon merkwürdige Typen,
aber das hier schlug alles.
Während Tapetchen sich auf den Weg zu Mr. Butermakers
Kabine machte und BUG beruhigend auf den Grafen Danilo einredete, war in der
Krankenstation ein Streit zwischen Paula und den
Doktor ausgebrochen. Warum? Das verstand der Doktor auch nicht – Frauen dachten
viel zu kompliziert, waren zickig und machten aus einer Mücke einen Elefanten.
Er hatte eigentlich gedacht, Paula sei anders. Offensichtlich war es nicht so,
denn die Diskussion endete damit, dass ein verständnisloser Doktor zurückblieb,
und eine heulende Paula die Tür hinter sich zuknallte. Unterwegs zu ihrer
Kabine traf sie Baby Jane, die ein Nasenspray für den verschnupften Yeti-Klaus
besorgen wollte, und der sie ihr ganzes Elend schilderte. Baby Jane war
voll des Mitleids und verstand die Freundin gut. „Es ist vielleicht besser, Ihr
macht Schluss, bevor es überhaupt anfängt“, sagte sie. „Aber sagtest Du nicht,
Du hättest Dich schon so an ihn gewöhnt?“ „Das ist doch kein
Grund, um bei jemandem zu bleiben“, weinte Paula. „An seine Vergangenheit werde
ich mich nie gewöhnen.“ Baby Jane wurde nachdenklich. Hatte Paula nicht recht? Stand sie nicht auch vor einer wichtigen Entscheidung und traf diese
aus den völlig falschen Gründen? Gab es
nicht auch für sie noch Leidenschaft und Abenteuer
statt Beständigkeit und ... Langeweile? Nein, nicht Yeti-Klaus war langweilig,
aber die Beständigkeit... Und nun hatte sie auch noch eingewilligt, ihn endlich
zu heiraten. Wie kam sie da nur wieder raus? Kam sie überhaupt da raus?
Auch Patricia und Nobbi führten eine Grundsatzdiskussion über ihre Beziehung in
ihrem kleinen U-Boot. „Ich glaube, mein lieber Nobbi, es ist ein Zeichen“,
sagte Patricia immer wieder. „Wir sollen einfach nicht heiraten. Erst meine
Betäubung, dann Dein Sonnenbrand. Das ist Schicksal. Wir beide sollten erst
einmal zu uns selbst finden. Eine Therapie machen – ich habe bereits einen Kurs
in Seaworld gebucht, Leben und Arbeiten mit
Delphinen.“ „Für mich auch?“ fragte Nobbi. „Ich würde lieber mit Kaschi einen Ausflug ins
Monument Valley machen. Pete Morgan und Werder wollen auch mitkommen. Wilder
Westen inklusive sozusagen.“ Patricia lächelte ihn an. „Siehst Du, mein lieber
Nobbi – es beweist, dass wir uns erst mal trennen müssen, um wieder zu einander
zu finden.“
Die anderen an Deck ahnten natürlich nicht, welche tiefgreifenden
Entscheidungen unter Deck und im U-Boot getroffen
wurden, denn das hätte sie tief beunruhigt. Letzten Endes war das Ende der
Novela in Sicht, und Novelas gehen doch immer gut
aus, oder? Gab es noch eine Hochzeit an Bord? Würden Scarlet und Werderaner,
Falk und Kat, Det und Henning, Kaschi und Leo, Xhosa und
Tom sich auch noch streiten? Würden die Gräfin und ihr Danilo endgültig wieder
zusammen finden, oder war es schon zu spät für sie? Es
konnte doch unmöglich sein, dass ausgerechnet Prinz Malko und Anna Nümosia das
einzige glückliche Paar sein würden, oder?
Bleiben Sie dran! Die Entscheidung ist nahe wie
nie! So viele offene Fragen! Die nächsten Folgen werden alle im Hauptabendprogramm
auf ARD, ZDF, SAT1, RTL, ORF 1 und ORF 2 ausgestrahlt – natürlich zeitgleich
und moderiert von Deutschlands Show-Elite (bei
SAT 1 und RTL nur unterbrochen von Interviews mit B- und C-Prominenten, die
ihre Meinung zum Ausgang der Telenovela erzählen, obwohl
das niemanden interessiert, was die denken).
187.[b] Folge: Der
Anfang vom Ende der Party (von Baby Jane)
Mr.
Butermaker erschien, in einem eierschalenfarbenen
Leinenanzug, verschlafen im hellblauen Salon, in dem das Spiel
stattfinden sollte. Unter'm Arm trug er, deutlich für
alle sichtbar, einen Stoß Premiere-Fernsehzeitschriften. Det erkärte ihm den Ablauf des Spiels erneut, da er die ersten
drei Male nicht aufgepasst oder nichts verstanden und von etwas völlig anderem
zu reden begonnen hatte.
Geistesabwesend setzte sich Mr. Butermaker auf den Stuhl, den man auf ein
kleines Podest gestellt hatte und gähnte. Er blickte ins Publikum hinunter.
Gut, einige Gesichter waren ihm in den vielen Tagen auf dem Schiff schon einmal
untergekommen, das wollte er gar nicht leugnen. Aber er konnte den Gesichtern
keinen Namen zuordnen. Die Damen sahen sich alle irgendwie ähnlich, vor allem
die über 35 - er konnte sie kaum unterscheiden. Sie waren sich
auch von der Art her sehr ähnlich. Ihre Gespräche interessierten ihn kaum. Es
ging doch nur um Lippenstifte, Wimperntuschen und
Beziehungskisten. Butermaker aber liebte Gespräche mit echten Kerls über echte
Themen: Autos, Sport, Technik.
Unter den jüngeren weiblichen Passagieren hatte er freilich die eine oder
andere Süße geortet. Aber interessiert hatte ihn auch keine wirklich.
Butermaker gähnte erneut.
Miss Deckard trat mit dem Mikro zu ihm, um ihm die Aufgabe, die man gemeinsam
für Butermaker erarbeitet hatte, zu präsentieren. Dieses Gesicht hatte er noch
nie gesehen, dachte er bei sich. Die konnte doch noch nicht lange an Bord sein.
Aber sehr schlank war sie! Überhaupt kamen Mr. Butermaker
in letzter Zeit alle Menschen so wahnsinnig schlank vor, ja richtig
dünn und groß gewachsen. Auf seinem Breitbildfernsehschirm waren die Menschen ... nun, fülliger,
etwas in die Breite gezogen. Nicht verzerrt, nein, so würde Butermaker es nicht
nennen. Eher normal breit, ja, so konnte man sagen. Normal breit und sehr, sehr
scharf.
Marjorie Deckard räusperte sich und begann die Aufgabe, die Mr. Butermaker
ausführen sollte, mit nur ganz leichtem Wienerischen Akzent
(Cessnaritter hatte nie etwas Verführerisches gehört, kam ihm
vor) vorzutragen.
188. Folge: Daddy? (von Paula_Tracy)
„Warum
kriegt der Butermaker eine Aufgabe?“ fragte Pete Morgan Kaschi. „Ich dachte, jeder
kann sich aussuchen, was er macht. Ich habe mir auch schon was ausgedacht...“
„Na, der Butermaker hätte doch bestimmt höchstens was über das
Premiere-Programm erzählt oder irgendwas frauenfeindliches.
Das wollten wir nicht riskieren“, antwortete Kaschi. „Bei einigen haben
Willi, Heino und Det was vorbereitet, damit es nicht zu sehr aus dem Ruder
läuft. Bei Dir übrigens auch, Pete...“ Er grinste. „Wir hatten die Befürchtung,
Du liest aus Deinem neuen Buch.“ Pete schwieg gekränkt. Genau
das hatte er vorgehabt – er hatte drei Tage durchgeschrieben und den
spannendsten Roman seines Lebens fertig gestellt. Aber bitte – wenn das keiner
hören wollte! Dann konnte er nur hoffen, nicht gezogen zu werden.
Während Miss Deckard dem gelangweilten und gähnenden Mr. Butermaker das fünfte
Mal die Aufgabe erklärte, hatte der Graf beschlossen, seine Frau um
eine Aussprache zu bitten. Pater BUG hatte versucht, dem Graf zu erklären,
warum es manchmal unmöglich ist, jemandem die Wahrheit zu sagen. Wenn das sogar
ein Geistlicher sagte! Vielleicht bereute Helli ja wirklich, was sie getan
hatte? Irgendwie war ihre Freude, ihn gefunden zu haben, doch ehrlich gewesen,
oder? Er musste es herausfinden. Und auch mit dem Doktor reden. Er hatte zwar den
Eindruck gehabt, dass dieser mit Miss Tracy befreundet war, aber er war sich
manchmal nicht sicher – zu lange war er von den Ereignissen an Bord ausgeschlossen worden. Warum
nur hatte ihn keiner gemocht? Graf Danilo war ein beliebtes Mitglied des ungarischen Adels gewesen und
auch in Hellis Heimat hatte man ihn sofort anerkannt und gemocht. Prinz Ernst
August und Caroline z. B. hatten ihn regelmäßig eingeladen, wenn sie in
Hannover waren. Oh, so langsam kam sein Gedächtnis zurück. Fast musste er ein
wenig lachen, als er an seine letzte Prügelei mit Ernst August dachte. Pater
BUG beobachtete seinen Kabinengenossen wohlwollend. Ja, er war auf einem guten
Weg – und hoffentlich hatte er die Kraft und die Einsicht, seiner Frau zu
verzeihen. Oh, und wenn jetzt noch die Tochter auftauchte, dann wäre es
perfekt. Aber leider sind wir nicht bei „Wünsch Dir was“, dachte BUG.
„Können Sie alleine gehen?“ fragte BUG. „Ich gehe gerne mit Ihnen und leiste
Beistand.“ „Nein, es gibt Dinge, die muss man einfach allein machen!“ sagte
Danilo und öffnete die Kabinentür. „Es gibt vielleicht Leute an Bord, die Ihren
Beistand mehr brauchen als ich, Pater. Der Doktor z. B. – oder auch dieser
Schwarzenegger. Ich habe keine Ahnung, Pater. Machen Sie sich keine Sorgen, ich
will nur mit meiner Frau reden.“
Danilo atmete tief durch und sah auf die blaue See hinaus. Noch war kein Land
am Horizont zu sehen, aber er wusste aus Erfahrung, dass dies sehr schnell gehen konnte.
Würde er die See vermissen? Ja, er würde! Er war kein Seemann aus Leidenschaft, sondern weil es
das einzige war, das ihm geboten wurde, als er aus dem Koma erwachte. Trotzdem
hatte es ihm Trost gegeben, an langen einsamen Abenden das Steuer auf der
Brücke in der Hand halten zu können und die endlose See betrachten zu können.
Und es war immer wieder ein überwältigendes Schauspiel. Er seufzte. Er musste
zu Helli – sicher war sie in ihrer Kabine, sie konnte sich unmöglich jetzt mit
den anderen Passagieren bei diesem albernen Spiel amüsieren.
An der Reling stand ein Mädchen, das ihn ein wenig merkwürdig musterte. „Zieh
dir was warmes über, Ninschen, Du erkältest Dich
sonst“, sagte Danilo und ging weiter. Dann stockte er. Ninschen? Ninschen? Gaaaaaaanz
langsam drehte er sich um. Das Mädchen starrte ihn fassungslos an. Danilo ging
zurück und starrte ihm ins Gesicht. Sie war älter geworden, aber sie war
eindeutig sein Ninschen. Seine kleine Tochter!
Helli hatte ihn wieder angelogen! Sie hatte gesagt, dass Ninschen spurlos verschwunden war. In
Wirklichkeit aber war sie hier an Bord. Was war er doch für ein Idiot! Ninschen starrte immer noch.
Ja, irgendwie kam er ihr schon bekannt vor, vor
allem die Stimme... Und woher wusste er ihren richtigen Namen? Was war das für
ein Mann? Und wie er gesagt hatte „Zieh Dir was warmes über, Du erkältest
Dich...“ Außer ihrer Mutter hatte das nur ein einziger Mensch gesagt. Oh Mann, sie
hatte plötzlich einen ganz dicken Kloß im Hals – verdammt, sie war doch sonst
so cool. Warum musste sie nur jetzt an ihren Dad
denken? Der Typ hier sah ihm doch gar nicht ähnlich. Aber diese Stimme – und
die Augen! „Daddy?“ fragte sie vorsichtig. „Daddy, bist Du das?“
Hätte die Gräfin geahnt, was sich oben an Deck abspielte, sie hätte nicht so
ruhig bei Mr. Butermakers Vorstellung im Publikum
gesessen. Und sie wäre auch nicht so elektrisiert gewesen, als der Kapitän die
Ankunft eines Hubschraubers ankündigte, in
dem angeblich ein gewisser Harry Klein und ein junges Mädchen saßen, das er für
ihr verschollenes Ninschen hielt.
189. Folge: Ein Anruf
von Ede
(von
Paula_Tracy)
Mr.
Butermaker hatte seine Aufgabe immer noch nicht verstanden, aber das war auch
mittlerweile egal.
Als BUG den Anruf von Eduard Zimmermann bekommen hatte, dass ein pensionierter
Kriminalbeamter namens Harry Klein unterwegs zur Werderania war – gemeinsam mit
dem vermeintlichen Ninschen – war er sofort auf
die Brücke geeilt, wo der Kapitän ein paar leichte Kurskorrekturen eingab. Der
Kapitän war nämlich ein wenig skeptisch, weil man immer noch paralell zur Ovela segelte, die ja nach Alaska fuhr. Wenn
das Wetter klar war, konnte man die die Ovela sogar sehen. Das beunruhigte Falk
Rickmers sehr. Er hatte die Navigation komplett Fischkrepp – äh, dem Grafen
– überlassen, obwohl der immer offen zugegeben hatte, dass Navigation nicht
seine Stärke war. Aber Falk musste ja sein Liebesleben ordnen! Wenn er nicht
bald auf den richtigen Kurs kam, würde man genau wie die Ovela in Alaska landen
oder aber mit erheblicher Verspätung (aber was machte das aus, man war ohnehin schon mehr als zwei
Wochen zu spät) in New York einlaufen.
Der Kapitän seufzte. Eine aufregende Fahrt war das, die aufregendste seines
Lebens bisher. Was war alles passiert! Er hatte die Frau fürs Leben gefunden
und würde seine erste Frau in wenigen Tagen einem anderen Mann übergeben. Sein
1. Offizier hatte sich als ein Mitglied des europäischen Adels entpuppt, der
1. Schiffsjunge schnappte über wegen eines Sängers, der
kalifornische Gouverneur war an Bord, sein Schiffsarzt
sollte ermordet werden, der Schiffspianist war ein Bayer und sein Chefingenieur
prügelte sich ständig oder spielte den Rosenkavalier. Und die Passagiere: nicht
viel besser! Einer verrückter als der andere. Bis auf... Kat. Ein zärtliches
Lächeln umspielte den markanten Mund des Kapitäns. Was für eine Frau! Am
liebsten würde er ihr einen Heiratsantrag machen, doch er fürchtete sie zu verschrecken. Sie stand
mitten im Leben, war eine erfolgreiche Werbetexterin und würde sich bestimmt
nicht damit zufrieden geben, mit ihm durchs Leben zu segeln oder zu dampfen und
seine Kinder zur Welt zu bringen. Ein Baby von Kat! Mit ihren blauen Augen,
ihrem blonden Seidenhaar...
Er schreckte auf. Der Pater stand neben ihm – wie
aus dem Boden gewachsen. „Ich habe zweimal angeklopft, Kapitän“, entschuldigte sich BUG. „Ich
hatte gerade einen Anruf einer Münchner Detektei. Offenbar hat man die Tochter
der Gräfin gefunden. Ein Beamter wird in der nächsten halben Stunde mit ihr
hier auftauchen. Wir sollten das Sonnendeck räumen, damit ein Hubschrauber landen kann.“
„Gehen Sie in den Blauen Salon“, Falk war sofort wieder bei der Sache. „Holen
Sie Anarky, Mickey und Gandalf, die sollen das erledigen. Und sagen Sie der
Gräfin Bescheid. Und dem Grafen natürlich!“
Aufgeregt, fast über den Saum seiner Kutte stolpernd, eilte BUG von dannen. Wie
würde die Gräfin sich freuen! Und der Graf erst – bestimmt waren beide in ihrer
Kabine und versöhnten sich gerade. Doch zuerst musste er Bescheid geben, der Hubschrauber konnte jeden
Augenblick landen!
190. Folge: Ninschen oder Snupi - Snupi oder Ninschen? [1. Teil] (von Scarlet)
Schnell
war das Sonnendeck geräumt und schon bald traf der
angekündigte Helikopter ein.
Alarmiert durch diesen Lärm liefen viele der Passagiere, unter ihnen auch
Helli, aus dem blauen Salon, wo sich Butermaker noch immer nicht seiner Aufgabe
gestellt hatte („Ist er so blöd, oder tut er nur so?“, hatte Ona Marjorie
zugeflüstert, die ihm mit einer Engelsgeduld wieder und wieder seine Aufgabe
erklärte.)
Gespannt sahen die Anwesenden auf den rot-gelben Hubschrauber mit der Aufschrift ‚Medicopter 117’. Was war passiert? Gab es einen medizinischen Notfall hier an
Bord? Hatte sich der Doktor womöglich doch mit dem Grafen geprügelt? Das wäre
eine Erklärung! Der Graf hat den Doc ausgeknockt und daher musste man externe
medizinische Hilfe anfordern.
Noch währen die Damen und Herren spekulierten, was vorgefallen sein könnte,
öffnete sich die Türe des Hubschraubers. Der Mann, der
heraus kletterte, war aber kein Arzt. Moment, den kannte man doch! Na klar, das
war doch dieser Typ, der Kriminalfälle im TV löste! Und er war nicht alleine,
er hatte seinen Assistenten bei sich und gemeinsam mühten sie sich ab, noch
eine dritte Person aus dem Flugzeug zu zerren, die sich anscheinend mit Händen und
Füßen wehrte. Einer der Ermittler schien schön langsam die Nerven
zu verlieren und brüllte die Person an: “Jetzt kommen sie schon Ninschen, machen sie doch nicht
so ein Theater! Steigen sie schon aus!“ Die Gräfin,
die sich im Hintergrund hielt und ihren eigenen Gedanken nachhing, zuckte
merklich zusammen, als sie den Namen ‚Ninschen’ hörte.
Sie dachte, sie hätte sich verhört, als der Kapitän zuvor die Ankunft eines Hubschraubers angekündigt
hatte, in dem sich ein Mädchen namens Ninschen befinden sollte. Pater
Bug, der ja ein Ermittlungsbüro beauftragt hatte, hatte ihr nichts davon
gesagt, dass es schon Erfolge bei der Suche nach ihrer verschollenen Tochter zu
vermelden gab. Aber sollte es doch nun doch wahr sein?
Helli versuchte sich einen Weg nach vorne zu bahnen. Der ältere Beamte
versuchte mittlerweile den jüngeren Kollegen zu beruhigen: „Harry, lass gut
sein, Ninschen wird schon rauskommen.“
„Meinst du Stephan?“, fragte der jüngere verunsichert. „Ja, das meine ich,
Harry.“
Inzwischen hatte sich die aufgeregte Gräfin bis an
den Hubschrauber nach vorne durch die schaulustige Menge
gekämpft und sie rief mit schriller Stimme immer
und immer wieder: „Ninschen! Ninschen! Mein Ninschen! Mein süßes
Pummelchen! Bis Du das?“
Das Rufen der Gräfin war auch auf der anderen Seite des Schiffes zu hören wo
sich gerade Graf Danilo (alias Fischkrepp) und das
Mädchen, dass sich bislang als Snupi Krokodilchen
ausgab, weinend in den Armen lagen. „Oh, Daddy! Du bist es also wirklich! Ich
dachte, Du seiest tot!“ schluchzte das Mädchen.
Und auch der erste Offizier weinte und ließ seine für immer verloren geglaubte
Tochter nicht mehr los: „Ich habe nicht damit gerechnet, Dich in meinem Leben
je wieder zu sehen! Meine kleine Nini-Maus!“
Als die beiden die schrille Stimme vom
Sonnendeck hörten, die ständig nach Ninschen rief, sahen sich die
beiden nur stumm an, es bedurfte keiner weiteren Worte. Vater und Tochter
liefen Hand in Hand dorthin, woher die Stimme kam.
Als der Graf mit seiner Tochter am Sonnendeck ankam, stieg gerade ein bildhübsches, zierliches Mädchen
aus dem Hubschrauber. Als die Gräfin, die von Harry
gestützt wurde sie sah, brach Helli hysterisch weinend zusammen: „
Das ist nicht mein Ninschen!“, schrie sie. Das Mädchen,
das soeben aus dem Flugzeug gestiegen war, brüllte aufgeregt den älteren und
den jüngeren Ermittler an: „Das sage ich ihnen doch die ganze Zeit! Ich bin
nicht Ninschen! Glauben sie mir
jetzt? Wie ich ihnen schon tausendmal sagte:
mein Name ist Snupi Krokodilchen!“ An die Gräfin
gewandt sagte sie leise: „Es tut mir ja so leid!“
Tapetchen, die das ganze Geschehen bislang nur
beobachtet hatte, mischte sich jetzt
lautstark ein: „ Das kann aber nicht sein! Sie können nicht Snupi
Krokodilchen heißen!“, schrie sie die neue Snupi an, „ SIE dort heißt doch so! Sie ist Snupi Krokodilchen!“ Die Kapitänssekretärin zeigte mit der
ausgestreckten Hand zum Fischkrepp und dem Mädchen,
das neben ihm stand. Die neugierigen Zuschauer drehten sich wie
auf Kommando um und sahen dort den ersten Offizier, also Graf Danilo, mit einem
unbekannten Mädchen stehen. „Wer ist das?“ „Kennst du die?“ „Die habe ich hier
noch nie gesehen.“ tuschelten die Anwesenden.
Auch die Gräfin hob den Kopf und richtete ihren tränenverschleierten Blick dorthin, wohin
Tapetchen soeben gezeigt hatte. Ihre Augen wurden auf einmal ganz groß, nervös
tupfte sie mit ihrem Spitzentaschentuch die Tränen weg.
„Ninschen?“, flüsterte sie kaum
hörbar. „Ninschen?“, wiederholte sie
jetzt lauter. Und auf einmal war alles klar. Helli riss sich von Harry los, der
sie noch immer zu stützen versuchte und auch Ninschen kannte kein Halten
mehr. „Ninschen!!!!!“ Die Anwesenden
machten Platz und traten jeweils einen Schritt zurück, sodass sich die Menge
teilte und ein Art Weg frei wurde. Mutter und Tochter stürmten aufeinander zu
und fielen sich nach vielen Jahren weinend zum ersten mal
wieder in die Arme.
Langsam kam jetzt auch Danilo auf seine beiden Frauen zu. Auch er hatte immer
noch Tränen der Rührung in den Augen. Das war wohl der schönste Augenblick
seines Lebens! In dem Moment konnte er seiner Frau nicht mehr böse sein.
Vergessen war dieser dumme Fehltritt mit dem Doktor, der ja auch schon Jahre zurück lag.
Alles vergeben und vergessen! Jetzt waren er und seine beiden liebsten Menschen wieder vereint!
Innig umarmte er beide.
Aus dem Publikum, das Zeuge dieser bewegenden Szene wurde, hörte man leises,
unterdrücktes Schluchzen und Schnäuzen und eine der Damen aus den hinteren
Reihen rief tränenerstickt „Viva la Mamma!“
Nur Tapetchen stand etwas ratlos herum und fragte sich, wer jetzt wohl wer war.
Snupi war Ninschen und Ninschen war Snupi oder wie oder was?
190. Folge: Ninschen oder Snupi - Snupi oder Ninschen [2. Teil] (von Baby Jane)
Und
just in dem Moment, als an Deck die bewegende Familienzusammenführung,
begleitet von Jubel und Applaus aller, stattfand, just in diesem Moment hatte
Mr. Butermaker die Aufgabe erfasst, die er im Rahmen des kleinen Partyspiels im
Hellblauen Salon ausführen sollte. Butermaker räusperte sich, krempelte die
Ärmel hoch und wollte gerade beginnen - da drückte ihm Marjorie Deckard, die
lange genug geduldig bei ihm ausgeharrt hatte, den Preis in die Hand. "Bis
später!" rief sie ihm zu, überreichte ihm eilig ein großes "T"
aus Lebkuchenteig und rannte hoch an Deck, wo Reggae-Gandalf die großen
Emotionen der Familie Ermakova mit "All You Need Is Love" von den Beatles
per Bordlautsprecher beschallte. Kai Pflaume ist
nichts dagegen.
Mr. Butermaker, nunmehr ohne Publikum im Salon, betrachtete den
Lebkuchenbuchstaben nachdenklich: "Warum, bekomme ich, Mr. Butermaker, ein
"T"? So etwas Sinnloses konnte auch nur den Frauen hier einfallen...
191. Folge: Eine
glückliche Familie (von Scarlet)
Unbemerkt
von allen, trotz der enormen Lärmentwicklung, hat der Hubschrauber mit Stefan und
Harry an Bord wieder abgehoben und hat die Werderania verlassen. Die beiden
hatten ihren Auftrag erfüllt, die Familie Ermakova war wieder glücklich
vereint. Nicht nur das, auch Snupi, die beste
Freundin von Ninschen Ermakova war jetzt an
Bord und die beiden Mädchen hatten sich eine Menge zu erzählen.
Nach und nach wurden auch Tapetchen die Zusammenhänge klar: diese vermeintliche
Snupi, die heute Nachmittag von der Ovela als Parktikantin im Austausch für Mickey geschickt wurde, war also
in Wirklichkeit Ninschen, die verschollen geglaubte
Tochter der Gräfin Ermakova und des Grafen Danilo (Fischkrepp). Und dieses
Mädchen, das mit dem Hubschrauber gebracht wurde,
von dem Harry und Stefan meinten, es sei Ninschen, ja die ist in
Wirklichkeit Snupi Krokodilchen, eine junge
Schauspielerin. Ninschen Ermakova hatte einige
Zeit bei Snupi und ihrer Familie gelebt, bevor sie schließlich auf der Ovela
anheuerte. Ganz schön verwirrend! Aber jetzt war das ja zum
Glück geklärt.
Tapetchen war so erfreut darüber, dass jetzt diese Ungereimtheiten beseitigt
waren, dass sie ein Glas Sekt ergriff, das auf der Bar stand und in die Menge
rief: „Auf die Familie Ermakova!!! Sie lebe hoch!“ Jene, die selbst noch von
vorhin ein Glas in der Hand hielten, erhoben dieses und stimmten ein: „Sie lebe
Hoch!“ Aber auch diejenigen, die nichts zu trinken hatten riefen laut: „Sie lebe
hoch, hoch, hoch!!“ Helli konnte ihre Rührung nicht verbergen und auch Danilo
war noch immer ganz sprachlos.
Der Reeder, dem es heute offensichtlich nicht gegönnt war, seine
Geburtstagsfeier ungestört zu genießen, war der erste, der zum Ehepaar Ermakova
nach vorne ging und ihnen im Namen aller gratulierte und alles Gute wünschte. Galant küsste er
der Gräfin die Hand und dem ersten Offizier klopfte er freundschaftlich auf die
Schulter.
Jetzt kamen auch die anderen und beglückwünschten das Paar, bis sich
schließlich die Damen um Helli versammelten und
die Herren den Graf umringten. Hellis Freundinnen wollten unbedingt von ihr
wissen, woran sie denn erkannt hatte, dass der Fischkrepp, pardon, der
erste Offizier ihr Danilo war. Die Herren beschlossen, sich in den
Salon zurückzuziehen und zur Feier des Tages eine Zigarre zu rauchen. Der
Reeder selbst war zwar kein Freund des blauen Dunst, aber heute wollte er
darüber hinwegsehen. Im Grunde war er ja kein militanter Nichtraucher, einige
seiner besten Freunde rauchten sogar, aber für ihn selbst war das Nikotin keine
Option.
Im blauen Salon saß noch immer Mr. Butermaker, in der Hand ein Lebkuchen-T. Verzweifelt versuchte er daraus das Wort ‚TV’
zu formen, doch es wollte ihm nicht so recht gelingen.
Eine Weile noch standen die Damen an Deck. Sie alle freuten sich so sehr mit
Helli, die ihren Danilo, ihre große Liebe, wie sie ihn nannte, wieder gefunden
hatte. Und während Helli ganz euphorisch von dem Moment
erzählte, in dem ihr klar wurde, wer da vor ihr stand, hatten einige Tränen in
den Augen. Ach wie schön musste dieser
Augenblick gewesen sein, als sie ihn nach so langer Zeit wieder in die Arme schließen konnte!
Unweigerlich mussten manche der Damen an ihre Herzbuben denken. Ona schaute abwesend aufs
Meer hinaus, ihre Gedanken waren beim Klavierspieler, der sich ihr gegenüber so
seltsam benommen hatte. Xhosa seufzte und schließlich schlug sie vor, doch auch
wieder in den Salon zu gehen, wo es bestimmt wärmer war (und wo sich Tom
aufhielt). Die anderen stimmten ihr zu, denn nach Sonnenuntergang war es an
Deck doch etwas kühl geworden. Und so begaben sich die Damen gemeinsam in den
blauen Salon, wo sie schon sehnsüchtig
erwartet wurden.
192. Folge:
Ausgerechnet Alaska? (von Paula_Tracy)
Willi
war ein wenig böse auf den Kapitän, der offenbar auch nur noch ans Feiern
dachte. Jetzt stand er – der 1. Schiffsjunge – ganz allein auf der Brücke und
sollte mal eben den Kurs kontrollieren. Nun verstand er ja wirklich nicht allzu
viel von Nautik, aber dass dieses Schiff in Richtung New York segelte, das
konnte man selbst ihm nicht erzählen! Sogar die kanadische Küste wäre wohl zu
südlich bei diesem Kurs. Meine Güte, was dachten sich Fischkrepp – der Graf – und
der Kapitän nur? Ob er mal Mickey auf der Ovela anfunken sollte? Au ja – und
ihm gleich erzählen, was passiert war heute abend!
Das war wirklich, wirklich aufregend! Viel spannender als alle Bianca- und Julia-Novelas – ein richtiger Sturm der Liebe war das!
Im blauen Salon wunderte sich Xhosa ein wenig über die sorgenvolle Miene ihres Tom, der einen Umschlag in der Hand hielt.
„Ist etwas passiert?“ fragte sie. „Was hast Du da?“ „Ein Telegramm aus
Anchorage“, erwiderte Tom. „Sie wollen mein Städtebauprojekt zurückziehen. Das
Land ist zu unerschlossen, meinen sie. Niemand würde in der
Einöde in Alaska leben wollen. Es gibt keine Ärzte, keine Piloten, keine
Lehrer. Und Touristen würden sich dorthin auch nicht verirren. Selbst die
Ureinwohner wollen dort angeblich nicht leben.“ „Oh Tom“, meinte Xhosa. „Und Du
hast so viel Mühe in dieses Projekt investiert! Glaubst Du, die lassen sich
umstimmen?“ „Da müsste ich denen schon das Gegenteil
beweisen“, sagte Tom bitter. „Und das kann ich nicht. Ich kann Städte planen,
aber keine Menschen dazu bewegen, sich ausgerechnet in Alaska
– in der Einöde – niederzulassen. Oder kennst Du jemanden, der sich da nieder
lassen würde?“ „Ja, ich!“ rief Ona, die mit halbem Ohr zugehört hatte. „Sofort!
Was ist mit Dir, Leo?“ Auch Leo war Feuer und Flamme, und so nach und nach
bildete sich eine kleine Traube um den Städteplaner, und alle versicherten ihm,
dass man sich nichts schöneres vorstellen könnte, als
in Alaska zu leben. Doch Tom zweifelte ein wenig. Ja – guter Wille war eben
nicht alles. Für ein paar Wochen ließ es sich sicher aushalten, aber länger?
„Komm, jetzt feiern wir erst einmal“, schlug Xhosa vor. „Morgen
machen wir einen Plan – ich bin sicher, uns fällt schon was ein. Und morgen
hast Du ja auch Geburtstag!“ „Aus dem Feiern kommen wir hier gar nicht mehr
raus“, staunte Gandalf.
Snupi war ein wenig gekränkt, dass ihre Freundin Ninschen sich so gar nicht um
sie kümmerte. Immerhin war sie nur wegen ihr an Bord geblieben und nicht mit
Stephan und Harry zurück geflogen. Doch die konnte offenbar gar nicht genug von
ihren Eltern bekommen. Dabei hätte sie Ninschen so gerne von ihrem
Albtraum erzählt – aber so wurde das wohl nichts. Sie sah sich ein wenig um. Ob
der Steward sich für ihren Traum interessierte?
„Ist das nicht ein wunderschöner Tag?“ fragte Falk
seine Kat, die heute in ihrem lindgrünen Trägerkleid (ein wenig zu luftig für
diesen Tag, der Wind war fast eisig) wieder einmal bezaubernd aussah. „Soviel
Glück auf einmal! Ist es nicht wunderbar, dass sich Graf und Gräfin hier an
Bord gefunden haben? Dass wir uns gefunden haben? Kat – könntest Du Dir
vorstellen – ich meine, ich weiß, Du hast Deinen Beruf, der Dich ausfüllt –
aber könntest Du vielleicht... Es ist vielleicht ein wenig zu früh, aber wenn
man sich sicher ist... Kat, Du... Passen Sie doch auf!“ raunzte er den
verwirrten Doktor an, der ihn von hinten angerempelt hatte. Himmel, dieser Kerl
störte auch immer im falschen Augenblick!
Dr. Few Master sah den Kapitän irritiert an. Was wollte er? Egal. Er würde
ohnehin kündigen. Was sollte er noch auf diesem Schiff? Hoffentlich legte es
bald in New York an, dann würde er den nächsten Flieger nach Hamburg nehmen.
Und alle konnten sie ihm gestohlen bleiben. Alle! Es war geradezu erbärmlich,
wie alle vor sich hin strahlten. Er lauschte ein wenig dem
Gespräch zwischen Miss Scarlet und Tapetchen, die sich über
die Reinigung von Sofas unterhielten, auch Paula und Baby Jane standen bei
ihnen, aber die beiden gähnten nur und sahen sich vielsagend
an. Na ja, war auch ein langweiliges Thema, fand er.
In der anderen Ecke plauderten der Cessnaritter und die dritte Österreicherin –
wie hieß sie noch gleich? Es war offensichtlich, dass sich die beiden sehr
sympathisch fanden. Und seine Assistentin? Die hing an
diesem Forenmanager, dass es schon bald nicht mehr
feierlich war. Brauchte er wenigstens kein schlechtes Gewissen zu
haben, wenn er hier kündigte. Det würde sicher auch nicht mehr lange auf diesem
Schiff bleiben.
„Wir müssen das nächste Flugzeug nehmen, wenn wir an Land sind“, drängte Ralf
seinen Kollegen Armin. „Ich möchte nicht wissen, was in der Zwischenzeit alles im Forum
passiert ist – immerhin hatten wir eine Bundestagswahl! Da fällt mir ein – hast
Du gewählt?“
Ja – hatte Armin gewählt? Wenn ja, welche Partei? Hatten die anderen Passagiere
auch gewählt? Was lief zwischen dem Cessnaritter und
Miss Deckard? Würde Tom es gelingen, seine Auftraggeber in Anchorage davon zu
überzeugen, dass die Einöde in Alaska der richtige Platz für eine neue
Ansiedlung war? Würde der Kapitän einen neuen Anlauf bei Kat nehmen? Und würde
der Doktor wirklich kündigen? Und – wohin segelte das Schiff wirklich? Konnte
Willi es auf Kurs bringen? Mal wieder Fragen über Fragen…
193. Folge: Stilles
Glück in der Kapitänskabine [1. Teil] (von Baby Jane)
Kameraeinstellung
auf Kapitänsbett von F. Rickmers. In der Kabine ist es dunkel, nur eine kleine
Kerze brennt. Durch ein Bullauge scheint der Mond. Kat und der Captain liegen
in Löffelchenstellung aneinander geschmiegt, nur von einem Leintuch bedeckt.
Kat (sehr ernst): "Falk, ich spüre es."
Rickmers: "Was spürst du, Liebes?"
Kat (langsam): "Ich spüre es genau ..."
Rickmers zieht Kat fest an sich.
Kat: "Ich spüre, wir haben gerade ein Kind gezeugt, Falk."
Rickmers dreht Kat sanft zu sich und blickt ihr in die Augen. Er ist tief
bewegt.
Rickmers: "Ein Kind ..." Er küsst Kat innig.
Kamera geht ganz nah auf Kats Gesicht.
Kat (träumerisch): "Ich glaube, es wird Foren Rickmers heißen."
193. Folge: Stilles
Glück in der Kapitänskabine [2. Teil] (von Paula_Tracy)
Kat
schreckte auf, als der Doktor den Kapitän anrempelte. Irgendwie hatte sie Falks
Worte gar nicht so richtig mitbekommen, weil dieser Traum so schön war. Ein
Kind von Falk! Wäre es nicht schön, wenn dieses Kind noch auf dieser Reise
gezeugt würde? Aber vielleicht mochte Falk ja gar keine Kinder? Sie würde ihn heute
Abend in der Kabine fragen, das stand fest!
Sie seufzte und lächelte ein wenig, als sie sah, wie der Reeder Miss Scarlet,
die in ein intensives Gespräch mit der Kapitänssekretärin vertieft war, auf
sich aufmerksam machen wollte. Er machte kleine Faxen, verdrehte die Augen,
schickte Kusshände – aber Miss Scarlet schien das Thema ungeheuer fesselnd zu
finden, zumindest tat sie mal so. Kat machte Paula ein Zeichen, und diese
begriff. „Scarlet, ich habe da ein Problem“, begann Paula und zog Scarlet einfach
mit sich. „Was ist denn, Paula?“ fragte Scarlet besorgt. „Es ist der Doktor,
nicht wahr? Nimm es nicht so schwer, denn...“ „Nein, es geht nicht um mich“,
lachte Paula. „Da hinten wartet jemand auf Dich!“ Der Reeder nickte ihr dankbar
zu. „Aber H.G., was sollen meine Freundinnen nur
denken?“ sagte Scarlet. „Ach Scarli, das ist mir so
egal! Morgen oder übermorgen legt das Schiff in New York an, dann wirst Du
bestimmt schon Pläne haben, ich muss meine Sonnenbänke verkaufen – und was
dann? Wir sollten den Abend gemeinsam verbringen, außerdem habe ich Geburtstag!
Ich darf mir doch was wünschen, Scarli, gell? Gehst
Du mit mir in die Kabine?“ Er gab ihr einen neckischen Kuss auf die Nasenspitze
und Scarlet sah sich um. Kat und Paula standen immer noch da und zwinkerten ihr
zu. Na, die würden sich bestimmt die Mäuler zerreißen! Aber die hatten es
gerade nötig! Hatten ja schließlich selber was mit Besatzungsmitgliedern. Nein,
es war absolut in Ordnung, wenn sie mit dem Reeder in die Kabine ging. Und was
da passierte, ging niemanden was an. Punkt.
„Kat, ich möchte heute Abend ganz alleine mit Dir in meiner Kabine essen!“
sagte Falk. „Bei Kerzenschein und gutem Wein – wir haben uns noch soviel zu
erzählen...“ ‚Erzählen will ich heute abend
eigentlich nicht’, dachte Kat. ‚Aber das bringe ich Dir schon noch bei, wenn
wir erst dort sind...’ „Natürlich, das wäre wunderbar“, sagte sie laut. „Zieh
Dein himmelblaues Kleid an“, flüsterte der Kapitän und sah ihr tief in die
Augen. „Es passt perfekt zu Deinen Augen...“
„Können Sie mir vielleicht sagen, was das hier soll?“ Mr. Butermaker war immer
noch ratlos, was er mit dem „T“ sollte. Tapetchen musste lachen. „Es ist ihr
fehlendes ‚t’“, meinte sie. Haben Sie es denn noch nicht vermisst?“ Mr.
Butermaker schnaubte verächtlich. „Das ist doch nur wieder eine Boshaftigkeit
des Doktors!“ rief er. Tapetchen verstand zwar nicht, was der Doktor mit dem
fehlenden „T“ von Mr. Butermaker zu tun hatte, aber eigentlich war das ja egal.
Dieser Butermaker kam ihr gerade recht – der hatte doch Premiere! Und heute
Abend lief „Van Helsing“. Wenn sie ihm vielleicht ein
wenig gut zuredete, vielleicht...?
„Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen, Cessna?“ fragte Miss Deckard gerade
den Piloten. „Ich meine, ich kann Sie doch nicht immer Cessna nennen... Oder
ist das ein Geheimnis?“ Cessna war begeistert. Endlich eine Frau, die sich
wirklich für ihn interessierte! Und so eine hübsche, elegante Lady auch noch!
„Mein Vorname ist nicht halb so schön wie Ihrer, Marjorie“, murmelte er. „Sie
haben einen wunderschönen Vornamen, Marjorie... Wollen wir nicht ein wenig an
Bord gehen und in die Sterne schauen?“
Leo diskutierte immer noch mit Xhosa und Tom über die Ansiedlung in Alaska und
war ein wenig unwillig, als Kaschi sie mitzog. Sie hatten sich heute Nachmittag
ein wenig gestritten, weil Leo behauptet hatte, Kaschis Lieblings-Tierserien
wären alle grauenhaft umgesetzt gewesen. Leo hatte sogar darüber gelacht.
Kaschi war tief gekränkt gewesen, aber nach einem Gespräch mit Patricia und
Nobbi war er zu dem Entschluss gekommen, ihr das zu verzeihen. Er hatte seine
Kabine mit den restlichen Rosenblättern ausgelegt und die neueste DVD der
Augsburger Puppenkiste eingelegt – vielleicht gefiel ihr das ja besser?
„Xhosa, weißt Du, wo Baby Jane ist?“ Yeti-Klaus sah merkwürdig erregt aus, fand
Xhosa. Aber auch irgendwie... entschlossen. „Sie wollte in die Kabine, ein
wenig lesen“, antwortete Xhosa. „Aber Klaus, sie wollte nicht gestört...“ Sie
brach ab, denn Klaus stürmte wie ein Hurrikan davon. Sie seufzte. Baby Jane hatte
solches Glück. Alle schienen solches Glück zu haben. Ach ja.
193. Folge: Stilles
Glück in der Kapitänskabine [3. Teil] (von Baby Jane)
Dr.
Few Master saß auf dem Untersuchungstisch in seinem Ärztezimmer und sah
nachdenklich den Rauchwölkchen seiner russischen Zigarette nach: Immer öfter
ertappte er sich in letzter Zeit dabei, dass er, wie auch jetzt, sein
bisheriges Leben vor seinem geistige Auge Revue passieren ließ. Eine
Midlife-Crisis konnte das nicht sein, dessen war sich der Russe sicher. Zugegeben,
er war im Sommer ins 42. Lebensjahr eingetreten, aber das war doch allerbestes
Mannesalter! Man hatte gelebt, geliebt, gearbeitet, man hatte die Welt kennengelernt - keine Frage, er, Fewmaster, konnte durchaus
auf ein erfülltes Leben zurückblicken! Aber war das wirklich schon alles gewesen?
Few dämpfte seine Zigarette aus. Warum aber, fragte er sich, hatte er seit
einigen Wochen gelegentlich dieses merkwürdige Ziehen in der Brust? Als
durchzöge eine namenlose Sehnsucht sein Herz. War es eine tief vergrabene,
längst vergessene Einsamkeit, die da schmerzhaft berührt wurde? Der Doktor fuhr
sich gedankenverloren durch sein kurz geschorenes Haar. Wenn es Sehnsucht war,
wonach? Wohin zog es sein Herz? Wollte er zurück zu jener Zeit und jenem Ort,
als er mit Dr. Tracy die Nacht verbracht hatte, Rilke lesend? War es das, was
sein Sehnen erlösen würde? Oft hatte er daran zurückgedacht, wie kostbar die
Stunden ihm gewesen waren, als man, neben- und leicht aneinander gelehnt am
Boden der Kabine inmitten den Werken der großen, ja, der allergößten
Dichter dieser Welt sitzend, eingeschafen war.
Einträchtig, friedlich, in einer Harmonie, einem Einklang, den er vorher noch
nie gekannt hatte. Zog es ihn dorthin? War es Paula Tracy, die er vermisste?
Jene Frau, die er nicht nur bildhübsch fand, sondern auch als klug, belesen, humorvoll und weise kennenlernen
durfte?
Ein Schluchzen löste sich aus des Doktors Brust.
Paula! Few Master richtete sich auf. Paula! Er spürte plötzlich eine
Entschlossenheit, ja, die Gewissheit, wie er zu handeln hatte! Nicht wie Hamlet
würde er weiter zweifelnd durchs Leben gehen. Nein, er, Few Master, Doktor der
gesamten russischen Heilkunde, würde sein Glück dieses Mal, dieses eine Mal, am
Schopf packen und handeln. Wer wagt, gewinnt - dieses uralte Sprichwort aus dem
tiefsten Kaukasus, es würde auch für ihn gelten!
Was, wenn die Ärztin aber "nein" sagen würde? Was, wenn ihr ihre
Unabhängigkeit wichtiger war als Zweisamkeit? "Egal!", rief der
Schiffsarzt entschlossen, "ich setze alles auf eine Karte. Miss Tracy oder
keine!"
Schnellen Schrittes eilte er in seine Kabine und holte mit sicherem Griff Band
3 der Rilke-Edition aus dem Regal. Seite 325, da war es, das Gedicht, mit dem
er Paula Tracy sein Herz zu Füßen und seine Seele in die Hände geben würde. Es gabe kein Zurück mehr. Eilig schrieb Few Master das Gedicht
auf seinen Thomaphyrin-Rezeptblock, den ihm Miss
Schlaue Det geschenkt hatte. Dann rannte er damit an Deck, wo Miss Tracy im
Liegestuhl saß, über ein Buch gebeugt. Was las sie? "About
a Boy" von Nick Hornby. Few, der sich in diesem
Moment ebenfalls wie ein kleiner Junge fühlte, unbeschwert, glücklich und in
der Gewissheit, mit dieser Frau das Glück zu erobern, trat zu ihr. Ihre Blicke
trafen sich. Etwas Warmes, Lächelndes, Gütiges spiegelte sich in ihrer beider
Augen. Diese Liebe ist wie Heimat, dachte sich Few Master. Er überreichte Paula
Tracy das Gedicht. Und als sie es las, kam ihm vor, als sei ihr ganzes liebes
Gesicht in Sonne und Freude getaucht.
"Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an Deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied."
-------------------------------------
Dr. Paula Tracy und Dr. Few Master erlaubten sich am 6.10.05 um 22.15 am Schiff
Werderania ihre Verlobung bekanntzugeben. Man
munkelt, dass in der Nacht auf den 7. Oktober, in einer Sekunde der
überschäumenden Liebe und lauten Leidenschaft der Sohn Clarence gezeugt wurde.
Aber zu dieser Begebenheit legen die Chronisten der Forennovela verschmitzt
ihren Zeigefinger auf die Lippen und schweigen ... schmunzelnd und taktvoll.
194. Folge: Der
Yeti-Klaus (von Helli Gräfin E.)
Engumschlungen ging die
wiedervereinte gräfliche Familie an Deck der Werderania in der späten
Nachmittagssonne spazieren, ein Bild der Liebe und Harmonie, wenn auch so
gesehen etwas, breit, da Tochter Ninschen immer noch mit argen
Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte.
Zwiespältig sah der Yeti-Klaus dieses Bild...Sympathieträger waren Fischkrepp und die Gräfin
nicht gerade gewesen, und doch, diese glücklichen Zufälle konnten niemanden unbeberührt lassen.
Yeti seufzte...sein Leben entbehrte dieser Aufregungen, ja, wenn er zurück
dachte, war er immer jemand gewesen, der wartete, schon damals, als kleiner
Junge, hatte er gewartet auf die Mama, die beim Friseur saß, während er brav in
den Zeitugnen blätterte, später dann wartete er
geduldig auf Elke, seine Klassenkameradin, wenn diese Ballettuntericht
hatte, schlimmer wurde es, als er als einer der ersten
den Führerschein hatte und zwar die hübschensten Mädchen inseinem Opel Kadett herumfuhr, diese aber dann meistens
den anderen den Vorzug gaben, den grinsenden selbstbewußten
Jungs, die die Mädels schlecht behandelten und
dafür auch noch belohnt wurden. Und er, Yeti-Klaus wartete.
Verdammt noch mal, und nun schon Jahre auf Baby
Jane. Ihr die kalte Schulter zu zeigen, sie eifersüchtig machen, ach nein, das
alles war nicht sein Bier. Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Treue hießen seine
Begleiter, und doch, es war zu fürchten, das sah er selbst ein, die Langeweile
ließ sich da wohl nicht immer abschütteln.
Verflucht. Man lebte doch nur einmal! Und in ihm da pulsierte es, da war ein
Vulkan vor dem Ausbruch, geballte Männlichkeit, die nur darauf wartete,
Frauenherzen und alles, was da so drumherum ist zum
Erbeben zu bringen.
Nein, nicht Frauenherzen, ein Herz, das Herz seiner Baby Jane.
Er wollte keine andere. Sie war seine Sonne.
Mürrisch ging er an die Bar und kippte sich einen
doppelten Whiskey hinter die nicht vorhandene Binde. Und weil dieser so gut schmeckte, gleich noch
zwei hinterher. Und er rauchte, was er sonst nie tat. Innerhalb von fünf
Minuten war ihm schwindelig und schlecht. Und er spürte,
nun muss etwas passieren.
Todesmutig kippte er sich einen weiteren Drink hinein, drückte die Zigarette
neben dem Aschenbecher auf dem schönen Teakholztisch aus und marschierte zu Baby Jane
Kabine und riß die Tür auf.
Die geliebte Unerreichbare saß lesend auf einem Sessel und kreuzte in der Hörzu
interessante Sendungen der kommenden Woche an. Als sie ihn sah, zog sie wie
immer, leicht die eine Augenbraue spöttisch hoch, als wollte sie
sagen, "Na, Du schon wieder?" Und
das dacht es sie auch, obwohl ihr auch durch den Kopf schoß "Meine Güte, wenn
er so stürmt, da sieht er ja richtig verwegen aus und hat nicht mehr diesen
Dackelblick".
Kurz schwiegen sich die beiden an, Yeti-Klaus
zögerte, doch kam ein jahrelang angestauter Wortschwall, der ließ sich
nicht mehr stoppen.
"Weib!" (Er sagte tatsächlich Weib, warum weiß ich nicht. Aber warum
nicht). "Du bist mein Weib, meine Frau, meine Blume, mein Stern, vorhin schrieb jemand Sonne, das
alles bist Du! Und Du weißt es! Ich liebe Dich, so wie man einen Menschen nur lieben kann,
ich möchte für Dich sorgen, für Dich da sein, Dich auf Händen tragen, Dich
lieben und küssen auch noch im Alter, wenn Deine entzückenden Lachfältchen
tiefer geworden sind, Dein entzückender Busen wahrscheinlich auch, immer
werde ich Dich lieben, Dich küssen wollen, auch wenn Du frech zu mir bist oder
betrunken vom Filmionär spielen nach Hause kommst und
alles unordentlich machst. Und ich will verdammt nochmal
Dein Mann sein, zu dem Du aufschaust, und dem Du treu
bist bis in den Tod. Du darfst mich nur nie wieder so spöttisch angucken, es sei
denn, Du willst den Popo verhauen bekommen." Sprach es, und schritt zu ihr und hob
sie tatsächlich hoch und warf sie aufs Bett und sich dann auf sie, und das
ganze sah jetzt aber überhaupt nicht dämlich aus, sondern man merkte, wow, dieser Mann weiß was er will und bekommt es auch.
So erging es auch Baby Jane. Gedanken wie "Was ist das denn jetzt für
einen peinliche Nummer" oder " Hoffentlich sabbert er nicht
wieder" wichen kampflos vom Platz, denn neben der Überraschung spürte sie eines:
"Das ist Liebe, und hier steht ein Liebender vor mir bzw. liegt
mittlerweile auf mir, der erweckt auf etwas in mir, dass kenne ich ja noch gar
nicht..." Und während sie die Augen schloß, spürte sie die rauhen Küsse des Mannes und erschauderte, und ließ es,
in immer größer werdenden Erregung kommend zu, dass seine Händen über ihren
Körper strichen..
Er nahm sie, so wie man es in schlechten und in guten
Romanen liest und er ließ auch keinen Widerstand zu. Und er wußte,
nach diesem Akt war er ein anderer- nein, er war der geworden, der er eigentlich schon immer war.
"Oh, mein Heathcliff" flüsterte die erschöpfte Frau neben ihm.
"Bitte, bitte, heiratest Du mich?"
Mit einem leise raunenden "Ja, meine Geliebte", beugte er sich über
sie, küßte zart ihren Hals und ihre Augen, um dann
den Mund mit einem ewig währenden Liebesschwur zu versiegeln und
eine weitere Reise mit der Schönen in das Reich der tobenden Sinne zu beginnen.
195.[a] Folge:
Störenfriede (von Paula_Tracy)
Voller
Vorfreude eilte Kat in ihre Kabine und stellte sich vor, wie der heutige Abend
verlaufen würde. Natürlich würde sie das himmelblaue Kleid tragen und ihr
seidiges Haar auf extrastarke elektrische Wickler
drehen, damit Engelslocken ihr schmales Gesicht umspielen konnten. Na, ihr
Kapitän konnte sich auf einen romantischen Abend freuen! Dazu ein paar Tropfen
Chanel Nr. 5 – oder doch lieber Tosca, denn mit Tosca kam die Zärtlichkeit ? – eine Blume im Haar und die geliehene
Perlenkette von Helli... Himmel, wo war denn nur das Kleid? Hatte sie es am
Ende gar nicht mitgenommen? Nein, sonst würde es der Kapitän doch nicht kennen?
Es war weg – ihr himmelblaues Kleid war weg! Halt – sie hatte es Ona geliehen!
Warum auch immer – hoffentlich hatte sie es noch nicht getragen! Kat zog sich
eine Jacke über ihr Kleid (die Luft war wirklich merkwürdig eisig) und eilte
über den Flur, um zu Onas Kabine zu gelangen. Als sie an Baby Janes Kabine
vorbeikam, hörte sie merkwürdige Laute, blieb stehen und lauschte. Was ging da
vor? Aha! Sie grinste und lief weiter. Offenbar ging es Baby Jane momentan sehr
gut. Aus Kaschis Kabine kamen ebenfalls merkwürdige Laute – die erinnerten Kat
allerdings mehr an ihre Kinderzeit. Was Kaschi und Leo wohl machten? Hörte sich
ja fast so an, als ob das Urmel sprach! Manche Männer
hatten schon komische Methoden, eine Frau schwach zu machen. – Da war Onas
Kabine! Ohne anzuklopfen stürmte Kat in die Kabine und blieb starr vor Schreck
stehen. De Guy! Was machte der denn in Onas Kabine? Und wo war Ona?
Ja, wo war Ona? Wusste sie, dass De Guy in ihrer Kabine war? Und wie würde das
unerwartete Wiedersehen mit ihrem Exfreund für Kat ausgehen? Hatte De Guy noch
Rachegelüste ihr gegenüber?
„Ich dachte schon, Sie wären die Freundin dieses Sängers“, gestand Cessna.
Marjorie sah ihn verständnislos an. „Sie meinen Heino? Aber nein, wie kommen
Sie nur darauf? Ich war seine persönliche Assistentin. Mittlerweile hat aber
Willi diese Stelle.“ Cessna atmete auf. „Und ich dachte, Sie wären unsterblich
in Miss Scarlet verliebt“, sagte Marjorie. „Daher habe ich mir gar keine großen
Hoffnungen gemacht...“ Cessna sah sie entzückt an. „Sie... Sie mochten mich von
Anfang an?“ Marjorie errötete. Sie hatte sich verraten. Tatsächlich hatte sie
ihr Herz sofort an ihn verloren, als sie ihn zum ersten Mal sah. Sie senkte den
Kopf, doch Cessna legte seine Hand unter ihr Kinn und sah ihr tief in die
Augen. Wie hatte er sie nur so lange übersehen können? Sie war ja viel hübscher
als Miss Scarlet! Diese großen braunen Augen, die kleine zarte Nase, der
wunderschöne Mund... Zum Küssen wie geschaffen. Immer näher kam sein Gesicht,
Marjorie erbebte vor Erwartung, doch da... „Miss Deckard, Sie müssen mir
helfen!“ Der Zauber war vorbei. Verärgert sahen die beiden den Schiffsjungen
an, der sie aus ihrer Verzauberung geholt hatte. „Ich plane eine Überraschung
für Heino, und da dachte ich, Sie kennen ihn doch mittlerweile so gut...“
Cessna wandte sich ab und nahm sich vor, diesem Willi bei der nächsten
Gelegenheit ein Bein zu stellen, und zwar so, dass er wochenlang außer Gefecht
war. Oder sollte es mal wieder so sein? War es Schicksal, dass er ständig Pech
bei Frauen hatte?
195.[b] Folge: Gesucht
– gefunden (von Scarlet)
Erschrocken
blickte De Guy zu Kat, als sie in Onas Kabine stürzte. „Was machst Du denn
hier?“, fragte er entsetzt. „Und was machst DU hier?“, fragte Kat ebenso entgeistert. „Ich möchte eine Überraschung für Ona
vorbereiten, sie ist immer noch böse auf mich. Aber ich liebe sie wirklich und
das will ich ihr beweisen! Kat, das mit uns beiden tut mir leid, es war ein
Irrtum. Ich war wirklich etwas durcheinander. Bitte verzeih mir!“, stammelte
der Klavierspieler. „Ja, De Guy, Du hast Recht, das mit uns beiden hätte nie
geklappt. Verzeihst Du mir auch?“ Die Erleichterung stand beiden ins Gesicht geschrieben.
„Natürlich verzeihe ich Dir!“ Die beiden fielen sich um den Hals und in dem
Moment betrat Ona die Kabine. „Was ist denn hier los?“, rief sie wütend. Sofort
ließ Kat den Pianomann los und erklärte Ona, was sie in ihrer Kabine wollte,
dass sie nämlich nur ihr hellblaues Kleid suchte. Sie bat Ona, De Guy
zuzuhören, was er ihr zu sagen hätte und dass sie, Kat, wirklich keine Gefahr
für sie darstellte, da sie nur den Kapitän liebte. Ona ließ sich von Kat
einigermaßen beruhigen und gab ihr das gesuchte Kleid, das sie, nachdem es
gereinigt wurde, für Kat in ihrem Kleiderschrank aufbewahrt hatte. Nachdem Kat
ihr Kleid wieder bekommen hatte, überließ sie Ona und De Guy sich selbst und
beeilte sich, wieder in ihre eigene Kabine zu kommen
Während sich Kat in ihrer Kabine für das Candlelight-Dinner
mit dem Kapitän fertig machte, hatten einige andere Paare an Bord das
Abendessen übersprungen und widmeten sich gleich dem Teil, den Kat insgeheim
als „Nachtisch“ plante. Vorsorglich trug Kat unter dem - wie von Falk
gewünschtem - hellblauen Kleid, welches ihre Augen so gut zur Geltung brachte,
das, mit dem sich auch Marilyn Monroe nach eigener Auskunft des Nächtens
bekleidete: Chanel Nr. 5 und … sonst gar nichts.
Seit langem war es wieder einmal sehr still an Bord der Werderania, an Deck war
kaum jemand zu sehen. Ninschen hatte sich mit ihrer
Freundin Snupi in ihre Kabine zurückgezogen, die
beiden Mädchen hatten sich viel zu erzählen. Die Kapitänssekretärin und Mr.
Butermaker hatten sich in seine Kabine mit Premiere-Anschluss begeben und
verfolgten gespannt die Handlung von „Van Helsing“.
Während sie gebannt auf den Bildschirm starrten, knabberten sie gemeinsam an
dem Lebkuchen-‚T’, das vom trostlosen Geburtstagsspiel übrig geblieben war.
Dabei stießen sie mit ihren Nasenspitzen zusammen und blickten sich lange und
tief in die Augen, sodass Tapetchen sogar den Auftritt von Hugh Jackman verpasste. Butermaker legte das Angebissene
Lebkuchenteil beiseite, ohne dabei die Augen von der Frau neben sich abzuwenden
und wortlos umarmten sich die beiden und küssten sichinnig.
Der 16:9 Fernseher lief solange weiter, bis der von Butermaker eingestellte Sleep-Timer aktiv wurde. Doch das bemerkten die beiden gar
nicht mehr…
Die Gräfin und ihr 1. Offizier Danilo spazierten in der mondhellen Nacht über
das Promenadendeck bis zum Heck des Schiffes. Unterwegs sahen sie den
Cessnaritter und Miss Deckard, die verträumt an der Reeling
lehnten und in den Sternenhimmel blickten.
Marjorie
konnte Willi erfolgreich auf später vertrösten und so hatte sie der
Cessnaritter wieder ganz für sich.
„Willst Du mir nicht verraten, wie Dein Vorname ist?“, fragte die Wienerin den
verwegenen Flieger, der ihr gerade sämtlich Namen der Sterne aufzuzählen
schien, an denen er sich bei nächtlichen Flügen orientierte. „Sag mir doch
bitte Deinen Namen.“, bat sie ihn noch einmal. Verlegen sah er in den
dunkelblauen Nachthimmel. „Du wirst es mir ja doch nicht glauben, oder Du wirst
darüber lachen.“, antwortete er leise. „Mein Vorname ist Cessna und mein
Nachname ist Ritter.“ „Aber das ist doch wunderschön!“, sagte Marjorie, „Viel
schöner als mein Vorname! Ich weiß nicht, was sich meine Eltern dabei dachten,
als sie mich so nannten. Meine Mutter sah immer so gerne „Das Haus am Eaton Place“, aber das ist doch
kein Grund, mich so zu nennen, wie diese Frau aus der Serie.“, meinte Miss
Deckard und ihre Stimme klang ein klein wenig traurig. „Aber Marjorie, Dein
Name ist wunderschön, er ist etwas Besonderes, genau wie Du.“, versuchte sie
der Cessnaritter zu trösten und legte sanft seinen Arm um ihre Schulter. Ja,
diese Frau war wirklich etwas Besonderes, sie war der eine Stern, der für ihn
am hellsten leuchtete, an dem er sich in Zukunft orientieren wollte, dessen war
er sich mit einem Schlag ganz sicher. „Egal, wie die Sterne da oben alle heißen
mögen und wie hell sie auch leuchten, keiner von ihnen strahlt so schön wie Du,
Marjorie.“ Gerührt drehte Miss Deckard ihr Gesicht zu Cessna, der sich ein
wenig nach vorne beugte und ihre Lippen berührten sich sanft. Marjorie konnte
gerade noch ein „Oh Cessna!“ hauchen.