14. Staffel
196. Folge: Ein Smaragd
für Scarlet (von Paula_Tracy)
Miss
Scarlet und der Reeder saßen sich ein wenig verlegen in der Kabine gegenüber.
„Kaum zu glauben, dass wir spätestens übermorgen schon anlegen“, meinte Werderaner.
„Ja, kaum zu glauben“, wiederholte Scarlet. „Es ist schön, dass dieser
Bruchpilot doch noch eine kleine Freundin abbekommen hat“, sagte der Reeder.
„Ich hatte schon fast ein schlechtes Gewissen wegen Dir.“ Scarlet sah ihn
erstaunt an. „Du? Du hattest ein schlechtes Gewissen?“ „Ja, glaubst Du denn,
ich bin gefühllos?“ Verärgert stand Werderaner auf. „Das bin ich ganz und gar
nicht! Ich bin ein Ehrenmann, Scarli – ich spanne normalerweise keinem anderen
die Frau aus...“ „Und warum hast Du es dann getan?“ Scarlet stand nun auch auf.
Ihre Blicke trafen sich im Spiegel über der Frisierkommode. Der Reeder
räusperte sich, fast sah es so aus, als ob er verlegen wäre. „Nun ja“,
tatsächlich, er hatte eine sehr gesunde Gesichtsfarbe angenommen, „wahrscheinlich,
weil...“ „Weil?“ half Scarlet nach. Werderaner drehte sich um und sah ihr nun
direkt in die Augen. „Weil Du es bist“, gestand er. „Wir haben uns do
Der Reeder nestelte an seiner Jackettasche herum. „Du hast so wunderschöne
grüne Augen, Scarli...“ Scarlet seufzte. Ihre Augen waren blau. Aber egal. „Ich
dachte mir, der hier würde passen...“ Werderaner ließ ein kleines Schmucketui
aufschnappen, und Scarlet schnappte auch – nach Luft. Vor ihr lag ein
wunderschöner Smaragdring. „Aber Werder! Der war doch... Das ist doch... Nein,
Werder...“ „Dass Ihr Frauen immer so herumstottern müsst“, winkte Werder ab.
„Gefällt er Dir? Ich habe lange überlegt, ob ich den von QVC nehmen soll, habe
mich dann aber für HSE24 entschieden. Der Ring wurde präsentiert von
Puppen-Günter, da konnte ich nicht widerstehen.“ Scarlet hörte ihm schon gar
nicht mehr zu, sondern legte den Ring an. Er passte wie angegossen. Der Reeder
beobachtete sie entzückt. Was für eine Frau! Ob sie etwas von Sonnenbänken
verstand? Oder Brauereien? Oder wenigstens von Schiffen? Immerhin brauchte man
ja abends ein Gesprächsthema. „Hör zu, Scarli“, sagte er und zog sie an sich.
„Ich will, dass Du bei mir bleibst. Ich will nicht, dass wir uns in New York
trennen. Ich komme auch mit Dir nach Wien, wenn Du willst – aber in Bremerhaven
ist es auch sehr schön, glaub mir! Scarli, kannst Du Dir vorstellen, dass wir
beide...“ „Ja!“ flüsterte Scarlet. „Ja!“
In diesem Augenblick ging die Kabinentür auf, Gandalf stand da mit seiner neuen
Gitarre, Willi hatte seine Mundharmonika angelegt und Heino sang – oh wie schön
konnte dieser Sänger singen – aus voller Brust „Liebling, mein Herz lässt Dich
grüßen – nur mit Dir allein kann es glücklich sein. All meine Träume, die
süßen, legt es in den Gruß mit hinein...“ Scarlet stiegen vor Glück die Tränen
in die Augen, Werderaner steckte Willi einen Fünfzig-Euro-Schein zu und
murmelte „Danke, gut gemacht. Aber jetzt nicht mehr lauschen, okay? Und vergiss
meinen alten Freund Kaschi nicht, der ist auch in seiner Kabine. Singt ihm auch
was, ja?“
197. Folge: Urmel –
ohne Eis (von Scarlet)
Nachdem
das Trio (Gandalf, Willi, Heino) seinen Auftritt beim Reeder absolviert hatte,
marschierte es weiter zu Kaschis Kabine, so wie es ihnen aufgetragen wurde. Mit
50 Euro war der Reeder diesbezüglich mehr als großzügig.
Vor der Unterkunft des Maschinenmeisters angelangt, zögerten die drei. Was
hörte man da für seltsame Geräusche aus Kaschis Kabine? Sie lauschten genauer.
Sie verstanden kaum ein Wort und die Stimme, die sie hörten klang auch
reichlich merkwürdig. Willi behauptete etwas wie „und merk Dir zum Sschluß: daß
das tleine Tindlein doch die sschönen Sachen sehen muß, daß das tleine Tindlein
doch die sschönen Sachen sehen muß!“ zu hören. Die drei sahen sich
verständnislos an und schüttelten den Kopf. Zwischendurch hörte man immer eine
Frauenstimme in der Kabine kichern. Was sollten sie jetzt bloß tun? Sie hatten
doch vom Reeder höchstpersönlich den Auftrag, für Kaschi auch zu singen. Sie
könnten das doch nicht ignorieren, das würde doch an Befehlsverweigerung
grenzen. Und wer weiß, was der Reeder mit ihnen machen würde, wenn sie seinem
Wunsch nicht folge leisteten, er ist ja oft so unberechenbar.
So beratschlagte man eine Weile, was man tun sollte. Man kam zu dem Schluss,
dass man den Auftrag ausführen sollte, was sollte schon sein? Sie würden Kaschi
höchstens beim Fernsehen stören. Wie au
Gandalf zupfte enthusiastisch die Gitarre, Willi spielte inbrünstig die
Mundharmonika und Heino… Heino tat gar nichts, der war sprachlos ob der Szene,
die sich ihm da bot.
Auf Kaschis Lippen erstarben die Worte „und merk Dir zum Sschluß: daß das tleine
Tindlein doch die sschönen Sachen sehen muß“. Leo, die auf dem Bett saß, hüllte
sich rasch in die Bettdecke und sah verlegen zu den Musikern.
Jetzt erst unterbrachen auch die beiden anderen ihre musikalische Darbietung,
und blickten zu Heino. Gandalf deutete ihm, was denn los wäre, er solle doch zu
singen beginnen, doch Heinos Gesicht war wie versteinert und noch blasser als
sonst. Willi und Gandalf sahen in die Richtung, in die Heino starrte und Willi
fiel seine Mundharmonika aus der Hand.
Da stand Kaschi, bekleidet mit nichts als einem sehr, sehr (!!!) merkwürdigen
Höschen in Urmelform. Im Spiegel konnte man sogar die Rückansicht sehen! Da war
doch tatsächlich ein Drachenschwanz an Kaschis Rückseite zu sehen. (Alles
weitere bleibt der Phantasie der Leser überlassen!)
All das geschah in Sekundenbruchteilen. „Ach du liebe Zeit!“, entfuhr es
Gandalf. „Kommt, lasst uns hier verschwinden!“. Schnell nahm er Willi und den
noch immer wie paralysierten Heino an der Hand und zog sie aus der Kabine.
Heino konnte seinen Blick nicht abwenden, folgte jedoch Gandalf widerstandslos.
Willi schrie „Meine Mundharmonika, meine Mundharmonika, die hab’ ich von Heino
bekommen!“ (Das stimmte, denn Heino hatte bemerkt, wie traurig Willi war, dass
Gandalf die Gitarre bekommen hatte und so schenkte er ihm als Entschädigung die
Mundharmonika.)
Kaschi hob rasch die Mundharmonika auf und warf sie durch den Türspalt und
zischte den dreien wütend zu: „Wehe, ihr erzählt jemandem auch nur ein einziges
Sterbenswörtchen von dem hier! Ich warne Euch!“ und knallte die Tür effektvoll
hinter den Musikern zu. Diese Aktion gelang aber nicht ganz so, wie es sich
Kaschi gewünscht hätte, da er beim Tür zuknallen den Urmel-Kopf seiner
Kostümierung einklemmte und so musste er die Türe noch einmal öffnen, was dem
ganzen einen etwas peinlichen Beigeschmack gab.
Willi und Gandalf konnten jetzt nicht mehr anders als Lachen und sie erzählten
sich wieder und wieder die Szene, die sich da gerade abgespielt hatte: „Und
Heinos Gesicht!“….“ Und der Schwanz!“…“hahahah“ „und vorne, der Urmelkopf!
Meinst du wirklich dass Kaschi…“
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis sich die beiden wieder beruhigt hatten.
Bis zu Heinos Kabine, wo sie den geschockten Sänger hinbrachten, hatten die
beiden kein anderes Thema als „Kaschis Urmel“. Schließlich tat ihnen schon der
Bauch weh vor lauter lachen und sie begaben sich auch in ihre Kabinen, nicht
ohne noch etwas „urmeliges“ für den nächsten Tag auszuhecken.
198. Folge: „Good news“ (von Scarlet)
Am
nächsten morgen kamen alle sehr entspannt und glücklich, jedoch relativ spät
zum Frühstück. Alle waren so gut gelaunt, nur Tom und Xhosa wirkten etwas
nachdenklich.
Als Kaschi den Speisesaal betrat, hörte man ein unterdrücktes Kichern aus dem
Eck, wo einige der Crew-Mitglieder saßen. Kaschi warf einen bösen Blick, der
den Steward und den Schiffsjungen sofort verstummen ließ, in deren Richtung.
Ja, wenn Blicke töten könnten, dann wären die beiden jetzt wahrscheinlich von
ihren Stühlen gekippt! Sofort begruben die beiden ihre Pläne, die sie gestern
noch ausgeheckt hatten, sie würden die Urmel-Pupppe doch lieber unter dem Tisch
lassen.
Die gräfliche Familie saß glücklich vereint beim Tisch und genoss das üppige
Mahl, das Ona zubereitet hatte. Die Chef- Pâtissière hatte sich wieder einmal
selbst übertroffen. Merkwürdigerweise beachtete sie den Klavierspieler, der sie
aus einiger Entfernung anhimmelte überhaupt nicht. Anstatt dessen plauderte sie
angeregt mit Baby Jane und Yeti-Klaus, die beide wie frisch Verliebte wirkten.
Aufmerksam hörte Ona zu, was Baby Jane zu erzählen hatten, während ihr Klausi
sie aufmerksam beobachtete, ihre Hand hielt und sanft streichelte. „Wirklich!“
rief die Köchin auf einmal so laut, sodass sich alle Anwesenden zu ihnen
umdrehten. Ona hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund und schaute
verlegen. „Ohje, jetzt war ich wohl zu laut! Hätte es noch niemand wissen
sollen?“, fragte sie jetzt wieder leiser das Paar vor sich. „Es ist ja nur,
weil ich mich so für Euch freue!“ „Ja, Ona, macht gar nichts, wir wollten es
jetzt ohnehin allen sagen.“, beruhigte Baby Jane die aufgebrachte Ona.
Überglücklich fiel Ona Baby Jane um den Hals und gratulierte ihr, dann umarmte
sie auch Yeti-Klaus und küsste ihn auf die Wangen.
Was war denn da nur los? Die anderen konnten sich nicht erklären, was da vor
sich ging, obwohl einige der Damen, allen voran Paula, schon ahnten was da
geschehen war.
Jetzt stand Yeti-Klaus auf und Baby Jane folgte ihm, sie gingen zum
Buffett-Tisch. Klaus ergriff eines der leeren Wassergläser und ein Messer und
klopfte damit gegen das Glas, so dass ein heller klingender Ton durch den Raum
schallte. Eigentlich war es gar nicht mehr nötig, so die Aufmerksamkeit der
anderen zu gewinnen, da seit Onas Aufschrei ohnehin schon jede Geste der beiden
beobachtet wurde.
Alle warteten gespannt, was Klaus jetzt sagen würde und schließlich wandte er,
der es nicht gewöhnt war, große Reden zu schwingen, an die Menge: „Meine lieben
Freunde! Ja, Freunde, das seid ihr während dieser Schiffsfahrt für uns
geworden! Wir, mein Baby Jane und ich haben Euch etwas Erfreuliches
mitzuteilen. Ich meine, für uns ist es erfreulich, ob es das für euch ist, weiß
ich nicht, aber ich hoffe doch, dass ihr Euch für uns freuen werdet!“ (Ja,
Yeti-Klaus war ein rhetorisches Genie!) „Was wir Euch hiermit sagen wollen,
liebe Freunde ist, dass Baby Jane und ich heiraten werden. Ja! Nach 17 Jahren
hat sie endlich ja gesagt! …“ Schnell unterbrach Baby Jane ihren Zukünftigen
und ergriff selbst das Wort: „Wir freuen uns wirklich, unsere Verlobung hier gemeinsam
mit Euch feiern zu können!“ Begeistert klatschten die Anwesenden in die Hände
und jubelten dem Paar zu. Paula Tracy konnte ein „Na endlich!“ nicht
unterdrücken. „Aber halt, Moment!“, rief Baby Jane in die jubelnde Menge, „Da
ist noch etwas!“, schlagartig waren alle wieder still und lauschten. „Wir
möchten so bald wie möglich heiraten, wenn es ginge, würden wir sogar noch
gerne hier auf dem Schiff heiraten, bevor wir in New York anlegen.“ „Jetzt
aufamol habt’s es eilig! Nur nix überstürzen Klausi! Nur ka Action!“, dröhnte
Arnie aus den hinteren Reihen, die anderen lachten. „Wir hätten Euch einfach
alle gerne dabei! Und Dich Paula“, Baby Jane winkte ihre Freundin zu sich, die
erstaunt aufstand und nach vorne ging, „Dich Paula hätte ich gerne als meine Trauzeugin!“
Paula umarmte Baby Jane „Das tue ich doch gerne für Dich!“, flüsterte sie der
Freundin ins Ohr, „und weißt Du was, Jane? Fewie und ich haben uns gestern
Nacht auch verlobt! Aber sag’s noch niemandem, ich möchte Dir heute nicht die
Show stehlen.“ Die beiden umarmten einander glücklich du strahlten.
Nachdem Paula dem Paar gratuliert hatte, standen alle anderen auch auf und
kamen nach vorne um die beiden zu beglückwünschen. Bald schon hatten sich
wieder zwei Grüppchen gebildet: Die Herren, die Yeti-Klaus auf die Schulter
klopften und dann mehr oder weniger schweigend beieinander standen und Kaffe
tranken und die Damen, die sich umarmten, herzten und küssten und schnatterten,
viel schnatterten! „Ja, was ist denn das!?“ kreischte Baby Jane, als ihr Scarlet
gratulierte und ihr dabei die Smaragd-beringte Hand reichte. Baby Jane ließ
Scarlets Hand nicht los. „Äh, das … ja …ähm“, stotterte Scarlet verlegen, „den
hat mir gestern Abend H.G. überreicht.“ Sie zog ihre Hand zurück und versteckte
sie verlegen hinter dem Rücken. „Nein! Wirklich? Das hätte ich ihm gar nicht
zugetraut!“ stellte Baby Jane erstaunt fest. „Ja, es war irgendwie süß, auf
eine tollpatschige Art romantisch.“, beschrieb Scarlet die gestrigen
Ereignisse. „Das heißt, ihr seid jetzt auch…?“, fragte Paula, die neben Baby
Jane stand und alles mitbekommen hatte und machte eine undefinierbare
Handbewegung. „Du, Fewie und ich auch, aber: PST!“ Paula legte den Zeigefinger
auf die Lippen und bedeutete Scarlet, nichts zu verraten, diese nickte. „Wann werdet
ihr denn heiraten und vor allem: wo werdet ihr wohnen?“, fragte Baby Jane
neugierig, die ja auch wusste, dass der Reeder kein besonderer Freund der
Alpenrepublik war. „Das ist eine andere Geschichte.“, meinte Scarlet, „das soll
Euch H.G. lieber selber erklären.“ Sie winkte den Reeder zu sich, der etwas
abseits von der Herrenrunde stand, da schon wieder irgendjemand rauchte.
Werderaner kam zu der Damengruppe und beglückwünschte Baby Jane aufs
herzlichste, die ihn schelmisch angrinste, bevor er Scarlet fragte, was sie
denn gemeint hatte, als sie ihm gerade gedeutet hatte. „Ich glaube, Du solltest
ihnen jetzt Bescheid sagen. Du weißt schon, die good news, die guten
Neuigkeiten!“ HG verstand sofort und nickte. Auch Baby Jane und Paula meinten
zu verstehen und lächelten sich vielsagend zu und nahmen Scarlet in ihre Mitte.
Gleich würde der Reeder der Menge die guten Neuigkeiten über seine und Miss
Scarlets Zukunft verraten …
Werderaner ergriff jetzt das leere Wasserglas und klopfte mit dem Messer
darauf, wieder wandten sich alle nach vorne und warteten, was er jetzt
verkünden würde. „ Wie Yeti-Klaus schon vorhin sagte. Meine lieben Freunde!
Zunächst lasst mich noch einmal im Namen aller dem jungen Paar gratulieren und
viel Glück für ihre gemeinsame Zukunft wünschen!“ Die Anwesenden klatschten
noch einmal anerkennend. „Aber auch ich habe ein paar gute Neuigkeiten für Euch
nämlich wirklich gute Neuigkeiten und auch ich hoffe, dass es wirklich gute
Neuigkeiten für Euch ALLE sein werden!“ „Naja, ein bisschen eingebildet ist er
ja schon“, dachte Baby Jane, „wenn er denkt, dass seine Verlobung ein freudiges
Ereignis für alle sein muss.“ „Also“, fuhr der Reeder fort, „Miss Scarlet
konnte mich gestern Abend davon überzeugen, dass…“ „Himmel, er ist wirklich ein
hoffnungsloser Romantiker!“, dachte Paula. „Jetzt ist es gleich soweit, gleich
sagt er es“, dachte Baby Jane und zog Scarlet fester an sich.
„Also Miss Scarlet konnte mich davon überzeugen dem Städteplaner Tom ein
Grundstück in Alaska, das im Familienbesitz derer von Werderaner ist, zu
überlassen.“ „Waaaas?“, entfuhr es Baby Jane. „Warte, lass ihn weiterreden.“,
beruhigte sie Scarlet.
„Wie ich erfahren habe ist, ein Projekt des Städteplaners nicht angenommen
worden, da sich wohl niemand in Alaska ansiedeln möchte. Ich stelle ihm ein
Grundstück in Alaska zur Verfügung, wo er seine Pläne verwirklichen kann, er
soll die so genannten Experten überzeugen, und dass sich dort niemand ansiedeln
möchte, stimmt auch nicht. Wie mir Scarlet berichtet hat, haben sich bereits
einige bereit erklärt für Toms Projekt dorthin zu ziehen, zumindest für die
Dauer eines Jahres. Lasst mich mit Scarlet gleich den Anfang machen, wir kommen
mit! Und noch etwas, die Ortschaft, um die es sich hier handelt nennt sich
„Goodnews Bay“ * also „Gute Neuigkeiten“, also wenn das kein gutes Omen ist!
Die Gegend ist noch wenig erschlossen, aber das wird unser Tom schon machen!
Nicht wahr Tom!?“ „Jetzt weißt du, wo wir wohnen werden“, flüsterte Scarlet den
völlig perplexen Freundinnen Baby Jane und Paula zu.
Jetzt drehten sich alle zu Tom und Xhosa um, die völlig sprachlos da standen
und nicht wussten, was sie sagen sollten. „Ist das Ihr ernst? Ich meine, ist
das Dein ernst, H.G.?“, stammelte Tom. „Ein Werderaner
scherzt nicht mit solchen Dingen! Also Leute, wer kommt mit? Tom, wir werden
alles Weitere später besprechen und regeln, ist Dir das recht?“ „Äh…ja…Danke!“,
stammelte Tom und Xhosa rannte zum Reeder und umarmte in stürmisch und gab ihm
einen dicken Schmatz auf die Wangen. „Jaja, ist schon gut.“, wehrte dieser ab,
ihm war der Rummel um seine Person zuwider.
Schön langsam versammelten sich alle um Tom und Xhosa und es stellte sich
heraus, dass die meisten bereit waren, mindestens ein Jahr in Alaska zu
verbringen. Manche würden gleich mitkommen, andere etwas später nachkommen. Tom
erklärte, wie er sich das Leben dort vorstellte und begann Pläne auf Servietten
zu zeichnen. Cessnaritter beantragte sofort einen Flugplatz, Paula wollte
unbedingt ein Krankenhaus mit angeschlossener Tierärztlicher Station und so
ging es weiter, jeder wollte seine Vorstellungen verwirklicht sehen. Tom hatte
alle Hände voll zu tun und Xhosa war wirklich stolz auf ihn.
199. Folge: Wiedersehen
vor Alaska (von Paula_Tracy)
Falk
Rickmers wurde allmählich wirklich unruhig. Er winkte Kaschi zu sich heran.
„Können wir die Maschinen anlassen?“ fragte er leise. „Ich weiß, wir haben
nicht geprüft, ob alles in Ordnung ist, aber wenn wir weiter so dahin segeln,
wird es noch mindestens eine Woche dauern, bis wir in New York sind.“ Kaschi
sah ihn fragend an. „Aber Käpt’n, wir dachten, wir seien morgen schon da“,
stotterte er. Der Kapitän schüttelte den Kopf. „Wie segeln auf die Küste von
Alaska zu“, sagte er. „Wie das passiert ist, weiß ich nicht. „Wahrscheinlich
ein Navigationsfehler von Fischkrepp – äh, vom Grafen. Jedenfalls müssen wir
alles versuchen, um wenigstens einigermaßen in der Zeit zu bleiben. Der Reeder
wird mir was erzählen, wenn...“ Kaschi grinste. „Aber der will doch ohnehin
nach Alaska, Falk! Wir reden schon den ganzen Morgen davon. Falk war
fassungslos. Wieso wollte Werderaner nach Alaska? Wieso bekam er, als Kapitän,
hier nie was mit?
„Du willst also wirklich auch nach Alaska?“ fragte Dr. Few Master schon zum
drittenmal die Tierärztin. Paula seufzte. „Ja, ich will nach Alaska. Da könnte
ich endlich meine Studien zu Eisbären und Elchen zu Ende führen, das habe ich
nie geschafft. Die Arbeit im Aquarium finde ich ohnehin langweilig. Und Du – Du
könntest das Krankenhaus leiten! Weißt Du“, sie holte einen Block aus ihrer Handtasche
und begann zu zeichnen (obwohl sie das eigentlich nicht konnte) – „ich stelle
mir das so vor...“ Der Doktor nickte anerkennend. Wie praktisch diese Frau doch
veranlagt war! Sogar an die ausreichende Anzahl von Toiletten hatte sie
gedacht. „Und hier“, sie zeigte auf ein kleines Haus in der Nähe der Klinik,
„da könnten wir wohnen. Im Dachgeschoss richten wir eine Einliegerwohnung für
Det ein.“ „Wenn sie überhaupt mitkommen will“, sagte Few Master und sah hinüber
zu seiner Arzthelferin, die mit dem jungen Forenmanager Händchen hielt. „Sie
wollte ja eigentlich mit nach Köln.“
„Ich kann den Doktor nicht im Stich lassen“, meinte Det gerade zu Henning, der
sie mit traurigem Dackelblick musterte. „Er ist hilflos ohne mich. Der verlegt
ständig seinen Rezeptblock, hat keinen Überblick über seine Medikamente... Es
ist doch nur für ein Jahr. Und Du kommst mich besuchen, ja?“ Fast schien es,
als ob Tränen in den Augen des Forenmanagers standen. „Wir telefonieren
täglich, das musst Du mir versprechen, ja? Det, Du wartest auf mich, ja? Ich
werde das gleiche tun. Am liebsten würde ich das ganze Forum hinschmeißen – da
hat man es doch nur noch mit Trollen und Dumpfbacken zu tun in der letzten Zeit
– aber ich kann unmöglich Ralf und Armin damit allein lassen.“ „Das verstehe
ich“, flüsterte Det und strich ihm über die Wange. „Aber zuerst komme ich ja
mal mit – es gibt ja noch einiges zu klären in der Reederei, kündigen, Wohnung
untervermieten, Green Card beantragen. So schnell wirst Du mich nicht wieder
los.“
Auch Kat beobachtete das junge Paar und dachte an den gestrigen Abend in Falks
Kabine. So richtig war er nicht in ihrem Sinne verlaufen, und obwohl sie sich
große Mühe gegeben hatte, Falk in die richtige Stimmung zu versetzen – er hatte
immer wieder über den Fehler in der Navigation gegrübelt. Alle an Bord schienen
überglücklich zu sein – und sie? Sollte es das jetzt gewesen sein? Scarlet,
Baby Jane und Paula hatten Heiratsanträge bekommen, Marjorie, Leo und Det, ja
sogar Tapetchen, schwebten offenbar auf rosa Wolken, und sie? Sollten alle ihr
Glück gefunden haben (von dem Grafenpaar und Tom und Xhosa wollen wir ja gar
nicht reden) – nur sie, die so lange danach gesucht hatte, nicht? Wie würde
dieser letzte Tag an Bord verlaufen?
„Ein Funkspruch von der Ovela, Käpt’n!“ Tapetchen kam eilig zu ihrem Chef, der
sie misstrauisch musterte. Trug sie schon immer diese kurzen Röcke? Und wieso
war dieser Mr. Butermaker in ihrem Schlepptau (schon gestern Abend war ihm dies
aufgefallen)? Na egal. Er riss die Augen auf. „Na prima – so nah sind wir also
immer noch an der Ovela“, rief er. „Willi, Gandalf, Kaschi, bitte zur Brücke,
gleich kommt ein Boot von der Ovela rüber, eigentlich müssten sie schon da
sein!“
„Juhu!“ hörte man von draußen eine Stimme. „Hallo – ist denn keiner da zur
Begrüßung? Heino, mein Schnurzelchen, bist Du da?“ „Schnell“, zischte Falk
Willi zu. „Hol’ Heino, aber schnell! Seine Frau ist wohl gerade angekommen. Wer
hat ihr nur über die Reling geholfen?“ „Das war ich, Käpt’n!“ strahlte ihn ein
junger Mann an. „Ich habe bis heute Abend Urlaub, und dachte...“ „Mickey!“ rief
Ona. “Mickey!” Auch Willi drehte sich um, vergaß Heino augenblicklich und
stürmte auf seinen alten Kumpel, der erst vor zwei Tagen von Bord gegangen war,
zu (wieso bekam er überhaupt schon Urlaub?). „Der Prinz ist auch mitgekommen“,
sagte Mickey. „Er wollte unbedingt noch mal mit Kaschi und dem Reeder sprechen.
Und weil er keine Ruhe gegeben hat, dachten Hannelore und ich, das wäre doch
eine schöne Gelegenheit.“ „Eine gute Idee“, sagte Ona herzlich und küsste den
Schiffsjungen auf die Wange, der glücklich grinste. Ein Kuss von Ona! Warum ihn
allerdings der Pianist so feindselig musterte?
Xhosa hatte sich zwischenzeitlich erbarmt und den immer noch von dem gestrigen
Schauspiel geschockten Sänger aus seiner Kabine geholt. „Hannelore! Hannelore!“
Heino stürzte, stolperte fast auf seine geliebte Ehefrau zu. “Hannelore, Du
glaubst gar nicht, wie ich Dich vermisst habe! Ich bin so froh, dass Du da
bist!“ Hannelore lachte. „Aber was ich so von Dir gehört habe, mein Lieber, war
es doch nicht langweilig, oder?“ Nun lachte auch Heino. „Nein, langweilig war
es wirklich nicht. Hannelore, ich möchte Dir ein paar sehr gute Freunde von mir
vorstellen...“
Das Hallo war wirklich groß an Bord. Mickey, Willi und Anarky planten sogleich
für den Abend ein Konzert der drei Schiffsjungen ein, bevor Mickey wieder von
Bord musste – natürlich erst nach der Trauung von Baby Jane und Yeti-Klaus,
denn denen wollte keiner die Schau stehlen. Der Prinz ging todesmutig auf den Reeder
zu, der in überraschend guter Laune war und ihn zu einem Bier einlud. Auch
Kaschi gesellte sich zu den beiden.
Paula, Xhosa, Marjorie, Scarlet, Helli, Det und Leo steckten ihre Köpfe
zusammen, um sich eine Überraschung für die Hochzeit auszudenken, Ona und
Gandalf verschwanden in der Küche, um ein Festmenü vorzubereiten... Und Kat?
Würde sie noch ihr Glück finden?
200.[a]
Folge: My heart will go on [1. Teil] (von Helli Gräfi E.)
Kat
sah sich in ihrer kleinen Kabine um.
Der Apple Computer, der lässig über den Stuhl geworfene Morgenmantel, die
geblümten Lieblingskleider, die leere Kreditkarte, nanu, eine schwarze
Herrensocke..sollte Falk? ...nun egal, es war ihr
kleines Heim geworden, diese Kabine.
Voller Träume, auch Ängste, ungelebter und gelebter Sehnsüchte. Und nun? Was
kam nun? Sie seufzte. Zwar war auch ihr Herz voller Vorfreude auf die heutige
Hochzeitsfeier. Aber immer noch wusste sie nicht, wo denn ihre Reise enden
würde. Doch in Texas? Zurück nach Hamburg, zur Corporation? Oder doch nur und
ausschließlich in Falks Arme?
Ja, das gestand sie sich ein, das war es eigentlich, was sie sich wünschte. Und
sich und schon gar nicht ihrem Liebsten eingestehen mochte. Denn wo kam man
denn da hin. Einfach so etwas gestehen.
Wie in Trance begann sie sich für die anstehenden Feier fertig zu machen, legte
ihren karierten Tweedrock und den schlichten blauen Kaschmirpullover, der ihr
Augen so zum Strahlen brachte, ab, duschte kurz, schlüpfte in den Morgenrock
und legte sorgfältig eine Gesichtsmaske auf, denn schön wollte sie heute Abend
sein. Während sie ihr Nägel lackierte geriet sie
wieder in diese melancholische, fast schwermütige Stimmung.
Draussen dämmerte es, die Wellen schlugen an die Werderania, fast wie im Takt,
plamplam, rabusch, plamplam, rabusch, plamplam, rabusch.
Kat sehnte nach der Nähe zum Meer, dem Wind, fallen lassen wollte sie sich in
das Brausen und Toben, dorthin fallen lassen, wo die ewige Freiheit war und man
gar nichts mehr entscheiden musste....sie wickelte sich fester in ihren Morgenmantel
und schlich ungeachtet ihrer schon etwas bröckligen Gesichtsmaske an Deck, nach
vorn zum Bug des Schiffes. Wie magisch angezogen wurde sie von der Spitze der
Werderania, die sich gleichermaßen segelnd wie dampfend ihren Weg in die
graublaue Ewigkeit suchte. Kat beugte sich über die Brüstung, lehnte sich weit
weit nach vorne, hinein in die Wogen, breit weitete sie ihre Arme aus und rief
laut „My Heart will go on!“
Rabusch, plamplam, rabusch,
plamplam...............rabusch..........................................
..........plam...................plam...............
Wenige Minuten vorher hatte Falk, der gewissenhaft seinen Dienst in der Brücke
versah und immer noch über seinen Navigationsfehler nachgrübelte, geglaubt,
seinen Augen nicht zu trauen. Da huschte doch tatsächlich eine kleine
vermummelte Gestalt über das Schiff, zu einer Zeit, in der sich doch alle schön
machte für die anstehende Feier. Wer war das? Und Was
machte die Gestalt um Himmels willen? Das war ja lebensgefährlich!
Und wie im schlechten Film! Schnell schaltete er den Autopiloten ein und raste
nach unten, um diese lebensmüde Person zu retten. Hoffentlich kam er nicht zu
spät!
200.[a] Folge: My heart
will go on [2. Teil] (von Paula_Tracy)
„Ja,
sind Sie denn von Sinnen!“ herrschte Falk diese verantwortungslose Person an,
von der er nur noch ein Bein zu fassen bekam. Himmel, diese rosaroten
Pantöffelchen mit den Schleifchen kannte er doch. Das war seine
Kat! „Hilfe, Falk!“ schrie Kat. „Ich falle! Falk – ich kann nicht schwimmen!“
Falk umklammerte den Fuß seiner Kat, doch durch die
aufgetragene After-Shower-Lotion war alles noch recht glitschig – ja, Kat hätte
sich die Beine vielleicht doch nicht rasieren sollen... „Kat, ich halte Dich!“
Falk war verzweifelt. Er brauchte Hilfe – doch wenn man mal jemanden brauchte,
war garantiert wieder keiner da. Doch – da hinten! Im Augenwinkel sah er den
Pianisten, der verträumt in den Himmel starrte und zumindest so tat, als bekäme
er gar nichts mit.
„De Guy!“ rief Falk, der ganz heiser klang. „De Guy! Kommen Sie, ich brauche
Hilfe!“ Er winkte – und in diesem Moment rutschte Kat ab.
„Faaaaaaaaaaaaaaaaaaalk!“ „Kat!“ schrie Falk. „Warte – ich komme! Ich rette
Dich!“ Der verblüffte De Guy konnte nur noch dem
Kapitän hinterher schauen, der wie ein Blitz kopfüber in die tosende See
sprang. Was das wohl bedeuten sollte? Eine Übung? Wieso hatte ihm keiner was
gesagt? Sollte er vielleicht auch reinspringen? Ohne Rettungsring? Also, zu
Hause in Bayern war das Leben wesentlich einfacher. Keine Kat, kein verrückter
Käpt’n, keine eingeschnappte Köchin. „De Guy!“ Er sah sich um. Ach, dieser
Bergsteiger war das. Heute ganz zünftig in Lederhosen. Neben ihm stand seine
Braut – ja, mei – im Dirndl, fesch, wirklich. Richtig, er sollte ja den
Hochzeitsmarsch spielen. „Ich komme“, rief er. „Haben Sie den Käpt’n gesehen?“
fragte Baby Jane, sie wirkte leicht verärgert. „Ich möchte, dass er uns traut.“
„Der Käpt’n?“ De Guy zuckte die Schultern. „Der schwimmt wohl erst mal eine
Runde. Oder ist das vielleicht eine Übung?“ Hinter Baby Jane tauchte die
Tierärztin auf – mei, die war auch so fesch. „Er schwimmt?“ fragte sie. „Wo, im
Pool?“ Baby Jane stemmte die Arme in die Hüften. „Das ist mal wieder typisch!“
rief sie. „Ich will heiraten, und mein Mann schwimmt!“ „Er ist nicht Dein
Mann!“ fuhr Yeti-Klaus hoch. „Ich bin Dein Mann!“ „Du bist ein
Korinthenkacker!“ fuhr Baby Jane ihn an. „Heirate doch, wen Du willst!“ Sie
drehte sich wütend um und drückte Paula den Blumenstrauß in die Hand, die ihn
ein wenig hilflos betrachtete. Klaus rannte Baby Jane hinterher – und hinter
Paula tauchte nun der Doktor auf. „Wo ist er denn jetzt, der Kapitän?“ fragte
er. „Die Gäste werden schon ungeduldig.“ „Er schwimmt“, sagte Paula und gab ihm
den Blumenstrauß. Er zupfte eine Rose heraus und steckte sie ihr ans Kleid.
Paula lächelte entzückt, doch plötzlich hielt sie inne. „Da ruft doch einer“,
meinte sie. Sie ging zu De Guy. „Hören Sie das auch?“ De Guy schaute ins
Wasser. „Das ist der Kapitän“, meinte er. Paula starrte ihn entsetzt an. „Wo
ist er?“ „Ich sagte doch, dass er schwimmt“, sagte er aggressiv. Hatte sie ihm
denn nicht zugehört? Frauen! „Few!“ schrie Paula entsetzt. „Few! Komm sofort
her! Der Kapitän! Er ist über Bord! Hol’ Hilfe – wir brauchen Willi und Kaschi
und Gandalf! Ein Rettungsboot, einen Rettungsring!“
Doch der Doktor war ein Mann der Tat – so was nahm er doch selbst in die Hand.
Und schließlich war er dem Käpt’n noch was schuldig, oder? Er zögerte keine
Sekunde – und warf die beiden Rettungsringe über Bord...
200.[b]Folge: Flipper,
Flipper
(von
Baby Jane)
Die
Aufregung an Deck war groß. Völlig erstarrt standen die Passagiere der
Werderania an der Reeling und trauten ihren Augen nicht: Captain Rickmers und
seine Verlobte Kat wurden von den gefährlichen Wellen des Ozeans erfasst und
immer weiter abgetrieben.
Eilig entledigte sich Dr. Few Master seines Arztkittels, seiner beigen
Bundfaltenhose und der weißen Halbschuhe. Bewundernd beobachtete Paula Tracy,
mit welcher Entschlossenheit der Schiffsarzt vorging. Bekleidet nur mit - wie
sie fand - schmeichelhaft geschnittenen Boxershorts in Russisch-Blau stürzte er
sich in die Fluten. Seine mächtigen Arme durchpflügten tapfer das wilde Wasser,
doch er kam nur mühsam vorwärts. Zu hoh der Wellengang, zu wild der Ozean!
Sir Hilary bekreuzigte sich und begann - durch nervöse Gesten die anderen
animierend, doch auch einzustimmen - zu beten. Padre BUG eilte dem
Glaubensbruder zu Hilfe und massierte ihm die Schulterpartie, wie er es schon
in Köln anlässliches des Jugenkirchentages so sensibel getan hatte.
Reggae-Gandalf läutete die Schiffsglocke und der Reeder selbst feuerte eine
Notrakete ab.
Sowohl Few Masters Kopf, als auch die Häupter des Captains und seiner Verlobten
verschwanden zwischendurch im tiefen Wasser. Dann wurden die drei, die man auf
der Überfahrt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten so lieb gewonnen hatte,
wieder hochgespült. Und in der nächsten Minute waren sie wieder verschwunden.
"Herrgott, schau oba", wisperte Miss Scarlet, "oder unsere
Freunde sind verloren ..."
Just in diesem Moment schoss wie ein Pfeil ein silbergrauer Tümmler in Richtung
der über Bord Gegangenen. Mit seiner Nase schob er den Rettungsring, den Master
ins Wasser geworfen hatte, zu den Schiffbrüchigen. "Was ist denn
das?" schrie Gräfin Ermakowa, vor Aufregung nervös gniggernd. "Es ist
Flipper, Flipper!", rief Paula Tracy, die den Liebling aus
Fernseh-Kindertagen als erste erkannte. "Jeder kennt ihn, den klugen
Delfin" erklärte sie der Gräfin, und Kaschi nickte.
Währenddessen hatte Flipper Kat, Falk und Few erreicht und ihnen, heftig
fipsend, den Rettungsring zugespielt. Dann drehte er noch eine Ehrenrunde,
aufgerichtet und im Retourgang, und verschwand ebenso schnell, wie er
aufgetaucht war.
Ein Leichtes war es nun für die drei im Wasser, mit dem Ring zurück zum Schiff
zu schwimmen und sodann an Bord zu klettern.
Der Jubel auf der Werderania war grenzenlos, als man die nassen Menschlein in
Empfang nahm. Sogar Heino war gerührt. Schluchzend nahm er seine Brille ab und
wischte sich die Tränen aus den Augen. Nur Schiffjunge Willi und Miss Deckard,
die neben dem blonden Penionisten standen, sahen für einen kurzen Moment die
Augen des Barden. Beide schluckten bei diesem Anblick. Jedo
200.[c] Folge: Von Frau
zu Frau
(von
Paula_Tracy)
Während
Falk in den kalten Fluten nach seiner Kat tauchte und gleichzeitig versuchte, die
rettenden Ringe des Doktors zu erhaschen, ahnten Baby Jane und Yeti-Klaus
nichts von dem ganzen Drama – sie hatten genug mit sich selbst zu tun. Baby
Jane hatte es geschafft, ihren Klaus abzuhängen, in dem sie sich hinter einem
Liegestuhl versteckt hatte, bis Klaus ratlos und traurig nach unten ging, um in
ihrer Kabine nachzuschauen. Baby Jane schluchzte leise vor sich hin und schrak
auf, als sich jemand neben sie setzte, mit dem sie zuvor noch nie ein Wort
gesprochen hatte. „Ach, mein Kind!“ gurrte Hannelore. „Das ist nur das
Lampenfieber! Ich kenne das gut, glauben Sie mir! Sie suchen einen Grund, einen
Rückzieher zu machen, oder?“ Baby Jane sah die ältere aus tränenumflorten Augen
an. „Ich... ich will ihn schon heiraten“, weinte sie. „Aber es ist so endgültig!“
„Mein Heino hat mir erzählt, dass sie schon 17 Jahre zusammen sind“, meinte
Hannelore. „Warum haben Sie nicht schon früher geheiratet? Lieben Sie ihn denn
nicht?“ Baby Jane starrte Hannelore an. „Doch“, murmelte sie. „Ich wäre schon
längst nicht mehr bei ihm, wenn das nicht so wäre. Aber...“ „Er war Ihnen immer
sicher“, stellte Hannelore fest. „Kein Anreiz für Sie. Ist Ihnen immer
nachgelaufen, der arme Trottel. Und Sie haben ihn hingehalten. Das ist nicht
gerade fein, meine Liebe!“ Baby Jane war empört. Was bildete sich diese Frau
überhaupt ein? Was wusste die denn von ihrer Beziehung zu Klaus? Doch
merkwürdigerweise brachte sie kein Wort raus, sondern hörte Hannelore weiter
zu. „Wissen Sie, meine Liebe“, Hannelore lächelte gütig, „die Liebe hat viele
Gesichter. Schauen Sie sich diesen vertrockneten Mr. Butermaker an – sogar er
hat jemanden gefunden, der ihn mag. Ich verstehe es zwar nicht, aber so was
gibt es. Der Doktor – ein merkwürdiger Geselle, liebenswert zwar, aber
merkwürdig – diese Miss Tracy kriegt ganz große Augen, wenn er in den Raum
kommt. Obwohl er ihr ständig Senf auf die Bratwurst schmiert! (Anmerkung der
Autorin: dieser Satz stammt von heute). Dieser verschwitzte Maschinentyp, den
sie alle „Urmel“ nennen – wieso eigentlich, na ja egal – diese Journalistin ist
ganz verrückt nach ihm. Und diese hübsche Köchin ist total verliebt in diesen
langweiligen Pianisten ... Und Ihr Ex-Mann – na, der ist eben verliebt in diese Kat. Und Sie sind ständig ungerecht und unfreundlich
zu Ihrem Klaus – und er liebt Sie trotzdem... Wissen Sie eigentlich, dass ich
für meinen Heino einen Prinzen habe laufen lassen? Ich war eine echte
Prinzessin!“ Hannelore setzte sich auf, und auch Baby Jane setzte sich ein
wenig gerader in ihrem Stuhl. „Was ich sagen will – Liebe ist nicht immer
aufregend, manchmal kann das auch sehr langweilig sein. Aber warum nicht
einsehen, wenn man sie endlich gefunden hat? Und Sie haben sie doch gefunden,
meine Liebe, oder?“ „Ja!“ flüsterte Baby Jane. Sie stand auf und umarmte Hannelore
kurz. „Kommen Sie auch mit nach Alaska?“ fragte sie. „Es gibt da ein
Projekt...“ Hannelore nickte. „Ja, mein Heino hat es mir erzählt. Wir
überlegen, eine Filiale von Heinos Café dort aufzumachen – aber wollen
natürlich dieser bezaubernden Miss Scarlet keine Konkurrenz machen. Daher
überlege ich, ob ein kleiner Laden nicht das richtige für mich wäre. Und dann
habe ich natürlich noch das Management für Heino... Wußten Sie, dass Heino in
Alaska viele Fans hat?“ „Nein“, lächelte Baby Jane. „Aber wir sind alle seine
Fans – und glauben Sie mir, das waren wir vor der Fahrt nicht... Aber... ich
muss jetzt zu Klaus – immerhin wollen wir ja heute noch heiraten!“ Hannelore
schaute ihr versonnen hinterher und seufzte. Na ja, die Hochzeit hatte sie wohl
gerettet – und noch nicht einmal gelogen. Liebe ging wirklich manchmal seltsame
Wege. Aber ein Honigschlecken war es wirklich nicht, und das Leben mit Heino
war mehr als anstrengend. Sie setzte sich wieder in den Liegestuhl und nahm
sich vor, ihrem Mann ganz viele Engagements in Alaska zu verschaffen – und sie,
sie hatte ja ihren kleinen Laden. Ach, das würde schön!
200.[d] Folge: (von Scarlet)
Was war das nur wieder für eine Aufregung an Bord der
Werderania! Kat und der Kapitän über Bord und der heldenhafte Doktor Few
Master, der die beiden vor dem sicheren Ertrinken gerettet hatte! Wenn ihm
allerdings nicht der kluge Flipper zur Hilfe gekommen wäre… die Augenzeugen
dieser Katastrophe wollten sich das gar nicht erst ausmalen, wie diese
Geschichte dann ausgegangen wäre! Von diesem Schock mussten sich erst einmal
alle erholen.
Nachdem Kat, Falk und Few in warme Wolldecken gehüllt waren, die ihnen Paula,
hilfsbereit reichte, beratschlagte man, wie man als nächstes vorgehen würde.
Paula schlug vor, die Hochzeit von Baby Jane und Yeti-Klaus zu verschieben – wo
waren die beiden überhaupt? Sie als Trauzeugin würde es übernehmen, das
Brautpaar zu informieren. Doch der Kapitän lehnte diesen Vorschlag kategorisch
ab. Es wäre ja nichts weiter passiert, es ginge ihnen allen bestens – als er
das sagte, umarmte er ganz fest seine Kat, zog sie noch enger an sich und
küsste sie auf die Stirn. Die Gräfin Ermakova seufzte bei dem Anblick und
lehnte ihren Kopf an die Schulter Danilos.
Die Hochzeit sollte heute Abend wie geplant stattfinden, verkündete der
Kapitän, schließlich habe der arme Yeti- Klaus schon so lange gewartet, dabei
zwinkerte er.
Die Anwesenden machten sich also auf den Weg in ihre jeweiligen Kabinen, um
sich noch für das große Ereignis fein zu machen. Falk bat Paula, das Brautpaar
zu suchen und ihnen mitzuteilen, dass alles wie geplant ablaufen würde, bevor
er sich gemeinsam mit Kat in die Kabine begab.
„Kat, was hast Du Dir denn gedacht, als Du Dich so weit über die Reeling
gelehnt hast? War Dir denn nicht klar, dass das gefährlich ist?“, fragte Falk
die noch immer durchnässte Kat. Mit großen blauen Augen blickte sie den Kapitän
an. Hellgrüne Gesichtsmaskenrückstände, die so gar nicht zu ihrer Augenfarbe
passten, verunstalteten das sonst so makellose Gesicht. Vorsichtig wischte ihr
Falk ein paar dieser Krümel weg und strich ihr eine nasse blonde Haarsträhne
aus den Augen. „Weißt Du“, antwortete sie zögernd, „ ich war ganz im Gedanken.
Ich habe gerade darüber nachgedacht, wie wohl ich mich hier auf dem Schiff
fühle. Ich weiß gar nicht, ob ich noch nach Texas oder nach Hamburg zurück
möchte. … Eigentlich ist die Werderania in der kurzen Zeit, in der ich hier
bin, so etwas wie meine zweite Heimat geworden. Die Menschen hier an Bord sind so
etwas wie meine Familie, naja, zumindest meine Freunde und Du …“, Kat blickte
auf zu Falk, „ Am liebsten würde ich immer hier bleiben. Oder zusammen mit Dir
und den anderen in Alaska neu anfangen. Ach, es wäre doch zu schön, bei diesem
Good News Bay - Projekt mitzumachen …“, Kat seufzte gedankenverloren. „Ja und
als ich so darüber nachdachte, wie schön das alles wäre, zusammen mit Dir,
alles Andere hinter sich lassend … es fühlte sich einfach alles so richtig an!
Ich fühlte mich plötzlich so leicht, so schwerelos, einfach wie die Königin der
Welt! Da bin ich wie in Trance zum Schiffsbug gegangen, wie es auch Leo Di
Caprio im Film getan hat…Naja, und den Rest weißt Du ja.“ „Ach Kat!“, seufzte
Falk und umarmte sie. „ Du bist für mich die Königin der Welt! Du bist meine
Königin! Das mit Alaska ist eine großartige Idee!“ Der Kapitän küsste seine
Verlobte stürmisch „Weißt Du wir werden dort …“ Kat legte ihm den Zeigefinger
auf die Lippen und zog ihn zu sich aufs Bett …
Gemeinsam mit Dr. Master machte sich Paula auf den Weg, das Brautpaar zu
suchen. Immer wieder versicherte sie ihm, wie stolz sie auf ihn sei, wie mutig
sie es von ihm fand, den beiden Schiffbrüchigen hinterher zu springen. „Weißt
Du Paula, so mutig bin ich gar nicht.“, gestand der Arzt, „Normalerweise hätte
ich mich das nicht getraut. Ich würde ja nicht einmal vom
10m-Turm herunter springen! Nicht einmal für viel Geld! Weiß Du, ich erinnere
mich noch, früher, als mich einmal die ganze Schwimmhalle anfeuerte, doch
endlich herunter zu springen – aber ich habe es nicht getan.“ „Also weißt Du“,
unterbrach ihn Paula, „da gehört schon auch viel Mut dazu, nein zu sagen! Aber
heute bist Du gesprungen und das war viel wichtiger! Du hast den beiden das
Leben gerettet! Du bist mein Held!“ Paula umarmte den Doktor und gab ihm einen
Kuß auf die Wange. „Danke Paula, dass Du das sagst. Deine Meinung ist mir
nämlich viel wichtiger, als die der Leute, die mich damals vom 10er springen
sehen wollten. Ist mir doch egal, ob die mich für einen Feigling halten, nur Du
bist wichtig!“ Auch er umarmte sie und küsste sie. „So, jetzt lass uns aber
Baby Jane und Yeti-Klaus suchen! Du gehst in diese Richtung und i
200.[e] Folge: Feuerzangenbowle (von Helli Gräfin E.)
Yeti-Klaus und Baby Jane fanden sich trotz
intensiver Suche in den nächsten Stunden nicht ein. Wie auch, die beiden hatten
sich in den Frachtraum zurückgezogen und saßen nun, nach einem langen ernsten
Gesprä
Baby Jane hatte ihren Bräutigam aufgesucht, um ihn zärtlich für gewisse
Irritationen um Verzeihung zu bitten. Die Worte Hannelores hatten sie
wachgerüttelt und sie war sich jetzt sicher, dass eine Hochzeit der richtige
Schritt war.
Doch zu ihrer großen Überraschung hatte Yeti-Klaus ihr erklärt, sich zumindest
auf Zeit von ihr trennen zu wollen.
Baby Jane, deren Stolz groß war, bemühte sich streng darum, nicht die Fassung
zu verlieren. Sie wollte nicht den Eindruck erwecken, dass ihr diese
Entscheidung nicht gefiel. Auch wenn ihr Herz wie verrückt klopfte und ihr
bitter durch den Kopf schoss, dass sie ihr eigenes Glück jahrelang sinnlos aufs
Spiel gesetzt hatte. Yeti-Klaus begann wieder, zu sprechen: d dabei nur die
Erinnerungen die wir mit uns tragen, die Träume die wir
„Es gibt keinen Schuldigen. Wenn wir uns trennen, ist das nicht eine Frage der
Schuld. Ich weiß, es gab keine Affären, aber jede Menge Gerüchte. Eine Affäre
ist für mich eine heimliche Liebesbeziehung und die gab es nicht. Ich habe in
den letzten 17 Jahren nur eine Frau geliebt, und das warst Du, Baby Jane. Es
gab aber im Laufe der Zeit von mir ein paar Ausrutscher, die ich Dir niemals
gebeichtet habe. Das hat unsere Probleme sicherlich nicht vereinfacht – und es
tut mir wahnsinnig leid ...
Baby Jane (nur mühsam die Haltung bewahrend und die Tatsache verdauend, dass da
es da wohl auch noch andere Frauen gegeben hatte) :
„Ich hoffe, dass Du, wenn Du Dich einmal für jemand anderen entscheiden sollte,
Dir eine nette und liebe Frau sucht.“
Yeti-Klaus (zu Baby Janes Entsetzen): „Ja, das würde ich mir auch wünschen.
Falls Du dich mal neu verlieben sollte – dass das ein guter Typ ist. Und nicht
irgend so ein Volltrottel ...“
Baby Jane (ins Leere starrend): „Den Fehler mache ich nicht ein zweites Mal ...
(lacht)“
Yeti-Klaus: „Ich liebe einfach Deinen Humor – auch wenn er oft auf meine Kosten
geht ...“
Schmieriger Bildzeitungsreporter (nanu, wo kam der auf einmal her?): „Yeti, was
werden Sie Ihren Mitreisenden sagen?“
Yeti-Klaus: „Das Casting für die neue Frau Yeti fängt heute an ... (er und Baby
Jane lachen, letztere etwas künstlich). Das war natürlich nur Spass. Wir werden
sehen, aber die Hochzeit müssen wir natürlich absagen. Baby, geh Du schon mal
vor, wir besprechen uns noch in der Kabine, was wir sagen. Etwas peinlich ist
es ja schon.“
Mit zitternden Knien verließ Baby Jane den Frachtraum und ging wie in Trance in
ihre Kabine. Sie kannte ihren Yeti-Klaus nicht wieder, und nun auch noch diese
Schmach, eine Hochzeit abzusagen. Und was, wenn er allen freimütig erzählte,
dass er..wie nannte er das..
Ausrutscher gehabt hatte. Dieser Schuft. Und doch, noch nie hatte sie ihn so
geliebt wie jetzt.
Als Baby Jane weg war, griff Yeti-Klaus grinsend in seine Hosentasche und
zückte sein Portemonnaie.
„Danke Kumpel“ grinste er und überreichte dem schmierigen Bildzeitungsreporter,
50 Euro. Dieser steckte sich das Geld ein und griff sich dann an den Hals,
lockerte etwas und zog si
„Hauptsache, die Taktik geht auf, Alter. Aber du hast schon recht,
Du solltest sie nicht heiraten, wenn sie immer noch so herumzickt. Dann wird
sie Dir weiter auf dem Kopf herum tanzen.“
Yeti-Klaus nickte nur und machte sich auf den Weg zu Babys Kabine. Diese hatte
sich auf einem Sessel zusammengekauert und schaltete, nur um nicht allzu sehr
grübeln zu müssen, den Fernseher ein. Aber „Leute heute“ eine Sendung, die sie
au
Baby Jane richtete sich auf, „Wir können doch jetzt nicht fernsehen, auch wenn
ich Dir als Nostalgiker Dein Wünsche gönne. Aber wir müssen uns doch überlegen,
was wir den Leuten sagen. Wir müssen die Hochzeit absagen!“ Ihre Stimmte kippte
dabei mit einer Andeutung von Hysterie.
Yeti-Klaus, der etwas überrascht war von Baby Janes Begriffsstutzigkeit heute,
schließlich war auf der Werderania ja noch gar kein Advent, stimmte zu.
„Ja, Du hast recht. Hmmm, wie wäre es, wenn wir eine
Ausrede benutzen? Dann ist es nicht so peinlich? Wir könnten sagen, Du hättest
nicht das richtige zum Anziehen dabei, nur noch ein Merkel Outfit, und das
würdest Du nicht nehmen wollen.“
„Nein, das geht auf keine Fall, dann fangen die
anderen an zu spenden“, murmelte Baby Jane, immer noch hoffend, gleich aus
diesem Traum aufzuwachen.
Die anderen Reisenden waren in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. Bis
auf Dr.Tracy und den Doc, die immer noch suchten, hatten sich alles Passagiere
und Crewmitglieder auf Kats Wunsch in der Kapitänsmesse zusammengefunden, um
für das Hochzeitspaar ein paar schöne Überraschungen zu kreieren. Kat hatte
eifrig in die Hände geklatscht und etwas hastig von Gasballons und Postkarten
erzählt, die verschickt werden sollten. So richtig verstanden hatte keiner, was
das sollte, aber bei einer Feuerzangenbowle, die Ona schnell hergerichtet
hatte, saßen nun alle gemütlich beisammen. Die Frauen beschrifteten
Ansichtskarten, während die Männer Ballons mit Gas auffüllten. Eine heitere
Stimmung beherrschte alle, und Falk sah nicht nur einmal verklärt auf seine
Kat, die mit geröteten Wangen eifrig schrieb, nicht ohne auf richtige
Rechtschreibung der andere zu achten. Denn so mancher Fehler konnte zu
Missverständnissen führen!
„Heidelbeerwein hat nicht nur einen ausgesprochen wörzigen Geschmack, sondern
ist auch dorchaus gesund und bekömmlich“ hörte man von der Gräfin, die wie
immer etwas vom Thema abkam, sich aber au
Plötzlich war von draußen ein lautes Nebelhorn zu hören. Erschrocken ließen
alle die Arbeiten ruhen und hasteten an Deck, ebenso wie Baby Jane und
Yeti-Klaus, Dr. Tracy und Dr. Few Master. Gerade wollte Paula Baby Jane fragen,
wo sie denn die ganze Zeit gesteckt hatten, als ihre wie die Aufmerksamkeit
aller von einem großen Schiff in Anspruch genommen wurde, dass an der
Backbordseite der Werderania festmachte. Zwei dunkel bekleidete Damen und ein
Herr sprangen an Bord und stellten sich mit den Namen Kloos, von Wahlert und
Poßmann von der Freiwilligen Selbstkontrolle vor.
Wer ist der Kapitän?“ herrschte eine Dame, die die Anführerin zu sein schien,
die Menge an.
„ Hier!!“ zögernd kam Falk nach vorne, was um Himmels Willen wollten die hier?
„Herr Rickmers also? Nun denn, bei uns ist ein Prüfantrag gestellt worden, von
wem, sag ich nicht, Herr Hoeneß möchte anonym bleiben. Aber es besteht der
dringende Verdacht, dass es hier zu nicht jugendfreien Szenen kommen wird. Ich
habe Ihnen daher einstweilige Verfügung zu überreichen, die Ihnen detalliert
untersagt alles zu unterlassen, was dazu führen könnte, insbesondere...“
mahnend ließ die resolute Dame ihre Blicke über die Versammlung schweifen..“
sind vorerst Hochzeitsnächte und damit auch Hochzeiten untersagt! Ich hoffe das
ist klar.“ Sie drückte dem verdutzten Falk mehrere Papiere in die Hand und die
drei verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.
Aufgeregt schnatternd gingen alle zurück in die Messe,
darunter eine etwas erleichtert wirkende Baby Jane. Wenigstens mussten sie jetzt
keine Hochzeit absagen!
„Schade“ meinte Kat und blickte auf die zahlreichen Ballons, die aufgepumpt und
festgebunden an der Reeling hingen und auf ihren Abflug warten Männer waren
fleissig gewesen, es schienen Hunderte wenn nicht Tausende zu sein, da war man
wohl wieder etwas über das Ziel hinaus geschossen. „Nun können wir Euch gar
nicht mehr überraschen, Baby Jane“.
„Aber das macht doch nichts“, meinte diese und drückte Kats Arm liebevoll. Es
sieht wunderhübsch aus, und feiern sollten wir trotzdem heute. Schließlich kann
es nicht mehr lange dauern, bis wir anlegen. Nicht wahr?“ Sie drehte sich nach
Yeti Klaus um, der sogleich ankam und liebvoll den Arm um sie legte. Auch ihm
war diese Entwicklung ganz recht.
„Du hast recht, lasst uns alle feiern. Und diesen
einen Ballon der noch übrig ist, werde ich jetzt aufpumpen.“ Gesagt getan,
füllte Yeti Klaus rasch eine Ballon und band ihn
ebenfalls an der Reeling an.
Alle verließen die Messe und begaben sich in ihre Kabinen, um sich für den
Abend hübsch zu machen. Und da viele wenn nicht alle Paare sich mitnichten an
die Vorgaben der FSK hielten, merkte niemand, wie ein starker Wind aufkam,
orkanartig, und den Ballons zerrte. Diese hielten dem
Sturm stand, oh ja, und wie, sie strebten nach oben, und da auf einmal......hob
die Werderania ab, hoch immer höher, in die Wolken hinein, grobe Richtung
Alaska, wie die Möwe Laura feststellte. Bald war sie nur noch ein kleiner
schwarzer Punkt am Himmel.
Wahr sind auch hier nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume,
die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben.
ENDE