2. Staffel

 

 

 

32. Folge: Rettung naht aus Wuppertal… [1.Teil] (von Paula_Tracy)

„Wir müssen die Cessna reparieren!“ rief Baby Jane. „Können Sie das denn nicht?“ fuhr sie den ohnehin schon genervten und am Boden zerstörten Cessnaritter an. „Lernt man das denn heutzutage nicht mehr in der Pilotenschule?“ „Ja, geht’s denn noch!“ fauchte der wütende Cessnaritter zurück, „erst fliege ich nach Graz, um Sie und ihren dämlichen Bergsteiger auf ein Dampf-Segelschiff zu bringen, riskiere mein Leben, meine Maschine wird mutwillig zerstört, und ich soll auch noch schuld sein? Wo sind wir denn hier?“ „Jetzt beruhigen Sie sich doch!“ meinte Scarlet beruhigend und strich ihm kaum merklich über den Arm. Sie fand diesen Cessnaritter von Mal zu Mal attraktiver, besonders dann, wenn er wütend war.

„Aber es muss doch jemanden geben, der die Ma
schine reparieren kann“, japste Anna Nümosia. „Der Captain, wo ist denn der Captain?“

Falk Rickmers bahnte sich mühsam einen Weg durch die aufgebrachte Menge. „Meine Herr
schaften, es gibt keinen Grund zur Aufregung. Wir haben einen sehr kompetenten Mann an Bord, und ich bin sicher, er wird auch mit einer kaputten Drosselklappe fertig...“ Cessnaritter lachte höhnisch. „Wenn überhaupt einer das Problem in den Griff bekommt, dann unser Chefingenieur, der unvergleichliche Kaschi Hallmackenreuther. Anarky, hol’ ihn mal nach oben, und wenn er sich weigert, sag ihm, dass wir einen Kosakenzipfel für ihn haben.“

„Ka
schi Hallmackenreuther!“ rief die vorhin noch so wütende Baby Jane entzückt aus. „Ich kenne ihn vom Campingplatz in Wuppertal! Erinnerst Du Dich noch an unsere Campingurlaube in Wuppertal, Falk?“ Das Gesicht des Captains wurde weich. „Wie könnte ich die vergessen, Baby“, meinte er mit einem fast zärtlichen Lächeln. Wir hatten immer so eine schöne Zeit dort...“ Dann fasste er sich wieder. „Richtig, Kaschi wohnte ja immer während seines Bildungsurlaubs dort, als er versucht hat, auf dem zweiten Bildungsweg sein Jodeldiplom nachzumachen.“ „Genutzt hat es ihm ja wohl nichts“, meinte der Bergsteiger verächtlich. „Fristet in einem Maschinenraum noch immer sein Dasein. Ich habe damals mit Prädikat bestanden und bin nun beruflich sehr erfolgreich. Ich habe...“ „Halt den Mund!“ rief Baby Jane. „Kein Mensch interessiert sich für Dein Jodeldiplom. Holt den Hallmackenreuther nach oben, und zwar schnell...“

Während der ganzen Aufregung hatten sich De Guy und seine Kat an das Heck des Schiffs zurückgezogen und
schauten verträumt auf das Wasser. Irritiert sah De Guy, dass Kats Wimperntusche verlaufen und der Lidschatten verschmiert war – sollte sie doch nicht so perfekt sein, wie er gedacht hatte? Und überhaupt – wer war sie eigentlich? Er wusste nur, dass sie Kat hieß und wundervoll küssen konnte (und das andere würde er auch noch testen), aber wer war sie wirklich? Und – wer war er? War er wirklich Pianist? Gut, er konnte Klavier spielen – und wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen – aber war das wirklich sein Beruf? Hieß er überhaupt De Guy? Was war das überhaupt für ein merkwürdiger Name? Vielleicht war er verheiratet? Oder ein Verbrecher? Konnte er mit dieser Ungewissheit diese Frau an sich binden? Fragen über Fragen...

 

 

32. Folge: Rettung naht aus Wuppertal…[2.Teil] (von Baby Jane)

Während die illustre Runde an Deck händeringend die Reparatur der klapprigen Cessna diskutierte, und während am Heck des Schiffes die aufkeimenden Gefühle zwischen dem sanften Langeweiler De Guy und Kat jäh zu erkalten schienen, da richtete Amor seinen Pfeil bereits auf zwei andere Passagiere der Werderania. Denn Paula Tracy war aufgefallen, welch sensible und doch männliche Hände Dr. med. Few Master hatte, als er dem luxemburgischen Prinzchen eine Injektion zur Stabilisierung des Kreislaufs in die linke Pobacke gegeben hatte. Hände, die zärtlich sein, aber auch zupacken konnten. Und auch der Schiffsarzt hatte, als sich seine und Paulas Augen für einen Moment trafen, das Gefühl, als könne er in diesen Augen versinken. Scheu blickten beide zu Boden.

Doch Dr. Master fasste sich ein Herz und richtete eine Frage an die attraktive Kollegin: "Mrs Tracy", begann er, "Mrs Tracy, morgen, Sonntag, ist eine Tanzveranstaltung hier an Bord. Und ich wollte fragen..." Few Master begann hekti
sch, Medikamente in seinem Arztköfferchen russischen Designs zu sortieren. "Nun, meine Frage wäre diese, Mrs Tracy ... Ob Sie den letzten Tanz…“ Few Master errötete heftig „...mit mir ...?" Und kühn geworden fuhr er fort:" Darf ich Sie Paula nennen?" Few Masters Stimme zitterte.

Und als Mrs Tracy dem Mediziner wortlos ihre Hand entgegenstreckte, die Handfläche nach oben gewandt, und als Few Master die Hand ergriff, seinen Kopf senkte und seine Lippen zu einem inniglichen Kuss der Verehrung in die ihm dargebotene Hand pressen wollte, da ...

 

 

33. Folge: Mann über Bord (von Beast)

Während der Pianomann noch seinen Gedanken nachhing und Kat versuchte in der steifen Brise, die ums Heck wehte, wieder etwas Ordnung in ihr Haar zu bringen, schlich sich jemand auf leise quietschenden Sohlen näher. Es war kein anderer als Fischkrepp, der immer noch auf Vergeltung sann.
"Das wirst Du noch bereuen, Du mieser Tastenstümper!", dachte er zornerfüllt "Wer jeden Abend im Mann
schaftsklo Nasen zieht, soll verdammt noch mal die Fresse halten, wenn es um Statements über meine Person geht." Er selber hatte De Guy freilich niemals bei derartigen Dingen ertappt, aber ein Ex-Kumpel hatte ihm verlässlich darüber berichtet.

De Guy fasste sich derweil ein Herz und be
schloss, Kat seine Zweifel mitzuteilen. "I can't wait until tonight...", begann er, als ihn plötzlich ein Fischbrötchen mit voller Wucht an den Kopf traf. Er verlor das Gleichgewicht, ruderte noch verzweifelt mit den Armen und stürzte dann mit einem verdutzten "Hoppala!" über die Reling.
Kat durchfuhr ein eisiger Schrecken. "Hülfe, zu Hülfe, Mann über Bord!", rief sie gellend und sah sich pani
sch um. Aber der einzige, den sie sah, war der kalt grinsende Fischkrepp.
"Das waren Sie!", fuhr Kat ihn an. "Es war keine Absicht!", log Fi
schkrepp ihr ungerührt ins Gesicht "Der Wind hat mir meine Vesper einfach aus der Hand geweht." "Ich glaube Ihnen kein Wort! Aber jetzt helfen Sie ihm gefälligst!" Kat deutete auf den Pianoman, dem die Wellen über dem Kopf zusammenschlugen. "Hilfe! Ich glaube... glucks... ich kann nicht schwimmen... blubber..." stieß dieser panisch hervor.
"Tut mir leid, ich kann nichts für ihn tun - mein I
schias..." Fischkrepp grinste Kat immer noch schmierig an und rührte keinen Finger. "Schuft!" Kats kleine Fäuste trommelten auf Fischkrepps Brust, dann wirbelte sie herum, um zu den anderen zu laufen, von denen niemand etwas bemerkt hatte - sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber Fischkrepp schnappte zu und hielt sie am Handgelenk fest. "Es ist zu spät. Wir machen zu schnelle Fahrt.", sagte er ungerührt und wies auf De Guy, der schon ein ganzes Stück hinter der Werderania zurückgeblieben war. "Bis wir stoppen oder wenden können, wird er abgesoffen sein."
"Sie Unmen
sch!" Kat klammerte sich schluchzend an die Reling. Sollte sie so den Mann verlieren, der womöglich ihr Mann fürs Leben gewesen wäre? Elend ertrunken vor ihren Augen? Aber es kam noch schlimmer: Eine silbrig glänzende Flosse durchpflügte das Wasser und schoss auf den Pianomann zu! "Neeeeeiiiiinnnn!!!", gellte Kats Schrei über das Deck und erregte nun auch die Aufmerksamkeit der anderen. "Was ist das?" "Mann über Bord!" "Ein Hai!", überschlugen sich die Stimmen von Crew & Gästen. Aber die Stimme des Captain’s übertönte sie alle: "Das ist kein Hai! Das ist ... Flipper!!! Einer von Lady Patricias Therapiedelphinen..."
In diesem Moment hatte Flipper auch
schon den hilflosen De Guy erreicht, schleuderte ihn mit der Nase in einem doppelten Salto in die Höhe und fing ihn mit dem Rücken auf. Gleichzeitig gab es neben der Werderania eine große Welle und ein grün-gelbes U-Boot tauchte aus den Tiefen des Meeres auf. Die Luke öffnete sich und heraus salutierte freudestrahlend ein Mann "Ahoi Werderania!" "Leichtmatrose Nobbi?" brach es aus Falk hervor. "Aye, aye!", grinste dieser, während neben ihm eine ganze Meute Hunde aus der Luke wuselte. "Sie sind doch nicht in Moskau?" "Doch, doch, da waren wir! Aber die Russen haben uns dieses ausrangierte Atom-U-Boot geschenkt und Kady... ich meine, Lady Patricia hat es neu gestrichen und seitdem sind wir auf großer Fahrt, um die Energie der Liebe, des Lichts und der Feinstofflichkeit in alle Häfen dieser Welt zu tragen."
Bevor noch irgendjemand von Bord der Werderania etwas darauf entgegnen konnte,
schob sich eine junge Frau durch die Luke und lächelte den Kapitän an: "Falk Rickmers! So sieht man sich wieder... Erbitte Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen."

 

34. Folge: "Der Kapitän spricht ein Machtwort" (von Scarlet)
Kapitän Rickmers konnte Lady Patricia
schlecht verweigern an Bord zu kommen, obwohl er das von Herzen gern getan hätte, sie würde ja doch nur wieder Unruhe stiften und erst ihr Leichtmatrose Nobbi, der immer so unterwürfig um sie herumscharwenzelte. Und schließlich haben die beiden damals das Schiff unerlaubt verlassen. Das grenzte ja fast an Meuterei oder Desertion, oder wie man das nennt… Aber was sollte er tun, auf hoher See galten andere Gesetze, aber eigentlich war doch er, Falk, das Gesetz auf diesem Schiff, aber was soll’s, er wollte mal nicht so sein und würde dieses Mal Gnade vor Recht ergehen lassen. Seine Macht wird er zu geeigneter Zeit ausspielen.
Also kletterte Lady Patricia mit der übertriebenen Hilfe von Nobbi an Bord und sah sich um. Alle Passagiere standen fassungslos an Deck und wussten nicht recht, was das alles zu bedeuten hatte. Irgendwie war Lady Patricia
schon enttäuscht, dass sie nicht freudig willkommen geheißen wurde. Plötzlich stürmte Willi, der Schiffsjunge, strahlend, mit ausgestreckten Armen auf sie zu, „wenigstens einer“, dachte die Lady, doch er rannte geradewegs an ihr vorbei und hin zu der Leiter, über die auch sie an Bord geklettert war, um dort den tropfnassen, erschöpften Pianomann in empfang zu nehmen, der sich unbemerkt die Steighilfe hinaufgequält hatte. Schnell reichte ihm Willi eine Wolldecke, die er aus einem der Rettungsboote gezogen hatte und De Guy bedachte den Fischkrepp, der sich verdrücken wollte, mit einem giftigen Blick, den man seinen sonst so melancholischen Augen nicht zugetraut hätte. Sogleich bestürmten ihn alle anderen Passagiere und drängten Lady Patricia in der allgemeinen Aufregung bei Seite, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, dass es De Guy geschafft hatte sich zu retten… Da platzte Lady K. der Kragen: „Sagt mal, was ist den mit Euch los? Freut ihr Euch denn gar nicht, dass ich wieder hier bin? Ich, die ich um die ganze Welt gereist bin, um euch wieder helfen zu können, mich lasst ihr einfach links liegen für einen zweitklassigen Klavierspieler!“
Er
schrocken drehten sich alle anwesenden um. Jetzt, fand Falk, war es an der Zeit seine Macht zu demonstrieren: „ Donnerwetter noch einmal! In Dreiteufelsnamen! Ich finde, für heute reicht es jetzt wirklich! Wir hatten heute schon genug Aufregung! Ich schlage vor, wir beruhigen uns jetzt alle einmal! Patricia, Sie und Nobbi machen sich jetzt im Unterdeck erst einmal frisch, die anderen hier tun sonst etwas. Und in, sagen wir drei Stunden treffen wir uns alle im Ballsaal wieder! Alles klar!?“ „Hurra, das Casting findet also doch statt!“, sprudelte es aus der aufgeregten Det heraus. „Mit nichten!“, erwiderte Falk, „Wir werden uns dann alle treffen. Und wenn ich alle sage, dann meine ich auch alle. Dann werden wir die Situation besprechen, in der wir uns im Moment befinden! Das ist ja kein Zustand: Sabotage, Intrigen auf meinem Schiff! Das lasse ich nicht zu! So und jetzt: abtreten! Alle!“ Er drehte sich auf dem Absatz um und verschwand in seine Kabine! Baby Jane war erstaunt, so hatte sie ihren Ex-Mann ja noch nie gesehen und Kat dachte: „Wenn De Guy doch nur einen Funken mehr von dieser Energie des Kapitäns hätte…“

 

 

35. Folge: Männerrunde und Frauenabend +Nachtrag (von Baby Jane und Scarlet)

Während am Sonnendeck das Erscheinen der Neuankömmlinge ausgiebig bestaunt wurde, krempelte Kaschi die Ärmel seines "Hucky & seine Freunde" - Sweatshirts hoch und begann, den defekten Motor der Cessna zu untersuchen. Es schien kompliziert zu sein, denn schon nach kurzer Zeit holte er den eigenhändig verfassten 29teiligen Episodenführer "How to repair the Cessna Sky hawk" aus seiner Hosentasche und entfaltete ihn. Kater Mikesch, den Kaschi an Board mitgebracht hatte (übrigens ungeimpft und unkastriert), saß auffällig still daneben und beobachtete aus den Augenwinkeln die Möwe Laura, die von ihrem Platz am Spezialmast aus das Geschehen aufmerksam beobachtete.

Cessnaritter hockte sich neben Ka
schi, und die beiden begannen konzentriert, Schrauben, Muttern und Zahnrädchen entsprechend der Anleitung zu sortieren. Bald gesellten sich auch Captain Rick, Dr. Few Master, Willi, Sir Hilary, Mickey und De Guy, Bergsteiger, Lonewulf Pete und Heino dazu. Auch Prinz Malko, der ein gelbes Kunstfasertrikot mit der Aufschrift "Dèr franzesìsche Fußbàll ìst Favorìt!" trug, hatte sich von seinem Kollaps erholt und gesellte sich zu den Männern.

Die Damen an Bord zogen sich ge
schlossen in die klimatisierte Luxuskabine von Gräfin Ermakova zurück, um eine Runde "Wer wird Filmionär" mit Frauenfilm-Schwerpunkt zu spielen. Man genehmigte sich den einen oder anderen Likör und lachte, naturgemäß, viel.

 

Drei Stunden waren schnell vergangen und mittlerweile war es weit nach Mitternacht, als sich, wie vom Kapitän angeordnet, alle wieder im Ballsaal zusammenfanden.
Der Kapitän begab sich auf die Bühne um zu verkünden: "Wider Erwarten ist das Problem mit dem Flugzeug in der Zwi
schenzeit noch nicht behoben worden. Es tut mir leid, dass ich sie alle zu so später Stunde noch einmal hierher gebeten habe, aber ich habe gedacht, ich könnte ihnen erfreulichere Neuigkeiten mitteilen. Ich schlage vor, sie begeben sich jetzt alle in ihre Kabinen, es ist schon sehr spät und heute ist sehr viel geschehen. Sie werden bestimmt alle müde sein. Ruhen sie sich aus. Wir besprechen alles weitere morgen beim Frühstück. Dann werden wir auch abstimmen, ob morgen Abend das Casting stattfinden soll! Also, sehr verehrte Gäste und liebe Mitarbeiter, ich wünsche eine angenehme Nachtruhe!"
Da es wirklich
schon sehr spät war, waren alle Anwesenden mit Rickmers Vorschlag einverstanden und begaben sich unverzüglich in ihre Kabinen.

 

 

36[a].Folge: Eine Nacht am Meer (von Baby Jane)

Im großen Festsaal wollte das Gute Nacht-Sagen schier kein Ende nehmen. Das Unglück mit der Cessna hatte die Passagiere der Werderania eng zusammengeschweißt, und so wünschte man einander äußerst herzlich angenehme Ruhe und gesegneten Schlaf. Captain Rickmers hielt eine kurze Ansprache scherzhaften Inhalts, in der er auf seine väterliche Rolle an Bord anspielte, die ihn ein Auge darauf haben ließe, dass jeder allein in seiner Kabine verschwand. Rickmers drohte schelmisch mit dem Zeigefinger in die Runde. Scarlet und Cessnaritter erröteten.

Und während im großen Ballsaal Men
schen, die einander vor der großen Überfahrt nach Amerika Fremde gewesen waren, den Abend in freundlicher Verbundenheit gemeinsam ausklingen ließen, sah man einen Schatten durch die Gänge des Passagierdecks huschen. Gebückt und auf Zehenspitzen schlich eine dunkel gekleidete Person zur Kabinentür mit der Nummer 132 und legte eine rote Rose nieder. Daneben einen Brief ...

 

 

36[b]. Folge: Meine kleine schlaue Juramaus (von Helli Gräfin Ermakova)

Aufatmend schloss die Gräfin die Kabinentür hinter sich zu. Das war ein Tag gewesen. Schnell räumte sie die Likörgläser beiseite und öffnete das Bullauge, um den Zigarettenrauch aus der, wenn auch klimatisierten, nun aber doch etwas stickigen Kabine zu lassen.

Dann
schminkte sie sich sorgfältig ab, duschte, zog sie sich ein weißes Negligé an, das ihren Teint fast feenhaft schimmernd erscheinen ließ, und bürstete sich mit so einer Bürste, die man nur in amerikanischen Filmen sieht, über ihr leuchtendes Haar.

Nach dem sie sich mit leeren traurigen Augen minutenlang im Spiegel angestarrt hatte, zog sie die Schublade des Frisierti
sches auf und zog ein Fotoalbum heraus. Sie suchte nicht, nein, wie allein fanden ihre Finger den Weg durch die Seiten, vorbei an Fotos mit einem glücklich lächelnden Mann an der Seite der Gräfin, Aufnahmen von Familienfeiern, Empfängen, dem Geburtstag von Hannes Wader, der 100000 Folge von XY, und und und, vorbei...bis eine eigene Abteilung anfing, alles Fotos von einem kleinen Mädchen mit blitzgescheit blickenden Äuglein und einem naseweisen Lächeln.

"Mein Nin
schen", hauchte dir Gräfin und presste weinend die Fotos an ihre Brust, "Meine kleine schlaue Juramaus. Wo bist Du nur???" Ein Foto nahm sie heraus, sie wusste, es war genau da aufgenommen, als Ninschen das erste Mal das Wort "Kakamann" gesprochen hatte und sie beide hatten so herzhaft gelacht... Wie war das schön gewesen, damals, anlässlich des tödlichen Unfalls einer der Ehefrauen von diesem widerlichen Otto Kern.

Die Gräfin starrte aus dem Bullauge auf den unendlichen Horizont, ergriff dann ein übrig gebliebenes Likörglas und zerbarst es mit ihren
schlanken Fingern, bis Blutstropfen wie schwere Gewitterwolken auf ihr Negligé fielen und dieses für immer ruinierten.

"Du wirst es mir büßen! Few! Dr.! Master! Du!"
rief sie und ihr Klagelied verhallte über den Weiten des Ozeans und nur manche Muttermöwe stimmte nickend in das Klagelied des weinenden Frauenherzens mit ein. Tiere sind ja so unglaublich, was die alles spüren!

 

 

36[c]. Folge: Die Gräfin und die Lady (von Beast)

Ruhig lag die See, im Dunkel der Nacht erschien sie pechschwarz. Der Himmel war Wolkenverhangen, kein Stern blitzte hervor, nur die fahle Sichel des Mondes schob sich hier und da hervor.

Lady Patricia K. und Leichtmatrose Nobbi betraten gutgelaunt das Promenadendeck, um sich auf den Weg in ihr grün-gelbes U-Boot zu machen, das am Heck der Werderania vertäut lag. Die beiden hatten einige heitere Stunden in der Mann
schaftsmesse hinter sich, wo sie mit ihren ehemaligen Kameraden allerlei Klönschnack ausgetauscht hatten. Nun waren nur noch die Tiere zu füttern, ehe es in die Hängematten ging.

Auf Höhe der Sonnenstühle bemerkte Lady Patricia plötzlich eine Weißgewandete Gestalt, die
schwankend an der Reling lehnte und klagende Geräusche von sich gab. "Höhö... Da opfert jemand Neptun!", gluckste Nobbi, der selbst bei Windstärke 12 noch in den Wanten sitzen konnte. Aber Lady Patricia schüttelte den Kopf. "Nicht doch Nobbi - hier ist ein Herz in Not! Geht schon einmal vor, vielleicht kann meine Empathie hier von Nutzen sein."

Hurtig näherte sie sich der Weißgewandeten, deren Haar im bleichen Mondlicht sanft
schimmerte und legte ihr die Hand auf die Schulter. "Kann ich helfen?"
Die so Angesprochene fuhr herum, Lady Patricia roch eine
schwere süßliche Likörfahne, sah dunkle Flecken auf dem weißen Négligé. "Gräfin Ermakova?", Lady Patricia erschrak, als sie in trübe, vom Weinen gerötete Augen sah. Die Gräfin, ein Stern am Himmel des europäischen Hochadels, in solchem Zustand? "Kennen wir uns?" sprach die Gräfin mit schwerer Stimme. "Ja sicher doch, Lady Dis Gartenparty im Sommer 95, ich saß gleich neben Fergie." Ein Schimmer des Erkennens huschte über das Gesicht der Gräfin. "Ja.... Sie hatten dieses fantastische Rezept für Porredgesalat... Lady... Patricia?" Diese nickte. "Aber meine Liebe, was machen Sie denn mitten in der Nacht auf dem Promenadendeck. In diesem bezaubernden Hauch von Nichts" - sie wies auf das leider arg befleckte Négligé - "holen Sie sich ja den Tod."

Zu Lady Patricias Betroffenheit begann die Ermakova mit tiefem, kehligen Schluchzen zu weinen und drückte ein zerknittertes Foto an ihre wogende Brust. "Den Tod fürchte ich nicht mehr!", wimmerte sie "Nicht seit diese Bestie mir mein ein und alles genommen hat. Seit diesem Tag habe ich mein Leben der Rache geweiht!"

"Nicht doch, nicht doch liebste Gräfin! Soviel negative Energie... soviel Hass... in wie viel Kraft wir das umwandeln können! Kommen Sie mit mir, ich lade Sie auf mein U-Boot des Lebens und der Liebe ein und dann erzählen Sie mir erst einmal, was Ihr Herz so fürchterlich zusammen
schnürt." Lady Patricia fasste die Gräfin sacht an den Schultern und führte Sie über das Promenadendeck.
"Oh Lady Patricia, Sie sind so gut zu mir!", die Ermakova war gerührt bis ins Mark.
"Wo ein Herz in Not ist, will ich zur Stelle sein! Dies habe ich mir im Gedenken an Lady Di zum Motto gemacht. Und sagen Sie doch Kady zu mir, Liebes..." Lady Patricia lächelte die Gräfin an.
"Gern - wenn Sie mich Helli nennen..."

 

 

36[d]. Folge: Das Geheimnis der Gräfin [1.Teil] (von Beast)

Gräfin Ermakova saß zusammen mit Lady Patricia im reizarmen aber gemütlichen Therapiezimmer des U-Bootes. Leichtmatrose Nobbi hatte ihr einen Tee aufgebrüht - Passenderweise "Momente der Melancholie" - und ihr eine Wolldecke gebracht, die er in den langen Stunden auf See selbst gehäkelt hatte. Dann hatte er die Damen rücksichtsvoll verlassen. Nur Lady Patricias Therapiehunde lagen noch herum und beobachteten die beiden Frauen aufmerksam.

"Nun liebste Helli, wollen Sie mir von ihrem Kummer erzählen?", begann Lady Patricia.
Gräfin Ermakova wand sich auf ihrem Sitzsack, als
schnürten Worte ihr die Kehle zu. Schließlich streckte sie der Lady das arg zerknitterte Foto entgegen, das sie die ganze Zeit über gegen ihren Busen gepresst hatte. "Sehen Sie...", stieß sie hervor.
Lady Patricia besah das Foto aufmerksam. "Ein hüb
sches Kind - wie aufgeweckt es dreinschaut! Ihre Tochter?"
Der Ermakova quollen die Tränen wie Sturzbäche aus den Augen. "Das ist mein Nin
schen. Ich ließ mich damals zu einer kurzen wilden Liaison mit einem Wimbledonhelden hinreißen. Die Queen persönlich hatte uns bekannt gemacht. Meine kleine Zuckerschnute war nicht geplant, es sollte einfach nur Spaß, ohne Reue, mit ihrem Vater sein - aber es kam anders. Ach, ich kann heute noch keinen Besen anschauen, ohne an ihren Vater zu denken."
"Er muss sehr stolz auf seine kleine Tochter sein!", warf Lady Patricia ein.
Die Gräfin
schüttelte den Kopf. "Er weiß gar nichts von ihr! Als ich bemerkte, dass ich guter Hoffnung war, ging ich auf Kanadarundreise. Dort gebar ich mein erstes Kind, wickelte es in Windeln und suchte einen Privatsekretär. Ich fand einen talentierten, jungen Mann namens Brooklyn. Gegen einen monatlichen Aufpreis, gab er meine Kleine offiziell als sein Baby aus. Er erzählte jedem, die Mutter sei ihm davon gelaufen... "

 

 

36[d]. Folge: Das Geheimnis der Gräfin [2.Teil] + Nachtrag (von Beast und Scarlet)

Lady Patricia hatte durch aktives Zuhören und aufmerksames Pacing die Gräfin in einen regelrechten Redefluss versetzt:
"Die folgende Zeit war die wohl
schönste meines Lebens! Meine Kleine und ich reisten mit Brooklyn herum und ich konnte mich ihr ganz ohne Aufsehen widmen - welchen Paparazzo interessiert schon die Tochter eines Sekretärs? Aber unser Glück sollte ein jähes Ende nehmen..." Gräfin Ermakova schluchzte laut auf! "Nie, nie werde ich diesen Tag vergessen, der mein Leben zerstört hat! Brooklyn sollte mit meinem Summsäkäfer zum Arzt, eine Impfung für eine längere Südamerikareise stand an. Unser Kinderarzt war nicht da und so beschloss Brooklyn zu der empfohlenen Urlaubsvertretung zu gehen. Wenn er gewusst hätte, was für ein Quacksalber das war... Wahrscheinlich hatte er sich den Doktortitel gekauft oder gar selbst am Computer erstellt! Er wollte mein Herzblatt nicht impfen, sondern ausführliche Untersuchungen durchführen - stellen Sie sich nur vor, er sagte, sie sei übergewichtig! - Mein Rehlein... In Wahrheit wollte er sie von Brooklyn trennen. Nachdem der nämlich einen ellenlangen Anamnesebogen ausgefüllt hatte und sie vom EKG abholen wollte... da war sie... WEG!!!" Die Ermakova brach aufheulend auf ihrem Sitzsack zusammen und stieß dabei ihre Teetasse um. "Momente der Melancholie" vermengten sich mit ihren Tränen.

Kat, die vor dem Schlafen noch ein wenig ihre Kajüte lüften wollte, hörte marker
schütternde Laute über das Promenadendeck wehen. "Da wird doch ein Tier gequält!", schoss es ihr durch den Kopf und sogleich warf sie sich einen resedagrünen Trevierakimono über, schlüpfte in Bastflipflops, mit dem Bildnis der Madonna von Guadeloupe, und lief an Deck.
Schnell wurde ihr klar, dass das jammervolle Heulen von Bord des U-Bootes kam. "Die Lady wird doch wohl keinen ihrer Hunde quälen?", dachte sie. Das hätte sie einer feinstofflichen Person wie ihr eigentlich nicht zugetraut, aber man kann in die Leute nicht reingucken - hatte ihre Oma ihr
schon immer gesagt.
Wild ent
schlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und der geschundenen Kreatur zu Hilfe zu kommen, hangelte Kat sich an dem dicken Seil, mit dem es an der Werderania vertäut lag, hinüber zum U-Boot. Durch eine offene Luke konnte sie hinein sehen und was sie sah, verschlug ihr fast den Atem!

Umringt von besorgt winselnden und wedelnden Therapiehunden stand Gräfin Ermakova wie eine Rachegöttin neben Lady Patricia und stieß mit flammenden Blicken feurigen Hasses nur mühsam beherr
scht hervor:
"Dieser Arzt... war kein anderer... als Doktor... Few... Master! Nie wurde aufgeklärt, was mit meinem kleinen Mädchen ge
schah! Der treue Brooklyn kündigte, zerfressen von Selbstvorwürfen - ich blieb allein zurück mit meinem Schmerz. Mein einziger Freund wurde der Likör... Aber nun habe ich diesen Schuft aufgespürt - und ich werde herausfinden, was er meiner Tochter angetan hat. Hier, auf diesem Schiff, kann er mir nicht entgehen!!! DU WIRST BEZAHLEN FEW MASTER!!!"
Mit diesen Worten zog die Gräfin irre lachend eine kleine silberne Damenpistole aus ihrem
Dekolltè...

 

"Nein, Helli, das dürfen sie nicht tun!", kreischte Lady Patricia entsetz und wollte nach dem silbrig glänzendem Gegenstand greifen. Doch die Gräfin wehrte ab: "Doch Kady! Es muss sein! Ich kann nicht anders! Ich habe jetzt so lange darauf gewartet, sie werden mich nicht davon abhalten!" Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte Lady K. auf die Gräfin, als diese ihre rechte Hand, mit der sie die kleine Pistole umfasste zum Mund führte und... - Lady Patricia war starr vor Entsetzen - ...den Abzug betätigte... um sich mit dem Feuerzeug, das einer Pistole täuschend ähnlich sah, die Zigarette anzuzünden, die sie in der linken Hand hielt.

 

 

37.Folge: Der Reiseveranstalter (von Scarlet)

Am nächsten morgen erschallte der Gong, der die Passagiere in den Speisesaal zum Frühstück rufen sollte, um zwei Stunden später als sonst, nämlich um 9:30 Uhr. Es war auch ein sehr, sehr langer Abend gewesen und mit deutlich mehr Aufregung als ein normaler Tag bieten sollte. Kat war verwirrt. De Guy hatte sich gestern, vor seinem Sturz ins Meer so seltsam benommen. Und dann, später, als sich noch einmal alle im Ballsaal trafen, war da wieder dieser attraktive Unbekannte mit dem Hut, mit dem sich seltsamerweise diese Tapetchen angeregt unterhielt. Warum sprach er mit der Angestellten? Das hätte sie noch gerne herausgefunden, aber da war dieser fiese, hinterhältige Fischkrepp, der sie keine Sekunde aus den Augen ließ und sie sogar noch bis zu ihrer Kabine verfolgte, wo sie ihm dann erbarmungslos die Türe vor der Nase zuknallte. Aber egal… Kat schlüpfte in ein hellgelbes, blaugeblümtes kurzes Kleid – die blauen Kornblumen passten ausgezeichnet zu ihren Augen – und begab sich frohen Mutes in den Speisesaal. Die meisten der Privatpassagiere waren schon anwesend und auch ein Großteil der Crew war hier. Heino hatte sich geweigert, seine Kabine zu verlassen, da sein Konzert derart sabotiert wurde. Allerdings versicherte Willi, den Heino offenbar zu seinem einzigen Vertrauten gemacht hatte, dass Heino so lange wie nötig an Bord bleiben würde. Er wollte seine Fans nicht enttäuschen und das Konzert auf alle Fälle nachholen. „Bitte nicht!“, dachte Kat bei sich – und da war sie nicht die einzige.
Falk Rickmers trat in die Mitte des Raumes: „ Liebe Anwesende, Guten Morgen! Zunächst einmal stelle ich Ihnen Andreas Hansen aus Lübeck vor, den Reiseveranstalter der Reederei Brandungsfelsen. Er ist sozusagen verantwortlich für den Fortgang unserer Reise.“ „Er ist auch verantwortlich für das Zustandekommen meiner Reise“, dachte Kat, „ohne ihn hätte ich mich niemals auf diesen Schwachsinn eingelassen! Mit einem Sklaven
schiff nach Übersee! Ich kann ja nicht bei Sinnen gewesen sein, als ich diese schweineteuere Überfahrt gebucht habe. Aber nein, ich musste ja auf Andreas hören „Fliegen ist umweltschädlich, nimm ein Schiff, wenn sich’s schon nicht vermeiden lässt. Bla bla bla“ hat er gesagt. Warum musste ich nur auf ihn hören? Mit dem Flugzeug wäre ich in maximal 9 Stunden dort gewesen…“ Und während Kat noch darüber nachdachte, was Andreas alles sagte, hatte der sich schon auf Rickmers Platz gestellt und referierte: „….Unter ökologischen Aspekten ist diese Entwicklung keineswegs positiv zu bewerten. Der Primär-Energieverbrauch beträgt demnach bei einer Reiseentfernung von 1.000 km bei durchschnittlicher Auslastung je Person 13.354,739 Megajoule!!!!! Die einzige Möglichkeit, diesen Verbrauch einzudämmen und die Umwelt zu schonen, ist es eben, die Segel zu setzen und auf günstigen Wind zu warten! Da das die Überfahrt nach meinen Berechnungen allerdings auf 2 Monate verlängern würde, habe ich zugestimmt, die Dampfmaschinen wieder in Betrieb zu nehmen, allerdings nur mit geringer Leistung und nur, wenn kein Wind ist. Das heißt, wir werden nicht pünktlich in den USA ankommen können. Aber aus ökologischer Sicht stellt die Verlängerung der Reise ein geringes Opfer für sie dar. Die Versorgung der an Bord befindlichen Personen ist gewährleistet, keine Sorge! Das Flugzeug kann auch nicht so schnell repariert werden, wie sie gehofft haben – ich sage ausdrücklich sie, denn ICH weigere mich, die Wiederherstellung dieser Spritfressenden Klapperkiste gutzuheißen.“

 

 

38. Folge: Die Reeder (von Paula_Tracy)

Einige der Zuhörer klatschten begeistert Beifall (wohl die Umweltaktivisten unter den Passagieren), die anderen buhten Andreas Hansen gnadenlos aus.

Nun erhob sich ein anderer Mann, der bisher kaum in Er
scheinung getreten war: H. G. Werderaner, Gründer der Reederei Brandungsfelsen und Namensgeber des ältesten Schiffes, auf dem er sich gerade befand. Normalerweise ließ sich der scheue Mann selten auf seinen eigenen Schiffen blicken, umso erstaunter war Kapitän Falk Rickmers gewesen, als er seinen obersten Boss an Bord begrüßen musste. Werderaner galt als gnadenlos und absolut konsequent - wenn er etwas nicht gut hieß, war es auch nicht gut. Die Reederei war nicht sein einziges Unternehmen, ihm gehören u. a. noch eine Spirituosenfabrik und die europaweit bedeutendste Fabrik zur Herstellung von Sonnenbänken. Letztere war auch der Grund, warum er sich an Bord befand - im Frachtraum des Schiffes befanden sich 48 Sonnenbänke, allesamt Prototypen, die Werderaner in Los Angeles einem amerikanischen Unternehmen vorstellen wollte. Wenn dies klappen würde, könnte er sich endlich zurückziehen und auch seine Reederei, die schon lange keinen Gewinn mehr abwarf, verkaufen. Und nun machte ihm dieser Hansen einen Strich durch die sorgfältig erstellte Rechnung! Das Treffen mit den Amerikanern sollte in einer Woche stattfinden - wie war dieser Termin jetzt noch einzuhalten? Er hatte sich das Treiben an Bord nun eine Weile mit angesehen - jetzt musste er eingreifen! Und vor allen Dingen diesen unfähigen Captain absetzen, der noch dämlicher erschien als seine gesamte Mannschaft zusammen. Aber wer sollte das Schiff übernehmen? Er selbst? Fischkrepp? Willi? Kaschi Hallmackenreuther? Heino - der hatte doch immerhin den Motorbootführerschein?

Noch am Überlegen, begann Werderaner: "Nun, meine Damen und Herren..."

 

 

39.Folge: Die Ansprache (von Scarlet)

Gedankenverloren blickte er in die Runde, alle sahen ihn erwartungsvoll an, und warteten gespannt, was er ihnen mitteilen würde. Schnell verwarf er den Gedanken wieder, den Kapitän zu ersetzen. Von allen, die da so vor seinem geistigen Auge aufmarschierten war kaum einer geeignet das Schiff zu führen. Ja, er selbst hätte das gekonnt, aber er wollte nicht. Dass er sich jetzt in dieser unsäglichen Lage befand – auf einem Dampf-Segelschiff, das länger als geplant unterwegs sein würde – hatte er eigentlich auch sich selbst zuzuschreiben. Was musste er auch diesen Andreas Hansen als Reiseveranstalter einsetzen. Gut, er vertrat oft dieselben Ansichten wie er, aber musste dieser Hansen immer gleich so übertreiben… Der Umweltgedanke – alles recht gut und schön, aber gleich so militant? So war ja er selbst zum Beispiel Nichtraucher, aber ein liberaler, er hatte nichts gegen Raucher, nur gegen militante… Aber Werderaner schweifte mit seinen Gedanken ab… Na ja, er, Werderaner, hätte nicht auf ein Dampf-Segelschiff bestehen sollen, aber das hatte er jetzt davon. Und schuld daran war nur dieses Lied „Segel im Wind“ von diesem Peter Cornelius, einem Österreicher! Er hatte es ja schon immer gewusst, mit diesen Ösis hat man nichts als Probleme! Und jetzt saß er fest auf diesem Dampfer mit Segel. Wo sollte das hinführen? Ein Frachtraum voll mit 48 Sonnenbänken und kein Land in Sicht… Zum Glück war er ausgebildeter Versicherungsfachmann, weshalb er eine ausgezeichnete Ausfalls-Versicherung abgeschlossen hatte. Wenn er Glück hatte, dann konnte er aus diesem Desaster sogar noch mit Gewinn aussteigen!!! Wenn er so recht überlegte, war die Situation ja gar nicht so schlecht für ihn! Und so wandte er sich an die wartenden: „Also meine Damen und Herren, jetzt sitzen wir auf dem Dampf-Segelschiff fest. Machen wir das Beste daraus! Ich tu das ja auch! Schönen Tag noch!“ Und das war es dann? Dafür hatte er die Anderen so lange auf die Folter gespannt, um ihnen das um die Ohren zu schleudern? Die Anwesenden sahen sich ungläubig an.

 

 

40. Folge: Oh dieser Reeder (von Helli Gräfin Ermakova)

Zufrieden schlenderte der Reeder H.G. Werderania nach seiner, wie er fand, gelungenen Ansprache über das Schiff und beschloss, den Zustand einer genaueren Inspektion zu unterziehen. Wie viel Schlamperei war ihm schon im Laufe seines Lebens untergekommen und die hohen Ansprüche, die er an sich stellte (und erfüllte) galten auch für seine Angestellten.
So raunzte er auch
schnell den Schiffsjungen Anarky an, als dieser achtlos an einem auf dem Boden liegenden Zigarettenkippe vorbeiging.
"Heb das mal auf, Junge“, was der Angesprochene auch
schnell tat, nicht ohne sich danach schnell davon zu machen, und aus dem Blickfeld des Reeders zu kommen.
Kopf
schüttelnd ging Werderaner weiter, während er mit dem Zeigefinger über die eine oder andere Geländerstrebe und strich und auch Türrahmen und Lampenschirme auf Staub untersuchte. Das ging so gerade. Dennoch würde er sich Rickmers heute Abend mal vorknöpfen müssen.
Und... was war denn das da? Vor Kabine 132? Ah! Eine unglaubliche Sauerei.
Ächzend beugte sich der Reeder hinunter und klaubte aus einer Ecke eine Rose und eine verdrecktes Kuvert, dass der Kabineneigner wohl beim Herausgehen übersehen und mit der Tür an die Wand gedrückt hatte.
Im hohen Bogen warf er die Rose über Bord und begab sich auf die Suche nach einem Papierkorb, um das
schwach nach Lavendel duftende Kuvert gleichfalls zu entsorgen. Doch dann stutzte er, der Brief war ja noch zu! Verdammt, und keine Anschrift drauf.
Korrekt wie er war, be
schloss Werderaner den Brief dem Kabineneigner zu übergeben, nicht ohne sich schon Worte zurecht zu legen, was er von Leuten hält, die meinen im Urlaub nicht nach ihrer Post gucken zu müssen.
So, wo war das noch gewesen? In diesem Gang? Die Kabinenreihe 144-139 starrte ihn an, nein hier nicht, es war doch der nächste Gang? Oder der übernächste? Verdammt. Der Reeder, der es nicht gewohnt war, Fehler zu machen, verharrte kurz, bis aber ein Leuchten über sein Gesicht strich. Da war sie ja. Die Kabine 123!
In seiner Erinnerung war sie zwar etwas näher zur Brücke gewesen, aber man ist ja
schließlich nicht die Liesel von der Post, nicht wahr. Zwar mochte er nicht mehr klopfen und verzichtete mit einem leichten Bedauern auf die Standpauke, aber er schob etwas verstohlen aber mit Schwung den Brief unter der Kabinentür hindurch, dann kam das wenigstens nicht wieder vor.

 

 

41.Folge: Eine weitere Diagnose (von Der schlaue Det)

Die unvermutete Anwesenheit des Reeders hatte alle Besatzungsmitglieder ein wenig nervös gemacht. Aus diesem Grund hatte Dr. Master seine Assistentin beauftragt noch einmal alles in der Krankenstation auf seinen ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen und die Türrahmen mit Desinfektionsspray zu reinigen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der alte Werderaner auch hier auftauchen würde, um seine Nase in Angelegenheiten zu stecken von denen er nichts verstand. Natürlich hatte Det wie immer gemault, doch nachdem Master – immerhin war die liebreizende Miss Tracy in Hörweite – ihr freundlich aber bestimmt zu verstehen gab, wer hier wessen Assistent sei, musste sie klein beigeben und zog beleidigt ab. Wenigstens dieses eine Mal hatte er triumphieren können, dachte sich Master, als er sich voll stolz wieder Paula Tracy zuwand...
Det, mittlerweile in der Krankenstation angekommen,
schlenderte durch die Räumlichkeiten und überprüfte, ob auch alles an Ort und Stelle sei. Der schwere Geruch von erkaltetem Zigarrenrauch hing in der Luft. Sie konnte und wollte es sich nicht verkneifen ihren Chef als alte Pottsau zu bezeichnen, während sie demonstrativ das Fenster aufriss. War es denn nötig, dass er bei seinen ach-so-verschwiegenen Unterredungen mit den "Patienten", besonders diesem eigenartigen Sir Hilary, ein gemütliches Zigarrchen mit ihnen paffte? Er als Arzt, sollte das doch wohl besser wissen. Als sie wutschnaubend den Aschenbecher ins Meer leeren wollte, fiel ihr auf, dass ein Blatt Papier unter den Schreibtisch gefallen sein musste. Sie hob es auf und sah mit Erstaunen, dass es sich um einen Brief von der Klinik unter Palmen handelte. Wo mochte der hergekommen sein? Und, was viel interessanter war: Wo war die erste Seite? Sie konnte nicht widerstehen und musste den Brief lesen. Es würde ja niemand merken, dachte sie sich. Doch was sie da las erschreckte sie zutiefst. Bei Herrn Paulsen war die mysteriöse und seltene Ciguatera, eine sehr ungewöhnliche Fischvergiftung, diagnostiziert worden! Wie konnte das möglich sein? Als sie vor der Tür ein Geräusch zu hören glaubte, steckte sie schnell das Papier in ihre Hosentasche. In ihr keimte ein schrecklicher Verdacht...

 

 

42. Folge: Ein Traumpaar (von Scarlet)
Doch das, was Det gehört hatte war nur die Möwe Laura, die vom unkastrierten Kater Mike
sch aufgescheucht wurde und krähend aufflog. Det atmete Tief durch, zum Glück hatte niemand gesehen, dass sie den Brief gelesen hatte und legte ihn wieder zurück auf den Tisch. Um sich von dem Schreck zu erholen putzte sie ausführlich die Türrahmen und desinfizierte die Türschnallen…
Alle anderen waren noch – mit Ausnahme vom „Paten“ Werderaner – im Speisesaal sitzen geblieben und berat
schlagten ihre Lage. Lady Patricia und ihr Leichtmatrose Nobbi, die gerade eben erst aus ihrem grün-gelb verzierten U-Boot geklettert waren, das die Lady liebevoll mittels Serviettentechnik verziert hatte - am Heck lösten sich schon sichtlich die ersten Papierfetzen, sie sollte dringend wasserfeste Serviettentechnik erfinden, das wäre eine Marktlücke - schlenderten selig lächelnd in den Saal, wo sie von dutzenden verwunderten Augenpaaren gemustert wurden. Wieso kamen die beiden jetzt erst und warum schauten sie so überglücklich? Sie gingen direkt auf Falk Rickmers zu, der während Werderaners Rede an Kats Nachbartisch platz genommen hatte. Was wollten sie von ihm? Hatten sie einen Vorschlag, wie man die Überfahrt beschleunigen könnte? Wollten sie die Werderania etwa mit ihrem Atom-U-Boot umweltfreundlich abschleppen? Alle Blicke waren gespannt und hoffnungsvoll auf die beiden gerichtet, was Lady Patricia sichtlich genoss, so hat man sie nicht mehr angesehen , seit sie mit dem olivgrün-gelb-blau gemusterten Ballonrock und der pinken Puffärmel-Bluse bei der Gartenparty der Nachbarin der Queen erschien! Das war damals ein Auftritt! Hach! Beinahe vergaß Lady K. weshalb sie überhaupt mit Rickmers sprechen wollte… „ Also liebster Kapitän, Sie werden sich bestimmt gefragt haben, warum mein liebster Nobbi und ich uns hierher zur Werderania begeben haben. Nun ja, wie sie ja wissen, habe ich meinen Liebsten hier an Bord kennen und lieben gelernt. Meine Alpha-Wellen schlugen sofort hohe Wellen, als ich ihn zum ersten Mal sah. Das weiß ich ganz genau, denn mein Biofeedbackgerät, das ich ständig trage, hat das in dem Moment genau angezeigt und aufgezeichnet! Und Nobbilein fühlte sich auch sofort zu mir hingezogen, wie konnte es auch anders sein. Stimmt’s Nobbi? Ich habe sofort seine Alpha-, Beta- und Gammawellen getestet und die stimmten einfach überein. So oft wir nur konnten haben wir die Zeit hier an Bord miteinander verbracht, besonders schön waren immer die Filmabende im Ballsaal! Da hatte ich immer einen Vorwand, meinem liebsten bei den gruseligen Szenen bei „Harry Potter“ auf den Schoß zu hüpfen und vor Freude zu quieken…na ja, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wie auch immer, aus diesem Grund…“, sie machte eine bedeutungsvolle Pause, „…aus diesem Grund haben wir beschlossen, hier auf diesem Schiff zu heiraten und sie Kapitän Rickmers sollen uns trauen. Würden sie das für uns tun? Schließlich sind doch die meisten hier an Bord so etwas wie meine Familie, ich liebe sie doch alle so sehr!“ Und weiter dachte sie: „Und für Nobbi ist es wirklich endlich Zeit, dass er von seiner Mutter loskommt, das hatte ja schon fast ödipale Züge, dieses ständige Getue ’Aber Kadylein, einmal im Jahr muss ich sie doch besuchen, sie ist doch meine Mutter.’ Papperlapapp! Dem werde ich schon zeigen, wo’s lang geht.“ Falk Rickmers schluckte kurz und schaute sich im Saal um, gleichgültige Blicke und Schulterzucken um ihn herum. „Ähm, ja, also Patricia, Nobbi, wenn das Ihr Wunsch ist, werde ich das natürlich….ähm…gerne machen. Wie haben sie sich die Zeremonie vorgestellt?“ „So schlicht wie möglich und so bald wie möglich, aber trotzdem feierlich.“, antwortete Lady Patricia. „Ja dann würde ich den heutigen Abend vorschlagen. Für heute Abend war ursprünglich ein Ball geplant. Der Ball könnte dann trotzdem stattfinden und sie beide sind dann sozusagen die Ehrengäste. Sind sie einverstanden?“ „Ja, gerne, das wird bestimmt schön.“, meinte Patricia und lächelte versonnen ihren Nobbi an, der sie verklärt ansah. „Was meinen sie?“, wandte sich Falk an die anderen anwesenden. Applaus brandete im Saal auf und Rickmers war zufrieden, er hatte den heutigen Abend gerettet.
Es war nicht mehr lange Zeit bis zum Ball, er sollte um 19:30 Uhr beginne. Der Lunch würde wegen des späten Frühstücks entfallen, es war mittlerweile nämlich
schon 12:20 Uhr. Es würde einfach am Abend ein großes Galadinner zu Ehren des Brautpaares geben.

 

 

43. Folge: Der rote Faden [1. Teil] (von Der schlaue Det)

Nachdem De Guy von Dr. Master als erschöpft, aber gesund beurteilt wurde und mit einer handvoll Aspirin - gegen die Schmerzen der zahlreichen Prellungen, damit er sich davon unbehelligt ausruhen konnte – auf seine Kajüte geschickt wurde, suchte er noch einmal Kat auf und bat sie eindringlich zu ihm in die Kabine zu kommen, bevor sie zum Hochzeitsball ginge. Kat willigte ein und sie verabredeten, dass sie ihn abholen würde.
Auch Kat ent
schloss sich mit einem Imbiss und einem guten Buch die Zeit bis zum Beginn des Festes in ihrer Kabine zu verbringen, in der Hoffnung ihre Gedanken und Gefühle gegenüber De Guy, Falk Rickmers und den geheimnisumwitterten Mr. Butermaker sortieren zu können. Alle drei waren auf ihre Art sehr anziehend und De Guy hatte sich schon als echter Romantiker beweisen können. Aber, war es wirklich das was sie wollte? Sie wusste es nicht...
Als die Zeit gekommen war sich auf das Fest vorzubereiten, ent
schloss sich Kat, dass zu diesem Anlass ihr seegrünes, kniefreies Etuikleid genau das richtige sein würde. Als sie umgezogen und frisiert war ging sie zu De Guys Kabine, immer darauf bedacht nicht gesehen zu werden.
Als sie an De Guys Kür klopfte antwortete niemand. Kat dachte, dass er vielleicht noch
schliefe und ging hinein. Sie wollte nicht Schuld sein, wenn er das Fest verpasste und wohlmöglich noch entlassen würde, weil er seinen musikalischen Pflichten nicht nachkam. Doch er lag nicht im Bett und auch aus dem Bad war kein Geräusch zu hören. Sie sah sich im Zimmer um. Auf dem Boden entdeckte sie, vor dem Schrank, etwas Rotes. Sie wollte es aufheben, da sie dieses rote etwas auf dem marineblauen Teppichboden in ihrem ästhetischen Empfinden störte und merkte, dass es ein Stück Faden war, der in der Schranktür eingeklemmt war. Verwundert öffnete sie die Schranktür und sah zu ihrem Entsetzen den Ursprung dieses Fadens. Sie konnte den Schrei, der sich ihrer Brust entringen wollte, kaum unterdrücken: In De Guys Schrank hing... ein Rotgemusterter Strick-Poncho!