4. Staffel

 

 

 

56. Folge: War es ein Mordversuch? (von Paula_Tracy)

In der Krankenstation ging es hoch her. Det und Paula kochten literweise Kaffee, auch Baby Jane und Scarlet hatten sich bereit erklärt zu helfen. Baby Jane flößte dem selig grinsenden, doch völlig weggetretenen Kaschi den Kaffee ein, während der Doktor sich sorgenvoll die Patienten Gandalf und Nobbi ansah. Scarlet kümmerte sich in der Zwischenzeit um den noch immer aufgeregten Heino, der sie anflehte, sie nicht mit Willi allein zu lassen, da dieser wohl beabsichtige, ihm etwas vorzusingen.

Sir Hilary spazierte unruhig hin und her und meinte dabei, wahr
scheinlich handele es sich um einen äußerst ausgeklügelten und raffinierten Mordplan, der nur durch sein rasches und umsichtiges Eingreifen vereitelt wurde. „Und wer sollte Nobbi und Gandalf umbringen wollen?“ fragte Det empört. „Die tun doch keiner Fliege was!“ „Vielleicht dieser Hallmackenreuther?“ mutmaßte Sir Hilary. „So ein Blödsinn!“ entfuhr es Baby Jane. „Sehen Sie nicht, dass er total betrunken ist?“ „Alles Tarnung!“ wischte Sir Hilary den Einwand vom Tisch. „Na, wenn das Tarnung ist, weiß ich es auch nicht“ sagte Det. „Er hat mindestens drei Promille im Blut. Die anderen übrigens auch. Er wäre gar nicht fähig gewesen, die zwei unter die Sonnenbank zu schieben.“ Sir Hilary zog eine Pfeife und ein Päckchen Tabak heraus und begann, die Pfeife in aller Seelenruhe zu stopfen. „Lassen Sie mich überlegen... Das ganze ist offensichtlich ein Komplott. Man will die Hochzeit verhindern. Dr. Tracy!“ Er baute sich in voller Größe vor der erstaunten Paula auf. „Dass ich daran nicht gedacht habe! Sie haben dafür gesorgt, dass die Braut außer Gefecht gesetzt wurde und, weil das nicht genügte, haben Sie auch noch den Bräutigam auf die Sonnenbank verfrachtet. Jetzt ist mir auch klar, warum ich Sie als erstes getroffen habe, nachdem ich die drei gefunden habe! Den Täter treibt es immer an den Ort des Verbrechens zurück!“ Paula war viel zu entsetzt, um irgend etwas sagen zu können, doch Baby Jane und Scarlet brachen in schallendes Gelächter aus, und Dr. Few Master konnte ebenfalls nicht mehr an sich halten. Er nahm dem verblüfften Mann die Pfeife aus der Hand und setzte ihn vor die Tür. „So eine Landplage! Niemand glaubt das, was er erzählt, keine Angst...“

Nachdem H.-G. Werderaner einen Bauplan der Sonnenbänke gebracht hatte, und sich herausstellte, dass diese Prototypen eine ganz neue Generation von Solarien darstellten, die prakti
sch keine schädlichen Strahlen durchließen, waren alle beruhigt. „Sie werden ein paar Tage Schmerzen haben und sehr unansehnlich aussehen,“ meinte Dr. Few Master „aber sie werden keine bleibenden Schäden davontragen – von den abgestorbenen Gehirnzellen ihres Vollrausches mal abgesehen...“ Und so begaben sich Baby Jane, Scarlet und Paula erst mal wieder in ihre Kabinen, wo jede ein kleines Einladungskärtchen von der bezaubernden Kat vorfand...

 

 

57. Folge: Ein Evergreen (von Helli Gräfin E.)

Ebenso wie auch die Gräfin und Anna Nümosia, nicht zu vergessen die Möwe Laura und Xhosa, sie alle öffneten überrascht und erfreut die liebevoll von Det erstellten Kärtchen, die sich dabei wahrlich alle Mühe gegeben hatte, Kat bei den Einladungen zu unterstützen. Und: Det hatte sich selbst übertroffen. Wenn man nämlich die Karte öffnete, ertönte laut Van Morrison mit "Have I told you lately", was dazu führte, dass jede der Damen für sich niedersank in ihren Kabinen und jede hing den eigenen Gedanken, Träumen und Erinnerungen nach, was hatte man nicht alles erlebt, und wie traurig war alles, aber irgendwie auch schön und dann doch wieder verzweifelt, aber eines Tages bestimmt, ganz bestimmt, da wird alles gut. Und beringte und unberingte Finger wischten sich über geschminkte und ungeschminkte Augen und fassten sich entschlossen an die mal kleiner mal größere Brust. Ja, so war das Leben, man musste es eben leben, und es war es doch wert, oder nicht? Und da alle Damen mehr oder weniger gleichzeitig ihre Kärtchen geöffnet hatten, erschallte aus den verteilten Kabinen, wie abgesprochen und inszeniert, dabei kommt so etwas doch nur im Fernsehen vor, gemeinsam mit mal rauchiger (Frau Nümosia) mal glockenheller (Scarlet) Stimme :

Have I told you lately that I love you
Have I told you there’s no one above you
Fill my heart with gladness
Take away my sadness
Ease my troubles, that’s what you do

Und die Herren auf der Werderania horchten auf, als sie diesen Frauenchor erhörten, und selbst Fi
schkrepp und der Reeder, der zunächst gegen diesen ruhestörenden Lärm angehen wollte, verharrten und standen still, denn… Was wäre das Leben denn schon ohne die Damen?
Ein Schiss, wie George Clooney im Vergleich zum Kapitän?
Letzter wi
scht sich verzweifelt, die immer stärker fließenden Tränen aus den Augen und presste zuletzt sein Gesicht in das Fell eines der gerade vorbeilaufenden Chrisquitos, den er hochnahm und liebkoste, als sei er Exfrau Baby, die bezaubernde Kat, die Gräfin, ach eben die geliebte Frau, die nicht an seiner Seite war.

Die drei Schiffsjungen hielten sich bei den Händen, begannen leise mitzusummen und dann, wann hatte man so etwas
schon erlebt, sangen die Männer, der Kapitän etwas laut, Kaschi etwas lallend, der Prinz in einer Art Lautsprache, da er kein Englisch konnte:

Take away my sadness
Fill my life with gladness
Ease my troubles that’s what you do
Fill my life with gladness
Take away my sadness
Ease my troubles that’s what you do.

Und es war Ruhe auf der Werderania, zum ersten mal seit Tagen und ein Frieden
schlich sich ein unter den Reisenden, die nun auf einmal, obwohl fast alle für sich waren, eine tiefe Verbundenheit spürten auf dieser Reise, die man ja so auch noch nicht erlebt hatte.

Det hatte zufrieden gelau
scht, nicht ohne das eine oder andere Tränchen der Rührung geweint zu haben und dachte bei sich: "Wie gut, dass ich nicht wieder Herbert Grönemeyer mit "Mensch" genommen habe. Da hätten sie alle Pipi gemusst."

 

 

58. Folge: Die Absage (von Scarlet)

Leise schlichen alle in ihre Kabinen, um dort ihren eigenen Gedanken nachzuhängen. Manche wankten auch dorthin, um ihren Rausch auszuschlafen und einige hingen dort auch nicht ihren Gedanken nach sondern rieben sich mit After-Sun-Lotion ein, die freundlicherweise von den Mitreisenden zur Verfügung gestellt wurde. Nobbi und Lady Patricia wurden von Willi und Anarky in ihr U-Boot gebracht. De Guy blieb noch im Ballsaal und setzte sich ans Klavier, wo er "Have I told you lately" anstimmte, dessen Geist noch immer über dem Schiff schwebte und unweigerlich musste er an Kat denken… Was hatte sie nur gegen seinen roten Strickponcho? Wieso hatte sie ihn so merkwürdig angesehen, als sie ihn in seinem Schrank entdeckte? Und warum war ihm Kat heute Abend ständig ausgewichen? Er würde den Poncho bei nächster Gelegenheit wohl in die Altkleidersammlung werfen, wenn der eine so abschreckende Wirkung auf Frauen hat…
Die besinnliche Stille an Bord wurde plötzlich durch ein kratzendes, knackendes Geräu
sch unterbrochen, die Passagiere horchten auf – es war dasselbe Geräusch, wie das, das sie gehört hatten, als die Notfallsübung per Bordlautsprecher durchgesagt wurde. Das Knarren und Kratzen wurde abgelöst durch die Stimme des Kapitäns, die seltsamerweise sehr belegt klang, wie den meisten Damen sofort auffiel. „Liebe Mitreisende, liebe Mitarbeiter, hier spricht der Kapitän.“ – Pause – Deutlich hörbar putzte sich der Kapitän die Nase. „Also, was ich eigentlich sagen wollte: ich finde, ich… äh… wir hatten für diesen Tag wieder einmal genug Aufregung, deshalb bin ich dafür, dass der Ball heute nicht mehr stattfindet. Auch die für heute angesetzte Hochzeit unserer ehemaligen Mitarbeiter kann aufgrund der Unpässlichkeiten der beiden Beteiligten heute ohnehin nicht stattfinden, sodass ich der Meinung bin, wir sollten das alles verschieben. Über das weitere Vorgehen die Abendgestaltung betreffend werden wir morgen beim Frühstück sprechen. Ich wünsche ihnen allen eine angenehme Nachtruhe! Over and out. “
Den meisten an Bord kam diese Absage des Balls ganz gelegen. Niemand war mehr so recht in der Stimmung für ein großes gesell
schaftliches Ereignis, nachdem was heute Abend schon alles geschehen war. Dr. Few Master und der Cessnaritter waren vielleicht ein klein wenig enttäuscht über die Absage, da sie ja Dr. Tracy und Miss Scarlet um einen Tanz gebeten hatten, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dachen die beiden (jeder für sich natürlich) und waren so auch mit ihrem Schicksal versöhnt.

 

 

59. Folge: Einstimmung auf die Mitternachtsparty (von Scarlet)

In den Kabinen der Damen kehrte, nachdem der Kapitän den Ball abgesagt hatte noch längst keine Ruhe ein. Viel zu aufgeregt war man über die bevorstehende Mitternachtsparty bei der bezaubernden Kat. Das traf sich ausgezeichnet, dass der Ball und diese Hochzeit heute Nacht nicht mehr stattfinden würden, so würde man das geheime Treffen ungestört – unbemerkt von den Herren – abhalten können. Außerdem hatte die Garderobe der meisten Damen unsäglich unter den Strapazen des Abends gelitten, sodass diese nicht mehr balltauglich war. Zum Beispiel hatte sich das raffiniert gewickelte Stammeskostüm, das Xhosa trug bei der Rettungsübung dermaßen gelockert, dass sie es nur mehr mit großer Mühe so festhalten konnte, ohne dass es für sie peinlich würde. Solange Tom, der Städteplaner an ihrer Seite war, war das ja kein Problem, aber sobald dann auf der Krankenstation alle Hände gebraucht wurden um Sonnenbrände zu lindern, Hunde einzufangen, Heinos Augen vor Lichteinstrahlung zu schützen… Xhosa schüttelte den Kopf beim Gedanken an diese Szenen, die sich da zuvor abgespielt hatten. Und wie dann dieser Hilary Dr. Tracy beschuldigt hat, sie hätte die Braut absichtlich außer Gefecht gesetzt… Sie konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie an Sir Hilary dachte, der sich allen Ernstes einbildete, dem großen Detektiv Hercule Poirot ebenbürtig zu sein. Ist ihm denn gar nicht aufgefallen, dass sie das Blasrohr mit der Betäubungsspritze eingesetzt hat? Gut, das Betäubungsmittel war von Dr. Tracy, aber die wollte ja eigentlich die randalierenden Schiffsjungen ruhig stellen, allerdings hatte dann sie, Xhosa, versehentlich die Braut getroffen… Oh Gott, war ihr das peinlich! Eigentlich war sie nicht ganz unschuldig am Verlauf dieses Abends, schoss es ihr durch den Kopf. Wie sollte sie das wieder gut machen, oder sollte sie es einfach auf sich beruhen lassen? Sie nahm sich vor, dieses Thema bei Kats Party mit den anderen zu besprechen.

In der Zwi
schenzeit waren auch die anderen Damen in ihren Kabinen mit den Vorbereitungen zu Kats Mitternachtsparty beschäftigt. Baby Jane freute sich beispielsweise schon so sehr auf das Beisammensein mit den anderen, in der Hoffnung vielleicht auch wieder ein paar Runden Filmionär zu spielen, dass sie nicht einmal auf den Brief achtete, den sie beim Öffnen der Kabinentüre gegen die Wand drückte. Während sich alle umzogen und manche auch abschminkten, summten die meisten immer noch die Melodie, die aus der Einladungskarte erklang.
Die Party sollte eine Pyjama-Party sein, so wie es früher im Internat Lindenhof war, somit brauchte man nicht groß zu überlegen, was man anziehen sollte. Bevor das Zusammentreffen jedoch offiziell beginnen sollte, würden sich alle vor Kats Kabine treffen, von dort aus würde man dann gemeinsam aufbrechen, um Proviant zu klauen. Die Arzthelferin Det würde ihnen zeigen, wo das möglich war.
Nach und nach trafen die Damen in ihren Nachtgewändern vor Kats Kabine ein. Aufgeregt kichernd und leise
schnatternd, wie Schulmädchen, warteten sie auf Det. Gegenseitig mahnten sie sich immer wieder zur Ruhe, um nicht die Aufmerksamkeit der Herren, deren Kabinen sich teilweise auch auf diesem Gang befanden, auf sich zu ziehen. Sie kamen sich wirklich vor, wie in der, zum Teil schon lange zurückliegenden, Schulzeit, nur waren es dieses mal nicht die Lehrer, von denen sie fürchteten ertappt zu werden.

Det sah im Artzimmer
schon unruhig auf die Uhr, sicher warteten die anderen schon auf sie, aber Dr. Few Master war noch ins Ordinationszimmer gekommen und bat sie, gemeinsam mit ihm das Medikamentenschränkchen zu kontrollieren. Sie beeilte sich damit und gab vor, schon sehr müde zu sein. Dafür hatte der Arzt Verständnis und entließ sie mit den Worten: „Ja, Det, liebes, es war wirklich ein langer, harter Tag für sie. Danke, dass sie mir hier noch geholfen haben, ich weiß gar nicht, was ich ohne sie hier tun würde, sie sind mir wirklich eine große Hilfe. Aber jetzt können sie gehen, ruhen sie sich aus. Bis morgen!“ Det lächelte ihn dankbar an, sagte schnell gute Nacht und winkte, als sie aus dem Zimmer lief. Schnell ging sie in ihre Kabine, die 5 Türen vom Arztzimmer entfernt lag, schlüpfte in ihren Bärchen-Pyjama und verließ ihre Kabine wieder – nicht ohne sich umzusehen, ob sie auch bestimmt keiner beobachtete – und rannte zu Kats Kabine, wo die anderen schon auf sie warteten.

 

 

60. Folge: Der Raubzug (von Der schlaue Det)

"Die Damen, bitte folgen Sie mir unauffällig!" sagte Det – noch ein wenig außer Atem – nach dem sie mit leisem Hallo von den aufgeregt wartenden Ladies begrüßt wurde. Sie wollte gerade zu ihrer Entschuldigung über die tolle Idee des Chefs schimpfen, mitten in der Nacht die Medikamente zu zählen, als Sie sich angesichts Paula Tracy eines besseren besann. So schlimm war er ja auch wirklich nicht, es hätte sie härter treffen können, dachte sie so für sich.
Auf Zehenspitzen
schlich sich die Damengruppe in Richtung Kombüse, immer wieder von aufloderndem, mädchenhaftem Kichern erschüttert. Det warnte noch ein letztes Mal eindringlich vor den scharfen Ohren der "iberischen Küchenfurie" - wie Ona, die Köchin scherzhaft von der Crew genannt wurde – und öffnete schließlich die Türe zum Allerheiligsten. Die Frauen erstarrten vor Ehrfurcht. Reihenweise standen dort Würstchen im Glas, Obst jeglicher Sorten, frisch und eingedost, Speck hing von der Decke, ebenso Räucherfisch und Dauerwurst. Verträumt lagerten Dutzende Baguettes im Regal und erwarteten das Frühstückbuffet und auf der großen Arbeitsfläche thronten 4 verschieden Kuchen, eine große Platte kaltgewordener Braten und einige Salate, die alle wegen der ausgefallenen Feier übrig geblieben waren. In Erwartung weiterer Köstlichkeiten öffnete Scarlet einen Vorratsschrank und entdeckte zu ihrer Überraschung haufenweise säuberlich entleerte Nuss-Nougat-Creme-Gläser. Die großen! Kopfschüttelnd aber amüsiert schloss sie den Schrank wieder. Die anderen hatten bereits angefangen ihre Schlafanzugtaschen und ein paar Schüsseln, die sie aus den Regalen genommen hatten, mit den Leckereien zu füllen. Aber war da nicht ein Geräusch? Da schlich doch noch jemand mitten in der Nacht vor der Küche herum? Das Geflüster verstummte, die Damen standen wie zur Salzsäule erstarrt...

 

 

61. Folge: Ein weiterer Küchenräuber (von cessnaritter)

Geistesgegenwärtig löschte Kat das Licht, und drängte die Anwesenden in eine hintere Ecke.
Die Tür öffnete sich und Ka
schi wankte herein. Noch nicht wieder ganz nüchtern, aber durchaus nun mit einem gehörigen Durst ausgestattet, schlurfte er zum großen Getränkekühlschrank. Prüfend wanderte sein Blick über die verschiedenen Flaschen.
Die Damen hielten weiter den Atem an und einige blickten im Dunkeln ganz erbost. Im Licht
schein der Beleuchtung des geöffneten Kühlschranks sahen sie, wie Kaschi eine 2 Liter-Flasche Himbeersaft ansetzte und dann ließ er den rötlichen Inhalt durstig in seine Kehle laufen.
"Unser
schöner Himbeersaft!" dachten manche der Damen. Das war doch nun mal das traditionelle Getränk bei Mitternachtspartys.
Det kamen fast die Tränen vor Enttäu
schung und sie holte laut hörbar Luft. Aber Kaschi war so lautstark mit dem Verzehr des Saftes beschäftigt, dass er nichts bemerkte. Außerdem war er noch längst nicht voll auf der Höhe.
Aber sein Durst und sein Appetit
schienen ungebrochen und die Damenriege hatte ja erst begonnen, Vorräte einzuladen. Das, was sie hatten, war längst nicht genug für ein zünftiges Mitternachtsfest.
Voller Entsetzen sahen sie nun, wie Ka
schi offensichtlich geplant hatte, ebenfalls einen kleinen Küchenraub zu begehen. Er hatte einen großen alten Seesack dabei, den er nun mit den vielen Köstlichkeiten füllte, die die Schränke bargen: Würstchen, Obstkonserven, Hering in Gelee und Erdbeermarmelade verschwanden in der Tiefe des Seesacks. Dazu noch zwei weitere große Flaschen mit Orangensaft. Danach räumte Kaschi die Würste ab und wandte sich den Torten zu.
Das wurde dann doch zuviel für die mittlerweile ebenfalls zum Teil sehr hungrigen Damen. Das wäre das Ende der Mitternachtsparty noch vor ihrem eigentlichen Beginn.
Ent
schlossen ging Kat zum Lichtschalter, und gleich darauf war die Kombüse und der Vorratsraum in hellem Licht.
Ka
schi erschrak, schaute sich verwundert um, rülpste kräftig zweimal und sagte: "Guten Abend, meine Damen! Warten Sie auch auf den Omnibus zum Wannsee?" Dann sank er, den Seesack liebevoll umklammernd auf dem Boden zusammen und schlief augenblicklich ein, was auch durch das gut vernehmliche Schnarchen erkennbar war.

 

 

62. Folge: Hochbetrieb in der Küche (von Scarlet)

Det deckte den schnarchenden Kaschi mit einer Wolldecke zu und schob ihn sanft in eine Ecke, damit er sich anlehnen konnte. Seinen Seesack nahm sie ihm aus der Hand, dessen Inhalt würden sie heute Nacht noch selbst brauchen. Da hörten die Damen erneut Geräusche vor der Türe. Hatte Kaschi etwa einen Komplizen? Wer konnte das nur sein? Um diese Zeit? Hinaus konnten die Frauen nicht, sonst würde man sie entdecken. Was sollten sie jetzt tun? Det deutete vielsagend auf eine andere Türe, „Die Vorratskammer!“ flüsterte sie und bedeutete den anderen, ihr dorthin zu folgen. Die Kammer war gerade so groß, dass sich alle hineindrängen konnten und knapp darin Platz hatten. Schnell zogen sie die Türe zu, aber nicht ganz, einen Spalt breit blieb sie offen, man wollte ja schließlich sehen, wer da zu so später Stunde vor der Küche herumschlich. Gerade als alle mitgebrachten Taschenlampen erloschen und die letzten „Ruhig“, „Leise“, „Pst“, Pscht!!“ verstummten, öffnete sich die Küchentüre und jemand schaltete das Licht ein. Kat und die Gräfin, die gleich beim Türspalt standen konnten zuerst nicht erkennen, wer da hereinkam, da ihnen Anna Nümosia mit einem der entwendeten Baguettes vor den Augen herumwedelte. Schnell schob es Kat beiseite. In dem Moment hatte sich der Mann – der Störenfried war also ein Mann – umgedreht. Er trug einen orange-grün gestreiften Nicki-Schlafanzug! Kat drehte sich entsetzt zu den anderen Damen um und schüttelte den Kopf. Sie beobachteten weiter, wie der Mann sich bei den Teigwaren zu schaffen machte, er nahm eine Hand voll Spaghetti aus einer hohen Glasdose, dann holte er einen Kochtopf aus einem der Regale, füllte ihn mit Wasser und stellte ihn auf eine der Herdplatten, die Nudeln legte er inzwischen daneben. Bis jetzt hatte er noch nicht in die Richtung der Vorratskammer geschaut, aber jetzt, jetzt drehte er sich um und kam direkt auf die Kammer zu, in der sich die Damen versteckten. Die Gräfin erschrak, doch Baby Jane konnte ihr rechtzeitig mit der Hand den Mund zuhalten und so wurde aus dem ursprünglich berüchtigten spitzen Schrei der Gräfin nur ein kaum hörbares, unterdrücktes Glucksen. Der, der da draußen in der Küche herumwerkte war kein anderer als der Reeder H.-G. Werderaner höchstpersönlich. Die Damen machten in ihrem Versteck noch einen Schritt zurück und klammerten sich zitternd aneinander, Frau Nümosia trat dabei Xhosa auf den Fuß, die ihre Schmerzenslaute nur schwer unterdrücken konnte. Mit großen Augen starrten die Frauen auf den Reeder, der die Hand nach der Türe ausstreckte und dann, im letzten Moment nach rechts griff, wo einige Regale standen. Er suchte etwas, fand es, griff danach und drehte sich wieder um. Mit einer Dose Tomatenmark marschierte er wieder zu seinem Kochtopf. Dort blieb er dann stehen… Lange 9 Minuten… Solange bis das Wasser kochte, die Tomatensoße aufgewärmt und die Nudeln fertig waren. Dann leerte er alles auf einen Teller, nahm ihn und verließ die Küche wieder.
Die Frauen warteten noch einige Sekunden in ihrem Versteck, dann stießen sie die Türe auf, stürzten heraus und brachen vor Erleichterung, nicht entdeckt worden zu sein in
schallendes Gelächter aus! „Habt ihr das gesehen?“ „Dieser Pyjama“ „Und vorne hat er auch noch ein weißes ‚W’ aufgestickt, seine Initialen!“ riefen die Damen gar nicht damenhaft durcheinander „Und zum Glück hat er Kaschi nicht bemerkt!!!“, rief Leo erleichtert. Jetzt konnte also eigentlich nichts mehr schief gehen: Kaschi schlief, H.-G. Werderaner war mit Spaghetti versorgt. Die Ladies packten Kaschis vollen Seesack und noch einige andere Leckerein, Dr. Tracy umklammerte fest eine Dose Pfirsiche und Würstchen, und so machten sich die Damen auf den Rückweg zu Kats Kabine.

 

 

63. Folge: Gespräche unter Frauen (von Der schlaue Det)

Flugs huschten sie zurück durch die dunklen Flure in Kats Kabine. "Endlich in Sicherheit" dachten sie sich wohl alle, mit klopfenden Herzen. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen brach ein großes Gelächter unter der Damenriege aus, soviel Aufregung hatten sie schon lange nicht mehr gehabt! "Jetzt lasst uns aber mal sehen, was wir erbeutet haben!" rief die Gräfin und breitete ihren Anteil am Diebesgut auf dem Tisch aus. Die anderen taten es ihr gleich. "Puuuh, wer hat denn den Harzer Roller mitgenommen? Und das Hühnchen in Aspik?" fragte Leo und schüttelte sich. Natürlich antwortete niemand, aber Anna Nümosia errötete. Über Geschmack sollte man nicht streiten und so taten sie es auch nicht, verbannten den Harzer aber dennoch an einen Ehrenplatz gleich unter dem geöffneten Fenster.
Die Auswahl war nicht
schlecht, wenn auch vielleicht zu wurstlastig, hatte Kaschi doch allerlei Fleischliches in seinen Seesack gestopft. Als jede von ihnen mit dem Lieblingsfutter ausgestattet war, setzten sie sich zum gemeinsamen Schmausen und Quatschen im Kreis zusammen. Mampfend wandte sich die immer wissbegierige Gräfin an Xhosa: "Ich würde ja zu gerne mehr über Sie erfahren... Ihr ungewöhnlicher Name, Ihre aufregenden Kostüme... Und was hat es nun mit Ihnen und diesem Tom auf sich, hmmm?" Zuerst schaute die junge Frau verdutzt, war sie doch von dieser unverblümten Neugier überrascht worden, brach aber dann in schallendes Gelächter aus. "Also, wenn es mehr nicht ist..." fing sie an.“Meine Eltern befanden sich damals mit dem berühmten Dr. Grzimek auf Expedition in Südafrika. Als meine Mutter merkte, dass sie schwanger war, verriet sie erst nichts, weil sie die Expedition nicht abbrechen wollte und am Ende kam es wie es kommen musste: Sie vertraute sich einigen Xhosa-Frauen an, die ihr als Hebammen dienten und ihr halfen wo sie nur konnten. Aus Dankbarkeit gegenüber diesen freundlichen Menschen haben meine Eltern mich Xhosa getauft. Genauso, wie meine Eltern, habe ich viele Jahre in Südafrika verbracht und mein Herz an das Land verloren, was mich auch dazu gebracht hat den Beruf zu wählen, den ich habe. Daher rührt auch meine – wie sie sagen – "aufregende" Kleidung. Ich liebe es einfach die traditionellen Gewänder zu tragen." "Und Tom?", fragten die Frauen ungeduldig im Chor. Xhosa konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Ich war mal wieder in meiner Wahlheimat Südafrika, "meine" Xhosa-Tanten besuchen, als dort im Dorf ein paar Mönche des Thomassiner-Ordens auftauchten" fing sie an. "Thomassiner-Mönche? Sind das nicht die Bierbrauermönche, die den Fortschritt der Technik preisen und ihre fleischlichen Gelüste in die Zucht von Insekten fressenden Pflanzen kanalisieren?!", warf Anna Nümosia ein. "Ja", lachte Xhosa, weil es sich so zusammengefasst schon komisch anhörte. "Tom und sein Glaubensbruder und guter Freund Bug waren jedenfalls dabei...

 

 

64. Folge: Salz fehlt! (von Paula_Tracy)

H.-G. Werderaner ging mit seinem Spaghetti-Teller in seine Kabine zurück, nicht ohne sich vorher zu vergewissern, dass ihn auch niemand gesehen hatte. Das hätte noch gefehlt, wenn ihn diese flotte kleine Köchin oder – schlimmer noch – Miss Scarlett gesehen hätte. Aber es gab nun mal nicht besonders viel zu den Hauptmahlzeiten, Ona musste strecken – immerhin musste das Essen nun für ein paar Wochen länger reichen. Und das alles, weil er auf diesen Andreas Hansen gehört hatte. H.-G. Werderaner, oder wie ihn seine Feinde nannten – „Ätsch Dschi“, nahm sich zum wiederholten Male auf dieser Reise vor, sich einen anderen Veranstalter zu suchen. Hatte nicht der Cessnaritter sogar gesagt, er habe ein kleines Reiseunternehmen und beabsichtige, zu erweitern? Im Grunde konnte er ja mit dem auch nicht besonders, aber der war wenigstens nicht so ein Umweltaktivist.

Hm – die Tomatensoße war ja nicht
schlecht – aber irgendwas fehlte... Was war das nur? Ach ja, jetzt war er auf diesem Schiff, hatte diese niedliche Miss Scarlet wieder gesehen, und diese kleine Köchin hätte ihm durchaus auch gefallen können... Schade, dass Scarlet die falsche Nationalität hatte – aber ein Werderaner und eine Österreicherin, nein, undenkbar. Was war das denn nur – ach natürlich, Salz! Die Nudeln waren zu salzig, aber der Soße fehlte eindeutig noch eine Prise. Machte ja nichts, ging er eben noch mal los...

Bei den Frauen in der Kabine hatte man währenddessen be
schlossen, „Schwesternschaft“ zu trinken. Der Vorschlag der Gräfin war mit Begeisterung aufgenommen worden – nur Kat und Baby Jane schauten etwas ratlos, denn die beiden fanden auf Grund ihrer Zuneigung zu Falk einfach keinen Draht zueinander – und Scarlet war dazu auserwählt worden, in die Kombüse zu schleichen und eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank zu mopsen. Aufgeregt und mit klopfendem Herzen – in ihrem allerschönsten Herzchenpyjama – machte sich Scarlet auf den Weg in die Kombüse...

 

 

65. Folge: Würstchen und Baguettes (von Reggae-Gandalf)

"Wir hätten doch nicht Kaschi gehen lassen sollen" sagte Sir Hillary unruhig. Auch die Herren an Bord hatten sich noch Pläne für die Nacht gemacht. Ähnlich wie die Frauen, wollten sie den Abend noch nicht enden lassen und schlichen sich heimlich aus ihren Kabinen. Sie trafen sich in der etwas größeren Kabine des Cessnaritter. Da alle mit Verköstigung auf dem Ball rechneten blieben ihre Mägen leer. Doch sie wollten sich Abhilfe verschaffen.
"Bestimmt hat er sich verlaufen" stimmte Mickey mit ein, "er war halt doch noch zu betrunken. Wir sollten ihn suchen gehen." Alle stimmten ihm zu und be
schlossen gemeinsam loszuziehen. Schließlich fanden sie ihn auch ziemlich schnell, zusammengekauert in einer Ecke der Kombüse. "Ein Bild für die Götter" meinte Mickey, und selbst Willi stimmte mit einem verkniffenen Lächeln zu. Sie wunderten sich schon etwas. Hatten sie die Küche doch wesentlich gefüllter erwartet, mit allerlei Leckereien, die noch vom abgesagten Ball hätten übrig sein müssen, dachten sich aber nichts weiter dabei. Sie stecken nur einige Würstchen und Baguettes mit ein, da sie in ihrem Hunger keine Lust hatten nach mehr zu suchen und auch noch Kaschi in seine Kabine tragen mussten.
"Wenn Werderaner sie jetzt nur sehen würde, oder die Frauen" dachten sie sich...

 

 

66. Folge: Der Reeder unterm Küchentisch (von Paula_Tracy)

Scarlet sah sich vorsichtig um und flitzte, so schnell und so leise sie konnte, den Gang entlang. Hoffentlich sah sie bloß keiner – es wäre zu peinlich gewesen, wenn Cessnaritter oder Werderaner sie gesehen hätten! Eigentlich war der Cessnaritter ja sehr nett, aber ihr Herz – so unvernünftig es auch war – schlug noch immer höher, wenn sie den Reeder sah. Aber er hatte ja schon mal durchblicken lassen, dass er nur eine Zukunft für sie beide sah, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft annahm. Scarlet seufzte und stellte sich vor, wenn sie – z. B. als Frau des Reeders – entscheiden dürfte, wie das Schiff weiterfahren sollte. Von ihr aus könnte es ewig dauern! Im Grunde genommen konnte man ja diesem Andreas Hansen nur dankbar sein. Sie hatte richtig nette Freundinnen und zwei Verehrer gefunden. Und wer weiß – vielleicht lag dem Werderaner ja doch etwas an ihr...

Vorsichtig öffnete Scarlet die Küchentür – alles war dunkel, nur der Kühl
schrank rauschte vor sich hin. Auf Zehenspitzen tapste sie in dessen Richtung und erstarrte. Gerade konnte sie noch unter den riesigen Küchentisch springen. Der Kühlschrank stand weit offen und vor ihm praktisch alle auf dem Schiff vorhandenen Männer – nur der Captain, der Doktor und Fischkrepp fehlten – und staunten auf Grund der Leere des Schranks. Nun sah Scarlet auch, dass sie nicht allein unter dem Küchentisch hockte... Leider konnte sie nicht erkennen, wer es war – es war zu dunkel. Die Männer inspizierten währenddessen noch die Vorratskammer, und Willi und Anarky schleppten Kaschi in seine Kabine. „Genug jetzt“, meinte der Cessnaritter. „So sehr soll es ja morgen nicht auffallen.“ „Ich schließe besser ab“, sagte Mickey. „Nicht dass die Frauen auf die gleiche Idee kommen – ich möchte Ona nicht erleben, wenn sie morgen die Kombüse so vorfindet...“ „Oh nein“, dachte Scarlet und wollte schon aufspringen, um sich notfalls zu erkennen zu geben – doch da wurde das Schloss schon zugedreht... „Das darf nicht wahr sein!“ stöhnte Scarlet auf. In dem Moment flackerte ein Streichholz auf, und Scarlet sah direkt in die Augen von H.-G. Werderaner. „Miss Scarlet, was machen Sie denn hier?“ „Ich wollte... Ich wollte nur eine Flasche Champagner holen!“ stotterte Scarlet. „Und Sie?“ „Salz“, trotz der merkwürdigen Situation lächelte der Reeder. „Für die Tomatensoße.“ „Warten Sie!“ Scarlet war – ähnlich wie Paula – sehr praktisch veranlagt. Sie kroch unter dem Küchentisch hervor und machte zunächst eine kleine Lampe über dem Herd an. Dann fischte sie eines der Portionspäckchen Salz aus dem Vorratsschrank und setzte sich wieder zu Werderaner unter den Tisch. „Darf ich denn wenigstens mitessen?“ fragte sie keck, und bereitwillig stellte Werderaner seinen Spaghettiteller in die Mitte. „Dann müssen Sie aber auch den Champagner spendieren – raus kommen wir hier ohnehin nicht!“ sagte er. „Ach, ich denke, die anderen Frauen werden mich irgendwann vermissen und uns hoffentlich hier rausholen!“ hoffte Scarlet. „Wenn sie bloß keinen Filmionär spielen – dann vergessen sie alles andere, besonders Baby Jane und Paula Tracy.“ „So ein Blödsinnsspiel!“ wehrte Werderaner ab. „Wir machen es uns hier einfach gemütlich, was meinen Sie? Wollen Sie mir nicht ein wenig aus Ihrem Leben erzählen, Miss Scarlet? Haben Sie... ich meine, sind Sie irgendwie... liiert? Nicht, dass es mich irgendetwas anginge, aber ich...“

 

 

67. Folge: Champagner-Klau (Scarlet)

Und noch bevor H.-G. Werderaner weiter sprechen konnte, hörte man erneut ein Sperren am Schloss der Küchentüre. Gespannt schauten die beiden unter dem Küchentisch Sitzenden in Richtung Türe, die aufging. Es wurde das große Licht eingeschaltet und Scarlet erkannte Det in ihrem Bärchen-Pyjama. „Scarlet? Wo sind sie denn?“ rief sie in die leere Küche und schaute sich ratlos um. Schnell kroch Miss Scarlet unter dem Tisch hervor „Hier bin ich! Mir ist nur…“, schnell bückte sie sich noch einmal unter den Tisch und hob etwas auf, „…das Salz auf den Boden gefallen, das habe ich gerade gesucht. Hier ist es wieder!“ sagte sie und zeigte die Portionspackung Salz in Dets Richtung. Det nickte. „Mir ist eingefallen, dass sie den Champagner ja gar nicht finden können, der ist ja separat weggesperrt! Aber ich habe einen Generalschlüssel, damit kann ich den Weinkühlschrank aufsperren. A propos Schlüssel: Warum war eigentlich die Küchentüre versperrt?“ Scarlet spürte ein Ziehen an ihrem linken Pyjama-Hosenbein, sie blickte verstohlen nach unten und sah H.-G. Werderaner, der ihr mit einer Art Zeichensprache hektisch deutete, nichts von seiner Anwesenheit zu verraten. Sie verstand, was er sagen wollte und erzählte Det nur von den anderen Herren, die sie in der Küche überrascht hätten, als sie den Champagner suchte. Das war zwar eine kleine Notlüge, aber den Gefallen wollte sie dem Reeder schon tun. Außerdem war es ihr selbst auch ganz recht, nicht erklären zu müssen, dass sie sich mit dem Reeder gemeinsam unter dem Tisch getroffen hatte, um dort Spaghetti zu essen… Das klang selbst für sie, die es ja miterlebt hatte, ein klein wenig unglaubwürdig. Aber wer weiß, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde, vielleicht würde sie es ja später bei der Party nach zwei bis drei Gläschen Champagner erzählen, wie es wirklich gewesen ist. Sie wollte doch eigentlich keine Geheimnisse vor ihren neuen Freundinnen haben.
Unauffällig ließ Miss Scarlet die Salzpackung wieder unter den Ti
sch fallen und machte sich dann gemeinsam mit Det daran, die Champagnervorräte zu plündern. Sie hatte nicht einmal Angst, dass H.-G. Werderaner wegen dieses Raubzugs etwas gegen sie unternehmen würde, er war ihr jetzt schließlich etwas schuldig.
Det und Scarlet nahmen je zwei Fla
schen Champagner, zur Sicherheit auch noch eine Flasche Sekt, sie meinten, das müsste eigentlich reichen, um Schwesternschaft zu trinken, kicherten und zwinkerten sich zu. Die beiden versicherten sich, dass sie auch sonst nichts mehr vergessen hätten und machten sich dann auf zu den anderen, die schon sehnsüchtig auf die Getränke warteten. Gewissenhaft schaltete Scarlet das Licht in der Küche aus, zuvor lächelte sie– als Det gerade nicht hersah – und winkte in Richtung Küchentisch…

 

 

68. Folge: Grillparty auf dem Sonnendeck (von Paula_Tracy)

Nachdem die Damen endlich wieder komplett waren, wurde erst einmal fröhlich angestoßen und „Schwesternschaft“ getrunken. Sogar Kat und Baby Jane überwanden ihre Abneigung und umarmten sich kurz. „Ach, es ist so schön, die Luft ist so lau“ schwärmte Paula, die ein Bullauge geöffnet hatte. „Am liebsten würde ich an Deck gehen. Gibt es nicht ein Eckchen, wo uns keiner sehen kann, Det?“ Det überlegte. „Eigentlich nicht. Aber auf dem Sonnendeck ist abends keiner mehr, und Fischkrepp macht da auch keinen Rundgang. Sollen wir wirklich nach oben ziehen?“ Scarlet protestierte zwar, immerhin war das eine Pyjama-Party, und sie hatte noch nie gehört, dass die draußen stattfanden, aber sie beugte sich der Mehrheit. „Was denkst Du, Det – wäre es nicht toll, eine Grillparty zu veranstalten?“ hakte sich Anna Nümosia bei der Arzthelferin ein. „Im Kühlschrank lagen jede Menge Würschtl rum. Und eingelegte Steaks...“ Die Gräfin riss die Augen auf. „Aber wo bekommen wir einen Grill her? Und die Holzkohle? Und das riecht man doch? Und wer soll grillen?“ Det winkte ab. „Das ist kein Problem. Ein Grill steht im Maschinenraum, Kaschi grillt regelmäßig da unten, Grillkohle ist bestimmt auch noch da.“

Gesagt, getan – die Damen zogen aufs Sonnendeck, Baby Jane und Det holten Grill und Kohle, während Leo sich bereit erklärt hatte, das Grillen zu übernehmen. Scarlet fiel die Aufgabe zu, das Flei
sch aus der Küche zu besorgen. Ein kleines Lied summend, brach sie auf, natürlich in der Hoffnung, den Reeder dort noch anzutreffen.
Leo heizte erst mal den Grill an, die Damen stießen weiterhin fröhlich an und die eine oder andere hatte
schon verdächtig rote Wangen – genau wie Scarlet, die erst nach zwanzig Minuten mit Bratwürsten und Steaks nach oben kam. Die Gräfin schlug vor, ein Lied anzustimmen, doch so recht wollte man sich nicht einigen, auf welches – Paula und Scarlet wollten etwas romantisches, Baby Jane etwas flotteres, Smartie (ja, die war auch dabei) schlug natürlich nur Werbesongs vor, doch als Kat meinte, sie könne sich keinen schöneren Song vorstellen als „Ganz in weiß“, schwiegen alle Damen erst einmal, um dann gemeinsam einzustimmen:

„Ganz in weiß – mit einem Blumenstrauß,
so siehst Du in meinen
schönsten Träumen aus.
Ganz verliebt
schaust Du mich strahlend an,
es gibt nichts mehr, was uns beide trennen kann...
Ganz in weiß – so gehst Du neben mir,
und die Liebe lacht aus jedem Blick von Dir...
Und dann reichst du mir die Hand,
und Du siehst so glücklich aus,
ganz in weiß, mit einem Blumenstrauß...“

Anna Nümosia wi
schte sich eine Träne aus dem Auge und dachte an ihre tragisch verstorbenen Ehemänner, Kat, Paula und Scarlet träumten vor sich hin, Baby Jane dachte an Falk und die Hochzeit in Las Vegas... Leo legte die ersten Würstchen auf den Grill, es zischte, und man war wieder in der Wirklichkeit...

Auch in der Kabine der Männer ging es hoch her. Sir Hilary erzählte ein paar kleine Anekdoten aus seiner Jugend, Prinz Malko
schwärmte vom Länderspiel der Luxemburger gegen den Senegal, und die Schiffsjungen Willi und Mickey stritten sich mal wieder – kurz: Es war alles normal – bis Cessnaritter das Fenster öffnete... Was war das? Was musste seine feine Nase riechen? Sein geschultes Fliegerohr hören?

 

 

69. Folge: Party-Feeling (von Scarlet)

War das nicht der typische Geruch von Gegrilltem, dieser beißende Geruch, der einem an lauen Sommerabenden nur allzu oft in kleinen Hinterhöfen von Mietshäusern in die Nase steigt? Und das Geräusch? Dieses Lachen, Singen und Gläserklirren, bei dem man unter normalen Umständen kein Auge zubekam, was aber heute anscheinend ohnehin keiner vorhatte? Das klang und roch doch eindeutig nach einer Grillfeier! Und, was erschwerend hinzukam: Nach einer Grillfeier, zu der sie, die Herren, offensichtlich nicht eingeladen waren, was gelinde gesagt eine Frechheit, eine Unverschämtheit war! Das konnte nicht so weitergehen. Auch den anderen Männern waren, nachdem das Fenster geöffnet wurde, dieser Geruch und diese Geräusche nicht entgangen. Alle waren sich einig, dass diese illegale Grillerei nicht zulässig war, solange sie nicht dabei waren und so wurde einstimmig beschlossen, gegen die Veranstalter – wer auch immer das sein mag - aber dem würde man jetzt gemeinsam auf den Grund gehen – vorzugehen. Kampflustig und siegessicher machten sich die Männer in Schlafanzügen und Pantoffeln auf den Weg zum Sonnendeck, woher der dichte Rauch eindeutig kam. Je näher sie kamen, umso lauter wurde das Gekicher und Getratsche. Als die Herren näher kamen, sahen sie, was die Ursache für die Lärm- und Geruchsbelästigung war: Sämtliche weiblichen Passagiere waren hier versammelt und feierten ausgelassen und schienen sich dabei ausgezeichnet zu unterhalten. Dr. Tracy saß auf einem Rettungsring und verzehrte genüsslich ein Paar Bratwürstchen, neben sich hatte sie ein Schüsselchen mit Pfirsichhälften stehen. Kat, die in ihrem hellblauen Negligé mit Sternenmuster entzückend aussah, unterhielt sich angeregt mit der Gräfin und Det stand beim CD-Spieler, der sich bei der Bar befand und nahm Musikwünsche der anderen Damen entgegen. Nur mit großer Mühe konnte sie Smartie davon abhalten „The very best of Werbemusic“ einzulegen. Soeben hatten sich Baby Jane und Miss Scarlet „I am from Austria“ gewünscht, wehmütig sangen sie den Refrain mit. Xhosa und Leo tanzten zur Musik indem sie eine Art Stammestanz aufführten und Anna Nümosia wiegte sich mit erhobenen Armen im Takt der Musik.
Als das Lied zu ende war und eine kurze Pause entstand, bemerkten die Damen die Anwesenheit der Herren, die an der Treppe zum Sonnendeck standen und das bunte Treiben mit fassungslosen Blicken verfolgten, unfähig etwas zu sagen. Wie auf Kommando rannten alle hysteri
sch kreischend zu dem etwas geschützterem Eck, wo sich die Bar, der CD-Spieler und Det befanden und versuchten sich jeweils hinter der anderen zu verstecken. Dort stand jetzt das aufgeregte, ertappte Damen-Grüppchen und auf der anderen Seite die nicht weniger irritierte Männergruppe. Was sollte man jetzt tun, wie sollte man reagieren?

 

 

70. Folge: Die Tanzstunde (von Scarlet)

Nach einigen Augenblicken, die allen Beteiligten wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, brach der luxemburgische Prinz den Bann. Er trat aus der Herrengruppe heraus und ging auf die Damen zu. In seinem dunkelblau-bordeaux gestreiften Satin-Schlafanzug mit goldgelbem Familienwappen auf der Brust sah er direkt elegant aus. Er blieb ein paar Schritte vor den Ladies stehen, die ihn erwartungsvoll anblickten, dann verbeugte er sich und sah Anna Nümosia an und fragte sie, ob er sie um einen Tanz bitten dürfte. Anna sah die anderen Damen fragend an, einige zuckten mit den Schultern, aber dann nickten doch alle und Anna machte einen Schritt nach vorne und streckte dem Prinzen ihre Hand entgegen, die in dem geblümten Ärmel ihres langen rosafarbenen Nachthemdes steckte. Schnell legte Det eine Walzer-CD ein und schaltete das Gerät ein, leise begann der Frühlingsstimmen-Walzer von Johann Strauß und das Paar bewegte sich anmutig im Takt dazu. Die Stimmung lockerte sich zusehends und Frau Nümosia schien Gefallen am Tanzen (und vielleicht auch an dem Prinzen) zu finden. Auch die anderen wurden im ¾-Takt mitgerissen und konnten nicht länger ruhig stehen bleiben und so gesellten sich immer mehr Tänzer auf die Tanzfläche. Xhosa forderte den Städteplaner auf und die Gräfin wagte ein Tänzchen mit Sir Hilary. Und bald schon war die Party wieder im Gange. Als der Donauwalzer erklang, wischte sich Miss Scarlet verstohlen ein Tränchen aus dem Augenwinkel, wehmütig blickte sie auf das weite Meer und die Sichel des Mondes, als plötzlich der Cessnaritter neben ihr stand „Miss Scarlet, wissen sie noch, was ich ihnen bei der Rettungsübung gesagt habe? Ich sagte, ich würde sie beim Ball um einen Tanz bitten. Würden sie mir jetzt wohl die Ehre erweisen?“ Er streckte ihr die rechte Hand entgegen, mit einem Blick, der kein Nein akzeptieren würde. Sie blickte verlegen zu Boden, reichte ihm jedoch die Hand und stand auf und ging mit ihm zur Tanzfläche. Wie von alleine folgten ihre Bewegungen dem Takt der Musik. „Sie tanzen ausgezeichnet, Miss Scarlet.“ flüsterte ihr der Cessnaritter ins Ohr, der mit seinem starken Arm ihre schmale Taille umfasste. „Danke, sie auch. Der Walzer liegt mir einfach im Blut.“ sagte sie. „Wiener Blut.“ scherzte der Cessnaritter.
Die Gesell
schaft feierte so ausgelassen - sogar Baby Jane hatte sich mit Kat näher angefreundet – sodass keiner bemerkte, dass sie alle eigentlich immer lauter wurden. Und mit der Zeit lockten der Grillgeruch, die Musik und das Lachen so ziemlich alle auf das Sonnendeck, die sich an Bord der Werderania befanden. Sogar der Kapitän, Fischkrepp und der Doktor erschienen gemeinsam, wobei der Kapitän einen marineblauen Samt-Schlafrock mit einer Doppelreihe goldener Knöpfe trug, der Doktor einen schlichten weißen Leinen-Pyjama und der Fischkrepp hatte zu seinem geschmacklosen braunen Schlafanzug – man wird es nicht für möglich halten – Pantoffeln mit Gummikreppsohle an! Dr. Tracys Herz schlug höher, als sie Dr. Few Masters erblickte und auch er sah in ihre Richtung, ja er kam sogar auf sie zu! Er hatte sein Versprechen, mit ihr zu tanzen nicht vergessen. So feierte man eine ganze Weile und gerade als Ona, die spanische Köchin auf der Bar einen Flamenco tanzen wollte, erschien H.-G. Werderaner in orange-grünem Nicki auf der Bildfläche…

 

 

71. Folge: Des Reeders Wutausbruch (von Scarlet)

Augenblicklich kehrte Ruhe ein, die Party-Gesellschaft erstarrte in Ehrfurcht und alle schauten den Reeder erschrocken und erwartungsvoll an. Was würde passieren, was wird er sagen? Würde er den Kapitän feuern, müssten die Passagiere zur Strafe jetzt in die USA rudern anstatt zu segeln?
„Was ist denn hier los?“ polterte er los. „Muss ich denn den ätzenden Grillgeruch in meinem Schlafzimmer tolerieren, wenn ich dem nächsten Morgen entgegen
schlummere? Vom Lärm der Besoffenen gar nicht zu reden! Von Rücksicht haben sie wohl noch nichts gehört, aber das Wort verliert ja sowieso immer mehr an Bedeutung, wie mir scheint! Ich meine, ich lasse dann auch schon mal gerne die Wutz raus. Zur Erklärung: „Die Wutz rauslassen“ heißt nichts anderes, als „feiern bis der Arzt kommt“, also man kann es auch eine Metapher nennen – aber was ich eigentlich damit sagen will: Grillgeruch, wenn man nicht mitfrisst, ist doch nichts Schönes.“
Die anderen standen fassungslos da, aber Ona, die immer noch auf der Bar stand, sprang jetzt hinunter, ergriff einen Teller mit Koteletts und Grillwürsten und drückte ihn dem Reeder mit funkelnden Augen und den Worten „Na dann essen sie halt mit, anstatt sich hier aufzuregen und herumzubrüllen!“ in die Hand.
H.-G. Werderaner sah in die wie betäubt dastehende Runde, Miss Scarlet zwinkerte ihm zu, mit einem Blick, der ihm sagen sollte: Seien sie kein Spielverderber. Um den Mund des Reeders zuckte es verdächtig und sein Gesicht verfärbte sich rot, er sah aus, als würde er jeden Moment zerplatzen. Er
schüttert starrten ihn die Umstehenden an, diese unüberlegte Handlung der Köchin würde sicher böse Folgen für sie haben. Mit einem Werderaner spaßt man nicht ungestraft. Und als jeder für sich ausmalte, wie die Strafe wohl aussehen würde, brach H.-G. Werderaner in haltloses Gelächter aus. Er lachte bis ihm die Tränen kamen und trommelte dabei mit der Faust auf das Treppengelände. Es war ein Anblick für Götter: Ein vor Lachen weinender H.-G. Werderaner im orange-grünen Nicki-Pyjama (mit weißem ‚W’ auf der Brust) einen Pappteller mit Gegrilltem in der einen Hand und mit der anderen Hand trommelnd… Ona stand wie angewurzelt vor ihm und starrte ihn entgeistert an, sie drehte sich zu den anderen um und sah Scarlet, die sich die Hand vor den Mund hielt und versuchte, krampfhaft das Lachen zu unterdrücken. Als diese aber in das fassungslose Gesicht der spanischen Köchin sah, konnte sie sich einfach nicht mehr beherrschen und lachte laut los und auch Ona konnte jetzt nicht mehr anders als Lachen.
Erleichtert stimmten bald alle anderen in das ansteckende Lachen der drei ein und einige wi
schten sich Lachtränen aus den Augen. Scarlet war froh, dass die Situation nicht eskaliert ist, denn es hätte auch anders ausgehen können, so gut kannte sie H.-G. Werderaner schon. Aber genauso gut wusste sie auch, dass er ja im Grunde seines Herzens kein Unmensch war. Auf ihn traf der Spruch „Harte Schale, weicher Kern“ so gut wie auf keinen anderen zu. Und genau das hatte er jetzt bewiesen, indem er lachend die Köchin aufforderte, ihm den Flamenco beizubringen.

 

 

72. Folge: Die Party geht weiter (von Paula_Tracy)

Nachdem der Bann gebrochen war, ging die Feier fröhlich weiter. Nur Willi fand, dass es nicht korrekt sei, dass Heino nicht eingeladen wurde. „Das war keine Absicht!“ sagte der betroffene Cessnaritter. „Wir haben ihn vergessen, aber wir könnten ihn ja noch holen...“ „Mr. Butermaker und Pete Morgan fehlen auch noch“ warf Falk Rickmers ein. „Butermaker kann sich mal wieder vom Premiere-Programm nicht losreißen und Morgan hatte wohl eine Inspiration für einen neuen Gruselkrimi...“ „Nichts da, die werden rausgeholt!“ rief die fröhliche Ona, die sich merkwürdigerweise überhaupt nicht dafür interessierte, wie das Fleisch aus der Küche auf den Grill gekommen war. „Heute wird gefeiert – wir lassen die Wutz raus!“ „Yeti-Klaus ist auch noch in der Kabine“ erinnerte Baby Jane, „und Kaschi schläft wahrscheinlich seinen Rausch aus.“ „Allmählich müsste er nüchtern sein“ der Doktor sah auf die Uhr. „Ich gehe mal nach ihm schauen, die anderen bringe ich auch mit... Willi, Du gehst am besten mit, Heino sieht ohne Brille nicht so gut.“ „Ach was, die Brille ist doch nur sein Markenzeichen,“ protestierte Willi „er braucht sie gar nicht. Und bei Nacht ist er auch nicht lichtempfindlich. „Egal,“ sagte Few Master, „du solltest ihn nach oben bringen. Er wird begeistert sein!“ Die anderen grinsten und auch Few Master konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich muss auch mal nach Nobbi, Patricia und dem armen Gandalf schauen. Paula, kommen Sie mit? Vielleicht brauche ich Ihren kollegialen Rat...“ „So ein Dummschwätzer,“ murmelte Det. „von einer Tierärztin...“ Dr. Master, Dr. Tracy und Willi verschwanden, und die anderen steckten die Köpfe zusammen, um darüber zu spekulieren, warum der Doktor die Hilfe einer Tierärztin bei einem Sonnenbrand brauchte, und ob Heino wohl etwas singen würde – und wie man das verhindern konnte.

Der Kapitän kam auf die bezaubernd aussehende Kat zu. „Kat, darf ich um den nächsten Tanz bitten?“ Kat errötete und sah im Augenwinkel, wie De Guy
schmerzvoll die Augen schloss. Immerhin hatte sie mit ihm noch gar nicht getanzt – der Knoblauchgeruch war noch zu stark - wenn er jetzt eifersüchtig war? Und ihre neue Freundin – Baby Jane? Oh je, die schaute auch wieder ganz giftig! Dabei konnte sie doch nichts dafür... Doch sie lächelte den Kapitän an. „Gerne, wie könnte ich dem Kapitän einen Tanz verwehren?“ Der Kapitän zog sie fest an sich, sie konnte den männlich-herben Duft seines Aftershaves riechen – welches war das noch mal – hatte sie nicht sogar den Werbetext dafür geschrieben? Beglückt schloss sie die Augen. Det legte „Something stupid“ auf (natürlich die Sinatra-Version) und die beiden tanzten versonnen und in sich versunken. De Guy wandte sich ab, er konnte es nicht mit ansehen. Doch da fasste jemand nach seiner Hand. Es war Baby Jane. „Geben Sie nicht auf, De Guy! Machen Sie Kat eifersüchtig! Sie soll sehen, was Sie an Ihnen hat. Tanzen Sie mit mir!“ Bereits in diesem Augenblick wusste Baby Jane, dass sie es bereuen würde – der Knoblauchgeruch war, wenn das überhaupt möglich war, noch schlimmer geworden... Doch tapfer – und selbstlos natürlich – ließ sie sich von De Guy zur Tanzfläche führen...

Inzwi
schen waren auch Pete Morgan, Mr. Butermaker (sehr widerwillig) und der tatsächlich ernüchterte Kaschi auf dem Deck eingetroffen. Pete Morgan trug einen braun-beige gestreiften Baumwollpyjama mit kurzer Hose, Mr. Butermaker einen schwarzseidenen Pyjama mit rotem Premiere-Emblem (ein Werbegeschenk) und Kaschi, den der Doktor und Paula erst mal unter die Dusche gestellt hatten, einen Frottee-Schlafanzug in verschiedenen Blautönen. Det legte sofort ihre CD, die sie gerade einlegen wollte, aus der Hand. „Der gehört mir!“ sagte sie laut.

 

 

73. Folge: Morgenstund hat Brief im Mund (von Reggae-Gandalf)

Sie ging auf Dr. Master, der mit Gandalf - Stützenderweise - ankam, zu. „Was ist denn jetzt...“ wollte Few Master grade loslegen, als Det an den beiden vorbei rannte, gradewegs auf Dr. Tracy zu. „Das ist mein Sekt“ keifte sie Paula an. Doch diese ließ sich davon nicht beeindrucken und wollte einfach an Det vorbeigehen. Kaum an ihr vorbei drehte sich Det um und schlug, Blind vor Eifersucht, Paula gegen den Sektglas haltenden Arm. Das Glas rutschte Paula aus der Hand und flog in hohem Bogen gradewegs auf den Teller von Werderaner. Wieder war alles still. Doch Werderaner rührte sich nicht. Langsam und vorsichtig ging der Cessnaritter in Richtung von Werderaner, der auf einem der an Deck stehenden Liegestühle platz genommen hatte, zu. Er schaute ihm über die Schulter. Erst flüsterte er etwas Unverständliches. Dann sagte er etwas lauter: „Der Werderaner ist eingeschlafen! Er hat nichts mitbekommen.“ Alle atmeten auf. Bevor die Situation doch noch eskalieren konnte, wurden Paula und Det, Geistesgegenwärtig von den anderen, getrennt und man schob Werderaner einen neuen gefüllten Teller unter.
Die Party ging bis in die frühen Morgenstunden. Langsam wurden alle aber müde, da sie einen langen und aufregenden Tag hinter sich hatten. Die ersten gingen in ihre Kabinen. Gegen 5 Uhr 30 hu
schte Baby Jane leise und von den noch verbliebenen Mitpassagieren unbemerkt in ihre Kabine Nr. 123. Ihr rötliches Haar war zerzaust, sie wirkte müde aber glücklich und ihre Wangen schimmerten rosig. Sie bemerkte nun endlich, dass jemand einen Briefumschlag unter ihrer Tür in den Raum geschoben hatte. Sie bückte sich, hob ihn auf und öffnete das Kuvert.

 



Rasch war das Schreiben überflogen, und rasch war festgestellt, dass der Brief irrtümlich bei ihr gelandet sein musste. Denn die zarte Botschaft voller Poesie war ganz offensichtlich an die Bewohnerin der Kabine Nr. 132 gerichtet. Baby Jane ordnete rasch ihre Kleider, brachte schnell das Haar in Ordnung, trat auf den Gang und klopfte trotz früher Morgenstunde an die Tür Nr. 132: „Paula, aufstehen! Post für dich!“

 

 

74. Folge: Ein Funkspruch aus Afrika (von cessnaritter)

Während Baby Jane an Paulas Kabine Einlass begehrte, um ihr den Brief, der irrtümlich in ihrer Kabine gelandet war, endlich zu übergeben, nahm der Funkoffizier der Werderania eine Nachricht auf.

 

Dr. Paula Tracy
an Bord Dampfsegler "Werderania"
mit folgendem Text:


Liebe Paula,
Jack Dane seit drei Tagen spurlos ver
schwunden, vermutlich auf dem Weg zu Dir. Sind aber trotzdem in Sorge um ihn. Clarence guckt schon ganz schief. Sobald Du etwas von ihm hörst oder siehst, bitte sofort melden. Ansonsten reden wir über Funk heute Abend. In Liebe Dad!
Dr. Marsh Tracy, Wameru

Sorgfältig hatte der Funker die Nachricht aufgenommen, setzte sich seine Mütze auf, legte den Brief in einen Um
schlag und trug ihn auf einem silbernen Tablett zur Kabine von Dr. Paula Tracy.