5. Staffel
5. Folge: Ein Toter meldet sich (von Paula_Tracy
und Baby Jane)
In
der Zwischenzeit hatte Paula das Klopfen von Baby Jane
gehört und hatte ihr die Kabinentüre geöffnet und sie hereingebeten. Baby Jane
überreichte der überraschten Dr. Tracy den
Brief mit dem Gedicht, der irrtümlich bei ihr gelandet war.
Paula lächelte, während sie das Gedicht las. „Das ist Rilke“ meinte sie
verträumt zu Baby Jane. „Rilke?“ Baby Jane war erstaunt. „Ich wusste gar nicht,
dass der auf dem Schiff ist.“ Paula lachte laut. „Nein, ich meinte doch – das
Gedicht ist von Rilke. Ich liebe Rilke. Mein
Dad hat
uns früher immer Rilke vorgelesen – auf der Terrasse in Wameru. Ach, war das schön... So friedliche
Jahre. Jetzt ist er schon mehr als 10 Jahre
tot.“ „Rilke?“ fragte Baby Jane wieder. „Nein, mein
Dad.“ Sie
seufzte. „Wameru gibt es schon lange nicht mehr.
Es war eine Forschungsstation für Tiere, mein Vater war der
leitende Arzt dort. Ich bin da aufgewachsen.“ „Das muss wunderbar gewesen sein“
meinte Baby Jane. „Sehnst Du Dich nicht manchmal nach Afrika zurück?“ „Hin und
wieder. Aber auch in einem Aquarium ist es sehr interessant. Momentan arbeite
ich an einem Projekt über die bekannte Kieler Sprotte.“
„Miss Tracy?“ Der erste Offizier stand vor den beiden Damen. „Ein Telegramm für
Sie.“ „Na so was“, sagte Paula erstaunt. „Was kann so wichtig sein?“ Hastig
öffnete sie den Umschlag. „Nein“, stammelte
sie, „nein!“ Baby Jane konnte sie nicht mehr auffangen. Paula Tracy war
ohnmächtig geworden...
Wer war der geheimnisvolle Schreiber des Rilke-Gedichts? Und wer hatte das
Telegramm aufgegeben? Lebte Dr. Marsh Tracy doch noch? Und was war mit
Clarence? Und wo war Jack Dane?
Mittlerweile schienen sich bei Paula Tracy Briefe,
Funksprüche und Telegramme zu stapeln. Nicht nur der geheimnisvolle Fremde mit
seiner poetischen Liebeserklärung und der makabre Funkspruch
ihres eigentlich bereits verstorbenen Vaters, nun händigte der Fischkrepp Baby Jane auch
noch eine weitere Nachricht für Paula aus.
Nachdem Baby Jane der bleichen Miss Tracy einige Male energisch auf die Wangen
geklopft und sie mit diesem alten, etwas derben, jedoch stets wirksamen
Ösi-Trick aus ihrer tiefen Ohnmacht zurückgeholt hatte, lasen die beiden Damen
gemeinsam das weitere Telegramm:
Erbitte ehestmögliche Organisation von Heinos Rückkehr - stopp - notfalls mit
Cessna - stopp - Heinos Manager plant sein Comeback - stopp - Gruß Hannelore
Auch Baby Jane wurde es sofort schwarz vor den Augen…
76. Folge: Der
verspätete Funkspruch (von Scarlet )
Der
Fischkrepp stand hilflos neben den beiden Damen,
die angesichts der Funksprüche mit den Nerven am Ende waren. Paula Tracy, die
fassungslos auf das Telegramm ihres vor zehn Jahren verstorbenen Vaters blickte
und Baby Jane, die sich beim Gedanken an ein Heino Comeback kaum auf den Beinen
halten konnte. Doch als sie sich wieder einigermaßen gefangen hatte, wies sie
Paula darauf hin, den vermeintlichen Funkspruch ihres Vaters doch noch einmal
genauer durchzulesen und auf die letzte Zeile zu achten. Dr. Tracy sah sich das
Telegramm ihres Vaters noch einmal genauer an. Und beim genaueren Hinsehen fiel
ihr der Satz auf, den sie zuvor anscheinend übersehen
hatte:
Das Telegramm kam von einem ihrer Kollegen aus dem Aquarium, wo sie jetzt das
Projekt über die Kieler Sprotte und die Schillerlocke beaufsichtigte.
Am Ende des Telegramms stand folgendes: Paula,
dieser Brief Deines Vaters vom 23.04.1982 kam gestern per Post von einem
ehemaligen Wameru-Mitarbeiter, ich dachte, es würde Dich freuen.
Diese Zeile hatte Paula zuvor übersehen, das heißt, so weit war sie mit dem
Lesen gar nicht gekommen, davor wurde sie ja schon ohnmächtig.
Sie überlegte, was damals geschehen war, als ihr
Vater diesen Brief verfasst hatte und erinnerte sich: Sie hatte sich damals für
zwei Monate bei einem Eingeborenen Stamm aufgehalten, während in der Buschstation Judy beschloss, die Umgebung auf
eigene Faust zu erkunden. Da Judy nie lange alleine weg war, machte sich Jack
auf die Suche nach ihr, ohne vorher bei Marsh Tracy bescheid zu sagen. Er war
drei Tage lang unterwegs, ehe er Judy wieder fand. Am selben Abend, an dem Dr.
Marsh dieses Schreiben verfasst hatte, das Paula jetzt in Händen hielt, kehrte
Jack Dane mitsamt Judy in die Buschstation zurück und der
Funkspruch an Paula wurde anscheinend nie abgesendet.
Paula erklärte Baby Jane das Zustandekommen dieses Irrtums und war erleichtert,
dass sich alles so logisch aufklärte, denn sie
hatte schon einen Riesenschreck bekommen, als sie
die Nachricht ihres toten Vaters las.
Auch der Fischkrepp war beruhigt, dass bei den Damen anscheinend wieder alles in
Ordnung war. Er fragte, ob die beiden noch etwas benötigen würden, was sie
verneinten und so ging er wieder an seine Arbeit.
77. Folge: Ein
teuflischer Plan (von Scarlet)
Die
beiden Damen zogen sich in Paulas Kabine zurück, wo sie einen Marillenschnaps auf diesen
Schreck trinken wollten. „Ich bin ja wirklich froh, dass das mit dem Schreiben
Deines Vaters geklärt ist.“, sagte Baby, während Paula die Schnapsgläser auf
den kleinen Tisch in der Mitte der Kabine stellte. „Aber das hier“
sie wedelte mit dem zweiten Telegramm in der Luft herum „das hier ist wirklich
fürchterlich! Hast du das überhaupt schon gelesen?“ Dr. Tracy
schüttelte den Kopf: “Was ist denn passiert? Das
muss ja wirklich eine schlimme Nachricht
gewesen sein, wenn sie Dir so zugesetzt hat.“ „Heino!!!!“ stammelte Baby Jane
„Heinos Manager plant anscheinend ein Comeback!
Und Hannelore möchte, dass er so schnell wie möglich
zurückkommt – wenn möglich mit der Cessna!“ Paula grinste, als sie das hörte.
„Ich möchte wissen, was es da zu grinsen gibt!? Das ist doch wirklich nicht zum
Lachen! Im Gegenteil…“ echauffierte sich Baby Jane. „Aber verstehst Du denn
nicht?“ unterbrach Paula die aufgeregte Baby Jane „das ist doch DIE Chance!!!“
Verständnislos sah Jane Paula an. „Niemand außer uns weiß von diesem Telegramm
über die Comeback-Pläne von Heinos Manager. Und wenn wir niemandem etwas davon
sagen…“ „Du meinst…“ „Ja, ich meine! Wir sagen einfach keinem etwas davon. Die
Cessna funktioniert ohnehin nicht und hier an Bord kann Heino auch nicht viel
anstellen, dafür sorgt indirekt schon der Schiffsjunge
Willi. Und wenn Heino von den Plänen seines Managers gar nichts erfährt…“
„Sozusagen „Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß.“?“ warf Baby Jane ein.
„Richtig, er wird nie etwas davon erfahren! Und falls doch, so wird es bestimmt
schon zu spät sein. Glaube mir, wir tun das
Richtige, wenn wir sein Comeback verhindern!“ bekräftigte Paula ihre
Ausführungen. „Darauf trinken wir!“ rief Jane. Beide hoben ihre Gläser mit
Marillenschnaps in die Höhe, stießen an und prosteten
sich mit einem schelmischen Augenzwinkern
grinsend zu.
78.[a] Folge: Was
bringt der neue Tag [1. Teil] (von Paula_Tracy)
Während
Baby Jane und Paula ihren teuflischen Plan ausheckten,
ging es in Kats Kabine hoch her. De Guy war außer sich und Kat konnte sich
nicht erinnern, den Pianisten mit den sanften Augen jemals so aufgeregt gesehen
zu haben. „Du hast gestern nur mit dem Kapitän getanzt!“ rief er. „Bist Du
verliebt in ihn? Ist er nicht viel zu alt für Dich?“ Kat war erstaunt, wie ihn
das zu treffen schien. „Du hast keinen Grund zur Eifersucht“
meinte sie beruhigend. „Ich war nur höflich. Der Kapitän ist eine Autorität,
ich konnte es doch nicht ablehnen, mit ihm zu tanzen. Und Du hast mich ja nicht
aufgefordert!“ „Ich hatte ja keine Gelegenheit dazu“ brummte De Guy. „Du bist
mir aus dem Weg gegangen.“ Kat überlegte und entschied sich dann, ihm
nichts wegen der Knoblauchfahne zu sagen, das hätte ihn wahrscheinlich viel zu tief
getroffen. „Ich bin einfach noch sehr unsicher“ sagte sie stattdessen. „Ich
kenne Dich doch kaum.“ De Guy kam näher und sah ihr tief in die Augen. „Dann
sollten wir uns bald sehr viel besser kennen lernen...“ Gottlob war der Geruch
etwas verflogen, nur ein Hauch schwebte noch in der
Luft. Fast brutal riss De Guy sie an sich und murmelte: „Du gehörst mir, mir
allein! Vergiss das nie...“ Dann presste er seine Lippen leidenschaftlich auf die ihren,
und Kat vergaß alles um sich herum...
In der Krankenstation hatte Det so viel wie nur selten zu tun. Heino war immer
noch nicht auf der Höhe, und auch Lady Patricia machte Anstalten, allmählich
wach zu werden. Gandalf ging es wesentlich besser, die Strahlen hatten ihn
nicht ganz so mitgenommen wie Nobbi. Da der Doktor erst einmal mit den beiden
Neuzugängen zu tun hatte (viel zu lange, wie Det fand – immerhin waren die nur
erschrocken und nicht ernstlich krank), hatte sie
alles andere am Hals. Besonders Heino war sehr anstrengend und wollte ständig
wissen, wann Hannelore denn endlich käme. „Hoffentlich nie!“ dachte Det
inbrünstig. Außerdem bildete Heino sich ein, Costa Cordalis in der Nacht
gesehen zu haben, der ihm einen Auftritt auf der Werderania streitig machen
wollte. „Der fehlte uns grade noch!“ brummte Det. Offenbar waren die beiden
ernsthafte Konkurrenten – Det hingegen war sich nicht sicher, wer von beiden
der Schlimmere war...
In der Küche hingegen bereiteten Ona und Tapetchen das Frühstück vor. Da
Gandalf ausgefallen und zwei weitere Tage vom Doktor krankgeschrieben war, war Kaschi eingesprungen und knetete
den Brötchenteig. „Sie sind aber stark!“ strahlte Ona ihn an. „Wenn ich das
mache, habe ich immer Muskelkater...“ „Kleinigkeit!“ wehrte Kaschi bescheiden ab. „Nein,
überhaupt nicht“ sagte Ona und sah ihn interessiert an. „Immerhin sind Sie ein
leitender Angestellter hier und helfen in der Küche aus. Das würde nicht jeder
machen.“ Sie strich ihm leicht über den Arm, und Kaschi wurde knallrot. Ona
war entzückt. Dass sie diesen Kaschi aber auch immer
übersehen hatte... Der sah ja richtig gut aus, ein richtiger Frauentyp! Und schien auch noch schüchtern zu sein – Ona
hatte eine Vorliebe für schüchterne Männer. Sie
nahm sich vor, sich mit diesem Kollegen bald intensiver zu beschäftigen... „Wie lange
sind wir eigentlich schon Kollegen, Herr
Hallmackenreuther?“ gurrte sie. „Mindestens vier Jahre, oder? Wäre es da nicht
an der Zeit, mal etwas gemeinsam zu unternehmen... Ich meine...“ Kaschi fiel schlagartig ein, dass
Nobbi ihm geraten hatte, sich interessant zu machen – hier war die Gelegenheit.
Eigentlich hatte er ja Det fragen wollen, aber die musste sich ja ständig um
irgendwelche Kranken kümmern oder Medikamente zählen. Aber im Hinterkopf wollte
er Det auch mal behalten. Sollte er über Nacht plötzlich zum Womanizer mutiert
sein? Det fand ihn interessant, Ona offensichtlich auch... Das wäre ja gelacht,
wenn Baby Jane nicht endlich auf ihn aufmerksam würde. Und eines war sicher –
niemals mehr würde er so zechen wie gestern Abend...
Die anderen Passagiere der Werderania schliefen den Schlaf des
Gerechten – es war eine lange Nacht gewesen, und alle fragen sich, was der neue
Tag bringen würde...
78.[a] Folge: Was bringt der neue
Tag [2. Teil] (von Baby Jane)
Und
während sich die Passagiere der Werderania in ihren Kabinen für den Tag
vorbereiteten, während die Crew ihren alltäglichen Aufgaben nachging und
Captain Falk Rickmers den Befehl gab, das große Segel zu setzen (das Wetter war
prächtig), da eilte Reeder Werderaner bereits Richtung Sonnendeck, um sich als
erster mit seinem dicken Frotteebadetuch die beste Liege direkt am Pool zu
reservieren. Rasch warf er sein Handtuch (mit Goldgestickten
Initialen R.W.) über die Lehne und begab sich Richtung Frühstücksbuffet. Dort
saßen an runden Tischchen bereits Sir
Hilary mit einem bescheidenen Schälchen
Müsli, Miss Scarlet (Melange und ein Kipferl), Cessnaritter (Tee und zwei
gekochte Eier, 4 1/2 Minuten), Miss Tracy (afrikanische Fruchtschale), Dr. Few Master
(herzhaft beladener Teller mit "von allem etwas") und Kaschi (Augsburger
Schlemmerschnittchen). Willi bestrich ein
Brötchen für Heino mit viel Schmalz. Baby Jane saß mit gesenktem Kopf und
verrichtete ihr Morgentischgebet. Gräfin
Ermakova, der die Mitternachtsjause nicht gut getan hatte, hing bäuchlings über
der Reling und übergab sich ein bisschen. Kat hielt ihr selbstlos
die Stirn. De Guy beobachtete sie verzückt: Was für eine Frau!
Plötzlich ertönte Captain Rickmers Stimme durch ein Megaphon: "Liebe
Passagiere der Werderania - zu unserem all inclusive-Angebot
gehört natürlich auch Animation! Daher haben wir für Sie für 10 Uhr 30 ein
Wasserballmatch anberaumt. Animateur Mickey (unterstützt von Anarky) wird die
Spielregeln erklären. Bitte kommen sie pünktlich in BADEKLEIDUNG."
78.[b] Folge: Der
Rachefeldzug [1. Teil] (von Paula_Tracy)
Die
Gräfin sah so elend aus, dass Kat kurz entschlossen De Guy bat, sie
mit ihm auf die Krankenstation zu bringen. Sie bemerkten jedoch nicht ihren
triumphierenden Blick, als De Guy und Kat sie unterhakten und unter Deck
brachten.
Det war kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Jetzt auch noch die Gräfin! Sie hatte
keine einzige Stunde geschlafen, der Doktor
frühstückte in aller Ruhe auf dem Deck, während sie hier rotierte und alles im
Auge behalten musste. Warum war er nicht sofort mit gekommen, als er sah, dass
die Gräfin seekrank war? Andererseits behandelte sie solche Sachen auch schon mal allein –
normalerweise gab es eine Reisetablette gegen Unwohlsein und das war es. Sie
verstand zwar nicht, dass die ausgerechnet heute seekrank wurde (die letzten
Tage war der Seegang viel unruhiger gewesen), aber vielleicht waren Adlige
einfach anders?
„Ich würde mich gerne etwas hinlegen“ flüsterte die Gräfin erschöpft. „Das kannst Du
auch“, meinte Det. „In Deiner Kabine!“ „Nein, das schaffe ich nicht!“ Oh,
sie sah wirklich schlimm aus... „Na gut“,
gab Det nach. „Gandalf hat ja seine Liege geräumt, leg Dich dort drüben neben
Patricia.“ „Du siehst auch ziemlich fertig aus“ sagte die Gräfin mitleidig.
„Willst Du dich nicht auch ein wenig in Deine Kabine aufs Bett legen?“ Det
gähnte. „Ja, aber ich muss erst warten, bis mein lieber Chef geruht zu erscheinen – der frühstückt
schon seit zwei Stunden, ist
mal wieder typisch. Und ich kann hier alles allein machen!“
„Geh ruhig!“ lächelte die Gräfin. „Ich lege mich hin, und falls was passieren
sollte, bin ich ja auch noch da – mir ist nur etwas schummerig, gleich wird
es wieder gehen...“ Det war etwas verunsichert, aber gut – wenn die Gräfin
meinte... Aber wehe, wenn der Doc deshalb einen Aufstand machte! Dann würde
sie... Aber eine Runde schlafen hatte sie sich wahrhaftig
verdient.
Als Det verschwunden war, richtete die Gräfin sich sofort
auf. Endlich! Allein auf der Krankenstation, wenn man mal von Nobbi und
Patricia absah, die ganz ruhig da lagen. Die würden sie schon nicht stören.
Hoffentlich würde Few Master noch ein wenig länger frühstücken – ein wenig
würde dies schon dauern, was sie vorhatte, und dann würde
Few Master auf immer und ewig vernichtet sein! Hasserfüllt starrte die Gräfin
auf ein Bild der Drillinge Tuck, Truck und Trock, das der Doktor auf seinem Schreibtisch stehen hatte. Sie
würde dafür sorgen, dass er sie niemals wieder sehen würde...
Den Medikamentenschrank hatte Det abgeschlossen, aber sie hatte
ihn in das kleine Schlüsselkästchen gehängt (sie war so dumm, diese
Arzthelferin! – aber mit was musste man sich alles abgeben, wenn man seine
Rache wollte). Vorsichtig ließ die Gräfin ihre Hand in einen Handschuh gleiten und schloss den Schrank auf.
Da – genau das war es, was sie suchte! Sie atmete schwer. Sie war nur noch
Sekunden von ihrer Rache entfernt – wenn jetzt noch der andere Plan
funktionierte (und sie war sicher, dass dieser dämliche Sir Hilary, diese schlechte Kopie eines Hercule Poirot, darauf hineinfallen würde!), wäre es
perfekt... In diesem Augenblick hörte sie Schritte auf dem Flur und Stimmen,
die sie jedoch nicht zuordnen konnte. Sie schlug die Tür zu,
streifte sich den Handschuh ab und schmiss sich auf die
Liege. Verdammt, wer hatte ihr da einen Strich durch die Rechnung gemacht? Die
Tür ging auf, und herein kamen...
78.[b] Folge: Der
Rachefeldzug [2. Teil] (von Paula_Tracy)
...
herein kamen der aufgeregte Sir Hilary, begleitet von der Journalistin Leo.
„Gräfin, liebe Gräfin!“ rief Sir Hilary entsetzt aus. „Ich wollte den Doktor
bewegen, nach Ihnen zu schauen, aber der rührt
sich nicht vom Fleck und isst in aller Gemütsruhe sein Frühstück, während Sie
hier leiden! Fräulein Leo hier war so nett, mit zu gehen, falls Sie mit einer
Frau sprechen wollen...“ Leo grinste. „Ja, Helli, falls Du irgendwelche
Frauenprobleme hast, sprich Dich ruhig aus...“ Die Gräfin richtete sich auf,
ihr vormals so bleiches Gesicht hatte eine gesunde Röte angenommen. „Es war nur
ein leichtes Unwohlsein“ meinte sie. „Kein Grund zur Aufregung!“ „Was ist das?“
fragte Leo und griff nach einem Handschuh, der wohl achtlos
auf den Boden geworfen wurde. „Der muss von Det sein!“ meinte die Gräfin. „Ihr
wisst doch, alles muss klinisch rein sein in einer
Arztpraxis.“ „Hast Du Dich schon registrieren
lassen?“ fragte Leo. „Registrieren?“ Die Gräfin zog eine Braue hoch. „Ja, für
das Wasserballturnier – gleich geht es los.“ „Kann man da nicht einfach mal
kurz reinschauen?“ meinte die Gräfin. „Nein, Du musst
registriert sein, anders geht es nicht – die sind da ganz streng! Wir sind hier
schließlich nicht zu Hause... Sir Hilary ist im übrigen auch noch nicht registriert, aber wie ich unsere Det
kenne, wird die schon dafür sorgen...“ „Die wollte doch schlafen gehen?“ fragte
die Gräfin. „Nein, die wurde sofort vom Kapitän als Torwart verpflichtet –
keine Chance, die Arme...“
Sie wurden durch ein leichtes Stöhnen unterbrochen. Erst jetzt bemerkten Sie
den armen Nobbi, dessen Gesicht und Körper immer noch sehr rot waren, und der
fassungslos auf seine Lady Patricia schaute. „Was ist mit
ihr? Sagen Sie, was ist mir ihr passiert!“ rief er und schüttelte den armen Sir
Hilary, der gar nicht wusste, wie ihm geschah. „Sie hat nur ein
paar Stunden länger geschlafen“ sagte Leo
leichthin. „Es fehlt ihr nichts – sie wird bald aufwachen.“ Und als ob sie es
beschworen hätte, schlug Lady Patricia die
Augen auf und schaute direkt in die besorgten ihres geliebten
Nobbi. „Ach Nobbi“, flüsterte sie. „Ich habe von Dir geträumt, wie wir beide
mit den Delphinen schwimmen...“
Und so kam es, dass auch Nobbi und Patricia am Wasserball-Turnier teilnehmen
konnten, die Gräfin ihre Rachepläne auf unbestimmte Zeit verschieben musste... Und
Sir Hilary, die Gräfin und Leo sich nun doch registrieren ließen. Wer auf der
Werderania mitsegelt oder – dampft, muss nämlich registriert sein –
Schiffstrolle sind nicht gern gesehen.
79. Folge: Freundinnen (von Scarlet)
Die
Nachricht vom Wasserball-Turnier des Kapitäns wurde mit großer Begeisterung
aufgenommen. Nach all den Aufregungen der letzten Tage war das endlich einmal
eine angenehme Freizeitgestaltung, so ein Wasserballmatch würde sicher Spaß
machen. Da es jetzt gerade erst 9:00 Uhr war, hatten alle noch genügend Zeit,
gemütlich fertig zu frühstücken und sich danach für das Spiel vorzubereiten.
Die Damen verließen gemeinsam den Frühstücksraum und beschlossen, sich noch kurz
in Dr. Tracys Kabine zusammenzusetzen, um dort eine Strategie für das Match zu
besprechen. In Der Kabine angelangt, kamen die Ladies zu dem Schluss, dass sie
keine Ahnung von Wasserball hätten und da sie auch nicht wussten, wie die Mannschaften aufgeteilt
würden, hätte es auch gar keinen Sinn, sich eine Strategie zu überlegen. Das
einzige, worüber man sich sofort einig war: Man wollte gewinnen!
Während Dr. Tracy noch allen anwesenden den guten Rat gab, sich kräftig mit
wasserfester Sonnencreme einzureiben, man solle doch nur an Nobbi und Gandalf
denken, da entdeckte die Gräfin Ermakova, der es inzwischen schon wieder ganz gut
ging, das Telegramm von Hannelore, das noch immer offen auf dem kleinen Tischchen lag. Sie nahm es
in die Hand und sah Paula fragend an. Paula war sich nicht sicher, wie sie
reagieren sollte, sollte doch niemand von dem Telegramm erfahren. Baby Jane
hatte bemerkt, dass Paula plötzlich ziemlich ruhig geworden war und sah zu ihr
hinüber. Sofort durchschaute sie die
Situation, sie nickte Paula kurz zu und dann erzählte sie auch den anderen von
dem Plan, den sie und Paula ausgeheckt hatten, Heinos Comeback zu verhindern.
Sie wusste, dass sie den Frauen vertrauen konnte und dass sie sie bestimmt bei
ihrem Vorhaben unterstützen würden. Bei der Mitternachts-Pyjama-Party hatten
sich alle als Anti-Heino-Fans geoutet. Obwohl Anna Nümosia den blauen Enzian
und die schwarzbraune Haselnuss ganz gerne mochte, aber
ein Comeback des blonden Barden wünschte sie dennoch nicht.
Die Damen klatschten alle begeistert und das gemeinsame
Geheimnis verband die eingeschworene Gruppe noch
mehr. Paula gab noch eine Runde Mineralwasser (vor dem Sport keinen Alkohol!)
aus, mit dem man auf die Freundschaft trank. Alle
beteuerten, wie sie sich freuten, hier an Bord so gute Freundinnen gefunden zu
haben. Das gemeinsam Erlebte würde sie auf ewig verbinden, meinte die Gräfin
Ermakova dramatisch. Schließlich verabschiedeten sich die
Damen, sie würden jetzt in ihre Kabinen gehen und sich für das Wasserball-Spiel
vorbereiten. Alle hofften inständig, in einer Mannschaft zu spielen…
80. Folge:
Spiel-Erklärung (von Scarlet)
Pünktlich
um 10:30 Uhr waren alle am Sonnendeck versammelt, in Badekleidung! Die Damen -
Passagierinnen und auch Crew-Mitglieder - die natürlich schon wieder ein
Grüppchen gebildet hatten, beobachteten die anwesenden Herren, die auf der
anderen Seite den Pools standen: Ganz besonders ausgefallen war der luxemburgische Prinz, der ein quergestreiftes Badekostüm im Stil der 20er Jahre trug, was
Anna Nümosia allerdings ganz entzückend fand, sie warf einen schmachtenden Blick in
seine Richtung, den er erwiderte.
Der Kapitän selbst war noch nicht anwesend, was die Damen veranlasste zu
spekulieren, ob er sich wohl auch in Badekleidung zeigen würde. Sie malten sich
in bunten Farben aus, was sie dann wohl zu sehen bekämen…
Inzwischen begannen Mickey und Anarky zu erklären,
wie die Veranstaltung ablaufen sollte. Wie Flugbegleiter, mit den Armen
gestikulierend, zeigten sie, wo und wie das Match stattfinden sollte.
„Die Spielzeit beträgt 4 x 7 Minuten. Eine Mannschaft besteht aus elf
Spielern, davon dürfen im Wasser jedoch nur sieben Spieler je Team sein. Jeder
Angriff darf höchstens 35 Sekunden dauern. Vor einem Torschuss muss der Ball
mindestens von zwei Spielern berührt worden sein.
Und: Ein Torerfolg kann mit jedem beliebigen Körperteil erzielt werden.“
erklärte Mickey. Beim letzten Satz grinste er zweideutig und Anarky rollte mit
den Augen. „Was?“ fauchte Mickey seinen Kollegen an, „Meine Güte, mein Freund
Luni hätte diesen Witz verstanden! Schade, dass er nicht hier ist, aber
blöderweise hat er die Anmeldefrist für die Aufnahme als Schiffsjunge verpasst,
na ja, was soll’s muss ich eben mit dir vorlieb nehmen…“
Alle herumstehenden schauten den
aufgebrachten Mickey an und fürchteten, dass er wieder so ausrasten könnte, wie
beim letzten Streit mit Willi, aber dieses Mal nahm er sich zusammen und
widmete sich wieder der Erklärung des Spiels: „Wie wir die Mannschaften zusammenstellen
werden, das wollen wir gerne ihnen überlassen. Nur für die erste Runde haben
wir gedacht, es soll „Passagiere gegen Crew“ werden. Die Crew-Mannschaft wird der Kapitän
höchstpersönlich anführen, er beginnt mit der Auswahl der Mitglieder und der
erste Gewählte darf dann den nächsten auswählen usw. Wer der Kapitän - haha
Wortwitz, was bin ich heute wieder witzig - der Passagier-Mannschaft sein soll, das
machen sie sich bitte untereinander aus. Der wählt dann auch das erste
Mitglied, dieses dann das nächste usw. Für die nächsten Runden könnten wir ja
„Herren gegen Damen“ oder etwas Ähnliches spielen. Ich hoffe, es ist soweit
alles klar, sollten dennoch Fragen auftreten, stehen
wir ihnen zur Verfügung.“ schloss Mickey seine
Ansprache.
Kat sah sich in ihrer Frauenrunde um und meinte leise: „Eine Frage hätte ich schon: Wo ist der
Kapitän? Er soll ja das eine Team anführen, aber wo ist er denn? Ich bin schon gespannt, wie er in
Badehose aussieht! In Uniform sieht er ja umwerfend aus!“ sagte sie schwärmerisch. Die anderen Damen
pflichteten ihr bei, bis auf Anna Nümosia, der es völlig gleichgültig war, was
der Kapitän tragen würde, nichts konnte das Outfit des Prinzen Toppen! „Ach
ja!“ brüllte Mickey plötzlich ins Megafon, „Schiedsrichter ist der Reeder H.-G.
Werderaner!“ „Na ja, hart aber gerecht“ murmelte Det und Ona nickte dazu.
Alle warteten nun also auf das Erscheinen des Kapitäns,
damit das Spiel beginnen konnte…
81. Folge: Tor, Tor,
Tor! (von Baby Jane)
Falk
Rickmers erschien pünktlich um 10:30 Uhr. Er trug eine schneeweiße Badekappe mit
dem Logo der Reederei und einen einteiligen, marineblauen Swimsuit mit Bein aus glänzendem Material, das sich seinem Muskelgestählten
Körper anschmiegte wie eine zweite Haut. Zwischen den Lippen führte
er eine Trillerpfeife mit sich, unter dem linken Arm trug er einen Wasserball,
auf dem eine schlechte Imitation des TUI-Logos prangte. Beim
Anblick des Logos kräuselte sich Cessnaritters Stirn - hatte ihn der Captain
wegen subtiler Konfekt-Schleichwerbung letztens nicht verwarnt? Und nun dieses
plumpe Logo? Cessna schielte zu Reeder H.G.
Werderaner, der so tat, als bemerke er das Logo nicht. Rickmers reichte
Werderaner die Trillerpfeife.
Ein Pfiff! Wie ein Mann sprangen elf Crewmitglieder, die Badekappen mit Nummern
von 1 - 11 trugen, in den Pool. Tormann schien der schlaue Det zu sein, der
sich mit Ruß die Partie unter den Augen geschwärzt hatte, um Furcht
einflößend zu wirken.
Auch die Passagiersmannschaft begann, sich
langsam in den Pool gleiten zu lassen. Einige Damen zeterten ein wenig wegen
der Wassertemperatur und kühlten sich erst Arme und Stirn. Heino trug eine in
Kitzbühl (Österreich) spezialangefertigte
Schwimmbrille mit schwarzen Gläsern und
extrabreitem Gummiband. Miss Scarlet und Miss Tracy (beide in knappem,
knallroten Sportbikini) warfen sich vielsagende Blicke zu: Heinos Körper war schneeweiß. Sie schoben ihn rasch ins Tor.
Gräfin Ermakova, Kat und Anna Nümosia trugen elegante einteilige Badeanzüge von
Dior und hatten sich das Haar straff zurückgebunden wie Synchronschwimmerinnen. Beide
hatten Make-up aufgelegt und lächelten. Baby Jane hatte einen nicht gerade schicken, aber bunten
Schwimmanzug an, auf dem lustige Delfine abgebildet waren und den sie vor der
großen Amerikareise beim KIK gekauft hatte. De Guy, der nicht in der Crewmannschaft, sondern bei den
Passagieren mitspielte, sah in seinen rosa Frotteebadehosen underdressed und eine Spur schwul aus, fand Kat.
Sir Hilary erschien in einem schwarzen Latex-Anzug, Fischkrepp im
Leopardentanga, Kaschi in Maschinistenshorts (was
bedeutete das Tattoo auf seiner linken
Schulter?) und Dr. Few Master in einer kurzen weißen Arzthose aus reißfestem,
auskochbarem Material. An den Oberarmen hatte er übergroße, weinrote
Schwimmflügel (wie sie früher in russischen Gummikolchosen
hergestellt worden waren) fixiert, die ihm Paula Tracy aufblies und fachmännisch auf korrekten Sitz
kontrollierte. „Alles Ok“ sagte sie beruhigend zu ihm. Nobbi und Lady Patricia
warfen sich schon den TUI-Ball zu, um ein wenig zu üben.
Reeder Werderaner pfiff ein zweites Mal und ehe das Wasserballteam der
Passagiere das Signal deuten konnten, schnappte sich Fischkrepp von Nobbi den
Ball und pflügte sich mit seinen mächtigen Oberarmen durchs Wasser den Weg zum
gegnerischen Tor, in dem Heino freundlich lächelnd der
Dinge harrte, die da kommen würden. „PATSCH“ - der Ball zischte an Heinos Brille
vorbei ins Netz. "Tor, Tor, Tor!" brüllte Werderaner, und Mickey und
Anarky hielten eilfertig Schilder mit "1:0" hoch.
Die Damen protestierten ("Wir waren noch gar nicht fertig!") und
Cessnaritter versuchte auf „Abseits“ zu plädieren. De Guy versuchte, allen
weiblichen Wasserballspielerinnen zu erklären, was ein „Abseits“ bedeutete.
Plötzlich schrie Dr. Few Master gellend auf! „Jemand hat
mich unter Wasser getreten! Nastrowje!“ fluchte er.
Reeder Werderaner pfiff ab und ging an den Rand des Schwimmbeckens, um zu
klären, wer den Schiffsarzt an seiner empfindlichsten Stelle dermaßen unfair
gefoult haben könnte...
82. Folge: Medizinische Versorgung (von
Scarlet)
„Helli,
Helli! Wach auf!“ redete Baby Jane, die inzwischen auch hinzugekommen
war, auf die weggetretene Gräfin ein und tätschelte ihr auf bewährte Ösi-Art die Wangen. „Dabei schien es ihr doch wieder
gut zu gehen.“ meinte Det. „Sie sah doch schon wieder ganz munter
aus. Ich hätte ihr einfach nicht sagen sollen, dass der Doktor ihren Namen
erwähnt hat. Als sie das gehört hat ist sie einfach umgekippt.“ machte sich Det
laufend Vorwürfe. „Karacho! Das ist die Strafe dafür!“ fluchte Dr. Few Master
und deutete auf die verletzte Körperstelle. „Wovon spricht sie eigentlich die
ganze Zeit?“ fragte Baby Jane und deutete dabei auf die Gräfin, die
unverständlich und unzusammenhängend vor sich hin murmelte, die Umstehenden
verstanden immer wieder nur einzelne Wortfetzen wie: „Mal die Buchstaben… Gelbe
Seiten… wo… wo? Her damit… Gelbe Seiten!!! Verdammt! Erich Kästner… Hilfe.“ Zwischendurch lachte sie
auch immer wieder schrill auf. „Sie
halluziniert.“ diagnostizierte Det und Dr. Tracy bestätigte dies Aussage. „Am
besten wir bringen sie in den Schatten, dann wird es ihr gleich wieder besser
gehen. Sie hat wahrscheinlich zu wenig
getrunken und jetzt gleich das Wasserballmatch, das war zu viel für sie.“
meinte Dr. Tracy. Gemeinsam legten Paula, Det und Baby Jane die Gräfin auf
einen, im Schatten stehenden Liegestuhl. Anna Nümosia bot sich an, sich um die
Ermakova zu kümmern, was Det für eine gute Idee hielt.
Jetzt wo die Gräfin versorgt war, konnte man sich wieder um den verletzten Dr.
Master kümmern, der in der Zwischenzeit wimmernd am
Beckenrand lag, um die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen.
„Typisch Mann!“ dachte Det. „Ist alles wieder in
Ordnung?“ fragte Paula, die sich neben den Doktor gesetzt hatte und sanft ihre
Hand auf seine Schulter legte um ihn zu beruhigen. Augenblicklich war der Arzt
besänftigt. „Die Gräfin hat wohl gedacht wir spielen Fußball.“ stellte Dr.
Master fest. „Sie hat getreten, als wollte sie einen Elfmeter schießen!“ erzählte er,
jetzt wieder in einwandfreiem Deutsch, offensichtlich hatte
er sich wieder beruhigt. Paula hörte ihm aufmerksam zu und bemitleidete ihn
ausgiebig und das wirkte wie Balsam auf des Doktors Seele.
In der Zwischenzeit hatten sich die meisten anderen an der
Bar mit Erfrischungsgetränken gestärkt und so konnte das
Match jetzt eigentlich weitergehen…
83. Folge: 2.
Spielhälfte (von Baby Jane)
Als
man Gräfin Ermakova auf einer schattigen Liege in
Sicherheit wusste, begab man sich zurück in den Pool, um das Match
fortzusetzen. Miss Scarlet war in der Zwischenzeit kurz unter Deck
gewesen, um Mademoiselle Deckard (die sich als blinder Passagier gemeinsam mit
dem kläffenden Pudel auch tagsüber in der kleinen Kabine aufhielt) als
Ersatzspieler für die schwächelnde Gräfin zu
holen. Dr. Few Master schien über den Austausch erleichtert und
genoss die Kühle des Wassers, die seine beiden verletzten Körperteile nun
wohltuend umspülte.
Mademoiselle Deckard besaß keine eigene Badekleidung - man hatte ihr in aller
Eile ein großes weißes T-Shirt übergezogen, auf dem das Sat.1-Logo zu sehen
war. Rasch schob man sie ins Wasser.
Reeder Werderaner pfiff wieder an. Schiffsjunge Willi (in einem sehr schicken, mauvefarbenen
Damentrikot und mit Badesandalen mit leichten Absätzen bekleidet) schnappte sich als erster
den TUI-Ball und schwamm Richtung gegnerisches Tor. Paula Tracy
versuchte, ihn einzuholen - vergebens. Zwei Meter trennten Willi vom Tor, das
Heino immer noch wie ein Felsen in der Brandung bewachte. Ein Meter noch! Ein
halber Meter! Willi setzte zum Schuss an. Doch er brachte es nicht übers Herz,
am lichtempfindlichen Barden vorbei aufs Tor zu zielen. Der Gutherzige zögerte!
Fatal im Sport! In diesem Moment schoss pfeilschnell Miss Tracy durchs
Wasser und kickte dem Schiffsjungen den Ball aus der Hand. Ein souveräner Pass
zu Anna Nümosia, die weitergab zu Lady Patricia. Lady Patricia spielte zu
Nobbi, welcher zu De Guy passte. Kaschi und Dr. Few Master
warfen sich auf De Guy - doch der nahm den Ball mit dem Kopf (kein Abseits!)
und verfrachtete ihn mit gewaltigem Druck ins Tor der Crew. Der schlaue Det wirkte völlig
überrascht. Cessnaritter fluchte. Kat applaudierte dem
Pianisten, der eilig versuchte, seine Frotteehosen unter Wasser unauffällig von
den Kniekehlen wieder hoch an die richtige Stelle zu ziehen.
Anarky und Mickey signalisierten „1:1“, Falk Rickmers zollte höflich Applaus
und entbot über Megaphon herzliche Glückwünsche an das
Passagiersteam. Baby Jane fand, dass Rickmers früher, vor 15 Jahren, noch nicht
so angepasst und bourgeois gewesen war. Das Leben in Deutschland hatte den
einstigen 68er sehr verändert. Wie konnte Kat dieses förmliche Kapitänsgetue
gefallen? War es der Zauber seiner Uniform? War es sein Dienstgrad? Seine
Position am Schiff? Baby Jane schüttelte den Kopf
darüber, wie sich ausgerechnet Kat von solch Äußerlichkeiten blenden lassen
konnte, kletterte aus dem Wasser und setzte sich zu Gräfin Ermakova in den
Schatten. In Momenten wie diesen freute sie sich ungemein auf ihren baldigen
Eintritt ins Klosterleben.
84. Folge: Frau Paulsen
ist wieder da [1. Teil] (von cessnaritter)
Plötzlich
erschrak Baby Jane. Am gegenüberliegenden
Beckenrand sah sie jemanden, der doch eigentlich gar nicht mehr an Bord war:
Frau Paulsen! War die nicht seit Tagen in der Klinik unter Palmen?
Die anderen hatten noch nichts gemerkt und Baby Jane versuchte, unauffällig zur
anderen Seite hinüber zu schlendern.
Kaum war sie bei Frau Paulsen angelangt, fragte Baby Jane auch sofort: „Was
machen Sie denn hier, Frau Paulsen? Sind Sie nicht mehr bei ihrem Mann in der
Klinik unter Palmen? Und wie sind sie hierher gekommen. Das Flugzeug ist doch
kaputt, es kann Sie doch niemand geholt haben!“
Frau Paulsen lächelte überlegen: „Geholt nicht, aber gebracht, meine Liebe! Ich
habe ein Hochsee-Schnellboot gechartert, das mich heute Morgen hier abgesetzt
hat...“
“Und warum sind Sie nicht dort geblieben?“
“Na, also wissen Sie, es war nicht zu ertragen. Alle Leute behaupteten dort,
sie wären sehr viel jünger, als sie in Wirklichkeit aussahen. Es war
unerträglich für mich!“ Sie legte ihre Hand auf ihren Brustkorb und stöhnte
leidend. Aber nun wurde sie redselig… „Als dann auch noch Rebecca de Mornay auf
der Insel auftauchte, wissen Sie, die sieht ja aus wie fünfzig, aber behauptet
stur und steif, sie wäre 43, da hat mich nichts mehr auf der Insel gehalten.
Ich habe lediglich vor meiner Abreise noch schnell einen Thread im Sendeschluss-Forum der
TV-Foren eröffnet, um die Welt aufzuklären… Das war mir ein Herzensbedürfnis!“
Baby Jane blickte verunsichert um sich. War das hier die versteckte Kamera? Sie
hatte zwar von Frau Paulsen und ihrem Jugendwahn gehört, aber das schien nun doch etwas
abstrus. Etwas hilflos blickte sie über das Deck, auf der Suche nach jemanden,
den sie um Rat fragen konnte.
84. Folge: Frau Paulsen
ist wieder da [2. Teil] (von Baby Jane und Scarlet)
Ihr
Blick fiel auf einen sehr kräftig gebauten Mann am Swimmingpool, der wild
gestikulierend vor einem ziemlich hilflosen und fassungslos dreinschauenden Gandalf stand.
Wer war das denn? Den kannte sie doch! Das war... oh nein, das war ja... Arnie!
Ihr alter Freund Arnie Schworzenägger. Wie kam der denn auf die Werderania?
Vielleicht mit Frau Paulsen?
Gandalf winkte ihr etwas zögerlich zu, und Arnie drehte sich um. Sofort
strahlte er über das ganze Gesicht. „Baby!“ rief er laut. „Baby, hier geht’s ja
zu wie in einem Aktschn-Film!“
"Arnie!" rief Baby Jane überrascht, als sie den
Terminator da stehen sah. Sie hatte nicht damit gerechnet, ihn schon so bald zu sehen. „Was
machst Du denn schon hier?“
Arnie ging mit großen Schritten auf Baby Jane zu und umarmte sie stürmisch: "Griaß Di, Baby!
I hab' ja g'sagt 'I'll
be
back", oder hab ich das nicht gesagt? Ich hab’ gehört, dass sich Euer
Schiff verspäten wird, also hab’ i mir schon gedacht, dass Du unsern
Termin net einholtn kannst. Da hab i g’sagt, Arnie, fahrst halt zu ihr… und die
dort,“ er deutete auf Frau Paulsen, „die hab i gleich
mitgenommen, die wollt auch wieder aufs Schiff. Aber sog amol, was is denn mit
der? Dauernd hat sie g’sagt, i schau so old aus.“ Arnie schüttelte verwundert den
Kopf. Aber noch bevor Baby Jane etwas erwidern konnte, sprach er schon weiter: „Weißt, i
hab’ in America grad ein paar Probleme wegen so einer Zeitung, i wollt denen
halt helfen, weil i mi mit Bodybuilding gut auskenn’ und jetzt sagen’s, i mach
Gesetzte falsch….i weiß gar net, was da jetzt los ist. Da hab’
i mir halt gedacht, i mach a paar Tage Urlaub bei Dir auf dem Schiff, da findet
mi wenigstens keiner. Mach’ ma da a bissl Aktschn, net wahr Baby, wie
früher!! Zur Maria hab’ i g’sagt, i kumm bald wieder, hasta la vista, baby! Und
wenn i schon da bin, dann könn’ ma gleich wegen Deinem
Hotel, wegen diesem Kloster-Dingsbums reden. I find’ Deine Idee ganz gut, das
als Kooperation mit meinem ‚Schatzi on the Main' in Santa Monica
zu machen und mei Mamma hätt’ sich bestimmt g’freut, dass Du ihr
Apfelstrudel-Rezept kriegst.“
Arnies
Blick wanderte auf Baby Janes feuchten Billigbadeanzug mit den Delfinen. Rasch schnappte sich die
Steirerin das Badetuch, mit dem man die kreislaufschwache Gräfin zugedeckt
hatte, und warf es sich über. „Arnie… äh… darf ich dir eine liebe Freundin
vorstellen?“ lenkte sie geschickt ab und schob den Governator
Richtung Pool. "Dies ist Scarlet, auch eine Österreicherin. Genauer
gesagt, sie ist aus dem schönen Wien!"
"Ou ou ou!" rief Arnie begeistert in
breitem Styrian und küsste der verdutzten Scarlet die Hand. "Lovely Dirndl, lovely Lady, Jessas, Jessas, so vül fesche Madln an Bord!" Scarlet sah
hilfesuchend zu Miss Tracy.
Diese hob
ratlos die Achseln. Man würde Arnie so leicht nicht mehr loswerden, schien's.
Während der kalifornische Politiker die
anderen Badenixen von Kopf bis Fuß begutachtete, hier eine Hand küsste, da in
Wangen kniff und dem schlauen Det sogar
herzhaft lachend fest auf den Po klatschte, hatte sich Frau
Paulsen zu Lady Patricia gesetzt. Mit Hilfe eines Bleistifts und eines Blattes
Papiers skizzierte sie, an welchen Stellen Schwarzenegger sein Gesicht hat
liften lassen bzw. wo er sich Fett unterspritzen ließ. Patricia hörte
aufmerksam zu. „Viele Falten bzw. Fältchen bekommt der Mensch ja durchs Lachen“
erklärte Paulsen. Und sie fügte hinzu: "Menschen mit wenig Humor
hingegen sind im Alter fein raus - sie haben keine Lachfalten. Sie dir nur
B.A.T. an - sie hat ein Gesicht wie ein zwanzigjähriger Pfirsich."
85. Folge: Österreicher
unter sich (von Paula_Tracy)
Auf
Grund des unerwarteten Besuchs, entschloss sich Falk
Rickmers kurzfristig die Entscheidung des Spiels auf
morgen zu verschieben. Auch er freute sich sichtlich, den
Trauzeugen seiner Ex-Frau wieder zu sehen und lud ihn und seine Ex-Frau spontan
zu einem Drink in seine Kabine ein. Baby Jane zog Scarlet mit sich und
flüsterte ihr zu: „Ein richtiges Ösi-Treffen, was meinst Du?“ Kat, Kaschi, Yeti-Klaus, der
Cessnaritter und der Reeder schauten den vieren nach.
Kat seufzte. Der Kapitän und Baby Jane waren nun einmal verheiratet gewesen,
das konnte man wohl nicht wegwischen... Ob sie dem
Kapitän wohl jemals näher kommen würde? Fünf Tage waren sie nun schon auf diesem Schiff,
anfangs hatte es so ausgesehen, und dann kamen Baby Jane und De Guy... Warum
musste immer alles so kompliziert sein? Willi half Heino aus dem Pool, der
ebenfalls sehr aufgeregt war wegen des Besuchs von Arnold Schwarzenegger.
Offenbar verehrte der Sänger den Terminator sehr. „Ihm zu Ehren werde ich heute
Abend ein ganz besonderes Konzert geben! Ich denke an eine Auswahl an
österreichischem Liedgut und amerikanischen Countrysongs! Was
meinst Du, Willi - ob Baby Jane und Scarlet mir bei der Auswahl helfen? Es soll
eine Überraschung sein.“ „Eine gute Idee!“ sagte Willi
begeistert. „Arnie ist bestimmt hingerissen.“
Det und Paula brachten den immer noch angeschlagenen Doktor zur
Krankenstation, Kaschi ließ sich von Nobbi
zu einem Drink an der Pool-Bar einladen, Cessnaritter flirtete mit Mia
Florentine und ließ sich zu einer „German Kleinigkeit“ überreden und Ona
verriet dem Werderaner ihr Rezept für eine Tomatensoße alá Ona. Die Gräfin sann
noch über ihren missratenen Racheplan nach, Patricia spielte mit drei
Chrisquitos, Anna Nümosia telefonierte mit einer Klatschjournalistin aus
München und verriet ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit, wo sich
der Gouverneur von Kalifornien gerade befand, und Gandalf sortierte seine
Getränkevorräte.
86. Folge: Die
Katastrophe [1. Teil] (von Baby Jane)
Alles
hätte so normal sein können, wenn nicht plötzlich ein dumpfes Donnergrollen die
Stille des Nachmittags wie ein Schwert durchbohrt hätte. Die Passagiere der
Werderania zuckten zusammen. Erschocken sah man zum
Himmel. Gräfin Ermakova rief: „Jetzt sei der Allmächtige uns gnädig!“ Die Sonne
war gänzlich hinter schweren schwarzen Wolken verschwunden. Erste Blitze schossen am Horizont aufs
Meer und ein scharfer Wind begann mächtige Welle von Osten
auf den Segeldampfer zuzutreiben. Captain Rickmers stürmte an Deck: „Hauptsegel
einholen!“ schrie er und Fischkrepp, der Erste Steuermann,
gab den Befehl sofort weiter. Die drei Schiffsjungen kletterten barfuss den
Hauptmast empor und kämpften gegen das riesige Segel, das sich bereits
aufgebäumt hatte und im Wind bedrohlich knatterte. Sir Hilary und Baby Jane
bekreuzigten sich.
Die Werderania wurde bereits von ersten Riesenwellen getroffen, die mit
ungeheurer Kraft von Backbord gegen den hölzernen Schiffsrumpf schlugen. Der Himmel
hatte seine Schleusen geöffnet und kalter Regen prasselte aufs Meer. Der
Captain und die Crew hatten sich rasch gelbes Ölzeug
angezogen, um der Naturgewalt zu trotzen. „Alle Passagiere unter Deck!“ schrie Rickmers. „Frauen
zuerst!“
Miss Scarlet, Miss Tracy und der schlaue Det hielten sich
fest an den Händen. Ihre Augen waren schreckensweit. Anna
Nümosia stütze die Gräfin, die am ganzen Leib heftig zitterte. Cessnaritter und
Dr. Few Master wirkten bleich, aber beherrscht. Reggae Gandalf nahm
einen Schluck Schnaps und reichte die Flasche weiter an Xhosa, Tom
und Kaschi. De Guy hatte seinen Arm schützend um Kat gelegt.
Heino hatte angesichts des völlig verdunkelten Himmels seine schwarze Brille
abgenommen und begann ein tragisches Seemannslied in
Moll zu summen. Patricia verschwand bereits mit Nobbi
und drei Pudelbabies unter Deck.
Reeder Werderaner hatte sich hinters Steuerrad gestellt und manövrierte das
Schiff durch den in Aufruhr geratenen Ozean. Wasser peitschte ihm ins Gesicht,
doch er war entschlossen, seinen Segeldampfer stolz durch die
Wogen zu führen - und sei es das Letzte, was er jemals tun sollte. Und sollte
dies die letzte Fahrt der Werderania sein - er, der Reeder, würde das Ruder
nicht aus der Hand geben.
Unter Deck stellte man fest, dass ein Teil der Passagierskabinen bereits
überflutet war. Die Reisenden flüchteten in den großen Speisesaal, den einzig
trockenen Raum. Hier galt es also, den Tag (und möglicherweise auch die Nacht)
gemeinsam zu überstehen. Vielleicht war es die letzte Nacht...
86. Folge: Die
Katastrophe [2. Teil] (von Paula_Tracy)
“Oh
mein Gott, wir sinken!” schrie die Gräfin, dem
Wahnsinn nahe. „Oder ist das etwa wieder eine Übung oder so ein dämliches
Filmionär-Rätsel?“ „Ich wünschte, es wäre so!“ rief
der Cessnaritter. „Ich wüsste die Lösung! Das ist ‚Poseidon-Inferno’!“ „Auch
bekannt unter >Die Höllenfahrt der Poseidon< ergänzte Paula Tracy. „Gene
Hackman mal in einer völlig anderen Rolle – so kennt man ihn gar nicht. Ich bin
ja kein Gene-Hackman-Fan...“ „Ach, der Gene ist schon in Ordnung!“ mischte sich Arnie ein, der
interessiert zugehört hatte. „Hobt’s Ihr denn schon mal einen
Arnie-Film raten lassen?“ Cessna und Paula schwiegen betreten und
nahmen sich vor, beim nächsten Rätsel einen der wunderbaren Arnie-Streifen
raten zu lassen. „Ihr habt Sorgen!“ meinte Det. „Redet über Filme, und das
Schiff geht unter. Paula, Du musst helfen, der Doktor schafft das nicht
allein.“
Dr. Few Master verteilte Beruhigungspillen, Det und Paula rannten durch die zum
Teil bereits überfluteten Kabinen und suchten trockene Decken und rissen
Matratzen aus den Betten, die Fischkrepp, Mickey, Anarky
und Cessna nach oben trugen. Der Kapitän schloss die Türen zum
Speisesaal, damit kein Wasser mehr durchkam und fragte: „Sind denn jetzt auch
wirklich alle da?“
„Werderaner fehlt!“ sagte Scarlet. „Er ist oben am Ruder. Versteht er soviel
davon, dass er uns auf Kurs halten kann?“ Der Kapitän nickte. „Ja, er ist ein
Fachmann. Aber Fischkrepp wird ihm
helfen.“ Der 1. Offizier warf ihm einen hasserfüllten Blick zu, bevor er verschwand. Es stellte sich
heraus, dass auch Mr. Butermaker, zwei der Chrisquitos, Pete Morgan und der
Prinz fehlten. „Wir müssen sie retten!“ weinte Anna Nümosia. „Sie werden
ertrinken...“ Der Kapitän flüsterte mit Nobbi und Kaschi, und gleich darauf
verschwanden die drei, um die vermissten zu suchen.
„Es ist vielleicht besser, wenn Sie sich alle auf die Tische setzen!“ übernahm
Willi das Kommando, „nur für den Fall, dass doch Wasser eintritt. Heino, Sie
können sich einen Tisch mit Arnie teilen,
sozusagen der VIP-Tisch.“ Er lachte
gezwungen, man merkte ihm an, wie wenig wohl ihm in seiner Haut war. Nun begann
ein Streit, wer mit wem auf welchem Tisch sitzen sollte.
Immerhin – vielleicht waren das die letzten Stunden des Lebens – da war es
nicht unwichtig, mit wem man die verbrachte. Baby Jane entschied sich nach längerem
Zaudern, sich zu Yeti-Klaus zu setzen, Scarlet gesellte sich zu Ihnen, und der
vierte Platz auf dem Tisch wurde von Sir Hilary
eingenommen. Die junge Smartie setzte sich zu Mia Florentine und Cessnaritter
auf den Tisch, worauf sich Cessna einen eigenen suchte,
denn diese nervte nur zu Fragen über den VW-Song, bei dem sie immer noch nicht
herausbekommen hatte, wie er eigentlich hieß.
Gandalf stellte auf jeden Tisch eine Flasche Schnaps, Heino
begann zu singen, was merkwürdigerweise niemanden zu stören schien – und alle harrten
der Dinge, die da kommen würden...
87. Folge:
Schuldzuweisungen (von Scarlet)
Bei
den meisten begannen die Beruhigungspillen schön langsam zu wirken
und Gandalfs selbstgebrannter Schnaps tat das Übrige.
Heino sang immer noch, aber keiner erkannte das Lied. Auch die Gräfin, die sich
noch nicht entschieden hatte, mit wem sie auf dem Tischsitzen wollte, begann
jetzt fröhlich zu singen. Sie hüpfte zwischen den Tischen herum, das Wasser
stand ihr auch hier schon bis zu den
Knöcheln. Lustig spritzte die Gräfin das Wasser mit den Zehenspitzen zu den auf
den Tischen sitzenden, die sie entgeistert anstarrten,
wie konnte sie nur so gut aufgelegt sein, in einer Situation wie dieser! „I’m
singing in the Rain, I’m singing in the Rain!“ wiederholte sie immer wieder und
wurde dabei auch immer lauter.
Xhosa versuchte, die Gräfin zu überreden, sich doch auch auf einen der Tische zu setzen und bot
ihr einen Platz bei sich, Tom und Leo an. „Mischen sie sich nicht ein,
sie sie….“ regte sich Mickey auf, der eindeutig schon zuviel von Gandalfs
Schnaps intus hatte. „Sie sind ja überhaupt schuld, dass es so weit
gekommen ist!“ Xhosa verstand nicht ganz, woran sollte sie schon wieder schuld sein? Das mit dem
Blasrohr und der betäubten Lady Patricia hatte sie ja bis heute noch nicht
verwunden, obwohl alle beteuerten, sie träfe keine Schuld. Aber was sollte sie
jetzt schon wieder angestellt haben?
„Wie bitte, ich glaube, ich verstehe nicht ganz?“ fragte sie erstaunt. „Na sie!
Oben vorher am Sonnendeck, während dem Match! Da wo sie behauptet haben, dieses
Herumgehopse dient zur Anfeuerung der Wasserball-Teams. Ich habe mir doch
gleich gedacht, dass sie keine Cheerleaderin sind,
das sah vielmehr nach afrikanischen Stammestänzen aus!
Und als es dann plötzlich zu donnern und zu blitzen begann, war mir klar, was
es wirklich war: Das waren Regentänze!!! Und jetzt sehen sie doch, was sie uns
angetan haben!!“ schrie Mickey und machte
eine weit ausladende Handbewegung in die er den ganzen Saal miteinbezog. Xhosa
konnte es nicht fassen, dieser Schiffsjunge machte sie für das Unwetter
verantwortlich! Sie konnte es kaum glauben und während sie noch überlegte, was
eine angemessene Reaktion auf diese Unterstellung wäre, brachen Tom und Leo in
Lachen aus.
88. Folge: Entwarnung (von Scarlet)
Dass
jemand diese Situation derart lustig finden konnte, irritierte die anderen
Passagiere, die ängstlich auf den Tischen saßen und der Dinge
harrten, doch ein wenig. Alle beobachteten diese Szene mit Mickey und Xhosa -
bis auf Arnie, der ja mit Heino am VIP-Tisch saß und der befand
sich direkt neben einem Fenster. „Jö! Schaut’s amol olle her! Es hört
zu regnen auf!!“ brüllte Arnold, der die ganze Zeit gebannt aus dem Fenster
gestarrt hatte um ja nicht mit Heino sprechen zu müssen. „Genau so a Wetter hot’s letzte Week in Graz g’hobt! Do wor a so ein terrible
Unwetter mit Regen Sturm und sogar Hogel! Des muaß jo a Waunsinns-Äktschn g’wesen
sein! I hob’s nur in de Nochrichten auf dem
ORF2-Europe über Sat g’sehen!“
Währen Arnie noch über das Unwetter in Graz philosophierte, hatten sich schon alle anderen
Passagiere an den Fenstern versammelt, um zu sehen, dass der Regen wirklich
nachließ.
Jetzt kam auch der Kapitän in den Speisesaal und verkündete, dass das Unwetter
nachgelassen hätte, man hätte das Schlimmste überstanden.
Mit stürmischem Applaus nahmen die Anwesenden die
Nachricht des Kapitäns auf, einige seufzten erleichtert und manche fielen
einander strahlend um den Hals. Und die Gräfin, bei der noch immer die
Beruhigungstabletten in Kombination mit dem Schnaps wirkten, trällerte: „What a glorious feeling, I’m happy
again! I'm laughing at clouds so dark up above, the sun's in my
heart and I'm ready for love!”,
wobei sie zugegebenermaßen nicht immer den richtigen Ton traf, aber darüber
sahen die anderen großzügig hinweg ob dieser frohen Botschaft des Kapitäns.
„Für den heutigen Tag und die kommende Nacht werden wir allerdings den
Speisesaal als Notquartier einrichten müssen, da die Kabinen noch nicht benützt
werden können. Ach ja: Das Hauptsegel ist durch den Sturm leider auch beschädigt worden, es hat
einen Riss. Aber Dank unseres heroischen Reeders, der das
Steuer die ganze Zeit fest im Griff hatte, konnten gröbere Schäden verhindert
werden. Für die Aufräumungsarbeiten und Reparaturarbeiten werden wir ihre Hilfe
brauchen! Wir brauchen jede Hand! Wir müssen das Wasser aus den Kabinen pumpen,
beziehungsweise schöpfen und auch das Segel muss genäht werden.
Sie sehen meine Damen und Herren, es ist viel zu tun und ich zähle auf sie! Mit
dem Reiseveranstalter Hansen habe ich übrigens besprochen, dass sie aufgrund
der Unannehmlichkeiten die gesamten Reisekosten zurückerstattet bekommen
werden.“ Beim letzten Satz des Kapitäns ging ein erstauntes Raunen durch die
Menge und wieder brandete Applaus auf. „Ich schlage vor“, fuhr der
Kapitän fort, „ sie gehen jetzt alle einmal in die Wäscherei und lassen sich
dort für die Arbeit einkleiden, wir sehen uns dann später wieder. Auf alle
Fälle danke ich ihnen jetzt schon für ihre Mithilfe!“
Der Kapitän drehte sich um und verließ den Speisesaal. Die Passagiere sahen
einander an und erst jetzt wurde ihnen bewusst, dass die meisten ja noch immer
die Badekleidung anhatten…