6. Staffel
89. Folge:
Aufräumarbeiten (von Der schlaue Det)
Nachdem
alle Passagiere mit mehr oder weniger gut sitzender Arbeitskleidung
ausgestattet worden waren, hieß es klar Schiff zu machen. Die technikbegeisterten
Herren erklärten sich sogleich bereit Kaschi beim Auspumpen der
Kabinen zu helfen. Einige der Damen, unter Ihnen Anna Nümosia und Paula Tracy,
stellten sich als Näherinnen für das große Segel zur Verfügung. Alle Anderen
sahen sich auf dem Schiff um, wo es was zu helfen gab. Heino wanderte auf dem
Schiff herum, um die fleißigen Helfern mit seinen Liedern anzuspornen, was auch
vortrefflich gelang, da in allen der Wunsch wuchs möglichst bald
wieder in die eigene Kabine zurückkehren zu können und die Tür hinter sich zu schließen.
Während Paula mit fachmännischer, chirurgischer Nahttechnik die
Wunden des Segels verschloss, fiel ihr auf,
dass die Tiere sehr umtriebig an Deck herumspazierten, so dass man meinen
konnte sie würden etwas suchen, gemeinsam! Allein, dass Kater Mikesch und die erwachsene
Chrisquito friedlich nebeneinander umherstreunten wäre ja schon erstaunlich genug
gewesen. Aber nein, immer wieder konnte man beobachten, dass sie zu Möwe Laura
aufschauten, als würde sie ihnen etwas zurufen.
Sehr merkwürdig, befand Paula und nahm sich vor später mit Kaschi und Patricia darüber
zu sprechen, um zu hören was sie davon hielten.
„Wir müssen vorsichtig sein!“ sagte Mikesch „habt ihr gemerkt,
dass diese Tierärztin“ – ein Schauer lief über den Rücken des Katers, als er an
seine letzte Verstopfungsbehandlung denken musste, als er mal wieder einen
Haarballen nicht loswerden konnte – „uns die ganze Zeit beobachtet? Sie wittert
bestimmt, dass etwas los ist!“ „Wittern?! Schlechter hättest Du es nicht
ausdrücken können!“ entgegnete Chrisquito, die kaum, dass sie sich von ihren
Geburtstrapazen erholt hatte und ihre Babies in den fürsorglichen Händen von
Lady Patricia wusste, wieder so zickig wurde wie man es von der Pudeldame seit
je her gewohnt war. „Ist ja schon gut, beruhige
Dich.“ schnurrte Mikesch „Ich weiß ja, dass es
um ihren Geruchssinn bescheiden gestellt ist.
Sonst hätten sie schon lange gemerkt wie
sehr der Hutmann nach Angst roch.“ „Ja aber was nützt es das riechen zu können,
wenn man nicht weiß warum“ rief Laura von der Reling herab „Und jetzt sucht
weiter, irgendwo hier muss es sein!“
90. Folge: Sabotage? (von Paula_Tracy)
Ja,
welches Geheimnis verbarg der rätselhafte Mr. Butermaker? Die Tiere waren sich
zwar einig, dass der Mensch relativ harmlos war
(und somit keine wirkliche Gefahr für irgendwelche Passagiere, oder Mitglieder
der Crew bestand), aber wer weiß? Laura nahm sich vor, diesen Menschen genauestens zu
beobachten und Mikesch und Chrisquito sofort
Bericht zu erstatten, falls ihr etwas auffiel. Nur vor dieser Tierärztin musste
man sich wahrhaftig in Acht nehmen – sie war zwar nicht sonderlich schlau (wie alle Menschen), aber am Ende kam
sie noch auf komische Ideen. Oh Mann – und
dieser Heino nervte! Jetzt sang er gerade:
„In einer Bar in Mexiko – da saßen wir und war’n so froh...“ Laura schlug ihre Flügel über
die Ohren und wäre dabei fast abgestürzt. Heino sang unbeirrt weiter: „Caramba
Karacho, ein Whisky, Caramba Karacho, ein Gin, verflucht Sacramento Dolores... Und
alles ist wieder hin!” Laura beschloss, dem ganzen ein
Ende zu bereiten – es war nicht mehr auszuhalten.
Heino schrie auf. Da hatte ihm doch diese Möwe
einfach... Nein, das durfte doch nicht wahr sein! Sofort war Willi zur Stelle
und wischte ihm über den blonden Schopf. „Nicht zu
fest!“ heulte Heino auf. Willi sah ihn erstaunt an. Sollte etwas an den
Gerüchten dran sein, der blonde Barde trüge ein Haarteil? Nein, das konnte
einfach nicht stimmen. Aber bitte – wenn Heino niemanden an sein Haar ließ, er
würde sich nicht aufdrängen. „Na warte, Du dummer Vogel!“ drohte Willi der
Möwe, die sich auf Anarkys Schulter niedergelassen hatte. Anarky grinste und
auch Dr. Tracy, die das ganze beobachtet hatte, zuckte verdächtig. Nur Anna
Nümosia hatte Mitleid und bedauerte ihn gemeinsam mit Willi.
Inzwischen waren die Männer mit dem Auspumpen der
Kabinen fast fertig. Die Gräfin drängte sich sofort in ihre Kabine und
überprüfte ihren Schmuck. Falk Rickmers forderte sie jedoch sofort auf diese
wieder zu verlassen, da die Kabinen erst komplett ausgetrocknet werden mussten.
H.-G. Werderaner stand währenddessen weinend vor seinen Sonnenbänken, die dem
Wasser nicht standgehalten hatten. „Was soll ich jetzt nur den Amerikanern
sagen?“ fragte er Miss Scarlet ratlos, die ihm tröstend über den Kopf strich.
„Vielleicht kann Kaschi was machen?“ meinte
sie. „Er ist doch recht geschickt in diesen Sachen.
Und der Cessnaritter hilft bestimmt auch gerne weiter. Wer sich mit Flugzeugen
und Schiffsmotoren auskennt, wird doch so eine dämliche Sonnenbank zum Laufen
bringen.“ „Dämliche Sonnenbank?“ Werderaners Augen wurden ganz dunkel. „Wie
können Sie meine Sonnenbänke dämlich nennen, Miss Scarlet? Das waren Prototypen
– mehrere hunderttausend Euro wert! Die Russen würden einiges dafür zahlen,
wenn sie die Pläne dafür hätten! Wissen Sie, was ich glaube? Das war Sabotage!
Sabotage! Wahrscheinlich arbeitet Few Master für den russischen Geheimdienst! Er
hat meine Sonnenbänke zerstört!“ Scarlet sah ihn betroffen an. Sie kannte den
Reeder, mit dem sie so kuschelige Gespräche unter
dem Küchentisch geführt hatte, nicht wieder. Glaubte er
tatsächlich, Few Master könnte das Wetter beeinflussen? Oder – hatte er
vielleicht Recht? War es Sabotage gewesen? Arbeitete Few Master für den russischen Geheimdienst? Hatte
er Heino an Bord gebracht, um alle in den Wahnsinn zu treiben? War er mit dem
Teufel im Bund?
91. Folge: Der
aggressive Pudel (von Scarlet)
Auch
Baby Jane fiel jetzt auf, dass die Tiere etwas unruhiger waren, oder zumindest
anders als sonst. Als der Ur-Chrisquito zufällig bei ihr vorbeistreunte, strich
sie ihm über sein weißes Lockenköpfchen. Augenblicklich fing er wie verrückt an
zu bellen. Xhosa, die neben Baby Jane saß und das Segel bearbeitete, drehte
sich um und fragte, was denn passiert sei, ob denn Baby Jane den Hund
versehentlich getreten hätte, weil er so jaulte. Doch sie beteuerte, dass
nichts passiert war, dass sie ihn nur gestreichelt hat und dass sie nicht
wüsste, warum das Tier derart regierte. Und je mehr die Damen versuchten, den
weißen Pudel zu beruhigen, umso nervöser wurde er, er bellte, jaulte und biss
willkürlich wild um sich und schnappte nach jedem, der
sich in seiner Nähe befand. Die Damen sahen sich ungläubig an, keine von ihnen
konnte sich erklären, was mit dem Ur-Chrisquito los war. Baby Jane hatte ihn
doch nur gestreichelt! Vielleicht hat er das aber falsch aufgefasst,
vielleicht hatte er es empfunden, als wollte sie ihn schlagen. Aber das wollte
Baby Jane doch gar nicht, sie wollte ihm doch nur ein bisschen Aufmerksamkeit schenken, weil sie
bemerkt hatte, dass sämtliche Tiere in Aufruhr waren. Die Damen beschlossen, den kleinen
Chrisquito nicht weiter zu beachten, er würde sich schon wieder beruhigen. Er
bellte noch eine Weile und dann verschwand er beleidigt.
Dr. Tracy meinte, dass er vielleicht von jemand anders geschlagen wurde oder sonst
etwas erlebt hatte, das ihn traumatisiert hat und dass es daher wohl besser
wäre, ihn in den nächsten Tagen in Lady Patricias Obhut zu geben.
Plötzlich tauchte Chrisquito wieder auf, wieder bellte er, noch einmal
versuchten die Damen ihn zu beruhigen, bis er sich schließlich beleidigt in
eine Ecke setzte, von wo aus er alles überblicken konnte und hin und wieder
bellte er noch, dann war aber Ruhe.
Möwe Laura, die die ganze Zeit über dem Schiff gekreist war, dabei Heinos
Gesang ertragen musste und diesem dann elegant ein würdiges Ende bereitete
hatte, landete auf der Reling, oberhalb vom Ur-Chrisquito und rief die
Pudeldame Chrisquito und Kater Mikesch herbei. „Kra, kra!
Ich habe ihn gefunden!“ krähte Laura „Hier liegt er! Kra!“ Eine ganze Weile schon hatten Laura, Mikesch und Chrisquito den
Ur-Chrisquito gesucht, genauer gesagt, seit ihn der Hutmann, Mr. Butermaker,
mit einem Fußtritt beiseite geschoben hatte. Er hatte
nach Angst gerochen, dass hatten die Tiere sofort bemerkt, allerdings wussten
sie nicht warum. Sie konnten auch nicht wissen, dass Mr. Butermaker panische Angst vor Hunden
hatte und hier auf dem Schiff tummelten sich gleich Unmengen von diesen
vierbeinigen Biestern. Er konnte es gar nicht erwarten, bis die Kabinen endlich
wieder bezugsfertig waren und er sich wieder darin zurückziehen konnte! Niemand
würde es diesem mutig, verwegen und abenteuerlich aussehendem Mann zutrauen,
dass er allein deswegen soviel Premiere sah, um möglichst wenig auf die Straße
zu müssen, wo es nur so vor Hunden wimmelte, vor denen er sich wahnsinnig
fürchtete und sei es nur ein Chihuahua…
92. Folge: Die
Küchenhilfe (von Scarlet)
In
der Zwischenzeit hatte sich auch der Reeder im
Frachtraum wieder einigermaßen von seinem Schock erholt. Ihm war seine
Versicherung eingefallen, die er in weiser Voraussicht wegen der Sonnenbänke
abgeschlossen hatte, ihm konnte ja finanziell gar
nichts passieren. Das einzige Problem war die Tatsache, dass es sich bei diesen
Geräten um unwiederbringliche Prototypen handelte, aber die Pläne dafür hatte
er ja zum Glück sicher verwahrt. Noch im Nachhinein beglückwünschte er sich im Gedanken
dafür, dass er diese kostbaren Pläne nicht mit der Post geschickt hatte, denn – so
hörte man - in letzter Zeit verschwanden immer mehr
Sendungen bei der Post und auch er selbst hatte schon diesbezüglich schlechte Erfahrungen
gemacht.
Nachdem sich H.-G. Werderaner also wieder beruhigt hatte, ließ er sich auch von
Miss Scarlet, der die Arbeitskleidung der Werderania übrigens gar nicht so schlecht stand,
überzeugen, dass Dr. Few Master nichts mit dem Wasserschaden an seinen
Solarien zu tun haben konnte, wie sollte er denn das Wetter beeinflussen? Schon
Mickey hatte diesen unhaltbaren Vorwurf gegenüber der Ethnologin Xhosa
hervorgebracht, was sich jedoch in keinster Weise beweisen ließ.
Der Reeder beschloss widerstrebend Kaschi und diesen
Cessnaritter um Hilfe zu bitten, vielleicht war der Schaden ja wirklich nicht
so schlimm, wie es zunächst aussah. Allerdings
fragte er sich schon, warum Miss Scarlet
soviel daran lag, dass er auch diesen Cessnaritter mit der Reparatur
beauftragte. Was hatte diese Ösi-Frau nur mit diesem Bruchpiloten? Es war ihm schon bei der
Pyjama-Party unangenehm aufgefallen, dass die beiden unnötig oft miteinander
getanzt haben! Wie oft war das noch mal genau? Ach ja! Einmal! Das war genau
einmal zu viel! Allerdings hatte ihm der Flamenco mit der Köchin Ona auch
mächtig Spaß gemacht…
Als der Reeder so im Gedanken versunken dastand – ihm war gar nicht
aufgefallen, dass Miss Scarlet den Frachtraum schon längst wieder
verlassen hatte, um wieder den anderen zu helfen – wurde er von Gandalf brutal
wieder in die Realität zurückgeholt: „Könnten sie uns bitte in der Küche
helfen?“ „Ich? In der Küche?“ fragte der Reeder. Er konnte sich kaum
vorstellen, wie er wohl in der Küche helfen könnte. „Wir brauchen wirklich jede
Hand in der Küche, wir sind dabei einen Eintopf als Mittagessen für alle
vorzubereiten, aber wir sind viel zu wenige, die meisten sind immer noch dabei,
die Kabinen auszupumpen oder das Segel zu nähen. Ich würde es nie wagen, sie zu
fragen, ob sie in der Küche arbeiten würden, aber es ist wirklich eine absolute
Notsituation! Ona meinte, ich könnte sie ruhig darum bitten uns zu helfen.“
„Ja, ja, ist schon gut Junge.“ beruhigte der Reeder den
aufgeregten Gandalf „Ich bin ja kein Unmensch, nicht wahr! Und wenn
Not am Mann ist, bin ich selbstverständlich zur Stelle! Was soll ich denn tun?
Eintopf sagst Du? Wie wär’s mit Nudeln und Tomatensoße? Meine Spezialität so zu
sagen…“ „Ähm…“ unterbrach Gandalf „Nun, also eigentlich ist das Essen schon so gut wie fertig,
es gibt Bohneneintopf. Wir hätten eher gedacht, sie könnten uns beim Geschirr spülen helfen. Das
Geschirr ist vom Schmutzwasser ziemlich
mitgenommen…“ „Geschirr spülen also?“
vergewisserte sich H.-G. Werderaner „Nun ja, wenn’s denn sein muss, obwohl ich schon dazu sagen muss,
dass ich daheim selbstverständlich eine Spülmaschine habe! Eine
Werderaner!“ sagte er nicht ohne Stolz und versteckte dabei schnell seine Hände
hinter dem Rücken. „Eine Werderaner.“ Dachte Gandalf „Von dieser Marke habe ich
noch nie gehört, wusste gar nicht, dass der Reeder auch in Geschirrspülmaschinen macht. Aber warum
nicht, er produziert ja auch Sonnenbänke.“ „Ja, also wenn sie bitte mit mir
mitkommen würden.“ Sagte Gandalf dann wieder laut zum Reeder, der ihm in seiner
Arbeitskleidung folgte, natürlich in grün-orange!
93. Folge: Solarenergie
soll ja gut sein… (von cessnaritter)
Inzwischen hatte sich der Cessnaritter
immer wieder darüber Gedanken gemacht, ob man diese Sonnenbänke, die ja so
neuartig sein sollen, nicht auch noch auf andere nützliche Art einsetzen
konnte.
Was keiner an Bord wusste, aber ein schmerzhafter Punkt in
seiner Seele war, er selbst hatte vor ein paar Jahren erfolglose Versuche mit
solarbetriebenen Flugzeugmotoren unternommen. Aber alle Experimente waren gescheitert, sein gesamtes
Vermögen von € 124.890,67 hatte er eingebüßt und war nun gezwungen, mit dieser
kleinen Wassercessna Kurierdienste zu fliegen.
Nun aber erinnerte er sich an seine Arbeit von damals und er beschloss, sich diese
Sonnenbänke noch einmal genauer anzusehen.
Ein paar Blicke genügten ihm und es war ihm klar, dass es gar keine reinen
Sonnenbänke waren, sondern mit ein paar Handgriffen in solarbetriebene
Antriebsaggregate für jede Art von Motoren verwandelt werden konnten. Das war
dann wohl das große Geheimnis und das Wertvolle an den Sonnenbänken des
Reeders... Nun galt es abzuwägen. Sollte er gleich Kaschi informieren und die
Solarantriebe an das Motorensystem der Werderania anschließen, damit diese
Reise endlich ein Ende fand, oder sollte er erst mit dem Reeder sprechen. Denn
der schien Gründe zu haben, das Geheimnis der
Sonnenbänke mit ihrer vielseitigen Verwendbarkeit geheim zu halten.
94[a]. Folge: Eine
Pizza für Gandalf (von Paula_Tracy)
„Der
Reeder stellte sich gar nicht so dumm an“ fand Gandalf. „Der hatte doch
bestimmt früher auch mal mit der Hand abgewaschen...“ „Willst Du
viel, spül’ mit Pril!“ meinte Werderaner fröhlich, und alle lachten pflichtschuldig. „Wie schautes denn mit den
Vorräten aus?“ fragte Gandalf besorgt die Köchin Ona. Ona schüttelte den Kopf.
„Traurig. Vieles ist verdorben und nicht mehr genießbar. Ich habe schon zum Festland funken
lassen, heute Nachmittag kommt ein Schnellboot und bringt neue Vorräte.“
Gandalfs Augen blitzten auf. „Mensch, Ona – meinst Du, ich
könnte mir 'ne Pizza bestellen? Fällt doch gar nicht auf, wenn der noch was
mitbringt...“ „The Pizza Hut, the Pizza Hut...“ fing Werderaner an zu singen
und Anarky und Willi fielen ein: „McDonalds, McDonalds...“ „Au ja, ich auch!“
rief Mickey und drängte sich zu Ona durch. „Damit Du mal wieder ein paar Tage
auf der Krankenstation verbringen kannst, wie?“ meinte Ona. „Du weißt doch,
welche Folgen das Weißmehl in der Pizza immer für Dich hat. Ich bestelle nur
eine mit, wenn Du einen Vollkornteig nimmst...“
94[b]. Folge: Lassie
ist zum Weinen… (von Paula_Tracy)
Kaschi und Cessnaritter
saßen etwas ratlos vor den Sonnenbänken. Cessnaritter überlegte sich, ob er den
Ingenieur in seine Gedanken einbeziehen sollte, was die Solarenergie anging,
aber Kaschi war ohnehin nicht ganz bei der Sache. Er
fuchtelte ständig mit einer Programmzeitschrift herum. „Ich werde
ihn einfach mal fragen“ murmelte er jetzt das zweite Mal vor sich hin. „Hey,
vielleicht helfen Sie mir mal“ fauchte ihn der ungeduldige Cessnaritter an.
„Ist ja schließlich Ihr Arbeitgeber, dem wir hier helfen
wollen.“ „Ach, das regle ich schon mit Werder!“ meinte
Kaschi leichthin. „Wir sind alte Kumpels, haben schon in der
Jugendnationalmannschaft zusammen gespielt.
„Ich überlege gerade, ob ich den guten Butermaker um einen Gefallen bitten
soll.“ „Gefallen!“ brummte Cessnaritter. „Der hat doch nur sein
Premiere-Programm im Kopf – erstaunlich, dass das immer noch funktioniert...“
„Das ist es!“ sagte Kaschi aufgeregt. „Heute
Nachmittag kommt der Spielfilm überhaupt: „Lassie come home
– auf Premiere Nostalgie. Den muss ich sehen... Lassie ist zum Weinen schön.“ „Man kommt ja
noch gar nicht in die Kabinen!“ meinte der Cessnaritter. „Alles noch feucht.“
„Butermakers liegt etwas höher“ sagte Kaschi. „Ich wette mit
Ihnen, dass der schon längst wieder in der Kabine ist – und
fernsieht, während wir hier noch schuften.“ „Das sehe ich
auch nicht ein!“ rief der Cessnaritter und schmiss seinen Schraubenschlüssel hin. „Ich komme
mit, „Lassie“ wollte ich auch mal wieder sehen.“ Auf dem Weg zu Butermakers
Kabine trafen sie noch Miss Tracy, die sich Ihnen ebenfalls anschloss. Erwartungsvoll
klopfte Kaschi an die Kabine des geheimnisvollen Mannes...
In der Küche ging es währenddessen immer noch hoch her, da der Reeder spontan
beschlossen hatte, für alle Küchenhelfer Pizza zu
bestellen und auch zu bezahlen. Den Wunsch von Mickey, eventuell
auch etwas von McDonalds zu bestellen, verwarf er sofort. „Nichts da – hier
wird nichts von McDoof bestellt! Entweder Pizza oder gar nichts!“ Ona fragte
sich zwar, warum der Reeder nicht alle zu der spontanen Pizza-Party einladen
wollte – das hätte der Stimmung an Bord bestimmt gut getan – aber irgendwie
traute sie sich nicht, ihn dazu aufzufordern. Eifrig stellten sich alle
Küchenhelfer ihre Pizza zusammen und Willi bekam die Aufgabe, in den Funkraum
zu gehen und die Bestellung an Pizza-Hut aufzugeben.
Mr. Butermaker war zwar nicht hoch erfreut, als er sah, wer da vor seiner
Kabine stand, aber er war Kaschi noch einen Gefallen schuldig, der ihm damals
den Premiere-Sender an Bord eingerichtet hatte. Auf diesen Cessnaritter und
diese Miss Tracy, deren Bluse wahrscheinlich voll mit
Tierhaaren war, hätte er allerdings verzichten können, aber da musste er eben
mal in den sauren Apfel beißen... Doch – oh Gott – was wollten die sich denn da
ansehen? Das durfte doch nicht wahr sein. Selbst in diese Kabine verfolgten ihn
diese Viecher! Jetzt sogar auf dem Bildschirm. Butermakers Blick
wurde starr und er fing an zu zittern. Doch seine drei Gäste schienen das gar nicht zu
bemerken. Fasziniert und erfreut zugleich schwärmten Cessnaritter,
Kaschi und Paula von alten Lassie-Zeiten, auch
Rintintin, Flipper und Clarence wurden erwähnt – und niemand bemerkte den schweißüberströmten Mr.
Butermaker...
95. Folge:
Mittagessen!!! (von Scarlet)
Während
Gandalf und die Schiffsjungen noch mit Ona verhandelten, wer welche Pizza bestellen
würde, damit Willi endlich die Bestellung abschicken konnte, beschloss der Cessnaritter
Kaschi und den Reeder nach dem Mittagessen zur
Seite zu nehmen und mit ihnen wegen der Sonnenbänke zu sprechen und ihnen den
Vorschlag, bezüglich eines Solarantriebs für das
Schiff, zu unterbreiten. Bis dahin könnte er sich ja noch Gedanken darüber
machen, wie sich sein Plan am besten realisieren ließe. Irgendwie konnte er
sich so ja doch nicht auf „Lassie“ konzentrieren…
In der Küche entschied Ona, dass ein Dutzend Pizzen bestellt
würden, die man dann nach dem Bohneneintopf aufteilen könnte. Damit waren alle
einverstanden. Danach schrieb sie noch eine
Liste, was an Vorräten bestellt werden musste und Willi funkte die Liste samt
Pizza-Bestellung an den Lieferservice.
Die Aufräumarbeiten an Bord waren so gut wie abgeschlossen, die Kabinen
waren fertig ausgepumpt, sie würden noch über Nacht austrocknen müssen, das
Segel war repariert und auch sonst war wieder alles so gut wie in Ordnung.
Nachdem am Vormittag alle fleißig gearbeitet hatten, hatte man sich das
Mittagessen redlich verdient. Doch bevor es soweit war, mussten alle noch
einmal mit anpacken und die Tische im Speisesaal
decken, die ja zwischenzeitlich so etwas
wie Notquartiere waren. Im Speisesaal wurde ein Teil als Übernachtungsquartier
eingerichtet, in der anderen Hälfte wurden alle Tische zu einem großen
„Gemeinschaftstisch“ zusammengestellt und
gedeckt. Die Herren brachten das von H.-G. Werderaner gewaschene, blitzblanke Geschirr aus der Küche und
die Damen deckten liebevoll die Tische, so dass trotz der
Umstände ein elegantes Ambiente entstand.
In Mr. Butermakers Kabine spielten sich zwischenzeitlich auch
unglaubliche Szenen ab: Kaschi und Dr. Tracy schmolzen bei „Lassie
come home“ dahin und seufzten unaufhörlich: „Lassie ist zum Weinen“. Der
Cessnaritter grübelte nur über die Sonnen-Solar-Bänke nach und keiner bemerkte
den zitternden Butermaker.
Plötzlich ertönte der Gong, der täglich verkündete, wann es Zeit für das
Mittagessen war. Wie von der Tarantel gestochen sprang Mr. Butermaker auf,
stapfte über den immer noch matschigen Kabinenboden und
bereitete dem Hunde-Grauen ein Ende, indem er den Fernsehapparat abschaltete. „So, es ist
Zeit zum Essen, es tut mir leid, aber wir müssen jetzt gehen!“ verkündete
Butermaker und Kaschi und Dr. Tracy
protestierten lautstark. „Nichts da, wir gehen jetzt essen.“ bestimmte der
Premieren-Abo-Inhaber und scheuchte alle Besucher
mit einer Handbewegung aus seiner Kabine, die sich widerwillig fügten. „Auf
Premiere wird doch ohnehin ständig alles wiederholt, oder?“ fragte Paula den
Chefingenieur der Werderania, welcher aber nur mit den Schultern zuckte.
Auf dem Weg in den Speisesaal fiel Dr. Tracy auf, dass sich Mr. Butermaker ganz
seltsam benahm, als ihnen einer der Chrisquitos über den Weg lief, er presste
sich ganz an die Wand… Sie beschloss, ihn bei
Gelegenheit darauf anzusprechen.
Im Speisesaal war die Stimmung bestens, alle hatten sich um den großen Tisch versammelt und Ona
verteilte großzügig Bohneneintopf, der von den anderen angenommen wurde, wie
die delikaten Speisen, die in den ersten Tagen an Bord serviert wurden. Als
Höhepunkt der Mahlzeit servierten Ona und ihre Helfer Pizza in allen
Variationen, die inzwischen, von allen
unbemerkt, geliefert wurde. Diese Überraschung wurde von den
Gästen mit Applaus quittiert. „Meine ist die Salami!“ rief Gandalf „Und i will
American Pizza!“ meldete sich Arnie zu Wort. Plötzlich riefen alle
durcheinander, jeder reklamierte eine andere Pizza für sich. Das Gelächter bei
Tisch war schließlich groß und am
Schluss bekam doch jeder das was er wollte. Ona hatte gar nicht gesehen, ob
auch eine Vollkorn-Pizza bei der Lieferung war, ihr war nur aufgefallen dass
kein einziges Pizzabrot dabei war, oder zumindest hatte sie es nicht gesehen.
Als sie Mickey danach fragte, wischte sich dieser schnell verräterische Mehlspuren aus dem
Gesicht, das dem eines Raffael-Engels glich, da seine Wangen in dem Moment
ähnlich rund und dick waren. Aber auch Mickey schüttelte nur stumm den
Kopf, was den Verbleib des Pizzabrotes betraf.
96. Folge: Hannelore
kommt!
(von
Paula_Tracy)
„Sehen
Sie!“ flüsterte Ona dem gut gelaunten Reeder zu. „Es war doch gut, dass wir die
Pizza für alle bestellt haben!“ „Ja, zum Glück habe ich mich nicht auf
McDonalds eingelassen!“ polterte Werderaner. „Wer bei McDoof isst, ist selbst
doof!“ Er wandte sich an die ihm gegenübersitzende Miss Scarlet. „Miss Scarlet,
was halten Sie davon, wenn wir heute unsere Schlafsäcke nebeneinander legen?
Wir könnten ein wenig schwatzen vor dem
Schlafen!“ Scarlet lächelte und errötete ein wenig. „Ja, warum eigentlich
nicht?“ meinte sie. „Wir könnten unser Gespräch von gestern fortsetzen – sie
wissen schon, das unter dem Küchentisch.“ „Meine lieben
Freunde!“ Heino stand auf und klopfte mit dem Löffel gegen sein Glas. „Obwohl
ich heute Morgen ein kleines Missgeschick hatte, bin ich
doch mit dem Verlauf dieses Tages mehr als zufrieden. Meine liebe Frau
Hannelore hat sich endlich bei mir gemeldet und wird morgen auf diesem Schiff
eintreffen. Als kleine Überraschung wird sie 10 der
guten Heino-Haselnusstorten aus meinem Bad Münstereifler Café mitbringen. Ich
werde mich also morgen von Ihnen verabschieden und mit
Hannelore das Schiff verlassen, um mein Comeback vorzubereiten.“
Paula und Baby Jane tauschten einen entsetzten
Blick. Wie hatte das passieren können? Und vor allen Dingen – wie konnten sie
das noch verhindern? „Das müssen wir heute Abend besprechen!“ zischte Baby Jane. „Leg
Deinen Schlafsack neben meinen!“ „Aber ich hab doch schon versprochen...“ fing
Paula an, doch dann wurde ihr klar, dass sie der guten Sache wegen – der
Verhinderung des Comebacks von Heino – auf das nächtliche Date verzichten
musste und stattdessen mit Baby Jane einen Plan aushecken musste, um – so schlimm das auch sein
musste – Heino an Bord zu behalten.
Kat hingegen amüsierte sich köstlich mit Arnie, dem die blonde Schönheit
überaus gut zu gefallen schien. „Bezaubernd,
nein, einfach bezaubernd schaun’s aus!“ sagte er schon das fünfte Mal zu
ihr. „Wenn meine Maria nicht wäre, Fräulein Kat...“ De Guy hingegen fand das
gar nicht lustig und beäugte den österreichischen Kalifornier mit
misstrauischen Blicken. Er nahm sich vor, morgen den
Fitnessraum aufzusuchen und mal wieder etwas Sport zu treiben – Frauen standen
offenbar auf muskelgestählte Körper. Dabei interessierte sich Kat gar nicht für
Arnold Schwarzenegger, auch wenn ihr die Aufmerksamkeit gut tat. Sie
beobachtete immer wieder den Kapitän aus dem Augenwinkel und wünschte sich nichts
sehnlicher, er würde endlich so etwas zu ihr sagen... Wie konnte sie ihm nur zu
verstehen geben, dass er der einzige war, für den sie sich interessierte? Neben
ihm waren alle anderen Männer so – konturenlos. Sie musste jemandem um Rat
fragen, eine Freundin, die sich in Liebesdingen auskannte. Nicht Baby Jane, die
war befangen. Vielleicht die Gräfin? Nein – die hatte nur die gelben Seiten im
Kopf. Paula – nein, viel zu vertraut mit Baby Jane. Tja, wer blieb da nur?
97. Folge: Harte Zeiten (von Reggae-Gandalf
und Paula_Tracy)
Nach
dem Mittagessen sollten die Aufräumarbeiten eigentlich weitergehen, doch einige
hatten Besseres zu tun. So unterhielten sich Mickey und Prinz Malko über
Schauspieler. „Unschlagbar sind Pierre
Alois Schwince Crahm und Jean Jacques Sowsoak (ausgesprochen Sausack)“ sagte
Malko, der nichts auf diese beiden französischen Schauspieler mit
englischen Vorfahren kommen ließ. Grade wollte Mickey
kontern, als der Kapitän sie unterbrach: „Ich verstehe ja, dass sie hier nur zu
Gast sind Herr Prinz, aber Mickey muss wieder an die Arbeit. Wir wären ihnen
selbstverständlich sehr verbunden, wenn sie auch etwas mit anpacken würden.“
Das Segel war noch nicht wieder ganz intakt, doch die näherfahrensten Frauen
waren schon wieder auf den Mast geklettert um die
verbliebenen Löcher zu flicken. So willigte auch der Prinz mit ein zu helfen.
Mickey hingegen fühlte sich auf einmal nicht so wohl. War er Seekrank geworden?
Das konnte doch nicht sein. Es musste an der Pizza liegen. Hätte er doch bloß
auf Ona gehört. Er wusste doch selbst am besten, dass ihm die Pizza aus
Weizenmehl nicht bekam. Unfähig an etwas anderes zu denken wankte er, sich den
Bauch haltend, zu seiner Kajüte und blickte harten Zeiten entgegen.
Mickey
beschloss, sich auf Grund des ihm bereits
bekannten Problems zu Dr. Few Master zu begeben. Doch er traf nur Det an, die
mal wieder die Medikamente zählte. Es hatte sich doch gelohnt, einen
wasserfesten Medikamentenschrank zu bestellen,
obwohl Det damals für das andere Modell gestimmt hatte. Manchmal hatte der
Doktor eben doch recht, das musste sogar sie zugeben. „Hey Mickey, alles klar?“
fragte sie den Schiffsjungen, der gerade hereinkam. „Wo ist denn der Doc?“
fragte Mickey etwas unsicher. Nein, der Det würde er sein Problem jetzt
wirklich nicht schildern! „Keine Ahnung.“ Det zuckte die
Schultern. „Der hat seinen zweiten Frühling und streicht ständig auf Deck
herum. Wird Zeit, dass die Reise zu Ende geht, ich fürchte nur, das dauert noch
etwas. Was ist denn los, kann ich Dir helfen?“ „Ja, aber... wenn der Doc nicht
da ist... Ich komme lieber noch mal wieder!“ Mickey sah etwas merkwürdig aus,
fand Det. Ihr schwante etwas – sie hatte doch gerade noch die
Krankenblätter der Crew durchgesehen. Mickey war nicht oft krank – aber wenn,
war es immer das gleiche! Und dann war Eile geboten. „Du bleibst hier!“ sagte
Det streng. „Legst Dich auf die Liege. Du kriegst eine Spritze, bevor Du wieder
in die Klinik unter Palmen eingeliefert wirst! Mensch, hast Du etwa von der
Pizza gegessen?“
98. Folge: Die
Vertraute (von Scarlet)
Kat
saß noch immer im Speisesaal und dachte nach, wie sie den Kapitän auf sich
aufmerksam machen könnte. Und während Kat so überlegte, mit wem sie am besten
über ihr „Problem“ sprechen sollte, kam Xhosa vorbei.
„Xhosa! Natürlich!“ Dachte Kat, warum hatte sie nicht gleich an sie gedacht.
Xhosa, die Ethnologin war ja mit Tom dem Städteplaner liiert, alle hatten das
vom ersten Moment an vermutet und sie selbst hatte es schließlich bei der
Pyjamaparty auch erzählt.
Sie hat erzählt, wie sie Tom in Afrika kennen gelernt hat. Er hielt sich wegen
seiner Fotoreportage für National Geographics in demselben Camp auf, in dem
auch Xhosa zu dieser Zeit tätig war. Die beiden hatten sich sofort sympathisch gefunden und die
resolute Xhosa ging auf den ruhigen Städteplaner zu und sprach ihn an und na
ja… Alles Weitere könnte man sich ja denken, hat die Ethnologin gemeint… Xhosas
Augen hatten geglänzt, als sie ihre Geschichte in der
Damenrunde erzählt hatte und sie wirkte leicht verlegen, was die anderen Damen
mit einem „Ach, wie süüüüß!!“ kommentierten und Kat hatte tief geseufzt, weil
sie dabei spontan an den Kapitän denken musste. Komischerweise war ihr De Guy
in dem Moment gar nicht in den Sinn gekommen…
Ja, irgendwie bewunderte Kat Xhosa. Die Art und Weise, mit der sie ihre
Beziehung zu Tom handhabte, imponierte ihr. Obwohl die beiden ja frisch verliebt waren, wie
Xhosa auch bei dem Weiberabend mit gesenktem Blick bestätigt hatte, wirkten die
beiden im Alltag sehr professionell und vernünftig, nicht so übertrieben wie
diese Lady Patricia und ihr übereifriger Leichtmatrose, das war ja fast schon peinlich.
Kats Entschluss stand jetzt fest, sie würde sich Xhosa
anvertrauen, sie war sich sicher, dass sie ihr wertvolle Ratschläge geben würde. Kat
sprang auf und lief Xhosa nach, sie holte sie ein und tippte ihr auf die
Schulter…
99. Folge: Ein guter
Rat (von Baby Jane)
Xhosa
war nicht erstaunt, als Kat sie ansprach. Sie hatte bereits damit gerechnet,
denn ihr war nicht entgangen, wie sehr die Augen der blonden Werbetexterin
jedes Mal glänzten, wenn der Kapitän auftauchte. Und Xhosa, ausgestattet mit
der Güte und dem Optimismus der glücklich Verliebten, wünschte allen anderen von
Herzen, dass sie endlich auch den/die Richtige/n fänden. Die ganze Welt war
doch voller Liebe!
„Wenn ich dich richtig verstehe, Kat“ fasste Xhosa Kats Problematik ohne Umschweife zusammen „dann
suchst du einen Weg, Falk Rickmers deine Zuneigung zu zeigen“ Kat nickte
verlegen. „Nun, Kat, dann steh dazu, dass er der Mann deines Herzens ist und
offenbare dich ihm!“
Kat schluckte. „Meinst du wirklich, dass das eine
gute Idee ist, Xhosa?“ wandte sie ein „Meiner Erfahrung nach erschreckt man Männer, wenn
man bei ihnen gefühlsmäßig quasi mit der Tür ins Haus fällt!“
„Nein, nein“ versicherte Xhosa und schielte mit einem Auge
bereits wieder sehnsüchtig über Kats linke Schulter hinweg auf Tom, der in
einem Deckchair eine Großstadt mit schnellem Strich auf
einem Zeichenblock skizzierte. „Du wirst sehen, Kat, der Kapitän freut sich,
wenn du ihm deine Liebe gestehst. Wahrscheinlich wartet er
längst darauf, weil er selber nicht mutig genug ist, den ersten Schritt zu
machen.“
„Du glaubst wirklich, dass ich ihn damit nicht in die Flucht schlage?“ versuchte Kat
ein letztes Mal Bedenken bezüglich Xhosas Plan anzumelden.
„Nur wer wagt, gewinnt!“ beruhigte Xhosa und drückte innig und ermutigend Kats
Hand. „Du wirst sehen, alles wird gut. Und meine Oma sagt immer: Wenn alle
Frauen warten, dass die Männer den ersten Schritt machen, dann gäbe es keine
Ehen auf dieser Welt.“ Nebenbei winkte Xhosa ihrem Tom.
Kat nickte Xhosa dankend zu. Nun, wenn auch Xhosas Oma dies meinte, was sprach
dagegen, Falk heute Abend eine Liebeserklärung zu machen? Immerhin suchte sie
das Glück - warum nicht selber aktiv mitgestalten? Warum eigentlich nicht das
Schicksal in die eigenen bezaubernden Hände nehmen, die freilich angesichts der
bevorstehenden Liebeserklärung bereits recht feucht waren?
100. Folge: Leidenschaft und
Ekstase
(von
Baby Jane)
Nach
dem vertraulichen Gespräch mit Xhosa zog Kat sich aufgewühlt in ihre Kabine
zurück, die zum Teil noch überflutet war. Sie watete durchs knöcheltiefe Wasser
zu ihrem Kleiderschrank und prüfte die mitgebrachte Garderobe.
Was anziehen am heutigen Abend, der ihr ganzes Leben verändern würde? Nicht zu
elegant und auf keinen Fall aufgedonnert durfte sie wirken. So etwas würde Falk
nicht gefallen. Eher klassisch-leger und
gleichzeitig ein wenig figurbetont. Kat hatte ja nichts zu verstecken!
Sie entschied sich für marineblaue Seidenhosen plus
einem schlichten cremefarbenen Seidentop und legte die
Kleider auf ihr Bett. Dann watete sie ins Bad. Unter der Dusche applizierte sie
großzügig das Uschi Glas-Power-Shower-Gel, das laut
Teleshopping einen zarten, samtigen Schimmer auf der Haut über 30 hinterlassen
sollte. Der heiße Duschstrahl tat ihr wohl.
Danach schlüpfte sie in einen kuscheligen
Werderania-Bademantel aus dickem Frottee, trocknete ihr Haar und begann, sich
sorgfältig anzukleiden. Ein Tropfen Kölnischwasser hinters Ohr und
aufs Dekoltée. Ein Hauch von Rouge auf die Wangen. Das Näschen gepudert. Ein
Pfefferminzdrops in den hübschen Mund. Fertig.
Während Kat sich auf ihren großen Abend vorbereitete, verbreitete sich an Deck
die Nachricht vom zu erwartenden Liebesgeständnis wie ein Lauffeuer. Xhosa
hatte ihrem Tom beglückt erzählt, was Kat plante, und Miss Scarlet und Miss
Tracy, die in den Liegestühlen neben Tom die Nachmittagssonne genossen hatten,
hatten den einen oder anderen Satz aufgeschnappt. Man freute sich
mit Kat! Nur Gräfin Ermakova, die auf einen reichen Erfahrungsschatz in Liebesdingen
zurückblicken konnte, schüttelte besorgt das
Köpfchen, als sie davon erfuhr: „Wenn das nur gut geht“ hob sie die Augenbraue.

Die Sonne begann langsam, wie ein großer, glühender Ball am Horizont im Meer zu
versinken. Alle Passagiere der Werderania waren unter Deck, um sich für den
Abend fertig zu machen. Frieden und Ruhe war auf dem Segeldampfer eingekehrt.
Möwe Laura saß versonnen auf ihrem Nebenmast, Kater Mikesch putze sich unablässig
sein juckendes Fell (wann würde er endlich gegen Würmer und Flöhe geimpft?) und
Königspudel Chrisquito lehnte wie eine gekränkte Diva an der Reling, das
Gesicht ein wenig hochnäsig gen Meer gewandt.
Falk Rickmers erschien an Deck, um seinen allabendliche
Routineinspektion zu machen. Er kontrollierte Taue und Segel, die Temperatur
des Pools sowie die Sauberkeit der Liegestühle. Gerade bückte er sich, um ein
Stück Orangenschale aufzuheben, das von Schiffsjunge Willi
beim Saubermachen sträflicherweise vergessen worden war. Plötzlich hörte er
seinen Namen. Erstaunt richtete er sich auf und wandte sich um. Kat Wickfar,
die schöne Werbetexterin, stand hinter ihm. „Falk?“
sagte sie erneut, und dem Captain schien, als bebe ihre
Stimme ein wenig.
„Ja, Miss Wickfar?“ Er sah ihr in die Augen. Wie hübsch und frisch sie heute aussah...
Wie gut sie duftete. Wie zauberhaft ihr blondes Haar ihr schmales Gesicht
umspielte.
„Falk“ flüsterte Kat ein drittes Mal. Nun würde sie ihm sagen, wie unbändig ihr
Herz sich nach dem seinen verzehrte, wie inniglich sie spürte, dass sie zu ihm
gehörte und wie stark jede Faser ihres Körpers ihn begehrte. Doch ehe die Worte
über ihre bebenden Lippen kamen, war das Gesicht des Captains plötzlich ganz
nah vor dem ihren. Seine Augen, sein markantes Kinn, sein wunderschön geformter,
männlicher Mund. So nahe, so nahe... Kein Wort mehr nötig, alles war bereits
gesagt, gedacht, gespürt, gehofft.

Langsam und unendlich zärtlich senkte sich Falk Rickmers Mund auf den ihren.
Kat schmiegte sich an ihn und seine Uniform und
erwiderte seinen Kuss mit einer Leidenschaft, die sie bislang
noch nie empfunden hatte. Ihr Innerstes schien zu glühen. Der
Captain zog sie eng an sich. Sein Kuss, der anfangs zart wie ein
Schmetterlingsflügel ihre feuchten Lippen umspielt hatte, wurde heißer und
fordernder. Seine Zunge, die seit Baby Jane keine andere Frau mehr liebkost
hatte, spielte gekonnt und verführerisch mit Kats Lippen. Die
junge Hamburgerin seufzte. Auch Falks Atem wurde schneller und lauter.
„Oh, mein Gott, Kat!“ keuchte er erregt. Die Bewegungen der beiden wurden
leidenschaftlicher. Überall liebkoste Rickmers mit
seinen Händen die Frau, die in seinen Armen dahinschmolz. Ihren ganzen
Körper wollte er küssen, ihr Haar, ihren Hals, ihren wunderschönen Busen unter dem
Seidentop. Wie lange hatte er darauf warten müssen, dass sein wildes Begehren
von einer ihm ebenbürtigen Frau erwidert worden war? 10 Jahre, 15 Jahre? Nun
gab es kein Zurück mehr. Kat und der Captain hatten die Grenze zur Ekstase
bereits überschritten „Oh, oh, ohhh, komm, lass uns in meine
Kapitänskajüte gehen, ganz schnell“ flüsterte er ihr
mit heiserer Stimme ins Ohr.
Die beiden eilten, eng aneinandergeschmiegt, zu Falks
Kabine. Rickmers packte Kat und hob sie über die Schwelle. Doch was war das?
„Aaaaahhh!“ Kat schrie erschrocken auf. Auf dem
Kapitänsbett saß ein verschwitzter Dr. Few Master
wie sein russisches Väterchen Gott ihn geschaffen hatte. Mit einem
Laken versuchte der Schiffsarzt, seine Blöße und die nackte Dame, die
offensichtlich neben ihm lag, zuzudecken.
„Wir stören, Master?“ Falk Rickmers Frage klang bedrohlich wie Donnergrollen.
101. Folge: Der Doktor
in der Steppdecke (von Paula_Tracy)
Dr.
Few Master war im Nu mit der leichten Sommersteppdecke (100 % Wildseide), die
er sich kunstvoll um die Hüften schlang, aufgestanden. Kat
starrte ihn entsetzt an. Was machte dieser Doktor im Bett des Captains? Und...
wer lag auf der anderen Seite? Das wollte Falk Rickmers aber auch wissen. Mit
einem Satz war er auf der anderen Seite des Bettes und schlug die Decke zurück.
Er sah... nichts! Konnte er sich so verguckt haben? „Wo ist sie?“ fragte
Rickmers scharf. „Wer, Captain?“ Dr. Few Master schien irritiert und
verwirrt zu sein. „Na, die Dame, mit der Sie gerade zugange waren. Leugnen Sie
nicht! Ich habe es genau gesehen. Kat, Du... ich meine, Sie haben es doch auch
gesehen?“ „Nun ja“ wich Kat aus. „Es könnte auch eine... optische Täuschung gewesen sein.“ Der
Doktor sah erleichtert aus. „Ich hatte wenig Schlaf die letzten Nächte,
Captain. Ständig Notfälle. Und Ihre Kabine war schon freigegeben. Sie
sagten doch, dass Sie gemeinsam mit den Passagieren und dem Rest der Crew im
Schlafsaal – ich meine im Speisesaal – schlafen wollten. Da
dachte ich, die Gelegenheit wäre günstig...“ Kat konnte nicht mehr an sich
halten. Sie platzte fast vor Lachen. Der entsetzte Dr. Few Master, nur
bekleidet mit einer Steppdecke (100 % Wildseide), leichenblass und verschwitzt, mit einem vor
Zorn glühenden Falk Rickmers vor sich, war schon ein Bild für
Götter. Sie glaubte ihm zwar kein Wort und sie hatte absolut keine Ahnung, wer
die Frau war und wo immer sie auch hin verschwunden war – aber die
Situation war so urkomisch, dass sie nicht
anders konnte. Sie sah Falk Rickmers, der immer noch einen knallroten Kopf
hatte und sichtlich mit seiner Fassung rang, unsicher an. Sollte er so humorlos
sein? – Falk Rickmers war natürlich keineswegs humorlos. Er fand die Situation
auch zum Schießen, wollte sich aber gegenüber seinem Schiffsarzt keine Blöße
geben und lachte erst los, als der Schiffsarzt, mit seiner Steppdecke übereilt
die Kabine verließ. „Hast Du das gesehen? Das gibt es doch nicht! Wo ist sie
nur hin? Hast Du gesehen, wer das war? Oh Kat, entschuldige, die ganze
Stimmung ist dahin, aber ich muss so lachen!“ Kat ließ sich auf das Bett
fallen, zog den Captain zu sich herunter und murmelte: „Ich werde Dich schon wieder in Stimmung
bringen, mein Lieber...“
Draußen ging währenddessen Dr. Few Master – nur mit einer Steppdecke aus 100 %
Wildseide um die Hüften – an Anna Nümosia und der Gräfin vorbei, die ihm beide
sprachlos nachstarrten (und das allein war schon ein Wunder). Eins
war klar: Was das Gesprächsthema heute Abend sein würde!
102. Folge: Ein Freund
wird gesucht (von Paula_Tracy)
Dr.
Few Masters Privatkabine lag ziemlich weit weg von der des Captains, weshalb er
es vorzog, zunächst einmal auf die Krankenstation auszuweichen. An Sir Hilary
und Yeti-Klaus vorbei, die auf Deck ein Pfeifchen rauchten und ihm ebenfalls
verstörte Blicke zuwarfen, Willis Frage nach Mickey ignorierend, erreichte Few
Master inklusive Decke die Krankenstation. Det, die gerade mit dem Zählen der
Medikamente fertig geworden war, prustete sofort los. Doch als sie seinem Blick
begegnete, hatte sie sich sofort wieder in der Gewalt. „Doc, geht es Ihnen
nicht gut? Ka... kann ich etwas für Sie tun?“ „Ja, lassen Sie mich allein, und
zwar sofort!“ knurrte Few Master. „Gern!“ Mit einem Grinsen verschwand Det, und sobald
sie draußen war, wurde sie von Lachen geschüttelt.
Few Master setzte sich an seinen Schreibtisch und legte den Kopf
auf diesen. Mein Gott, war das eine peinliche Situation gewesen! Was dachten
der Captain und Kat nur jetzt von ihm? So etwas war ihm ja noch nie passiert!
Er hatte seinen Job riskiert! Das durfte niemals mehr passieren, dass er so den
Kopf verlor! Und dann hatten ihn auch noch die Gräfin und diese Münchner Witwe
aus der Kabine kommen sehen... Um Sir Hilary und Yeti-Klaus machte er sich
jetzt mal keine Gedanken, auch was Det dachte, konnte ihm egal sein. Mit einer
Steppdecke über das Deck zu wandern, konnte man notfalls noch als exzentrisches Verhalten erklären,
oder? Er musste mit jemandem reden – unbedingt! Aber mit wem? Mit einem Freund!
Aber – hatte er an Bord überhaupt einen Freund? Der Captain schied aus, auch ein
Gespräch mit Fischkrepp oder Gandalf oder einem der Schiffsjungen
wollte er nicht unbedingt führen. Er brauchte einen Freund, einen Mann, der
ähnliches durchgemacht hatte wie er, der ihn verstand... Few Master überlegte
und überlegte... Dann stand er auf, zog weiße Arzthosen und ein passendes Hemd
an und verließ die Krankenstation, das Gejammer von Mickey, der sich auf einer
der Liegen krümmte, überhörend. Ja, er wusste jetzt, wer ihm helfen konnte. Da
kam wohl nur Nobbi in Frage – Nobbi, mit dem er früher nette Gesprächsabende
verbracht hatte, lange bevor die anderen Trolle aufgetaucht waren, Nobbi, der
sich auch verändert hatte und im Grunde nur noch ein Schatten seiner selbst
war. Aber trotzdem – vielleicht war noch etwas von dem alten Nobbi übrig, er
würde das jedenfalls gleich herausfinden und mit ihm ein Gespräch von Mann zu
Mann führen. Hoffentlich war nur diese Patricia nicht in der Nähe – niemals
würde sie das verstehen. Nobbi musste ihm einen Rat geben, er musste einfach!
103. Folge:
Männergespräche [1. Teil] (von Paula_Tracy)
„Der
Doktor scheint ja ein verrückter Kerl zu sein” meinte
Yeti-Klaus. „Erst dachte ich, der sei so einer dieser merkwürdigen und stillen
Exil-Russen, aber ich scheine mich getäuscht zu haben. Haben Sie
das gesehen? Eine Steppdecke um die Hüften – ich wette mit Ihnen, der hatte drunter
nichts an. Was denkt der sich nur dabei, so herumzulaufen?“ Sir Hilary sah
nachdenklich drein. „Er wollte mir erst vor kurzem ein Geheimnis anvertrauen,
aber wir sind leider gestört worden. Er scheint mir wahrhaftig
ein wenig verwirrt. Lassen Sie Ihre Frau besser nicht in seine Nähe.“ „Sie ist
nicht meine Frau“ knurrte Yeti-Klaus. „Aber ich werde ihr heute Abend einen
Antrag machen. Das wäre dann Nummer 14! Wir sind seit 17 Jahren zusammen und
sie sagt immer, dass sie noch Zeit braucht. Schauen Sie mich an, Sir Hilary!
Seit 17 Jahren mache ich mich zum Narren. Was wollen die Frauen nur? Bin ich
nicht der Traum aller Frauen? Ich bin einfühlsam, gutaussehend, kann zuhören,
ich tue doch alles für mein Baby! Ich hätte sogar die Kinder erzogen, wenn wir
welche hätten...“ „Du bist vor allen Dingen eins: eingebildet“ dachte Sir
Hilary und räusperte sich. „Wer weiß jemals, was Frauen wirklich wollen?“
sinnierte er. „Sind wir soft, wollen sie einen Macho. Geben wir uns wie Männer,
wollen sie reden, stundenlang. Und über was für Themen!“ Schiffsjunge Willi
hatte sich zu den beiden gesellt und konnte nicht umhin, auch seinen Senf dazu
zu geben. „Ja, immer wollen sie wissen, was man gerade denkt! Dass die nicht
kapieren, dass wir manchmal gar nicht denken. Oder es zumindest nicht wollen.
Meine Ute war da genauso. Und ständig wollen sie auch wissen, ob man sie liebt.
Als ob ich das immer wüsste!“ „Frauen wollen immer, dass der Mann Humor hat“
sagte Yeti-Klaus. „Aber meine Witze versteht mein Baby nie! Und bei Filmen –
also ich weiß nicht. Leg’ ich den Bully ein, sagt sie, ich habe ein sehr
einfaches Gemüt. Beim Raab will sie auch nicht zuschauen und selbst den
Jauch mag sie nicht.“ „Der Jauch ist ja auch kein Komiker!“ warf Willi ein.
„Auch wenn er sich manchmal für einen hält.“ „Frauen sind ein Mysterium!“
Yeti-Klaus sah nachdenklich auf die ruhige See. „Ich habe mit dem Schnellboot
100 rote Rosen kommen lassen und im Maschinenraum versteckt.
Heino wird heute Abend ein Liebeslied nur für uns beide singen, und ich werde
dann – ganz romantisch – Baby Jane vor allen
einen Heiratsantrag machen. Wie finden Sie das, Sir Hilary? Willi?“
103. Folge:
Männergespräche [2. Teil] (von Helli Gräfin E.)
Yeti-Klaus
sah ihn verständnislos an. „Wie jetzt? Hä? Ich liebe sie doch, und das will ich
ihr beweisen. Was kann daran schlecht sein?“
„Frauen sind notorisch unzufrieden, nie kann
man es ihnen recht machen“ warf der ältere ein. „Und meistens sind sie gerade
vor oder nach ihren Zuständen, da geht es ihnen eh schlecht. Also müssen sie
für den umgekehrten Effekt sorgen. Wenn Sie Ihrem Baby weiter hinterherlaufen,
machen Sie sich nur lächerlich. Zeigen Sie ihr die kalte Schulter, oder besser:
Machen Sie eifersüchtig!“
Auch Willi warf ein: „Haben Sie denn nie das Buch gelesen `Wenn User zu sehr
lieben? `. Ich kann es Ihnen gern mal leihen, wenn ich es mal von Nobbi
zurückbekommen würde.
Sie müssen loslassen. Verabschieden Sie sich von dem
Gedanken, der Beste für Ihr Baby zu sein, dann können Sie nichts mehr
verlieren, nur noch gewinnen. Genau, und eifersüchtig machen finde ich auch
gut. Hier sind doch genug an Bord. Wer weiß, vielleicht finden Sie da noch eine
andere?“
Yeti schnaubte verächtlich. „Hier? Pah! Wen denn? Die
da etwa?“ Er deutete auf die vorbeischwebende Gräfin, die
ihm bisher nur mit dramatischen tränenüberströmten
Auftritten, falsch gesungenen Liedern oder übermäßigen
Alkoholgenuss aufgefallen war. Obwohl, gut aus sah sie ja. Auch
Spitzenklamotten. Und bestimmt ein Prima Bankkonto. Yetis Blicke schweiften auf ihre Füße.
Auch die Größe war ok., ca. 39. Er hasste Frauen mit zu großen Füßen. Aber war
das alles? Kam es darauf an?
„Wieso nicht?“ Hilary schmunzelte: „Die Frau scheint zwar nervlich
stark angegriffen zu sein, irgendetwas ist da mit ihrer Tochter Ninschen, ich stand mal vor
Ihrer Kabine und hörte sie schluchzen. Die ist verschwunden oder hat sich
zumindest was verrenkt und wurde dann von einem russischen Internisten falsch behandelt, anstatt zu
einem Orthopäden zu gehen. Ich weiß es aber nicht genau. Aber die Frau hat Klasse.
Die braucht nur mal, verzeihen sie mir die etwas drastischen Worte, eine etwas
harte Hand, dann funktioniert die auch wieder.“
Der Yeti-Klaus schüttelte sich. Harte Hand? War es das, was
Frauen wollen?
104. Folge: Erstens
kommt es anders, zweitens als man denkt (von Scarlet)
In
der Zwischenzeit wurde im Speisesaal auch alles für die
bevorstehende Nacht vorbereitet, die Matratzen wurden ausgebreitet, Laken und
Decken wurden verteilt, aber ans Schlafen dachte hier noch keiner. Die fidele
Münchnerin und die Gräfin hatten kein anderes Gesprächsthema als den nur mit
Wildseidensteppdecke bekleideten Schiffsarzt, der offensichtlich aus der
Kapitänskajüte geflüchtet war. (Der Gräfin fiel nicht einmal auf, dass sie
Yeti-Klaus und Sir Hilary ständig musterten, so sehr war sie ins Gespräch
vertieft.) Die Damen wussten ja auch von dem Liebesgeständnis, das Kat heute
Abend Falk Rickmers machen wollte und sie hatten die beiden gesehen, als sie
eng umschlungen zu Rickmers Kabine unterwegs waren.
Und dann flüchtete ein halbnackter Few Master aus derselben Kabine? Was war da
nur los? Mit den beiden Damen ging die Phantasie durch, sie malten sich die
wildesten Szenen aus, die da in der Kapitänskabine vorgefallen waren.
Baby Jane und Paula Tracy konnten auch noch keine Ruhe finden, sie beratschlagten unablässig, wie
sie Heinos Comeback verhindern könnten und dazu war es zunächst notwendig,
Hannelores Ankunft zu verhindern. Inzwischen waren den beiden
auch Gerüchte zu Ohren gekommen, dass Heino nicht nur ein Comeback plante,
sondern sogar ein politisches Amt anstrebte! Das
war ja fast noch schlimmer als das drohende
Comeback! Die Tierärztin und ihre Freundin sahen sich also vor eine große
Aufgabe gestellt.
Überall im Speisesaal saßen kleine Menschengrüppchen, die sich
unterhielten und zum ersten Mal seit langem herrschte eine friedliche
Stimmung an Bord der Werderania. Ein paar Leute hatten sich beim Buffet
versammelt, das Ona mit ihren Helfern für den Abend vorbereitet hatte. Die
meisten Platten waren schon so gut wie leer. Es
gab viel frisches Obst, frische Brötchen und Säfte,
außerdem gab es frisch aufgeschnittenen Parmaschinken und Käse, all
das wurde zu Mittag von dem Schnellboot geliefert. Xhosa, Tom, Leo und Miss
Scarlet standen neben dem Tisch mit den kalten Platten
und unterhielten sich. Auch bei ihnen war Kat und der Kapitän das Hauptthema,
von Anna Nümosia hatten sie auch schon erfahren, dass die
beiden in der Kabine des Kapitäns verschwunden waren. Was
würde wohl dort jetzt gerade passieren?
Zum Glück waren die meisten Damen so mit Kats Liebesleben beschäftigt und einige
Herren analysierten noch die Aufräumungsarbeiten nach dem Unwetter und die
dadurch entstandenen Schäden. Arnie steuerte seine Erfahrungen bei, die sich
aber zumeist auf Special Effects beschränkten. So sprach
kaum jemand über Dr. Few Masters Missgeschick, meinte er
zumindest. Er überlegte ernsthaft, ob er überhaupt mit Nobbi sprechen sollte.
Wozu schlafende Hunde wecken? Kat und der Kapitän
waren doch ohnehin das Hauptthema, da würde sein peinlicher Ausrutscher sicher schnell vergessen sein.
Und so verwarf er seinen Plan Nobbi betreffend.
Während sich also im Speisessaal viele der Damen in den schillerndsten Farben
ausmalten, was sich gerade zwischen Kat und Falk
Rickmers in dessen Kabine abspielte, sah es dort ganz anders aus, als sich das
die meisten vorstellten.
Nachdem der Doktor die Kabine des Kapitäns verlassen hatte, fielen sich Kat und
Falk leidenschaftlich in die Arme und als ihr Falk das
Seidentop über den Kopf ziehen wollte, hatte sie plötzlich das Gefühl, als ob
ein ganzes Ameisenvolk über ihren Körper krabbeln würde. Sie löste sich aus der
Umarmung des Kapitäns, der sie erschrocken ansah: „Habe
ich etwas falsch gemacht?“ fragte er sie und im selben Moment
bemerkte er den Ausschlag auf Kats sonst so
makellosem Körper. „Mein Gott, Kat! Du wirst doch nicht allergisch auf mich reagieren?“
fragte er erschüttert. „Nein, Falk, ganz bestimmt nicht, ich
verstehe das auch nicht. Ich habe doch nur geduscht! Ich habe dieses Uschi-Glas-Duschgel verwendet…“, sagte
Kat. Während sie sich umständlich an der Schulter kratzte. „Am besten wir
bringen dich auf die Krankenstation, damit ist nicht zu spaßen!“ sagte Rickmers
voller Sorge. Die beiden machten sich auf den Weg in die Krankenstation, wo der
wimmernde Mickey lag, den scheinbar alle vergessen
hatten. Kat blieb im Arztzimmer sitzen und kratze sich unaufhörlich, während
sich der Kapitän auf den Weg machte, um Det oder den Doktor zu suchen.
105. Folge: Die schwarze
Barbara
(von
Paula_Tracy)
Der
Kapitän ging, so schnell er nur konnte, in
den großen Speiseraum und sah sich suchend um. Typisch, immer wenn man
jemanden brauchte, war er nicht da. Dass Few Master sich bedeckt hielt, konnte
er ja noch verstehen. Ob er ihm eine Abmahnung schreiben sollte? Im Grunde
genommen hatte er es ja verdient! Man stelle sich das nur vor, da schlich sich dieser Mensch einfach in sein Bett!
Und versaute ihm sein Rendezvous. Wahrscheinlich war das nur
die Aufregung, die seine Kat so hatte „aufblühen“ lassen. Das hörte man ja
immer wieder. Da! Da war diese Det! Dann musste sie eben mitkommen, wenn Few
Master nicht auffindbar war...
Few Master atmete auf. Als der Kapitän mit suchendem Blick hereinkam, hatte er
sich hinter dem breiten Rücken des Cessnaritters versteckt, der mit Kaschi fachsimpelte. Wahrscheinlich wollte er ihm
noch eine Abmahnung geben! Da! Jetzt ging er auf Det zu, wollte wahrscheinlich wissen, wo er
war. Er wirkte auch so aufgeregt – Mensch, der musste ja
wahnsinnig wütend auf ihn sein! Endlich verschwanden die beiden, und
Few Master drückte sich unauffällig an der Wand entlang, um den Speisesaal
wieder zu verlassen. Vielleicht sollte er doch mit Nobbi reden, in jedem Fall
war es sicherer bei ihm. Morgen hatte der Kapitän sich vielleicht wieder
beruhigt.
In Heinos Kabine suchte die blinde Passagierin Marjorie Deckard zwischenzeitlich mehrere
Krawatten heraus, um sie dem verehrten Künstler vorzulegen. „Ja, ja, die schönste auf der Welt ist
meine Barbara... Was mir an ihr gefällt, das ist ihr schwarzes Haar!“ sang
Heino – er sang sich stets eine halbe Stunde vor seinen Konzerten ein, und
heute Abend sollte er ja für Yeti-Klaus etwas ganz besonderes singen. Marjorie schloss gequält die
Augen. Dieser Name! Barbara! Die Erinnerungen waren zu schmerzhaft. „Was ist mit
Ihnen?“ fragte Heino sofort. „Seien Sie nicht traurig, Marjorie. Ich weiß, wie
hart es Sie trifft, dass ich morgen von Bord gehe. Auch Miss Jane Rickmers und
Miss Paula Tracy haben es mir schon mehrmals gesagt,
wie leid es Ihnen täte, wenn ich gehe – aber ein Heino muss tun, was ein Heino
tun muss! Bitte weinen Sie nicht!“ Marjorie schluckte, dann schluchzte sie auf. Heino
war jetzt wirklich mehr als besorgt. Er setzte sich mit Miss Deckard auf das
Bett und ließ sie erst einmal weinen. Das machte er mit Hannelore auch immer so
– Frauen mochten das. Auch wenn er nicht immer verstand, warum Hannelore
weinte, aber man musste immer sagen, dass man es verstehen konnte. „Wollen Sie
mir nicht sagen, was Sie bedrückt?“ fragte er vorsichtig, in der Hoffnung, Miss
Deckard würde „nein“ sagen – immerhin fing gleich das Konzert an, das für die
meisten Passagiere eine Überraschung sein würde. Nur
Miss Deckard und Willi waren eingeweiht (und Sir Hilary, aber das wusste Heino
nicht), dass Yeti-Klaus heute Abend seiner Baby Jane einen Heiratsantrag machen
wollte. Doch Miss Deckard schien sich heute Abend
bei ihm ausweinen zu wollen und flüsterte: „Interessiert Sie das wirklich?“
„Aber ja!“ sagte Heino und sah etwas unglücklich aus. „Nun gut.“ Marjorie griff
nach einem von Willi eigens für Heino frisch gebügelten Taschentüchern und putzte
sich erst mal die Nase. „Es ist eine lange Geschichte... Alles begann
in Wien vor 25 Jahren...“
106. Folge: Tränen
passen nicht zu Dir (von Scarlet)
Marjorie
Deckard schüttete Heino unter Tränen ihr Herz aus und
erzählte ihm fast ihre ganze Lebensgeschichte, deren Höhepunkt
eine Affäre mit Albert Fortell war, die tragisch mit der Heirat von
Albert und Barbara endete. Und als Heino zuvor das Lied von der schwarzen Barbara
anstimmte, da war auf einmal wieder alles da. Sie erinnerte sich wieder an
jedes Detail und auch der Grund ihrer Reise wurde ihr wieder mehr als bewusst.
Albert und Barbara erwarteten gerade ihr zweites Kind, als sich Albert wieder
bei Marjorie meldete. Er erzählte ihr etwas von Finanznöten, in denen er sich
anscheinen befand. Er fühlte sich ungerecht
behandelt vom Staat, da man ihm Geld nicht ausbezahlen wollte, dass ihm seiner
Meinung nach aber von Rechts wegen zustehen würde. Und wie sollte er so seine
bald vierköpfige Familie durchfüttern?
Er flehte Marjorie im Namen ihrer langjährigen Freundschaft an, ihre
Beziehungen zum österreichischen Finanzamt spielen
zu lassen und ihm in Gottes Namen zu helfen.
Marjorie war so wütend, als sie Albert deswegen angerufen hatte. Dass er es
wagte, sie um so etwas zu bitten, im Namen der Freundschaft! Freundschaft! Ha! Für ihn war
es jetzt also nur eine Freundschaft? Und was hatte
Gott damit zu tun? Sie könnte Bücher damit füllen, was sie und Albert gemeinsam
erlebt hatten und… Aber das wollte sie Heino jetzt gar nicht so genau erzählen.
Wie auch immer, sie hatte Albert erklärt dass sie ihm nicht helfen würde und
dass sie ohnehin verreisen würde. Albert verfolgte sie bis zum Schiff um sie
weiter in seinem Sinne zu bearbeiten und sie versteckte sich im Maschinenraum der
Werderania. Als sie wieder herauskam, hatte das Schiff bereits abgelegt und sie
hatte kein Ticket.
Als sie Heino an Bord sah, erzählte sie ihm, dass sie für die Dauer seines
Aufenthalts an Bord sein Personal Coach sein würde und dass sie die Kabine mit
ihm teilen würde. Heino war damals ganz gerührt ob dieser Ehre die ihm zuteil
werden sollte und freundete sich schnell mit Marjorie an.
Heino sah ein bisschen erstaunt, als er
jetzt die Wahrheit über Marjorie erfuhr, aber als er sie so aufgelöst da sitzen
sah, konnte er ihr nicht böse sein. Er setzte sich neben sie und legte seinen
Arm um ihre Schulter und meinte: „Tränen passen nicht zu Dir, viel zu schade sind dafür Deine
Augen!! Äh…, das ist zwar nicht von mir, aber es passt gerade so gut, liebste
Miss Marjorie!“
Miss Deckard konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Sie putzte sich die
Nase, bedankte sich bei Heino fürs Zuhören und meinte, dass sie ihn jetzt nicht
länger aufhalten wollte.