7. Staffel

 

 

 

107[a]. Folge: Faule Fische und Intrigen (von Mickey)

Wie gehabt treibt die prachtvolle Werderania vor sich hin, mittlerweile im Mittelmeer. An jenem Morgen überbrachte Fischkrepp dem Kapitän, dem das unendliche Glück ins Gesicht geschrieben stand angesichts der grenzenlosen Liebe zu seiner Gattin in spe Kat, eine Eilmeldung: Schiffsjunge Mickeys Zustand hatte sich dramatisch verschlechtert. Nun litt er endgültig an Verstopfung und hohem Fieber. Wie sollte der hoffentlich nur vorübergehende Verlust des Bediensteten schnellstmöglich ersetzt werden, lautete zu dem Zeitpunkt die berechtigte Frage, bzw. die Meldung. Und wie kam der Schiffsjunge überhaupt in diese besonders harte Situation? Für den heroischen Kapitän Falk Rickmers war der Fall klar und gab daher Fischkrepp die Anweisung den Schiffsarzt zu konsultieren.
Vergessen wären plötzlich die unangenehmen Vorfälle um Dr. Few Master. Er musste jetzt dringend helfen. Es war an ihm jetzt das Richtige zu tun.
Gesagt, getan: Few Master untersuchte Mickey, der von unvorstellbaren Unterleibskrämpfen gepeinigt in seiner Koje lag, aufs Gründlichste. Obwohl dieser kaum ansprechbar war, fragte der Doc ihn aus und
schließlich kam des Rätsels Lösung tatsächlich zutage: Es musste sich um eine Lebensmittelvergiftung handeln.

Zur selben Zeit saßen die liebreizende Kat und ihre Freundin Tapetchen im Speisesaal und frühstückten. Kat
schien jedoch bedrückt zu sein. Auf Tapetchens Frage, wieso Kat nur lustlos mit der Gabel im Rührei herumstocherte, antwortete sie, dass sie sich Sorgen mache um ihren hartnäckigen Ausschlag, der schon seit fast einer Woche andauere. Was stecke wohl dahinter?
Vielleicht war die Ursache eine psychosomati
sche, bedingt durch die Angst eine feste Bindung mit Rickmers einzugehen? Bekam sie unterbewusst kalte Füße? Wollte ihre Psyche ihr vielleicht mit dem Ausschlag mitteilen, dass sie doch noch nicht bereit ist Rickmers zum Gemahl zu nehmen? All diese Fragen beschäftigten Kat allzu sehr und sie bekam aus Verzweiflung keine Bissen mehr herunter.

In der Küche bereitete Ona
schon das Mittagessen vor.
Da fiel Willi etwas Merkwürdiges auf, als er den Boden der Küche mal eben
schnell aufwischte: Ganz unauffällig nahm Ona einen Aal aus der Tüte, wo sich nur die Lebensmittel drin befanden, die überhaupt nicht mehr zum Verzehr zubereitet werden durften und zum Wegwerfen gedacht waren, da diese schon längst nicht mehr frisch gewesen waren. Sie nahm also ganz heimlich diesen offenbar faulen Fisch zur Hand und verwendete ihn doch tatsächlich für das Mittagessen.
Ona merkte nicht, dass Willi das sah, denn er lünkerte nur relativ kurz über einen Stützbalken, so dass sein Gesicht kaum heraus
schaute und Ona dies deshalb nicht auffiel. Dennoch war total unmissverständlich, was er da gesehen hatte. Willi verließ samt Wischmopp und Eimer die Küche, eilte fassungslos zum nächstbesten Matrosen und erzählte diesem fassungslos und total erschüttert von Onas unglaublicher Tat. Der Matrose wiederum meldete es unverzüglich dem Kapitän höchstpersönlich.

Wenig später gab es eine Krisensitzung auf dem Kapitänsdeck:
Anwesend waren der Kapitän, Steward Reggae-Gandalf natürlich, einige weitere wichtige Personen der Crew, die drei Schiffsjungen, ein
schließlich Mickey, der schon auf dem besten Weg der Besserung war, weil seine Magen-Darm-Medikamente gut anschlugen, Kat & Tapetchen und selbstverständlich auch der Doktor.
Alle
schauten Ona an. Der Captain fragte sie mit energischer, geradezu aggressiver Stimme, was bloß in sie gefahren war, wieso sie den Gästen faulen Fisch servieren wollte. Ona begann schließlich ihr Geständnis. Mit zitternder Stimme und ängstlichen Miene legte sie dar, dass an dieser Misere allein Kat Schuld hätte. Ona verkündete ihre Liebe zum Kapitän, konnte es aber nicht ertragen, dass er nun einer anderen gehörte, nämlich Kat. Das Motiv war blanke, giftgrüne Eifersucht und Hass auf ihre Nebenbuhlerin. Sie fügte hinzu, dass der Fisch nur, und wirklich nur für Kat gedacht war, und Mickey, weil er Ona damals verließ, als sie miteinander eine heiße, leidenschaftliche Affäre während eines Aufenthaltes auf den Bahamas hatten. Sie wollte sich damit an ihm rechen, was ja auch, wie wir alle wissen, bestens gelang.
Alle beteiligten waren
schockiert. Sie zählten nun zwei und zwei zusammen und plötzlich fing Anarky an zu schimpfen, als wäre er des Wahnsinns: „Sie ist verantwortlich für Kats Hautauschlag und die Erkrankung meines Freundes Mickey. Ihre faulen Fischmalzeiten waren es! Niederträchtiges Stück! Intrigante Hexe! Sumpfhuhn! Missgünstige Teufelsköchin! Faaaaaaalsche Schlaaaaaangeee!!!!!“ Auf einmal stürmte Anarky los in Richtgung der sitzenden Ona. Nobbi und Det konnten ihn gerade noch festhalten, bevor er, wer weiß was mit Ona anstellen konnte. Schließlich schafften es die Beiden ihn zu beruhigen.
Der Doc
schaltete sich ein: „Na, wenn das so ist, werde ich dir die entsprechende Medizin verschreiben und du bist endgültig deinen Ausschlag los, Kat.“ Man konnte richtig sehen, wie Kat ein tonnenschwerer Stein von ihrem Herzen fiel.
Der Kapitän hatte jetzt das Wort: „Ona, Enttäu
schung ist gar kein Ausdruck für das, was ich soeben empfinde. Du galtest immer als eine ausgezeichnete, loyale und liebenswürdiges Mitglied der Werderania. Ohne frage ist deine Kompetenz als Chefgastronomin keinesfalls in Frage zu stellen. Doch das hier wird schwere Konsequenzen für dich haben, Ona. Das ist dir wohl klar.“
Ona hatte das letzte Wort: „Es war ein unglaublicher Fehler meinerseits. Es tut mir unendlich leid und im Nachhinein
schmerzt mich mein Handeln tief in der Seele. Aber ich kann nicht gegen meine Gefühle zu Ihnen ankämpfen, Kapitän Rickmers. Ich liebe Sie.“ Daraufhin brach sie in Tränen zusammen.

 

107[b]. Folge: Nur ein Traum (von Paula_Tracy)

Mickey stöhnte laut auf und - schlug die Augen auf. Verwirrt sah er in die besorgten Augen von Det und dem Kapitän. „Hey Mickey“ meinte Det. „Du musst ja einen irren Traum gehabt haben. Hast ständig von Ona gesprochen... Na, die scheint Dich ja gewaltig verwirrt zu haben...“ „Ona...“ Mickey war vollkommen verstört und hatte merkwürdigerweise auch keine Schmerzen mehr. "Was ist mit Fräulein Kat?" fragte er. „Dem Ausschlag?“ „Ein bisschen scheinst Du ja doch mitbekommen zu haben“ lachte Det. „Warst wohl im Halbschlaf? Die Spritze wirkt gut, gell? Morgen bist Du komplett wieder auf dem Damm, mein Lieber - wenn Du glaubst, Du kannst Dich drücken, in dem Du hier den Kranken spielst, hast Du Dich gewaltig getäuscht...“ Sie wandte sich wieder an den Kapitän. „Hier ist was los, sag ich Ihnen. Und das mit Kat wird auch wieder, die Salbe ist sehr gut.“ Kat lächelte etwas verunsichert. „Sie wird heute Abend in meiner Kabine bleiben“ sagte Falk Rickmers zu Det. „Wahrscheinlich braucht sie ein wenig Ruhe. Das ist ja auch alles zu viel, was in den letzten Tagen passiert ist.“ 'Das ist nicht nur ihr passiert' dachte Det, doch sie sagte nichts. Zu offensichtlich war, wie der Kapitän zu Kat stand.

In der Tür drehte sich der Kapitän noch einmal um. „Wo ist eigentlich der Doktor?“ Det zuckte die Schultern. „Er war vorhin mal kurz da, aber offensichtlich etwas komi
sch drauf. Vielleicht geht es ihm auch nicht gut.“ „Das kann ich mir denken!“ knurrte der Kapitän. „Sagen Sie ihm, dass ich ihn morgen um neun in meiner Büro-Kajüte erwarte. Danke Det, für Ihren Einsatz. Wann hatten Sie eigentlich die letzte Gehaltserhöhung?“

Det strahlte, als sie sich dem immer noch völlig verwirrten Mickey zuwandte. „Das ist ein Mann, hach! Die Kat hat vielleicht ein Glück. Und Du, mein Kleiner, kannst jetzt auch allmählich aufstehen. Oder spürst Du noch was? Ich geb' Dir noch ein Mittel gegen Verstopfung mit, dann bist Du morgen in jedem Fall wieder einsatzbereit.“ Mickey nahm das Tablettenröhrchen entgegen und wollte auch gerade die Kabine verlassen, als ihm noch etwas einfiel. „Sag mal Det, habe ich noch irgendetwas gesagt im Traum? Von Ona?“ „Nur ihren Namen“ beruhigte ihn Det und verkniff sich den Kommentar, dass ja doch jeder wusste, wie sehr Mickey die Köchin anbetete, die jedoch keinen Blick für den Schiffsjungen hatte. Mickey atmete erleichtert auf. „Wir sehen uns sicher später noch“ verab
schiedete sich Det. „Für Mitternacht hat Ona eine Aalsuppe vorbereitet - iss nicht zuviel davon, es könnte Dir nicht bekommen.“

 

 

108. Folge: Liebesbeweise (von Scarlet)

Während also Mickey von Det auf der Krankenstation „verarztet“ wurde und auch Kat endlich eine Salbe gegen ihren Ausschlag bekam, machte sich Heino für seinen Auftritt fertig. Miss Deckard, die ihm so dankbar war, dass er ihr so geduldig zugehört hatte, band ihm liebevoll die Krawatte um den Hals. Heino erwägte ernsthaft, Marjorie zu seiner persönlichen Assistentin zu machen, sie war ihm mittlerweile sehr ans Herz gewachsen, er würde morgen mit Hannelore darüber sprechen. Hoffentlich würde ihm Willi das nicht übel nehmen, dass er nicht ihn anstellen würde, er hatte immer so einen bemühten Eindruck gemacht.

Im Speisesaal tu
schelten Yeti-Klaus und Sir Hilary immer noch. Yeti-Klaus hatte sich dazu überreden lassen, Baby Jane heute Abend doch keinen Heiratsantrag zu machen, Hilary hatte Recht, er würde ja doch nur wieder einen Korb bekommen, den nächsten dann! Das musste doch nicht sein, nicht vor allen diesen Leuten. Aber die Idee, seinem Baby die kalte Schulter zu zeigen, sie womöglich eifersüchtig zu machen, davon hielt er auch nicht viel, dazu war er nicht der Typ, er war ein aufrichtiger, ehrlicher „grader Michel“. Er musste Jane anders davon überzeugen, dass genau er der Richtige für sie war. Außerdem hatte Yeti-Klaus den Eindruck, dass Sir Hilary selbst ein Auge auf die Gräfin geworfen hatte, mit der er Jane eifersüchtig machen sollte. Der Blick, als Hilary sagte, dass die Frau Klasse hätte und nur eine starke Hand brauchen würde… Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass Hilary da sich selbst meinte, als er von der starken Hand sprach.
Yeti-Klaus überlegte, wie er Baby Jane beeindrucken könnte und kam zu dem Schluss, dass er heute Abend gemeinsam mit Heino singen könnte. Dass Heino auftrete würde, war mit ihm
schon fix besprochen, also müsste er mit ihm nur ausmachen, welche Lieder sie gemeinsam singen könnten. Er, Yeti-Klaus, hatte eine Gesangsausbildung, er konnte nicht einfach nur Jodeln! Das auch, aber er hatte noch wesentlich mehr zu bieten und das wollte er heute Abend beweisen! Yeti-Klaus stand auf, klopfte Hilary auf die Schulter und machte sich auf den Weg, um Heino zu suchen um das weitere Vorgehen mit ihm zu besprechen.

Auf dem Weg zu Heino traf Yeti-Klaus den Kapitän und Kat, die wie zwei verliebte Teenager turtelten und gemeinsam in Rickmers Kabine ver
schwanden. „Gut, der kann mir bestimmt nicht mehr gefährlich werden, der hat nur mehr Augen für Fräulein Kat, der will mein Baby sicher nicht mehr zurück!“ war Klaus zuversichtlich.
In der Kapitäns-Kabine konnte Falk die Hände nicht von Kat lassen, die ständig kicherte, da sie furchtbar kitzlig war. „Falk, lass das!“ kicherte sie und lief ihm davon, er rannte ihr nach und sie versperrte ihm
schnell mit einem Sessel den Weg. Wie Kinder spielten die frisch verliebten „Nachlaufen“ in der Kabine des Kapitäns, bis sich beide lachend und erschöpft auf das Kapitänsbett fallen ließen, wo ihm dann Kat endlich mit den Fingern durch sein dichtes, schwarzes, mit Silberfäden durchzogenes Haar wuschelte. „Das wollte ich vom ersten Augenblick an tun!“ seufzte Kat. „Weißt du was?“, sagte der verwuschelte Rickmers plötzlich erschrocken zu Kat: „Heino wollte heute Abend singen, er hatte etwas Besonderes vor, da sollten wir eigentlich dabei sein!“ Kat war einverstanden, da es ihr mittlerweile schon viel besser ging, Dets Salbe schien den Ausschlag wirklich sehr gut zu lindern, Kat meinte nicht, dass sie Ruhe bräuchte. Außerdem, was sollte sie alleine in Rickmers Kabine machen? Alle anderen und auch ihr Kapitän würden im Speisesaal sein und sie wollte immer in seiner Nähe sein, auch er wollte Kat bei sich haben.
Irgendwie hatten sich die beiden ihren ersten gemeinsamen Abend anders vorgestellt, aber sie wollten das Beste daraus machen. Mit einem Heino-Konzert? Und wie würde De Guy reagieren, wenn er Kat mit dem Kapitän sehen würde,
schoss es Kat durch den Kopf. Plötzlich hatte sie ein flaues Gefühl im Magen, als sie sich auf den Weg in den Speisesaal machten… Schnell ordnete Kat noch Falks zerzauste Locken und er gab ihr dafür einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.

 

 

109. Folge: Der Bordcasanova (von Paula_Tracy)

Kaschi und der Cessnaritter waren baff. Da waren sie gerade mal nach unten in den Maschinenraum gegangen, um im Schaltkreis einer Sonnenbank etwas nachzusehen, und was fanden sie: Jede Menge roter Rosen standen da auf Kaschis Arbeitsplatz, an dem er seine ungeliebten Schreibarbeiten, die ja manchmal auch ein Ingenieur verrichten musste, machte. „Na, Sie haben ja eine heiße Verehrerin!“ grinste der Cessnaritter. „Von wem die wohl sind?“ Kaschi war sichtlich verwirrt. „Das müssen ja mehr als 100 sein. Ich habe keine Ahnung...“ „Jetzt tun Sie nicht so, wahrscheinlich sind Sie der Bordcasanova!“ Kaschi wollte protestieren, aber... irgendwie gefiel ihm dieser Gedanke sehr. „Kommen Sie, ich helfe Ihnen, hier unten haben die Blumen ja kein Licht. Wir bringen sie in ihre Kabine“ schlug der Cessnaritter vor. „Aber warten Sie – da ist ja noch eine Karte! Oh... Na, mein lieber Herr Hallmackenreuther – das lesen Sie bitte selbst... Da ist aber jemand schwer verliebt in Sie. Früher wäre ja keine Frau auf die Idee gekommen, einem Mann Rosen zu schicken, aber heute ist alles möglich. Trotzdem – mögen Sie das? Wenn die Frauen einem nachlaufen? Na, von wem sind die Rosen denn?“


110. Folge: Rosen für die Damen (von Paula_Tracy)

Heino und Yeti-Klaus waren sich erst nicht ganz einig, was sie gemeinsam singen wollten, Heino plädierte für die “Bergvagabunden”, Yeti-Klaus wollte etwas romantischeres, er hatte sich das Bata-Illic-Lied „Dich erkenn’ ich mit verbundnen Augen“ ausgesucht, ließ sich das von Marjorie jedoch schnell ausreden, die fand, dass dies überhaupt nicht zu Heino passte. Nach einer halbstündigen Diskussion meinten beide Männer, Marjorie solle entscheiden. Die grinste nur und meinte, sie wäre der Meinung, Heino sollte einmal seine Hardrock-Seite zeigen, und sie stimme für einen Rockabend. Yeti-Klaus, ein begeisterter Deep-Purple-Fan (eine Art von Musik, die Baby Jane überhaupt nicht mochte), war sofort Feuer und Flamme, meinte aber, da brauchte man schlagkräftige Unterstützung. Doch auch dies hatte die rührige Marjorie bereits gelöst: Gandalf und Fischkrepp persönlich hatten sich bereit erklärt, die beiden zu unterstützen und übten bereits in der Küche. Anarky und Willi waren stinksauer, weil sie wegen Gandalfs Abwesenheit im großen Speisesaal Dienst schieben mussten – aber was tat man nicht alles...

Im großen Speisesaal hatte man währenddessen umgeräumt, die große Tafel war aufgehoben worden, stattdessen hatte man kleine Ti
sche vor die Bühne gestellt, an denen jeweils vier Leute sitzen konnten. Kat und der Kapitän, der Reeder und Miss Scarlett saßen am besten Tisch ganz vorne, äußerst misstrauisch beäugt von De Guy, der mit Mr. Butermaker, der Gräfin und Anna Nümosia einen Tisch teilte. Wieso hatte Kat nicht darauf bestanden, dass er ebenfalls an dem Tisch des Kapitäns Platz nehmen durfte? Wo war Kat eigentlich den ganzen Abend gewesen? Baby Jane, Paula, Arnie und Pete Morgan nahmen sich auch einen gemeinsamen Tisch, wobei Paula erst abwinken wollte, als Pete Morgan sich niederließ, weil sie erwartete, dass Baby Jane einen Platz für Yeti-Klaus freihalten wollte. „Lass mal!“ meinte die ehemalige Miss Österreich. „Wir sind sonst ständig zusammen, der kann sich ruhig mal woanders hinsetzen.“ Arnold Schwarzenegger freute sich sehr über das große Interesse von Mr. Morgan an seinen Filmen und erklärte sich spontan bereit, das noch nicht geschriebene Drehbuch von Pete einem Hollywood-Agenten zu empfehlen. Paula und Baby Jane tuschelten, was sie denn noch versuchen könnten, um Heino auf dem Schiff zu halten (wobei sich Baby Jane schon ein wenig wunderte, warum Paulas Augen ständig abschweiften, als würde sie etwas oder auch jemanden suchen). Himmel, sie hatten eine Mission zu erfüllen! Wo war sie nur mit ihren Gedanken?

Ka
schi, der Cessnaritter, Xhosa und Tom machten noch Platz für Leo, während Lady Patricia, Det, Frau Paulsen und die Kapitäns-Sekretärin, die von allen nur liebevoll „Tapetchen“ genannt wurde, einen reinen „Frauen-Tisch“ bildeten. Sir Hilary zog es vor, gemeinsam mit Prinz Malko an der Bar zu stehen. Die junge Smartie nervte Mia Florentine mit ihren Fragen zu Ferrero-Werbesongs. Det fragte nach Nobbi, doch Lady Patricia winkte viel sagend ab und meinte, er würde gerade einem Freund bei einem Problem helfen. „Mein Nobbi ist so einfühlsam“ schwärmte Patricia, und Det dachte nur, dies sei auch schon anders gewesen – aber Liebe soll Menschen ja komplett umkrempeln.

Während De Guy den Kapitänsti
sch nicht aus den Augen ließ, schweiften Kaschis Augen von einer Frau zur anderen. Wer hatte ihm nur die Rosen auf den Tisch gestellt? Außer Ona waren ja alle Frauen anwesend – die spanische Köchin hatte zwar morgens in der Küche einen interessierten Eindruck gemacht, aber dass sie ihm Rosen schenken würde, wagte er doch zu bezweifeln. Kat schied aus, die hatte nur Augen für den Kapitän, auch Miss Scarlet hatte wohl kein Interesse an ihm. Baby Jane? Hatte sie endlich erkannt, was er für ein toller Typ war? Nach siebzehn Jahren? Das wäre zu schön, um wahr zu sein… Aber er kannte sie: Sie würde ihm das rundheraus sagen, nicht den Umweg über die Blumen machen. Paula? Er begegnete ihrem Blick, doch sie schien durch ihn hindurch zu sehen, offenbar suchte sie etwas – nein, ihn sicher nicht. Xhosa war frisch verliebt in ihren Tom – außerdem hatte er noch kein Wort mit der Ethnologin gewechselt, und auch die Journalistin Leo war ihm praktisch unbekannt. Lady Patricia war glücklich mit seinem Kumpel Nobbi, Frau Paulsen war er sicher zu alt, und Tapetchen war seit hundert Jahren aussichtslos in Fischkrepp verliebt. Tja, wer blieb da noch? Die Gräfin interessierte sich sicher nicht für einen ölverschmierten, verschwitzten Maschinenbullen, und Anna Nümosia hatte ihre Netze nach dem luxemburgischen Prinzen ausgeworfen. Dieser Prinz – irgendwie kam der ihm merkwürdig bekannt vor… Woher kannte er den Typen noch? Er musste mal mit Werder sprechen, der hatte gestern auch so was angedeutet, als kenne er den Prinzen… Kaschis Augen blieben an Det hängen. Sie war die einzige, die übrig blieb. War sie so romantisch, dem Mann ihres Herzens Blumen, ja, sogar rote Rosen zu schenken? Kaschi überlegte. Det war nett, eine richtig nette Kollegin, sehr kumpelhaft, sehr direkt – aber alles andere als romantisch. Wenn er ihr gefiele, würde sie ihn fragen, ob er mit ihr was trinken würde. Er seufzte. Ein einziges Mysterium. Ein Mann würde ihm ja wohl kaum die Rosen geschickt haben. Oder vielleicht doch? Kaschi grübelte und kam zu der Erkenntnis, dass dies nun wirklich nicht sein konnte. Was sollte er nur mit den Rosen machen? Und diese wunderschönen Zeilen… Kaschi stand auf, er hatte eine Idee. Was sollte er mit 100 roten Rosen? Er würde einfach die Rosen aufteilen und jeder Frau auf dem Schiff einige in die Kabine legen – morgen waren diese wieder beziehbar, es wäre doch sicher sehr schön, als kleinen Willkommensgruß einige Blumen zu finden. Man könnte ja nach Sympathie entscheiden, wer mehr und wer weniger bekommen würde. Ja, so würde er das machen. Und er würde jeder Frau eine persönliche Karte schreiben – genau! Etwas Individuelles. Am besten fragte er mal den Doc, der hatte Ahnung von so was. Wo war der eigentlich?

 

111. Folge: Kaschi und Few Master catchen (von Baby Jane und Paula_Tracy)

Während Kaschi im Maschinenraum viele kleine Kärtchen ausschnitt und sich überlegte, was er jeder einzelnen Dame an Bord schreiben könnte (der Doc war nicht aufzufinden gewesen) und die Passagiere mehr oder weniger aufgeregt auf Heinos Erscheinen warteten, hatte Dr. Few Master seinem Freund die Geschichte zumindest ansatzweise erzählt. Nobbi verstand das Problem nicht so wirklich, denn so furchtbar fand er es nicht, dass Few Master versucht hatte, in der Kabine des Kapitäns ein paar Stunden zu entspannen und mal richtig auszuschlafen. Dass der Captain da so ausgerastet war, konnte er gar nicht verstehen. Und schon gar nicht, warum sich Few Master da so große Gedanken machte. Der Doktor war immer noch aufgeregt, versuchte aber trotzdem verzweifelt, Nobbi nicht die ganze Wahrheit zu sagen – wer weiß, was der alles Lady Patricia erzählte! „Weißt Du was, Fewie?“ Nobbi schlug seinem Freund auf die Schulter. „Du brauchst eine Frau! Seit ich Patricia kenne, bin ich wie verwandelt. Patricia versteht mich, wie es noch kein Mensch vorher getan hat… Ich bin ein anderer Mensch geworden, ein besserer! Das ist doch kein Leben, was Du führst! Du solltest heiraten. Soll ich eine Frau für Dich suchen? Wie sollte sie denn sein?“ Die Augen des Arztes begannen zu glänzen. „Sie soll makellos hübsch sein, aber weder zuviel Zeit im Bad, noch im Schönheitssalon verbringen. Sie soll sich perfekt und situationsbedingt sexy kleiden, sie soll alle anderen Männer neidisch machen, aber keinem anderen zulächeln. Sie soll möglichst jung sein, aber trotzdem welterfahren und klug. Sie soll kochen können wie meine Mutter, aber nicht ihre Figur haben...“ Nobbi starrte seinen alten Freund entgeistert an. „Aha“, meinte er dann. „Und Du bildest Dir ein, eine solche Frau auf diesem Schiff finden zu können?“ Der Arzt lächelte. „Nein, das ist ein Traumbild, das ist schon klar. Aber wenn Du mich schon fragst...“ Jetzt musste auch Nobbi lachen – vor Erleichterung, denn er hatte fast begonnen, an seinem Freund ernsthaft zu zweifeln. Dr. Few Master beugte sich zu seinem Freund und flüsterte kaum hörbar: „Wenn ich Dir jetzt etwas erzähle – versprichst Du mir, es niemandem, aber auch wirklich niemandem jemals weiter zu erzählen? Auch nicht Patricia? Es muss unter uns bleiben, Nobbi, wirklich!“ Nobbi hatte seinen Freund noch niemals so erlebt – was war nur passiert? „Erzähl schon!“ Nun war auch Nobbi aufgeregt: „Sag bloß, Du weißt, woher Fräulein Kat diesen merkwürdigen Ausschlag bekommen hat?“ Few Master setzte sich sofort wieder gerade hin. „Ausschlag? Sie hat Ausschlag?“ „Ja, Patricia erzählte es vorhin. Det hat ihr Salbe gegeben, es muss schon besser sein.“ Few Master wurde bleich und schlug sich vor die Stirn. „Ich habe es ihm immer gesagt – er soll dieses verfluchte Vieh endlich... Na warte!“ Er stürmte aus der Kabine, und ließ Nobbi mit der Frage, was ihm der Doc denn auch immer erzählen wollte, allein...

Ka
schi schrak auf. „He, Kollege!“ Dr. Few Masters Augen funkelten bedrohlich, während er den ersten Maschinisten mit einer Hand am Kragen festhielt. In seiner anderen Hand baumelte ein zappelndes Etwas am eigenen Nackenfell. „Das ist doch dein kleiner Freund, was, Kaschi?“ Few Master hielt Kaschi Kater Mikesch vors Gesicht.

“Sicher ist das meiner, Fewie, das weißt du doch!“, knurrte Ka
schi und versuchte sich vom harten Griff des Schiffsarztes zu lösen. „Und lass Mikesch los! Was soll das? Warum trägst du mein Tier hier spazieren?“

Doch Dr. Master zog Ka
schis Kragen enger. „Ich werde dir sagen, was los ist, Kaschi“ wurde er lauter. „Dein streunendes kleines Bürschchen hat uns die Flöhe an Bord geschleppt. Das ist los!“. Few Master schnaufte wild. „Kat, die offizielle Freundin des Captains, musste mit einer antibiotikahaltigen Salbe behandelt werden, weil ich mir ihren Juckreiz nicht erklären konnten!“

Ka
schi schluckte. „Aber ihr Ausschlag kam doch von einem dieser Uschi-Glas-Pflegeprodu...“

„Nein“ fiel ihm Master roh ins Wort. „Ich habe deinen ungeimpften, unkastrierten Streuner untersucht und mit Frau Kats Hautbild verglichen. Dein Mike
sch verteilt verdammte Flöhe auf meine Passagiere!“ Few Masters Stimme überschlug sich, sein Gesicht war Rot vor Zorn, und seine Augen traten gefährlich aus den Höhlen.

„Sag das noch mal...“ Ka
schis Stimme bebte, „Sag noch ein einziges Mal, dass Mikesch…“ Mit einem Ruck riss sich Kaschi von Few Masters Klammergriff los.

Plötzlich spürte er die Faust des Schiffsarztes in seinem Magen. Einmal, zweimal. Ka
schi rang nach Luft.

„Nimm das!“ Der Ma
schinist boxte Few Master zurück. Der Arzt torkelte.
Few Master ging zu Boden.

Cessnaritter, der sich gewundert hatte, wo Ka
schi abgeblieben war und deshalb in den Maschinenraum gegangen war, starrte entsetzt auf die sich prügelnden Männer. Kaschi warf sich auf den Schiffsarzt, drehte ihm die Hände im so genannten eisernen Maschinistengriff über den Kopf und keuchte Few Master ins Gesichte: „Das soll dir eine Lehre sein, elender Schurke. Meinen Kater noch ein einziges Mal anzufassen!“

„Dich habe ich
schon lange im Visier“ knurrte Master. „Wir beide haben ohnehin ein Hühnchen zu rupfen, du weißt schon.“

Da war plötzlich eine aufgeregte Frauenstimme zu hören: „AUSEINANDER“
schrie Miss Tracy. „AUS-EIN-ANDER!“ Und sie schüttete einen Eimer Wasser über die beiden ineinander verkrallten Mittvierziger. „Ihr werdet euer Problem doch ausdiskutieren können wie Erwachsene!“ Miss Tracy war aufgewühlt und entsetzt.

Auch der
schlaue Det war herbeigeeilt und hockte sich sofort zum Schiffsarzt, der in Schweiß gebadet war, um dessen Platzwunde auf der Stirn zu untersuchen. „Wir werden Sie nähen müssen, Master“ murmelte sie besorgt. Miss Tracy setzte den leicht verstört wirkenden Mikesch auf Kaschis Bauch. Mikesch schnurrte.

 

 

112. Folge: Der Doktor als Patient (Paula_Tracy)

„Mensch, Master!“ knurrte Det, als sie ihm als erste Hilfe erst einmal von Kaschis selbstgebranntem Schnaps auf die Wunde tupfte, und Few Master aufschrie. „Was wollten Sie denn mit dieser Nummer bezwecken? Mikesch hat zwar Flöhe, aber Kat eindeutig nicht. Dass Sie auch immer so impulsiv reagieren müssen! Und ich dachte immer, Sie und Kaschi wären Freunde!“ „Sind wir ja auch“ murmelte Few Master. „Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist...“ „Der Captain ist ohnehin schon sauer genug auf Sie, weil Sie nie da sind!“ sagte Det. „Aber ich kriege eine Gehaltserhöhung!“ „Haben Sie ja auch verdient, Det, Liebes!“ krächzte Few Master und schrie wieder auf, als Det ihm noch einen in Alkohol getränkten Wattebausch auf die Wunde legte. „Du musst mir helfen, Paula!“ sagte sie zu der Tierärztin, die sich um den verstörten Kaschi kümmerte, aber immer mit einem Auge zum Arzt schielte. „Glaubst Du, wir müssen nähen?“ Paula kam näher und sah sich die Wunde genauer an, während der Arzt sie mit ängstlichen Augen musterte. Sie nickte ihm aufmunternd zu und meinte: „Nein, meiner Meinung nach ist das gar nicht nötig. Eine große Platzwunde, wird in ein paar Tagen verheilt sein. Jod und ein Pflaster reichen vollkommen.“ Der Arzt lächelte dankbar. Er hatte schon Vertrauen in Paulas medizinische Fähigkeiten, aber wer Tiere behandelte, hatte sicher nicht immer das richtige Händchen bei Menschen.

“Lasst uns die beiden auf die Krankenstation bringen!“ Übernahm Det das Kommando. „Paula, draußen lungerte der Reiseveranstalter rum, hol den rein, er soll mit anpacken.“ Gemeinsam mit Andreas Hansen aus Lübeck brachten Det, Paula und Cessnaritter die beiden Patienten auf die Krankenstation, die wohl nie leer wurde. „Lassen Sie mich mit diesem Wahnsinnigen nicht allein!“ flehte Ka
schi. Er sah Paula an. „Lassen Sie nicht zu, dass er Mikesch etwas tut!“ Paula lachte. "Keine Angst, er wird niemandem etwas tun. Ich bleibe hier, und Det sicher auch, oder?“ Det nickte, hatte sie doch endlich einen Grund, dem Heino-Konzert zu entgehen. „Aber, ganz ehrlich, Kaschi: Mikesch sollten wir endlich impfen. Und entwurmen auch. Ich verstehe nicht, warum Sie das nicht längst getan haben.“ „Na gut, aber tun Sie ihm bitte nicht weh“ bat Kaschi. „Ich mache das, ist eine gute Übung für mich!“ bot sich Det an. „Paula, machst Du die Narkose?"“

Cessna hatte in der Zwi
schenzeit neuen Schnaps in die Krankenstation gebracht und goss allen Anwesenden ein Glas ein. „Auf den Schreck!“ lachte er. Sogar Andreas Hansen griff zu, nicht ohne den Cessnaritter misstrauisch zu beobachten - immerhin war das ein Flieger, der Feind sozusagen. „Würde es sehr stören, wenn wir bleiben?“ flüsterte Cessna Det zu. „Ich meine...“ „Auch kein Heino-Fan?“ Det grinste. „Wenn es den Doc und Kaschi nicht stört - von mir aus.’ne Fete auf der Krankenstation hatten wir schon lange nicht mehr. Und Sie könnten die Streithähne trennen, falls es noch mal dazu kommt...“

Ganz entkamen die sechs auf der Krankenstation dem Heino-Konzert zwar doch nicht, aber das ist eine andere Ge
schichte...

 

 

113. Folge: Heino backstage (von Baby Jane)

In seiner Kabine stand Heino vor dem Spiegel seines kleinen Spinds. Er trug schwarze Kunstlederhosen und eine schwarze Knautschlackjacke. Darunter ein Hemd mit breitem Kragen, das einen V-Ausschnitt seiner alabasterfarbenen Brust freigab. Einige weiße Brusthaarlöckchen lugten vorwitzig heraus. Heino transpirierte unmäßig in seiner Rockmusikerkluft.

“Smoke on se woter, feuerrr in se skai“ memorierte Heino in
schlechtem Englisch den Text des Liedes, das er zum Besten zu geben gedachte. Marjorie Deckard tupfte Heinos Schweißstirn mit einem Tuch ab und wiederholte zum xten Mal: „The water, nicht 'se', Heino“. Fürsorglich nahm sie dem Barden die Brille ab, reinigte sie mit einem Brillentüchlein und setzen sie ihm wieder auf. Ja, Marjorie Deckard wirkte bereits recht routiniert im Umgang mit ihrem neuen Arbeitgeber.

“Und jetzt sing das ganze mal!“ ermunterte sie ihn. „Aber achte auf dein ti eit
sch!“

Heino warf sich in Positur, strich sich noch kurz durch sein Haar, das ihm Miss Deckard flott zurückgegeelt hatte, und hob an:

“Smoke on se woter, feuerrr in se sakiii…“ Sein Bass dröhnte in der Kabine. „Isses okay so, Marjorie?“ fragte er.

Pudel Chrisquito saß in einer Ecke und jaulte. Hoffentlich ging der blonde Typ bald auf die Bühne.

 

 

114. Folge: Erkenntnisse (von Paula_Tracy)

Auch in der Küche war einiges los. Mangels eines Schlagzeugs hatte sich Gandalf der Kochtopfdeckel bedient und klapperte wild damit herum, während Fischkrepp angestrengt auf der bei dem sehr musikalischen Doktor ausgeliehenen Gitarre übte. Ona hätte die beiden am liebsten rausgeschmissen, doch einzig und allein die Küche bot einen gewissen Schallschutz, so dass die Passagiere nichts mitbekamen. „Eine bessere Dämmung täte gut“ dachte Ona und nahm sich vor, den Reeder bei nächster Gelegenheit auf diese Investition anzusprechen.

Nobbi wunderte sich – wo war nur Few Master so
schnell hin? Das war doch nicht normal – sprang einfach auf und rannte raus. Gerade, wo es spannend wurde. Was hatte er ihm nur erzählen wollen? Mit Fräulein Kat schien es ja nichts zu tun zu haben, so aufgeregt wie der plötzlich war. Vielleicht sollte er einfach mal schauen, wo er war. Nobbi schlüpfte in die von Patricia liebevoll mittels Serviettentechnik bedruckten Filzpantoffeln und machte sich auf den Weg in die Krankenstation – dort, wo sie früher immer so nette Gespräche geführt hatten, lange bevor es Patricia in seinem Leben gegeben hatte, und lange, bevor die Schiffstrolle kamen und das Niveau auf der Werderania so unerträglich sank.

Der Auftritt von Heino verzögerte sich offenbar – die Passagiere wurden allmählich unruhig. Auch Yeti-Klaus, in seinem besten bordeauxfarbenen Samtanzug (mit blassblauen Biesen abgesetzt, sehr
schick, wirklich), wurde langsam ungeduldig. Aber da Paula unerklärlicherweise verschwunden war, konnte er sich ja zu seinem Baby ein wenig an den Tisch setzen. Baby Jane plauderte sehr interessiert mit Arnie und Pete Morgan und nahm ihn gar nicht wahr. Beleidigt nahm Yeti-Klaus sich vor, sie ebenfalls mit Nichtachtung zu strafen. Sir Hilary hatte bestimmt Recht – nur mit Desinteresse erreichte man Interesse.

Auf der Krankenstation hatte Det den Kater inzwi
schen geimpft und entwurmt. Danach hatte sie erst einmal genug und brauchte einen Schnaps. Auch Cessna und Andreas Hansen hatten diesem schon kräftig zugesprochen, Paula beherrschte sich, falls man ihre ärztliche Hilfe noch brauchte – der Doktor war ja erst mal außer Gefecht. Cessna und Andreas redeten sich die Köpfe über die Vor- und Nachteile der Fliegerei heiß – fast wäre es zu einer Prügelei gekommen, doch Det überredete die streitbaren Männer zu einer Runde Mau-Mau. „Männer haben so ein einfaches Gemüt“ dachte sie, als sie die Karten mischte. „Paula, kommst Du? Zu viert macht es noch mehr Spaß!“ Paula wischte den beiden Patienten den Schweiß von der Stirn und schüttelte den Kopf. „Nein, Det – ich bleibe lieber bei den beiden. Ich dachte, man könnte ihnen vielleicht was vorlesen. Hat der Doktor was Passendes im Schrank?“ „Außer Fachbüchern nur Rilke“ sagte Det leichthin. „Aber Kaschi steht mehr auf Abenteuerromane.“ Paula zuckte. Rilke?

„Men
sch, Fewie!“ Nobbi eilte zum Krankenbett seines Freundes. „Hier bist Du! Und Kaschi – Du auch? Was ist denn passiert?“ „Nobbi!“ flüsterte Kaschi. „Nobbi, jetzt weiß ich es!“ „Was weißt Du?“ fragte Nobbi verwirrt. „Nobbi, Du musst Werder holen! Ich muss Werder unbedingt etwas sagen! Mir ist gerade eingefallen, woher ich diesen Prinzen kenne! Der hat mich damals beim Länderspiel gefoult und unsere Mannschaft um den Sieg gebracht! Nobbi, hol’ Werder! Bitte!“

Und während Nobbi in den großen Speisesaal lief, um den Reeder zu holen, erkannte De Guy dort endlich, dass er Kat an den Kapitän verloren hatte. Zu vertraut ihre Gesten, zu eindeutig das Getu
schel der anderen. Die beiden waren ein Paar! Was hatte er nur falsch gemacht? Wie konnte er Kat zurückgewinnen? Wie konnte er den Kapitän ausschalten? Ihn vor Kat lächerlich machen? Er musste sich etwas ausdenken, und zwar schnell!

 

 

115. Folge: Der Auftritt (von Scarlet)

Als Nobbi im Speisesaal ankam, warteten schon alle ungeduldig auf Heinos Auftritt. Nicht, dass sie alle so erpicht auf seinen Gesang waren, eher das Gegenteil war der Fall! Man wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Alle Augen richteten sich gespannt auf Nobbi, der aber kein Wort über das bevorstehende Konzert verlor, sondern sich an den Reeder wandte und mit dem tuschelte, immer wieder zeigte er irgendwohin, aber wohin? Was konnte das bedeuten? War das Konzert womöglich abgesagt?
Werderaner
schüttelte den Kopf und machte eine Handbewegung über das Publikum und deutete Nobbi irgendetwas, was die Anwesenden nicht recht zu interpretieren wussten. Resignierend drehte sich Nobbi um und verließ den Saal wieder, um alle von der Krankenstation in den Speisesaal zu holen, wie es ihm der Reeder soeben aufgetragen hatte.

In der Krankenstation war man nicht sonderlich begeistert von der Idee, nun doch beim Heino-Konzert anwesend sein zu müssen. Gut, einige hatten genügend Schnaps zu sich genommen, sodass sie es besser ertragen würden. Warum hatte Nobbi nicht einfach gesagt, dass der Doc
schwer verletzt war und nicht kommen konnte? Aber was soll’s, schweren Herzens beschloss man, in den Speisesaal zu gehen und dem Schicksal ins Auge zu blicken. Paula, die unter dem Vorwand Lesestoff zu suchen den Bücherschrank des Schiffsarztes durchsuchte, stellte das Rilke Buch, das sie gerade nach einem bestimmten Gedicht durchgeblättert hatte mit klopfendem Herzen wieder zurück. An einer Seite war eine Ecke umgebogen, aber welche Seite war es? Sie würde wohl noch einmal zurückkommen müssen, um das festzustellen, aber eigentlich war sie sich ziemlich sicher, was sie auf diese Seite finden würde.
Der Doktor bestand darauf, dass Dr. Tracy nicht von seiner Seite weichen dürfte, da er sich einem Heino-Konzert ohne ärztlichen Beistand – und sei es „nur“ der einer Tierärztin – nicht gewachsen fühlte. Er hakte sich bei ihr ein, als sie in den Speisesaal gingen und Paula musste innerlich lachen. „Männer! Wegen einem kleinen Kratzer…“ dachte sie und tat, was Männer in einer solchen Situationen von einer Frau erwarteten, sie bemitleidete ihn.

Mittlerweile waren wirklich so gut wie alle im Speisesaal versammelt, auch der noch gesundheitlich leicht ange
schlagene Mickey war da. Er war immer noch etwas verwirrt, dass ihm sein Unterbewusstsein einen derartigen Streich gespielt haben soll. Es war doch alles so realistisch! War Ona wirklich in den Kapitän verliebt? War sie für immer für ihn verloren? Oder hatte ihm sein Traum nur seine Angst, keine Chance bei Ona zu haben vor Augen geführt? „Ach Ona!“ entfuhr es Mickey. Erschrocken sah er sich um, ob ihn auch ja niemand gehört hätte, er schüttelte den Kopf, verwundert über sich selbst. Er hätte nicht gedacht, dass ihn die unerfüllte Liebe zu Ona so mitnehmen würde.
Zum Glück hatte keiner Mickeys Stossseufzer mitbekommen, da in der Zwi
schenzeit Heino endlich die Bühne betreten hatte und alle Augen gespannt auf ihn gerichtet waren, hatte er doch gerade eine große Überraschung angekündigt. Was würde das wohl für eine Überraschung sein, fragten sich alle im Publikum und Paula Tracy und Baby Jane hofften inständig, dass er nicht sein Comeback damit meinte. Die Damen warfen sich verschwörerische Blicke zu.

Die Stimmung im Saal war recht gelöst, alle saßen in fri
scher Werderania-Arbeitskleidung, die ihnen noch einmal vor dem Abendessen ausgehändigt wurde an den Vierer-Tischen, im Speisesaal lagen Matratzen auf dem Boden verteilt herum. Irgendwie sah es aus wie ein Galaabend bei einem großen Pfadfinderlager, es fehlte nur noch ein Lagerfeuer.

Jetzt wollte Heino seine Überra
schung auf die Bühne holen und Baby Jane fürchtete, dass es Hannelore womöglich schon früher als geplant auf die Werderania geschafft hatte. Dass jedoch Yeti-Klaus die Bühne betreten würde, damit konnte keiner rechnen! Was wollte er da oben? War er die Überraschung? Was zum Teufel hatte er vor? Wollte er sich mit seinem Gejodel lächerlich machen?

Klaus betrat in seinem bordeauxfarbenen Samtanzug die Bühne. Eigentlich sah er wirklich gut aus, überhaupt neben Heino wirkte er großartig, fand Baby Jane.
Was würde als nächstes passieren fragten sich in dem Moment alle…

 

 

116. Folge: To all the girls I’ve loved before (von Baby Jane)

„Test, Test. Sprechprobe. Eins zwo drei.“ sagte Heino und klopfte aufs Mikrophon. Eine kurze Rückkoppelung dröhnte durch den Saal. Miss Scarlet, neben der Cessnaritter Platz genommen hatte, verdrehte die Augen. Das würde ja heiter werden ... „Sehr geehrte Damen und Herren“, moderierte Heino weiter: „Wir freuen uns, Ihnen heute auf unserer Werderania im Beisein des Reeders“ H.-G. Werderaner stand kurz auf und deutete eine Verneigung an, „eine Show der Extraklasse bieten zu können. Neben mir, hochverehrtes Publikum, sehen Sie jemanden, der eine Bühnenpremiere feiert!“ Heino zeigte auf Yeti-Klaus und begann zu klatschen. „Eben noch auf dem Passagierdeck, jetzt auf unserer Showbühne: Yeti-Klaus!“ Auch das Publikum spendete dem sympathischen Mitpassagier, dessen Bühnenoutfit ihn vorteilhaft kleidete, höflich Applaus. Schiffjunge Willi pfiff begeistert. So klasse hatte Heino noch nie ausgesehen wie heute in seiner enganliegenden Lederkluft, die aufs Reizendste mit seinem blassen, edlen Teint korrespondierte!

Marjorie Deckard, am Technikerpult sitzend, verdunkelte den Saal und richtete zwei kreisrunde Spots auf die beiden Männer auf der Bühne. De Guy, der am Klavier saß, griff in die Tasten.
Ein kurzes Vorspiel, eine romantische Einleitung und los ging’s:

Heino: To all se girls I've loved before
Yeti-Klaus: Who travelled in and out my door
Heino: I'm glad sey came along. I dedicate sis song, to all se girls I've loved before

Yeti-Klaus: To all the girls I once caressed
And may I say I've held the best (Blick zu Baby Jane)
For helping me to grow
I owe a lot I know
To all the girls I've loved before

Heino: Se winds of change are always blowing
And every time I try to stay
Se winds of change continue blowing
And sey just carry me away.

Heino and Yeti-Klaus together:
To all the girls who shared my life
Who now are someone else's wives
I'm glad they came along
I dedicate this song
To all the girls I've loved before.

Tosender Applaus und Jubel füllte den Saal. Was für ein Duett! Was für Stimmen! Was für eine Explosion der Gefühle! Einige Damen im Publikum wischten sich Tränen der Rührung aus den Augen. Willi und Mickey schluchzten ergriffen. Rickmers küsste Kat, Anna Nümosia weinte an Gräfin Ermakovas Schulter, und Cessnaritter legte seine Hand zart, sehr, sehr zart und vorsichtig auf die seiner Tischnachbarin. Scarlet errötete. Dr. Few Master wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augen. Das war noch schöner als jedes Rilke-Gedicht! Seine Augen suchten Paula Tracy. Doch wo war sie? Der Sessel, auf dem er sie noch vor Minuten hatte sitzen sehen, war leer. Nur Paulas blauer Seidenschal hing einsam über der Lehne. War sie weggegangen, um etwas zu holen? Master stand auf, um Paula Tracy suchen zu gehen. Außerdem wollte er zu seiner Kabine. Ihm schien, als hätte er vergessen, sie abzuschließen.

Arnold Schwarzenegger, unberührt von der immensen Gefühlsintensität der Darbietung, klat
schte fröhlich und schlug sich dann ausgelassen auf die Schenkel. „Wonderful, great, fantaastisch“ schrie er. Baby Jane, die sich für ihren Landsmann ein wenig genierte, klatschte ebenfalls für Heino und Yeti-Klaus. Doch ihre Augen waren traurig und tränenverschleiert...

 

 

117. Folge: Düstere Entdeckungen (von Baby Jane)

Dr. Few Master erhob sich und verließ den Saal. Kurz trat er aufs Promenadendeck, atmete die kühle, salzige Abendluft ein und genoss einen Moment der Stille. Möwe Laura gurrte, Wellen klatschten rhythmisch an den Schiffsrumpf und von ferne hörte er das Nebelhorn eines anderen Schiffes. Seine melancholische russische Seele liebte Augenblicke wie diese. Alles ruhte, alles war friedlich, auch sein Herz. Das gütige Licht des vollen Mondes schien heute nur für ihn zu leuchten.

Dann machte er sich auf, um in seine Kabine hinunterzugehen. Er griff nach dem Türknauf - und tatsächlich! Er hatte vergessen abzu
schließen. Few Master trat ein. Hatte er auch vergessen, das Licht auszuknipsen?

Was war das? Der Arzt zuckte zusammen und drehte sich um. Hinter ihm hatte es geknir
scht. „Oh mein Gott, Paula, Miss Tracy! Was machen denn Sie hier? Sie haben mich zu Tode erschreckt!2 Die junge Tierärztin versuchte eilig, eines seiner Bücher wieder ins Regal zu schieben...

 

 

118. Folge: Der Tag der Rache (von Paula_Tracy)

Der Applaus wollte schier nicht enden! Noch immer verbeugten sich Heino und Yeti-Klaus und immer noch forderten die Zuschauer eine Zugabe – womit das erfolgreiche Duo natürlich gerechnet hatte. Wozu hatten sie denn noch eine Deep-Purple-Nummer eingeübt? De Guy verließ nun die Bühne, zitternd vor Wut und Enttäuschung – er hatte schließlich genau gesehen, wie der Kapitän seine Kat geküsst hatte. Vor lauter Aufregung hatte er falsche Töne angeschlagen, doch bei den großartigen Stimmen von Heino und Yeti-Klaus war das komplett untergegangen. Gandalf und Fischkrepp betraten nun die Bühne, und alle warteten gespannt auf das, was nun kommen würde.

Werderaner platzte ebenfalls fast vor Wut über diesen unmöglichen Typen, diesen Bruchpiloten, diesen Cessnaritter, der glaubte, seine Miss Scarlet betat
schen zu können. Und die – dumm wie Frauen nun mal waren – fühlte sich auch noch geschmeichelt! Das war doch wieder typisch Ösi! Wie wankelmütig die doch waren. Noch gestern Abend unter dem Küchentisch hatte Miss Scarlet ihm gestanden, dass sie nur auf diesem Schiff sei, weil sie unter Flugangst leide. Und dann machte sich ausgerechnet ein Möchtegern-Pilot an sie heran. Und hatte sie ihm nicht auch gestanden, dass sie ihn ziemlich unsympathisch fand, weil er immer so lospolterte und unfreundlich war? Es verging doch kein Tag, an dem er nicht einen Wutanfall bekam – meistens allerdings dann, wenn Smartie den Mund aufmachte. Da sollte doch alles aufhören – der versuchte es doch schon wieder! Jetzt wollte er wohl den Arm um sie legen. Na warte – der.... Mist. Jetzt setzte sich ein völlig aufgeregter Kaschi neben ihn. Kaschi, sein Jugendfreund, mit dem er bereits in der Jugendnationalmannschaft gespielt hatte – wenn auch nur einmal. Werderaner erinnerte sich wie gestern – obwohl es mehr als 30 Jahre her war...

Das Jugendländerspiel gegen Luxemburg! Ka
schi war Mittelstürmer, ein großes Talent, und auch er, Werderaner, war als Spielmacher weit über die Grenzen des kleinen Bundeslandes Bremen bekannt. Und weil sie sich so gut ergänzten, wurden sie gemeinsam für das wichtige Qualifikationsspiel gegen Luxemburg aufgestellt. Die Deutschen waren den Luxemburgern natürlich weit überlegen, keine Frage! Aber irgendwie schaffte es dieser kleine Verteidiger namens Ramon (der angeblich ein echter Prinz war, aber das erfuhr Werderaner erst später) immer wieder, Kaschis Tordrang zu stoppen. Noch bis zur 89. Minute stand es 1:1, als Kaschi Werderaners Pass aufnahm und wie ein brasilianischer Ballkünstler nach vorne dribbelte... Er wollte gerade zum Schuss ausholen, da... fiel er hin. Dieser Mistkerl Ramon hatte ihn auf das übelste gefoult! Die Zuschauer schrieen „Elfmeter“, und der Schiedsrichter wies sofort auf den Punkt. Werderaner flüsterte Kaschi nur noch zu: „Ich mach ihn rein!“ – lief an – und... verschoss. Werderaner sank auf den Rasen nieder und schwor sich, niemals wieder Fußball zu spielen – zu groß war die Schmach. Sollte dieser Ramon jemals wieder unter seine Augen treten – dann Gnade ihm Gott! Kaschi wurde am Knie operiert, Werderaner begab sich dagegen in psychologische Behandlung. Kaschi versuchte, weiterhin Fußball zu spielen, doch für die Nationalmannschaft wurde auch er niemals mehr nominiert. Prinz Ramon hingegen spielte bis zu seinem 17. Lebensjahr weiterhin in der Jugendnationalmannschaft, danach verlor sich seine Spur... Werderaner schreckte auf. „Werder, hast Du mir zugehört?“ „Was ist denn, Kaschi?“ Werderaner war schon etwas genervt, weil Cessnaritter immer noch seine Griffel nicht von Scarlet ließ. „Ich weiß jetzt, woher ich den Prinz kenne. Der nennt sich zwar jetzt Malko – aber.... Du hast doch auch gesagt, dass er Dir bekannt vorkam. Werder, das ist...“ „Ramon!“ entfuhr es Werderaner und Scarlet und Cessna starrten ihn erstaunt an. Wer war Ramon? „Komm mit!“ Werderaner stand auf. „Komm Kaschi, der Tag der Rache ist gekommen!“

Vorne begannen Heino und Yeti-Klaus zu rocken, in Few Masters Kabine lasen Paula und der Schiffsarzt sich gegenseitig Gedichte vor – und hier würde gleich das Schicksal eines luxemburgi
schen Prinzen besiegelt sein...

 

Ach ja, Malko fühlte sich langsam so richtig wohl auf diesem Schiff, auch wenn diese Anna Nümosia offenbar einen wahren Narren an ihm gefressen hatte. Eigentlich gefiel ihm ihre Freundin, die Gräfin, sehr viel besser – es war ja immer besser, der Adel blieb unter sich. Aber diese Münchnerin war ja angeblich steinreich. Die stank vor Geld! Und er konnte eine kräftige Finanzspritze gut gebrauchen. Jetzt, wo sein Verein einen neuen Torwart brauchte und die Ablösesumme für Oliver Kahn von Bayern München (ja, wir sind verurteilt worden, wir müssen den FC Bayern München bis zum Ende der Novela mindestens fünfmal wohlwollend erwähnen – unglücklicherweise sollen diese wohlwollenden Bemerkungen ausgerechnet Prinz Malko, H.-G. Werderaner, Kaschi, Arnold Schwarzenegger und Fischkrepp in den Mund gelegt werden, heute ist also Malko dran) nicht aufbringen konnte. Dabei war ihm Uli Hoeneß, der sympathische Vertreter des Weltklasse-Vereins, schon mehr als entgegengekommen. Aber er konnte die 24 Millionen beim besten Willen nicht auftreiben. Doch wenn die reiche Witwe ihm das Geld geben könnte... Dann würde er auch mal in den sauren Apfel beißen. „Eine tolle Vorstellung!“ schwärmte Sir Hilary. „Baby Jane Rickmers muss sich unendlich geschmeichelt fühlen. Diesem Yeti-Klaus hätte ich das niemals zugetraut. Und Sie?“ Malko schrak zusammen. Wovon redete der Mann? Ach, von dieser armseligen Vorstellung. Er hatte in seiner aktiven Zeit bei Radio Luxemburg schon besseres gehört, aber was verstand dieser Hercule-Poirot-Verschnitt schon davon? Was wusste er überhaupt von seinem Leben – von seinen Hoffnungen, seinen Leiden? Ein großer Fußballstar wollte er werden. Mit siebzehn musste er jedoch leider seine aktive Fußballerkarriere beenden, er hatte sich einen komplizierten Schienbeinbruch zugezogen, und danach wollte das Bein nicht mehr so wie er. Ob das die späte Rache für das Foul an dem jungen Kaschi Hallmackenreuther war? Nein, so was gab es doch nicht, oder? „Haben Sie das vorhin auch mitgekriegt?“ Andreas Hansen stellte sich zu den beiden Männern an die Bar. Er schien schon leicht angesäuselt zu sein, Sir Hilary wäre bei dieser Fahne fast umgefallen. „Der Schiffsarzt und der Ingenieur haben sich im Maschinenraum geprügelt.“ „Ging es um eine Frau?“ fragte Sir Hilary neugierig. „Nein, ich glaube, um einen... Ka... um einen Ka... um eine Katze!“ lallte Andreas. „Die werden auch immer verrückter!“ lachte Sir Hilary. „Dieser Kaschi Hallmackenreuther ist sowieso etwas merkwürdig...“ Malko zuckte zusammen und starrte Sir Hilary entsetzt an. „Wie heißt er?“ „Kaschi Hallmackenreuther!“ wiederholte Sir Hilary. „Ein saublöder Name, nicht?“ „Wo ist er?“ Unruhig gingen Malkos Augen hin und her. „Na dort, er hat sich gerade zu dem Reeder gesetzt“, Sir Hilary schüttelte den Kopf. Dieser Prinz war ja noch verrückter als der Ingenieur und der Schiffsarzt zusammen! „Die beiden sollen alte Freunde sein, habe ich gehört. Haben mal zusammen in der Jugendnationalmannschaft gespielt, glaube ich.“ Malko fasste Sir Hilary am Kragen, so dass der kleine Mann ein wenig die Bodenhaftung verlor und nach oben gehoben wurde. Entsetzt riss Sir Hilary die Augen auf. Ja, dieser Prinz war eindeutig verrückt! Schon damals, als er die Satellitenschüssel am obersten Mast befestigt hatte, hatte er das geahnt – aber niemand hatte ihm geglaubt. „Wie heißt er? Der Reeder, meine ich!“ „Na, das müssen Sie doch wissen, das steht doch auf den Rettungsringen!“ mischte sich Willi ein, der Andreas Hansen nachgoss. „Die Brandungsfelsen Reederei gehört H.-G. Werderaner, genauso wie die Bremer Sonnenbank-Fabrik, die Werderaner-Spülmaschinenwerke, die...“ Malkos Gesicht wurde immer verzerrter, vor allen Dingen, als sich plötzlich zwei Augenpaare auf ihn richteten, von denen er gehofft hatte, dass sie das niemals mehr tun würden... Und als Kaschi und Werderaner aufstanden, wusste er, dass sein Schicksal besiegelt war...

 

 

119. Folge: So sind sie, die Männer (von Helli Gräfin E.)

Zwischen Kaschi und dem Reeder bedurfte es nicht vieler Worte. Der Tag der Vergeltung war da: „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“ war daher auch das einzige, was Werderaner in die atemlose und ansonsten stecknadelfallenhörende Stille zischte.
Gleichzeitig begannen die beiden Männer an zu tänzeln, ein eingespieltes sich ohne Worte verstehendes Männerduo, und dem kleinen Sir Hilary, der
schutzsuchend in einer Ecke verschwand, schoss durch den Kopf, das es höchste Zeit wäre, Synchronboxen als Sportart zu etablieren.

Dem Prinzen trat der Schweiß auf die spärlichen Haare. Was tun? Er war auf einem Schiff, verdammt, und
schwimmen konnte er eher schlecht, und dann auch noch so weit?
Getreu der Überzeugung, wenn ich keinen sehe, sieht mich auch keiner, zog er sein Jackett über den Kopf und rannte wie ein Berserker gegen das Feindespaar.
Diese, da sie sich mittlerweile doch sehr, wenn nicht allzu sehr eingtänzelt hatten, standen sie nicht fest auf dem Boden und fielen einfach um, nicht ahnend, dass der Bösewicht von einst den Ring fluchtartig verließ anstatt sich dem fairen Kampf zu stellen.

Während Ka
schi und der Reeder schweratmend übereinander lagen und versuchten, sich zu entwirren, rannte der Prinz ziellos zum Promenadendeck, wohin sollte er nur und ihm rannen tatsächlich Tränen der Angst die Wangen hinunter.

Er prallte wie in Trance gegen einen Ti
sch und spürte, dass ihm ein halbgefülltes Martiniglas gegen das Gesicht flog, weiter, nur weiter, als ihn eine starke kräftige Hand packte und kaum versah er sich, hatten ihn Frau Nümosia auf seinen Schoß gezogen und drückte ihn an ihren schweren mit Juwelen behängten Busen.

“Ja mei, wohin des Wegs, Prinz Drosselbart?“ trällerte sie, nicht unangenehm nach einer Mi
schung aus Shalimar von Guerlain und Martini duftend, und ihr stählerner Griff ließ keine Fluchtbewegungen zu. Der Prinz wehrte sich auch nicht lange, nein, übermächtig wurde sein Wunsch, an ihre Brust zu sinken und dort erst mal zu bleiben, was für eine Frau, und dann auch noch reich.
Aber in diesem Moment standen
schon die Verfolger vor dem Tisch der reichen Münchnerin.

„Geben Sie ihn heraus“ rief der Reeder. „Und gehen Sie bitte auf Ihre Kabine, verehrte Frau Nümosia. Dies ist eine Angelegenheit, die nur Männer etwas angeht!“

„Pah“ meinte die Münchnerin gelassen und
schenkte sich mit einer Hand einen weiteren Martini in das Glas ein, das sie wieder aufgehoben hatte, während sie mit der anderen es schaffte, den Prinzen nicht nur zu halten, sondern ihn gleichzeitig im Nacken zu kraulen, so dass er, verschüchtert wie er zunächst war, sich anfing zu recken wie ein junger Hund.
„Zwei gegen einen geht gar nicht, und außerdem, was soll denn
schon gewesen sein, Ihr habt ihm doch einen Schrecken eingejagt, sogar in die Hose gemacht hat er sich (sie tätschelte ihm beruhigend den Kopf), das kriegen wir aber schnell, nun ist`s doch gut. Trollt Euch“ und sie wedelte mit ihrer beringten Hand die beiden fort.
Die Männer gehorchten, widerwillig zwar, aber der Ton der Münchnerin ließ einfach keinen Widerspruch zu.

Schweigend verließen sie das Deck, blieben an der Reling stehen. Keiner wusste so recht, was zu sagen ist, sollte es das gewesen sein? „Ich hab ja immer gesagt, ist ein blöder Pisser, der Ramon“ meinte der Reeder
schließlich. Nach einem weiteren kurzen Schweigen sahen sich beide schelmisch an und stippten sich in die Seite, bis sie in schallendes Gelächter ausbrachen. Schließlich legte der Reeder dem kleineren Kaschi den Arm um die Schulter und zog eine Tüte "Nimm zwei" heraus.
Was sind
schon Fußballkarrieren gegen eine wahre Männerfreundschaft?

 

 

120.[a] Folge: Was für ein Tag (von Paula_Tracy)

Mittlerweile hatten sich die anderen auch an Deck begeben – das war ja viel spannender als der Auftritt von Heino und Yeti-Klaus! Umso enttäuschter waren die Gesichter, als es dort nicht den erwarteten „Kampf der Giganten“ gab. Kat war jedoch erleichtert – so ein wundervoller Abend hätte nicht mit einem weiteren Blutvergießen enden dürfen. „Können wir nicht doch in Deine Kabine gehen?“ schnurrte sie dem Captain ins Ohr, denn sie sah, wie De Guy suchend nach ihr Ausschau hielt. Nein, sie war nicht feige – und morgen würde sie auch ganz sicher mit ihm reden -, aber diesen Tag wollte sie sich unter keinen Umständen mit tränenreichen Ausbrüchen verderben. Sie war sicher, dass De Guy weinen würde. Wie hatte sie sich nur in dieses Weichei verlieben können? Hatte sie nicht von Anfang an gewusst, dass nur Falk Rickmers für sie bestimmt war? Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen – sie hatte es sich nur nicht eingestehen wollen. Aber, was würde die Zukunft bringen? Sie hatte die neue Stelle in Texas, und Falk schipperte auf den Weltmeeren umher. Wie passte das zusammen? Fragte wahre Liebe danach?

Falk Rickmers war natürlich einverstanden – was hätte ihm besseres passieren können an diesem Abend, als mit der bezaubernden Kat in seiner Kabine ver
schwinden zu können? Trotz allem schaute er sich noch einmal um: Verflixt, wo war Master schon wieder? Na ja, noch einmal würde er es sicher nicht wagen, in seiner Kabine „auszuschlafen“.

Die anderen gingen nun zurück in den großen Speisesaal, wo Yeti-Klaus und Heino immer noch sangen, ja vor lauter Begeisterung noch nicht einmal aufgehört hatten, zu singen. „So
schlecht finde ich ihn gar nicht“, brüllte Scarlet Baby Jane zu. „Was habt Ihr nur gegen ein Comeback?“ Baby Jane zuckte die Schultern, sie verstand keinen Ton bei der Lautstärke. Kaschi und Werderaner kamen herein, sie lachten noch immer und stellten sich gemeinsam an die Bar, um mit einem Werderaner-Pils anzustoßen. Vergessen waren Ramon, Scarlet und Baby Jane – beide schwelgten in Erinnerungen an goldene Jugendtage.

„Lasst uns tanzen!“ rief die Gräfin, die mindestens acht von Anna Numösias Martini-Cocktails getrunken hatte. Willi und Anarky hatten alle Hände voll zu tun, die Ti
sche zusammenzuschieben, damit eine kleine Tanzfläche entstand. Danach gab es kein Halten mehr: Die Crew und Besatzung der Werderania tanzten zu Musik von Deep Purple, Elvis Presley, den Rolling Stones, Bata Illic und Heino (proudly performed by Heino and Yeti-Klaus) bis in die Morgenstunden. Nur Prinz Malko traute sich nicht wieder rein – aber er hatte ja Gesellschaft (die Witwe Nümosia fand übrigens, dass eine Ablösesumme von 24 Millionen für einen wirklich guten Torwart nicht zuviel wäre). Kat und ihr Kapitän tanzten nur den Walzer der Liebe, und was Paula und der Schiffsarzt machten, entzieht sich der Kenntnis der Autorin.

War das ein Tag gewesen! Als sich endlich gegen vier Uhr morgens alle auf ihre Matratzen legten, ließ Baby Jane den Tag noch einmal Revue passieren. Erst das Wasserballspiel, dann hatte es fast eine Katastrophe gegeben, dann war Arnie aufgetaucht, das wundervolle Konzert... Kat und der Kapitän waren endlich vereint (warum war sie, Baby Jane, nur deshalb so traurig), dann die Beinahe-Prügelei zwi
schen Malko, Kaschi und dem Reeder... Was würde wohl der morgige Tag bringen? Moment! Morgen sollte ja Hannelore kommen – an die hatte sie die letzten Stunden gar nicht gedacht. Sie wollte doch mit Paula einen Schlachtplan austüfteln. Paula – ja, Mensch, wo war sie eigentlich? Die war doch seit mindestens 6 Stunden verschwunden... Baby Jane setzte sich auf. Da war doch wohl hoffentlich nichts passiert! Das war doch gar nicht ihre Art! Ob sie auf Deck war? Vielleicht trank sie mit Anna Nümosia und dem Prinzen einen Martini? Oder brauchte eines der Tiere ihre Hilfe? Baby Jane stieß Yeti-Klaus in die Seite. „Kommst Du mit?“ flüsterte sie. „Ich mache mir Sorgen um Paula. Such Du mal auf Deck, ich sehe mal in den Kabinen nach.“ Auf Zehenspitzen verließen Baby Jane und Yeti-Klaus den großen Speisesaal, nicht ohne Mickey, der nahe der Tür lag, unabsichtlich einen Tritt zu verpassen. Doch der murmelte nur „Ona“ und schlief weiter. Es war auch für ihn ein anstrengender Tag gewesen.

 

 

120.[b] Folge: Die Schlafenden (von Baby Jane)

Auf leisen Sohlen huschte Baby Jane den Gang entlang, der zu den Kabinen der Crewmitglieder führte. Es war dunkel, und sie musste sich an den Wänden entlang tasten. Doch da! Ein heller Lichtschein unter einer der Türen! Baby Jane schlich näher. Beinahe stolperte sie über ein weißes Paar Ledersandaletten, wie sie früher im Ostblock für Krankenhauspersonal hergestellt worden waren. Leichter, sehr leichter Schweißgeruch strömte ihr entgegen – jemand hatte sein Schuhwerk wohl zwecks Entlüftung draußen stehen lassen. Kein Zweifel – sie befand sich eindeutig vor der Kabine des Schiffarztes. Die Tür war nur leicht angelehnt, und die Österreicherin lugte durch den offenen Spalt in den kleinen Raum.

Das un
schuldige Bild, das sich ihr bot, rührte Baby Jane zutiefst. Getaucht in den warmen Schein einer Leselampe saßen Dr. Few Master und Dr. Tracy am Boden der Kabine. Die beiden Kollegen lehnten inmitten von Büchern, in denen sie geblättert hatten, mit dem Rücken am Bücherregal des Arztes und schliefen. Masters Kopf ruhte ein wenig auf Miss Tracys Schulter, er atmete tief und ruhig. In seiner Hand hielt er einen in ukrainisches Yakleder gebundenen Gedichtband. „Rainera Mariowa Rilkelowitsch“ las Baby Jane am Buchrücken, und weiter: „Poetska romantikov amorischnikov“. Auch Miss Tracy schlief den süßen, tiefen Schlaf der Gerechten. Baby Jane nahm eine Wolldecke von Few Masters Bett und deckte die beiden fürsorglich zu. Einen letzten wohlwollenden Blick auf die schlafenden Medizinerkollegen - dann knipste sie die Leselampe aus und zog sich ebenso leise wieder zurück wie sie gekommen war. Durch das Bullauge von Masters Kabine drang bereits das erste Licht des neuen Tages.

 

 

121. Folge: Alte Liebe rostet nicht (von Scarlet)

Die restlichen Stunden dieser Nacht verliefen für alle an Bord angenehm. Dr. Few Masters schlief in seiner Kabine friedlich an der Schulter von Dr. Paula Tracy, im Speisesaal herrschte nach dem furiosen Heino-Yeti-Konzert auch endlich Ruhe und Kat hatte sich mit ihrem Kapitän in dessen Kabine zurückgezogen, wo sie die traute Zweisamkeit genossen.
Eine Weile hörte man im Speisesaal noch leises, undeutliches Flüstern, wer hatte da wohl noch etwas zu besprechen? Immer wieder konnte man die Worte „Äkt
schn“, „Special Effects“ und „Hollywood“ hören. Doch bald herrschte Stille, die danach nur noch einmal kurz von einem „Ona!!!!“ gebrochen wurde, anscheinend träumte Mickey…
Baby Jane zerbrach sich währenddessen den Kopf, wie man Hannelores morgige Ankunft noch verhindern könnte, doch je länger sie nachdachte, umso weniger fiel ihr etwas Brauchbares ein, da würde nur noch ein Wunder helfen. Sie hätte Paulas Hilfe wirklich gebraucht.
Als sie an Paula dachte,
schweiften ihre Gedanken ab: Wie sie so friedlich neben Dr. Master lehnte und schlief, mit dem Rilke-Buch in der Hand… Eigentlich hatte sie selbst mit ihrem Yeti-Klaus doch auch großes Glück. Waren sie vor 17 Jahren nicht auch so verliebt gewesen wie jetzt Kat und der Kapitän oder Xhosa und Tom? Hatten sie nicht auch solche romantischen Stunden erlebt wie Paula und der Schiffsarzt? Und Klaus war immer für sie da, wenn sie ihn brauchte, was sie von ihrem Ex-Mann, Falk, nicht gerade behaupten konnte. Vorhin, als sie Klaus gebeten hatte mit ihr nach Paula zu suchen, hatte er da auch nur eine Sekunde gezögert? Nein. Er war sofort aufgestanden und ist mit ihr mitgekommen. Auch das Konzert heute Abend, gemeinsam mit Heino… Gut, es war nicht unbedingt die Musik, die sie, Baby Jane bevorzugte, aber letztendlich war ihr klar, dass Klaus das alles nur für sie getan hatte. Für sie hatte er es riskiert, sich vor allen hier an Bord lächerlich zu machen aber das Gegenteil war passiert: Er hatte die Herzen aller gewonnen – und er hatte ihres, Baby Janes, wieder gewonnen! Das wurde ihr in diesem Moment klar. Sie drehte sich zu dem Mann um, den sie seit nunmehr 17 Jahren liebte. Er lag friedlich schlummernd neben ihr, sein gütiges Gesicht wurde bereits vom sanften Licht des anbrechenden Tages beschienen. Sie strich ihm sanft mit dem Handrücken über die unrasierte Wange während sie leise seinen Namen murmelte, dann senkte sie ihren Kopf, schloss die Augen und schlief schließlich ein. Mit einem leisen Lächeln auf den Lippen öffnete Klaus die Augen und betrachtete sein schlafendes Baby Jane, froh darüber, dass er nicht die Ratschläge der anderen Männer befolgt hatte…

 

 

122. Folge: Krisensitzung (von Paula_Tracy)

Während im großen Speisesaal die Passagiere und Crewmitglieder den Schlaf des Gerechten schliefen und Yeti-Klaus und Baby Jane nach der vermissten Freundin suchten, wollen wir unser Augenmerk etwa 1000 Seemeilen weiter nach Osten richten, genauer gesagt, nach Köln, wo sich der Krisenstab der Griefs-Harperath-Schönfeldt-tvforen-corporations spontan zusammengefunden hatte. Die Einnahmen der erfolgreichen Firma waren dramatisch gesunken, seitdem Kat ihre Werbetexte nicht mehr verfasste. Auch die Nachfolgerin, Smartie Vampir, hatte sich nicht als der große Treffer heraus gestellt. Offenbar wollte sie ihre Verbindungen nur nutzen, um immer an die neuesten Werbesongs zu kommen – und seit ein paar Tagen war sie merkwürdigerweise auch spurlos verschwunden. Die Geschäftsführung dachte ernsthaft an eine fristlose Kündigung und hatte die Angelegenheit bereits dem bekannten Rechtsanwalt Heinz Lehmann übergeben, der ein Schulfreund von Kat war.

Die drei jungen Ge
schäftsführer redeten sich seit Stunden die Köpfe heiß, aber es gab offensichtlich keine nahe liegende Lösung. „Wir hätten Sie aufhalten müssen“, „Sie wollte doch immer eine Gehaltserhöhung“, „Wir haben sie nicht genügend gelobt“, „Können wir nicht mit der Firma in Texas reden und sagen, sie hat geklaut“ – so ging es wild durcheinander. Bis einer von Ihnen auf den Tisch schlug und rief: „Wir müssen sie zurückholen! Ich habe schon mit der Reederei Brandungsfelsen telefoniert. Morgen früh wird das Schwesternschiff der Werderania aus Hamburg ausschiffen, die „Zozza“. Das ist ein hochmodernes Schnell-Dampfschiff, mit dem wir die Werderania innerhalb von 24 Stunden eingeholt haben. Einer von uns wird morgen an Bord sein und Kat überzeugen, zurück zu kommen.“ Die beiden anderen starrten ihn sprachlos an. Dass sie darauf auch nicht von selbst gekommen waren! Natürlich. Frauen waren ja so einfach strukturiert. Ein paar Komplimente, 50 Euro Gehaltserhöhung – und schon lief das wieder mit der Werbung! Und dann konnte man auch endlich an die Neustrukturierung der Firma gehen, die jetzt schon seit Monaten anstand – Zeit wurde es.