7. Staffel
107[a]. Folge: Faule Fische und
Intrigen
(von
Mickey)
Wie
gehabt treibt die prachtvolle Werderania vor sich hin, mittlerweile im
Mittelmeer. An jenem Morgen überbrachte Fischkrepp dem Kapitän, dem
das unendliche Glück ins Gesicht geschrieben stand
angesichts der grenzenlosen Liebe zu seiner Gattin in spe Kat, eine Eilmeldung:
Schiffsjunge Mickeys Zustand hatte sich dramatisch verschlechtert. Nun litt er
endgültig an Verstopfung und hohem Fieber. Wie sollte der hoffentlich nur
vorübergehende Verlust des Bediensteten schnellstmöglich ersetzt
werden, lautete zu dem Zeitpunkt die berechtigte Frage, bzw. die Meldung. Und
wie kam der Schiffsjunge überhaupt in diese besonders harte Situation? Für den
heroischen Kapitän Falk Rickmers war der Fall klar
und gab daher Fischkrepp die Anweisung den Schiffsarzt zu
konsultieren.
Vergessen wären plötzlich die unangenehmen Vorfälle um Dr. Few Master. Er
musste jetzt dringend helfen. Es war an ihm jetzt das Richtige zu tun.
Gesagt, getan: Few Master untersuchte Mickey, der von unvorstellbaren
Unterleibskrämpfen gepeinigt in seiner Koje lag, aufs Gründlichste. Obwohl
dieser kaum ansprechbar war, fragte der Doc ihn aus und schließlich kam des
Rätsels Lösung tatsächlich zutage: Es musste sich um eine
Lebensmittelvergiftung handeln.
Zur selben Zeit saßen die liebreizende Kat und ihre Freundin Tapetchen im
Speisesaal und frühstückten. Kat schien jedoch bedrückt zu
sein. Auf Tapetchens Frage, wieso Kat nur lustlos mit der Gabel im Rührei
herumstocherte, antwortete sie, dass sie sich Sorgen mache um ihren
hartnäckigen Ausschlag, der schon seit fast einer
Woche andauere. Was stecke wohl dahinter?
Vielleicht war die Ursache eine psychosomatische, bedingt durch die
Angst eine feste Bindung mit Rickmers einzugehen? Bekam sie unterbewusst kalte
Füße? Wollte ihre Psyche ihr vielleicht mit dem Ausschlag mitteilen, dass
sie doch noch nicht bereit ist Rickmers zum Gemahl zu nehmen? All diese Fragen
beschäftigten Kat allzu sehr und sie bekam aus
Verzweiflung keine Bissen mehr herunter.
In der Küche bereitete Ona schon das Mittagessen
vor.
Da fiel Willi etwas Merkwürdiges auf, als er den Boden der Küche mal eben schnell aufwischte: Ganz unauffällig
nahm Ona einen Aal aus der Tüte, wo sich nur die Lebensmittel drin befanden,
die überhaupt nicht mehr zum Verzehr zubereitet werden durften und zum
Wegwerfen gedacht waren, da diese schon längst nicht mehr
frisch gewesen waren. Sie nahm also ganz heimlich
diesen offenbar faulen Fisch zur Hand und
verwendete ihn doch tatsächlich für das Mittagessen.
Ona merkte nicht, dass Willi das sah, denn er lünkerte nur relativ kurz über
einen Stützbalken, so dass sein Gesicht kaum herausschaute und Ona dies
deshalb nicht auffiel. Dennoch war total unmissverständlich, was er da gesehen
hatte. Willi verließ samt Wischmopp und Eimer die
Küche, eilte fassungslos zum nächstbesten Matrosen und erzählte diesem
fassungslos und total erschüttert von Onas
unglaublicher Tat. Der Matrose wiederum meldete es unverzüglich dem Kapitän
höchstpersönlich.
Wenig später gab es eine Krisensitzung auf dem Kapitänsdeck:
Anwesend waren der Kapitän, Steward Reggae-Gandalf natürlich, einige weitere
wichtige Personen der Crew, die drei Schiffsjungen, einschließlich Mickey, der schon auf dem besten Weg
der Besserung war, weil seine Magen-Darm-Medikamente gut anschlugen, Kat &
Tapetchen und selbstverständlich auch der Doktor.
Alle schauten Ona an. Der Captain fragte sie mit
energischer, geradezu aggressiver Stimme, was bloß in
sie gefahren war, wieso sie den Gästen faulen Fisch servieren wollte. Ona
begann schließlich ihr Geständnis. Mit zitternder
Stimme und ängstlichen Miene legte sie dar, dass an dieser Misere allein Kat
Schuld hätte. Ona verkündete ihre Liebe zum Kapitän, konnte es aber nicht
ertragen, dass er nun einer anderen gehörte, nämlich Kat. Das Motiv war blanke,
giftgrüne Eifersucht und Hass auf ihre Nebenbuhlerin. Sie fügte hinzu, dass der
Fisch nur, und wirklich nur für Kat gedacht war,
und Mickey, weil er Ona damals verließ, als sie miteinander eine heiße, leidenschaftliche Affäre
während eines Aufenthaltes auf den Bahamas hatten. Sie wollte sich damit an ihm
rechen, was ja auch, wie wir alle wissen, bestens gelang.
Alle beteiligten waren schockiert. Sie zählten
nun zwei und zwei zusammen und plötzlich fing Anarky an zu schimpfen, als wäre er
des Wahnsinns: „Sie ist verantwortlich für Kats Hautauschlag und die Erkrankung
meines Freundes Mickey. Ihre faulen Fischmalzeiten waren es!
Niederträchtiges Stück! Intrigante Hexe! Sumpfhuhn! Missgünstige Teufelsköchin!
Faaaaaaalsche Schlaaaaaangeee!!!!!“ Auf einmal stürmte
Anarky los in Richtgung der sitzenden Ona. Nobbi und Det konnten ihn gerade
noch festhalten, bevor er, wer weiß was mit Ona anstellen konnte. Schließlich schafften es die Beiden
ihn zu beruhigen.
Der Doc schaltete sich ein: „Na, wenn das so ist, werde
ich dir die entsprechende Medizin verschreiben und du bist
endgültig deinen Ausschlag los, Kat.“ Man
konnte richtig sehen, wie Kat ein tonnenschwerer Stein von ihrem
Herzen fiel.
Der Kapitän hatte jetzt das Wort: „Ona, Enttäuschung ist gar kein
Ausdruck für das, was ich soeben empfinde. Du galtest immer als eine
ausgezeichnete, loyale und liebenswürdiges Mitglied der Werderania. Ohne frage
ist deine Kompetenz als Chefgastronomin keinesfalls in Frage zu stellen. Doch
das hier wird schwere Konsequenzen für dich haben, Ona. Das
ist dir wohl klar.“
Ona hatte das letzte Wort: „Es war ein unglaublicher Fehler meinerseits. Es tut
mir unendlich leid und im Nachhinein schmerzt mich mein
Handeln tief in der Seele. Aber ich kann nicht gegen meine Gefühle zu Ihnen
ankämpfen, Kapitän Rickmers. Ich liebe Sie.“ Daraufhin brach sie in Tränen
zusammen.
107[b]. Folge: Nur ein
Traum (von Paula_Tracy)
Mickey
stöhnte laut auf und - schlug die Augen auf.
Verwirrt sah er in die besorgten Augen von Det und dem Kapitän. „Hey Mickey“
meinte Det. „Du musst ja einen irren Traum gehabt haben. Hast ständig von Ona
gesprochen... Na, die scheint Dich ja gewaltig
verwirrt zu haben...“ „Ona...“ Mickey war vollkommen verstört und hatte
merkwürdigerweise auch keine Schmerzen mehr. "Was ist mit Fräulein
Kat?" fragte er. „Dem Ausschlag?“ „Ein bisschen scheinst Du ja doch
mitbekommen zu haben“ lachte Det. „Warst wohl im Halbschlaf? Die Spritze wirkt
gut, gell? Morgen bist Du komplett wieder auf dem Damm, mein Lieber - wenn Du
glaubst, Du kannst Dich drücken, in dem Du hier den Kranken spielst, hast Du
Dich gewaltig getäuscht...“ Sie wandte sich
wieder an den Kapitän. „Hier ist was los, sag ich Ihnen. Und das mit Kat wird
auch wieder, die Salbe ist sehr gut.“ Kat lächelte etwas verunsichert. „Sie
wird heute Abend in meiner Kabine bleiben“ sagte Falk Rickmers zu Det. „Wahrscheinlich braucht sie
ein wenig Ruhe. Das ist ja auch alles zu viel, was in den letzten Tagen
passiert ist.“ 'Das ist nicht nur ihr passiert' dachte Det, doch sie sagte
nichts. Zu offensichtlich war, wie der Kapitän zu Kat stand.
In der Tür drehte sich der Kapitän noch einmal um. „Wo ist eigentlich der
Doktor?“ Det zuckte die Schultern. „Er war vorhin mal kurz da, aber
offensichtlich etwas komisch drauf. Vielleicht
geht es ihm auch nicht gut.“ „Das kann ich mir denken!“ knurrte der Kapitän.
„Sagen Sie ihm, dass ich ihn morgen um neun in meiner Büro-Kajüte erwarte.
Danke Det, für Ihren Einsatz. Wann hatten Sie eigentlich die letzte
Gehaltserhöhung?“
Det strahlte, als sie sich dem immer noch völlig verwirrten Mickey zuwandte.
„Das ist ein Mann, hach! Die Kat hat vielleicht ein Glück. Und Du, mein
Kleiner, kannst jetzt auch allmählich aufstehen. Oder spürst Du noch was? Ich
geb' Dir noch ein Mittel gegen Verstopfung mit, dann bist Du morgen in jedem
Fall wieder einsatzbereit.“ Mickey nahm das Tablettenröhrchen entgegen und
wollte auch gerade die Kabine verlassen, als ihm noch etwas einfiel. „Sag mal
Det, habe ich noch irgendetwas gesagt im Traum? Von Ona?“ „Nur ihren Namen“
beruhigte ihn Det und verkniff sich den Kommentar, dass ja doch jeder wusste,
wie sehr Mickey die Köchin anbetete, die jedoch keinen Blick für den
Schiffsjungen hatte. Mickey atmete erleichtert auf. „Wir sehen uns sicher
später noch“ verabschiedete sich Det. „Für
Mitternacht hat Ona eine Aalsuppe vorbereitet - iss nicht zuviel davon, es
könnte Dir nicht bekommen.“
108. Folge:
Liebesbeweise (von Scarlet)
Während
also Mickey von Det auf der Krankenstation „verarztet“ wurde und auch Kat
endlich eine Salbe gegen ihren Ausschlag bekam, machte sich
Heino für seinen Auftritt fertig. Miss Deckard, die ihm so dankbar war, dass er
ihr so geduldig zugehört hatte, band ihm liebevoll die Krawatte um den Hals.
Heino erwägte ernsthaft, Marjorie zu seiner persönlichen Assistentin zu machen,
sie war ihm mittlerweile sehr ans Herz gewachsen, er würde morgen mit Hannelore
darüber sprechen. Hoffentlich würde ihm Willi das nicht übel nehmen, dass er
nicht ihn anstellen würde, er hatte immer so einen bemühten Eindruck gemacht.
Im Speisesaal tuschelten Yeti-Klaus und Sir Hilary immer noch.
Yeti-Klaus hatte sich dazu überreden lassen, Baby Jane heute Abend doch keinen
Heiratsantrag zu machen, Hilary hatte Recht, er würde ja doch nur wieder einen
Korb bekommen, den nächsten dann! Das musste doch nicht sein, nicht vor allen
diesen Leuten. Aber die Idee, seinem Baby die kalte Schulter zu zeigen, sie
womöglich eifersüchtig zu machen, davon hielt er auch nicht viel, dazu war er
nicht der Typ, er war ein aufrichtiger, ehrlicher „grader Michel“. Er musste
Jane anders davon überzeugen, dass genau er der Richtige für sie war. Außerdem
hatte Yeti-Klaus den Eindruck, dass Sir Hilary selbst ein Auge auf die Gräfin
geworfen hatte, mit der er Jane eifersüchtig machen sollte. Der Blick, als
Hilary sagte, dass die Frau Klasse hätte und nur eine starke Hand brauchen
würde… Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass Hilary da sich selbst
meinte, als er von der starken Hand sprach.
Yeti-Klaus überlegte, wie er Baby Jane beeindrucken könnte und kam zu dem
Schluss, dass er heute Abend gemeinsam mit Heino singen könnte. Dass Heino
auftrete würde, war mit ihm schon fix besprochen,
also müsste er mit ihm nur ausmachen, welche Lieder sie gemeinsam singen
könnten. Er, Yeti-Klaus, hatte eine Gesangsausbildung, er konnte nicht einfach
nur Jodeln! Das auch, aber er hatte noch wesentlich mehr zu bieten und das
wollte er heute Abend beweisen! Yeti-Klaus stand auf, klopfte Hilary auf die
Schulter und machte sich auf den Weg, um Heino zu suchen um das weitere
Vorgehen mit ihm zu besprechen.
Auf dem Weg zu Heino traf Yeti-Klaus den Kapitän und Kat, die wie zwei
verliebte Teenager turtelten und gemeinsam in Rickmers Kabine verschwanden. „Gut, der kann
mir bestimmt nicht mehr gefährlich werden, der hat nur mehr Augen für Fräulein
Kat, der will mein Baby sicher nicht mehr zurück!“ war Klaus zuversichtlich.
In der Kapitäns-Kabine konnte Falk die Hände nicht von Kat lassen, die ständig
kicherte, da sie furchtbar kitzlig war. „Falk, lass das!“ kicherte sie und lief
ihm davon, er rannte ihr nach und sie versperrte ihm schnell mit einem Sessel
den Weg. Wie Kinder spielten die frisch verliebten
„Nachlaufen“ in der Kabine des Kapitäns, bis sich beide lachend und erschöpft auf das
Kapitänsbett fallen ließen, wo ihm dann Kat endlich mit den Fingern durch sein
dichtes, schwarzes, mit Silberfäden durchzogenes Haar wuschelte. „Das wollte ich
vom ersten Augenblick an tun!“ seufzte Kat. „Weißt du was?“, sagte der verwuschelte Rickmers
plötzlich erschrocken zu Kat: „Heino wollte heute Abend
singen, er hatte etwas Besonderes vor, da sollten wir eigentlich dabei sein!“
Kat war einverstanden, da es ihr mittlerweile schon viel besser ging,
Dets Salbe schien den Ausschlag wirklich sehr gut
zu lindern, Kat meinte nicht, dass sie Ruhe bräuchte. Außerdem, was sollte sie
alleine in Rickmers Kabine machen? Alle anderen und auch ihr Kapitän würden im
Speisesaal sein und sie wollte immer in seiner Nähe sein, auch er wollte Kat
bei sich haben.
Irgendwie hatten sich die beiden ihren ersten gemeinsamen Abend anders
vorgestellt, aber sie wollten das Beste daraus machen. Mit einem Heino-Konzert?
Und wie würde De Guy reagieren, wenn er Kat mit dem Kapitän sehen würde, schoss es Kat durch den
Kopf. Plötzlich hatte sie ein flaues Gefühl im Magen, als sie sich auf den Weg
in den Speisesaal machten… Schnell ordnete Kat noch Falks zerzauste Locken und
er gab ihr dafür einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.
109. Folge: Der
Bordcasanova (von Paula_Tracy)
Kaschi und der Cessnaritter
waren baff. Da waren sie gerade mal nach unten in den Maschinenraum gegangen, um
im Schaltkreis einer Sonnenbank etwas nachzusehen, und was fanden sie: Jede
Menge roter Rosen standen da auf Kaschis Arbeitsplatz, an
dem er seine ungeliebten Schreibarbeiten, die ja manchmal auch ein Ingenieur
verrichten musste, machte. „Na, Sie haben ja eine heiße Verehrerin!“ grinste
der Cessnaritter. „Von wem die wohl sind?“ Kaschi war sichtlich
verwirrt. „Das müssen ja mehr als 100 sein. Ich habe keine Ahnung...“ „Jetzt
tun Sie nicht so, wahrscheinlich sind Sie der
Bordcasanova!“ Kaschi wollte protestieren,
aber... irgendwie gefiel ihm dieser Gedanke sehr. „Kommen Sie, ich helfe Ihnen,
hier unten haben die Blumen ja kein Licht. Wir bringen sie in ihre Kabine“ schlug der Cessnaritter
vor. „Aber warten Sie – da ist ja noch eine Karte! Oh... Na, mein lieber Herr
Hallmackenreuther – das lesen Sie bitte selbst... Da ist aber jemand schwer verliebt in Sie.
Früher wäre ja keine Frau auf die Idee gekommen, einem Mann Rosen zu schicken, aber heute ist
alles möglich. Trotzdem – mögen Sie das? Wenn die Frauen einem nachlaufen? Na,
von wem sind die Rosen denn?“
110. Folge: Rosen für
die Damen (von Paula_Tracy)
Heino
und Yeti-Klaus waren sich erst nicht ganz einig, was sie gemeinsam singen
wollten, Heino plädierte für die “Bergvagabunden”, Yeti-Klaus wollte etwas
romantischeres, er hatte sich das Bata-Illic-Lied „Dich
erkenn’ ich mit verbundnen Augen“ ausgesucht, ließ sich das von Marjorie jedoch
schnell ausreden, die fand, dass dies überhaupt
nicht zu Heino passte. Nach einer halbstündigen Diskussion meinten beide
Männer, Marjorie solle entscheiden. Die grinste nur
und meinte, sie wäre der Meinung, Heino sollte einmal seine Hardrock-Seite
zeigen, und sie stimme für einen Rockabend. Yeti-Klaus, ein begeisterter
Deep-Purple-Fan (eine Art von Musik, die Baby Jane überhaupt nicht mochte), war
sofort Feuer und Flamme, meinte aber, da brauchte man schlagkräftige
Unterstützung. Doch auch dies hatte die rührige Marjorie bereits gelöst:
Gandalf und Fischkrepp persönlich hatten sich bereit erklärt,
die beiden zu unterstützen und übten bereits in der Küche. Anarky und Willi
waren stinksauer, weil sie wegen Gandalfs Abwesenheit im großen Speisesaal
Dienst schieben mussten – aber was tat man nicht
alles...
Im großen Speisesaal hatte man währenddessen umgeräumt, die große Tafel war
aufgehoben worden, stattdessen hatte man kleine Tische vor die Bühne
gestellt, an denen jeweils vier Leute sitzen konnten. Kat und der Kapitän, der
Reeder und Miss Scarlett saßen am besten Tisch ganz vorne, äußerst
misstrauisch beäugt von De Guy, der mit Mr. Butermaker,
der Gräfin und Anna Nümosia einen Tisch teilte. Wieso hatte
Kat nicht darauf bestanden, dass er ebenfalls an dem Tisch des Kapitäns Platz
nehmen durfte? Wo war Kat eigentlich den ganzen Abend gewesen? Baby Jane,
Paula, Arnie und Pete Morgan nahmen sich auch einen gemeinsamen Tisch, wobei Paula erst
abwinken wollte, als Pete Morgan sich niederließ, weil sie erwartete, dass Baby
Jane einen Platz für Yeti-Klaus freihalten wollte. „Lass mal!“ meinte die
ehemalige Miss Österreich. „Wir sind sonst ständig zusammen, der kann sich
ruhig mal woanders hinsetzen.“ Arnold Schwarzenegger freute sich sehr über das
große Interesse von Mr. Morgan an seinen Filmen und erklärte sich spontan
bereit, das noch nicht geschriebene Drehbuch von
Pete einem Hollywood-Agenten zu empfehlen. Paula und Baby Jane tuschelten, was sie denn
noch versuchen könnten, um Heino auf dem Schiff zu halten (wobei sich Baby Jane
schon ein wenig wunderte, warum Paulas Augen
ständig abschweiften, als würde sie etwas oder auch jemanden
suchen). Himmel, sie hatten eine Mission zu erfüllen! Wo war sie nur mit ihren
Gedanken?
Kaschi, der Cessnaritter, Xhosa und Tom machten
noch Platz für Leo, während Lady Patricia, Det, Frau Paulsen und die
Kapitäns-Sekretärin, die von allen nur liebevoll „Tapetchen“ genannt wurde,
einen reinen „Frauen-Tisch“ bildeten. Sir Hilary
zog es vor, gemeinsam mit Prinz Malko an der Bar zu stehen. Die junge Smartie
nervte Mia Florentine mit ihren Fragen zu Ferrero-Werbesongs. Det fragte nach
Nobbi, doch Lady Patricia winkte viel sagend ab und meinte, er würde gerade
einem Freund bei einem Problem helfen. „Mein Nobbi ist so einfühlsam“ schwärmte Patricia, und
Det dachte nur, dies sei auch schon anders gewesen –
aber Liebe soll Menschen ja komplett
umkrempeln.
Während De Guy den Kapitänstisch nicht aus den Augen
ließ, schweiften Kaschis Augen von einer
Frau zur anderen. Wer hatte ihm nur die Rosen auf den Tisch gestellt? Außer Ona
waren ja alle Frauen anwesend – die spanische Köchin hatte zwar
morgens in der Küche einen interessierten Eindruck gemacht, aber dass sie ihm
Rosen schenken würde, wagte er doch zu bezweifeln. Kat
schied aus, die hatte nur Augen für den Kapitän,
auch Miss Scarlet hatte wohl kein Interesse an ihm. Baby Jane? Hatte sie
endlich erkannt, was er für ein toller Typ war? Nach siebzehn Jahren? Das wäre
zu schön, um wahr zu sein… Aber er kannte sie: Sie
würde ihm das rundheraus sagen, nicht den Umweg über die Blumen machen. Paula?
Er begegnete ihrem Blick, doch sie schien durch ihn hindurch
zu sehen, offenbar suchte sie etwas – nein, ihn sicher nicht. Xhosa war frisch verliebt in ihren Tom
– außerdem hatte er noch kein Wort mit der Ethnologin gewechselt, und auch die
Journalistin Leo war ihm praktisch unbekannt. Lady
Patricia war glücklich mit seinem Kumpel Nobbi, Frau Paulsen war er sicher zu
alt, und Tapetchen war seit hundert Jahren aussichtslos in Fischkrepp verliebt. Tja,
wer blieb da noch? Die Gräfin interessierte sich sicher nicht für einen ölverschmierten, verschwitzten Maschinenbullen, und Anna
Nümosia hatte ihre Netze nach dem luxemburgischen Prinzen
ausgeworfen. Dieser Prinz – irgendwie kam der ihm merkwürdig bekannt vor… Woher
kannte er den Typen noch? Er musste mal mit Werder sprechen, der hatte gestern
auch so was angedeutet, als kenne er den Prinzen… Kaschis Augen blieben an
Det hängen. Sie war die einzige, die übrig blieb. War sie so romantisch, dem Mann ihres
Herzens Blumen, ja, sogar rote Rosen zu schenken? Kaschi überlegte. Det war
nett, eine richtig nette Kollegin, sehr kumpelhaft, sehr direkt – aber alles
andere als romantisch. Wenn er ihr gefiele,
würde sie ihn fragen, ob er mit ihr was trinken würde. Er seufzte. Ein einziges
Mysterium. Ein Mann würde ihm ja wohl kaum die Rosen geschickt haben. Oder
vielleicht doch? Kaschi grübelte und kam zu
der Erkenntnis, dass dies nun wirklich nicht sein konnte. Was sollte er nur mit
den Rosen machen? Und diese wunderschönen Zeilen… Kaschi stand auf, er hatte
eine Idee. Was sollte er mit 100 roten Rosen? Er würde einfach die Rosen
aufteilen und jeder Frau auf dem Schiff einige in die Kabine legen – morgen
waren diese wieder beziehbar, es wäre doch sicher sehr schön, als kleinen
Willkommensgruß einige Blumen zu finden. Man könnte ja nach Sympathie entscheiden, wer mehr und
wer weniger bekommen würde. Ja, so würde er das machen. Und er würde jeder Frau
eine persönliche Karte schreiben – genau! Etwas
Individuelles. Am besten fragte er mal den Doc, der hatte Ahnung von so was. Wo
war der eigentlich?
111. Folge: Kaschi und
Few Master catchen (von Baby Jane und Paula_Tracy)
Während
Kaschi im Maschinenraum viele kleine
Kärtchen ausschnitt und sich überlegte, was er jeder
einzelnen Dame an Bord schreiben könnte (der Doc
war nicht aufzufinden gewesen) und die Passagiere mehr oder weniger aufgeregt
auf Heinos Erscheinen warteten, hatte Dr. Few Master seinem
Freund die Geschichte zumindest ansatzweise erzählt. Nobbi
verstand das Problem nicht so wirklich, denn so furchtbar fand er es nicht,
dass Few Master versucht hatte, in der Kabine des Kapitäns ein paar Stunden zu
entspannen und mal richtig auszuschlafen. Dass der
Captain da so ausgerastet war, konnte er gar nicht verstehen. Und schon gar nicht, warum
sich Few Master da so große Gedanken machte. Der Doktor war immer noch
aufgeregt, versuchte aber trotzdem verzweifelt, Nobbi nicht die ganze Wahrheit
zu sagen – wer weiß, was der alles Lady Patricia erzählte! „Weißt Du was,
Fewie?“ Nobbi schlug seinem Freund auf die Schulter. „Du
brauchst eine Frau! Seit ich Patricia kenne, bin ich wie verwandelt. Patricia
versteht mich, wie es noch kein Mensch vorher getan hat… Ich
bin ein anderer Mensch geworden, ein
besserer! Das ist doch kein Leben, was Du führst! Du solltest heiraten. Soll
ich eine Frau für Dich suchen? Wie sollte sie denn sein?“ Die Augen des Arztes
begannen zu glänzen. „Sie soll makellos hübsch sein, aber weder
zuviel Zeit im Bad, noch im Schönheitssalon verbringen. Sie soll sich perfekt
und situationsbedingt sexy kleiden, sie soll alle anderen Männer neidisch machen, aber keinem
anderen zulächeln. Sie soll möglichst jung sein, aber trotzdem welterfahren und
klug. Sie soll kochen können wie meine Mutter, aber nicht ihre Figur haben...“
Nobbi starrte seinen alten Freund entgeistert an. „Aha“, meinte er dann. „Und
Du bildest Dir ein, eine solche Frau auf diesem Schiff finden zu können?“ Der
Arzt lächelte. „Nein, das ist ein Traumbild, das ist schon klar. Aber wenn Du
mich schon fragst...“ Jetzt musste auch Nobbi lachen
– vor Erleichterung, denn er hatte fast begonnen, an seinem Freund ernsthaft zu
zweifeln. Dr. Few Master beugte sich zu seinem Freund und flüsterte kaum
hörbar: „Wenn ich Dir jetzt etwas erzähle – versprichst Du mir, es niemandem,
aber auch wirklich niemandem jemals weiter zu erzählen? Auch nicht Patricia? Es
muss unter uns bleiben, Nobbi, wirklich!“ Nobbi hatte seinen Freund noch
niemals so erlebt – was war nur passiert? „Erzähl schon!“ Nun war auch
Nobbi aufgeregt: „Sag bloß, Du weißt, woher Fräulein Kat diesen merkwürdigen
Ausschlag bekommen hat?“ Few Master setzte sich
sofort wieder gerade hin. „Ausschlag? Sie hat Ausschlag?“ „Ja, Patricia
erzählte es vorhin. Det hat ihr Salbe gegeben, es muss schon besser sein.“ Few
Master wurde bleich und schlug sich vor die
Stirn. „Ich habe es ihm immer gesagt – er soll dieses verfluchte Vieh
endlich... Na warte!“ Er stürmte aus der Kabine, und ließ Nobbi mit der Frage,
was ihm der Doc denn auch immer erzählen wollte, allein...
Kaschi schrak auf. „He,
Kollege!“ Dr. Few Masters Augen funkelten bedrohlich, während er den ersten Maschinisten mit einer Hand
am Kragen festhielt. In seiner anderen Hand baumelte ein zappelndes Etwas am
eigenen Nackenfell. „Das ist doch dein kleiner Freund, was, Kaschi?“ Few Master hielt
Kaschi Kater Mikesch vors Gesicht.
“Sicher ist das meiner, Fewie, das weißt du doch!“, knurrte Kaschi und versuchte sich
vom harten Griff des Schiffsarztes zu lösen. „Und lass Mikesch los! Was soll das?
Warum trägst du mein Tier hier spazieren?“
Doch Dr. Master zog Kaschis Kragen enger. „Ich
werde dir sagen, was los ist, Kaschi“ wurde er lauter.
„Dein streunendes kleines Bürschchen hat uns die Flöhe
an Bord geschleppt. Das ist los!“. Few Master schnaufte wild. „Kat, die
offizielle Freundin des Captains, musste mit einer antibiotikahaltigen Salbe
behandelt werden, weil ich mir ihren Juckreiz nicht erklären konnten!“
Kaschi schluckte. „Aber ihr Ausschlag kam doch von einem
dieser Uschi-Glas-Pflegeprodu...“
„Nein“ fiel ihm Master roh ins Wort. „Ich habe deinen ungeimpften,
unkastrierten Streuner untersucht und mit Frau Kats Hautbild verglichen. Dein
Mikesch verteilt verdammte Flöhe auf meine
Passagiere!“ Few Masters Stimme überschlug sich, sein Gesicht
war Rot vor Zorn, und seine Augen traten gefährlich aus den Höhlen.
„Sag das noch mal...“ Kaschis Stimme bebte, „Sag
noch ein einziges Mal, dass Mikesch…“ Mit einem Ruck riss
sich Kaschi von Few Masters Klammergriff los.
Plötzlich spürte er die Faust des Schiffsarztes in seinem Magen. Einmal,
zweimal. Kaschi rang nach Luft.
„Nimm das!“ Der Maschinist boxte Few Master
zurück. Der Arzt torkelte.
Few Master ging zu Boden.
Cessnaritter, der sich gewundert hatte, wo Kaschi abgeblieben war und
deshalb in den Maschinenraum gegangen war,
starrte entsetzt auf die sich prügelnden Männer. Kaschi warf sich auf den
Schiffsarzt, drehte ihm die Hände im so genannten eisernen Maschinistengriff über den
Kopf und keuchte Few Master ins Gesichte: „Das soll dir eine Lehre sein,
elender Schurke. Meinen Kater noch ein einziges Mal anzufassen!“
„Dich habe ich schon lange im Visier“ knurrte Master. „Wir
beide haben ohnehin ein Hühnchen zu rupfen, du weißt schon.“
Da war plötzlich eine aufgeregte Frauenstimme zu hören: „AUSEINANDER“ schrie Miss Tracy.
„AUS-EIN-ANDER!“ Und sie schüttete einen Eimer
Wasser über die beiden ineinander verkrallten Mittvierziger. „Ihr werdet euer
Problem doch ausdiskutieren können wie Erwachsene!“ Miss Tracy war aufgewühlt
und entsetzt.
Auch der schlaue Det war herbeigeeilt und hockte sich
sofort zum Schiffsarzt, der in Schweiß gebadet war, um dessen Platzwunde auf
der Stirn zu untersuchen. „Wir werden Sie nähen müssen, Master“ murmelte sie
besorgt. Miss Tracy setzte den leicht verstört wirkenden Mikesch auf Kaschis Bauch. Mikesch schnurrte.
112. Folge: Der Doktor
als Patient (Paula_Tracy)
„Mensch, Master!“ knurrte
Det, als sie ihm als erste Hilfe erst einmal von Kaschis selbstgebranntem
Schnaps auf die Wunde tupfte, und Few Master aufschrie. „Was wollten Sie
denn mit dieser Nummer bezwecken? Mikesch hat zwar Flöhe, aber
Kat eindeutig nicht. Dass Sie auch immer so impulsiv reagieren müssen! Und ich
dachte immer, Sie und Kaschi wären Freunde!“
„Sind wir ja auch“ murmelte Few Master. „Ich weiß auch nicht, was in mich
gefahren ist...“ „Der Captain ist ohnehin schon sauer genug auf
Sie, weil Sie nie da sind!“ sagte Det. „Aber ich kriege eine Gehaltserhöhung!“
„Haben Sie ja auch verdient, Det, Liebes!“ krächzte Few Master und schrie wieder auf, als
Det ihm noch einen in Alkohol getränkten Wattebausch auf die Wunde legte.
„Du musst mir helfen, Paula!“ sagte sie zu der Tierärztin, die sich um den
verstörten Kaschi kümmerte, aber immer mit einem Auge zum
Arzt schielte. „Glaubst Du, wir müssen nähen?“ Paula
kam näher und sah sich die Wunde genauer an, während der Arzt sie mit
ängstlichen Augen musterte. Sie nickte ihm aufmunternd zu und meinte: „Nein,
meiner Meinung nach ist das gar nicht nötig. Eine große Platzwunde, wird in ein
paar Tagen verheilt sein. Jod und ein Pflaster reichen vollkommen.“ Der Arzt
lächelte dankbar. Er hatte schon Vertrauen in Paulas
medizinische Fähigkeiten, aber wer Tiere behandelte,
hatte sicher nicht immer das richtige Händchen bei Menschen.
“Lasst uns die beiden auf die Krankenstation bringen!“ Übernahm Det das
Kommando. „Paula, draußen lungerte der Reiseveranstalter rum, hol den rein, er
soll mit anpacken.“ Gemeinsam mit Andreas Hansen aus Lübeck brachten Det, Paula
und Cessnaritter die beiden Patienten auf die Krankenstation, die wohl nie leer
wurde. „Lassen Sie mich mit diesem Wahnsinnigen nicht allein!“ flehte Kaschi. Er sah Paula an.
„Lassen Sie nicht zu, dass er Mikesch etwas tut!“ Paula
lachte. "Keine Angst, er wird niemandem etwas tun. Ich bleibe hier, und
Det sicher auch, oder?“ Det nickte, hatte sie doch endlich einen Grund, dem
Heino-Konzert zu entgehen. „Aber, ganz ehrlich, Kaschi: Mikesch sollten wir endlich
impfen. Und entwurmen auch. Ich verstehe nicht, warum Sie das nicht längst
getan haben.“ „Na gut, aber tun Sie ihm bitte nicht weh“ bat Kaschi. „Ich mache das, ist
eine gute Übung für mich!“ bot sich Det an. „Paula, machst Du die
Narkose?"“
Cessna hatte in der Zwischenzeit neuen Schnaps
in die Krankenstation gebracht und goss allen Anwesenden ein Glas ein. „Auf den
Schreck!“ lachte er. Sogar Andreas Hansen griff zu, nicht ohne den Cessnaritter
misstrauisch zu beobachten - immerhin war das ein
Flieger, der Feind sozusagen. „Würde es sehr stören, wenn wir bleiben?“
flüsterte Cessna Det zu. „Ich meine...“ „Auch kein Heino-Fan?“ Det grinste.
„Wenn es den Doc und Kaschi nicht stört - von
mir aus.’ne Fete auf der Krankenstation hatten wir schon lange nicht mehr.
Und Sie könnten die Streithähne trennen, falls es noch mal dazu kommt...“
Ganz entkamen die sechs auf der Krankenstation dem Heino-Konzert zwar doch
nicht, aber das ist eine andere Geschichte...
113. Folge: Heino
backstage (von Baby Jane)
In
seiner Kabine stand Heino vor dem Spiegel seines kleinen Spinds. Er trug schwarze Kunstlederhosen
und eine schwarze Knautschlackjacke. Darunter
ein Hemd mit breitem Kragen, das einen V-Ausschnitt seiner
alabasterfarbenen Brust freigab. Einige weiße Brusthaarlöckchen lugten vorwitzig
heraus. Heino transpirierte unmäßig in seiner Rockmusikerkluft.
“Smoke on se woter, feuerrr in se skai“ memorierte Heino in schlechtem Englisch den Text des Liedes,
das er zum Besten zu geben gedachte. Marjorie Deckard tupfte Heinos
Schweißstirn mit einem Tuch ab und wiederholte zum xten Mal: „The water, nicht
'se', Heino“. Fürsorglich nahm sie dem Barden die Brille ab, reinigte sie mit
einem Brillentüchlein und setzen sie ihm wieder auf. Ja, Marjorie Deckard
wirkte bereits recht routiniert im Umgang mit ihrem neuen Arbeitgeber.
“Und jetzt sing das ganze mal!“ ermunterte sie ihn. „Aber achte auf dein ti eitsch!“
Heino warf sich in Positur, strich sich noch kurz durch sein Haar, das ihm Miss
Deckard flott zurückgegeelt hatte, und hob an:
“Smoke on se woter, feuerrr in se sakiii…“ Sein Bass dröhnte in der Kabine.
„Isses okay so, Marjorie?“ fragte er.
Pudel Chrisquito saß in einer Ecke und jaulte. Hoffentlich ging der blonde Typ
bald auf die Bühne.
114. Folge:
Erkenntnisse (von Paula_Tracy)
Auch
in der Küche war einiges los. Mangels eines Schlagzeugs hatte sich Gandalf der
Kochtopfdeckel bedient und klapperte wild damit herum, während Fischkrepp angestrengt auf
der bei dem sehr musikalischen Doktor
ausgeliehenen Gitarre übte. Ona hätte die beiden am liebsten rausgeschmissen, doch einzig
und allein die Küche bot einen gewissen Schallschutz, so dass die
Passagiere nichts mitbekamen. „Eine bessere Dämmung täte gut“ dachte Ona und
nahm sich vor, den Reeder bei nächster Gelegenheit auf diese Investition
anzusprechen.
Nobbi wunderte sich – wo war nur Few Master so schnell hin? Das war doch
nicht normal – sprang einfach auf und rannte raus. Gerade, wo es spannend
wurde. Was hatte er ihm nur erzählen wollen? Mit Fräulein Kat schien es ja nichts zu
tun zu haben, so aufgeregt wie der plötzlich war. Vielleicht sollte er einfach
mal schauen, wo er war. Nobbi schlüpfte in die von
Patricia liebevoll mittels Serviettentechnik bedruckten Filzpantoffeln und
machte sich auf den Weg in die Krankenstation – dort, wo sie früher immer so
nette Gespräche geführt hatten, lange bevor es Patricia in seinem Leben gegeben
hatte, und lange, bevor die Schiffstrolle kamen und das Niveau auf der
Werderania so unerträglich sank.
Der Auftritt von Heino verzögerte sich offenbar – die Passagiere wurden
allmählich unruhig. Auch Yeti-Klaus, in seinem besten bordeauxfarbenen
Samtanzug (mit blassblauen Biesen abgesetzt, sehr schick, wirklich), wurde
langsam ungeduldig. Aber da Paula unerklärlicherweise verschwunden war, konnte er
sich ja zu seinem Baby ein wenig an den Tisch setzen. Baby Jane
plauderte sehr interessiert mit Arnie und Pete Morgan und nahm ihn gar nicht
wahr. Beleidigt nahm Yeti-Klaus sich vor, sie ebenfalls mit Nichtachtung zu
strafen. Sir Hilary hatte bestimmt Recht – nur mit Desinteresse erreichte man
Interesse.
Auf der Krankenstation hatte Det den Kater inzwischen geimpft und
entwurmt. Danach hatte sie erst einmal genug und brauchte einen Schnaps. Auch
Cessna und Andreas Hansen hatten diesem schon kräftig
zugesprochen, Paula beherrschte sich, falls man
ihre ärztliche Hilfe noch brauchte – der Doktor war ja erst mal außer Gefecht.
Cessna und Andreas redeten sich die Köpfe über die Vor- und Nachteile der
Fliegerei heiß – fast wäre es zu einer Prügelei gekommen, doch Det überredete
die streitbaren Männer zu einer Runde Mau-Mau. „Männer haben so ein einfaches
Gemüt“ dachte sie, als sie die Karten mischte. „Paula, kommst Du?
Zu viert macht es noch mehr Spaß!“ Paula wischte den beiden
Patienten den Schweiß von der Stirn und schüttelte den Kopf.
„Nein, Det – ich bleibe lieber bei den beiden. Ich dachte, man könnte ihnen
vielleicht was vorlesen. Hat der Doktor was Passendes im Schrank?“ „Außer
Fachbüchern nur Rilke“ sagte Det leichthin. „Aber Kaschi steht mehr auf
Abenteuerromane.“ Paula zuckte. Rilke?
„Mensch, Fewie!“ Nobbi eilte zum Krankenbett seines
Freundes. „Hier bist Du! Und Kaschi – Du auch? Was ist
denn passiert?“ „Nobbi!“ flüsterte Kaschi. „Nobbi, jetzt weiß
ich es!“ „Was weißt Du?“ fragte Nobbi verwirrt. „Nobbi, Du musst Werder holen!
Ich muss Werder unbedingt etwas sagen! Mir ist gerade eingefallen, woher ich
diesen Prinzen kenne! Der hat mich damals beim Länderspiel gefoult und unsere
Mannschaft um den Sieg gebracht! Nobbi, hol’ Werder!
Bitte!“
Und während Nobbi in den großen Speisesaal lief, um den Reeder zu holen,
erkannte De Guy dort endlich, dass er Kat an den Kapitän verloren hatte. Zu
vertraut ihre Gesten, zu eindeutig das Getuschel der anderen. Die
beiden waren ein Paar! Was hatte er nur falsch gemacht? Wie konnte
er Kat zurückgewinnen? Wie konnte er den Kapitän ausschalten? Ihn vor Kat
lächerlich machen? Er musste sich etwas ausdenken, und zwar schnell!
115. Folge: Der
Auftritt
(von
Scarlet)
Als
Nobbi im Speisesaal ankam, warteten schon alle ungeduldig auf
Heinos Auftritt. Nicht, dass sie alle so erpicht auf seinen Gesang waren, eher
das Gegenteil war der Fall! Man wollte es so schnell wie möglich
hinter sich bringen. Alle Augen richteten sich gespannt auf Nobbi, der aber
kein Wort über das bevorstehende Konzert verlor, sondern sich an den Reeder
wandte und mit dem tuschelte, immer wieder
zeigte er irgendwohin, aber wohin? Was konnte das bedeuten? War das Konzert
womöglich abgesagt?
Werderaner schüttelte den Kopf und machte eine Handbewegung
über das Publikum und deutete Nobbi irgendetwas, was die Anwesenden nicht recht
zu interpretieren wussten. Resignierend drehte sich Nobbi um und verließ den
Saal wieder, um alle von der Krankenstation in den Speisesaal zu holen, wie es
ihm der Reeder soeben aufgetragen hatte.
In der Krankenstation war man nicht sonderlich begeistert von der Idee, nun
doch beim Heino-Konzert anwesend sein zu müssen. Gut, einige hatten genügend
Schnaps zu sich genommen, sodass sie es besser ertragen würden. Warum hatte
Nobbi nicht einfach gesagt, dass der Doc schwer verletzt war und
nicht kommen konnte? Aber was soll’s, schweren Herzens beschloss man, in den
Speisesaal zu gehen und dem Schicksal ins Auge zu blicken. Paula, die unter dem
Vorwand Lesestoff zu suchen den Bücherschrank des Schiffsarztes
durchsuchte, stellte das Rilke Buch, das sie gerade nach einem bestimmten
Gedicht durchgeblättert hatte mit klopfendem Herzen wieder zurück. An einer
Seite war eine Ecke umgebogen, aber welche Seite war es? Sie würde wohl noch
einmal zurückkommen müssen, um das festzustellen, aber eigentlich war sie sich
ziemlich sicher, was sie auf diese Seite finden würde.
Der Doktor bestand darauf, dass Dr. Tracy nicht von seiner Seite weichen
dürfte, da er sich einem Heino-Konzert ohne ärztlichen Beistand – und sei es
„nur“ der einer Tierärztin – nicht gewachsen fühlte. Er hakte sich bei ihr ein,
als sie in den Speisesaal gingen und Paula musste innerlich lachen. „Männer!
Wegen einem kleinen Kratzer…“ dachte sie und tat, was Männer in einer solchen
Situationen von einer Frau erwarteten, sie bemitleidete ihn.
Mittlerweile waren wirklich so gut wie alle im Speisesaal versammelt, auch der
noch gesundheitlich leicht angeschlagene Mickey war da.
Er war immer noch etwas verwirrt, dass ihm sein Unterbewusstsein einen derartigen
Streich gespielt haben soll. Es war doch alles so realistisch! War Ona wirklich in
den Kapitän verliebt? War sie für immer für ihn verloren? Oder hatte ihm sein
Traum nur seine Angst, keine Chance bei Ona zu haben vor Augen geführt? „Ach
Ona!“ entfuhr es Mickey. Erschrocken sah er sich um,
ob ihn auch ja niemand gehört hätte, er schüttelte den Kopf,
verwundert über sich selbst. Er hätte nicht gedacht, dass ihn die unerfüllte
Liebe zu Ona so mitnehmen würde.
Zum Glück hatte keiner Mickeys Stossseufzer mitbekommen, da in der Zwischenzeit Heino endlich
die Bühne betreten hatte und alle Augen gespannt auf ihn gerichtet waren, hatte
er doch gerade eine große Überraschung angekündigt. Was
würde das wohl für eine Überraschung sein, fragten sich
alle im Publikum und Paula Tracy und Baby Jane hofften inständig, dass er nicht
sein Comeback damit meinte. Die Damen warfen sich verschwörerische Blicke zu.
Die Stimmung im Saal war recht gelöst, alle saßen in frischer
Werderania-Arbeitskleidung, die ihnen noch einmal vor dem Abendessen
ausgehändigt wurde an den Vierer-Tischen, im Speisesaal
lagen Matratzen auf dem Boden verteilt herum. Irgendwie sah es aus wie ein
Galaabend bei einem großen Pfadfinderlager, es fehlte nur noch ein Lagerfeuer.
Jetzt wollte Heino seine Überraschung auf die Bühne
holen und Baby Jane fürchtete, dass es Hannelore womöglich schon früher als geplant
auf die Werderania geschafft hatte. Dass
jedoch Yeti-Klaus die Bühne betreten würde, damit konnte keiner rechnen! Was
wollte er da oben? War er die Überraschung? Was zum Teufel
hatte er vor? Wollte er sich mit seinem Gejodel lächerlich machen?
Klaus betrat in seinem bordeauxfarbenen Samtanzug die Bühne. Eigentlich sah er
wirklich gut aus, überhaupt neben Heino wirkte er großartig, fand Baby Jane.
Was würde als nächstes passieren fragten sich in dem Moment alle…
116.
Folge: To all the girls I’ve loved before
(von Baby Jane)
„Test,
Test. Sprechprobe. Eins zwo drei.“ sagte Heino und klopfte aufs Mikrophon. Eine
kurze Rückkoppelung dröhnte durch den Saal. Miss Scarlet, neben der
Cessnaritter Platz genommen hatte, verdrehte die Augen. Das würde ja heiter
werden ... „Sehr geehrte Damen und Herren“, moderierte Heino weiter: „Wir
freuen uns, Ihnen heute auf unserer Werderania im Beisein des Reeders“ H.-G.
Werderaner stand kurz auf und deutete eine Verneigung an, „eine Show der
Extraklasse bieten zu können. Neben mir, hochverehrtes Publikum, sehen Sie
jemanden, der eine Bühnenpremiere feiert!“ Heino zeigte auf Yeti-Klaus und
begann zu klatschen. „Eben noch auf dem Passagierdeck, jetzt
auf unserer Showbühne: Yeti-Klaus!“ Auch das Publikum spendete dem sympathischen Mitpassagier,
dessen Bühnenoutfit ihn vorteilhaft kleidete, höflich Applaus. Schiffjunge
Willi pfiff begeistert. So klasse hatte Heino noch nie ausgesehen wie heute in
seiner enganliegenden Lederkluft, die aufs Reizendste mit seinem blassen, edlen
Teint korrespondierte!
Marjorie Deckard, am Technikerpult sitzend, verdunkelte den Saal und richtete
zwei kreisrunde Spots auf die beiden Männer auf der Bühne. De Guy, der am
Klavier saß, griff in die Tasten. Ein kurzes
Vorspiel, eine romantische Einleitung und los ging’s:
Heino: To all se girls I've loved before
Yeti-Klaus: Who travelled in and out my door
Heino: I'm glad sey came along. I dedicate sis song, to all se girls I've loved
before
Yeti-Klaus: To all the girls I once caressed
And may I say I've held the best (Blick zu Baby Jane)
For helping me to grow
I owe a lot I know
To all the girls I've loved before
Heino: Se winds of change are always blowing
And every time I try to stay
Se winds of change continue blowing
And sey just carry me away.
Heino and Yeti-Klaus together:
To all the girls who shared my life
Who now are someone else's wives
I'm glad they came along
I dedicate this song
To all the girls I've loved before.
Tosender
Applaus und Jubel füllte den Saal. Was für ein Duett! Was für Stimmen! Was für
eine Explosion der Gefühle! Einige Damen im Publikum wischten sich Tränen der
Rührung aus den Augen. Willi und Mickey schluchzten ergriffen.
Rickmers küsste Kat, Anna Nümosia weinte an Gräfin Ermakovas Schulter, und
Cessnaritter legte seine Hand zart, sehr, sehr zart und vorsichtig auf die
seiner Tischnachbarin. Scarlet errötete. Dr. Few Master
wischte sich verstohlen eine Träne aus den Augen.
Das war noch schöner als jedes Rilke-Gedicht! Seine Augen
suchten Paula Tracy. Doch wo war sie? Der Sessel, auf dem er sie noch vor
Minuten hatte sitzen sehen, war leer. Nur Paulas blauer Seidenschal hing einsam über
der Lehne. War sie weggegangen, um etwas zu holen? Master stand auf, um Paula
Tracy suchen zu gehen. Außerdem wollte er zu seiner Kabine. Ihm schien, als hätte er
vergessen, sie abzuschließen.
Arnold Schwarzenegger, unberührt von der immensen Gefühlsintensität der
Darbietung, klatschte fröhlich und schlug sich dann
ausgelassen auf die Schenkel. „Wonderful, great, fantaastisch“ schrie er. Baby Jane, die
sich für ihren Landsmann ein wenig genierte, klatschte ebenfalls für Heino
und Yeti-Klaus. Doch ihre Augen waren traurig und tränenverschleiert...
117. Folge: Düstere
Entdeckungen (von Baby Jane)
Dr.
Few Master erhob sich und verließ den Saal. Kurz trat er aufs Promenadendeck,
atmete die kühle, salzige Abendluft ein und genoss einen Moment der Stille. Möwe
Laura gurrte, Wellen klatschten rhythmisch an den Schiffsrumpf
und von ferne hörte er das Nebelhorn eines anderen Schiffes. Seine melancholische russische Seele liebte
Augenblicke wie diese. Alles ruhte, alles war friedlich, auch sein Herz. Das
gütige Licht des vollen Mondes schien heute nur für ihn
zu leuchten.
Dann machte er sich auf, um in seine Kabine hinunterzugehen. Er griff nach dem
Türknauf - und tatsächlich! Er hatte vergessen abzuschließen. Few Master
trat ein. Hatte er auch vergessen, das Licht auszuknipsen?
Was war das? Der Arzt zuckte zusammen und drehte sich um. Hinter ihm hatte es
geknirscht. „Oh mein Gott, Paula, Miss Tracy! Was
machen denn Sie hier? Sie haben mich zu Tode erschreckt!2 Die junge
Tierärztin versuchte eilig, eines seiner Bücher wieder ins Regal zu schieben...
118. Folge: Der Tag der
Rache (von Paula_Tracy)
Der
Applaus wollte schier nicht enden! Noch immer verbeugten sich
Heino und Yeti-Klaus und immer noch forderten die Zuschauer eine Zugabe –
womit das erfolgreiche Duo natürlich gerechnet hatte. Wozu hatten sie denn noch
eine Deep-Purple-Nummer eingeübt? De Guy verließ nun die Bühne, zitternd vor
Wut und Enttäuschung – er hatte schließlich genau
gesehen, wie der Kapitän seine Kat geküsst hatte. Vor lauter Aufregung hatte er
falsche Töne angeschlagen, doch bei den
großartigen Stimmen von Heino und Yeti-Klaus war das komplett untergegangen.
Gandalf und Fischkrepp betraten nun die Bühne, und alle
warteten gespannt auf das, was nun kommen würde.
Werderaner platzte ebenfalls fast vor Wut über diesen unmöglichen Typen, diesen
Bruchpiloten, diesen Cessnaritter, der glaubte, seine Miss Scarlet betatschen zu können. Und die
– dumm wie Frauen nun mal waren – fühlte sich auch noch geschmeichelt! Das war doch
wieder typisch Ösi! Wie wankelmütig die doch waren. Noch
gestern Abend unter dem Küchentisch hatte Miss Scarlet
ihm gestanden, dass sie nur auf diesem Schiff sei, weil sie unter Flugangst
leide. Und dann machte sich ausgerechnet ein Möchtegern-Pilot an sie heran. Und
hatte sie ihm nicht auch gestanden, dass sie ihn ziemlich unsympathisch fand, weil er immer
so lospolterte und unfreundlich war? Es verging doch kein Tag, an dem er nicht
einen Wutanfall bekam – meistens allerdings dann, wenn Smartie den Mund
aufmachte. Da sollte doch alles aufhören – der versuchte es doch schon wieder! Jetzt
wollte er wohl den Arm um sie legen. Na warte – der.... Mist. Jetzt setzte sich
ein völlig aufgeregter Kaschi neben ihn. Kaschi, sein Jugendfreund,
mit dem er bereits in der Jugendnationalmannschaft gespielt hatte –
wenn auch nur einmal. Werderaner erinnerte sich wie gestern – obwohl es mehr
als 30 Jahre her war...
Das Jugendländerspiel gegen Luxemburg! Kaschi war Mittelstürmer,
ein großes Talent, und auch er, Werderaner, war als Spielmacher weit über die
Grenzen des kleinen Bundeslandes Bremen bekannt. Und weil sie sich so gut
ergänzten, wurden sie gemeinsam für das wichtige Qualifikationsspiel gegen
Luxemburg aufgestellt. Die Deutschen waren den
Luxemburgern natürlich weit überlegen, keine Frage! Aber irgendwie schaffte es dieser kleine
Verteidiger namens Ramon (der angeblich ein echter Prinz war, aber das erfuhr
Werderaner erst später) immer wieder, Kaschis Tordrang zu
stoppen. Noch bis zur 89. Minute stand es 1:1, als Kaschi Werderaners Pass aufnahm
und wie ein brasilianischer Ballkünstler nach
vorne dribbelte... Er wollte gerade zum Schuss ausholen, da... fiel er hin.
Dieser Mistkerl Ramon hatte ihn auf das übelste gefoult! Die Zuschauer schrieen „Elfmeter“, und
der Schiedsrichter wies sofort auf den Punkt. Werderaner flüsterte Kaschi nur noch zu: „Ich
mach ihn rein!“ – lief an – und... verschoss. Werderaner sank
auf den Rasen nieder und schwor sich, niemals
wieder Fußball zu spielen – zu groß war die Schmach. Sollte dieser Ramon jemals
wieder unter seine Augen treten – dann Gnade ihm Gott! Kaschi wurde am Knie
operiert, Werderaner begab sich dagegen in psychologische Behandlung. Kaschi versuchte, weiterhin
Fußball zu spielen, doch für die Nationalmannschaft wurde auch er
niemals mehr nominiert. Prinz Ramon hingegen spielte bis zu seinem 17.
Lebensjahr weiterhin in der Jugendnationalmannschaft, danach verlor
sich seine Spur... Werderaner schreckte auf. „Werder,
hast Du mir zugehört?“ „Was ist denn, Kaschi?“ Werderaner war schon etwas genervt, weil
Cessnaritter immer noch seine Griffel nicht von Scarlet ließ. „Ich weiß jetzt,
woher ich den Prinz kenne. Der nennt sich zwar jetzt Malko – aber.... Du hast
doch auch gesagt, dass er Dir bekannt vorkam. Werder, das ist...“ „Ramon!“
entfuhr es Werderaner und Scarlet und Cessna starrten ihn erstaunt an. Wer war
Ramon? „Komm mit!“ Werderaner stand auf. „Komm Kaschi, der Tag der Rache
ist gekommen!“
Vorne begannen Heino und Yeti-Klaus zu rocken, in Few Masters Kabine lasen
Paula und der Schiffsarzt sich gegenseitig Gedichte vor – und hier würde gleich
das Schicksal eines luxemburgischen Prinzen besiegelt
sein...
Ach
ja, Malko fühlte sich langsam so richtig wohl auf diesem Schiff, auch wenn
diese Anna Nümosia offenbar einen wahren Narren an ihm gefressen hatte.
Eigentlich gefiel ihm ihre Freundin, die Gräfin, sehr viel besser – es war ja
immer besser, der Adel blieb unter sich. Aber diese Münchnerin war ja angeblich
steinreich. Die stank vor Geld! Und er konnte eine kräftige Finanzspritze gut
gebrauchen. Jetzt, wo sein Verein einen neuen Torwart brauchte und die
Ablösesumme für Oliver Kahn von Bayern München (ja, wir sind verurteilt worden,
wir müssen den FC Bayern München bis zum Ende der Novela mindestens fünfmal
wohlwollend erwähnen – unglücklicherweise sollen diese wohlwollenden
Bemerkungen ausgerechnet Prinz Malko, H.-G. Werderaner, Kaschi, Arnold
Schwarzenegger und Fischkrepp in den Mund
gelegt werden, heute ist also Malko dran) nicht aufbringen konnte. Dabei war
ihm Uli Hoeneß, der sympathische Vertreter des
Weltklasse-Vereins, schon mehr als
entgegengekommen. Aber er konnte die 24 Millionen beim besten Willen nicht
auftreiben. Doch wenn die reiche Witwe ihm das Geld geben könnte... Dann würde
er auch mal in den sauren Apfel beißen. „Eine tolle Vorstellung!“ schwärmte Sir Hilary.
„Baby Jane Rickmers muss sich unendlich geschmeichelt fühlen.
Diesem Yeti-Klaus hätte ich das niemals zugetraut. Und Sie?“ Malko schrak zusammen. Wovon
redete der Mann? Ach, von dieser armseligen Vorstellung. Er hatte in seiner aktiven
Zeit bei Radio Luxemburg schon besseres gehört,
aber was verstand dieser Hercule-Poirot-Verschnitt schon davon? Was wusste
er überhaupt von seinem Leben – von seinen Hoffnungen, seinen Leiden? Ein
großer Fußballstar wollte er werden. Mit siebzehn musste er jedoch leider seine
aktive Fußballerkarriere beenden, er hatte sich einen komplizierten
Schienbeinbruch zugezogen, und danach wollte das Bein nicht mehr so wie er. Ob
das die späte Rache für das Foul an dem jungen Kaschi Hallmackenreuther
war? Nein, so was gab es doch nicht, oder? „Haben Sie das vorhin auch
mitgekriegt?“ Andreas Hansen stellte sich zu den beiden Männern an die Bar. Er schien schon leicht angesäuselt
zu sein, Sir Hilary wäre bei dieser Fahne fast umgefallen. „Der Schiffsarzt und
der Ingenieur haben sich im Maschinenraum geprügelt.“
„Ging es um eine Frau?“ fragte Sir Hilary neugierig. „Nein, ich glaube, um
einen... Ka... um einen Ka... um eine Katze!“ lallte Andreas. „Die werden auch
immer verrückter!“ lachte Sir Hilary. „Dieser Kaschi Hallmackenreuther
ist sowieso etwas merkwürdig...“ Malko zuckte zusammen und starrte Sir Hilary
entsetzt an. „Wie heißt er?“ „Kaschi Hallmackenreuther!“
wiederholte Sir Hilary. „Ein saublöder Name, nicht?“ „Wo ist er?“ Unruhig
gingen Malkos Augen hin und her. „Na dort, er hat sich gerade zu dem Reeder
gesetzt“, Sir Hilary schüttelte den Kopf.
Dieser Prinz war ja noch verrückter als der Ingenieur und der Schiffsarzt
zusammen! „Die beiden sollen alte Freunde sein, habe ich gehört. Haben mal
zusammen in der Jugendnationalmannschaft gespielt, glaube
ich.“ Malko fasste Sir Hilary am Kragen, so dass der kleine Mann ein wenig die
Bodenhaftung verlor und nach oben gehoben wurde. Entsetzt riss Sir Hilary die
Augen auf. Ja, dieser Prinz war eindeutig verrückt! Schon damals, als er die
Satellitenschüssel am obersten Mast befestigt hatte, hatte
er das geahnt – aber niemand hatte ihm geglaubt. „Wie heißt er? Der Reeder,
meine ich!“ „Na, das müssen Sie doch wissen, das steht doch auf den
Rettungsringen!“ mischte sich Willi ein, der
Andreas Hansen nachgoss. „Die Brandungsfelsen Reederei gehört H.-G. Werderaner,
genauso wie die Bremer Sonnenbank-Fabrik, die Werderaner-Spülmaschinenwerke, die...“
Malkos Gesicht wurde immer verzerrter, vor allen Dingen, als sich plötzlich
zwei Augenpaare auf ihn richteten, von denen er gehofft hatte, dass sie das
niemals mehr tun würden... Und als Kaschi und Werderaner
aufstanden, wusste er, dass sein Schicksal besiegelt war...
119. Folge: So sind
sie, die Männer (von Helli Gräfin E.)
Zwischen Kaschi und dem Reeder
bedurfte es nicht vieler Worte. Der Tag der Vergeltung war da: „Man sieht sich
immer zwei Mal im Leben“ war daher auch das einzige, was Werderaner in die
atemlose und ansonsten stecknadelfallenhörende Stille zischte.
Gleichzeitig begannen die beiden Männer an zu tänzeln, ein eingespieltes sich
ohne Worte verstehendes Männerduo, und dem kleinen Sir Hilary, der schutzsuchend in einer
Ecke verschwand, schoss durch den Kopf,
das es höchste Zeit wäre, Synchronboxen als Sportart zu etablieren.
Dem Prinzen trat der Schweiß auf die spärlichen Haare. Was tun? Er war auf
einem Schiff, verdammt, und schwimmen konnte er eher schlecht, und dann auch
noch so weit?
Getreu der Überzeugung, wenn ich keinen sehe, sieht mich auch keiner, zog er
sein Jackett über den Kopf und rannte wie ein Berserker gegen das Feindespaar.
Diese, da sie sich mittlerweile doch sehr, wenn nicht allzu sehr eingtänzelt
hatten, standen sie nicht fest auf dem Boden und fielen einfach um, nicht
ahnend, dass der Bösewicht von einst den Ring fluchtartig verließ anstatt sich
dem fairen Kampf zu stellen.
Während Kaschi und der Reeder schweratmend übereinander
lagen und versuchten, sich zu entwirren, rannte der Prinz ziellos zum
Promenadendeck, wohin sollte er nur und ihm rannen tatsächlich Tränen der Angst
die Wangen hinunter.
Er prallte wie in Trance gegen einen Tisch und spürte, dass ihm
ein halbgefülltes Martiniglas gegen das Gesicht flog, weiter, nur weiter, als
ihn eine starke kräftige Hand packte und kaum versah er sich, hatten ihn Frau
Nümosia auf seinen Schoß gezogen und drückte ihn an ihren schweren mit Juwelen
behängten Busen.
“Ja mei, wohin des Wegs, Prinz Drosselbart?“ trällerte sie, nicht unangenehm
nach einer Mischung aus Shalimar von Guerlain und Martini
duftend, und ihr stählerner Griff ließ keine Fluchtbewegungen zu. Der Prinz
wehrte sich auch nicht lange, nein, übermächtig wurde sein Wunsch, an ihre Brust zu
sinken und dort erst mal zu bleiben, was für eine Frau, und dann auch noch
reich.
Aber in diesem Moment standen schon die Verfolger vor
dem Tisch der reichen Münchnerin.
„Geben Sie ihn heraus“ rief der Reeder. „Und gehen Sie bitte auf Ihre Kabine,
verehrte Frau Nümosia. Dies ist eine Angelegenheit, die nur Männer etwas
angeht!“
„Pah“ meinte die Münchnerin gelassen und schenkte sich mit einer
Hand einen weiteren Martini in das Glas ein, das sie wieder aufgehoben hatte,
während sie mit der anderen es schaffte, den Prinzen
nicht nur zu halten, sondern ihn gleichzeitig im Nacken zu kraulen, so dass er,
verschüchtert wie er zunächst war, sich anfing zu
recken wie ein junger Hund.
„Zwei gegen einen geht gar nicht, und außerdem, was soll denn schon gewesen sein, Ihr
habt ihm doch einen Schrecken eingejagt, sogar in die Hose gemacht hat er sich
(sie tätschelte ihm beruhigend den Kopf), das kriegen
wir aber schnell, nun ist`s doch gut. Trollt Euch“ und
sie wedelte mit ihrer beringten Hand die beiden fort.
Die Männer gehorchten, widerwillig zwar, aber der Ton der Münchnerin ließ
einfach keinen Widerspruch zu.
Schweigend verließen sie das Deck, blieben an der Reling stehen. Keiner wusste
so recht, was zu sagen ist, sollte es das gewesen sein? „Ich hab ja immer
gesagt, ist ein blöder Pisser, der Ramon“ meinte der Reeder schließlich. Nach einem
weiteren kurzen Schweigen sahen sich beide schelmisch an und stippten sich
in die Seite, bis sie in schallendes Gelächter
ausbrachen. Schließlich legte der Reeder dem kleineren Kaschi den Arm um die
Schulter und zog eine Tüte "Nimm zwei" heraus.
Was sind schon Fußballkarrieren gegen eine wahre
Männerfreundschaft?
120.[a] Folge: Was für
ein Tag
(von
Paula_Tracy)
Mittlerweile
hatten sich die anderen auch an Deck begeben – das war ja viel spannender als
der Auftritt von Heino und Yeti-Klaus! Umso enttäuschter waren die
Gesichter, als es dort nicht den erwarteten „Kampf der Giganten“ gab. Kat war
jedoch erleichtert – so ein wundervoller Abend hätte nicht mit einem weiteren
Blutvergießen enden dürfen. „Können wir nicht doch in Deine Kabine gehen?“ schnurrte sie dem Captain
ins Ohr, denn sie sah, wie De Guy suchend nach ihr Ausschau hielt. Nein, sie
war nicht feige – und morgen würde sie auch ganz sicher mit ihm reden -, aber
diesen Tag wollte sie sich unter keinen Umständen mit tränenreichen Ausbrüchen
verderben. Sie war sicher, dass De Guy weinen würde. Wie hatte sie sich nur in
dieses Weichei verlieben können? Hatte sie nicht von Anfang an gewusst, dass
nur Falk Rickmers für sie bestimmt war? Es war Liebe auf den ersten Blick
gewesen – sie hatte es sich nur nicht eingestehen wollen. Aber, was würde die
Zukunft bringen? Sie hatte die neue Stelle in Texas, und Falk schipperte auf den
Weltmeeren umher. Wie passte das zusammen? Fragte wahre Liebe danach?
Falk Rickmers war natürlich einverstanden – was hätte ihm besseres passieren
können an diesem Abend, als mit der bezaubernden Kat in seiner Kabine verschwinden zu können?
Trotz allem schaute er sich noch einmal um: Verflixt, wo war
Master schon wieder? Na ja, noch einmal würde er es
sicher nicht wagen, in seiner Kabine „auszuschlafen“.
Die anderen gingen nun zurück in den großen Speisesaal, wo Yeti-Klaus und Heino
immer noch sangen, ja vor lauter Begeisterung noch nicht einmal aufgehört
hatten, zu singen. „So schlecht finde ich ihn
gar nicht“, brüllte Scarlet Baby Jane zu. „Was habt Ihr nur gegen ein
Comeback?“ Baby Jane zuckte die Schultern, sie verstand keinen Ton bei der
Lautstärke. Kaschi und Werderaner kamen herein, sie lachten
noch immer und stellten sich gemeinsam an die Bar, um mit einem Werderaner-Pils
anzustoßen. Vergessen waren Ramon, Scarlet und Baby Jane – beide schwelgten in
Erinnerungen an goldene Jugendtage.
„Lasst uns tanzen!“ rief die Gräfin, die mindestens acht von Anna Numösias
Martini-Cocktails getrunken hatte. Willi und Anarky hatten alle Hände voll zu
tun, die Tische zusammenzuschieben, damit eine
kleine Tanzfläche entstand. Danach gab es kein Halten mehr: Die Crew und
Besatzung der Werderania tanzten zu Musik von Deep Purple, Elvis Presley, den
Rolling Stones, Bata Illic und Heino (proudly performed by Heino and
Yeti-Klaus) bis in die Morgenstunden. Nur Prinz Malko traute sich nicht wieder
rein – aber er hatte ja Gesellschaft (die Witwe Nümosia
fand übrigens, dass eine Ablösesumme von 24 Millionen für einen wirklich guten
Torwart nicht zuviel wäre). Kat und ihr Kapitän tanzten nur den Walzer der
Liebe, und was Paula und der Schiffsarzt machten, entzieht sich der Kenntnis
der Autorin.
War das ein Tag gewesen! Als sich endlich gegen vier Uhr morgens alle auf ihre
Matratzen legten, ließ Baby Jane den Tag noch einmal Revue passieren. Erst das
Wasserballspiel, dann hatte es fast eine Katastrophe gegeben, dann war Arnie
aufgetaucht, das wundervolle Konzert... Kat und der Kapitän waren endlich
vereint (warum war sie, Baby Jane, nur deshalb so traurig), dann die
Beinahe-Prügelei zwischen Malko, Kaschi und dem Reeder...
Was würde wohl der morgige Tag bringen? Moment! Morgen sollte ja Hannelore
kommen – an die hatte sie die letzten Stunden gar nicht gedacht. Sie wollte
doch mit Paula einen Schlachtplan austüfteln. Paula – ja, Mensch, wo war sie
eigentlich? Die war doch seit mindestens 6 Stunden verschwunden... Baby Jane
setzte sich auf. Da war doch wohl hoffentlich nichts passiert! Das war doch gar
nicht ihre Art! Ob sie auf Deck war? Vielleicht trank sie mit Anna Nümosia und
dem Prinzen einen Martini? Oder brauchte eines der Tiere ihre Hilfe? Baby Jane
stieß Yeti-Klaus in die Seite. „Kommst Du mit?“ flüsterte sie. „Ich mache mir
Sorgen um Paula. Such Du mal auf Deck, ich sehe mal in den Kabinen nach.“ Auf
Zehenspitzen verließen Baby Jane und Yeti-Klaus den großen Speisesaal, nicht
ohne Mickey, der nahe der Tür lag, unabsichtlich einen Tritt zu verpassen. Doch
der murmelte nur „Ona“ und schlief weiter. Es war
auch für ihn ein anstrengender Tag gewesen.
120.[b] Folge: Die
Schlafenden (von Baby Jane)
Auf
leisen Sohlen huschte Baby Jane den Gang entlang, der zu den
Kabinen der Crewmitglieder führte. Es war dunkel, und sie musste sich an den
Wänden entlang tasten. Doch da! Ein heller Lichtschein unter einer der
Türen! Baby Jane schlich näher. Beinahe
stolperte sie über ein weißes Paar Ledersandaletten, wie sie früher im Ostblock
für Krankenhauspersonal hergestellt worden waren. Leichter, sehr leichter
Schweißgeruch strömte ihr entgegen – jemand hatte sein Schuhwerk wohl zwecks
Entlüftung draußen stehen lassen. Kein Zweifel – sie befand sich eindeutig vor
der Kabine des Schiffarztes. Die Tür war nur leicht angelehnt, und die
Österreicherin lugte durch den offenen Spalt in den kleinen Raum.
Das unschuldige Bild, das sich ihr bot, rührte Baby
Jane zutiefst. Getaucht in den warmen Schein einer Leselampe saßen Dr. Few
Master und Dr. Tracy am Boden der Kabine. Die beiden Kollegen lehnten inmitten
von Büchern, in denen sie geblättert hatten, mit dem Rücken am Bücherregal des
Arztes und schliefen. Masters Kopf ruhte ein wenig auf Miss
Tracys Schulter, er atmete tief und ruhig. In seiner Hand hielt er einen in
ukrainisches Yakleder gebundenen Gedichtband. „Rainera
Mariowa Rilkelowitsch“ las Baby Jane am
Buchrücken, und weiter: „Poetska romantikov amorischnikov“. Auch Miss
Tracy schlief den süßen, tiefen Schlaf der Gerechten.
Baby Jane nahm eine Wolldecke von Few Masters Bett und deckte die beiden
fürsorglich zu. Einen letzten wohlwollenden Blick auf die schlafenden
Medizinerkollegen - dann knipste sie die Leselampe aus und zog sich ebenso
leise wieder zurück wie sie gekommen war. Durch das Bullauge von Masters Kabine
drang bereits das erste Licht des neuen Tages.
121. Folge: Alte Liebe
rostet nicht (von Scarlet)
Die
restlichen Stunden dieser Nacht verliefen für alle an Bord angenehm. Dr. Few
Masters schlief in seiner Kabine friedlich an der
Schulter von Dr. Paula Tracy, im Speisesaal herrschte nach dem furiosen
Heino-Yeti-Konzert auch endlich Ruhe und Kat hatte sich mit ihrem Kapitän in
dessen Kabine zurückgezogen, wo sie die traute Zweisamkeit genossen.
Eine Weile hörte man im Speisesaal noch leises, undeutliches Flüstern, wer
hatte da wohl noch etwas zu besprechen? Immer wieder konnte man die Worte „Äktschn“, „Special Effects“
und „Hollywood“ hören. Doch bald herrschte Stille, die danach
nur noch einmal kurz von einem „Ona!!!!“ gebrochen wurde, anscheinend träumte Mickey…
Baby Jane zerbrach sich währenddessen den Kopf, wie man Hannelores morgige
Ankunft noch verhindern könnte, doch je länger sie nachdachte, umso weniger
fiel ihr etwas Brauchbares ein, da würde nur noch ein Wunder helfen. Sie hätte
Paulas Hilfe wirklich gebraucht.
Als sie an Paula dachte, schweiften ihre Gedanken
ab: Wie sie so friedlich neben Dr. Master lehnte und schlief, mit dem Rilke-Buch
in der Hand… Eigentlich hatte sie selbst mit ihrem Yeti-Klaus doch auch großes
Glück. Waren sie vor 17 Jahren nicht auch so verliebt gewesen wie jetzt Kat und
der Kapitän oder Xhosa und Tom? Hatten sie nicht auch solche romantischen Stunden erlebt wie
Paula und der Schiffsarzt? Und Klaus war immer für sie da, wenn sie ihn
brauchte, was sie von ihrem Ex-Mann, Falk, nicht gerade behaupten konnte.
Vorhin, als sie Klaus gebeten hatte mit ihr nach Paula zu suchen, hatte er da
auch nur eine Sekunde gezögert? Nein. Er war sofort aufgestanden und ist mit
ihr mitgekommen. Auch das Konzert heute Abend, gemeinsam mit Heino… Gut, es war
nicht unbedingt die Musik, die sie, Baby Jane bevorzugte, aber letztendlich war
ihr klar, dass Klaus das alles nur für sie getan hatte. Für sie hatte er es
riskiert, sich vor allen hier an Bord lächerlich zu machen aber das Gegenteil
war passiert: Er hatte die Herzen aller gewonnen – und er hatte ihres, Baby
Janes, wieder gewonnen! Das wurde ihr in diesem Moment klar. Sie drehte sich zu
dem Mann um, den sie seit nunmehr 17 Jahren liebte. Er lag friedlich schlummernd neben ihr,
sein gütiges Gesicht wurde bereits vom sanften Licht des anbrechenden Tages beschienen. Sie strich ihm
sanft mit dem Handrücken über die unrasierte Wange während sie leise seinen
Namen murmelte, dann senkte sie ihren Kopf, schloss die Augen und schlief schließlich ein. Mit
einem leisen Lächeln auf den Lippen öffnete Klaus die Augen und betrachtete
sein schlafendes Baby Jane, froh darüber, dass er
nicht die Ratschläge der anderen Männer befolgt hatte…
122. Folge:
Krisensitzung (von Paula_Tracy)
Während
im großen Speisesaal die Passagiere und Crewmitglieder den Schlaf des Gerechten
schliefen und Yeti-Klaus und Baby Jane nach der vermissten
Freundin suchten, wollen wir unser Augenmerk etwa 1000 Seemeilen weiter nach
Osten richten, genauer gesagt, nach Köln, wo sich der Krisenstab der
Griefs-Harperath-Schönfeldt-tvforen-corporations spontan zusammengefunden
hatte. Die Einnahmen der erfolgreichen Firma waren dramatisch gesunken, seitdem Kat
ihre Werbetexte nicht mehr verfasste. Auch die Nachfolgerin, Smartie Vampir,
hatte sich nicht als der große Treffer heraus gestellt. Offenbar wollte sie
ihre Verbindungen nur nutzen, um immer an die neuesten Werbesongs zu kommen –
und seit ein paar Tagen war sie merkwürdigerweise auch spurlos verschwunden. Die Geschäftsführung dachte
ernsthaft an eine fristlose Kündigung und hatte die Angelegenheit bereits dem
bekannten Rechtsanwalt Heinz Lehmann übergeben, der ein Schulfreund von Kat
war.
Die drei jungen Geschäftsführer redeten
sich seit Stunden die Köpfe heiß, aber es gab offensichtlich keine nahe
liegende Lösung. „Wir hätten Sie aufhalten müssen“, „Sie wollte doch immer eine
Gehaltserhöhung“, „Wir haben sie nicht genügend gelobt“, „Können wir nicht mit
der Firma in Texas reden und sagen, sie hat geklaut“ – so ging es wild
durcheinander. Bis einer von Ihnen auf den Tisch schlug und rief: „Wir
müssen sie zurückholen! Ich habe schon mit der Reederei
Brandungsfelsen telefoniert. Morgen früh wird das Schwesternschiff der Werderania aus
Hamburg ausschiffen, die „Zozza“. Das ist ein hochmodernes
Schnell-Dampfschiff, mit dem wir die Werderania innerhalb von
24 Stunden eingeholt haben. Einer von uns wird morgen an Bord sein und Kat
überzeugen, zurück zu kommen.“ Die beiden anderen starrten ihn sprachlos an.
Dass sie darauf auch nicht von selbst gekommen waren! Natürlich. Frauen waren
ja so einfach strukturiert. Ein paar Komplimente, 50 Euro Gehaltserhöhung – und
schon lief das wieder mit der Werbung! Und dann
konnte man auch endlich an die Neustrukturierung der Firma gehen, die jetzt schon seit Monaten
anstand – Zeit wurde es.