Tag 4

 

 

 

37.Folge: Der Reiseveranstalter (von Scarlet)

Am nächsten morgen erschallte der Gong, der die Passagiere in den Speisesaal zum Frühstück rufen sollte, um zwei Stunden später als sonst, nämlich um 9:30 Uhr. Es war auch ein sehr, sehr langer Abend gewesen und mit deutlich mehr Aufregung als ein normaler Tag bieten sollte. Kat war verwirrt. De Guy hatte sich gestern, vor seinem Sturz ins Meer so seltsam benommen. Und dann, später, als sich noch einmal alle im Ballsaal trafen, war da wieder dieser attraktive Unbekannte mit dem Hut, mit dem sich seltsamerweise diese Tapetchen angeregt unterhielt. Warum sprach er mit der Angestellten? Das hätte sie noch gerne herausgefunden, aber da war dieser fiese, hinterhältige Fischkrepp, der sie keine Sekunde aus den Augen ließ und sie sogar noch bis zu ihrer Kabine verfolgte, wo sie ihm dann erbarmungslos die Türe vor der Nase zuknallte. Aber egal… Kat schlüpfte in ein hellgelbes, blaugeblümtes kurzes Kleid – die blauen Kornblumen passten ausgezeichnet zu ihren Augen – und begab sich frohen Mutes in den Speisesaal. Die meisten der Privatpassagiere waren schon anwesend und auch ein Großteil der Crew war hier. Heino hatte sich geweigert, seine Kabine zu verlassen, da sein Konzert derart sabotiert wurde. Allerdings versicherte Willi, den Heino offenbar zu seinem einzigen Vertrauten gemacht hatte, dass Heino so lange wie nötig an Bord bleiben würde. Er wollte seine Fans nicht enttäuschen und das Konzert auf alle Fälle nachholen. „Bitte nicht!“, dachte Kat bei sich – und da war sie nicht die einzige.
Falk Rickmers trat in die Mitte des Raumes: „ Liebe Anwesende, Guten Morgen! Zunächst einmal stelle ich Ihnen Andreas Hansen aus Lübeck vor, den Reiseveranstalter der Reederei Brandungsfelsen. Er ist sozusagen verantwortlich für den Fortgang unserer Reise.“ „Er ist auch verantwortlich für das Zustandekommen meiner Reise“, dachte Kat, „ohne ihn hätte ich mich niemals auf diesen Schwachsinn eingelassen! Mit einem Sklaven
schiff nach Übersee! Ich kann ja nicht bei Sinnen gewesen sein, als ich diese schweineteuere Überfahrt gebucht habe. Aber nein, ich musste ja auf Andreas hören „Fliegen ist umweltschädlich, nimm ein Schiff, wenn sich’s schon nicht vermeiden lässt. Bla bla bla“ hat er gesagt. Warum musste ich nur auf ihn hören? Mit dem Flugzeug wäre ich in maximal 9 Stunden dort gewesen…“ Und während Kat noch darüber nachdachte, was Andreas alles sagte, hatte der sich schon auf Rickmers Platz gestellt und referierte: „….Unter ökologischen Aspekten ist diese Entwicklung keineswegs positiv zu bewerten. Der Primär-Energieverbrauch beträgt demnach bei einer Reiseentfernung von 1.000 km bei durchschnittlicher Auslastung je Person 13.354,739 Megajoule!!!!! Die einzige Möglichkeit, diesen Verbrauch einzudämmen und die Umwelt zu schonen, ist es eben, die Segel zu setzen und auf günstigen Wind zu warten! Da das die Überfahrt nach meinen Berechnungen allerdings auf 2 Monate verlängern würde, habe ich zugestimmt, die Dampfmaschinen wieder in Betrieb zu nehmen, allerdings nur mit geringer Leistung und nur, wenn kein Wind ist. Das heißt, wir werden nicht pünktlich in den USA ankommen können. Aber aus ökologischer Sicht stellt die Verlängerung der Reise ein geringes Opfer für sie dar. Die Versorgung der an Bord befindlichen Personen ist gewährleistet, keine Sorge! Das Flugzeug kann auch nicht so schnell repariert werden, wie sie gehofft haben – ich sage ausdrücklich sie, denn ICH weigere mich, die Wiederherstellung dieser Spritfressenden Klapperkiste gutzuheißen.“

 

 

38. Folge: Die Reeder (von Paula_Tracy)

Einige der Zuhörer klatschten begeistert Beifall (wohl die Umweltaktivisten unter den Passagieren), die anderen buhten Andreas Hansen gnadenlos aus.

Nun erhob sich ein anderer Mann, der bisher kaum in Er
scheinung getreten war: H. G. Werderaner, Gründer der Reederei Brandungsfelsen und Namensgeber des ältesten Schiffes, auf dem er sich gerade befand. Normalerweise ließ sich der scheue Mann selten auf seinen eigenen Schiffen blicken, umso erstaunter war Kapitän Falk Rickmers gewesen, als er seinen obersten Boss an Bord begrüßen musste. Werderaner galt als gnadenlos und absolut konsequent - wenn er etwas nicht gut hieß, war es auch nicht gut. Die Reederei war nicht sein einziges Unternehmen, ihm gehören u. a. noch eine Spirituosenfabrik und die europaweit bedeutendste Fabrik zur Herstellung von Sonnenbänken. Letztere war auch der Grund, warum er sich an Bord befand - im Frachtraum des Schiffes befanden sich 48 Sonnenbänke, allesamt Prototypen, die Werderaner in Los Angeles einem amerikanischen Unternehmen vorstellen wollte. Wenn dies klappen würde, könnte er sich endlich zurückziehen und auch seine Reederei, die schon lange keinen Gewinn mehr abwarf, verkaufen. Und nun machte ihm dieser Hansen einen Strich durch die sorgfältig erstellte Rechnung! Das Treffen mit den Amerikanern sollte in einer Woche stattfinden - wie war dieser Termin jetzt noch einzuhalten? Er hatte sich das Treiben an Bord nun eine Weile mit angesehen - jetzt musste er eingreifen! Und vor allen Dingen diesen unfähigen Captain absetzen, der noch dämlicher erschien als seine gesamte Mannschaft zusammen. Aber wer sollte das Schiff übernehmen? Er selbst? Fischkrepp? Willi? Kaschi Hallmackenreuther? Heino - der hatte doch immerhin den Motorbootführerschein?

Noch am Überlegen, begann Werderaner: "Nun, meine Damen und Herren..."

 

 

39.Folge: Die Ansprache (von Scarlet)

Gedankenverloren blickte er in die Runde, alle sahen ihn erwartungsvoll an, und warteten gespannt, was er ihnen mitteilen würde. Schnell verwarf er den Gedanken wieder, den Kapitän zu ersetzen. Von allen, die da so vor seinem geistigen Auge aufmarschierten war kaum einer geeignet das Schiff zu führen. Ja, er selbst hätte das gekonnt, aber er wollte nicht. Dass er sich jetzt in dieser unsäglichen Lage befand – auf einem Dampf-Segelschiff, das länger als geplant unterwegs sein würde – hatte er eigentlich auch sich selbst zuzuschreiben. Was musste er auch diesen Andreas Hansen als Reiseveranstalter einsetzen. Gut, er vertrat oft dieselben Ansichten wie er, aber musste dieser Hansen immer gleich so übertreiben… Der Umweltgedanke – alles recht gut und schön, aber gleich so militant? So war ja er selbst zum Beispiel Nichtraucher, aber ein liberaler, er hatte nichts gegen Raucher, nur gegen militante… Aber Werderaner schweifte mit seinen Gedanken ab… Na ja, er, Werderaner, hätte nicht auf ein Dampf-Segelschiff bestehen sollen, aber das hatte er jetzt davon. Und schuld daran war nur dieses Lied „Segel im Wind“ von diesem Peter Cornelius, einem Österreicher! Er hatte es ja schon immer gewusst, mit diesen Ösis hat man nichts als Probleme! Und jetzt saß er fest auf diesem Dampfer mit Segel. Wo sollte das hinführen? Ein Frachtraum voll mit 48 Sonnenbänken und kein Land in Sicht… Zum Glück war er ausgebildeter Versicherungsfachmann, weshalb er eine ausgezeichnete Ausfalls-Versicherung abgeschlossen hatte. Wenn er Glück hatte, dann konnte er aus diesem Desaster sogar noch mit Gewinn aussteigen!!! Wenn er so recht überlegte, war die Situation ja gar nicht so schlecht für ihn! Und so wandte er sich an die wartenden: „Also meine Damen und Herren, jetzt sitzen wir auf dem Dampf-Segelschiff fest. Machen wir das Beste daraus! Ich tu das ja auch! Schönen Tag noch!“ Und das war es dann? Dafür hatte er die Anderen so lange auf die Folter gespannt, um ihnen das um die Ohren zu schleudern? Die Anwesenden sahen sich ungläubig an.

 

 

40. Folge: Oh dieser Reeder (von Helli Gräfin Ermakova)

Zufrieden schlenderte der Reeder H.G. Werderania nach seiner, wie er fand, gelungenen Ansprache über das Schiff und beschloss, den Zustand einer genaueren Inspektion zu unterziehen. Wie viel Schlamperei war ihm schon im Laufe seines Lebens untergekommen und die hohen Ansprüche, die er an sich stellte (und erfüllte) galten auch für seine Angestellten.
So raunzte er auch
schnell den Schiffsjungen Anarky an, als dieser achtlos an einem auf dem Boden liegenden Zigarettenkippe vorbeiging.
"Heb das mal auf, Junge“, was der Angesprochene auch
schnell tat, nicht ohne sich danach schnell davon zu machen, und aus dem Blickfeld des Reeders zu kommen.
Kopf
schüttelnd ging Werderaner weiter, während er mit dem Zeigefinger über die eine oder andere Geländerstrebe und strich und auch Türrahmen und Lampenschirme auf Staub untersuchte. Das ging so gerade. Dennoch würde er sich Rickmers heute Abend mal vorknöpfen müssen.
Und... was war denn das da? Vor Kabine 132? Ah! Eine unglaubliche Sauerei.
Ächzend beugte sich der Reeder hinunter und klaubte aus einer Ecke eine Rose und eine verdrecktes Kuvert, dass der Kabineneigner wohl beim Herausgehen übersehen und mit der Tür an die Wand gedrückt hatte.
Im hohen Bogen warf er die Rose über Bord und begab sich auf die Suche nach einem Papierkorb, um das
schwach nach Lavendel duftende Kuvert gleichfalls zu entsorgen. Doch dann stutzte er, der Brief war ja noch zu! Verdammt, und keine Anschrift drauf.
Korrekt wie er war, be
schloss Werderaner den Brief dem Kabineneigner zu übergeben, nicht ohne sich schon Worte zurecht zu legen, was er von Leuten hält, die meinen im Urlaub nicht nach ihrer Post gucken zu müssen.
So, wo war das noch gewesen? In diesem Gang? Die Kabinenreihe 144-139 starrte ihn an, nein hier nicht, es war doch der nächste Gang? Oder der übernächste? Verdammt. Der Reeder, der es nicht gewohnt war, Fehler zu machen, verharrte kurz, bis aber ein Leuchten über sein Gesicht strich. Da war sie ja. Die Kabine 123!
In seiner Erinnerung war sie zwar etwas näher zur Brücke gewesen, aber man ist ja
schließlich nicht die Liesel von der Post, nicht wahr. Zwar mochte er nicht mehr klopfen und verzichtete mit einem leichten Bedauern auf die Standpauke, aber er schob etwas verstohlen aber mit Schwung den Brief unter der Kabinentür hindurch, dann kam das wenigstens nicht wieder vor.

 

 

41.Folge: Eine weitere Diagnose (von Der schlaue Det)

Die unvermutete Anwesenheit des Reeders hatte alle Besatzungsmitglieder ein wenig nervös gemacht. Aus diesem Grund hatte Dr. Master seine Assistentin beauftragt noch einmal alles in der Krankenstation auf seinen ordnungsgemäßen Zustand zu überprüfen und die Türrahmen mit Desinfektionsspray zu reinigen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der alte Werderaner auch hier auftauchen würde, um seine Nase in Angelegenheiten zu stecken von denen er nichts verstand. Natürlich hatte Det wie immer gemault, doch nachdem Master – immerhin war die liebreizende Miss Tracy in Hörweite – ihr freundlich aber bestimmt zu verstehen gab, wer hier wessen Assistent sei, musste sie klein beigeben und zog beleidigt ab. Wenigstens dieses eine Mal hatte er triumphieren können, dachte sich Master, als er sich voll stolz wieder Paula Tracy zuwand...
Det, mittlerweile in der Krankenstation angekommen,
schlenderte durch die Räumlichkeiten und überprüfte, ob auch alles an Ort und Stelle sei. Der schwere Geruch von erkaltetem Zigarrenrauch hing in der Luft. Sie konnte und wollte es sich nicht verkneifen ihren Chef als alte Pottsau zu bezeichnen, während sie demonstrativ das Fenster aufriss. War es denn nötig, dass er bei seinen ach-so-verschwiegenen Unterredungen mit den "Patienten", besonders diesem eigenartigen Sir Hilary, ein gemütliches Zigarrchen mit ihnen paffte? Er als Arzt, sollte das doch wohl besser wissen. Als sie wutschnaubend den Aschenbecher ins Meer leeren wollte, fiel ihr auf, dass ein Blatt Papier unter den Schreibtisch gefallen sein musste. Sie hob es auf und sah mit Erstaunen, dass es sich um einen Brief von der Klinik unter Palmen handelte. Wo mochte der hergekommen sein? Und, was viel interessanter war: Wo war die erste Seite? Sie konnte nicht widerstehen und musste den Brief lesen. Es würde ja niemand merken, dachte sie sich. Doch was sie da las erschreckte sie zutiefst. Bei Herrn Paulsen war die mysteriöse und seltene Ciguatera, eine sehr ungewöhnliche Fischvergiftung, diagnostiziert worden! Wie konnte das möglich sein? Als sie vor der Tür ein Geräusch zu hören glaubte, steckte sie schnell das Papier in ihre Hosentasche. In ihr keimte ein schrecklicher Verdacht...

 

 

42. Folge: Ein Traumpaar (von Scarlet)
Doch das, was Det gehört hatte war nur die Möwe Laura, die vom unkastrierten Kater Mike
sch aufgescheucht wurde und krähend aufflog. Det atmete Tief durch, zum Glück hatte niemand gesehen, dass sie den Brief gelesen hatte und legte ihn wieder zurück auf den Tisch. Um sich von dem Schreck zu erholen putzte sie ausführlich die Türrahmen und desinfizierte die Türschnallen…
Alle anderen waren noch – mit Ausnahme vom „Paten“ Werderaner – im Speisesaal sitzen geblieben und berat
schlagten ihre Lage. Lady Patricia und ihr Leichtmatrose Nobbi, die gerade eben erst aus ihrem grün-gelb verzierten U-Boot geklettert waren, das die Lady liebevoll mittels Serviettentechnik verziert hatte - am Heck lösten sich schon sichtlich die ersten Papierfetzen, sie sollte dringend wasserfeste Serviettentechnik erfinden, das wäre eine Marktlücke - schlenderten selig lächelnd in den Saal, wo sie von dutzenden verwunderten Augenpaaren gemustert wurden. Wieso kamen die beiden jetzt erst und warum schauten sie so überglücklich? Sie gingen direkt auf Falk Rickmers zu, der während Werderaners Rede an Kats Nachbartisch platz genommen hatte. Was wollten sie von ihm? Hatten sie einen Vorschlag, wie man die Überfahrt beschleunigen könnte? Wollten sie die Werderania etwa mit ihrem Atom-U-Boot umweltfreundlich abschleppen? Alle Blicke waren gespannt und hoffnungsvoll auf die beiden gerichtet, was Lady Patricia sichtlich genoss, so hat man sie nicht mehr angesehen , seit sie mit dem olivgrün-gelb-blau gemusterten Ballonrock und der pinken Puffärmel-Bluse bei der Gartenparty der Nachbarin der Queen erschien! Das war damals ein Auftritt! Hach! Beinahe vergaß Lady K. weshalb sie überhaupt mit Rickmers sprechen wollte… „ Also liebster Kapitän, Sie werden sich bestimmt gefragt haben, warum mein liebster Nobbi und ich uns hierher zur Werderania begeben haben. Nun ja, wie sie ja wissen, habe ich meinen Liebsten hier an Bord kennen und lieben gelernt. Meine Alpha-Wellen schlugen sofort hohe Wellen, als ich ihn zum ersten Mal sah. Das weiß ich ganz genau, denn mein Biofeedbackgerät, das ich ständig trage, hat das in dem Moment genau angezeigt und aufgezeichnet! Und Nobbilein fühlte sich auch sofort zu mir hingezogen, wie konnte es auch anders sein. Stimmt’s Nobbi? Ich habe sofort seine Alpha-, Beta- und Gammawellen getestet und die stimmten einfach überein. So oft wir nur konnten haben wir die Zeit hier an Bord miteinander verbracht, besonders schön waren immer die Filmabende im Ballsaal! Da hatte ich immer einen Vorwand, meinem liebsten bei den gruseligen Szenen bei „Harry Potter“ auf den Schoß zu hüpfen und vor Freude zu quieken…na ja, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wie auch immer, aus diesem Grund…“, sie machte eine bedeutungsvolle Pause, „…aus diesem Grund haben wir beschlossen, hier auf diesem Schiff zu heiraten und sie Kapitän Rickmers sollen uns trauen. Würden sie das für uns tun? Schließlich sind doch die meisten hier an Bord so etwas wie meine Familie, ich liebe sie doch alle so sehr!“ Und weiter dachte sie: „Und für Nobbi ist es wirklich endlich Zeit, dass er von seiner Mutter loskommt, das hatte ja schon fast ödipale Züge, dieses ständige Getue ’Aber Kadylein, einmal im Jahr muss ich sie doch besuchen, sie ist doch meine Mutter.’ Papperlapapp! Dem werde ich schon zeigen, wo’s lang geht.“ Falk Rickmers schluckte kurz und schaute sich im Saal um, gleichgültige Blicke und Schulterzucken um ihn herum. „Ähm, ja, also Patricia, Nobbi, wenn das Ihr Wunsch ist, werde ich das natürlich….ähm…gerne machen. Wie haben sie sich die Zeremonie vorgestellt?“ „So schlicht wie möglich und so bald wie möglich, aber trotzdem feierlich.“, antwortete Lady Patricia. „Ja dann würde ich den heutigen Abend vorschlagen. Für heute Abend war ursprünglich ein Ball geplant. Der Ball könnte dann trotzdem stattfinden und sie beide sind dann sozusagen die Ehrengäste. Sind sie einverstanden?“ „Ja, gerne, das wird bestimmt schön.“, meinte Patricia und lächelte versonnen ihren Nobbi an, der sie verklärt ansah. „Was meinen sie?“, wandte sich Falk an die anderen anwesenden. Applaus brandete im Saal auf und Rickmers war zufrieden, er hatte den heutigen Abend gerettet.
Es war nicht mehr lange Zeit bis zum Ball, er sollte um 19:30 Uhr beginne. Der Lunch würde wegen des späten Frühstücks entfallen, es war mittlerweile nämlich
schon 12:20 Uhr. Es würde einfach am Abend ein großes Galadinner zu Ehren des Brautpaares geben.

 

 

43. Folge: Der rote Faden [1. Teil] (von Der schlaue Det)

Nachdem De Guy von Dr. Master als erschöpft, aber gesund beurteilt wurde und mit einer handvoll Aspirin - gegen die Schmerzen der zahlreichen Prellungen, damit er sich davon unbehelligt ausruhen konnte – auf seine Kajüte geschickt wurde, suchte er noch einmal Kat auf und bat sie eindringlich zu ihm in die Kabine zu kommen, bevor sie zum Hochzeitsball ginge. Kat willigte ein und sie verabredeten, dass sie ihn abholen würde.
Auch Kat ent
schloss sich mit einem Imbiss und einem guten Buch die Zeit bis zum Beginn des Festes in ihrer Kabine zu verbringen, in der Hoffnung ihre Gedanken und Gefühle gegenüber De Guy, Falk Rickmers und den geheimnisumwitterten Mr. Butermaker sortieren zu können. Alle drei waren auf ihre Art sehr anziehend und De Guy hatte sich schon als echter Romantiker beweisen können. Aber, war es wirklich das was sie wollte? Sie wusste es nicht...
Als die Zeit gekommen war sich auf das Fest vorzubereiten, ent
schloss sich Kat, dass zu diesem Anlass ihr seegrünes, kniefreies Etuikleid genau das richtige sein würde. Als sie umgezogen und frisiert war ging sie zu De Guys Kabine, immer darauf bedacht nicht gesehen zu werden.
Als sie an De Guys Kür klopfte antwortete niemand. Kat dachte, dass er vielleicht noch
schliefe und ging hinein. Sie wollte nicht Schuld sein, wenn er das Fest verpasste und wohlmöglich noch entlassen würde, weil er seinen musikalischen Pflichten nicht nachkam. Doch er lag nicht im Bett und auch aus dem Bad war kein Geräusch zu hören. Sie sah sich im Zimmer um. Auf dem Boden entdeckte sie, vor dem Schrank, etwas Rotes. Sie wollte es aufheben, da sie dieses rote etwas auf dem marineblauen Teppichboden in ihrem ästhetischen Empfinden störte und merkte, dass es ein Stück Faden war, der in der Schranktür eingeklemmt war. Verwundert öffnete sie die Schranktür und sah zu ihrem Entsetzen den Ursprung dieses Fadens. Sie konnte den Schrei, der sich ihrer Brust entringen wollte, kaum unterdrücken: In De Guys Schrank hing... ein Rotgemusterter Strick-Poncho!

 

 

43. Folge: Der rote Faden [2. Teil] (von Paula_Tracy)

Während Kat sich noch über diesen merkwürdigen Strickponcho wunderte (schließlich war es Sommer, und welcher Mann trug schon einen Poncho), waren schon einige Passagiere und Teile der Besatzung in den großen Ballsaal gekommen.

Anna Nümosia und die Gräfin unterhielten sich lebhaft, welches Kleid Lady Patricia wohl tragen würde, und sogar die vernünftige Paula und die liebreizende Baby Jane ließen sich davon anstecken. Miss Scarlet trug ein cremefarbenes Spitzenkleid, das ihre
schmale Taille vorteilhaft betonte, die Gräfin hatte ein leichtes Cocktailkleid aus Shantungseide im Farbton „Azalee“ gewählt. Baby Jane führte ihr neues rosafarbenes Satin-Ensemble aus, und Paula trug ein knallrotes Kleid mit einem weiten Rock. Kurz: Die Damen sahen bezaubernd aus. Aber auch die Herren konnten sich sehen lassen, allen voran Yeti-Klaus. „Eitler Gockel“, meinte Baby Jane zu Paula verächtlich. „Ich verstehe gar nicht, weshalb ich noch immer bei ihm bin. Nach der Reise mache ich Schluss. Ich glaube, ich liebe Falk noch immer. Ich hätte mich nie scheiden lassen sollen.“

Nach einem kurzen Geplänkel betrat der Kapitän die Bühne, Baby Jane seufzte und die bereits anwesenden Gäste nahmen Platz. Falk Rickmers nahm sein Mikrofon und begann: „Meine lieben Gäste, heute haben wir ein ganz besonderes Abendprogramm. Wir werden Zeuge, wie sich zwei Men
schen zueinander bekennen und zwar auf die stärkste Art und Weise, wie es zwei Menschen nur tun können. Sie sagen „ja“ zueinander. Sie sagen: Ich will dorthin gehen, wo Du auch hingehst. Ich habe ein ganz besonderes Verhältnis zu diesen beiden Menschen. Sie haben sich hier – auf diesem Schiff – kennen gelernt. Zwei völlig unterschiedliche Menschen sehen sich und wissen: Sie sind für einander bestimmt. Und heute: Die Krönung ihrer Liebe. Und wir alle werden Zeuge sein.“ Kurze Pause, Falk Rickmers räusperte sich. „Nun, unser Pianist ist noch nicht da, um das traditionelle Hochzeitslied zu spielen, daher möchte ich die Bühne erst einmal freigeben für einen unserer Schiffsjungen: Hier kommt Willi! Er hat heute eine große Überraschung für Sie, aber was es ist – das will er Ihnen selbst sagen. Applaus für unseren Willi!“

 

 

43. Folge: Der rote Faden [3. Teil] (von Paula_Tracy)

Die Tür klapperte, und Kat erschrak. Da stand er: De Guy, wie immer etwas verwirrt aussehend, mit einem gütigen, milden Lächeln auf den Lippen. Kat lächelte unsicher zurück und meinte: "Das ist ein schönes Kleidungsstück, dieser Poncho... Woher hast Du ihn?" De Guy kam näher, fasste sie um die Taille und sah ihr tief in die meerblauen Augen. "Ist das wichtig?" flüsterte er. "C&A, Kaufhof, Karstadt oder Hertie - Namen sind Schall und Rauch, nur Gefühle sind wichtig..." Langsam ließ er seinen Zeigefinger unter den Träger ihres seegrünen Etuikleides gleiten (das im Übrigen überhaupt nicht zu den meerblauen Augen passte), während seine andere Hand... Kat riss sich los, denn De Guy hatte eine so schreckliche Knoblauchfahne, dass ihr ein weiteres Näher kommen unerträglich geworden wäre. "Du warst schon am Buffet?" fragte sie. "Ja, es gibt ein ausgezeichnetes Zaziki", meinte De Guy. "Sollen wir heute nicht lieber in der Kabine bleiben?" flüsterte er und kam wieder näher. "Nur wir beide? Ich habe zwar das Gefühl, Dich schon ewig zu kennen, weiß aber gar nichts von Dir... Wir sollten uns endlich besser kennen lernen..." "Nicht heute Abend", wich Kat aus, "ich brauche noch etwas Zeit, und die Überfahrt ist noch so lang... Außerdem will ich nicht ins Gerede kommen, diese Anna Nümosia sieht alles. Und wenn sie es weiß, weiß es bald das ganze Schiff." De Guy lächelte milde. "Das kann ich verstehen, mein Liebstes. Dann gehen wir heute wohl auch zu der Hochzeit. Ich muss ja ohnehin den Hochzeitsmarsch spielen, danach hätte ich erst frei gehabt... Dann gehöre ich ganz Dir!" Kat schloss die Augen. Wie sollte sie ihm nur sagen, dass sie gegen Knoblauchgeruch allergisch war? Wie sollte sie ihm heute nur aus dem Weg gehen, ohne dass er böse auf sie war? War das die erste Prüfung ihrer jungen Liebe?

Während draußen Schiffsjunge Willi von seinen Kollegen Mickey und Anarky gnadenlos ausgebuht wurde, machten sich ernste Zweifel in Kats Herzen breit - würde sie diese Allergie nicht überwinden können, wenn sie ihn wirklich liebte? War es ein Zeichen?

 

 

44. Folge: Zaziki und Käsesahne (von Paula_Tracy)

Willi war stinkwütend. Diese Zwerge bildeten sich ein, ihn, den Chef der Schiffsjungen, auslachen und ausbuhen zu müssen! Dabei sang er genauso gut wie Heino, und seine Version von „Blau, blau, blau blüht der Enzian“ war einfach genial. Heino suchte einen Nachfolger, der in seine Fußstapfen treten wollte, und Willi hatte sich heute Nachmittag persönlich in seiner Kabine beworben. Heino hatte zwar etwas merkwürdig gewirkt, als Willi anfing zu singen und noch merkwürdiger, als er aufhörte, aber das war sicher auf seine Kopfschmerzen zurückzuführen, die er angab, als er Willi bat, ihn allein zu lassen. Mit ihm würde Heino einen würdigen Nachfolger gefunden haben! Und nun pfiff Mickey und Anarky rief „Buh“ – aber ihm war schon klar, dass Mickey den nur aufgehetzt hatte. Mickey war scharf auf seinen Posten und er sägte bei jeder passenden Gelegenheit. Na warte!!!

Ehe sich der verdutzte Mickey versah, war Willi von der Bühne gesprungen und stürzte sich auf ihn. Eine muntere Prügelei begann, Willi versetzte Mickey einen derartigen Kinnhaken, dass dieser in die Schüssel mit Zaziki am Buffet fiel. Sofort formierte sich ein Kreis um die prügelnden Jungen, und Mickey revanchierte sich, in dem er Willis Kopf in die Ananas-Bowle tauchte. Das ließ Willi sich natürlich nicht gefallen, und Mickey machte Bekannt
schaft mit der Käsesahnetorte. Es wäre sicherlich noch weiter gegangen, wenn da nicht unerwartet jemand eingegriffen hätte, von dem man es am wenigsten erwartete...

... es war der stille Städteplaner Tom, der sich die beiden schnappte und sie anherrschte: "Jetzt ist aber mal Ruhe! Das ist doch kein Kindergarten!"

 

 

45. Folge: Ziel verfehlt (von Scarlet)

Augenblicklich waren die beiden Schiffsjungen ruhig, überrascht darüber, dass der sonst so zurückhaltende Tom die Beherrschung verlor. Mickey sah den Städteplaner sprachlos – und das kam bei Mickey nicht allzu oft vor – an. Diese Gelegenheit nutzte Willi und versetzte ihm einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein, woraufhin dieser markerschütternd aufschrie. Dieser Angriff konnte nicht ungerächt bleiben und so setzte Mickey zu einer erneuten Attacke an. Tom gelang es nur mit großer Mühe, die beiden Streithähne auseinander zu halten.

Dr. Tracy war gerade wieder dabei, ihre bewährte Betäubungsspritze auszupacken, als Xhosa eingriff. Xhosa, die im traditionellen Feiertagsgewand des Stammes der Xhosa er
schienen ist, zog ein Blasrohr aus ihrem Gürtel, das zu der Tracht gehörte, die sie trug und füllte den dazugehörigen Pfeil mit Paulas Serum. Blitzschnell und gekonnt zielte sie und traf… Lady Patricia. Diese war gerade in den Saal gekommen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war, denn sie hatte anstatt des Hochzeitsmarschs nur ein lautes Poltern und Schreien gehört. Da bemerkte sie den Streit zwischen Willi und Mickey. Jetzt konnte sie zeigen, was sie in ihrem Mediatoren-Fernkurs alles gelernt hatte, dachte sie. Übereifrig war sie zur Stelle um einzugreifen und den Streit zwischen den beiden Schiffsjungen zu beenden, denn sie wollte, dass bei ihrer Hochzeit alles friedlich und harmonisch verläuft.

Er
schrocken starrten alle auf Lady Patricia, die taumelte und nur mehr ein „Ja, ich will!“ flüsterte, bevor sie bewusstlos in Yeti-Klaus’ starke Arme sank. Yeti-Klaus hatte blitzschnell reagiert, als er den Giftpfeil kommen sah. Sofort sprang er, ohne Rücksicht auf seinen tiefseeblauen Armani-Anzug, auf, um der Lady beizustehen. Durch sein heldenhaftes Handeln hatte er Schlimmeres verhindert und Baby Jane war sehr stolz auf ihn.

Xhosa machte sich fürchterliche Vorwürfe, dass sie Mickey, ihr eigentliches Ziel, verfehlt hatte und anstatt dessen die Braut getroffen hatte. Tom, der ja alles aus allernächster Nähe miterlebt hatte, versicherte ihr, dass sie keine Schuld trifft, nicht einmal er hätte bemerkt, dass Lady Patricia auf einmal neben ihm stand. Auch Leo, die neben Xhosa stand, als diese den Pfeil abfeuerte, bestätigte, das Lady K. ganz plötzlich zwi
schen die beiden Schiffsjungen sprang, sodass gar keine Chance bestand, das Unheil zu verhindern.

Nachdem sich alle einigermaßen beruhigt hatten, be
schloss man Nobbi, der noch immer vor dem Ballsaal auf das Erklingen des Hochzeitsmarsches wartete zu informieren, was geschehen war. Doch wer sollte diese schwierige Aufgabe übernehmen?

 

 

46. Folge: Der Schlachtplan (von Paula_Tracy)

Ungeduldig trat Nobbi von einem Fuß auf den anderen. Warum ertönte denn der Hochzeitsmarsch noch nicht? Stattdessen schienen sich drinnen irgendwelche Typen zu schlagen – bestimmt wieder Mickey und Willi, er kannte das noch von früher. Spinnefeind waren sich die beiden Jungs. Mickey war scharf auf Willis Job, und Anarky machte mit. Ach ja, als er noch auf dem Schiff war, hatte ein Wort von ihm genügt, und die beiden waren ruhig. Vielleicht sollte er... Doch da war ja... Kaschi! Sein alter Freund! Mensch, der sah ja belämmert drein. „Hey Kumpel, was ist passiert?“ fragte Nobbi, als Kaschi einfach, ohne ihn zu beachten, an ihm vorbei wollte. „Ach Nobbi, Du bist es...“ Kaschis Augen blickten ein wenig glasig, fast, als ob er zu tief ins Glas geschaut hatte. „Weißt Du, wer auf dem Schiff ist? Baby Jane. Du weißt doch...“ Nobbi schlug sich vor die Stirn. „Na klar! Deine alte Liebe, die Ex vom Chef! Das ist ja dumm für Dich.“ Kaschi nickte sorgenvoll. „Ja, und sie ist immer noch mit diesem Bergsteiger zusammen – seit 17 Jahren. Wankelmütigkeit kann man ihr wirklich nicht vorwerfen.“ „Aber... das war doch immer rein platonisch zwischen ihr und Dir?“ fragte Nobbi behutsam (er hatte von Patricia einiges gelernt, er war Mr. Einfühlsam persönlich). „Nicht nur das“, meinte Kaschi, „sie weiß noch nicht einmal, was ich für sie empfinde. Damals in Wuppertal hatte sie nur Augen für den Captain, danach nur für diesen Gockel. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ „Du musst sie auf Dich aufmerksam machen!“ rief Nobbi. „Aber wie?“ Kaschi war ratlos. „Vielleicht sollte ich ihr was vorjodeln? Das haben wir früher gerne gemacht. Ich war besser als der Captain, und Baby Jane fand das immer toll.“ „Hm – das wäre zwar eine Möglichkeit, aber jodeln kann Yeti-Klaus auch, damit kannst Du ihr nicht imponieren!“ fand Nobbi. „Vielleicht solltest Du ihr einfach zeigen, dass andere Frauen Dich attraktiv finden. Manche Frauen werden erst dann auf einen aufmerksam und werden interessiert. Lass mal überlegen: Gibt es hier auf dem Schiff eine Frau, die das mitmachen würde? Die so tun würde, als ob sie ganz verrückt nach Dir wäre?“ „Ach was, das macht keine mit“, resignierte Kaschi. „Was ist mit dieser Arzthelferin? Die hat ein paar Mal in Deine Richtung geschaut, als wir ankamen und Du dieses verschwitzte T-Shirt trugst.“ „Det?“ fragte Kaschi erstaunt. „Det schaut in meine Richtung?“ Nobbi fasste Kaschi um die Schulter. „Jetzt pass mal auf, wir gehen jetzt in den Maschinenraum, lassen uns von Gandalf ein Bier bringen und hecken einen Schlachtplan aus!“ Mit keinem Gedanken mehr dachte Nobbi an seine Lady, er war nur vom Gedanken beseelt, seinem alten Freund zu helfen. Und während er mit Kaschi und dem Chef-Steward Gandalf, der die Reste der Käsesahne und des Zazikis mitbrachte, überlegte, wie man Baby Jane auf Kaschi aufmerksam machen konnte, suchte man auf dem ganzen Schiff nach Nobbi. Wo war der Bräutigam? Sollte denn wieder alles schief gehen an diesem Abend? Konnte auf diesem Schiff nicht einfach mal etwas normal laufen? Die Braut bewusstlos, der Bräutigam verschwunden, keine Käsesahne – kein Steward zum Bedienen der Gäste... Was würde wohl als nächstes kommen?

 

 

47 Folge: Eisberg voraus (von cessnaritter)

Ja, was würde wohl als nächstes kommen? Kümmerte sich überhaupt noch jemand darum, wohin dieses Schiff eigentlich gesteuert wurde? Durch die amourösen Verwicklungen mittlerweile fast aller leitenden Offiziere des Schiffs, war es niemanden aufgefallen, wie die Werderania immer mehr nordwärts driftete und so in die berüchtigte Labradorströmung kam, die ja bekanntlich die Heimat vieler kleiner und großer Eisberge war.
Zu allen Verwirrungen des Tages hörten Passagiere wie Mann
schaft plötzlich zunächst ein Knacksen und dann eine männliche Stimme aus den Lautsprechern:
"Achtung, Achtung! Eisberg voraus!"
Alle sahen sich er
schrocken an. Eisberge? Wo? Und wer sagte dies? Die Stimme aus den Lautsprechern kam kaum jemanden bekannt vor.
Da ging auch
schon ein Zittern und Stampfen durch das Schiff. Offensichtlich versuchte man auf der Brücke, zu retten, was zu retten war.
Eine Sirene begann zu heulen, der Kapitän stürmte auf die Brücke und mit ihm auch der Reeder und der Reiseveranstalter.
"Was hat dieser verdammte 1.Offizier nun
schon wieder angestellt?" presste der Kapitän beim Spurt auf die Brücke hervor. Auf dem Weg dorthin kam ihnen schon Fischkrepp entgegen.
"Captain!" rief er laut. "Captain, wir sind auf Eis gelaufen!" sprudelte er atemlos hervor. "Ich habe gleich Volle Fahrt zurück und Ruder hart steuerbord befohlen, aber es war zu spät, wir haben eine Eis
scholle gerammt!"
"Meinen Sie, dass das Schiff
schwer beschädigt ist?" fragte der Reeder.
"Keine Ahnung!", meinte der Kapitän. "Aber auf jeden Fall haben die Passagiere erst einmal die Rettungsboote aufzusuchen. Und jeder, der mindestens 3x "Die letzte Nacht der Titanic" gesehen hat, bekommt das Kommando über ein Rettungsboot, verstanden?"
"Aye, aye, Captain!" sagte Fi
schkrepp dienstbeflissen und stürmte davon.

 

 

48. Folge: Wer wird Filmionär? - Der Untergang der Titanic + Nachtrag (von Paula_Tracy und cessnaritter)

"Meine Sonnenbänke, meine Sonnenbänke!" rief H. G. Werderaner wie von Sinnen. "Das sind Prototypen - Captain, Sie müssen die Werderania in jedem Fall über Wasser halten - sie darf nicht sinken. Ich mache Sie persönlich für meinen Verlust verantwortlich." "Wenn Sie meinen!" fuhr Falk ihn an. "Ich bin vor allen Dingen für meine Mannschaft, meine Passagiere und deren Leben verantwortlich. Ihre Sonnenbänke sind wirklich das letzte, worum ich mir momentan Gedanken mache. Gehen Sie sofort an Deck und folgen Sie den Anweisungen meiner Mannschaft." Der eisige Blick, mit dem er bedacht wurde, verfehlte seine Wirkung nicht. Werderaner ging, doch er nahm sich vor, diesen Kapitän so bald wie möglich seines Amtes zu entheben.

Auf dem Oberdeck war Panik ausgebrochen. Anna Nümosia und die Gräfin hielten sich weinend in den Armen, Kat hatte sich den roten Poncho von De Guy um ihre nackten Schultern ge
schlungen und starrte fassungslos hinaus. Sollte die Werderania tatsächlich untergehen? Ihr junges Glück schon vorbei sein? Was zählte wirklich im Leben? War es wirklich so schlimm, dass De Guy ein Freund von Knoblauch war? Vielleicht war es in einigen Minuten schon zu spät, jemals darüber nachzudenken...

Dr. Few Master und Det hatten Mühe, die aufgeregte Menge zu beruhigen. Heino
schlug wild um sich, und nur Willis Versprechen, ihm bald wieder etwas vorzusingen, konnte ihn zum Schweigen bringen. Paula und Baby Jane machten sich auf, um eventuell in den Kabinen verbliebene Passagiere aus diesen zu holen. Fischkrepp, Mickey und Anarky machten währenddessen die Rettungsboote klar.

"Man merkt gar nicht, dass wir sinken", meinte Scarlet zu Cessnaritter. "Wir sinken ja auch nicht", sagte der nur. "Das ist nicht die Titanic, und der Autor hat dies nur aus dramaturgi
schen Gründen eingebaut. Dies ist das neueste Rätsel aus dem Filmionär - "Der Untergang der Titanic" - natürlich nur der Film mit Barbara Stanwyck! Ich mag diese neuen Filme nicht - die alten sind viel besser. Gleich wird der Kapitän Entwarnung geben, und wir werden zurück in den Ballsaal gehen. Und dann werde ich Sie um einen Tanz bitten, Miss Scarlet..."

"Aber solange werden wir zumindest noch so tun, als ob wir sinken!" keuchte Fi
schkrepp. "In die Rettungsboote, Frauen und Kinder zuerst!"


Insgeheim freute er sich darüber, dass sein Plan funktionierte. Natürlich hatte die Werderania nur eine Eis
scholle ganz sanft gestreift, das Schiff war überhaupt nicht beschädigt. Aber sobald alle Passagiere und Mannschaftsmitglieder in den Rettungsbooten saßen, würde er auf die Brücke zurückkehren und mit dem Schiff fliehen. Dann hatte er es endlich geschafft. So war sein düsterer Plan.

Würde es ihm gelingen?

 

 

49. Folge: Zu den Rettungsbooten (von Scarlet)

Filmionär? Rätsel? Miss Scarlet war verwirrt. Was hatte der Cessnaritter damit gemeint? Gestern Abend hatten die Damen in Gräfin Ermakovas klimatisierter Kabine ein paar Runden „Filmionär“ gespielt und tatsächlich wurde auch einmal nach dem Film „Untergang der Titanic“ gefragt. Natürlich hatte sie den Film nicht erraten, überhaupt hatte sie die meiste Zeit nur still daneben gesessen und kaum einen Film erraten, nach dem gesucht wurde. Aber es war jetzt nicht die Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Viel wichtiger war, dass der Cessnaritter gesagt hat, dass das Schiff ja gar nicht sinken würde (woher wusste er das bloß?) und auch Fischkrepp hatte gesagt, dass man nur so tun würde als ob… Na ja, damit konnte sie leben, sie würde das Spiel einfach mitspielen. Sie würde diese hässliche orangefarbene Schwimmweste anlegen und sich gemeinsam mit dem Cessnaritter zu einem der Rettungsboote begeben. „Es werden ja wohl hoffentlich genug Boote da sein, denn wie gesagt, wir sind ja nicht auf der Titanic, wir tun ja nur so…“, dachte sie und begab sich ruhig zu den Rettungsbooten, wo sie warten wollte, bis endlich die Entwarnung des Kapitäns kam…
Auch die anderen Passagiere machten sich auf den Weg zu den Rettungsbooten und trugen dabei ihre Schwimmwesten. Die immer noch bewusstlose Lady Patricia hatte man der Gräfin Ermakova und Anna Nümosia anvertraut. Sie nahmen sie in die Mitte und
schleppten sie zu den Booten. Auch Dr. Tracy und Baby Jane erschienen jetzt wieder, um mitzuteilen, dass sich niemand mehr in den Kabinen befand. Jetzt wurden der Reihe nach die Boote beladen, wie üblich durften zuerst die Damen einsteigen. Danach begaben sich die Herren in die kleinen Boote. Nach den Passagieren stiegen dann auch die Crew-Mitglieder ein. Komischerweise fehlten Gandalf, Kaschi und Nobbi. Jedoch beschloss man, nicht weiter nach ihnen zu suchen, da man vermutete, dass sie eines der Boote an der Backbordseite genommen hätten. Sie kannten sich ja schließlich bestens aus, was in einem solchen Fall zu tun war, sie hatten schon an zahlreichen Übungen teilgenommen. Zum Glück ist der Ernstfall – bis heute – noch nie eingetreten.
Außer dem Kapitän und dem ersten Offizier befand sich nun niemand mehr an Bord und die in den Booten Sitzenden warteten darauf, dass diese zu Wasser gelassen würden (und Miss Scarlet wartet zusätzlich auf die Entwarnung durch den Kapitän).

 

 

50. Folge: Auf der Brücke (von Scarlet)

Während also die Rettungsaktion in vollem Gange war, stand der erste Offizier Fischkrepp auf der Brücke und hantierte mit den Instrumenten, Plänen und Zirkeln, verglich verschiedene Distanzen auf den Seekarten, die vor ihm ausgebreitet lagen. Er war ganz auf seine Arbeit konzentriert und wiegte sich zudem in Sicherheit, da er alle anderen bei den Rettungsbooten glaubte. Allerdings hatte er da nicht mit dem Kapitän gerechnet und so zuckte er zusammen, als dieser plötzlich hinter ihm stand und ich ansprach.
Fi
schkrepp hatte nicht bemerkt, dass leise die Türe aufgegangen und der Kapitän eingetreten war. Einige Zeit lang stand er schon dort und hatte den Offizier beobachtet, gerade lange genug, um sich zusammenreimen zu können, was dieser vorhatte. „Was haben sie eigentlich vor?“, fragte Rickmers. „Haben sie denn wirklich gedacht, dass ihr Plan gut gehen könnte? Wie wollten sie es anstellen, das Schiff zu entführen? Sie haben doch nicht allen Ernstes gedacht, ich würde mein Schiff, die Werderania, im Stich lassen! Sie wissen doch so gut wie ich, dass der Kapitän selbst immer zu letzt in eines der Rettungsboote steigt und sollte dort kein Platz mehr sein, so bleibt der Kapitän bei seinem Schiff und geht mit ihm unter! Oder haben sie noch nie den „Untergang der Titanic“ gesehen?“ Rickmers machte eine Pause. „Aber ich habe mir schon gedacht, dass sie so etwas in der Art vorhaben, sie intriganter Fischkrepp, sie!“ setzte er fort, „Aus diesem Grund habe ich heute auch diese nicht angekündigte Notfallsübung angesetzt. Deshalb habe ich auch vor einigen Tagen die Sirene getestet. Ich habe damals das bezaubernde Fräulein Kat gebeten, die Schuld dafür auf sich zu nehmen, damit sie keinen Verdacht schöpfen. Der Cessnaritter war von Anfang an eingeweiht in meinen Plan und sie sind darauf reingefallen, sie Stümper! Sie sind überführt, ich hoffe, das ist ihnen klar? Aber ich will mal nicht so sein. Aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit und Bekanntschaft will ich ihnen noch eine Chance geben.“ Er dachte an die gemeinsam verbrachten Nächte in den Hafenkneipen mit den Karaoke-Shows zurück, „Aber ich warne sie, sollten sie sich noch einmal gegen mich wenden…“, er sah Fischkrepp drohend an „Ich kenne ihre wahre Identität, vergessen sie das nie!!“ Der Offizier sah den Kapitän sprachlos und schuldbewusst an und senkte den Kopf. „Und jetzt geben sie das Mikrofon her!“, schrie ihn Rickmers an. Er reichte es ihm. „Liebe Mitreisende, liebe Kollegen!“, wandte sich Rickmers mittels des Mikrofons an die Schiffsbesatzung, „Hiermit erkläre ich diese Notfallsübung offiziell für beendet. Es tut mir leid, dass ich sie über die Tatsache, dass es sich hier um eine Übung handelte, im Unklaren gelassen habe, aber um es möglichst realitätsnah zu gestalten, musste ich ihnen das leider vorenthalten. Ich beglückwünsche uns alle, dass diese Übung so positiv verlaufen ist und danke ihnen für ihr Verständnis! Als Entschädigung für diese Unannehmlichkeiten, freue ich mich, ihnen mitteilen zu können, dass der Ball wie geplant stattfinden kann! Sollten sie noch Fragen an mich haben, sie finden mich im Ballsaal, dort stehe ich ihnen zur Verfügung!“ Noch einmal blickte Falk Rickmers strafend auf den ersten Offizier: „Nun bringen sie das Schiff auf Kurs und denken sie daran, was ich ihnen gesagt habe. Von mir wird niemand etwas von dem Vorfall hier erfahren.“ Dann drehte sich Falk um und ging.

 

 

51. Folge: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs / Die Katastrophe (von Helli Gräfin E., Baby Jane und Scarlet)

Nach der Entwarnung kletterten die Damen, unterstützt von den Galans der Werderania, aus den Rettungsboten und eilten in ihre Kabinen, um sich frisch zu machen. Die Herren zogen sich geschlossen an die Bar zurück - man wollte sich einen Erfrischungsdrink gönnen und den Ablauf der Übung analysieren: "Krombacher - eine Perle der Natur" rief Cessnaritter und versuchte, sein Bierglas in die Kamera zu halten. Captain Rickmers schob ihn unsanft zu Seite: "Einmal noch einen deiner subtilen Schleichwerbungsversuche und ich quetsche deine verdammte Seifenkisten-Cessna eigenhändig zu einem handlichen, kompakten Schrottpaket." Cessnaritter schwieg gekränkt. Die anderen Männer lachten dreckig.

Kats Kopf hämmerte und pochte, dass es eine Qual war. Die Kopf
schmerzen (die Aufregung der letzten Tage forderte ihren Tribut) machten sie fast wahnsinnig und sie begab sich auf die Suche nach einer Aspirin, die sie zum Glück auch von Det, der freundlichen jungen Arzthelferin bekam. Dankend nahm sie das Angebot an und setzte sich auf einen Stuhl neben Dets kleinem Schreibtisch, um die Wirkung der Tablette abzuwarten. Es lief alles mal wieder so anders, als gedacht!!
Sie war regelrecht froh, in dieser kleinen stickigen Kabine Zuflucht zu finden und Ruhe, auch vor De Guy, den sie, Knoblauch sei Dank, im Moment am liebsten nur noch von hinten sehen würde.
Warum war das Leben so
schwer?
Kats Gedanken flossen zurück in die Jugendzeit, damals, an die unbe
schwerten Tage auf dem Internat Lindenhof, im Kreise der Freundinnen. Oh ja, wie sehr würden sie jetzt die munteren Zwillinge Hanni und Nanni trösten, wie sehr bräuchte sie jetzt den verständigen Rat der Klassensprecherin Hilda oder hätte Lust, manch munteren Streich mit Bobby und Jenny zu spielen, selbst die weinerliche Elli wünschte sie nun an ihrer Seite.
Und die Mitternachtspartys!
Kat lachte auf, was von Det mit einem fragenden Blick quittiert wurde. "Ent
schuldigen Sie, Det. Aber ich dachte gerade an meine Internatszeit zurück. Kennen Sie Lindenhof? Die Direktorin Frl. Theobald hatte die gütigsten Augen der Welt und unsere Französischlehrerin Mamsell verlor ständig ihre Haarnadeln aus dem Dutt. Dort habe ich gelernt, was Gerechtigkeit bedeutet und das jeder vor eigenen Haustüre kehren sollte, sowie im Glashaus nicht mit Steinen zu schmeißen." Die junge Det verneinte, erzählt aber, dass ihre Eltern sie hätte nach Schloss Einstein schicken wollen, da es dort keine Werbepausen gab. Letztlich hätten sie aber kein Geld gehabt und für ein Stipendium, hier senkte Det etwas verlegen die Stimme, habe sie einfach nicht genügend gelernt gehabt, so dass sie bei der Aufnahmeprüfung durchgefallen sei.

Die beiden kamen ins Plaudern und Kat merkte, wie sie sich zunehmend entspannte. Das war es, war ihr hier fehlte, Freundinnen! Die mit einem durch dick und dünn gehen! Da lösen sich so manche Probleme von selbst. Und war nicht
schon in der Kabine der Gräfin, als sie alle miteinander Filmionär spielten, so etwas wie eine Gemeinsamkeit aufgekommen?

Kat stand ent
schlossen auf. " Wissen Sie was, Det? Ich mache eine Mitternachtsparty. Ohne die Jungs. Sie lade ich hiermit als Erste ein, dann können wir mal alles besprechen, was so anliegt. Wo kann man denn hier Proviant klauen?"
Det verstand zwar nicht ganz, was los war, half aber bereitwillig bei den Vorbereitungen und
schrieb sogar auf Kats bitte hin kleine Einladungskarten, an die auf dem Schiff befindlichen Damen.

Die Aufregung der Katastrophenübung war bald vergessen, als die letzten Sonnenstrahlen das Deck des Schiffes in
schimmerndes Gold tauchten und sich auch die Damen (bereits in Ballgarderobe) wieder an die Bar gesellten. Man plauderte und schlürfte gerade bunte Cocktails, als Gräfin Ermakova gellend zu schreien begann: "Der Hund! Der Hund! Seht doch, der Hund!"

Pudel Chrisquito war an Heino hochgesprungen, hatte sich dessen Designer-Sonnenbrillen ge
schnappt und rannte mit der Beute im Maul im Kreis, wobei er seine spitzen Zähne fest in einen der breiten schwarzen Bügel gebohrt hatte. Man hörte Heino laut aufstöhnen - doch da war Schiffsjunge Willi zur Stelle. Mit einem Satz warf er sich auf den lichtempfindlichen Barden und presste seine Wange auf dessen Gesicht, um ihn vor Blendung zu schützen. "Ruhig, ganz ruhig, Heino", flüsterte Willi begütigend, seine Lippen in Heinos weißblondes Haar gepresst, "Ich beschaffe dir eine Ersatzbrille - koste es, was es wolle!"

Dr. Few Master hatte einige Mühe, Willi von Heinos Körper loszueisen und ein Tuch, das er in seinem russi
schen Arztköfferchen ständig mitführte, über des Sängers Haupt zu breiten. Paula Tracy beobachtete sein professionelles Eingreifen mit Wohlwollen, während sie dem Schiffsarzt assistierte und Heinos Hand hielt. Da beugte sich Heino vor und flüsterte Paula Tracy ins Ohr: "Ich flehe Sie an, junge Frau, telegraphieren Sie meiner Frau. Hannelore soll mich hier RAUSHOLEN!" Verständnisvoll drückte Dr. Tracy seine Hand.


52. Folge: Chrisquito lebt (von Paula_Tracy)

Nobbi, Kaschi und Gandalf hatten von den aufregenden Vorfällen an Deck überhaupt nichts mitbekommen. Das lag unter anderem an Kaschis selbstgebranntem Korn, den er seit Jahren unter der Hand an die Passagiere weiter verkaufte (ein zweites Standbein schadete nie) und an dem russischen Wodka, den Gandalf aus dem Medizinschränkchen von Dr. Few Master geklaut hatte. Sogar Nobbi, der eigentlich einen klaren Kopf wegen der bevorstehenden Hochzeit behalten wollte, hatte sich zu fünf, sechs klaren Schnäpschen überreden lassen... Er erzählte den staunenden Zuhörern, was er und Lady Patricia seit ihrer Kündigung an Bord alles erlebt hatten, und alle vergaßen die Zeit. Während oben die Rettungsboote zu Wasser gelassen wurden, zog man in den Frachtraum um. „Was ist das denn?“ staunte Gandalf, der selten nach unten kam. „Solar...solar...Solardingsbums“, meinte Kaschi. „Sonnenbänke. Von meinem alten Kumpel Werder.“ „Das is ja’n Ding! Kann man die ausprobieren?“ fragte Gandalf begeistert und öffnete eine der größeren Bänke. „Ein bisschen Farbe schadet ja nie!“ sagte Nobbi, dem ganz schummerig war. „Wär’ das nichts für den Heino? Der soll ja ein Albino sein, hab’ ich gehört... Ich nehm’ die hier“, auch Nobbi kletterte unter einen Sonnenhimmel. Mein Gott, war er froh, sich endlich hinlegen zu können, alles drehte sich um ihn. Ob einer von den Schnäpsen schlecht war? „Kaschi, schaltest Du mal den Strom an?“ Kaschi nickte gedankenverloren, wurde aber abgelenkt, als er ein sanftes Jaulen aus der hintersten Ecke vernahm. „Habt Ihr das gehört?“ fragte er, doch Nobbi und Gandalf reagierten nicht mehr, sie hatten den Sonnenhimmel schon heruntergelassen – niemand würde auf die Idee kommen, dass jemand darunter lag. Kaschi stolperte mehr, als er ging, auf die Ecke zu, aus der die Geräusche kamen. „Chrisquito!“ rief er erstaunt aus, „Viele Chrisquitos!“ Tatsächlich, aus dem kleinen Hundekörbchen schauten ihm nicht nur ein Hund, der dem toten Chrisquito verdächtig ähnlich sah, sondern auch noch vier kleine Welpen, entgegen. „Chrisquito!“ sagte Kaschi wieder, nahm sich eines der Welpen heraus und legte es sich auf die Brust. „Dass wir uns noch mal wieder sehen...“ Er setzte sich in die Ecke, dachte an die alten Zeiten mit seinem Schäferhund Zito und Kater Mikesch dem Ersten und schlief ein... Und noch immer ahnte niemand, was in der Zwischenzeit alles passiert war...

 

 

53. Folge: Soda und Gomorrhum (von Paula_Tracy, Scarlet und Baby Jane)

Und während Schiffsjunge Willi hinter Pudel Chrisquito herjagte und versuchte, von der teuren Brille zu retten, was noch zu retten war, da machte Sir Hilary eine schreckliche Entdeckung... Auf diesem Schiff ging es ja zu wie in Soda und Gomorrhum!

Dr. Few Master kümmerte sich immer noch um den völlig hysteri
schen Heino, und obwohl Paula eigentlich nicht müde wurde, seinen Bemühungen zuzusehen, machte sie sich nun doch auf den Weg in den Funkraum, um die Bitte des Sängers zu erfüllen und Hannelore ein Telegramm nach Bad Münstereifel zu schicken. Zugleich dachte sie darüber nach, welch ein Lied sie sich dafür von Heino wünschen sollte, wenn es tatsächlich jemals zu dem angedrohten Auftritt kommen sollte. Vielleicht „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ oder doch lieber „Caramba, Caracho, ein Whiskey“? Paula erschrak zu Tode, als plötzlich Sir Hilary wie ein Geist vor ihr stand und bevor sie etwas sagen konnte, ihr den Mund zuhielt. „Miss Tracy, keinen Ton! Ich muss Ihnen etwas zeigen – aber bitte keinen Ton! Ich habe eine schreckliche Entdeckung gemacht! Kommen Sie mit, Sie müssen helfen!“

 

54. Folge: Sir Hilarys Entdeckung (von Scarlet und Baby Jane)

Mit schreckensweiten Augen nickte ihm Paula zu. Als Sir Hilary die Hand von ihrem Mund nahm, musste Dr. Tracy erst einmal tief durchatmen. Er wischte sich den Schweiß von seiner Stirn. Paula merkte, dass er am ganzen Körper bebte und sein Hemd an ihm klebte. "Kommen Sie mit mir. Aber ich flehe Sie an, Miss Tracy, seien Sie leise", flüsterte er. Sie machte Sir Hilary klar, dass sie zuerst das Telegramm an Hannelore schicken müsste, da sie es Heino versprochen hat. Sir Hilary willigte ein, „Aber dann müssen sie sofort mit mir kommen, es ist wichtig!“, sagte er.
Schnell funkte Paula das Telegramm nach Münster-Eifel zu Hannelore, allerdings wollte sie die arme Frau nicht aufregen, denn wie sie von Willi erfahren hatte, hat Hannelore ein
schwaches Herz. Und so telegrafierte sie: „Liebste Hannelore – stopp – Brille von Hund zerbissen – stopp – vermisse dich – stopp – möchte so schnell wie möglich nach Hause – stopp – unternimm etwas – stopp – Heino - stopp.“ Das konnte Hannelore doch unmöglich missverstehen…
Sir Hilary hatte nur mit halbem Ohr zugehört, was Paula ge
schrieben hatte und murmelte nur abwesend: „Ja ja, das passt schon, nun kommen sie mit mir!“ Er nahm Dr. Tracy an der Hand und zog sie mit sich: Vorbei am Funkapparat, vorbei am Schreibtisch des Captains, aus dem Funkraum. Hatte sie jetzt auf „Senden“ gedrückt oder nicht, schoss es Paula durch den Kopf, aber Sir Hilary ließ nicht locker. Er zog sie vorbei an der halboffenen Tür zum Erste Hilfe-Raum, vorbei an der verriegelten Tür des Kühlraumes neben der Kombüse, vorbei an männerarmdicken gestapelten Tauen bis zu den Treppen, die hinunter in den Maschinenraum - ins geheimnisvolle, tiefste Innere des Schiffes, in den dunklen, öligen Bauch der Werderania - führten. Wo brachte er sie nur hin? Paula Tracy spürte ihr Herz bis zum Hals klopfen. Sie und Sir Hilary stolperten - sich gegenseitig stützend und auffangend - die ölverschmierten Stiegen hinunter. Was war wohl passiert, dass er ihre Hilfe benötigte?
Er rannte mit ihr durch das Unterdeck bis sie endlich keuchend vor dem Frachtraum standen. Dort angelangt zückte Hilary eine Ta
schenlampe und schaltete sie ein. Bevor er den Lichtkegel auf den Zwischenraum zwischen zwei riesigen, heftig stampfenden Motorenkolben richtete, dreht er sich zu Paula um: "Bereit, Miss Tracy?...Hier drinnen…schrecklich…sehen sie…selbst“, schnaufte er, dann bekreuzigte sich Sir Hilary und tat, was er tun musste: er trat einen Schritt zurück, um Paula an die Türe zu lassen.
Paula lau
schte an der Türe, sie hörte merkwürdige winselnde, wimmernde Geräusche. Was mochte hinter dieser Türe wohl auf sie warten? „Gehen sie hinein“, forderte sie Hilary auf, „sie müssen helfen!“ Vorsichtig öffnete Paula die Türe und ging langsam hinein, Sir Hilary folgte ihr und schloss danach sofort die Türe. Im selben Moment rannten auch schon kleine, winselnde, wimmernde weiße Wollknäuels um Paulas Füße: Pudel, kleine, weiße Pudel. Sie waren so schnell, dass Paula sie gar nicht zählen konnte, aber es waren vier Stück. Sahen die nicht genauso aus, wie dieser Teufelshund, der Heino gerade zuvor die Spezialbrille geklaut hatte? „Ist das nicht fürchterlich?“, fragte Hilary. Aber was sollte an vier weißen Pudeln so fürchterlich sein, fragte sich Paula. Gut, es gab noch einen fünften Hund der sich an Deck herumtrieb und Sonnenbrillen zum Spielen missbrauchte, aber was soll daran so fürchterlich sein? Das ist normal. Hunde haben eine ausgeprägten Spieltrieb, aber sollte sie das jetzt Sir Hilary erklären? Und das war es, wobei sie ihm als Veterinär-Medizinerin helfen sollte?

 

 

55. Folge: Zuviel Sonne ist ungesund (von Scarlet)

Gerade, als sie ihn das fragen wollte, bemerkte sie, dass Sir Hilary eigentlich gar nicht auf die spielenden Tiere achtete, sondern in eine ganz andere Richtung sah. Sie folgte seinem Blick. Zuerst sah sie Kaschi, der am Boden - gegen eine der Sonnenbänke gelehnt - saß, eine Flasche Wodka in der Hand hielt und zu schlafen schien, aber er murmelte etwas wie „Chrisquito lebt… Chrisquito… Chrissielein, Platz Zito! Komm sch’n her Mikesch. Aaaach, Baby Jane!!!“ „Meine Güte, der ist ja sturzbetrunken!“, rief Dr. Tracy. „Dem kann ich im Moment auch nicht weiterhelfen…“ Doch dann wanderte ihr Blick zu den Sonnenbänken selbst und da sah sie es: Die Sonnenbänke waren eingeschaltet und aus einer hing ein lebloser Arm heraus, der zu einem Mann gehören musste. Erschrocken sah Dr. Tracy Sir Hilary an. „Wer ist diese Leiche?“, fragte er, „Und was ist mit dem? Wer hat das nur getan? Wer kann so grausam sein? Das muss doch eine grässliche Art sein, zu sterben! Wer kann sich so etwas Entsetzliches nur ausdenken! Schrecklich!!“
„Jetzt beruhigen sie sich erst einmal Hilary, wir wissen doch noch gar nicht, was wirklich passiert ist“, meinte Paula und ging zielstrebig auf die Sonnenbank zu um sie zu öffnen und nachzusehen, wer darin lag. Da bemerkte sie, dass auch die benachbarte Liege besetzt war. „Kommen sie her und helfen sie mir, da liegt ja noch einer.“, forderte sie Hilary auf. „Was, gleich zwei Tote! Das wird ja immer
schlimmer! Das ist ein Geisterschiff, hier treibt sich ein Massenmörder herum!!“, rief er entsetzt. „Jetzt machen sie nicht so ein Theater und helfen sie mir lieber“, herrschte ihn Paula an, die es als Ärztin gewohnt war, in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren. Schnell schaltete sie die Sonnenbänke ab und öffnete sie. Was sie jetzt sah, war kein schöner Anblick, aber im Laufe ihrer Karriere als Tierärztin hatte sie schon weitaus Schlimmeres gesehen. „Schnell Hilary, holen sie Dr. Master. Die beiden hier sehen ja aus wie zwei gekochte Hummer!! Wir werden jede Menge After-Sun Lotion benötigen!“ Zwar war der Schiffsarzt nicht unbedingt für Sonnenbrände zuständig, aber Paula fand, das war eine gute Gelegenheit, dem Doktor näher zu kommen. Sir Hilary machte sich sofort auf den Weg, erleichtert, dass es offenbar doch keinen Massenmörder an Bord gab.

 

 

56. Folge: War es ein Mordversuch? (von Paula_Tracy)

In der Krankenstation ging es hoch her. Det und Paula kochten literweise Kaffee, auch Baby Jane und Scarlet hatten sich bereit erklärt zu helfen. Baby Jane flößte dem selig grinsenden, doch völlig weggetretenen Kaschi den Kaffee ein, während der Doktor sich sorgenvoll die Patienten Gandalf und Nobbi ansah. Scarlet kümmerte sich in der Zwischenzeit um den noch immer aufgeregten Heino, der sie anflehte, sie nicht mit Willi allein zu lassen, da dieser wohl beabsichtige, ihm etwas vorzusingen.

Sir Hilary spazierte unruhig hin und her und meinte dabei, wahr
scheinlich handele es sich um einen äußerst ausgeklügelten und raffinierten Mordplan, der nur durch sein rasches und umsichtiges Eingreifen vereitelt wurde. „Und wer sollte Nobbi und Gandalf umbringen wollen?“ fragte Det empört. „Die tun doch keiner Fliege was!“ „Vielleicht dieser Hallmackenreuther?“ mutmaßte Sir Hilary. „So ein Blödsinn!“ entfuhr es Baby Jane. „Sehen Sie nicht, dass er total betrunken ist?“ „Alles Tarnung!“ wischte Sir Hilary den Einwand vom Tisch. „Na, wenn das Tarnung ist, weiß ich es auch nicht“ sagte Det. „Er hat mindestens drei Promille im Blut. Die anderen übrigens auch. Er wäre gar nicht fähig gewesen, die zwei unter die Sonnenbank zu schieben.“ Sir Hilary zog eine Pfeife und ein Päckchen Tabak heraus und begann, die Pfeife in aller Seelenruhe zu stopfen. „Lassen Sie mich überlegen... Das ganze ist offensichtlich ein Komplott. Man will die Hochzeit verhindern. Dr. Tracy!“ Er baute sich in voller Größe vor der erstaunten Paula auf. „Dass ich daran nicht gedacht habe! Sie haben dafür gesorgt, dass die Braut außer Gefecht gesetzt wurde und, weil das nicht genügte, haben Sie auch noch den Bräutigam auf die Sonnenbank verfrachtet. Jetzt ist mir auch klar, warum ich Sie als erstes getroffen habe, nachdem ich die drei gefunden habe! Den Täter treibt es immer an den Ort des Verbrechens zurück!“ Paula war viel zu entsetzt, um irgend etwas sagen zu können, doch Baby Jane und Scarlet brachen in schallendes Gelächter aus, und Dr. Few Master konnte ebenfalls nicht mehr an sich halten. Er nahm dem verblüfften Mann die Pfeife aus der Hand und setzte ihn vor die Tür. „So eine Landplage! Niemand glaubt das, was er erzählt, keine Angst...“

Nachdem H.-G. Werderaner einen Bauplan der Sonnenbänke gebracht hatte, und sich herausstellte, dass diese Prototypen eine ganz neue Generation von Solarien darstellten, die prakti
sch keine schädlichen Strahlen durchließen, waren alle beruhigt. „Sie werden ein paar Tage Schmerzen haben und sehr unansehnlich aussehen,“ meinte Dr. Few Master „aber sie werden keine bleibenden Schäden davontragen – von den abgestorbenen Gehirnzellen ihres Vollrausches mal abgesehen...“ Und so begaben sich Baby Jane, Scarlet und Paula erst mal wieder in ihre Kabinen, wo jede ein kleines Einladungskärtchen von der bezaubernden Kat vorfand...

 

 

57. Folge: Ein Evergreen (von Helli Gräfin E.)

Ebenso wie auch die Gräfin und Anna Nümosia, nicht zu vergessen die Möwe Laura und Xhosa, sie alle öffneten überrascht und erfreut die liebevoll von Det erstellten Kärtchen, die sich dabei wahrlich alle Mühe gegeben hatte, Kat bei den Einladungen zu unterstützen. Und: Det hatte sich selbst übertroffen. Wenn man nämlich die Karte öffnete, ertönte laut Van Morrison mit "Have I told you lately", was dazu führte, dass jede der Damen für sich niedersank in ihren Kabinen und jede hing den eigenen Gedanken, Träumen und Erinnerungen nach, was hatte man nicht alles erlebt, und wie traurig war alles, aber irgendwie auch schön und dann doch wieder verzweifelt, aber eines Tages bestimmt, ganz bestimmt, da wird alles gut. Und beringte und unberingte Finger wischten sich über geschminkte und ungeschminkte Augen und fassten sich entschlossen an die mal kleiner mal größere Brust. Ja, so war das Leben, man musste es eben leben, und es war es doch wert, oder nicht? Und da alle Damen mehr oder weniger gleichzeitig ihre Kärtchen geöffnet hatten, erschallte aus den verteilten Kabinen, wie abgesprochen und inszeniert, dabei kommt so etwas doch nur im Fernsehen vor, gemeinsam mit mal rauchiger (Frau Nümosia) mal glockenheller (Scarlet) Stimme :

Have I told you lately that I love you
Have I told you there’s no one above you
Fill my heart with gladness
Take away my sadness
Ease my troubles, that’s what you do

Und die Herren auf der Werderania horchten auf, als sie diesen Frauenchor erhörten, und selbst Fi
schkrepp und der Reeder, der zunächst gegen diesen ruhestörenden Lärm angehen wollte, verharrten und standen still, denn… Was wäre das Leben denn schon ohne die Damen?
Ein Schiss, wie George Clooney im Vergleich zum Kapitän?
Letzter wi
scht sich verzweifelt, die immer stärker fließenden Tränen aus den Augen und presste zuletzt sein Gesicht in das Fell eines der gerade vorbeilaufenden Chrisquitos, den er hochnahm und liebkoste, als sei er Exfrau Baby, die bezaubernde Kat, die Gräfin, ach eben die geliebte Frau, die nicht an seiner Seite war.

Die drei Schiffsjungen hielten sich bei den Händen, begannen leise mitzusummen und dann, wann hatte man so etwas
schon erlebt, sangen die Männer, der Kapitän etwas laut, Kaschi etwas lallend, der Prinz in einer Art Lautsprache, da er kein Englisch konnte:

Take away my sadness
Fill my life with gladness
Ease my troubles that’s what you do
Fill my life with gladness
Take away my sadness
Ease my troubles that’s what you do.

Und es war Ruhe auf der Werderania, zum ersten mal seit Tagen und ein Frieden
schlich sich ein unter den Reisenden, die nun auf einmal, obwohl fast alle für sich waren, eine tiefe Verbundenheit spürten auf dieser Reise, die man ja so auch noch nicht erlebt hatte.

Det hatte zufrieden gelau
scht, nicht ohne das eine oder andere Tränchen der Rührung geweint zu haben und dachte bei sich: "Wie gut, dass ich nicht wieder Herbert Grönemeyer mit "Mensch" genommen habe. Da hätten sie alle Pipi gemusst."

 

 

58. Folge: Die Absage (von Scarlet)

Leise schlichen alle in ihre Kabinen, um dort ihren eigenen Gedanken nachzuhängen. Manche wankten auch dorthin, um ihren Rausch auszuschlafen und einige hingen dort auch nicht ihren Gedanken nach sondern rieben sich mit After-Sun-Lotion ein, die freundlicherweise von den Mitreisenden zur Verfügung gestellt wurde. Nobbi und Lady Patricia wurden von Willi und Anarky in ihr U-Boot gebracht. De Guy blieb noch im Ballsaal und setzte sich ans Klavier, wo er "Have I told you lately" anstimmte, dessen Geist noch immer über dem Schiff schwebte und unweigerlich musste er an Kat denken… Was hatte sie nur gegen seinen roten Strickponcho? Wieso hatte sie ihn so merkwürdig angesehen, als sie ihn in seinem Schrank entdeckte? Und warum war ihm Kat heute Abend ständig ausgewichen? Er würde den Poncho bei nächster Gelegenheit wohl in die Altkleidersammlung werfen, wenn der eine so abschreckende Wirkung auf Frauen hat…
Die besinnliche Stille an Bord wurde plötzlich durch ein kratzendes, knackendes Geräu
sch unterbrochen, die Passagiere horchten auf – es war dasselbe Geräusch, wie das, das sie gehört hatten, als die Notfallsübung per Bordlautsprecher durchgesagt wurde. Das Knarren und Kratzen wurde abgelöst durch die Stimme des Kapitäns, die seltsamerweise sehr belegt klang, wie den meisten Damen sofort auffiel. „Liebe Mitreisende, liebe Mitarbeiter, hier spricht der Kapitän.“ – Pause – Deutlich hörbar putzte sich der Kapitän die Nase. „Also, was ich eigentlich sagen wollte: ich finde, ich… äh… wir hatten für diesen Tag wieder einmal genug Aufregung, deshalb bin ich dafür, dass der Ball heute nicht mehr stattfindet. Auch die für heute angesetzte Hochzeit unserer ehemaligen Mitarbeiter kann aufgrund der Unpässlichkeiten der beiden Beteiligten heute ohnehin nicht stattfinden, sodass ich der Meinung bin, wir sollten das alles verschieben. Über das weitere Vorgehen die Abendgestaltung betreffend werden wir morgen beim Frühstück sprechen. Ich wünsche ihnen allen eine angenehme Nachtruhe! Over and out. “
Den meisten an Bord kam diese Absage des Balls ganz gelegen. Niemand war mehr so recht in der Stimmung für ein großes gesell
schaftliches Ereignis, nachdem was heute Abend schon alles geschehen war. Dr. Few Master und der Cessnaritter waren vielleicht ein klein wenig enttäuscht über die Absage, da sie ja Dr. Tracy und Miss Scarlet um einen Tanz gebeten hatten, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, dachen die beiden (jeder für sich natürlich) und waren so auch mit ihrem Schicksal versöhnt.

 

 

59. Folge: Einstimmung auf die Mitternachtsparty (von Scarlet)

In den Kabinen der Damen kehrte, nachdem der Kapitän den Ball abgesagt hatte noch längst keine Ruhe ein. Viel zu aufgeregt war man über die bevorstehende Mitternachtsparty bei der bezaubernden Kat. Das traf sich ausgezeichnet, dass der Ball und diese Hochzeit heute Nacht nicht mehr stattfinden würden, so würde man das geheime Treffen ungestört – unbemerkt von den Herren – abhalten können. Außerdem hatte die Garderobe der meisten Damen unsäglich unter den Strapazen des Abends gelitten, sodass diese nicht mehr balltauglich war. Zum Beispiel hatte sich das raffiniert gewickelte Stammeskostüm, das Xhosa trug bei der Rettungsübung dermaßen gelockert, dass sie es nur mehr mit großer Mühe so festhalten konnte, ohne dass es für sie peinlich würde. Solange Tom, der Städteplaner an ihrer Seite war, war das ja kein Problem, aber sobald dann auf der Krankenstation alle Hände gebraucht wurden um Sonnenbrände zu lindern, Hunde einzufangen, Heinos Augen vor Lichteinstrahlung zu schützen… Xhosa schüttelte den Kopf beim Gedanken an diese Szenen, die sich da zuvor abgespielt hatten. Und wie dann dieser Hilary Dr. Tracy beschuldigt hat, sie hätte die Braut absichtlich außer Gefecht gesetzt… Sie konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie an Sir Hilary dachte, der sich allen Ernstes einbildete, dem großen Detektiv Hercule Poirot ebenbürtig zu sein. Ist ihm denn gar nicht aufgefallen, dass sie das Blasrohr mit der Betäubungsspritze eingesetzt hat? Gut, das Betäubungsmittel war von Dr. Tracy, aber die wollte ja eigentlich die randalierenden Schiffsjungen ruhig stellen, allerdings hatte dann sie, Xhosa, versehentlich die Braut getroffen… Oh Gott, war ihr das peinlich! Eigentlich war sie nicht ganz unschuldig am Verlauf dieses Abends, schoss es ihr durch den Kopf. Wie sollte sie das wieder gut machen, oder sollte sie es einfach auf sich beruhen lassen? Sie nahm sich vor, dieses Thema bei Kats Party mit den anderen zu besprechen.

In der Zwi
schenzeit waren auch die anderen Damen in ihren Kabinen mit den Vorbereitungen zu Kats Mitternachtsparty beschäftigt. Baby Jane freute sich beispielsweise schon so sehr auf das Beisammensein mit den anderen, in der Hoffnung vielleicht auch wieder ein paar Runden Filmionär zu spielen, dass sie nicht einmal auf den Brief achtete, den sie beim Öffnen der Kabinentüre gegen die Wand drückte. Während sich alle umzogen und manche auch abschminkten, summten die meisten immer noch die Melodie, die aus der Einladungskarte erklang.
Die Party sollte eine Pyjama-Party sein, so wie es früher im Internat Lindenhof war, somit brauchte man nicht groß zu überlegen, was man anziehen sollte. Bevor das Zusammentreffen jedoch offiziell beginnen sollte, würden sich alle vor Kats Kabine treffen, von dort aus würde man dann gemeinsam aufbrechen, um Proviant zu klauen. Die Arzthelferin Det würde ihnen zeigen, wo das möglich war.
Nach und nach trafen die Damen in ihren Nachtgewändern vor Kats Kabine ein. Aufgeregt kichernd und leise
schnatternd, wie Schulmädchen, warteten sie auf Det. Gegenseitig mahnten sie sich immer wieder zur Ruhe, um nicht die Aufmerksamkeit der Herren, deren Kabinen sich teilweise auch auf diesem Gang befanden, auf sich zu ziehen. Sie kamen sich wirklich vor, wie in der, zum Teil schon lange zurückliegenden, Schulzeit, nur waren es dieses mal nicht die Lehrer, von denen sie fürchteten ertappt zu werden.

Det sah im Artzimmer
schon unruhig auf die Uhr, sicher warteten die anderen schon auf sie, aber Dr. Few Master war noch ins Ordinationszimmer gekommen und bat sie, gemeinsam mit ihm das Medikamentenschränkchen zu kontrollieren. Sie beeilte sich damit und gab vor, schon sehr müde zu sein. Dafür hatte der Arzt Verständnis und entließ sie mit den Worten: „Ja, Det, liebes, es war wirklich ein langer, harter Tag für sie. Danke, dass sie mir hier noch geholfen haben, ich weiß gar nicht, was ich ohne sie hier tun würde, sie sind mir wirklich eine große Hilfe. Aber jetzt können sie gehen, ruhen sie sich aus. Bis morgen!“ Det lächelte ihn dankbar an, sagte schnell gute Nacht und winkte, als sie aus dem Zimmer lief. Schnell ging sie in ihre Kabine, die 5 Türen vom Arztzimmer entfernt lag, schlüpfte in ihren Bärchen-Pyjama und verließ ihre Kabine wieder – nicht ohne sich umzusehen, ob sie auch bestimmt keiner beobachtete – und rannte zu Kats Kabine, wo die anderen schon auf sie warteten.

 

 

60. Folge: Der Raubzug (von Der schlaue Det)

"Die Damen, bitte folgen Sie mir unauffällig!" sagte Det – noch ein wenig außer Atem – nach dem sie mit leisem Hallo von den aufgeregt wartenden Ladies begrüßt wurde. Sie wollte gerade zu ihrer Entschuldigung über die tolle Idee des Chefs schimpfen, mitten in der Nacht die Medikamente zu zählen, als Sie sich angesichts Paula Tracy eines besseren besann. So schlimm war er ja auch wirklich nicht, es hätte sie härter treffen können, dachte sie so für sich.
Auf Zehenspitzen
schlich sich die Damengruppe in Richtung Kombüse, immer wieder von aufloderndem, mädchenhaftem Kichern erschüttert. Det warnte noch ein letztes Mal eindringlich vor den scharfen Ohren der "iberischen Küchenfurie" - wie Ona, die Köchin scherzhaft von der Crew genannt wurde – und öffnete schließlich die Türe zum Allerheiligsten. Die Frauen erstarrten vor Ehrfurcht. Reihenweise standen dort Würstchen im Glas, Obst jeglicher Sorten, frisch und eingedost, Speck hing von der Decke, ebenso Räucherfisch und Dauerwurst. Verträumt lagerten Dutzende Baguettes im Regal und erwarteten das Frühstückbuffet und auf der großen Arbeitsfläche thronten 4 verschieden Kuchen, eine große Platte kaltgewordener Braten und einige Salate, die alle wegen der ausgefallenen Feier übrig geblieben waren. In Erwartung weiterer Köstlichkeiten öffnete Scarlet einen Vorratsschrank und entdeckte zu ihrer Überraschung haufenweise säuberlich entleerte Nuss-Nougat-Creme-Gläser. Die großen! Kopfschüttelnd aber amüsiert schloss sie den Schrank wieder. Die anderen hatten bereits angefangen ihre Schlafanzugtaschen und ein paar Schüsseln, die sie aus den Regalen genommen hatten, mit den Leckereien zu füllen. Aber war da nicht ein Geräusch? Da schlich doch noch jemand mitten in der Nacht vor der Küche herum? Das Geflüster verstummte, die Damen standen wie zur Salzsäule erstarrt...

 

 

61. Folge: Ein weiterer Küchenräuber (von cessnaritter)

Geistesgegenwärtig löschte Kat das Licht, und drängte die Anwesenden in eine hintere Ecke.
Die Tür öffnete sich und Ka
schi wankte herein. Noch nicht wieder ganz nüchtern, aber durchaus nun mit einem gehörigen Durst ausgestattet, schlurfte er zum großen Getränkekühlschrank. Prüfend wanderte sein Blick über die verschiedenen Flaschen.
Die Damen hielten weiter den Atem an und einige blickten im Dunkeln ganz erbost. Im Licht
schein der Beleuchtung des geöffneten Kühlschranks sahen sie, wie Kaschi eine 2 Liter-Flasche Himbeersaft ansetzte und dann ließ er den rötlichen Inhalt durstig in seine Kehle laufen.
"Unser
schöner Himbeersaft!" dachten manche der Damen. Das war doch nun mal das traditionelle Getränk bei Mitternachtspartys.
Det kamen fast die Tränen vor Enttäu
schung und sie holte laut hörbar Luft. Aber Kaschi war so lautstark mit dem Verzehr des Saftes beschäftigt, dass er nichts bemerkte. Außerdem war er noch längst nicht voll auf der Höhe.
Aber sein Durst und sein Appetit
schienen ungebrochen und die Damenriege hatte ja erst begonnen, Vorräte einzuladen. Das, was sie hatten, war längst nicht genug für ein zünftiges Mitternachtsfest.
Voller Entsetzen sahen sie nun, wie Ka
schi offensichtlich geplant hatte, ebenfalls einen kleinen Küchenraub zu begehen. Er hatte einen großen alten Seesack dabei, den er nun mit den vielen Köstlichkeiten füllte, die die Schränke bargen: Würstchen, Obstkonserven, Hering in Gelee und Erdbeermarmelade verschwanden in der Tiefe des Seesacks. Dazu noch zwei weitere große Flaschen mit Orangensaft. Danach räumte Kaschi die Würste ab und wandte sich den Torten zu.
Das wurde dann doch zuviel für die mittlerweile ebenfalls zum Teil sehr hungrigen Damen. Das wäre das Ende der Mitternachtsparty noch vor ihrem eigentlichen Beginn.
Ent
schlossen ging Kat zum Lichtschalter, und gleich darauf war die Kombüse und der Vorratsraum in hellem Licht.
Ka
schi erschrak, schaute sich verwundert um, rülpste kräftig zweimal und sagte: "Guten Abend, meine Damen! Warten Sie auch auf den Omnibus zum Wannsee?" Dann sank er, den Seesack liebevoll umklammernd auf dem Boden zusammen und schlief augenblicklich ein, was auch durch das gut vernehmliche Schnarchen erkennbar war.

 

 

62. Folge: Hochbetrieb in der Küche (von Scarlet)

Det deckte den schnarchenden Kaschi mit einer Wolldecke zu und schob ihn sanft in eine Ecke, damit er sich anlehnen konnte. Seinen Seesack nahm sie ihm aus der Hand, dessen Inhalt würden sie heute Nacht noch selbst brauchen. Da hörten die Damen erneut Geräusche vor der Türe. Hatte Kaschi etwa einen Komplizen? Wer konnte das nur sein? Um diese Zeit? Hinaus konnten die Frauen nicht, sonst würde man sie entdecken. Was sollten sie jetzt tun? Det deutete vielsagend auf eine andere Türe, „Die Vorratskammer!“ flüsterte sie und bedeutete den anderen, ihr dorthin zu folgen. Die Kammer war gerade so groß, dass sich alle hineindrängen konnten und knapp darin Platz hatten. Schnell zogen sie die Türe zu, aber nicht ganz, einen Spalt breit blieb sie offen, man wollte ja schließlich sehen, wer da zu so später Stunde vor der Küche herumschlich. Gerade als alle mitgebrachten Taschenlampen erloschen und die letzten „Ruhig“, „Leise“, „Pst“, Pscht!!“ verstummten, öffnete sich die Küchentüre und jemand schaltete das Licht ein. Kat und die Gräfin, die gleich beim Türspalt standen konnten zuerst nicht erkennen, wer da hereinkam, da ihnen Anna Nümosia mit einem der entwendeten Baguettes vor den Augen herumwedelte. Schnell schob es Kat beiseite. In dem Moment hatte sich der Mann – der Störenfried war also ein Mann – umgedreht. Er trug einen orange-grün gestreiften Nicki-Schlafanzug! Kat drehte sich entsetzt zu den anderen Damen um und schüttelte den Kopf. Sie beobachteten weiter, wie der Mann sich bei den Teigwaren zu schaffen machte, er nahm eine Hand voll Spaghetti aus einer hohen Glasdose, dann holte er einen Kochtopf aus einem der Regale, füllte ihn mit Wasser und stellte ihn auf eine der Herdplatten, die Nudeln legte er inzwischen daneben. Bis jetzt hatte er noch nicht in die Richtung der Vorratskammer geschaut, aber jetzt, jetzt drehte er sich um und kam direkt auf die Kammer zu, in der sich die Damen versteckten. Die Gräfin erschrak, doch Baby Jane konnte ihr rechtzeitig mit der Hand den Mund zuhalten und so wurde aus dem ursprünglich berüchtigten spitzen Schrei der Gräfin nur ein kaum hörbares, unterdrücktes Glucksen. Der, der da draußen in der Küche herumwerkte war kein anderer als der Reeder H.-G. Werderaner höchstpersönlich. Die Damen machten in ihrem Versteck noch einen Schritt zurück und klammerten sich zitternd aneinander, Frau Nümosia trat dabei Xhosa auf den Fuß, die ihre Schmerzenslaute nur schwer unterdrücken konnte. Mit großen Augen starrten die Frauen auf den Reeder, der die Hand nach der Türe ausstreckte und dann, im letzten Moment nach rechts griff, wo einige Regale standen. Er suchte etwas, fand es, griff danach und drehte sich wieder um. Mit einer Dose Tomatenmark marschierte er wieder zu seinem Kochtopf. Dort blieb er dann stehen… Lange 9 Minuten… Solange bis das Wasser kochte, die Tomatensoße aufgewärmt und die Nudeln fertig waren. Dann leerte er alles auf einen Teller, nahm ihn und verließ die Küche wieder.
Die Frauen warteten noch einige Sekunden in ihrem Versteck, dann stießen sie die Türe auf, stürzten heraus und brachen vor Erleichterung, nicht entdeckt worden zu sein in
schallendes Gelächter aus! „Habt ihr das gesehen?“ „Dieser Pyjama“ „Und vorne hat er auch noch ein weißes ‚W’ aufgestickt, seine Initialen!“ riefen die Damen gar nicht damenhaft durcheinander „Und zum Glück hat er Kaschi nicht bemerkt!!!“, rief Leo erleichtert. Jetzt konnte also eigentlich nichts mehr schief gehen: Kaschi schlief, H.-G. Werderaner war mit Spaghetti versorgt. Die Ladies packten Kaschis vollen Seesack und noch einige andere Leckerein, Dr. Tracy umklammerte fest eine Dose Pfirsiche und Würstchen, und so machten sich die Damen auf den Rückweg zu Kats Kabine.

 

 

63. Folge: Gespräche unter Frauen (von Der schlaue Det)

Flugs huschten sie zurück durch die dunklen Flure in Kats Kabine. "Endlich in Sicherheit" dachten sie sich wohl alle, mit klopfenden Herzen. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen brach ein großes Gelächter unter der Damenriege aus, soviel Aufregung hatten sie schon lange nicht mehr gehabt! "Jetzt lasst uns aber mal sehen, was wir erbeutet haben!" rief die Gräfin und breitete ihren Anteil am Diebesgut auf dem Tisch aus. Die anderen taten es ihr gleich. "Puuuh, wer hat denn den Harzer Roller mitgenommen? Und das Hühnchen in Aspik?" fragte Leo und schüttelte sich. Natürlich antwortete niemand, aber Anna Nümosia errötete. Über Geschmack sollte man nicht streiten und so taten sie es auch nicht, verbannten den Harzer aber dennoch an einen Ehrenplatz gleich unter dem geöffneten Fenster.
Die Auswahl war nicht
schlecht, wenn auch vielleicht zu wurstlastig, hatte Kaschi doch allerlei Fleischliches in seinen Seesack gestopft. Als jede von ihnen mit dem Lieblingsfutter ausgestattet war, setzten sie sich zum gemeinsamen Schmausen und Quatschen im Kreis zusammen. Mampfend wandte sich die immer wissbegierige Gräfin an Xhosa: "Ich würde ja zu gerne mehr über Sie erfahren... Ihr ungewöhnlicher Name, Ihre aufregenden Kostüme... Und was hat es nun mit Ihnen und diesem Tom auf sich, hmmm?" Zuerst schaute die junge Frau verdutzt, war sie doch von dieser unverblümten Neugier überrascht worden, brach aber dann in schallendes Gelächter aus. "Also, wenn es mehr nicht ist..." fing sie an.“Meine Eltern befanden sich damals mit dem berühmten Dr. Grzimek auf Expedition in Südafrika. Als meine Mutter merkte, dass sie schwanger war, verriet sie erst nichts, weil sie die Expedition nicht abbrechen wollte und am Ende kam es wie es kommen musste: Sie vertraute sich einigen Xhosa-Frauen an, die ihr als Hebammen dienten und ihr halfen wo sie nur konnten. Aus Dankbarkeit gegenüber diesen freundlichen Menschen haben meine Eltern mich Xhosa getauft. Genauso, wie meine Eltern, habe ich viele Jahre in Südafrika verbracht und mein Herz an das Land verloren, was mich auch dazu gebracht hat den Beruf zu wählen, den ich habe. Daher rührt auch meine – wie sie sagen – "aufregende" Kleidung. Ich liebe es einfach die traditionellen Gewänder zu tragen." "Und Tom?", fragten die Frauen ungeduldig im Chor. Xhosa konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Ich war mal wieder in meiner Wahlheimat Südafrika, "meine" Xhosa-Tanten besuchen, als dort im Dorf ein paar Mönche des Thomassiner-Ordens auftauchten" fing sie an. "Thomassiner-Mönche? Sind das nicht die Bierbrauermönche, die den Fortschritt der Technik preisen und ihre fleischlichen Gelüste in die Zucht von Insekten fressenden Pflanzen kanalisieren?!", warf Anna Nümosia ein. "Ja", lachte Xhosa, weil es sich so zusammengefasst schon komisch anhörte. "Tom und sein Glaubensbruder und guter Freund Bug waren jedenfalls dabei...

 

 

64. Folge: Salz fehlt! (von Paula_Tracy)

H.-G. Werderaner ging mit seinem Spaghetti-Teller in seine Kabine zurück, nicht ohne sich vorher zu vergewissern, dass ihn auch niemand gesehen hatte. Das hätte noch gefehlt, wenn ihn diese flotte kleine Köchin oder – schlimmer noch – Miss Scarlett gesehen hätte. Aber es gab nun mal nicht besonders viel zu den Hauptmahlzeiten, Ona musste strecken – immerhin musste das Essen nun für ein paar Wochen länger reichen. Und das alles, weil er auf diesen Andreas Hansen gehört hatte. H.-G. Werderaner, oder wie ihn seine Feinde nannten – „Ätsch Dschi“, nahm sich zum wiederholten Male auf dieser Reise vor, sich einen anderen Veranstalter zu suchen. Hatte nicht der Cessnaritter sogar gesagt, er habe ein kleines Reiseunternehmen und beabsichtige, zu erweitern? Im Grunde konnte er ja mit dem auch nicht besonders, aber der war wenigstens nicht so ein Umweltaktivist.

Hm – die Tomatensoße war ja nicht
schlecht – aber irgendwas fehlte... Was war das nur? Ach ja, jetzt war er auf diesem Schiff, hatte diese niedliche Miss Scarlet wieder gesehen, und diese kleine Köchin hätte ihm durchaus auch gefallen können... Schade, dass Scarlet die falsche Nationalität hatte – aber ein Werderaner und eine Österreicherin, nein, undenkbar. Was war das denn nur – ach natürlich, Salz! Die Nudeln waren zu salzig, aber der Soße fehlte eindeutig noch eine Prise. Machte ja nichts, ging er eben noch mal los...

Bei den Frauen in der Kabine hatte man währenddessen be
schlossen, „Schwesternschaft“ zu trinken. Der Vorschlag der Gräfin war mit Begeisterung aufgenommen worden – nur Kat und Baby Jane schauten etwas ratlos, denn die beiden fanden auf Grund ihrer Zuneigung zu Falk einfach keinen Draht zueinander – und Scarlet war dazu auserwählt worden, in die Kombüse zu schleichen und eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank zu mopsen. Aufgeregt und mit klopfendem Herzen – in ihrem allerschönsten Herzchenpyjama – machte sich Scarlet auf den Weg in die Kombüse...

 

 

65. Folge: Würstchen und Baguettes (von Reggae-Gandalf)

"Wir hätten doch nicht Kaschi gehen lassen sollen" sagte Sir Hillary unruhig. Auch die Herren an Bord hatten sich noch Pläne für die Nacht gemacht. Ähnlich wie die Frauen, wollten sie den Abend noch nicht enden lassen und schlichen sich heimlich aus ihren Kabinen. Sie trafen sich in der etwas größeren Kabine des Cessnaritter. Da alle mit Verköstigung auf dem Ball rechneten blieben ihre Mägen leer. Doch sie wollten sich Abhilfe verschaffen.
"Bestimmt hat er sich verlaufen" stimmte Mickey mit ein, "er war halt doch noch zu betrunken. Wir sollten ihn suchen gehen." Alle stimmten ihm zu und be
schlossen gemeinsam loszuziehen. Schließlich fanden sie ihn auch ziemlich schnell, zusammengekauert in einer Ecke der Kombüse. "Ein Bild für die Götter" meinte Mickey, und selbst Willi stimmte mit einem verkniffenen Lächeln zu. Sie wunderten sich schon etwas. Hatten sie die Küche doch wesentlich gefüllter erwartet, mit allerlei Leckereien, die noch vom abgesagten Ball hätten übrig sein müssen, dachten sich aber nichts weiter dabei. Sie stecken nur einige Würstchen und Baguettes mit ein, da sie in ihrem Hunger keine Lust hatten nach mehr zu suchen und auch noch Kaschi in seine Kabine tragen mussten.
"Wenn Werderaner sie jetzt nur sehen würde, oder die Frauen" dachten sie sich...

 

 

66. Folge: Der Reeder unterm Küchentisch (von Paula_Tracy)

Scarlet sah sich vorsichtig um und flitzte, so schnell und so leise sie konnte, den Gang entlang. Hoffentlich sah sie bloß keiner – es wäre zu peinlich gewesen, wenn Cessnaritter oder Werderaner sie gesehen hätten! Eigentlich war der Cessnaritter ja sehr nett, aber ihr Herz – so unvernünftig es auch war – schlug noch immer höher, wenn sie den Reeder sah. Aber er hatte ja schon mal durchblicken lassen, dass er nur eine Zukunft für sie beide sah, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft annahm. Scarlet seufzte und stellte sich vor, wenn sie – z. B. als Frau des Reeders – entscheiden dürfte, wie das Schiff weiterfahren sollte. Von ihr aus könnte es ewig dauern! Im Grunde genommen konnte man ja diesem Andreas Hansen nur dankbar sein. Sie hatte richtig nette Freundinnen und zwei Verehrer gefunden. Und wer weiß – vielleicht lag dem Werderaner ja doch etwas an ihr...

Vorsichtig öffnete Scarlet die Küchentür – alles war dunkel, nur der Kühl
schrank rauschte vor sich hin. Auf Zehenspitzen tapste sie in dessen Richtung und erstarrte. Gerade konnte sie noch unter den riesigen Küchentisch springen. Der Kühlschrank stand weit offen und vor ihm praktisch alle auf dem Schiff vorhandenen Männer – nur der Captain, der Doktor und Fischkrepp fehlten – und staunten auf Grund der Leere des Schranks. Nun sah Scarlet auch, dass sie nicht allein unter dem Küchentisch hockte... Leider konnte sie nicht erkennen, wer es war – es war zu dunkel. Die Männer inspizierten währenddessen noch die Vorratskammer, und Willi und Anarky schleppten Kaschi in seine Kabine. „Genug jetzt“, meinte der Cessnaritter. „So sehr soll es ja morgen nicht auffallen.“ „Ich schließe besser ab“, sagte Mickey. „Nicht dass die Frauen auf die gleiche Idee kommen – ich möchte Ona nicht erleben, wenn sie morgen die Kombüse so vorfindet...“ „Oh nein“, dachte Scarlet und wollte schon aufspringen, um sich notfalls zu erkennen zu geben – doch da wurde das Schloss schon zugedreht... „Das darf nicht wahr sein!“ stöhnte Scarlet auf. In dem Moment flackerte ein Streichholz auf, und Scarlet sah direkt in die Augen von H.-G. Werderaner. „Miss Scarlet, was machen Sie denn hier?“ „Ich wollte... Ich wollte nur eine Flasche Champagner holen!“ stotterte Scarlet. „Und Sie?“ „Salz“, trotz der merkwürdigen Situation lächelte der Reeder. „Für die Tomatensoße.“ „Warten Sie!“ Scarlet war – ähnlich wie Paula – sehr praktisch veranlagt. Sie kroch unter dem Küchentisch hervor und machte zunächst eine kleine Lampe über dem Herd an. Dann fischte sie eines der Portionspäckchen Salz aus dem Vorratsschrank und setzte sich wieder zu Werderaner unter den Tisch. „Darf ich denn wenigstens mitessen?“ fragte sie keck, und bereitwillig stellte Werderaner seinen Spaghettiteller in die Mitte. „Dann müssen Sie aber auch den Champagner spendieren – raus kommen wir hier ohnehin nicht!“ sagte er. „Ach, ich denke, die anderen Frauen werden mich irgendwann vermissen und uns hoffentlich hier rausholen!“ hoffte Scarlet. „Wenn sie bloß keinen Filmionär spielen – dann vergessen sie alles andere, besonders Baby Jane und Paula Tracy.“ „So ein Blödsinnsspiel!“ wehrte Werderaner ab. „Wir machen es uns hier einfach gemütlich, was meinen Sie? Wollen Sie mir nicht ein wenig aus Ihrem Leben erzählen, Miss Scarlet? Haben Sie... ich meine, sind Sie irgendwie... liiert? Nicht, dass es mich irgendetwas anginge, aber ich...“

 

 

67. Folge: Champagner-Klau (Scarlet)

Und noch bevor H.-G. Werderaner weiter sprechen konnte, hörte man erneut ein Sperren am Schloss der Küchentüre. Gespannt schauten die beiden unter dem Küchentisch Sitzenden in Richtung Türe, die aufging. Es wurde das große Licht eingeschaltet und Scarlet erkannte Det in ihrem Bärchen-Pyjama. „Scarlet? Wo sind sie denn?“ rief sie in die leere Küche und schaute sich ratlos um. Schnell kroch Miss Scarlet unter dem Tisch hervor „Hier bin ich! Mir ist nur…“, schnell bückte sie sich noch einmal unter den Tisch und hob etwas auf, „…das Salz auf den Boden gefallen, das habe ich gerade gesucht. Hier ist es wieder!“ sagte sie und zeigte die Portionspackung Salz in Dets Richtung. Det nickte. „Mir ist eingefallen, dass sie den Champagner ja gar nicht finden können, der ist ja separat weggesperrt! Aber ich habe einen Generalschlüssel, damit kann ich den Weinkühlschrank aufsperren. A propos Schlüssel: Warum war eigentlich die Küchentüre versperrt?“ Scarlet spürte ein Ziehen an ihrem linken Pyjama-Hosenbein, sie blickte verstohlen nach unten und sah H.-G. Werderaner, der ihr mit einer Art Zeichensprache hektisch deutete, nichts von seiner Anwesenheit zu verraten. Sie verstand, was er sagen wollte und erzählte Det nur von den anderen Herren, die sie in der Küche überrascht hätten, als sie den Champagner suchte. Das war zwar eine kleine Notlüge, aber den Gefallen wollte sie dem Reeder schon tun. Außerdem war es ihr selbst auch ganz recht, nicht erklären zu müssen, dass sie sich mit dem Reeder gemeinsam unter dem Tisch getroffen hatte, um dort Spaghetti zu essen… Das klang selbst für sie, die es ja miterlebt hatte, ein klein wenig unglaubwürdig. Aber wer weiß, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde, vielleicht würde sie es ja später bei der Party nach zwei bis drei Gläschen Champagner erzählen, wie es wirklich gewesen ist. Sie wollte doch eigentlich keine Geheimnisse vor ihren neuen Freundinnen haben.
Unauffällig ließ Miss Scarlet die Salzpackung wieder unter den Ti
sch fallen und machte sich dann gemeinsam mit Det daran, die Champagnervorräte zu plündern. Sie hatte nicht einmal Angst, dass H.-G. Werderaner wegen dieses Raubzugs etwas gegen sie unternehmen würde, er war ihr jetzt schließlich etwas schuldig.
Det und Scarlet nahmen je zwei Fla
schen Champagner, zur Sicherheit auch noch eine Flasche Sekt, sie meinten, das müsste eigentlich reichen, um Schwesternschaft zu trinken, kicherten und zwinkerten sich zu. Die beiden versicherten sich, dass sie auch sonst nichts mehr vergessen hätten und machten sich dann auf zu den anderen, die schon sehnsüchtig auf die Getränke warteten. Gewissenhaft schaltete Scarlet das Licht in der Küche aus, zuvor lächelte sie– als Det gerade nicht hersah – und winkte in Richtung Küchentisch…

 

 

68. Folge: Grillparty auf dem Sonnendeck (von Paula_Tracy)

Nachdem die Damen endlich wieder komplett waren, wurde erst einmal fröhlich angestoßen und „Schwesternschaft“ getrunken. Sogar Kat und Baby Jane überwanden ihre Abneigung und umarmten sich kurz. „Ach, es ist so schön, die Luft ist so lau“ schwärmte Paula, die ein Bullauge geöffnet hatte. „Am liebsten würde ich an Deck gehen. Gibt es nicht ein Eckchen, wo uns keiner sehen kann, Det?“ Det überlegte. „Eigentlich nicht. Aber auf dem Sonnendeck ist abends keiner mehr, und Fischkrepp macht da auch keinen Rundgang. Sollen wir wirklich nach oben ziehen?“ Scarlet protestierte zwar, immerhin war das eine Pyjama-Party, und sie hatte noch nie gehört, dass die draußen stattfanden, aber sie beugte sich der Mehrheit. „Was denkst Du, Det – wäre es nicht toll, eine Grillparty zu veranstalten?“ hakte sich Anna Nümosia bei der Arzthelferin ein. „Im Kühlschrank lagen jede Menge Würschtl rum. Und eingelegte Steaks...“ Die Gräfin riss die Augen auf. „Aber wo bekommen wir einen Grill her? Und die Holzkohle? Und das riecht man doch? Und wer soll grillen?“ Det winkte ab. „Das ist kein Problem. Ein Grill steht im Maschinenraum, Kaschi grillt regelmäßig da unten, Grillkohle ist bestimmt auch noch da.“

Gesagt, getan – die Damen zogen aufs Sonnendeck, Baby Jane und Det holten Grill und Kohle, während Leo sich bereit erklärt hatte, das Grillen zu übernehmen. Scarlet fiel die Aufgabe zu, das Flei
sch aus der Küche zu besorgen. Ein kleines Lied summend, brach sie auf, natürlich in der Hoffnung, den Reeder dort noch anzutreffen.
Leo heizte erst mal den Grill an, die Damen stießen weiterhin fröhlich an und die eine oder andere hatte
schon verdächtig rote Wangen – genau wie Scarlet, die erst nach zwanzig Minuten mit Bratwürsten und Steaks nach oben kam. Die Gräfin schlug vor, ein Lied anzustimmen, doch so recht wollte man sich nicht einigen, auf welches – Paula und Scarlet wollten etwas romantisches, Baby Jane etwas flotteres, Smartie (ja, die war auch dabei) schlug natürlich nur Werbesongs vor, doch als Kat meinte, sie könne sich keinen schöneren Song vorstellen als „Ganz in weiß“, schwiegen alle Damen erst einmal, um dann gemeinsam einzustimmen:

„Ganz in weiß – mit einem Blumenstrauß,
so siehst Du in meinen
schönsten Träumen aus.
Ganz verliebt
schaust Du mich strahlend an,
es gibt nichts mehr, was uns beide trennen kann...
Ganz in weiß – so gehst Du neben mir,
und die Liebe lacht aus jedem Blick von Dir...
Und dann reichst du mir die Hand,
und Du siehst so glücklich aus,
ganz in weiß, mit einem Blumenstrauß...“

Anna Nümosia wi
schte sich eine Träne aus dem Auge und dachte an ihre tragisch verstorbenen Ehemänner, Kat, Paula und Scarlet träumten vor sich hin, Baby Jane dachte an Falk und die Hochzeit in Las Vegas... Leo legte die ersten Würstchen auf den Grill, es zischte, und man war wieder in der Wirklichkeit...

Auch in der Kabine der Männer ging es hoch her. Sir Hilary erzählte ein paar kleine Anekdoten aus seiner Jugend, Prinz Malko
schwärmte vom Länderspiel der Luxemburger gegen den Senegal, und die Schiffsjungen Willi und Mickey stritten sich mal wieder – kurz: Es war alles normal – bis Cessnaritter das Fenster öffnete... Was war das? Was musste seine feine Nase riechen? Sein geschultes Fliegerohr hören?

 

 

69. Folge: Party-Feeling (von Scarlet)

War das nicht der typische Geruch von Gegrilltem, dieser beißende Geruch, der einem an lauen Sommerabenden nur allzu oft in kleinen Hinterhöfen von Mietshäusern in die Nase steigt? Und das Geräusch? Dieses Lachen, Singen und Gläserklirren, bei dem man unter normalen Umständen kein Auge zubekam, was aber heute anscheinend ohnehin keiner vorhatte? Das klang und roch doch eindeutig nach einer Grillfeier! Und, was erschwerend hinzukam: Nach einer Grillfeier, zu der sie, die Herren, offensichtlich nicht eingeladen waren, was gelinde gesagt eine Frechheit, eine Unverschämtheit war! Das konnte nicht so weitergehen. Auch den anderen Männern waren, nachdem das Fenster geöffnet wurde, dieser Geruch und diese Geräusche nicht entgangen. Alle waren sich einig, dass diese illegale Grillerei nicht zulässig war, solange sie nicht dabei waren und so wurde einstimmig beschlossen, gegen die Veranstalter – wer auch immer das sein mag - aber dem würde man jetzt gemeinsam auf den Grund gehen – vorzugehen. Kampflustig und siegessicher machten sich die Männer in Schlafanzügen und Pantoffeln auf den Weg zum Sonnendeck, woher der dichte Rauch eindeutig kam. Je näher sie kamen, umso lauter wurde das Gekicher und Getratsche. Als die Herren näher kamen, sahen sie, was die Ursache für die Lärm- und Geruchsbelästigung war: Sämtliche weiblichen Passagiere waren hier versammelt und feierten ausgelassen und schienen sich dabei ausgezeichnet zu unterhalten. Dr. Tracy saß auf einem Rettungsring und verzehrte genüsslich ein Paar Bratwürstchen, neben sich hatte sie ein Schüsselchen mit Pfirsichhälften stehen. Kat, die in ihrem hellblauen Negligé mit Sternenmuster entzückend aussah, unterhielt sich angeregt mit der Gräfin und Det stand beim CD-Spieler, der sich bei der Bar befand und nahm Musikwünsche der anderen Damen entgegen. Nur mit großer Mühe konnte sie Smartie davon abhalten „The very best of Werbemusic“ einzulegen. Soeben hatten sich Baby Jane und Miss Scarlet „I am from Austria“ gewünscht, wehmütig sangen sie den Refrain mit. Xhosa und Leo tanzten zur Musik indem sie eine Art Stammestanz aufführten und Anna Nümosia wiegte sich mit erhobenen Armen im Takt der Musik.
Als das Lied zu ende war und eine kurze Pause entstand, bemerkten die Damen die Anwesenheit der Herren, die an der Treppe zum Sonnendeck standen und das bunte Treiben mit fassungslosen Blicken verfolgten, unfähig etwas zu sagen. Wie auf Kommando rannten alle hysteri
sch kreischend zu dem etwas geschützterem Eck, wo sich die Bar, der CD-Spieler und Det befanden und versuchten sich jeweils hinter der anderen zu verstecken. Dort stand jetzt das aufgeregte, ertappte Damen-Grüppchen und auf der anderen Seite die nicht weniger irritierte Männergruppe. Was sollte man jetzt tun, wie sollte man reagieren?

 

 

70. Folge: Die Tanzstunde (von Scarlet)

Nach einigen Augenblicken, die allen Beteiligten wie eine halbe Ewigkeit vorkamen, brach der luxemburgische Prinz den Bann. Er trat aus der Herrengruppe heraus und ging auf die Damen zu. In seinem dunkelblau-bordeaux gestreiften Satin-Schlafanzug mit goldgelbem Familienwappen auf der Brust sah er direkt elegant aus. Er blieb ein paar Schritte vor den Ladies stehen, die ihn erwartungsvoll anblickten, dann verbeugte er sich und sah Anna Nümosia an und fragte sie, ob er sie um einen Tanz bitten dürfte. Anna sah die anderen Damen fragend an, einige zuckten mit den Schultern, aber dann nickten doch alle und Anna machte einen Schritt nach vorne und streckte dem Prinzen ihre Hand entgegen, die in dem geblümten Ärmel ihres langen rosafarbenen Nachthemdes steckte. Schnell legte Det eine Walzer-CD ein und schaltete das Gerät ein, leise begann der Frühlingsstimmen-Walzer von Johann Strauß und das Paar bewegte sich anmutig im Takt dazu. Die Stimmung lockerte sich zusehends und Frau Nümosia schien Gefallen am Tanzen (und vielleicht auch an dem Prinzen) zu finden. Auch die anderen wurden im ¾-Takt mitgerissen und konnten nicht länger ruhig stehen bleiben und so gesellten sich immer mehr Tänzer auf die Tanzfläche. Xhosa forderte den Städteplaner auf und die Gräfin wagte ein Tänzchen mit Sir Hilary. Und bald schon war die Party wieder im Gange. Als der Donauwalzer erklang, wischte sich Miss Scarlet verstohlen ein Tränchen aus dem Augenwinkel, wehmütig blickte sie auf das weite Meer und die Sichel des Mondes, als plötzlich der Cessnaritter neben ihr stand „Miss Scarlet, wissen sie noch, was ich ihnen bei der Rettungsübung gesagt habe? Ich sagte, ich würde sie beim Ball um einen Tanz bitten. Würden sie mir jetzt wohl die Ehre erweisen?“ Er streckte ihr die rechte Hand entgegen, mit einem Blick, der kein Nein akzeptieren würde. Sie blickte verlegen zu Boden, reichte ihm jedoch die Hand und stand auf und ging mit ihm zur Tanzfläche. Wie von alleine folgten ihre Bewegungen dem Takt der Musik. „Sie tanzen ausgezeichnet, Miss Scarlet.“ flüsterte ihr der Cessnaritter ins Ohr, der mit seinem starken Arm ihre schmale Taille umfasste. „Danke, sie auch. Der Walzer liegt mir einfach im Blut.“ sagte sie. „Wiener Blut.“ scherzte der Cessnaritter.
Die Gesell
schaft feierte so ausgelassen - sogar Baby Jane hatte sich mit Kat näher angefreundet – sodass keiner bemerkte, dass sie alle eigentlich immer lauter wurden. Und mit der Zeit lockten der Grillgeruch, die Musik und das Lachen so ziemlich alle auf das Sonnendeck, die sich an Bord der Werderania befanden. Sogar der Kapitän, Fischkrepp und der Doktor erschienen gemeinsam, wobei der Kapitän einen marineblauen Samt-Schlafrock mit einer Doppelreihe goldener Knöpfe trug, der Doktor einen schlichten weißen Leinen-Pyjama und der Fischkrepp hatte zu seinem geschmacklosen braunen Schlafanzug – man wird es nicht für möglich halten – Pantoffeln mit Gummikreppsohle an! Dr. Tracys Herz schlug höher, als sie Dr. Few Masters erblickte und auch er sah in ihre Richtung, ja er kam sogar auf sie zu! Er hatte sein Versprechen, mit ihr zu tanzen nicht vergessen. So feierte man eine ganze Weile und gerade als Ona, die spanische Köchin auf der Bar einen Flamenco tanzen wollte, erschien H.-G. Werderaner in orange-grünem Nicki auf der Bildfläche…

 

 

71. Folge: Des Reeders Wutausbruch (von Scarlet)

Augenblicklich kehrte Ruhe ein, die Party-Gesellschaft erstarrte in Ehrfurcht und alle schauten den Reeder erschrocken und erwartungsvoll an. Was würde passieren, was wird er sagen? Würde er den Kapitän feuern, müssten die Passagiere zur Strafe jetzt in die USA rudern anstatt zu segeln?
„Was ist denn hier los?“ polterte er los. „Muss ich denn den ätzenden Grillgeruch in meinem Schlafzimmer tolerieren, wenn ich dem nächsten Morgen entgegen
schlummere? Vom Lärm der Besoffenen gar nicht zu reden! Von Rücksicht haben sie wohl noch nichts gehört, aber das Wort verliert ja sowieso immer mehr an Bedeutung, wie mir scheint! Ich meine, ich lasse dann auch schon mal gerne die Wutz raus. Zur Erklärung: „Die Wutz rauslassen“ heißt nichts anderes, als „feiern bis der Arzt kommt“, also man kann es auch eine Metapher nennen – aber was ich eigentlich damit sagen will: Grillgeruch, wenn man nicht mitfrisst, ist doch nichts Schönes.“
Die anderen standen fassungslos da, aber Ona, die immer noch auf der Bar stand, sprang jetzt hinunter, ergriff einen Teller mit Koteletts und Grillwürsten und drückte ihn dem Reeder mit funkelnden Augen und den Worten „Na dann essen sie halt mit, anstatt sich hier aufzuregen und herumzubrüllen!“ in die Hand.
H.-G. Werderaner sah in die wie betäubt dastehende Runde, Miss Scarlet zwinkerte ihm zu, mit einem Blick, der ihm sagen sollte: Seien sie kein Spielverderber. Um den Mund des Reeders zuckte es verdächtig und sein Gesicht verfärbte sich rot, er sah aus, als würde er jeden Moment zerplatzen. Er
schüttert starrten ihn die Umstehenden an, diese unüberlegte Handlung der Köchin würde sicher böse Folgen für sie haben. Mit einem Werderaner spaßt man nicht ungestraft. Und als jeder für sich ausmalte, wie die Strafe wohl aussehen würde, brach H.-G. Werderaner in haltloses Gelächter aus. Er lachte bis ihm die Tränen kamen und trommelte dabei mit der Faust auf das Treppengelände. Es war ein Anblick für Götter: Ein vor Lachen weinender H.-G. Werderaner im orange-grünen Nicki-Pyjama (mit weißem ‚W’ auf der Brust) einen Pappteller mit Gegrilltem in der einen Hand und mit der anderen Hand trommelnd… Ona stand wie angewurzelt vor ihm und starrte ihn entgeistert an, sie drehte sich zu den anderen um und sah Scarlet, die sich die Hand vor den Mund hielt und versuchte, krampfhaft das Lachen zu unterdrücken. Als diese aber in das fassungslose Gesicht der spanischen Köchin sah, konnte sie sich einfach nicht mehr beherrschen und lachte laut los und auch Ona konnte jetzt nicht mehr anders als Lachen.
Erleichtert stimmten bald alle anderen in das ansteckende Lachen der drei ein und einige wi
schten sich Lachtränen aus den Augen. Scarlet war froh, dass die Situation nicht eskaliert ist, denn es hätte auch anders ausgehen können, so gut kannte sie H.-G. Werderaner schon. Aber genauso gut wusste sie auch, dass er ja im Grunde seines Herzens kein Unmensch war. Auf ihn traf der Spruch „Harte Schale, weicher Kern“ so gut wie auf keinen anderen zu. Und genau das hatte er jetzt bewiesen, indem er lachend die Köchin aufforderte, ihm den Flamenco beizubringen.

 

 

72. Folge: Die Party geht weiter (von Paula_Tracy)

Nachdem der Bann gebrochen war, ging die Feier fröhlich weiter. Nur Willi fand, dass es nicht korrekt sei, dass Heino nicht eingeladen wurde. „Das war keine Absicht!“ sagte der betroffene Cessnaritter. „Wir haben ihn vergessen, aber wir könnten ihn ja noch holen...“ „Mr. Butermaker und Pete Morgan fehlen auch noch“ warf Falk Rickmers ein. „Butermaker kann sich mal wieder vom Premiere-Programm nicht losreißen und Morgan hatte wohl eine Inspiration für einen neuen Gruselkrimi...“ „Nichts da, die werden rausgeholt!“ rief die fröhliche Ona, die sich merkwürdigerweise überhaupt nicht dafür interessierte, wie das Fleisch aus der Küche auf den Grill gekommen war. „Heute wird gefeiert – wir lassen die Wutz raus!“ „Yeti-Klaus ist auch noch in der Kabine“ erinnerte Baby Jane, „und Kaschi schläft wahrscheinlich seinen Rausch aus.“ „Allmählich müsste er nüchtern sein“ der Doktor sah auf die Uhr. „Ich gehe mal nach ihm schauen, die anderen bringe ich auch mit... Willi, Du gehst am besten mit, Heino sieht ohne Brille nicht so gut.“ „Ach was, die Brille ist doch nur sein Markenzeichen,“ protestierte Willi „er braucht sie gar nicht. Und bei Nacht ist er auch nicht lichtempfindlich. „Egal,“ sagte Few Master, „du solltest ihn nach oben bringen. Er wird begeistert sein!“ Die anderen grinsten und auch Few Master konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich muss auch mal nach Nobbi, Patricia und dem armen Gandalf schauen. Paula, kommen Sie mit? Vielleicht brauche ich Ihren kollegialen Rat...“ „So ein Dummschwätzer,“ murmelte Det. „von einer Tierärztin...“ Dr. Master, Dr. Tracy und Willi verschwanden, und die anderen steckten die Köpfe zusammen, um darüber zu spekulieren, warum der Doktor die Hilfe einer Tierärztin bei einem Sonnenbrand brauchte, und ob Heino wohl etwas singen würde – und wie man das verhindern konnte.

Der Kapitän kam auf die bezaubernd aussehende Kat zu. „Kat, darf ich um den nächsten Tanz bitten?“ Kat errötete und sah im Augenwinkel, wie De Guy
schmerzvoll die Augen schloss. Immerhin hatte sie mit ihm noch gar nicht getanzt – der Knoblauchgeruch war noch zu stark - wenn er jetzt eifersüchtig war? Und ihre neue Freundin – Baby Jane? Oh je, die schaute auch wieder ganz giftig! Dabei konnte sie doch nichts dafür... Doch sie lächelte den Kapitän an. „Gerne, wie könnte ich dem Kapitän einen Tanz verwehren?“ Der Kapitän zog sie fest an sich, sie konnte den männlich-herben Duft seines Aftershaves riechen – welches war das noch mal – hatte sie nicht sogar den Werbetext dafür geschrieben? Beglückt schloss sie die Augen. Det legte „Something stupid“ auf (natürlich die Sinatra-Version) und die beiden tanzten versonnen und in sich versunken. De Guy wandte sich ab, er konnte es nicht mit ansehen. Doch da fasste jemand nach seiner Hand. Es war Baby Jane. „Geben Sie nicht auf, De Guy! Machen Sie Kat eifersüchtig! Sie soll sehen, was Sie an Ihnen hat. Tanzen Sie mit mir!“ Bereits in diesem Augenblick wusste Baby Jane, dass sie es bereuen würde – der Knoblauchgeruch war, wenn das überhaupt möglich war, noch schlimmer geworden... Doch tapfer – und selbstlos natürlich – ließ sie sich von De Guy zur Tanzfläche führen...

Inzwi
schen waren auch Pete Morgan, Mr. Butermaker (sehr widerwillig) und der tatsächlich ernüchterte Kaschi auf dem Deck eingetroffen. Pete Morgan trug einen braun-beige gestreiften Baumwollpyjama mit kurzer Hose, Mr. Butermaker einen schwarzseidenen Pyjama mit rotem Premiere-Emblem (ein Werbegeschenk) und Kaschi, den der Doktor und Paula erst mal unter die Dusche gestellt hatten, einen Frottee-Schlafanzug in verschiedenen Blautönen. Det legte sofort ihre CD, die sie gerade einlegen wollte, aus der Hand. „Der gehört mir!“ sagte sie laut.

 

 

73. Folge: Morgenstund hat Brief im Mund (von Reggae-Gandalf)

Sie ging auf Dr. Master, der mit Gandalf - Stützenderweise - ankam, zu. „Was ist denn jetzt...“ wollte Few Master grade loslegen, als Det an den beiden vorbei rannte, gradewegs auf Dr. Tracy zu. „Das ist mein Sekt“ keifte sie Paula an. Doch diese ließ sich davon nicht beeindrucken und wollte einfach an Det vorbeigehen. Kaum an ihr vorbei drehte sich Det um und schlug, Blind vor Eifersucht, Paula gegen den Sektglas haltenden Arm. Das Glas rutschte Paula aus der Hand und flog in hohem Bogen gradewegs auf den Teller von Werderaner. Wieder war alles still. Doch Werderaner rührte sich nicht. Langsam und vorsichtig ging der Cessnaritter in Richtung von Werderaner, der auf einem der an Deck stehenden Liegestühle platz genommen hatte, zu. Er schaute ihm über die Schulter. Erst flüsterte er etwas Unverständliches. Dann sagte er etwas lauter: „Der Werderaner ist eingeschlafen! Er hat nichts mitbekommen.“ Alle atmeten auf. Bevor die Situation doch noch eskalieren konnte, wurden Paula und Det, Geistesgegenwärtig von den anderen, getrennt und man schob Werderaner einen neuen gefüllten Teller unter.
Die Party ging bis in die frühen Morgenstunden. Langsam wurden alle aber müde, da sie einen langen und aufregenden Tag hinter sich hatten. Die ersten gingen in ihre Kabinen. Gegen 5 Uhr 30 hu
schte Baby Jane leise und von den noch verbliebenen Mitpassagieren unbemerkt in ihre Kabine Nr. 123. Ihr rötliches Haar war zerzaust, sie wirkte müde aber glücklich und ihre Wangen schimmerten rosig. Sie bemerkte nun endlich, dass jemand einen Briefumschlag unter ihrer Tür in den Raum geschoben hatte. Sie bückte sich, hob ihn auf und öffnete das Kuvert.

 



Rasch war das Schreiben überflogen, und rasch war festgestellt, dass der Brief irrtümlich bei ihr gelandet sein musste. Denn die zarte Botschaft voller Poesie war ganz offensichtlich an die Bewohnerin der Kabine Nr. 132 gerichtet. Baby Jane ordnete rasch ihre Kleider, brachte schnell das Haar in Ordnung, trat auf den Gang und klopfte trotz früher Morgenstunde an die Tür Nr. 132: „Paula, aufstehen! Post für dich!“

 

 

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