![]() Sehnsucht nach Leben 08/2006 |
MomentaufnahmeDer Winter hat die Natur noch fest im Griff. Er hat sie in eine weiße Starre gehüllt, die nur scheinbar lautlos ist. Bizarr sehen die dünnen, kahlen Äste aus, wie sie flehend in den blauen Himmel ragen, als wollten sie um Erbarmen bitten. In mein Zimmer ist schon der Frühling eingekehrt. Die tief stehende Sonne scheint zu mir herein, lacht mich an. Sie hat die Kälte und die Stille verbannt. Durch die Kristalle zaubert sie unzählige bunte Farbkleckse an die Wände. Die Pflanzen in ihrem matten Grün neigen sich dankbar zur Sonne. Man kann sogar schon neue Triebe erkennen. Der Wind, der leise durch das offene Fenster schleicht, bringt das Muschelwindspiel zum Tanzen und entlockt ihm eine wunderbare Melodie. Zarte Blüten haben sich gequält aus schrumpligen Blumenzwiebeln. Sie setzen farbige Akzente und strahlen mit der Sonne um die Wette. Ich möchte die Sonne einfangen, sie umarmen. Oder zumindest die Zeit anhalten. Vergebens! Klanglos geht die Sonne unter und das schwarze Schweigen macht sich wieder breit. |
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Der Tod ist Niederlage für die Materie, aber Sieg für Geist und Seele. |
![]() Die Hoffnung gibt mir die Kraft 2001 |
Eigentum?Die Krankheit. Diese Krankheit.! Meine Krankheit.!? Nein, sie ist nicht meine Krankheit! Denn sie hat von mir und nicht ich von ihr Besitz ergriffen. Sie macht mich zu ihrer Gefangenen, zu ihrer Geisel, zu ihrer Sklavin. Und gleichzeitig zu einem Menschen, der gelernt hat zu kämpfen. |
![]() Der Mond in meiner Hand 2002 |
GegangenDas Gartentor klappert leise im Wind. Das Namensschild ist abgefallen, rostet in einer Pfütze vor sich hin. Der alte Holzzaun verwittert langsam, eine grüne Schicht hat sich gebildet. Moos. Der Briefkasten quillt über, ist überzogen von Spinnweben. Das Unkraut wuchert und wuchert, lässt die Blumen nur noch erahnen. Die Bäume hängen voller Obst, unter der schweren Last drohen die Äste abzubrechen. Auf dem Schornstein haben Vögel ein Nest gebaut, ziehen dort ihren hungrigen Nachwuchs groß. Die Farbe blättert von den Fensterrahmen ab. Die Tür ist zugewachsen. Der Efeu hat sich um die Türklinke geschlungen und sich einen Weg durch das Schlüsselloch gebahnt. Nur spärlich fällt das Licht der aufgehenden Sonne durch die schmutzigen Fensterscheiben. Rhythmisch tropft der Wasserhahn. Auf dem Tisch eine Vase. Mit traurig verwelkten Blumen. Und alles liegt unter einer dicken Staubschicht. Das Radio läuft noch immer. Nachrichten. Wetter. “Heute wird ein schöner, warmer Sommertag. ... “ Und niemand weiß, dass er gegangen ist. |
![]() Spuren im Sand 2003 |
Spuren im SandSie läuft über die Düne in Richtung Meer. Das hohe Seegras raschelt leise im Wind. Flüstern! Der Strand ist menschenleer, nur zwei Möwen kreisen über der Wasseroberfläche in Hoffnung auf Beute. Der noch warme Sand tanzt im Rhythmus ihrer nackten Füße. Eine leichte Brise geht, zaubert ihr eine feine Gänsehaut. Sie bleibt stehen, atmet tief durch. Sie liebt den salzigen Duft, das beruhigende Rauschen und die scheinbare Unendlichkeit des Meeres. Der Sand wird langsam nasser, bis das kühle Wasser ihre zarten Füße umspielt. Sie findet eine weiße Muschel, hebt sie auf und streicht über die glatte Oberfläche. Diese kleine Muschel hat eine lange Reise hinter sich, bis sie erschöpft an Land gespült wurde. Genauso wie sie. Sie läuft weiter auf dem nassen Sand entlang, leichtfüßig geradezu tänzerisch. Sie wird kleiner und kleiner, bis sie schließlich ganz verschwindet. Ihre Fußabdrücke werden vom Meer weggespült. So, als wäre sie nie hier gewesen, als hätte sie nie existiert. |
![]() Nur der Augenblick zählt 2005 |
Tal der ErinnerungDicke Nebelschwaden hängen im Tal der Erinnerung. Die rote aufgehende Sonne hat Mühe, ihre wärmenden Strahlen durch den dichten Nebel zu schicken, der wie ein Schleier auf vergangenen Tagen liegt. Langsam gelingt es dem aufsteigenden Feuerball, den grauen Schleier in winzige Tropfen zu verwandeln - Tränen der Gegenwart. |