Mein Tor zur Welt



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Mehr als eineinhalb Jahre ohne Stimme!!! Die meisten werden sich das kaum vorstellen können und einige werden einwerfen, dass es auch viele stumme Menschen gibt, die ihr Leben auch ohne Stimme aktiv gestalten. Aber diese Menschen sind zum Glück nicht gelähmt, können sich dank Gebärdensprache oder schriftlich mitteilen. Das war mir aufgrund der fortgeschrittenen Lähmung leider nicht möglich. So musste meine family lernen, mir alles von den Lippen abzulesen. Mit der Zeit und viel Geduld, häufig verbunden mit Tränen, gelang es uns immer besser. Meine ersten zwei Gedichtbände entstanden, indem meine Schwester mir Wort für Wort von den Lippen gelesen und zu Papier gebracht hat. Was uns beiden unglaublich viel Kraft kostete!!!

Allerdings wäre mir die qualvolle Zeit ohne Stimme erspart geblieben, wenn man uns nach der Tracheotomie im Krankenhaus (Februar ´99) nicht gesagt hätte: „Entweder Beatmung ODER Sprechen – was ist dir wichtiger? Beides ist unmöglich!!!“ Mit dieser mehr als enttäuschenden Behauptung wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Durch Zufall erfuhren wir, dass man sehr wohl unter künstlicher Beatmung sprechen kann – dank einer Sprechkanüle. In Bad Berka (Februar ´00) bekam ich solch eine Kanüle eingesetzt – und es funktionierte: ich konnte wieder sprechen. Dieses Gefühl, als ich nach über einem Jahr wieder was sagen konnte, war einfach unbeschreiblich. Nachdem die Muskeln, die fürs Sprechen verantwortlich sind, über ein Jahr quasi brach lagen, musste ich mit einem Logopäden das richtige Sprechen erneut lernen, was aber sehr schnell ging. Ein gesunder Mensch ist sich sicher nicht bewusst, dass die Stimme viel mehr bedeutet als das Sprechen an sich. Mit ihr kann man Emotionen ausdrücken, man kann Schreien, wenn man Schmerzen verspürt usw.. All dies ist mir zwölf Monate lang verwehrt geblieben. Und das nur, weil sich ein Arzt anmaßte, allwissend zu sein und keine andere Meinung akzeptierte!!!

Leider fraß sich diese Krankheit immer weiter kopfwärts, so dass meine Stimme nach eineinhalb Jahren immer leiser wurde, meine Zunge und meine Lippen nicht mehr die Kraft hatten, die Buchstaben und Wörter zu „formen“. Und wieder begann das mühsame Lippenlesen. Da war ich an dem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr leben und den Kampf gegen diese Krankheit aufgeben wollte. Nur die Liebe und Kraft meiner family hielt mich am Leben – bis zu dem Tag, an dem wir von dem „Eyegaze-System“ erfuhren und wieder neue Hoffnung schöpften. …




Näheres zum Eyegaze-System auf:www.gschlosser.de

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